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Woher kamen die Ureinwohner der Kanarischen Inseln? (Gast-Artikel + Videos)

Woher kamen die Ureinwohner der Kanarischen Inseln? (Pyramide auf La Palma / Bild: D. Görlitz/Bild-Archiv abora.eu)
Woher kamen die Ureinwohner der Kanarischen Inseln? (Pyramide auf La Palma / Bild: D. Görlitz/Bild-Archiv abora.eu)

Pyramiden stehen nicht nur in Mexiko oder in Ägypten. Man findet sie auch auf den Kanarischen Inseln wie Teneriffa und sogar auf den Azoren. Wer aber hat sie dort wann errichtet? Sind sie ein Werk der Ureinwohner der Kanaren, die man heute zusammengefasst Guanchen nennt? Ein rätselhaftes Volk, deren Herkunft und Geschichte auf den Inseln noch immer Fragen aufwirft. Welche das sind, erfahrt Ihr in diesem Gast-Artikel von Dr. Dominique Görlitz.


Die Guanchen und das Rätsel der Kanaren

Die Geschichte und Herkunft der Guanchen genannten Ureinwohner der Kanaren ist eines der noch ungelösten Rätsel der modernen Archäologie. Die Theorien über deren Ursprung füllen ganze Bibliotheken. Die kulturelle Vielfalt der einzelnen Inseln und der Sachverhalt, dass sie ihre Sprache und ihre materielle Kultur bis zur Ankunft der Spanier beibehalten, machen die Kanaren als “Freilichtmuseum” im afro-europäischen Teil der Alten Welt einzigartig.

Dieser Kurzartikel soll auf das “Kanaren-Problem” aufmerksam machen, wie viel Forschung hier eigentlich noch zu leisten ist, um deren Herkunft zu erleuchten.

Die Historiker können das Dilemma der kanarischen Archäologie im Grund auf drei Problemfelder zurückführen:

  1. Das Fehlen schichtenkundlicher Studien, die das Beobachten einer Kulturabfolge für das vorspanische Teneriffa gestattet hätten.
  2. Das Fehlen einer absoluten und relativen Chronologie.
  3. Die Schwierigkeit, Beziehung zwischen den Altkulturen Teneriffas und der übrigen Kanarischen Inseln sowie die gleichzeitigen Kulturen der nahen Teile des afrikanischen Festlandes zu ermitteln und das Verhältnis der anthropologisch überschaubaren Menschengruppen zu den einzelnen Altkulturen zu klären.

Diese Schwierigkeiten werden noch dadurch verstärkt, dass viele Wissenschaftler immer noch die Kanaren als einen Teil Europas, und nicht Nordafrikas mit den entsprechenden Kulturen ansehen.

Vor etwa 20 Jahren habe ich dazu mit Thor Heyerdahl und Harald Brehm sowie anderen Forschern, auch von der Universität in La Laguna auf Teneriffa, eine Menge Arbeit investiert. Im Zuge der ABORA I (1999) habe ich die Ergebnisse auch in dem Buch “Segeln gegen den Wind im Mittelmeer” DSV Verlag Hamburg veröffentlicht. Heute hat sich die wissenschaftliche Situation nicht wesentlich gebessert.

Woher kamen die Ureinwohner der Kanarischen Inseln? (Bilder: D. Görlitz/Bild-Archiv abora.eu)
Pyramide von Güimar auf Teneriffa / Spiralförmigen Felsbilder von La Zarma auf den Kanarischen Inseln / Abora IV (Bilder: D. Görlitz/Bild-Archiv abora.eu)

Pyramiden auf den Kanaren

So werden die Pyramiden von Teneriffa und auf La Palma (s. Titelbild) immer noch vielfach spanischen Bauern zugeschrieben, obwohl die frühesten Chronisten die Urbevölkerung dafür verantwortlich machen (das Gleiche trifft übrigens auf die Azoren-Pyramiden von Pico zu!).

Ein weiteres Problem für die Klärung des Ursprungs stellen die beiden Floßfahrten mit RA I & II von Thor Heyerdahl dar. Aufgrund der schlechten Segeleigenschaften beider Papyrusboote, die nur direkt, also 180° vor dem Wind segelten, gehen die meisten Archäologen davon aus, dass die Erstbesiedler nur sehr weit nördlich gestartet sein konnten oder dass sie passiv, zum Beispiel von den Phöniziern, auf die Kanaren verschleppt wurden.

Der Kanarenexperte Bruno Schmidt, der ebenfalls eng in Kontakt mit Thor Heyerdahl stand, hat als erster anhand der Segeldaten von RA II versucht, den möglichst südlichen Startort einer Paläo-Besiedlung zu rekonstruierten.

Leider kannte er damals noch nicht das ABORA-Projekt, dessen Schilfboote sogar leicht gegen den Wind mit der Strömung aufkreuzen können.

So sind wir auf unserer letzten Expedition mit ABORA IV von Rhodos sowohl quer zum Wind als auch quer zu einer mäßig starken Strömung ohne Probleme halb am Wind gesegelt. Mit derart gut aufgetakelten Flößen wäre also nach meinen neueren Berechnungen ein Übersetzen selbst südlich von Safi möglich gewesen. Außerdem hätten jene Entdecker auch zwischen den Inseln segeln, und so kulturelle Errungenschaften austauschen können.

Die Pyramiden von La Palma oder Teneriffa sowie die spiralförmigen Felsbilder von La Zarma, La Palma demonstrieren, die Vielzahl der möglichen Herkunftsorte von der Bretagne bis ins Mittelmeer der erste Ureinwohner der Kanaren.

Dieser Artikel erschien ebenso auf der Webseite Atlantisforschung.de.Mit freundlicher Genehmigung. Links von Fischinger-Online.

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Lars A. Fischinger

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Rätselhafter Pfeifton nervt seit Jahren Anwohner in Fürth – Der Ursprung ist unklar

Rätselhafter Pfeifton nervt Anwohner in Fürth (Bild: L. A. Fischinger / ClipartPanda.com)
Rätselhafter Pfeifton nervt Anwohner in Fürth (Bild: L. A. Fischinger / ClipartPanda.com)

Rätselhafte Töne wie Brummen, Donnern oder Summen ohne erkennbare Herkunft sind seit Jahren weltweit bekannt. Man spricht hier von dem “Strange Sound Phenomenon” oder sogar “Himmelsposaunen”, über das auf meinem YouTube-Kanal bereits zweimal berichtet wurde (hier & hier). Doch auch im bayrischen Fürth sind seit zwei Jahren Anwohner einer Straße von einem mysteriösen Pfeifton genervt. Nach Medienberichten ist es bisher noch immer nicht gelungen die Ursache für diesen Ton zu finden. Was ist da los?

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Hallo, Ihr Lieben und Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Im März 2014 habe ich auf diesem Seiten erstmals über das Phänomen der “Töne aus dem Nirgendwo” berichtet. Anlass waren TV-Berichte über den “Knall von Berlin” und die globalen Berichte über sonderbare Geräusche am oder vom Himmel.Verschwörungen, Spekulationen und Rätselraten sind sehr oft folgen solcher Berichte in den Medien aus aller Welt und natürlich in der Mystery-Forschung (s. auch hier).

Auf Facebook wurde ich nun von dem Leser Sven M. auf Presseberichte auf Nordbayern.de aufmerksam gemacht, die von einem “mysteriösen Pfeifton in Fürth” berichten, der auch nach zwei Jahren “weiter Rätsel aufgibt.” Am 27. Juni 2014 berichtet die Webseite zum Beispiel:

Mysteriöses Geräusch bringt Fürther zur Verzweiflung – Schmerzender Piepton konnte bislang nicht lokalisiert werden.

Ein unregelmäßig wiederkehrender Pfeifton geht Bewohnern an der Vacher Straße seit etwa zwei Jahren gewaltig auf die Nerven. Alle Versuche, die Geräuschquelle festzustellen, sind bisher fehlgeschlagen. Fast täglich macht der penetrante Dauerton, der an das frühere Sendeschlusszeichen im Fernsehen erinnert und selbst Schallschutzfenster durchdringt, (…) zu schaffen.

Das Problem: der Ton tritt nicht regelmäßig zu bestimmten Zeiten auf und ist kaum zu orten. Auch seine kurze Dauer zwischen zehn Sekunden und drei Minuten erschwert die Analyse. (…) Zahlreiche Anwohner (fühlen) belästigt und haben das bei einer Unterschriftensammlung auch zu Protokoll gegeben.

Rätselhafter "Knall" nachts über Berlin - doch weltweit existieren Berichte von unerklärlichen Geräuschen am Himmel (Bild: WikiCommons / L. A. Fischinger)
VIDEO: Der rätselhafte “Knall” über Berlin – ein weltweites Phänomen! (Bild: WikiCommons / L. A. Fischinger)

Am 15. Juli wurde berichtet, dass sich zahlreiche Anwohner inzwischen auf die Suche nach dem Ursprung des nervigen Pfeiftons machen würden. Ebenso hieß es in einer Meldung, dass der seltsame Ton die Leser sehr bewegen würde und “eine Fülle von Hinweisen auf die Herkunft des mysteriösen Tons (…) bei den Fürther Nachrichten eingegangen” sei. Die Spekulationen über den Ursprung des Geräusches reichen inzwischen von “Planetenklang” und Wind über ein Kraftwerk oder vielleicht eine Kläranlage bis zu einem Amateurfunker, eine Rückkopplung von einem Lautsprecher, vibrierenden Eisenbahnschienen oder schlicht einem “Marderschreck”. Oder sogar Außerirdische. Auch habe ein Leser die Frequenz des unregelmäßig auftauchenden Tones gemessen:

Ein FN-Leser hat den Ton gemessen, der sich anhört wie das frühere Signal für den Sendeschluss im Fernsehen und eine Schwingung von exakt 569,2 Herz festgestellt. Es handelt sich seiner Ansicht nach um einen Sinuston, wie er von einem Frequenzgenerator erzeugt wird. Ein Trafo im Umspannwerk Vacher Straße komme deshalb nicht in Frage, weil der nur 50 Herz absondere. Zudem ist das Umspannwerk bereits erfolglos vom Ordnungsamt überprüft worden.”

Am 11. August wurde erneut über den Ton berichtet. “Die Ursache ließ sich trotz intensiver Bemühungen bisher nicht feststellen”, berichtete erneut Nordbayern.de. Dabei machte der Autor auch darauf aufmerksam, dass Fürth mit diesem bzw. einem mysteriösen Sound aus dem Nichts nicht allein in Deutschland sei. Auch der “Knall von Berlin” in den Ortsteilen Wedding und Pankow wurde dabei angesprochen. Doch alle Bemühungen der Ursachenforschung in Fürth waren bis dato erfolglos:

Strange Sound Phenomenon bereits vor über 160 Jahren?! (Bild: gemeinfrei / L.A. Fischinger)
VIDEO: Strange Sound Phenomenon bereits vor über 160 Jahren?! (Bild: gemeinfrei / L.A. Fischinger)

Ein ehemaliger Industriebetrieb in Stadeln, ein Neubau an der Vacher Straße, die Klimaanlage eines Supermarktes und das undichte Ventil einer Toilettenspülung: Die Vermutungen über die Geräuschursache sind vielseitig. Über Geräte und Kompetenzen zur Ortung des Pfeiftons verfügt das Fraunhoferinstitut für integrierte Schaltungen auf dem alten Flugplatz Atzenhof. Doch wie Randolf Hanke, der Leiter des  dort angesiedelten Röntgenentwicklungszentrums, auf Anfrage der Fürther Nachrichten erklärt, haben die Wissenschaftler keine freien Kapazitäten für Untersuchungen außer der Reihe.

Was mag die tatsächliche Ursdache sein? Das Phänomen von sonderbaren Tönen wie “Surren” und “Knallen” ist offenkundig sehr alt. In einem Video auf meinem YouTube-Kanal habe ich zum Beispiel auf einen über 160 Jahre zurückliegenden Fall hingewiesen. Nach meinem Video “Strange Sound Phenomenon über Berlin: was steckt hinter den weltweiten Berichten über Himmelsposauen” vom 25. März 2014 zu diesen Erscheinungen wurde in den Kommentaren viel diskutiert (danke dafür!), was es mit diesen Tönen auf sich haben könnte.

Verbindliche Lösung? Noch offen …!

Ich danke Euch, Euer Jäger des Phantastischen

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Bizarre Cargo-Kulte: Wenn Prinz Philip zum Gott, die USA zum “gelobten Land” und Seefahrer zu himmlischen Ahnen werden

Bizarre Kulte: Wenn Prinz Philip zum Gott wird und andere Cargo-Kulte (Bilder: Archiv e. v. Däniken & W.-J. Langbein)
Bizarre Kulte: Wenn Prinz Philip zum Gott wird und andere Cargo-Kulte (Bilder: Archiv e. v. Däniken & W.-J. Langbein)

Die Menschheit hat in ihrer Geschichte zahllose Religionen, Kulte, Bewegungen und Sekten “erschaffen“. Und immer wieder entstanden aus der Begegnung zwischen “fortgeschrittenen Menschen” und “Primitiven” sogar seltsame Kulte, die man heute Cargo-Kulte nennt. Die Europäer, wie etwa die ersten Seefahrer auf ihren Fahrten, wurden dabei immer wieder für “Götter” oder “wiedergekehrte Ahnen” gehalten. Sogar noch im Zweiten Weltkrieg verehrten Insulaner im Pazifik die Technik der Amerikaner als “göttlich” oder “magisch” und vom Himmel gekommen. Zum Teil auch die Soldaten selbst. Auch Prinz Philip, der nun 99jährige Duke of Edinburgh und Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II., wird in einem dieser Kulte “vergöttlicht”. Bizarre und zugleich faszinierende Kulte, wie Ihr in diesem Artikel erfahrt.


Zeitalter der Entdeckungen

Die heutige Welt wimmelt von Religionen, Kulten und Sekten. Es existieren nicht nur die vier großen Weltreligion Islam, Judentum, Hinduismus und Christentum, sondern unzählige große und kleine Religionen, Kulte und Glaubensvorstellungen neben diesen.

Vor Jahrhunderten war es nicht anders. Auch schon damals existierten auf Erden nicht zu zählende Kulte und Glaubensrichtungen und praktisch jedes Volk der Erde hat seine eigene und oftmals unabhängige Religion. Weltanschauungen, die sich teilweise regional in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelten. Götter, mythischen Helden, himmlische oder schlicht überirdische Wesen oder Ahnengeister, die lokal in unterschiedlichen Variationen verehrt wurden.

Im 15. Jahrhundert änderte sich das Bild der Welt schlagartig, als Christoph Kolumbus  eine schon sehr lange kursierende Idee endgültig beweisen wollte: Er plante Indien auf dem Seeweg zu erreichen, in dem er “verkehrt herum” in das Land der Gewürze und Reichtümer fuhr. Da die Erde rund sei, müsste man mit einem Schiff nur lange genug in Richtung Westen segeln und so würde man irgendwann die Küste Indiens erreichen.

Diese Vorstellung war fast richtig. So segelte Kolumbus mit drei Schiffen 33 Tage lang in Richtung Westen und betrat am 12. Oktober 1492 die Insel San Salvador; eine Insel der Bahamas-Gruppe in der Karibik. Er und seine Besatzung waren sicher, sie hätten Asien erreicht und den westlichen Seeweg nach Indien gefunden. Natürlich war diese Annahme falsch, wie heute jeder weiß. Kolumbus hatte den amerikanischen Kontinent (wieder) entdeckt. Damals ahnte niemand (heißt es zumindest!), dass zwischen Europa und Asien noch ein gewaltiger Doppelkontinent liegt.

Der Grundstein großartiger Entdeckungen und seltsamer Geschehnisse war gelegt.

“Göttliche” Seefahrer aus Europa

Kolumbus und seine Männer betraten San Salvador und trafen sogleich auf Eingeborene. Und diese waren alles andere als feindlich gesinnt. Der Sohn von Christoph Kolumbus hielt fest:

Wir bemerkten zwei oder drei Siedlungen, und das Volk der Eingeborenen rief uns an und dankte Gott. Einige brachten Wasser, andere brachten uns zu essen […] Wir verstanden, dass sie uns fragten, ob wir vom Himmel kämen.

Vom Himmel? In der Tat hielten die Ureinwohner von San Salvador die fremden, weißen und bärtigen Männer mit ihren riesigen Schiffen und in ihren seltsamen Kleidern für eine Art Götter. Für irgendwie “fremde Wesen” einer ebenso “fremden Welt”. Was im Grunde auch zutraf. Eine Tatsache, die sich rund 30 Jahre später in erschreckender Weise wiederholen sollte.

1519 landete Hernando Cortez mit elf Schiffen und einigen hundert Männern an der Ostküste Mexikos. Kein besiedeltes Land, denn dort existierte unter anderem das riesige Imperium der mächtigen Azteken, dessen ehemalige Hauptstadt Tenochtitlan heute Mexiko-City ist. Die Azteken glaubten an einen Gott mit dem Namen Quetzalcoatl, der, so ihre Überlieferungen, eines Tages wiederkehren würde.

Diesen Gott sahen die Azteken in dem fremdartigen Cortez, der mit mächtigen Schiffen und zahlreichen seltsamen Männern und Geräten über das Meer gekommen war. Ein Umstand, der bei der Eroberung des riesigen Azteken-Reiches sehr hilfreich war, denn Montezuma, König der Azteken, wagte es erst nicht Widerstand zu leisten und empfing freiwillig den Spanier in seiner Hauptstadt. In wieweit die eingeborenen Azteken allerdings tatsächlich Cortez und seine plündernden Spanier für “Götter” hielten, ist aber heute umstritten. Einige Historiker halten diese Aussagen für Propaganda bzw. Irrtümer der spanischen Chronisten.

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Solche Beispiele gibt es zahlreich aus dem Zeitalter der Entdeckungen. Ureinwohner der erkundeten Länder und Inseln sahen sich plötzlich fremdartigen Menschen gegenüber, dessen Herkunft sie sich nicht erklären konnten. Auch beim Untergang der legendären Kultur auf der Osterinsel im Pazifik scheint dies eine große Rolle gespielt haben. Zumindest indirekt, wie in diesem Blog-Artikel HIER beschrieben (s. a. Video HIER)

So etwa auch der legendäre Entdecker Cook 1779 auf Hawaii. Als James Cook die Inseln erreichte, betrat ein hoher Würdenträger der Ureinwohner Cooks Schiff “Resolution” und schmückte den Entdecker mit einem roten Umhang. Der Indio sah in Cook den legendären Helden Rono, der einstmals Hawaii verließ und inzwischen dort als Gottheit verehrt wurde. Dennoch wurde Cook später von Insulanern erschlagen, als sie ihren Irrtum erkannten …

Technik-Religionen

Doch nicht nur im Zeitalter der Entdeckungen sahen “primitive Eingeborene” in den Europäern Götter oder himmlische Wesen. Auch in moderner Zeit gibt es Beispiele, dass isoliert lebende Ureinwohner fremde Menschen und ihre Technologien als göttlich und magisch verehrten. Es entwickelten sich darauf regelrechte Technik-Religionen, die man heute in der Völkerkunde zusammenfassend Cargo-Kulte (Cargo steht für “Ware”, “Güter”) nennt.

Im Zweiten Weltkrieg tobte im Pazifik der Krieg zwischen den USA und dem Kaiserreich Japan. Japan hatte umfassende Expansionspläne und eroberte eine Insel nach der anderen, wurde letztlich aber doch geschlagen.

So kam es, dass im Frühjahr 1945 die USA die Region Hollandia (Neuguinea) zu einer Militärbasis ausbaute und dort bis zu 40.000 Soldaten mit ihrem militärischen Material stationierte. Auch ein Flugplatz wurde errichtet und pausenlos starteten und landeten Flugzeuge. Die eingeboren Papuas sahen staunend und voller Unverständnis und Unkenntnis dem regen Treiben der Amerikaner auf ihrem Land zu. Später verteilten die Soldaten auch kleine Geschenke an die Eingeborenen, wie es auch die frühen Entdecker wie etwa Kolumbus taten.

Doch nun geschah hier und auf anderen Inseln Neu-Guineas etwas Erstaunliches. Die Eingeborenen begannen aus Holz und Stroh Flugzeuge nachzubauen, die sie auf nachempfundenen Startbahnen stellten (s. Titelbild li.). Sie bauten Hallen und Funkmasten aus Holz und sprachen in hölzerne Mikrophone. Immer in dem Glauben, die “donnernden Himmelsvögel”, die US-Flugzeuge, wieder zur Erde zu locken. Eben genau so, wie sie es bei den amerikanischen Streitkräften gesehen haben. Es war die Geburt einer Art Religion, die lediglich auf der Unwissenheit der Eingeborenen gegenüber der modernen Technik beruhte

Ein ganz erstaunlicher Cargo-Kult existiert auf der Insel Tanna im südlichen Pazifik. Sie gehört zu einer Inselgruppe mit Namen Vanatu, die aus 80 Inseln besteht. Dort beten die Eingeborenen zu einem Messias mit dem Namen “John Frum“.

Die USA: Das “gelobte Land”

Seit über 60 Jahren ist dieser Kult nun bekannt und gibt bis dato Rätsel auf. Die Bewohner glauben an ein göttliches Wesen mit dem Namen John Frum und setzten diesen aufgrund christlicher Einflüsse der lokalen Missionare inzwischen mit Jesus Christus gleich. Die Wiederkehr von John Frum wird sehnsüchtig erwartet.

1942 war es dann so weit.

Soldaten, Schiffe und Flugzeug der USA erreichten das Eiland und die Bewohner erhielten von den Amerikanern Geschenke. Doch die Ureinwohner wollten mehr, mehr Cargo. So kam es, dass sich ein Ureinwohner mit Namen Neloiag als Reinkarnation ausgab und angeblich Rat wusste. Es wurden primitive Landepisten für die Himmelsvögel, die Flugzeuge der USA, angelegt und so wollte man diese göttlichen Vögel wieder auf die Erde locken um mehr Cargo beziehungsweise Geschenke zu bekommen.

Dr. Friedrich Steinbauer, Autor des Buches “Melanesische Cargokulte” (1971), ist sicher, dass es sich bei dieser Gottheit John Frum um eine erfundene Person handelt. Der Theologe konnte auch in seiner als Buch veröffentlichten Doktorarbeit 185 ähnliche Kulte nachweisen. Andere Forscher sind sicher, dass dieser John eine reale Person war, die sich einst auf der Insel aufhielt.

Beispielsweise der Mystery-Forscher, und Autor Walter-Jörg Langbein, der vor Ort auf Tanna den Kult beobachtete. Er ist sicher, dass es sich in Wahrheit um einen US-Soldaten gehandelt hat. Am 15. Februar 2004 konnte Langbein selber vor Ort beobachten, wie die Anhänger des Kultes mit Holzgewehren militärisch aufmarschieren, salutieren und Flaggen hissen. Alles zu ehren des Messias John Frum. Ebenso schreiben sich die Kultanhänger die Buchstaben USA auf den Körper; das gelobte Land, aus dem John Frum einst kam (s. Titelbild re.).

Auf diesem Blog finden Ihr HIER einen ausführlichen Artikel von Langbein darüber.

Prinz Philip: Ein Gott!

Von einem eher neuen Cargo-Kult, ebenfalls auf der Insel Tanna, berichtete beispielsweise die BBC schon 2007. Prinz Philip, Duke von Edinburgh und Ehemann der Königin von England, wird in diesem erstaunlichen Kult als eine Gottheit verehrt. Der Prinzgemahl, der am 10. Juni 2020 99 Jahre alt wurde, ist in seiner Heimat Großbritannien überaus beliebt. Doch so beliebt, wie in der “Prinz-Philip-Bewegung” von Teilen der Bevölkerung im Süden Tannas, dann doch nicht.

Die Anhänger des Kultes sehen in Prince Philip einen Berggeist der Insel und verehren Fotos des Prinzen. Chief Jack Naiva, Ältester des Stammes vom Dorf  Yaohnanen, berichtete der BBC, dass dieser Kult seit den sechziger Jahren existiert. Damals war die Insel noch Kolonialbesitz des britischen Königreiches. Eine Legende der Einwohner spricht von dem hellhäutigen Sohn eines lokalen Berggeistes, der laut Legende zur See fuhr, um auf diesem Wege eine angemessene Gemahlin zu finden.

Diese Legende wurde von den Kultanhängern der Insel mit dem Leben von Prinz Philip verwoben, der mit der englischen Monarchin tatsächlich eine mächtige Gemahlin hat. Ursprung dieses Cargo-Kultes um Prinz Philip könnte die “Religion” um John Frum sein, da er auch als Sohn von diesen angesehen wird.

Die rund 400 Gläubigen des Philip-Kultes erhielten im Jahre 1974 tatsächlich eine Bestätigung des Glaubens. Damals besuchte die britische Königin Elisabeth II. zusammen mit Prince Philip mit großem Pomp auf der königlichen Yacht “Britannia”die Insel. Die Gläubigen dachten, der hellhäutige Sohn des Berggeistes sei zurückgekommen um seine machtvolle Gemahlin zu präsentieren, die er nach langer Suche letztlich gefunden hatte.

Göttliche Geschenke aus Großbritannien

1978 wurde der Prinz von den dortigen Vertretern der britischen Regierung offiziell informiert, dass er nun ein “Gott” sei. Als Dank schickte Prinz Philip signierte Fotos und Geschenke. Später (1980 und 2000) folgten weitere Fotos des Prinzen für seine “Gläubigen”, auf denen er auch eine traditionelle Jagdwaffe seiner Anhänger hält. Diese hatten sie ihrem Gott zuvor geschickt. Selbst einige Vertreter des Kultes reisten später nach Großbritannien.

Im Jahr 2009 nahm sich auch der Fernsehen dieser Religion um den Prinzen an. So entstand die dreiteilige Dokumentation “Besuch aus der Südsee” auf dem Sender Arte, im Zuge dessen Stammesangehörige nach Großbritannien kamen. Fraglich, inwieweit hier noch ein echter Glaube, eine echte Religion mit dem Prinzen als Gott oder Messias, im Bewusstsein der Bevölkerung verankert sein wird.

Die Zeitung “Der Westen” kommentierte  die Dokumentation und die “Prinz-Philip-Bewegung” am 3. Juni 2009 mit den Worten:

Obwohl die Kulturen an beiden Polen der Welt unterschiedlicher nicht sein können, gibt es ein verbindendes Element, das die Dokumentation wie ein roter Faden durchläuft: Der Häuptling möchte Prinz Philipp animieren, nach Tanna zurückzukehren. Denn auf dem Südsee-Atoll wird der Geist des Kronprinzen als Gott verehrt.

Wenn er seinen Dienst in England verrichtet hat, sollte er in seine Heimat am anderen Ende der Welt zurückkehren, glauben die Männer. Sie schaffen es tatsächlich, eine Audienz beim Prinzen zu bekommen.”

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Neue DNA-Studie veröffentlicht: Genetiker auf den Spuren versunkener Anden-Kulturen in Südamerika

Genetiker auf den Spuren versunkener Anden-Kulturen in Südamerika: Neue DNA-Studie veröffentlicht (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Genetiker auf den Spuren versunkener Anden-Kulturen in Südamerika: Neue DNA-Studie veröffentlicht (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Der Ursprung und die Vermischung der zahlreichen Völker und Kulturen im Raum der Anden in Südamerika ist bis heute noch in vielen Teilen unbekannt. Mangels schriftlicher Aufzeichnen dieser ist die Forschung hier fast ausschließlich auf archäologische Befunde angewiesen. Helfen könnte hier die Genetik. So hat es in der Vergangenheit bereits einige genetische Untersuchungen dazu in der Anden-Region gegeben. Jetzt aber hat ein internationales Team von Forschern die bisher umfangreichste DNA-Untersuchung der Ur-Bevölkerung der Anden veröffentlicht. Genetisches Material von Nord-Peru bis hinunter nach Argentinien wurde ausgewertet, das aus der Zeit vor der Ankunft der Europäer in Südamerika stammt. Damit also “reine DNA” der präkolumbianischen Einwohner lieferte. Was die Untersuchungen ergaben und welche Fragen sich daraus für die Zukunft ergeben, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Die Rätsel der Anden

Woher kamen die einzelnen Völker und Kulturen in Südamerika, speziell im Gebiet der Anden an der Westküste des Kontinentes? Wie entwickelten und wanderten Angehörige der zahlreichen dort versunkenen Kulturen vor Jahrtausenden? Und wie verlief die Migration untereinander?

Genau solche und ähnliche Fragen versuchen Nicht nur Archäologen seit langer Zeit zu ergründen.

Auch Gen-Untersuchungen der heutigen und früheren Bevölkerung dienten den Wissenschaftlern immer wieder als Instrument der Forschung. Was sich in den letzten Jahren immer wieder als problematisch herausstellt, da durch die spanische Eroberung der Anden-Region im 16. und 17. Jahrhundert die lokalen Bevölkerungen mit den Europäern vermischten. Oder durch eingeschleppte Krankheiten gleich ganz ausstarben.

Jetzt hat internationales Forscherteam die Ergebnisse am 7. Mai in einer neuen DNA-Untersuchung veröffentlicht, die zur Klärung genau dieser Fragen in erheblichem Maß beiträgt. So die Überzeugung der beteiligten Experten aus Archäologie und Genforschung. Denn die größte bisher durchgeführte Untersuchung dieser Art konzentrierte sich auf genetisches Material, das aus präkolumbianischer Zeit aus der gesamten Andenregion stammt. Menschliche Überreste von Personen, die vor der Ankunft der Europäer in der Anden-Region lebten.

DNA der Ureinwohner der Anden

Das Team unter Leitung der „Harvard Medical School“ (HMS) und der Universität von Kalifornien analysierte dazu das Gen-Material von 89 Menschen, die in einem Zeitraum von vor 9.000 bis 500 Jahren lebten und starben. Gewonnen bei Ausgrabungen von Anden-Völkern von Nord-Peru bis hinunter nach Chile und Argentinien. Dabei wurde nicht nur bereits früher gewonnene DNA genutzt, sondern insgesamt 64 Proben mit einem Alter von 500 bis ca. 4.500 Jahre neu sequenziert.

Erstmals seien dabei auch Anden-Völker berücksichtigt worden, die bisher nicht genetisch umfassend beachtet wurden. Etwa jene von Tiahuanaco, Nazca oder den Moche. Der Hauptautor der Studie, Nathan Nakatsuka von der „Harvard Medical School“, nannte deshalb die Untersuchung „ein faszinierendes und einzigartiges Projekt“. Und Professor Lars Fehren-Schmitz der Universität Kalifornien ergänzt:

Es ist die erste detaillierte Studie zur Andenpopulationsgeschichte, die von vorkolonialen Genomen mit weitreichender zeitlicher und geografischer Abdeckung geprägt ist.

Stolz sind die beteiligten Wissenschaftler vor allem auch deshalb, da sich bisherigen genetische Studien dieser Art vor allem auf Europa und West-Asien konzentrierten (s. a. Video HIER). Die Entwicklung und Wanderung der Anden-Kulturen war hier eher ein weißer Fleck auf der genetischen Landkarte. Mangels schriftlicher Aufzeichnungen in Südamerika war man hier bisher auf archäologische Grabungen und entsprechende Funde angewiesen. Dazu kam die Vermischung mit den europäischen Eroberern:

In den Anden war die Rekonstruktion der Bevölkerungsgeschichte auf der Grundlage der DNA-Analyse heutiger Menschen eine Herausforderung, da sich seit dem Kontakt mit Europäern so viele demografische Veränderungen vollzogen haben. Mit alten DNA-Daten können wir eine detaillierte Rekonstruktion der Bewegungen von Menschen durchführen und wie diese sich auf Änderungen beziehen, die aus den archäologischen Aufzeichnungen bekannt sind.“

So Genetik-Professor David Reich vom Blavatnik-Institut der HMS.

Friedliche “Übernahmen”?

Nach den Ergebnissen dieser umfassenden Untersuchungen habe es bis vor 5.800 Jahren in den Anden verschiedene genetische Populationen. Sie entwickelten sich mehr oder weniger autark, bis dann zu diesem Zeitpunkt eine genetische Vermischung einsetzte. Sie dauerte 2.000 Jahre. Diese Wanderbewegungen reichten bis in das Gebiet des Amazonas du sogar von Nord-Peru bis in die südlichen Anden im, heutigen Argentinien. Fehren-Schmitz deutet dies als starkes Indiz, dass im Imperium der Inka ganze Personengruppen umgesiedelt wurden:

„Dies könnte als genetischer Beweis für die Umsiedlung von Personen unter Inka-Herrschaft angesehen werden, eine Praxis, die wir aus ethnohistorischen, historischen und archäologischen Quellen kennen.“

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Warum aber „genau diese Migrationen stattgefunden haben“ müssen zukünftige Untersuchungen zeigen, so Nakatsuka. Er verweist auch darauf, dass verschiedene Kulturen oder Völker dort offenbar nicht durch den Einfall anderer Gruppen untergingen. Für deren Aufstieg oder Untergang muss es andere Gründe geben:

Zu unserer Überraschung beobachteten wir während des Aufstiegs und Niedergangs vieler großer Andenkulturen wie Moche, Wari und Nasca eine starke genetische Kontinuität.

Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Fall dieser Kulturen nicht auf eine massive Migration in die Region zurückzuführen ist, z. B. durch eine eindringende Streitmacht, ein Szenario, das in einigen anderen Regionen der Welt dokumentiert wurde.“

Die legendären Stadt Tiahuanaco hoch in den Anden von Bolivien unweit des Titicaca -Sees scheint eine Ausnahme gewesen zu sein, so die Forscher. Hier scheinen Menschen unterschiedlichster Herkunft nebeneinander gelebt haben. Ähnlich, wie wir es „heute in Orten wie New York City und anderen Großstädten sehen“, so Nakatsuka.

Chachapoya – die rätselhaften „Wolkenmenschen“

Insgesamt entstammt das untersuchte Gen-Material von 22 verschiedenen Volksgruppen und Kulturen der Region. Nur eine Auswahl angesichts der Vielzahl von Völkern in Südamerika. Was in der Studie auffällt ist, was nicht in ihr steht. Und zwar scheinen die Wissenschaftler keine DNA-Untersuchungen der Chachapoya vorgenommen zu haben.

Jenem seltsamen Volk im Norden von Peru, dass die Inka „Wolkenmenschen“ oder „Nebelkrieger“ nannten, und deren kultureller Beginn noch weitestgehend unklar ist. Irgendwann zwischen 400 und 500 nach Christus sei die Chachapoya-Kultur entstanden, vermuten die Anden-Archäologen. Einige datierten sie 2.000 Jahre zurück.

Eine halbe Millionen Chachapoya lebten noch, als die mächtigen Inka etwa 1475 ihre Kultur unterwarfen. Das war bevor die Spanier in den Anden einfielen. Keine 20 Jahre nach der Ankunft der Eroberer dezimierten Krankheiten das Volk, so dass 1549 nur noch 90.000 von ihnen lebten. Von den „weißesten und schönsten Indianer Perus“, wie sie ein spanischer Chronist beschrieb, waren nur kurze Zeit später fast alle Tod.

Um genau dieses Volk aus den Bergen ranken sich aber zahlreiche Mythen. Denn, wie es vor allem der deutsche Autor und Kulturwissenschaften Hans Giffhorn zu belegen versucht, einige vermuten ihre Wurzel in Europa. Ihre Vorfahren waren nach diesen Thesen Kelten oder Seefahrer der Phönizier, die lange vor Kolumbus in Südamerika waren. Entlang der Flüsse des Amazonas zogen diese immer weiter in Richtung Westen, bis aus deren Nachfahren und indigenen Ureinwohnern die Kultur der Chachapoya in den Bergen von Peru erblühte.

Kelten lange vor Kolumbus in Südamerika?

Tatsächlich gibt es durchaus Parallelen zwischen den „weißen Indianern“ und der alten Welt Europa. Zum Beispiel in der Architektur ihrer Bauten. Selbst an Tuberkulose sollen Chachapoya bereits gestorben sein, bevor diese Krankheit überhaupt erst aus Europa nach Südamerika kam. Nachgewiesen sei das an entsprechenden Mumien und Verstorben der „Wolkenmenschen“.

So zumindest die Befürworter dieser These.

Es hat in der Vergangenheit einige genetische Untersuchungen an Überresten der Chachapoya gegeben. Befürworter der europäischen Abstammungsthese halten diese aber nicht für aussagekräftig genug, da es sich vor allem um Genmaterial handelt, das mütterlicherseits vererbt wird. Die mutmaßlichen Einwanderer aus West-Europa waren aber Männer, da solche „Expeditionen“ in der Vergangenheit immer von Männern durchgeführt wurde. Argumentiert beispielsweise Giffhorn in seinen Veröffentlichungen (z. B. HIER).

Somit sollte bei zukünftigen genetischen Forschungsprojekten der jetzt veröffentlichten Art durchaus die Kultur der Chachapoya genauer in den Fokus gerückt werden.

Was übrigens in der Studie vollkommen fehlt – und wohl niemanden wirklich wundern wird! – sind Gen-Analysen und –Vergleiche der angeblichen „Alien-Mumien aus Peru“ aus dem Gebiet Nazca. Jene ominösen Funde, über die auf diesem Blog und meinem YouTube-Kanal bereits vielfach beichtet wurde. Denn genetisches Material der präkolumbianischen Bevölkerung von Nazca wurde natürlich ebenso untersucht …

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Religiöse Verschwörungstheorien: Corona (COVID-19) als Strafe Gottes für China und die Welt – oder als Teil der “jüdischen Weltverschwörung”

Religiöse Verschwörungstheorien: Corona (COVID-19) als Strafe Gottes für China und die ganze Welt (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Religiöse Verschwörungstheorien: Corona (COVID-19) als Strafe Gottes für China und die ganze Welt (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Offensichtlich gibt es in den Medien längst kein anderen Thema mehr: Corona bzw. COVID-19. Das Corona-Virus hat die Welt, die Mainstreampresse, die Sozialen Netzwerke und die alternativen Medien fest im Griff. Scheinbar kennt die Öffentlichkeit und die ganze Welt kein anderes Thema mehr, wie diese Pandemie. Das hat natürlich längst auch Verschwörungstheorien auf den Plan gerufen, die nicht nur im Netz kursieren. Neben klassischen Fake-News haben sich auch überaus verstörende Behauptungen zu Corona verbreitet. Vor allem auch von der religiösen Seite her. Von einer unter Führung der USA und der „zionistische Lobby“ arrangierte Reduzierung der Bevölkerung bis zu einer Verschwörung gegen den Islam oder eine Rache Gottes ist alles dabei. Was hinter diesen zum Teil unheimlichen Verschwörungstheorien steckt erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Corona (COVID-19) hält die Welt in Atem

In den Medien und der Öffentlichkeit gibt es derzeit fast kein anders Thema als das Corona-Virus. Egal ob Mainstreammedien, unzählige Sondersendungen am TV, alternative Medien, Soziale Netzwerke, Boulevardpresse, der Nachbar von Nebenan oder die Mainstreampresse Corona bzw. COVID-19 ist gefühlt rund um die Uhr in aller Munde.

Vor allem die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmten dabei den Alltag der Berichterstattung. Und natürlich auch die direkten und langfristigen Folgen der COVID-19-Pandemie. Die Frage woher das Virus eigentlich kam, wann und wo es ausbrach, ist längst zweitrangig geworden. Es war Ende Dezember 2019 und der Januar 2020 in der Stadt Wuhan in China, wo es sich zu einer Epidemie ausbreitete.

Für die Medien damals durchaus von Interesse. Doch nicht zu vergleichen mit der aktuellen Situation, seit die Virus-Erkrankung zu einer Pandemie wurde.

Ereignisse mit weltweiten oder weitreichenden Konsequenzen für die Gesellschaft ziehen häufig auch Verschwörungstheorien nach sich. Das zeigt uns die Geschichte seit Jahrtausenden. Nicht anders ist es beim Thema Corona. Wobei man momentan sieht, dass die Mainstreammedien sehr, sehr schnell dabei sind, sämtliche kursierende Fake-News dazu als „Verschwörungstheorie“ zu bezeichnen. Selbst vollkommen belanglose und harmlose Sprüche und Aussagen, die sich vornehmlich in Sozialen Netzwerken oder via Messangerdiensten wie WhatsApp verbreiten.

Eine globale Seuche, eine Pandemie, die längst weltweit zahlreiche Tote forderte wirkt sich aber auch in anderer Hinsicht aus. Und zwar auf religiöse Vorstellungen von Menschen überall um den Globus. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben.

Seuchen als Strafe Gottes

Der Mensch hat schon immer Seuchen aller Art religiös interpretiert. Als „Strafe Gottes“ für Menschen, Ungläubige oder sogar die ganze Menschheit. Man denke an die Millionen Toten, die durch eingeschleppte Krankheiten bei der Eroberung der amerikanischen Kontinente unter den Ureinwohner zu beklagen waren. Oder die „Spanische Grippe“ am Ende des 1. Weltkrieges. Vor allem aber die verschiedenen Ausbrüche der Pest im Mittelalter in Europa mit Millionen Opfern.

Denn vor allem in den Jahrhunderten, in denen immer wieder Pest-Epidemien in Europa wüteten, brachten die Menschen dies mit Gott in Verbindung. Eine Strafe Gottes sei über sie gekommen und allerorts predigten Geistliche und selbsternannte Endzeit-Propheten Buße und Umkehr. Die „Geißel Gottes“ entvölkerte ganze Gebiete in Europa. Tot und Elend war in den Zentren der Epidemien die Folge, und niemand kannte die wahre (biologische) Ursache davon. Also muss Gott sie gesandt haben …

Viele Jahrhunderte sind seit der Pest vergangen. Und die allermeisten Menschen – auch und vor allem die religiösen Gläubigen – haben sich längst von dieser Art Aberglauben abgewandt. Fast niemand sieht in der Pest oder „modernen Seuchen“ etc. noch eine Strafe Gottes für eine ungläubige oder sündige Menschheit. In der Regel auch nicht in der Corona-Pandemie.

Aber keine Regel ohne Ausnahme! Im Fall Corona sind einige (wenige) Verschwörungstheorien im Umlauf, woher dieser Virus „in Wahrheit“ stammen soll. Von Gott heißt es da durchaus ebenso wie von mächtigen dunklen Eliten.

Bill Gates steckt dahinter!

Zum Beispiel kursiert die Idee, dass „Microsoft“-Mitgründer Bill Gates hinter all dem stecken würde. Immerhin habe er schon im März 2015 erklärt, dass eine neue Seuche kommen werde. Das sei nur eine Frage der Zeit und „für den nächsten Ausbruch sind wir nicht vorbereitet“, so Gates damals. Hierbei bezog er sich auf den Ausbruch von Ebola 2014, der „dank Tausender selbstloser Helfer“ nicht zu einer globalen Pandemie wurde.

„Es besteht kein Grund zur Panik“, so Gates, „aber wird müssen anfangen“ uns auf einen zukünftigen Seuchenausbruch vorzubereiten. Vor allem auch mit der Erforschung von Impfstoffen. Und jetzt, wo weltweit Corona um sich greift, vermelden Medien, dass seine Stiftung „Gates Foundation“ 100 Millionen US-Dollar zur Erforschung und Bekämpfung von COVID-19 spendet.

Hauptziel ist natürlich die Entwicklung eines Impfstoffes. Immerhin hat Gates schon am 28. Februar 2020 im „New England Journal of Medicine“ gewarnt, dass sich der Corona-Ausbruch zu einer Jahrhundertseuche entwickeln kann. Hat Gates also diese Seuche selber lanciert, um ach letztlich an ihr (noch mehr) zu bereichern, so einige dunkle Überlegungen.

Folglich, so wird dabei unterstellt, seien Gates Millionen eigentlich keine „Spende“ im eigentlichen Sinn zum Wohle der Menschheit. Vielmehr wäre das Geld eine wohl durchdachte Investition des Milliardärs.

Es geht aber noch unheimlicher in Sachen Corona-Verschwörung. In Wahrheit, so zum Beispiel einige Spekulationen im Iran, ist Corona eine Biowaffe der USA. Absichtlich freigesetzt um Menschen zu töten, was ja auch fast immer der Zweck biologischer Kampfstoffe ist.

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So makaber es sich anhören mag: Für eine biologische Waffe ist der COVID-19-Virus viel zu harmlos. Im Vergleich zu der Anzahl der weltweit infizierten sterben recht wenige Menschen daran. Für Anhänger dieser Verschwörung wäre das sicher kein Problem. Dann wäre diese Corona-Biowaffe halt absichtlich als eine leichte und abgeschwächte Waffe konzipiert worden. Vielleicht, damit sie eben nicht als eine solche erkannt wird.

Corona ist eine jüdische Verschwörung

Im Irak hat diese Verschwörungstheorie der Politologe Muhammad Sadeq Al-Hashemi bereits am 26. Februar 2020 verbreitet. Die „zionistische Lobby“ und die USA wollen mit der Freisetzung des Virus „die Weltbevölkerung reduzieren“, so Al-Hashemi. Dabei würden sie auch nicht vor den eigenen US-Bevölkerungen halt machen, da die jüdische Weltverschwörung Platz für das eigene Volk haben will.

Die jüdische Familie Rothschild habe auch vor, so der irakische Verschwörungstheoretiker weiter, ein Drittel der Bevölkerung Schottlands auszurotten. Dazu besäße der reiche Familien-Clan ein Monopol an entsprechenden geheimen Laboratorien, in denen entsprechende biologische und sogar nukleare Waffen entwickelt würden, behauptet Al-Hashemi. Vor allem zähle auch das gefährliche Anthrax („Milzbrand“) seiner Meinung dazu (in der Tat wurde der Kampfstoff auf der schottischen Insel Gruinard Island 1942 bis 1942 an ca. 80 Schafen getestet).

Sehr ähnliches hat auch Dr. Taha Al-Mutawakkil, der Houthi-Gesundheitsminister des Jemen, behauptete. In seiner am 20. März 2020 im Fernsehen gesendeten Freitagspredigt, schob er den USA die Schuld an Corona in die Schuhe. „Amerika ist in der Lage, alle Nationen der Welt zu massakrieren“ und habe auch „nichts dagegen, seine eigenen Bürger zu töten“. Schließlich hätten sie mit den Anschlägen am 11. September 2001 bereits getan, so Al-Mutawakkil „im Namen“ Allahs.

Bechir Ben Hassen, ein in Frankreich lebender Geistliche aus Tunesien, sind in Covid-19 die Rache Allahs. „Nichts im Himmel oder auf Erden“ können diese Seuche Gottes aufhalten, da auch dieser Virus zu seinen „Soldaten“ gehöre. Für Hassan ist klar, dass dies eine Rache des Himmels gegen die Chinesen selber sei, da sie die muslimischen Volksstamm der Uiguren unterdrücken:

Das Virus ist ein Soldat in Allahs Armee. Heute stürzt es Menschen, als wären sie Insekten. Die chinesischen Behörden haben eine Million uigurischer Muslime belagert, und jetzt werden 50 Millionen Chinesen wegen des Virus belagert, und sie können kein Heilmittel dafür finden, weil dies Gottes Wille ist.“

Die Rache Allahs

„Nachdem China eine Million Uiguren isoliert hat, isoliert Allah China von der Welt“, stimmte der ägyptische Geistliche Ahmed Issa al-Maasrawi von der Al-Azhar-Universität Hassen zu. Scharfe Kritik kam in einem Onlinekommentar eines Gläubigen zu diesen Behauptungen:

Versetze dich nicht an Allahs Stelle. Allah rächt sich nicht kollektiv an einer ganzen Gemeinschaft. Er verbrennt den Weizen nicht mit der Spreu. Wenn du deine Religion gegenüber der Welt verteidigen willst, benimm dich wie ein Mensch.“

Tatsächlich bereitet der Gedanken an einer Strafe des Himmels „muslimischen Geistlichen besondere Probleme, da das Virus in muslimischen Ländern“ bereits weit verbreitet ist. Diese Länder wären im Vergleich darauf auch vielfach westlich schlechter vorbereitet und dagegen ausgerüstet, so Zvi Bar’el in einem Artikel auf „Haaretz“ am 11. März 2020. Corona mache dabei „keinen Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten oder zwischen arabischen und nicht-arabische Muslimen“.

Vielleicht sei es aber nur eine Verschwörung gegen den Iran selbst, wie es Präsident Hassan Rohani glaubt:

Unsere Feinde wollen den Iran aus Angst vor dem Coronavirus zu schließen. Dies ist eine Verschwörung unserer Feinde, und wir dürfen nicht zulassen, dass sie Erfolg haben.“

Christliche Bibelfundamentalisten sehen katastrophale Ereignisse aller Art überaus gerne als Zeichen der Apokalypse. Auch sie sind dabei genauso in der Minderheit, wie fundamentale Prediger im Islam. Es mag allerdings durch auch Bibelfundamentalisten geben, die von der einen oder anderen Art einer Verschwörung sprechen. Überwiegend sehen es aber Anhänger des Christentums „gelassen“, wie es scheint.

Also nicht als Strafe Gottes oder Ähnlichem. Inklusive dem Papst als deren geistliches Oberhaupt im Vatikan.

Ein „geistlicher Corona-Virus“

Der Virus sei wie die „Sünde“. Und wie die Sünde breitet sich auch die Pandemie unter den Menschen aus, sagt zum Beispiel die Webseite „Bibelpraxis“ in einem Podcast. Also soll man sich vor Corana ebenso „schützen und fernhalten“, wie es ein Christ auch von der Sünde tun sollte. Denn die Sünde sei ein „geistlicher Corona-Virus“, doch keine Strafe oder ähnliches von Gott.

In einem Artikel zum Virus heißt auf der christlichen Internetseite auch:

„Die Bibel spricht im Blick auf die Endzeit von Seuchen und Plagen. Die aktuelle Situation zeigt, wie realitätsnah diese biblischen Hinweise sind.

(…) Das ist nicht die einzige Plage, die uns Menschen aktuell beschäftigt. Zurzeit fallen Milliarden von Heuschrecken über Ostafrika und Pakistan her. Die Felder der Bauern sind inzwischen zum Teil vollkommen verwüstet. (…)

Vielleicht sollen das Coronavirus und die Heuschrecken dich aufwecken, damit du in deinem Leben eine geistliche Katastrophe verhinderst.“

Recht ähnlich sieht es auch Reinhold Scharnowski in einem Artikel auf „Livenet“, dem „Webportal von Schweizer Christen“:

Also: Lassen Sie sich grippeimpfen, waschen Sie die Hände gut und husten Sie in den Ellbogen – aber um Gottes willen, heben Sie dann den Kopf hoch! Gott hat die Kontrolle nicht verloren. Das Beste kommt erst noch.“

Es sei zwar verständlich, „dass diese ‚Zeichen der Zeit‘ gern Angst erzeugen, so Scharnowski, aber das hat nichts mit einer „Endzeit“ zu tun. Von einer Verschwörung sprechen so oder so die wenigstens Christen.

So zeigt sich wieder einmal sehr deutlich, dass einschneidende Ereignisse sehr schnell allerlei Verschwörungstheorien nach sich ziehen. Im Fall Corona scheint es aber so zu sein, dass neben den „üblichen Verdächtigen“ auch der Zorn des Himmels eine Rolle zu spielen scheint.

Fehlt eigentlich nur noch die Behauptung, dass COVID-19 von Außerirdischen geschickt wurde. Als Teil einer Alien-Invasion

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Neue Studie zum Rätsel der Osterinsel – Doch vielleicht brachte erst der Besuch der Europäer dort das Ende

Die Rätsel der Osterinsel: Brachten erst die Europäer das Ende der Kultur? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)
Die Rätsel der Osterinsel: Brachten erst die Europäer das Ende der Kultur? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)

Als im Jahre 1722 die Osterinsel Mitten im Pazifik durch niederländische Seefahrer entdeckt wurde, war dort die Welt scheinbar noch in Ordnung. Eine Welt, in der die Insulaner hunderte riesige Steinfiguren mit Namen Moai anfertigten, die inzwischen weltberühmt sind. Doch etwas dramatisches muss sich auf der “einsamsten Insel der Welt” ereignet haben, denn der Kult um die Moai wurde ebenso zerstört, wie die gesamte Inselwelt an sich. Wann und warum das geschah, ist schon lange ein Streitpunkt in der Forschung. Jetzt zeigt eine neue Studie, dass Kult und Kultur auf der Osterinsel offenbar wesentlich länger existierten, als bisher angenommen wurde. Aber wann genau und warum ging diese mächtige Religion dort unter? Waren die Insulaner wirklich alleine an ihrem Untergang schuld? Vielleicht war der erste kurze Aufenthalt der Europäer (mit) die Ursache, wie Ihr in diesem Beitrag erfahrt.


Die Osterinsel

Die Osterinsel im Südosten des Pazifiks gehört sicherlich zu den berühmtesten Inseln der Welt. Sie braucht sich in ihrer Bekanntheit nicht hinter bekannten Inseln wie etwa Hawaii im Norden des riesigen Ozeans verstecken. Und doch ist die Osterinsel weitaus rätselhafter und bei den meisten Menschen nur aufgrund einer Eigenart bekannt: Den Moai. Riesige Menschenfiguren aus Stein, die zu hunderten auf der winzigen und einsamen Insel verteilt zu finden sind. Vermutlich waren es einst über 1.000 Exemplare und genau 887 Moai sind es noch heute.

Genau dieses Kolossalstatuen, von denen einige über 12 Tonnen wiegen, machten die Insel berühmt. Hier herrschte ein Kult um diese Moai, was allein ihre gewaltige Anzahl auf der nur rund 160 Quadratkilometer winzigen Insel belegt. Eine Massenanfertigung von seltsam aussehenden und starr blickenden Figuren hat hier einstmals stattgefunden. Und zählt man jene Moai-Figuren dazu, die die Ureinwohner in Größen von nur einigen Dutzend Zentimetern anfertigen, ging ihre Anzahl zweifellos in die Tausende.

Mit großer Mühe meißelten die früheren Einwohner der Insel ihre Figuren. Idole, die sie teilweise auf Plattformen stellten, die vor allem rund um die Küstenlinien der Insel errichtet wurden. Auf dieses Ahu genannten Plattformen bugsierten sie ihre fertigen Moai, die die Arbeiter zuvor in den Steinbrüchen der dortigen Vulkane aus dem Fels schlugen und zu ihren vorgesehenen Plätzen schafften.

Bis auf sieben (die „Sieben von Akivi“ – s. d. Artikel HIER) blickten die Moai alle in Richtung Inselinneres.

Und noch heute sieht man auf der gesamten Insel verteilt Moai stehen und liegen. Einige zerbrochen, anderen halb im Erdreich vergraben und wieder andere sogar noch unfertig in den Steinbrüchen. Irgendwann jedoch wurde der religiöse und zeremonielle Kult um diese Moai-Idole bedeutungslos. Scheinbar „von jetzt auf gleich“, was mehr ein eindrücklich die unfertigen Figuren in den Steinbrücken am Vulkan Rano Raraku belegen.

Was geschah auf der Osterinsel?

Was war hier einst geschehen?

Darüber streiten sich die Archäologen und Interessierten bis heute. Denn der „Moai-Kult“ auf der Osterinsel ist in vielerlei Hinsicht rätselhaft und einzigartig. Hierzu zählt auch die vollkommen isolierte Lage der Insel im Pazifischen Ozean. Luftlinie sind es zur Küste Südamerikas 3.833 Kilometer und die nächsten Nachbarn leben auf der Pitcain-Insel in 2.078 Kilometern Entfernung. Das ist dort, wo 1790 nach der legendären „Meuterer auf der Bounty“ die Flüchtigen ihr Versteck fanden. Zu den bekannten Inseln von Tahiti westlich der Osterinsel sind es 4.251 Kilometer.

Nicht ganz zu Unrecht hat die Osterinsel deshalb ihren Beinamen „einsamste Insel der Welt“. Einer der Gründe, warum die Polynesier aus dem Westen sie erst sehr spät besiedelten, wie es die Archäologie besagt. Auch wenn die durch Thor Heyerdahl angestoßene Diskussion um Siedler aus dem Osten – von Südamerika, Peru – noch immer im Gespräch ist.

Einzigartig und damit überaus seltsam erscheint die Osterinsel mit ihren einmaligen Kult auch deshalb, da das Eiland so gar nicht nach einer schönen Pazifikinsel aussieht. Kein „tropisches Paradies“, eher ein Steinklotz im Ozean ohne nennenswerte Bäume. Für viele Forscher waren die Ureinwohner selber der Grund, dass die Osterinsel nach und nach zu dem wurde, was sie heute ist. Sie haben durch exzessive Abholzung und Landwirtschaft ihre Umwelt zerstört. Der karge Boden der felsigen Vulkaninsel verlor dadurch auch seinen Halt. Wind und Regen trugen den einst fruchtbaren Boden ins Meer.

Spekulationen um einen winzige Insel

Solche Ereignisse führten eines Tages zur Revolution, zum Untergang der einmaligen Kultur der Insel. Die Moai wurde bedeutungslos, die Herrscherkaste verlor ihre Macht und das Volk lehnte sich auf. So die klassische Interpretation zum Untergang der Moai. Auch wenn eine in diesem Video HIER vorgestellte Studie besagt, dass die Moai errichtet wurden, um Süßwasserquellen anzuzeigen.

Spekulationen um die Kultur von Rapa Nui, wie die Insel bei den Ureinwohnern heißt, sowie die rätselhaften Moai an sich gibt es sehr viele. In der etablierten Archäologie ebenso, wie bei alternativen Historikern, Prä-Astronautikern, Esoterikern und Atlantis-Autoren. Dies zeigt sehr eindrücklich, welche Faszination die Osterinsel heute ausübt. Zum Beispiel wären da:

  • Hier landeten einst Außerirdische vor Jahrtausenden, die Moai sind ihre Abbilder bzw. Erinnerungen an sie.
  • Die Moai sind verstorbene Ahnen oder Herrscher. Damit also Ahnengeister.
  • Seefahrer aus Südamerika (Peru, Bolivien) brachten die Kultur auf die Insel.
  • Die Moai wurden als „Wegweiser“ zu Wasserquellen erbaut.
  • Nach einer unsäglichen Odyssee erreichten Seefahrer aus Polynesien die Osterinsel und entkamen so dem sicheren Tod auf dem Ozean. Von nun an verachteten sie das Meer geradezu, weshalb sie die Moai schufen und mit dem Rücken zum Ozean an den Küsten aufstellen.
  • Die Osterinsel ist die Spitze eines riesigen versunkenen Kontinents, der Mu genannt wird (s. a. Artikel HIER).
  • Die Ureinwohner haben mangels Bäume für Bauholz ihre tonnenschweren Statuen auf einer rutschigen Schicht aus Kartoffelbrei über die Insel gezogen. So wurde die Nahrung knapp – der Untergang des Kultes war nicht mehr aufzuhalten.
  • Um die Figuren zu transportieren … haben die Bewohner jeden einzelnen Baum gefällt.
  • Ratten und Mäuse haben die Samen der Bäume alle gefressen, so dass die Vegetation keine Chance auf Erholung hatte.

Ein hausgemachter Untergang?

Besiedelt wurde die Insel nach offizieller Lesart im 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus. Hier ist man sich nicht einig. Einig ist man sich aber, dass sich zwischen ca. 1000 und 1300 die eigentliche Zivilisation dort entwickelte, wie wir sie heute kennen. Auch der Raubbau nahm zu. Es folgten Kriege unter den Stämmen, Kannibalismus, ein extremer Rückgang der natürlichen Ressourcen wie Seevögel als Nahrungsquelle und ein vollkommener Zerfall der Gesellschaft.

Der Untergang war also hausgemacht, wovon die meisten Forscher ausgehen. Die Bewohner zerstörten das ökologische Gleichgewicht ihrer Heimat und waren durch ihre Isolation im Ozean letztlich machtlos. Andere Forscher sehen auch eine jahrelange Dürre oder Klimawandel als Ursache des Verfalls. Vielleicht auch eine Kombination aus all diesen Gründen. Auch der Bau neuer Moai und ihren Ahu-Plattformen  wurde letztlich eingestellt. Um das Jahr 1600, so die bisherigen Datierungen, war der Maoi-Kult Geschichte.

Was aber bisher so gut wie nicht beachtet wurde, ist der Einfluss der europäischen Entdecker auf die dortige Gesellschaft und Kultur.

Entdeckt wurde die Insel erst Ostersonntag 1722 durch den Niederländer Jakob Roggeveen, der ihr auch den heutigen Namen gab. Wobei wahrscheinlich bereits der Seeräuber Edward Davis 1687 die Insel von seinem Schiff aus sichtete. Betreten hatte er sie allerdings nicht, obwohl er glaubte, dass er den sagenumwobenen Südkontinent „Terra Australis“ entdeckt habe.

Könnte vielleicht dieser Besuch 1722 dem einsamen Volk der Osterinsel den Todesstoß versetzt haben? Durchaus möglich, wie sich aus einer jetzt im „Journal of Archaeological Science“ veröffentlichten Studie um Robert DiNapoli von der University of Oregon ableiten lässt.

Wann zerbrach die Kultur der Osterinsel?

DiNapoli und sein Team haben durch neue Analyse der bereits von der Insel bekannten C14-Datierungen und der physikalischen und geologischen Daten rund um die Ahu-Plattformen der Moai herausgefunden, dass dieser Kult weit länger praktiziert wurde, als bisher angenommen. „Wir nutzen diese Methode, um erstmals die Geschichte des Plattformbaus auf der Osterinsel zu rekonstruieren“, so Carl Lipo von der Binghamton University und Mitautor der Studie:

Wir haben herausgefunden, dass die Menschen schon kurz nach ihrer Ankunft auf der Insel mit dem Bau dieser Steinmonumente begannen. Dann führten sie diese Arbeiten bis in die Zeit hinein fort, als ab 1722 die ersten Europäer ankamen. Unsere Ergebnisse demonstrieren ein Fehlen jedes Belegs für einen Kollaps vor dem ersten Kontakt mit Europäern.“

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Anhand der Daten sind die Forscher sicher, dass auch noch nach der Ankunft der Europäer der Moai-Kult weiter praktiziert wurde. Es wurden weiterhin neue Figuren gebaut und neue Plattformen für sie errichtet. Deshalb ist DiNapoli überzeugt, „dass es keinen Kollaps der Monument-Konstruktion vor Ankunft der Europäer gab“ und widerspricht damit der gängigen Lehrmeinung. Es ließe sich keinerlei Beweis finden, dass um das Jahr 1600 die Gesellschaft und der Kult auf der Osterinsel zusammenbrachen, resümieren die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung.

Für viele Osterinsel-Forscher ist das alles andere als neu. Denn diese Tatsache lässt sich durchaus anhand der Aufzeichnungen der ersten europäischen Seefahrer nachvollziehen. Was bisher fehlte waren die wissenschaftlichen Belege für diese Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert. Die Zerstörungswut gegen die Statuen, ihre heiligen Plattformen und sicher auch gegen die dazugehörigen Priesterkaste, muss viel später einsetzt haben.

1722: Der Kult lebt

Carl Friedrich Behrens, ein Seefahrer, der 1722 bei der Entdeckung der Insel durch Roggeveen dabei war, notierte in seinen Erinnerungen “Der wohlversuchte Süd-Länder” damals:

“(…) die Leute hatten, dem Ansehen nach, keine Waffen, allein, wie ich merkte, so verließen sie sich in dem Fall auf ihre Götter oder Götzenbilder, welche allda in einer großen Menge am Strande aufgerichtet, vor welchen sie niederfielen und sie anbeteten.

Diese Götzen-Bilder waren alle aus Stein gehauen, und der Form nach, wie ein Mensch, mit langen Ohren, oben auf dem Haupt mit einer Krone gezieret, doch alles nach der Kunst gemacht, worüber wir uns nicht wenig verwunderten. Bey und um diesen Abgöttern herum waren in 20 bis 30 Schritt, lauter weiße Steine gelegt. Einen Theil dieser Leute, sahe ich für Pfaffen an, weilen sie die Götzen mehr verehrten, als die anderen, auch im Anbeten sich gegen selbige  viel devoter bezeigten.”

Offensichtlich wurden die Seefahrer unter Roggeveen bei der Entdeckung der Insel eindeutig Zeuge eines lebhaften Moai-Kultes. Von einem untergegangene Kult und den überall zerstörten Figuren und Stätten, ist hier keine Rede. Im Gegenteil.

Das sah nur wenige Jahre ganz anders aus. Nachdem am 15. November 1770 Don Felipe González im Auftrag von Manuel d’Amat i de Junyent, Gouverneur von Chile und Vizekönig von Peru, die Insel betrat, ließ dieser überall christliche Kreuze aufstellen. Er sollte im Auftrag der Krone Spaniens die Osterinsel in Besitz nehmen, denn der Konkurrent England wurde ihnen in Südamerika und im Pazifik zu stark.

González verschwand nach getaner Arbeit wieder und segelte weiter Richtung Feuerland. Zurück blieben die Zeichen der Annektierung der Insel durch Spanien. Womit die Einheimischer sicher so oder so nichts anfangen konnten.

1774: Das Ende war da

Einige Jahre später war auf der Osterinsel nichts mehr, wie es einst war. Zwischen dem 13. und 17. März 1774 hielt sich der legendäre Entdecker James Cook während seiner zweiten Seefahrtexpedition durch die Südsee auf der Insel auf. Und er war wenig begeistert von dem kleinen Eiland, wie er seinem Logbuch anvertraute:

Die See scheint wie von Fischen befreit, konnten wir doch nicht einen einzigen fangen, und es waren auch nur sehr wenige, welche wir bei den Eingeborenen entdeckten.

Keine Nation wird je für die Ehre kämpfen, die Osterinsel erforscht zu haben, zumal es kaum ein anderes Eiland im Meer gibt, welches weniger Erfrischungen bietet und Annehmlichkeiten für die Schifffahrt denn dieses.“

Der Naturforscher und Ethnologe Georg Forster, der Cook während dieser Reise begleitete, schrieb in „Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee“ unter anderem eindrücklich:

Fünfzig Schritte weiter fanden wir einen erhabenen Platz, dessen Oberfläche mit ebensolchen Steinen gepflastert war. In der Mitte dieses Platzes stand eine steinerne Säule aus einem Stück, die eine menschliche Figur, bis zu den Hüften abgebildet, vorstellen sollte und zwanzig Fuß hoch und fünf Fuß dick war.

Diese Figur war schlecht gearbeitet und bewies, dass die Bildhauerkunst hier noch in der ersten Kindheit war. Augen, Nase und Mund waren an dem plumpen Kopf kaum angedeutet, die Ohren nach der Landessitte ungeheuer lang und besser als das übrige gearbeitet. Den Hals fanden wir unförmig und kurz, Schultern und Arme nur wenig angedeutet. Auf dem Kopfe war ein sehr hoher zylindrischer Stein aufgerichtet, der über fünf Fuß in der Breite und Höhe hatte. Dieser Aufsatz, der dem Kopfputz einiger ägyptischer Gottheiten glich, bestand aus einer anderen, rötlichen Steinart. Kopf und Aufsatz machten die Hälfte der ganzen Säule aus, soweit sie über der Erde sichtbar war.

Wir bemerkten übrigens nicht, dass die Insulaner diesen Statuen Verehrung erwiesen.

Auf der Ostseite der Insel kamen wir zu einer Reihe von sieben Bildsäulen, wovon noch vier aufrecht standen, eine hatte aber schon die Mütze verloren. Sie standen auf einem Piedestal, und die Steine im Postament waren behauen und passten gut ineinander.“

Tod und Elend

1774, nur 52 Jahre nach der Entdeckung, waren Kult und Kultur der Osterinsel zerstört. Die Moai umgeworfen und teilweise zerbrochen, die Sockel vernichtet und die Insulaner erwiesen ihren einstigen Heiligtümern keine Verehrung mehr. Warum das so kam, wird sich wohl niemals mehr restlos klären lassen.

Nach den ersten Besuchen breiteten sich von den Europäern eingeschleppte Krankheiten auf der Insel aus, gegen die die Ureinwohner machtlos waren. Sklavenhändler aus Südamerika überfielen immer wieder die Insel und verschleppen die Bewohner. Leid, Tod und Elend breiten sich aus, so dass eines Tages nur noch knapp 110 bis 150 Menschen auf der Insel lebten. Heute sind es wieder fast 8.000. Hinzu kam die Plünderung und Zerstörung der Kulturgüter, wie die berühmten Schrifttafeln der Insulaner. Holztafeln, die mit der Schrift „Rongo-Rongo“ beschrieben waren, und die es nur dort gab. Heute sind fast alle zerstört – durch Missionare ebenso wie sicherlich durch „abgefallene“ Einheimische. Einige wenige sind nur noch erhalten.

Vielleicht hätten diese Holztafeln das Geheimnis über die Geschichte und den Untergang lüften können.

Doch wie konnte es soweit kommen?

Mehr als 1.500 Jahre lebten die Insulaner vollkommen isoliert und allein auf ihrem kleinen Stück Erde. Auch wenn es eine zweite Siedlungswelle aus Polynesien und möglicherweise aus Südamerika gegeben haben mag. Ihre Welt, ihr Universum, war ihre Insel, der endlose Ozean und der Himmel über ihren Köpfen mit den Sternen in der Nacht. Dann kam plötzlich der Entdecker Roggeeveen aus dem Nichts über das Meer zu ihnen. Aus einer vollkommen fremden Welt, von denen die Insulaner nie etwas hörten.

Mutmaßlich bestand Ihre gesamte Welt nur aus ihrer Insel, etwas anders gab es nicht im Kosmos. Außer die Ahnen und Götter.

Sturz der Moai-Priester

So schnell, wie die Niederländer 1722 kamen, verschwanden sie auch wieder. Die Bewohner waren wieder allein und verlangten mit Sicherheit Antworten von ihren Führen und geistigen Oberhäuptern. Konnten die Moai-Priester nicht mehr sagen oder sie im Voraus auf die Ankunft der Fremdlinge vorbereiten?

Konnten sie nicht. Auch nicht, als einige Jahre später Don Felipe González 1770 über das Meer kam und seltsame Kreuze in ihrer Welt verteilte. Als Zeichen der Inbesitznahme durch die spanische Krone. Einem Land auf der anderen Seite des Planeten, mit dem kein Insulaner wirklich irgendwas anfangen konnte. Schon gar nicht damit, dass ein anders unbekanntes Land, nämlich England, mit diesem Spanien in Konkurrenz stand. Und was sollen diese Kreuze eines ihnen fremden Gottes, die diese Weißen überall aufstellten?

Das Volk verlangte endlich Antworten von ihren allmächtigen Priestern oder Schamanen. Schließlich haben sie in tiefem Glauben und voller Leidenschaft jahrhundertelang für die Elite die Moai aus dem Felsen geschlagen, transportiert, aufgestellt und verehrt. Und dabei ganz nebenbei ihre Umwelt und Lebensgrundlagen mehr und mehr zerstört.

Ebenso erbrachte der Kult um den „Vogelmann“ keine Antworten. Ein religiöses Ritual, bei dem das erste Ei des Jahres der Seeschwalbe von der vorgelagerten „Vogelinsel“ in einem Wettbewerb geholt wurde. Die Teilnehmer schwammen hinüber, suchten das Ei, schwammen zurück und übergaben es ihrem Oberhaupt. Der Sieger wurde daraufhin für ein Jahr der „Vogelmann“ und Früherer, der seinem Stamm damit Ruhm und Ehre einbrachte.

Nur konnte auch dieser stolze Sieger als eine Art „Verkünder des Glaubens“ dem Volk nicht die Ankunft der Fremden erklären. Oder sie zumindest darauf vorbereiten. Sie brachte das “Fass zum Überlaufen” und die Gelegenheit, sich der nun lästigen Arbeit an den Moai im Steinbuch zu entledigen und sich gegen die Oberen aufzulehnen.

Ob es so oder so ähnlich war? Niemand weiß es. Denkbar ist es schon.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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“Bosnische Pyramiden” von Visoko: Inzwischen boomt der Tourismus – Zur Freude der Bevölkerung (+ Videos)

Die "Bosnischen Pyramiden" und die Touristen - hier "Sonnenpyramide" via Google Earth
Die “Bosnischen Pyramiden” – hier “Sonnenpyramide” via Google Earth: Ein Magnet für Touristen (Bild: Google Earth)

Vor 15 Jahren entdeckte Dr. Sam Osmanagich unweit des Ortes Visoko in Bosnien und Herzegowina die sogenannten “Pyramiden von Bosnien”. Seit dem streiten sich die Kritiker und Gläubige um die als “Bosnische Pyramiden” bekannten Berge und den Spekulationen dazu. Auch die etablierte Archäologie lehnt die Thesen um dortige “Sonnen-Pyramide” und angeblich andere Monumente ab. Schon damals, nachdem Osmanagich die vermeintliche “Sensation” publik gemacht hat. Doch gegen alle einstigen Erwartungen um die “Pyramidenmanie” hat sich das Thema “Bosnische Pyramiden” gehalten. Mehr noch, denn der Tourismus boomt dank der Entdeckungen rund um Visoko. Zur Freude der gesamten Bevölkerung! Wie sich das Thema in den letzten Jahren entwickelt hat, erfahrt Ihr in diesem Artikel.


Pyramiden in Bosnien

Seit nunmehr rund 15 Jahren sind die “Pyramiden von Bosnien” in der Diskussion und ein Thema in der Grenzwissenschaft. Erbittert streiten sich hier das Lager der Befürworter und der Gegner der Spekulationen des Dr. Sam Osmanagich. Zum Teil soweit – vor allem in den Sozialen Netzwerken -, dass jedwede Kritik an den “Pyramiden” dort abgehend wird. Kritiker an den Thesen des Osmanagich über seine angeblichen Pyramiden sind sehr schnell “Nestbeschmutzer der Grenzwissenschaft”.

Nachdem Osmanagich mit der Behauptung an die Öffentlichkeit ging, dass nahe dem Ort Visoko uralte Pyramiden stehen, sind viele Jahre ins Land gegangen. Geändert hat sich an dem Thema seit dem nichts bis – sehr viel. Was sich vor allem nicht änderte, ist die sehr einhellige Meinung der etablierten Archäologie. Schon sehr früh, nachdem der “Pyramiden-Entdecker” dort anfing zu graben, haben Archäologen protestiert. Etwa in einem Protestschreiben im Juni 2006 an die UNESCO.

Bereits 2006 erschien auch in dem Fachmagazin “Science” (N. 5794) ein damals viel beachteter Artikel von John Bohannon zu diesem Thema. Darin sind sämtliche Kritiken an den Arbeiten von Osmanagich und an den “Pyramiden von Bosnien” zu finden, die noch heute angeführt werden. Auslöser für den Artikel war ein Treffen der führenden Experten aus allen Teilen des Landes, die am 9. Juni des Jahres über die Zukunft der Archäologie und Forschung dort.

Doch, wie es Bohannon beschreibt, die anwesenden Journalisten und TV-Teams aus aller Welt interessierten sich nur für das Thema “Bosnische Pyramiden“! Für Zilka Kujundzic-Vejzagic vom Museums für Vorgeschichtliche Archäologie und Organisatorin des Meetings, war das geradezu frustrierend. “Der Glaube an die Pyramiden ist zum Synonym für Patriotismus geworden”, so Kujundzic-Vejzagic damals.

Kritiker

Schon 2006 liefen die Kritiker gegen Sam Osmanagich Sturm.

Vor allem deshalb, da er kein Wissenschaftler sei, seine Ausgrabungen und Arbeiten alle unwissenschaftlich wären und er sich hier Pyramiden herbeiphantasiere. So zum Beispiel sind seine angeblichen gepflasterten Straßen rein geologisch zu erklären, wie es damals bereits der Geologe Stjepan Coric von der Universität Wien erklärte. Hierbei handele es sich um natürliche geologische Brüche eines 7 Millionen Jahre alten Seebettes, so die Geologie. Weltweit ist dieses Phänomen als “Brekzie” bekannt. Auch mit mehr oder weniger “rechtwinklingen” Bruchkanten, wie man sie an den “Pyramiden von Visoko” sieht.

Auch die von Osmanagich als “Beton” bezeichneten Funden, seien Geologisch zu erklären. Es handelte sich dabei um Sedimentgestein, die Konglomerat genannt werden. Gesteinsformationen, die Geologen auf der ganzen Welt finden und die sogar auf dem Mars durch den NASA-Rover “Curiosity” entdeckt wurden. In Süddeutschland kennt man dieses Gestein als Negelfluh und wird im Volksmund treffend “Hergottsbeton” genannt.

Bedenken haben Archäologen an den Arbeiten an den “Pyramiden” vor allem auch deshalb, da dabei echte archäologische Funde zerstört werden könnten. Aus dem Mittelalter, von den Römern und aus der Steinzeit, so die Kritiker. Johannes Müller beispielsweise, ein Archäologe der Universität Kiel, gräbt rund sieben Kilometer von den “Pyramiden” entfernt nahe der Stadt Okoliste. Hier liegen 7.000 Jahre alte Artefakte und bis zu 300 Häuser der steinzeitlichen Butmir-Kultur, von der bereits 1893 Keramik und Figuren gefunden wurden. Für Müller befindet sich dort eine der größten neolithischen Siedlung Europas.

Visoko und die Pyramiden

Welche Spuren an der sogenannten “Sonnen-Pyramide” von Visoko und den anderen angeblichen “Pyramiden” in der Umgebung liegen könnten, weiß so niemand. Und Osmanagich könnte genau solche Funde durch seine Pyramiden-Ideen zerstören, da hier ohne archäologische Kenntnisse gegraben würde. Enver Imamovic von der Universität Sarajevo, einst Direktor des Nationalmuseums, brachte es in “Science” vom 22. September 2006 auf den Punkt:

Dies ist das Äquivalent dazu, dass ich, ein Archäologe, Operationen in Krankenhäusern durchführen darf.

Osmanagich sehe bei seinen Arbeiten nur das, was er sehen will. Und das sind Pyramiden, so der Archäologe Müller. Kein Wunder also, dass er neben der “Sonnen-Pyramide” in der Umgebung noch weitere entdeckt haben will. Etwa die von “Mond-Pyramide”, wie Osmanagich sie taufte.

Anthony Harding von der Exeter University in Großbritannien und Präsident der “European Association of Archaeologists”, war sich 2006 sicher, dass die “Pyramidenmanie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein” wird. Osmanagich habe, so schrieb John Bohannon schon damals in seinem Artikel, inzwischen “20.000 Dollar seines eigenen Geldes investiert, um Dutzende von Leuten einzustellen, darunter einen PR-Manager”.

Dies mag zutreffen, denn der “Pyramiden-Entdecker” kam als Bauunternehmer in Texas zu Wohlstand. Erst nach dem Balkankrieg kam er zurück und entdeckte dort im April 2005 die “Pyramiden”, die “schon vor dem Ende der letzten Eiszeit errichtet” wurde, wie er in einem Interview sagte.

Genau in jenen Tagen also, als Archäologen versuchten den wissenschaftlichen Betrieb des Landes wieder aufzunehmen. Und vor allem die historischen und archäologischen Stätten, Funde und Orte neu zu bewerten. Viele waren durch den Krieg zerstört, geplündert oder stark beschädigt worden. Bisher unentdeckte Pyramiden im eigenen Land, die bis zu 30.000 Jahre alt sein sollen (Osmanagich variiert in seinen Angaben zum Teil sehr stark) und als “Mutter aller Pyramiden” der Welt angesehen werden, kommen da gerade recht. Vor alle für die nationale Identität nach den Kriegsjahren und dem Zerfall der Nation und der Ordnung.

Der Tourismus boomt

Der Archäologe Harding irrte aber sehr, als er damals sagte, dass das Thema “nur von kurzer Dauer sein” würde. Denn 15 Jahre später sind die “Pyramiden von Bosnien” aktueller denn je. Mehr als eindrücklich zeigte das auch die TV-DokumentationBosnien im Pyramiden-Fieber – Ein Mythos spült Touristen ins Land” vom 6. Januar 2020 des Senders arte (HIER). Denn die angebliche archäologische Sensation bringt der Region Aufschwung und Wachstum. Anders, als in viele Region des Landes, die unter anderem mit Abwanderung zu kämpfen haben.

Die “Pyramiden” sind in Visoko längst zu einem “esoterischen Pilgerort” geworden. Der Tourismus boomt wie nie zuvor. Allein im Jahr 2019 haben über 50.000 Menschen den Ort besucht – mehr als Visoko Einwohner hat. Hunderte Neugierige laufen jeden Tag durch die ausgegrabenen unterirdischen Gänge, lauschen den Ausführungen von Osmanagich und lassen sich von entsprechenden Reiseleitern seine Welt erklären. Inklusive der Messung der “Lebensenergie” innerhalb der Stollen.

Dass diese unterirdischen Gänge zumindest zum Teil Minen waren, verschweigt Sam Osmanagich übrigens nicht, wie ihm oftmals vorgeworfen wird. Allerdings wird das angeblich so riesige Tunnelsystem von seinen Helfern quasi selber gegraben. Sie buddeln sich einfach immer weiter voran, schaffen so die Tunnel selbst, und Osmanagich behauptet dann, dass diese eben einst aufgefüllt wurden. Warum aber alle Tunnel vollständig verfüllt worden sein sollen – warum nicht einfach nur die Eingänge? – und warum Füllmaterial und umgebenes Erdreich identisch sind, das verrät niemand …

“Es geht um die wahre Geschichte unseres Planeten”, so Osmanagich in der TV-Doku. Und er ist sicher:

Wenn wir hier alle Vegetation und die Erde abtragen würden, dann würde die Pyramide zum Vorschein kommen.”

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Für ein solches gigantisches Vorhaben fehlen ihm natürlich die Mittel und die Helfer.

Obwohl im Jahre 2019 über 350 freiwillige Helfer bei seinen Grabungen geholfen haben. Zu wenig, um einen ganzen Berg anzutragen. Von staatlicher Seite würde er keine Unterstützung bekommen, heißt es in der Sendung. Auch sind keine Wissenschaftler wie Archäologen oder Geologen des Landes bei den Grabungen an den “Pyramiden” mit dabei. Denn “Wissenschaftler aus aller Welt sind längst übereingekommen, dass die doch eher ein Mythos sind”, so die Dokumentation.

Wenn aber kein etablierter Archäologe des Landes mitarbeiten will und kann, kann man eigentlich auch nicht verlangen, dass die Arbeiten nach wissenschaftlichen Maßstäben ausgeführt werden. Eben das, was seit 15 Jahren kritisiert wird. Archäologen, die einst selber vor Ort mitwirkten, sagten auch aus, dass sie eher nur Beiwerk waren. Die eigentlichen Arbeiten wurden von Laien “koordiniert”, die mal da und dann mal dort etwas graben ließen. Nicht ein einziger archäologischer Fund wurde dabei gemacht, so zumindest die Archäologin Silvana Cobanov nach ihren Arbeiten 2006 dort.

Zweifellos fürchten entsprechende Wissenschaftler unlängst um ihren Ruf, wenn sie sich ernsthaft dort an Grabungen beteiligen wollen.

Allerdings haben sich 2012 zwei britische Wissenschaftler dennoch die Mühe gemacht. Der Geologe Dougal Jerram und der Archäologe Henry J. Chapman waren vor Ort an den “Pyramiden” und konnten dabei keinerlei archäologische Funde , Objekte oder Sporen  ausfindig machen. Alles sei vollkommen natürlich zu erklären und sie konnten selber die “methodisch schlechte Praxis” vor Ort beobachten. Man würde dadurch “alle archäologischen Überreste, die dort sein könnten, wirksam zerstören”, wie Chapman und Jerram berichten.

“Mutter aller Pyramiden”

Laut der TV-Doku habe Osmanagich inzwischen “hunderttausende Dollar in seine Pyramiden-Theorie investiert”. Dazu zählt auch der Bau einer Art “Pyramiden-Park” unweit des Berges. Hier feiern die Besucher nicht nur Osmanagich selber, sondern hier entstand ein Ort für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Von Konzerten über Sonnenwendfeiern bis esoterischen Treffen. Und diese Gäste kommen inzwischen aus der ganzen Welt.

Osmanagich selber plant weiter mit dieser Besucheranlage zu expandieren. In 10 Jahren bereits würde es dort schon ganz anders aussehen, prophezeit er. Für den Tourismus ist das ein Segen, da in Visko selber seine Aktivitäten “sehr willkommen” sind. Vom Taxifahrer über die Reiseführer bis zum Hotelkoch profitieren allen von den Boom um die “Pyramiden”. Die “Zahl der Besucher steigt von Jahr zu Jahr”, so ein Einwohner in der Doku, der ein Restaurant dort betreibt. 2019 sei durch Osmanagich ein Rekordjahr gewesen.

Touristen lassen viel Geld in Visoko, was letztlich jedem Einwohner zu gut kommt. Zum Beispiel für eine Wanderung zum Gipfel der “Sonnen-Pyramide”, auf der sich die Ruinen einer mittelalterlichen Festung befinden befindet. Genau hier aber soll etwas überaus ungewöhnliches vor sich gehen, wie Ihr es auch in den Videos unten erfahrt. Eine Art “Energiestrahl” geht von der Spitze der “Pyramide” in den Himmel, der sich im “Bereich 28.000 Herz” bewege. Dieser “Strahl”, eine Art elektromagnetisches Feld, wird um so stärker, je höher über dem Berg gemessen werde.

Physikalisch ist das nicht zu erklären, denn mit zunehmender Entfernung zur Quelle sollte dieser “Energiestrahl” abnehmen (s. Video HIER, bzw. das 2. Video unten). Für Osmanagich und einige seiner Kollegen deutet das auf irgendeine Art Technologie hin, die sich unter der “Pyramide” befinden würde. Hier werden gerne Atlantis oder Astronautengötter der Vorzeit ins Spiel gebracht, die diese “Mutter aller Pyramiden” errichtet haben könnten.

Irreführende Aussagen

Ich selber als Jäger des Phantastischen habe schon nach der Entdeckung der “Pyramiden” damals immer gesagt, dass es nichts weiter als Berge sind. Auch wenn ich mich seit damals in dieser Hinsicht sehr unbeliebt gemacht habe. Schon allein ein Blick bei Google Earth beweist eindeutig, dass von “Pyramidenformen” überhaupt keine Rede sein kann. Lediglich die immer wieder gezeigte Ansicht der “Sonnen-Pyramide” von einer Seite hat eine dreieckige Grundform, die entfernt an Pyramiden erinnert. Wie bei so vielen anderer Bergen auf der Erde auch. Selbst in Deutschland.

Es wird sicher niemand annehmen, dass alle diese “pyramidenförmigen” Berge in Wahrheit uralte, versunkene Pyramiden sind?! Auch wenn das durchaus immer wieder vorkommt, zum Beispiel bei einem Berg in der Antarktis, wie in HIER berichtet. Oder bei einem Stein auf dem Planeten Mars, wie in diesem Beitrag HIER dargelegt.

Die TV-Doku von arte ist aber durchaus irreführend. Zwar wird immer wieder betont, dass die etablierte Forschung die Spekulation von Osmanagich ablehnt, aber es wird ein verzerrtes Bild vermittelt. So werden etwa Besucher bzw. Touristen gezeigt, die Osmanagich freudig für seine “Entdeckung” danken und fast schon huldigen. Nicht gezeigt oder vor die Kamera gestellt werden Besucher, die nichts von seiner Pyramiden-Idee halten.

Mit Sicherheit sind nicht wenige unter den zehntausenden Touristen aus reiner Neugier dort. Verbunden mit einem Urlaub in schöner Landschaft.

Nicht alle sind esoterische Pilger, wie es arte vermittelt. Auch in den Reihen der Mystery-Interessierten gibt es reichlich Kritiker an den Spekulationen von Osmanagich um die Berge von Visoko! Dass die lokale Bevölkerung angesichts des Tourismus-Boom kein schlechtes Wort über ihn verliert, sollte wiederum nicht verwundern. Vielen ist es auch im Grunde egal, warum diese kommen, wie es in der Doku unterstrichen wird. Hauptsache sie kommen.

Der Mann mit den Bergen

Wie viel Geld Osmanagich inzwischen investiert hat, ist natürlich unklar. Er selber spricht von mehreren 100.000 Dollar. Wobei es alles andere als verwerflich ist, dass er in den USA als Bauunternehmer zu Geld gekommen ist, was im Zusammenhang mit seiner Person immer wieder unterstrichen wird. Geld bekommt er auch durch seine Bücher und DVDs, die Besucher und durch Spenden.

Und ob er mit seinen Bergen noch reicher wird, kann auch der schärfste Kritiker nicht belegen!

Es wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass er absolute Laien als ehrenamtliche Helfer vor Ort hat. Immerhin mehr als 350 im vergangenen Jahr. In der etablierten Archäologie wiederum ist das vollkommen normal. Hier graben nicht nur Experten und Archäologie-Studenten, sondern jeder kann sich bei solchen entsprechenden Projekten als Helfer bewerben. Auch aus vollkommen berufsfremden Berufen, die rein gar nichts mit Archäologie zu tun haben. Anfang der 1990ger Jahre zum Beispiel für Grabungen in der berühmten “Felsenstadt” Petra in Jordanien.

Mit dem großen Unterschied, dass die Teilnehmer an solchen “Grabungs-Camps” unter entsprechenden Anweisungen etablierter Archäologen arbeiten …

Videos zum Thema auf Fischinger-Online

YouTube-Video vom 12. März 2019 auf Fischinger-Online

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Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

YouTube-Video vom 28. Aug. 2015 auf Fischinger-Online

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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