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C14-Datierungen und die Cheops-Pyramide: Alles nur eine Frage der Proben? Von flexiblen Radiokarbondatierungen, phantastischen Daten und verlorenen Artefakten (Artikel)

Die C14-Datierung und die Cheops-Pyramide: Alles nur eine Frage der Proben? (Bilder & Montage: Fischinger-Online)
Die C14-Datierung und die Cheops-Pyramide (Bilder & Montage: Fischinger-Online)

Keine Bauten der antiken Kulturen faszinieren mehr, als die Pyramiden in Ägypten. Vor allem um die Cheops-Pyramiden in Gizeh ranken sich dementsprechend zahlreiche Legenden, Spekulationen und Thesen. Sie stammt laut archäologischer Forschung aus der IV. Dynastie und ist damit rund 4.500 Jahre alt. Erbaut eben von Pharao Cheops, dessen Regierungszeit Ägyptologen sehr gut zu kennen glauben. Und dabei werden ihre Forschungen durch moderne C14-Datierungen (Radiokarbondatierung) untermauert, wie es heißt. Doch was genau ergaben wann und wie diese C14-Analysen? Welche Daten, Zeitangaben und Datierungen wurden ermittelt oder liegen bei den Pyramiden vor? Gab es Abweichungen? Und wenn ja, wie werden diese erklärt? Genau diesen und vielen weiteren Fragen soll in diesem Blog-Artikel genauer nachgegangen werden. Sie reichen von mehr als erstaunlichen Aussagen bis zu unglaublicher Schlamperei bei der Erforschung der Cheops-Pyramide, wie Ihr hier lesen könnt.


Die Cheops-Pyramide und der Gizeh-Komplex

Die Pyramiden in Ägypten, allen voran die Cheops-Pyramide in Gizeh, sind wohl die bekanntesten Bauten der Geschichte. Und dank Generationen von Archäologen und Forschern sind heute viele der Mysterien und Rätseln der Pyramiden bekannt oder entzaubert.

Vor allem was das Alter und die Herkunft der Pyramiden von Gizeh angeht, sind sich Ägyptologen scheinbar ihrer Sacher sehr sicher. Eigentlich hat keiner von ihnen Zweifel daran, wann wer und zu welchen Zweck die Monumente unweit von Kairo errichtet hat. Es waren drei mächtige Pharaonen aus einer Familie vor vielen Jahrtausenden, die sich hier ihre letzte Ruhestätten erbauen ließen, sagen die Archäologen.

Namentlich waren es die Herrscher Cheops, Chephren und Mykerinos aus der IV. Dynastie des sogenannten Alten Reich. Somit wären sie auf der Grundlage der von den Ägyptologen ermittelten Zeiten der drei Pharaonen in den Jahren 2620 bis 2503 vor Christus erbaut worden. Diese drei Hauptbauten waren einst 146,6, 143,5 und die kleinste 65 Meter hoch, zu denen sich noch mindestens 7 keine sogenannten Königinnenpyramiden gesellten. Plus eine enorme Anzahl an Gang- und Schachgräbern, die zum Teil jedoch erst nach den drei großen Pharaonen angelegt wurden.

Gegen Ende der IV. Dynastie, um etwa 2500 vor Christus, kam noch das hin und wieder als “vierte Pyramide” bezeichnete Bauwerk der Königin Chentkaus I. in Gizeh hinzu. Eine kleine Stufenpyramide mit einst 18,5 Metern Höhe und mit nur zwei Stufen unweit des Taltempels von Mykerinos. Die Pyramide gilt zwar als größtes Grab einer Königin des Alten Reich, doch sehr viel weiß man über Chentkaus I. nicht. Einig ist man sich dahingehen, dass sie während des Überganges von der IV. zur V. Dynastie großen Einfluss auf das politische und wohl auch religiöse Geschehen in Ägypten gehabt haben muss.

Damit nicht genug. Rund acht Kilometer von den Gizeh-Pyramiden entfernt steht die Pyramide des Pharao Radjedef (Djedefre) aus der IV. Dynastie. “Pyramide” kann man die Ruinen bei Abu Roasch allerdings heute nicht mehr nennen, da unter anderem exzessiver Steinraub sie fast vollständig den Erdboden gleichmachte. Dennoch ist Radjedef alles andere als ein unbekannter Herrscher. Zumindest für Archäologen, denn ein Tourist verirrt sich eigentlich nie hierher.

König Radjedef war ein Sohn von Pharao Cheops und sein direkten Nachfolger. Er bestieg den Thron noch vor dem wesentlich berühmteren Chephren; dem Bauherren der zweiten Pyramide von Gizeh und angeblich auch der großen Sphinx. Radjedefs Pyramide war ursprünglich nur 67 Meter hoch und damit vergleichbar mit der Mykerinos-Pyramide von Gizeh. Lediglich 11 Meter davon blieben allerdings bis heute erhalten. Von den mindestens zwei gleichfalls dort gebauten Königinnenpyramiden ist fast nichts mehr zu sehen.

Gebaut hat sie der Herrscher etwa 2580 bis 2570 vor Christus.

Pyramiden-Wahn

Die Herrscher der IV. Dynastie waren allesamt dem Pyramidenbau-Wahn verfallen. Wahnsinnige auf der Suche nach Unsterblichkeit, könnte man sie guten Gewissens nennen.

Rund zehn Pyramiden plus zahllose Nebenpyramiden wurden in der Zeit geschaffen, die die Ägyptologen auf etwa 2620 bis 2503 vor Christus datieren. Nicht alle lebten bzw. regierten dabei lang genug um sich selber echte Pyramiden bauen zu können. Denn mindestens sieben Pharaonen sollen sich in dieser Zeit das Zepter in die Hand gegeben haben.

Nur die Könige Snofru (der sich gleich drei Haupt-Pyramiden bauen ließ), Cheops, Chephren und Mykerinos gelten hier als relevant. Nur sie herrschten mit jeweils um 20 Jahren lang genug und lebten damit auch entsprechend lange. Was aber schon an dieser Stelle zahllose Fragen aufwirft. Und das beginnt eigentlich schon mit dem Beginn des Pyramidenzeitalters der IV. Dynastie um das Jahr 2620 vor Christus mit Snofru. Denn das ist das Todesjahr des Pharao, der eigentlich schon ab 2670 vor Christus die Herrschaft über Ägypten übernahm. Als Bauherr von drei gewaltigen Pyramiden wird er mit Sicherheit direkt nach seiner Thronbesteigung mit der ersten Grundsteinlegung begonnen haben.

In diesen 50 Jahren baute er seine drei Pyramiden. Die “Pyramide von Meidum”, die “Knickpyramide” und die “Rote Pyramide”, wie sie heute genannt werden. Sie stehen südlich von Gizeh im Bereich der Nekropole von Dahschur und eine in Sichtweite in Meidum. Rechnet man seine anderen Bauvorhaben und die kleinen Pyramiden (zum Beispiel “Kultpyramiden”) hinzu, eine schier übermenschliche Leistung. Auch in “nur” rund 50 Jahren. Wenn er denn so lange regierte.

Der legendäre “Königspapyrus Turin” oder “Turiner Königsliste” besagt nämlich, dass er nur 24 Jahre regierte. Andere Quellen sprechen von 29 Jahren. Und diese “24 Jahre” sollen nach dem für die Chronologie des Alten Ägypten heute so wichtigen “Königspapyrus” auf sogenannte “Zählungen” beruhen. Landesweite Zählungen, die alles andere als regelmäßig und damit auch nicht jährlich stattfanden. Es können Jahren zwischen diesen “Zählungen” gelegen haben …

Ein Dilemma für Geschichtsforscher und Archäologen, die versuchen aus zahllosen Quellen die Geschichte der Pharaonen zu rekonstruieren. Und diese widersprechen sich gerne. Teilweise sogar erheblich, um nicht zu sagen: gewaltig. Welche Angaben und Informationen die Forscher von den antiken Chronisten und Geschichtsschreibern übernahmen und als “wahr” ansehen, ist hierbei durchaus ein Ermessensspielraum.

Man denke, um nur ein Beisiel zu nennen, an Herodot. Einige seiner Aussagen zu Pharao Cheops und seiner Pyramide, wie etwa die Regierungszeit des Königs, akzeptieren die heutigen Forscher. Andere wiederum werden als Fake-News der Antike abgelehnt. Zum Beispiel, dass 100.000 Sklaven die Pyramide bauten, dabei Eisen nutzten oder Cheops selber gar nicht in der Pyramide sondern in dessen Nähe begraben wurde.

Von den oft unglaublichen Pyramiden-Überlieferungen des Hitat aus dem Mittelalter wollen Ägyptologen schon mal gar nichts wissen. Zum Beispiel erfahrt Ihr in dieser Artikel-Serie HIER und auch in diesem Artikel HIER sowie diesem Video HIER dazu mehr.

C14-Datierungen und die Cheops-Pyramide

Kann hier nicht die moderne Wissenschaft Abhilfe schaffen, um dieses Wirrwarr in Sachen Alter und Bauzeiten zu entwirren? Vor allem die C14-Datierung (Radiokarbondatierung)? Obwohl, wie erst kürzlich HIER berichtet, die so gewonnen Daten erneut in der Kritik stehen. Sie seien zu ungenau, hieß es.

Interessant sind derartige Datierungen und vor allen die variierenden Ergebnisse für viele aber erst dann, wenn sie die “großen Bauten” der alten Zivilisationen betreffen. Eben allen voran die Pyramiden in Ägypten, die bereits tatsächlich mehrfach im Fokus von C14-Anaysen standen. Verwundern sollte das aber nicht. Immerhin sind die Pyramiden von Gizeh aufgrund ihrer Einmaligkeit, ihrer Berühmtheit und als letztes der antiken Sieben Weltwunder für jeden Archäologen ein Highlight.

Zum Beispiel die C14-Datierungen von 1984, als Denkmälern aus der III. Dynastie (Djoser-Pyramide) bis zur V. Dynastie (Unas-Pyramide) datiert wurden. Eigentlich sollten die damaligen Ergebnisse noch heute jeden Ägyptologen schockieren, denn sie waren “durchschnittlich 374 Jahre älter als die Daten der Cambridge Ancient History der Könige, mit denen die Pyramiden identifiziert wurden”. So ein Forscherteam um Shawki Nakla und David Koch zum Beispiel in “Archaeology” Nr. 5/1999.

Als Ursache für diese eklatanten Abweichungen der anerkannten Chronologie wird bis heute angenommen, dass die datierten Holzproben und Holzkohlerest unter anderem kontaminiert waren. Kontaminiert durch die Verwendung alten Holzes beim Pyramidenbau. Die Forscher, denen übrigens der damals noch recht unbekannte Dr. Zahi Hawass angehörte, schrieben 1999 zu diesen früheren Datierungen:

Trotz dieser Diskrepanz bestätigten die Radiokarbondaten, dass die Große Pyramide zu der von Ägyptologen untersuchten historischen Ära gehörte. Bei der Bewältigung der 374-jährigen Diskrepanz mussten wir das alte Holzproblem berücksichtigen. 1984 hielten wir es für unwahrscheinlich, dass die Pyramidenbauer durchweg jahrhundertealtes ägyptisches Holz als Brennstoff für die Herstellung von Mörtel verwendeten. (…)

Die Ergebnisse von 1984 ließen uns zu wenig Daten, um den Schluss zu ziehen, dass die historische Chronologie des Alten Reiches um fast 400 Jahre fehlerhaft war, aber wir betrachteten dies zumindest als eine Möglichkeit. Wenn unsere Radiokohlenstoff-Altersschätzungen aus irgendeinem Grund fehlerhaft waren, mussten wir alternativ davon ausgehen, dass viele andere Daten aus ägyptischen Materialien ebenfalls verdächtig waren.”

“Dies führte zu einer zweiten, größeren Studie”, die ab 1995 durchgeführt wurde.

Neue Datierungen, neue Unklarheiten

Material für diese C14-Datierungen wurden vor rund 25 Jahren von Gräbern aus der I. Dynastie und der Stufenpyramide von Sakkara ebenso entnommen, wie von den Pyramiden von Gizeh der IV. Dynastie. Einige entnahmen die Experten Pyramiden der V. und VI. Dynastie sowie aus dem Mittleren Reich (bis ca. 1781 vor Christus). Insgesamt waren es 450 Proben von 33 Monumenten, die beim “Pyramids Radiocarbon Dating Project” schließlich untersucht wurden.

Diese neue Studie des Physikers Professor Dr. Willy Wölfli von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich und vor allem David H. Koch und Kollegen brachte noch mehr Verwirrung in die Kohlenstoffdatierungen (s. a. HIER). Denn nach diesen neuen Resultaten wies die Pyramiden des Cheops ein Alter auf, das 52 Jahre höher war, als es in den Geschichtsbüchern steht. Mindestens, denn die gewonnen Daten schwankten enorm (z. B.: Willy Wölfli: “Archäologie mit einem Schwerionenbeschleuniger”, Nr. 2/1994 & Herbert Haas u.a.: “Radiocarbon Chronology and the Historical Calendar in Egypt”, “British Archaeological Reports”, 1987):

Erstens gibt es zwischen 1984 und 1995 erhebliche Unterschiede zwischen Cheops und Chephren, nicht jedoch zwischen Djoser und Mykerinos. Zweitens sind die Daten von 1995 verstreut und variieren sogar für ein einzelnes Denkmal stark. Für Cheops verteilen sie sich über einen Bereich von etwa 400 Jahren. (…)

Acht kalibrierte Daten auf Stroh aus der Pyramide von Sesostris II. (XII. Dynastie, Mittleres Reich, etwa 1845 bis 1837 vor Christus, Anm. LAF) reichten von 103 Jahren älter bis 78 Jahre jünger als die historischen Daten seiner Regierungszeit, wobei vier Daten nur um 30, 24, 14 und drei Jahre verschoben waren.”

Auch die Pyramide des Chephren zeigte einen Widerspruch, der einige Jahrhunderte(!) Jahre umfasste. Die kleinste und Pharao Mykerinos zugesprochene Gizeh-Pyramide wäre nach den Analysen sogar einige Jahrhunderte jünger, als es die Archäologie sagt. Auch ältere Messwerte von bis zu 557 Jahren vor der angeblichen Erbauungszeit der Monumente lieferten die Datierungen.
Für die Experten gibt es dafür bis heute nur eine ausschlaggebende Erklärung:

Die Pyramidenbauer verwendeten älteres Kulturmaterial, sei es aus Gründen der Zweckmäßigkeit oder um eine bewusste Verbindung zwischen ihrem Pharao und seinen Vorgängern herzustellen.”

Recycling für den Pharao

Als Beispiel für diese Wiederverwendung nennen sie unter anderem die Stufenpyramide von Sakkara des Pharao Djoser aus der III. Dynastie. In diesem Monument entdeckten Archäologen insgesamt über 40.000 Steingefäße, dessen Inschriften die Namen der meisten Könige der I. und II. Dynastie trugen. Der Name von Djoser selber kam dabei nur ein einziges Mal vor. “Vielleicht hat Djoser die Vasen aus den 200 Jahre alten archaischen Gräbern in Nord-Sakkara gesammelt”, so die Archäologen. So konnte ein Bauherr Kosten und Mühen sparen, was auch Holz als Bau- und Brennmaterial mit einschloss, wie die Forscher betonen (“Radiocarbon”, Nr. 3/2001).

Ebenfalls wird darauf verwiesen, dass die Proben der Analysen von 1984/85, insgesamt 85 an der Zahl, inklusive fünf von der Sphinx, von der Außenseite der Cheops-Pyramide entnommen wurden. Winzige Stroh- und Holzstücke, die im Mörtel eingeschlossen waren.

Aufgrund solcher (hier nur zusammengefasster) Ergebnisse von C14-Datierungen dürfte es nicht verwundern, wenn Laien wie Experten dieser Methode immer wieder kritisch gegenüberstehen. Was im Zusammenhang mit dem genannten “Pyramids Radiocarbon Dating Project” allerdings auch sehr interessant ist, ist folgendes.

Durchgeführt wurden die Forschungen von einer Reihe Archäologen und anderen Wissenschaftlern. Mit dabei war natürlich auch Dr. Zahi Hawass, der damals noch aktiv im ägyptischen obersten Rat für Altertümer war. Ebenso beteiligt war der sehr bekannte Ägyptologe und Autor mehrerer Bücher über Pyramiden Dr. Mark Lehner. Koordiniert und verwaltet wurden die Untersuchungen von der “Ancient Egypt Research Associates, Inc.” Und schon damals war Lehner mehr als überrascht über die Ergebnisse:

Die Daten reichen von 3809 vor Christus bis 2869 vor Christus Im Allgemeinen sind die Daten also (…) deutlich früher als das beste ägyptologische Datum für Cheops.

Kurz gesagt, die Radiokarbondaten legen je nach der beachteten Stichprobe nahe, dass die ägyptologische Chronologie zwischen 200 bis 1.200 Jahren schwankt. Ich kann mir vorstellen, dass es einigen stinken wird. Die Pyramide von Gizeh ist 400 Jahre älter als Ägyptologen glauben.”

Eine große mediale Aufmerksamkeit blieb aus. Erstaunlicherweise. Auch sind diese frühen C14-Resultate heute kaum bekannt.

Noch weniger bekannt ist aber, dass das gesamte Projekt von der “Edgar Cayce Foundation” (ARE – korrekter Name: “Association for Research and Enlightenment”) bezahlt wurde. Immerhin 17.000 US-Dollar. Eine Organisation mit Hauptsitz in den USA, denen man zumindest heute keine Zusammenarbeit mit anerkannten Ägyptologen zutrauen würde. Oder besser gesagt umgekehrt.

Spuren von Atlantis?

Denn diese “Edgar Cayce Foundation” ist nach dem Seher Edgar Cayce benannt, der unter anderem in seinen “Weissagungen” von Atlantis und der “Halle der Aufzeichnungen” in Gizeh sprach (mehr dazu findet Ihr z. B. in diesem Video HIER sowie HIER). Über 10.000 Jahre sei nach Cayce und seinen bis heute aktiven Anhängern Gizeh alt. Das heute in der Grenzwissenschaft in aller Munde kursierende Jahr 10.500 vor Christus für eine Art untergegangene Urkultur usw. stammt von genau diesem Cayce. Obwohl der “Wahrsager” und “schlafende Prophet”, wie man ihn bis heute nennt, bereits im Jahr 1945 in den USA starb, sind seine Ideen weiterhin populär.

Genau diese Aussagen von Cayce wollte die ARE mit diesem C14-Datierungs-Projekt belegen. Was augenscheinlich nicht gelang, auch wenn die gewonnenen Ergebnisse überaus interessant sind. Auf ein Alter der Monumente oder der Sphinx von 12.500 Jahren wiesen diese aber nicht annähernd hin.

Bei den neueren Datierungen 1995 war der Lehner-Sponsor David H. Koch erneut dabei. Denn Koch hatte zusammen mit der ARE bereits zuvor die Arbeiten gesponsert.  Darunter auch das sehr bekannte “Giza Plateau Mapping Project” ab 1982 von Lehner.

Dass eine Beteiligung der “Edgar Cayce Foundation” bei Projekten und C14-Datierungen in Gizeh heute von den Ägyptologen lieber “vergessen” wird, sollte nicht verwundern. Mit Atlantis und einer vor mindestens 10.000 Jahren in Gizeh anwesenden unbekannten Kultur, möchte die etablierte Archäologie nicht in Zusammenhang gebracht werden. Obwohl David Koch in seinem Artikel “Dating the Pyramids” in der angesehenen Fachzeitschrift “Archaeology” 1999 noch explizite die “Edgar Cayce Foundation” in diesem Zusdammenhang nennt.

Inzwischen hat sich auch der Ägyptologe Lehner selber unlängst von der ARE mehr und mehr entfernt, wie es der bekannte Autor Robert Bauval schon 2002 in einem Artikel schrieb.

Heute wäre eine Kooperation zwischen der ARE und Ägyptologen vor Ort im Land der Pyramiden schon sensationell. Dazu muss man nur auf die zahllosen Aussagen und Statements von Seiten der etablierten Forscher der letzten Jahrzehnte zu dieser Art “Hobby-Pyramidenforscher” schauen. Etwa von Dr. Rainer Stadelmann, der von 1989 bis 1998 Chef des “Deutschen Archäologischen Institut” in Kairo (DAIK) war. Und natürlich von Dr. Zahi Hawass selber.

10.500 vor Christus vs. C14-Datierungen

Interessant ist bei diesen C14-Datierungen in Zusammenhang mit der ARE natürlich das Ergebnis für die Organisation selbst. Es widerspricht eindeutig den “Lehren” von Edgar Cayce über Alter und Herkunft der Cheops-Pyramide und der Sphinx enorm. Grob 7.000 Jahre liegen zwischen der Angabe um 10.500 vor Christus und den Ergebnissen Radiokarbondatierungen. Und das ist gewaltig, auch für die alternative Geschichtsforschung. Wobei natürlich die Zweifel an den ermittelten Daten auch für die ARE gelten dürfen und sollten.

Allerdings ist es bezeichnet, dass die umfangreiche Internetseite der “Edgar Cayce Foundation” heute nichts von dem damaligen und einmaligen Projekt berichtet.

Private Pyramidenforscher, von der etablierten Archäologie seit dem 19. Jahrhundert auch spöttisch “Pyramidologen” oder sogar “Pyramidioten” genannt, zweifel grundsätzlich. Nicht nur, da zwei, drei Überlieferungen im oben erwähnten Hitat existieren, die den Bau der Gizeh-Pyramiden vor die Sintflut datieren. Viel zitiert wird auch der Priester und Geschichtsschreiber Manetho (um 250 vor Christus). Auch wenn dessen Werke nicht mehr vollständig von ihm selber vorliegen, so wird er doch von anderen Geschichtsschreibern immer wieder zitiert. Etwa von Eusebius im 4. Jahrhundert nach Christus.

Unglaubliche Behauptungen finden sich in diesen Chroniken. Denn darin heißt es, dass nach einer 13.900 Jahre andauernden Herrschaft der Götter über Ägypten, ihnen Halbgötter auf den Thron folgten. Diese regierten nochmals 11.000 Jahre über das Land am Nil, bis ihnen dann die eigentlichen Pharaonen folgten. Zusammen also 25.000 Jahre – erst dann übernahmen die Menschen und mit ihnen die anerkannte Geschichtsschreibung die Macht.

Auch Herodot (ca. 490 bis 430 vor Christus) berichtete vergleichbares in seinen “Historien” über Ägypten. Er habe persönlich vor Ort in Theben von den Priestern erfahren, dass seit 11.340 Jahren die Hohenpriester dort im Amt seien. Dies entspräche 341 Generationen, so Herodot, weshalb man ihm zum Beweis 341 Statuen präsentierte. “Denn jeder Oberpriester stellte dort schon zu Lebzeiten seine eigene Statue auf”, schrieb Herodot bereits im 5. Jahrhundert vor Christus dazu.

Kein Ägyptologe nimmt solche und ähnliche Angaben ernst. Was man sicher mehr als verstehen kann.

Phantastische Daten

Wie gesehen passen aber auch die C14-Datierungen nicht zu diesen unfassbaren Daten. Sofern man sie auf die Cheops-Pyramide übertragen möchte. Hinzu kommt, dass Herodot angeblich nicht nur der “Vater der Geschichtsschreibung” war, sondern gleichfalls ein “Erzähler zahlreicher Märchen”. So schreibt beispielsweise der Geschichtsprofessor Wolfgang Blösel in seiner umfangreichen Untersuchung “Themistokles bei Herodot: Spiegel Athens im fünften Jahrhundert” (2004, S. 45):

Je nach Blickwinkel wurde Herodot schon in der antiken, aber dann auch neuzeitlichen Bewertung entweder als ‘Vater der Geschichtsschreibung’ oder als ‘Vater der Lügen’ apostrophiert. Bezeichnenderweise jedoch trägt schon Ciceros Loblied auf Herodot als pater historiae, in das die Gelehrten verstärkt seit dem 19. Jahrhundert miteinstimmen, diese starke Ambivalenz in die, moniert Cicero doch im gleichen Atemzug bei ihm ‘zahllose Märchen.

Dies veranschaulicht mehr als deutlich das Problem, dass die anerkannte Ägyptologie mit derart aus dem Rahmen fallen Behauptungen und Daten von Herodot und anderen Historikern haben. Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Was sollen oder wollen die modernen Forscher glauben, was lieber nicht?

Anders bei den oben genannten C14-Datierungen. Sie passen zwar nicht wirklich zu der anerkannten Chronologie Ägyptens, aber wenigstens so in Etwa. Fehler in den Messergebnissen seien durchaus akzeptabel, solange sie nicht vollkommen aus der Zeit fallen. Kontaminationen, wiederverwendete Materialien, die üblich Toleranz bei C14-Datierungen oder auch natürliche Abweichungen wären halt die Ursache. Das gilt auch für die Kalibrierung und damit Anpassung der Jahreszahlen mit der “Baumringdatierung” (Dendrochronologie). Die allerdings, wie sich kürzlich zeigte (s. Artikel HIER), im Zusammenspiel mit der C14-Methode ebenfalls alles andere als perfekt ist.

Schaut man in die zahnlosen einschlägigen Fachbücher über Pyramiden und das Alte Ägypten, finden sich kaum nennenswerte Kritiken an den C14-Daten. Im Gegenteil. In dem erstmals 1974 erscheinenden Klassiker “Das Rätsel der Pyramiden” von Dr. Kurt Mendessohn (1992, S. 19), heißt es:

Noch vor wenigen Jahrzehnten klafften daher die Ansichten einzelner Ägyptologen über die Regierungszeiten früher Pharaonen bisweilen um mehrere Jahrhunderte auseinander. Inzwischen gelang es jedoch – nicht zuletzt dank naturwissenschaftlicher Methoden (die etwa Radiokarbondatierung), vor allem aber durch sorgfältigsten Vergleich aller verfügbaren Daten -, einen bemerkenswert zuverlässigen Überblick über 3.000 Jahre altägyptischer Geschichte zu gewinnen.”

Raum für Spekulationen

Grenzwissenschaftler und “alternative Historiker” sehen das ganz anders. Wer will es ihnen verdenken, wenn schon die wissenschaftlichen Datierungen durch Radiokarbon um Jahrhunderte schwanken? Wobei man an dieser Stelle erneut unterstreichen muss, dass Altersangaben wie 12.500 Jahre ein Extrem zu den etablierten 4.500 Jahren sind. Das sieht auch der Physiker und Autor des Buches “Pyramiden und Planeten“, Dr. Hans Jelitto, so. Ein privater Pyramidenforscher, der die Form und Anordnung der Gizeh-Pyramiden mathematisch mit den inneren Planeten in Korrelation bring. Er schreibt:

Während die Ägyptologen den Bauzeitpunkt anhand der überlieferten Königslisten auf etwa 2600 bis 2500 v. Chr. festlegen, ergaben vor einigen Jahren Messungen mit einer verfeinerten Radiokarbon-Methode (Beschleuniger-Massen-Spektroskopie bzw. AMS, Accelerator mass spectrometry) den Zeitraum 3030 bis 2905 v. Chr. für den Bau der Cheops-Pyramide mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 %.

Das ist eine Diskrepanz von immerhin ca. 400 Jahren. Diese Messungen stellen eine der modernsten und genauesten physikalischen Methoden zur Altersbestimmung dar.

So Jelitto auf seiner Internetseite. Er hält Messfehler bei den Datierungen “für unwahrscheinlich, da die Messungen sorgfältig an ca. einem Dutzend Bauwerken des Alten Reiches durchgeführt wurden”. Für Jelitto sind solche Forschungsergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Pyramiden von Gizeh mehr waren, als nur Gräber mächtiger Pharaonen.

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Dass die zahllosen analysierten Proben aus Gizeh und vielen anderen Orten Ägyptens viel Raum für Spekulationen lassen, steht außer Frage. Nach Meinung der Ägyptologen war es mal nachträglich irgendwie dahin gekommenes Material, oder einfach älteres Recyclingmaterial.  Bei der Cheops-Pyramide beispielsweise zeigt sich das überaus eindeutig, wie Hawass, Lehner, Wölfli und andere in “Radiocarbon Dates of Old and Middle Kingdom Monuments in Egypt” (“Radiocarbon”, Nr. 3/2001) dokumentierten.

Darin listen sie die entsprechenden Radiokarbondatierungen auf, die bei den verschiedenen Projekten in Ägypten an zahlreichen Bauten genommen wurden. Hunderte von Ergebnissen quer durch die Dynastien, die aber keine gewaltigen Überraschungen zeigen. Also beispielsweise keine Probe aus dem Mörtel der Pyramide, die plötzlich mit einem Alter von 10.000 Jahren aus der Reihe fällt. Allein 46 Proben bzw. C14-Datierungen von der Cheops-Pyramide listen die Forscher in ihrer Publikation auf. Bis auf eine aus Schilf war es in allen Fällen Holzkohle.

Ein paar Jahrhunderte Abweichung

Und die Altersangaben bei Cheops?

Sie reichen von zu jung bis zu alt, konkret von 3.810 bis 5.020 Jahre. Und hierbei ist die letzte genannte Datierung, angeben mit einer Fehlerquote von 130 Jahren, doppelt interessant. Nicht nur da sie rund 400 Jahre älter als der angenommene Pyramidenbau selber ist, sondern auch dadurch, wo genau man eben diese Probe entnahm. Es war die Südwestecke des oberen Bereichs der 198. Steinlage. Dort sicherte man die Holzkohle zur Beprobung. In unmittelbarer Nachbarschaft, in der gleichen Ecke der 198. Steinlage, wurde allerdings noch eine weitere Probe entnommen. Sie war mit einer Toleranz von 85 Jahren nur 4.395 Jahre alt.

Seltsam. Hier hätten also die Baumeister Holz bzw. Holzkohle in einem identischen Bauabschnitt und quasi am selben Tag genutzt, deren Bäume als Rohstoffquelle in einem Abstand von rund 700 Jahren gefällt wurden. Theoretisch ist das zwar möglich, aber wie würde sich das belegen lassen?

Man schien bei den C14-Datierungen der “ARCE 10A” und “ARCE 10B” genannten Holzkohleproben damals selber etwas irritiert gewesen zu sein. Zumindest wurde die zweite Probe, jene, die im Labor auf 5.020 Jahre datiert wurde, ein zweites mal untersucht. “Im selben Kontext” wie bei der ersten Untersuchung, wie der Bericht festhält. Diesmal kam man auf ein Alter von nur 4.440 Jahren. Jedoch mit der enormen Toleranz von 320 Jahren. Ungefähr passte dieses Ergebnis nun zum favorisierten Richtfest der Cheops-Pyramide um 2580 vor Christus.

Die Welt war wieder in Ordnung, wie man meinen könnte. Nur leider ist die Welt der Pyramidenforschung alles andere als in Ordnung, wie es weitere Beispiele belegen. So etwa das unrühmliche Ende des Sarkophags aus der Mykerinos-Pyramide. Entdeckt haben ihn 1837 Howard Vyse und John Perring, die sogar mit Sprengungen an der Außenseite der Pyramide nach weiteren Kammern suchten. Zurück blieb “Vyse’s Hole”, ein neun Meter riesiges Loch.

Seltsames aus der Mykerinos-Pyramide

In den Berichten “Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837” (1940) und “Appendix to Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837” (1942) schildern Perring und Vyse, dass der entdeckte Sarg ein prachtvolles Exemplar aus Basalt ohne Deckel gewesen sei. Gewesen deshalb, da sie ihn aus der Mykerinos-Pyramide stahlen und nach Großbritannien verschiffen wollten. Leider kam er dort nie an, da das Schiff “Beatrice” auf dem Weg 1838 samt Sarkophag und anderer Kostbarkeiten sank. Obwohl die Forschung verständlicherweise über diesen herben Verlust bis heute trauert, wird dabei ein weiterer Fund in der Pyramide gern vernachlässigt.

Perring und Vyse entdeckten bei ihren brachialen Forschungen einen zweiten Sarkophag mit einer Mumie innerhalb der Mykerinos-Pyramide. Dieses Exemplar war nicht nur menschenförmig, sondern auch aus Holz gefertigt. Zudem trug der Sargdeckel den Namen von Pharao Mykerinos.

Eine Mumie bzw. Reste einer Mumie in oder nahe einem Holzsarkophag, der den Bestatteten als Mykerinos ausweist, sind ein mehr als interessanter Fund für die Ägyptologie. So dachte man, denn leider stellte sich diese Bestattung als “Fake” heraus. Als eine sogenannte Sekundärbestattung aus späteren Epochen. So wurde der Sarg selber schnell in die Spätzeit des Alten Ägypten und damit tausende Jahre nach dem Bau der Mykerinos-Pyramide datiert. Entstanden sei er in der saitischen Epoche, die etwa von 664 bis 332 vor Christus ging.

Bei Mumie wurde es noch seltsamer. Denn sie stammt nach C14-Datieungen aus christlicher Zeit. Folglich wurde selbst der vergleichsweise sehr junge Holzsarg in der Pyramide Jahrhunderte später erneut benutzt. Warum aber der Name des Pharao Mykerinos auf dem Sargdeckel geschrieben wurde, bleibt ein Rätsel.

Die Entdeckung des Waynman Dixon in der Cheops-Pyramide

Blicken wir an dieser zurück auf die Große Pyramide von Gizeh. Und zwar etwas ausführlicher auf durchaus erschreckende Vorkommnisse.

Dass Proben, die für eine Altersbestimmung an der Außenseite eines Monumentes dieser Güte entnommen werden, immer Skeptiker auf den Plan rufen, ist verständlich. Es wäre demnach ein unschätzbarere Vorteil, wenn Wissenschaftler ein entsprechend geeignetes Artefakt innerhalb der Pyramide entdecken würden. Am besten sogar noch in einem seit der Erbauung verschlossenen Raum oder einer Kammer. Damit wäre ein späteres Eindringen des Stückes ausgeschlossen. Nicht wie im Fall des seltsamen Sarkophag der Mykerinos-Pyramide.

Und tatsächlich gibt es ein solches Objekt aus dem Inneren der Cheops-Pyramide, das von den Erbauern zurückgelassen wurde. Ober besser gesagt hat es ein solches gegeben, wie zum Beispiel in diesem Video HIER bereits berichtet.

Gefunden wurde es 1872 von Waynman Dixon in einem der kleinen “Lüftungsschächte” in der Königinnenkammer der Cheops-Pyramide. Es sind jene längst legendären Schächte, an dessen Ende sich “Blockiersteine” befinden, die während verschiedener Roboter-Missionen seit 1993 erkundet wurden. Letztlich bohrte man auch durch sie hindurch und schaute auch mit einer kleinen Kamera dahinter. Sie sind nur rund 20 Zentimeter klein, rechteckig und führen rund 65 Meter durch das Pyramiden-Innere. Seit Jahrzehnten sorgen gerade diese winzigen Korridore mit ihre Blockierungen am Ende für Kontroversen und Diskussionen.

Jeder an den Rätseln der Archäologie interessierte Laie kennt sie heute.

Bis in das Jahr 1872 waren die “Gänge” allerdings vollkommen unbekannt. Niemand wusste von ihrer Existenz, da sie in der Kammer der Königin verschlossen und vor allem nicht sichtbar waren. Bis Dixon kam, die Wände abklopfte und dabei bemerkte, dass es an zwei Stellen merkwürdig hohl klang. Daraufhin meißelte er an der Nord- und Südwand der Kammer die Steine an den hohl klingen Stellen auf und fand so die beiden “Luftschächte”.

Er und sein Partner Dr. James Grant entdeckten dabei aber noch mehr. Im Inneren der Schächte lagen einige Objekte, die heute als “Dixon-Relikte” bekannt sind. Eine Steinkugel, einen kleinen Haken aus Metall und ein Stück Holzlatte. Wobei anzumerken ist, dass der Fundort des Metall-Hakens in der Pyramide nicht ganz klar ist. Andere Quellen sprechen davon, dass er an einer ganz anderen Stelle des Bauwerkes verborgen lag, als Dixon ihn aufspürte. Mehr dazu aber weiter unten.

Verschollen und wiedergefunden

Die “Dixon-Relikte” wurden im Dezember 1872 in “Nature” und “The Graphic” sowie im Januar 1873 in “Harper’s Weekly” veröffentlicht. Weitere Publikationen folgten und bis heute ist man sich unter Ägyptologen uneins, was diese Artefakte einst für einen Zweck hatten. Selbst darüber, in welchen der beiden bis 1872 verschlossenen Schächte, dem Nord- oder dem Südschacht, welches Objekt von Dixon genau geborgen wurde, herrscht Unklarheit. Die Angaben wurden im 19. Jahrhundert bis heute immer widersprüchlicher.

Sehr gut hat diesen Umstand Stefan Bergdoll in seiner Untersuchung “Die Dixon-Relikte und die Geheimnisse der kleinen Schächte der Cheopspyramide” (“Göttinger Miszellen: Beiträge zur ägyptologischen Diskussion”, Heft 248, 2016) dokumentiert.

So unscheinbar die Fundstücke auch aussehen mögen, so spannend ist ihre Geschichte seit ihrer Bergung durch Dixon. Kurz gesagt gingen sie verloren, tauchten dann im Nachlass einer Dixon-Nachfahrin wieder auf und kamen daraufhin in das Britische Museum in London. Wo sie dann erneut verloren gingen oder vergessen wurden. Erst als der bekannte Autor und Pyramidenforscher Robert Bauval am 6. Dezember 1993 in “The Independent” über den Verlust der Objekte einen Artikel veröffentlichte, und die Leser nach Informationen über ihren Verbleib bat, suchte man im Britischen Museum nach diesen. Und fand sie auch.

Die 1872 von Waynman Dixon entdeckten Relikte
Die 1872 von Waynman Dixon entdeckten Relikte, Illustration aus “Harper’s Weekly” vom 11. Januar 1873

Allerdings nicht alle, denn das knapp 13 Zentimeter lange Holzstück blieb verschollen. Weitere Recherchen ergaben, dass das Holz 1946 in das Marischal Museum in Aberdeen gelangt sein könnte. Es wurde von den anderen “Dixon-Relikten” getrennt, die in einer Zigarrenkiste verwahrt wurden, und heute im Britischen Museum ausgestellt sind. Leider aber ist auch das Museum in Aberdeen nicht behutsam mit diesem einmaligen Fund umgegangen. Bergdoll dazu:

2001 tauchte dann in einer Inventarliste des Marischal Museums in Aberdeen der vermisste ‘Holzmaßstab’ unter der Objektnummer ABDUA:24358 zwar auf, konnte aber nicht gefunden werden, da das Museum damals im Umzug begriffen war.”

Sehr optimistisch schrieb Michael Haase, Autor zahlreicher Artikel und Bücher über die Pyramiden Ägyptens, noch 2004 in seine Buch “Eine Stätte für die Ewigkeit” (S. 50):

Mittlerweile verdichten sich aber die Vermutungen, dass sich das Holzfragment in den Magazinbeständen des Marischal Museums der Universität von Aberdeen befinden könnte.”

Die 1872 veröffentlichten Zeichnungen dieses “Stock” lassen vermuten, dass es eine Art Messlatte war. Hinterlassen von den Erbauern der Cheops-Pyramide. Auch die Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert lassen diese Vermutung zu. Hierzu würde passen, dass auf den Seiten entsprechende “Kerben” eingeschnitten gewesen sein sollen. “Sie tragen parallele Linien wie Markierungen”, hieß es dazu in Nature”, “möglicherweise war es Teil eines Längenmaßes”.

Anhand der dazu damals veröffentlichten Abbildung des mutmaßlichen Messstabes kann man sie allerdings nicht wirklich exakt interpretieren.

Was man aber sehr deutlich sieht, sind die Enden der kleinen und rechtwinkligen Latte. Sie sind gerade und sauber abgeschnitten, so dass die Vermutung, es handelt sich um irgendein abgebrochenes Stück, eher unwahrscheinlich ist. Auf der Zeichnung oben erkennt man allerdings (vorne rechts), dass eine Ecke fehlt.

In der ersten Veröffentlichung in “Nature” vom 26. Dezember 1872 über die Artefakte war in diesem Zusammenhang noch von weiteren Holzfragmenten die Rede. Die Beschreibung damals:

Ein kleiner rechteckiger Zedernstab, an einem Ende gebrochen, und einige Fragmente.”

Schlamperei im Museum

Mit diesem “Stock” aus vermuteten Zedernholz läge der Pyramidenforschung ein einmaliges und unschätzbar wertvolles Fundobjekt vor. Auch wenn es nur “Fragmente” oder Bruchstücke wären. Bedauerlicherweise ging auch das Marischal Museum mit dem Artefakt alles andere als sorgsam um. “Eine Anfrage an das Marischal Museum vom 8. Dezember 2014 brachte folgendes Ergebnis”, so Stefan Bergdoll:

Das Objekt wurde bis heute nicht mehr aufgefunden und entzieht sich somit dem Versuch einer Altersbestimmung nach der C14-Methode. Das Museum beherbergt mehr als 63.500 Objekte, wobei ca. 6.000 Objekte zur ägyptischen Sammlung zählen. Da das Museum über 100 Jahre alt ist, kam es leider dazu, dass einige Objekte ihre Beschriftungen verloren haben oder an der falschen Stelle deponiert wurden, was das Auffinden eines Objekts enorm erschwert oder sogar unmöglich macht.

Für die Ägyptologie und Erforschung der Großen Pyramide ist das niederschmetternd! Ein von den Pyramidenbauern angefertigtes und gesägtes Holzstück, dass bis 1872 seit Jahrtausenden an einem Ort im Inneren der Pyramide unberührt lag, ist heute einfach – weg. Resigniert schreibt auch Bergdoll in seiner Studie:

Was den Verbleib des vermissten Holzstücks angeht, bin ich eher skeptisch, d.h. ich glaube nicht, dass besagtes Stück jemals wieder auftaucht und auch noch zweifelsfrei als solches identifiziert werden kann. Leider ist damit eine Möglichkeit verspielt, das Alter der Cheopspyramide mittels C14-Methode überprüfen zu können.

Natürlich ist es alles andere als ein Einzelfall, dass in Museen antike Artefakte und archäologische Fundstücke “verloren” gehen oder einfach “verschwinden”. Man denke nur das ehrwürdige Ägyptische Museum von Kairo. Auch dort verschwanden unzählige Objekte aus den Kellern. Oder sie werden einfach nicht mehr wiedergefunden, können nicht mehr eingeordnet werden oder irgendwelche Zuordnungen von Inventarbeständen sind überhaupt nicht mehr möglich.

Noch schlimmer ging es in der Vergangenheit zu. Da wurden Artefakte und sogar ganze Mumien aus den Depots des Museums heraus an betuchte Sammler unter der Hand verkauft.

Falsche Angaben, kaputt und verloren!

Stöbert man in den Katalogaufzeichnungen des Marischal Museums der Universität von Aberdeen findet man das gesuchte Holzobjekt weiterhin gelistet. Auch wenn niemand mehr weiß, wo es überhaupt liegt und ob es überhaupt noch im Lager ist. In der Aufzeichnung wiederum heißt es, dass es ein Messinstrument (bzw. ein Teil davon) der Steinmetze war, dass 1946 dem Museum geschenkt wurde. Von E. F. Morice, einer Nachfahrin des Mitentdeckers Grant. Katalogisiert wurde es am 26. November 1946.

So weit, so gut. Denn ansonsten strotzt die Karteikarte des Museums von Fehlern. Angefangen beim dort genannten “Herstellungsdatum des Objekts”, das mit 4000 vor Christus angegeben wird (“4000 BC”). Also fast 2.000 Jahre vor dem Bau der Cheops-Pyramide.

Bei der kurzen aber vielsagenden “Objektgeschichte” stimmt schon fast gar nichts mehr. In nur vier Sätzen sind alle vier Hauptangaben bzw. Daten falsch. Dort heißt es, dass das Objekt 1886 von Dixon in einem der “Ventilationsschächte der Großen Pyramide von Gizeh in der Königinnenkammer” gefunden worde. Die Öffnung der Schächte und die Entdeckung des Artefaktes war aber bereits 1872. Weiter heißt es in der Beschreibung, dass die Cheops-Pyramide aus dem Jahr 400 vor Christus stammt (“400 BC”), was wiederum dem “Herstellungsdatum des Objekts” gewaltig widerspricht.

Hierzu zitiert das Museum die Spenderin selber aus einem Brief vom 18. August 1946. Wobei hier das Datum nicht stimmt, da sie diesen bereits am 18. Juni verfasste. Darin ist in der Tat bereits das falsche Alter der Pyramide genannt, was vom Museum einfach übernommen wurde. Allerdings nannte Morice, dessen Name übrigens im Museumskatalog auch noch falsch geschrieben wurde, in ihrem Brief als Fundjahr korrekt. Um die Verwirrung abzurunden, hat das Museum unter “Notizen” das korrekte Jahr 1872 angeben.

Ignorieren wird die falschen Angaben und deuten sie als Abschreibfehler des Briefes von Morice an das Museum, bleibt noch eine weitere, traurige Aussage. So notierte das Museum 1946 aus dem Schreiben der Schenkerin:

Der Maßstab ist in Fragmente zerfallen, da er der Luft ausgesetzt war.

Also nicht nur verschollen, sondern seit mindestens 1946 auch noch kaputt!

Das kann eigentlich nur als “faule Ausrede” gewertet werden. Immerhin lag das Holz tausende von Jahre unentdeckt und unberührt in einem der “Lüftungsschächte”. Deren beide Ende waren zwar bis Dixons gewaltsamen Öffnung des unteren “Ausganges” verschlossen, aber selbstverständlich voller Luft. Ein Vakuum herrschte darin nicht, weshalb das Artefakt mindestens bereits 4.500 Jahre der Luft ausgesetzt war. Erst dann wurde es in einer Zigarrenkiste mit den anderen Objekte verschickt.

Auch der Umstand, dass die “Messlatte” später (als sie dem Britischen Museum in London angeboten wurde) in einem Glaskolben verwahrt wurde, ändert daran nichts. Bezeichnet ist hierbei auch, dass nach der Entdeckung in entsprechenden Veröffentlichungen über diese Funde der hervorragende Erhaltungszustand des Holzes betont wurde.

Zur Ehrenrettung sollte man aber nicht übersehen, dass das trockene Klima von Gizeh weitaus besser Hölzer jeglicher Art erhält, das jenes in Großbritannien. Oder sind mit dem “Zerfall” die Fragmente gemeint, die laut “Nature” (s. oben) zusammen mit der “Rute” gefunden wurden? Bilder dieser Stücke wurden nie veröffentlicht. Darum ist es wahrscheinlicher, dass es tatsächlich nur kleine Splitter waren, denen schon 1872 keine Bedeutung beigemessen wurde.

Unwahrscheinlich, dass diese in das Museum von Aberdeen gelangten, und dadurch das Objekt als “in Fragmente zerfallen” beschrieben wurde.

Dr. Zahi Hawass sieht es ganz anders

Die von Dixon entdeckten Schächte in der Kammer der Königin werden seit 1993 (inoffiziell) auch als “Gantenbrink-Schächte” bezeichnet. Nach dem Ingenieur Rudolf Gantenbrink, der mit seinem Roboter “UPUAUT 2” damals an den oberen Enden der Schächte die schon legendären kleinen “Türen” entdeckte. Bekanntlich folgten bis heute eine Reihe weiterer Roboter-Untersuchungen der Stollen.

Am bekanntesten dürfte wohl die Untersuchung sein, bei der man ein Loch in den Stein bohrte und eine Kamera hindurch schon. Eine TV-Show, die unter Leitung von Dr. Zahi Hawass am 17. September 2002 von “Nationale Geographic” weltweit “live” übertragen wurde. Heute kennt jeder Archäologie-Interessierte diese Ereignisse, die damals ein großes Medienecho nach sich zogen. Auch unzählige Publikationen dazu erschienen in der Folge, die von Ägyptologen wie von Laien gleichermaßen verfasst wurden.

Eine davon war der Sammelband “The Treasures of the Pyramids” (2003), in dem verschiedene Ägyptologen und Pyramidenforscher über die Rätsel der Pyramiden berichteten. Nicht nur über die neuen Entdeckungen am Ende der “Luftschächte”. Bekannte Namen aus der Ägyptologie wie Günter Dreyer, Mark Lehner oder auch Rainer Stadelmann lieferten Beiträge für diese Anthologie. Und selbst Suzanne Mubarak, die Frau des damaligen Staatspräsidenten Husni Mubarak, steuerte als First Lady Ägyptens ein Vorwort bei.

Wirklich bekannt ist das Buch wahrscheinlich nur im Kreise der Archäologen. Was die enthalten archäologischen Veröffentlichungen an dieser Stelle so interessant machen, sind enthalte Aussagen von Zahi Hawass zu den Dixon-Funden. Hawass schrieb mit Abstand die meisten Beiträge und geht in “The Secret Doors Inside the Great Pyramid” (ab S. 156) auf die geheimnisvollen Schächte genauer ein. Zu dem von Dixon geborgenem Holzstück bemerkt er ganz nebenbei:

Einige schlagen vor, dass eine Kohlenstoffdatierung des Holzes eine genaue Datierung der Pyramide ermöglichen würde, da Holz beim Bau der Pyramide im Schacht belassen worden sein muss (vorausgesetzt, der Schacht war versiegelt) Aber ich behaupte, dass dies nicht absolut sicher ist. Holz kann nach dem Bau über den Schachtausgang in den Schacht eingebracht werden, falls er existiert.”

Die offene Cheops-Pyramide des Hawass

Eigentlich eine unfassbare Aussage, die Hawass nur ein Jahr nach seiner Durchbohrung des Sperrsteins tätigte. Eine C14-Dateiung sei seiner Meinung also sinnlos, da das Holz “nach dem Bau über den Schachtausgang” dorthin gelangt sein könnte.

Ihm war natürlich klar, dass der Schacht unten erst 1872 aufgebrochen wurde, was er in seinem Beitrag auch selber schreibt. Und ihm war seit 1993 durch Gantenbrink auch klar, dass er oben mit einem Stein versperrt wurde. Aufgrund der Durchbohrung 2002 wusste er natürlich auch – er war ja dabei -, dass dahinter eine weitere Steinsperre liegt. Wo ist da Platz für einen Ausgang ins Freie, durch den das Holz hätte in den Schacht fallen können?

Gleichfalls kennt er natürlich die Architektur der Cheops-Pyramide ganz genau. So weiß er auch, dass der Bau der Pyramide auch nach Fertigstellung und Versiegelung der kleinen Stollen der Königinnenkammer noch sehr lange weiter in die Höhe ging. Die “Lüftungsschächte” selber reichen auch bis über die Kammer des Königs im Mauerwerk der Pyramide hinaus. Das heißt, wenn die “Messlatte” in den Schacht gelangte, als dieser am oberen Ende noch offen war, geschah dies trotzdem noch während der Bauzeit der Pyramide.

Danach war er “dicht”. Was Hawass dann wieder nur einen Satz später selber schreibt:

Ägyptologen haben mehrere Erklärungen für diese Schächte. Einige glauben, dass sie zur Belüftung verwendet wurden, aber dies kann nicht wahr sein, da sie sich nicht nach außen öffnen.

Sofern also niemand nach Fertigstellung der Pyramide und der Schächte von Außen durch das Mauerwerk bohrte, dann durch das entstanden Loch die Dixon-Relikte hinfallen ließ, um daraufhin das Loch innerhalb des winzigen Stollens sowie an der Außenseite der Pyramide unsichtbar zu verschließen, bleibt diese Vermutung reine Spekulation von Hawass.

Eine letzte Chance?

Vielleicht gibt es aber noch ein letzte C14-Chance. Auf dem von Dixon 1872 gefunden Metallhaken könnten geringe Holzreste vorhandenen gewesen sein, wie es die Objektbeschreibungen vermuten lassen. So schrieb schon John Dixon, der Bruder des Entdeckers, in einem Artikel über die Funde in “Harper’s Weekly” (11. Januar 1873) zur der Beschreibung des Hakens:

Bronze Instrument, an dem ein Teil des Holzgriffs haftet.

Und in “Nature” heiß es im Dezember 1872 dazu:

Ein kleiner Doppelhaken aus Bronze mit genieteten Stiften zum Befestigen an einem Griff.

Es ist also unklar, ob mit “Teil des Holzgriffs” nicht vielleicht doch nur die Befestigungsstifte oder Nieten gemeint waren. Diese sind klar zu erkennen, und werden bis heute als Halterungen für einen Holzgriff interpretiert. Wie schon damals in “Nature”:

Mit einem Holzgriff, der an den beiden Stiften befestigt ist, kann er als Werkzeug verwendet worden sein.

Wo dieses Fundstück sich heute befindet, ist seit 1993 bekannt. Es schlummert, vollkommen unbeachtet von den üblichen Touristen, in einer Vitrine im Britischen Museum in London vor sich hin.

Ob diese mutmaßlichen Holzreste für eine C14-Datierung ausreichen, ist natürlich offen. Fraglich ist auch, ob sie nach der 2012 durchgeführten Konservierung des Fundes im Britischen Museum überhaupt noch vorhanden oder für eine Kohlenstoffdatierung nutzbar sind. “Stabilisierung” nennt sich diese Aufarbeitung. Es bedeutet nichts weiter, als dass die entsprechenden Experten das Artefakt mit verschiedenen Methoden behandeln, um es auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Hinzu kommt, dass 1877, also nur kurz nach den Dixon-Entdeckungen, James Bonwick in “Pyramid facts and fancies” schrieb, der Haken sei in der Vorkammer der Königskammer gefunden worden. Dort, wo sich die Fallsteine als Sicherung gegen Grabräuber befanden, und damit weit weg von der Kammer der Königin. Folglich auch mehr oder weniger offen im Inneren des Monuments und nicht in einem der erst durch Dixon nach Jahrtausenden geöffneten Schächte. Wobei je nach Aussage der Haken im Nord- oder Südschacht gefunden wurde.Selbst das ist demnach unklar.

Bonwick dazu (S. 36):

Die Höhe des Fallgitters beträgt laut Perring 12 Fuß 5 Zoll. Mr. Waynman Dixon fand dort in der Nähe einen Bronzehaken; er könnte einem alten Schatzsucher gehört haben.

Hätte Bonwick mit dieser Aussage wirklich recht, könnte der Haken damit erst sehr, sehr viel später in die Pyramide gelangt sein. Lange nach dem Richtfest des Bauwerkes. Ein C14-Datierung wäre dann zwar interessant, aber würde nichts über das “wahre Alter” der Pyramide enthüllen.

Ein ernüchterndes Resümee

Auch wenn das Thema “C14-Datierungen und die Cheops-Pyramide” fraglos nicht ausgeschöpft wurde, ist es Zeit für ein Resümee. Leider ein recht ernüchterndes, wie es die wichtigsten Punkte im Folgenden verdeutlichen sollen:

  • Es gab eine große Anzahl von C14-Datierungen bezüglich der Cheops-Pyramide.
  • Die Altersbestimmungen variieren dabei zum Teil durchaus erheblich. Um mehrere Jahrhunderte.
  • Zur Datierung diente meistens Holz bzw. Holzkohlereste aus dem Mörtel der Außenseite der Pyramide.
  • Mal mehr und mal weniger grob stimmen die Datierungen mit den angenommenen Baudaten unter Pharao Cheops überein.
  • Abweichungen gelten als Toleranz und/oder die Wiederverwendung älterer Materialien durch die Baumannschaften.
  • Aufzeichnungen alter Chronisten mit geradezu phantastischen Zeitangaben für das Alte Ägypten, wie etwa von Herodot, werden in Forschung nicht ernst genommen.
  • Die C14-Analysen erbrachten jedoch auch keine gewaltigen Altersangaben, die solche Behauptungen der alten Geschichtsschreiber untermauern. Außer man glaubt an eine Verschwörung der Archäologie, die genau solche Daten unter Verschluss hält.
  • Ein authentisches Stück Holz, das wahrscheinlich Jahrtausende unberührt und unentdeckt in der Cheops-Pyramide lag, noch dazu von den Baumeistern selber stammen muss, ist heute spurlos verschwunden.
  • Holzfragmente, die mit dieser vermuteten “Messlatte” geborgen wurden, sind ebenso verschollen. Ihnen wurde vermutlich schon während der Entdeckung keine Bedeutung beigemessen (an die Möglichkeiten von C14-Datierungen konnte damals auch wirklich niemand denken).
  • Eine in der Mykerinos-Pyramide gefundene Mumie sowie ein entdeckter Sarkophag fallen zeitlich vollkommen aus dem Rahmen der IV. Dynastie. Auch wenn der Name des Pharao Mykerinos darauf steht, reichen die Funde bis in die frühchristliche Zeit.
  • Selbst C14-Datierungen aus der XII. Dynastie schwanken um rund 200 Jahre.
  • Teilweise wurden die Radiokarbondatierungen von einer Organisation ganz offiziell finanziert bzw. mitfinanziert, die in Gizeh inklusive Sphinx Bauten eines Volkes aus Atlantis sieht.
  • Erst kürzlich wurde in einer neuen Studie aufgezeigt, dass die Kalibrierung von C14-Datierungen mit Baumringen weitaus ungenauer ist, als bisher angenommen.
  • Eine der Proben der Cheops-Pyramide fiel besonders aus dem Rahmen der anderen Datierungen. Auch im Vergleich zu einer weiteren und direkt daneben entnommenen und datierten Probe. Erst eine zweite Altersbestimmung wies diesen Ausreißer “in seine Schranken”.
  • Authentische und mittels C14 datierbare Objekte aus dem Inneren der Pyramide(n) liegen – soweit bekannt – nicht vor.
  • An dem 1872 entdeckten Metallhaken waren vielleicht an den Befestigungsstiften Holzreste vorhanden. Ob es so war, und ob sie überhaupt noch vorhanden sind, ist unklar.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen zum Teil erhebliche Abweichungen bei Radiokarbondatierungen nach

Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen Abweichungen der Radiokarbondatierungen nach - die erheblich sein können (Bilder: PixaBay/gemeinfrei/Fischinger / Montage: Fischinger-Online)
Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen Abweichungen der Radiokarbondatierungen nach – die erheblich sein können (Bilder: PixaBay/gemeinfrei/Fischinger / Montage: Fischinger-Online)

Die Radiokarbondatierung, auch C14-Datierung genannt, ist eine “Allzweckwaffe” für all jene, die das Alter von organischen Material bestimmen wollen. Vor allem sind das natürlich Archäologen, die mittels C14-Analysen von kohlenstoffhaltigen Funden wie Holz oder Knochen deren Alter ermitteln. Wie alle Datierungen hat aber auch C14 seine Fehler und Grenzen. Und diese sind in der Wissenschaft durchaus bekannt. Doch wie stark Radiokarbondatierungen von archäologischen Funden von anderen zeitlichen Einordnungen abweichen können, zeigt jetzt ein neue Studie. Und diese Abweichungen haben durchaus einen großen Einfluss auf die Geschichtsschreibung der frühen Hochkulturen, wie Ihr in diesem Beitrag erfahrt.


Die Radiokarbondatierungen (C14)

Archäologen bedienen sich bei ihrer Arbeit verschiedensten Methoden, um einen Fund oder ein Artefakt in einen zeitlichen Rahmen einzuordnen. Neben dem jeweiligen Fundkontext sind das unter anderem auch schriftliche Zeugnisse und Aufzeichnungen aus der Vergangenheit.

Zu diesen Methoden kam rund 70 Jahren die Naturwissenschaft mit der Radiokarbondatierung, die man allgemein auch C14-Datierung nennt. Entwickelt wurde sie schon 1946 von dem Chemiker und Physiker Willard Libby in den USA, der dafür 14 Jahren den Nobelpreis für Chemie bekam. Seit dem ist die C14-Datierung eine „Allzweckwaffe“ der Archäologie und anderer Untersuchungen.

Mit dieser Datierungsmethode wird der radioaktive Zerfall der C14-Atome in kohlenstoffhaltigen Material gemessen. Vor allem natürlich in organischen Material wie Holz oder Holzkohle, Knochen oder Pflanzenresten. Diese neben zu Lebzeiten das natürlich zerfallende C14 aus der Atmosphäre auf und reichen es so immer wieder neu an. Sterben diese, endet auch die natürliche Aufnahme und damit die Erneuerung von C14 des Organismus. Es zerfällt immer weiter innerhalb des Materials bzw. der Lebewesen, was mittels der Radiokarbondatierung gemessen werden kann.

Die bekannte „Halbwertzeit“ beträgt im Fall von C14 exakt 5.730 Jahre (+/- 40 Jahre). Zum Vergleich: Das Iod 131-Isotop hat eine Halbwertzeit von nur 8 Tagen – Tellur 128 benötigt unfassbare 7 Quadrillionen Jahre. Weit länger als das Universum überhaupt alt ist …

Anhand der Bestimmung des C14-Zerfalls einer Probe kann so der Forscher im Labor bestimmen, wann die natürliche C14-Aufnahme dieser stoppte. Also, wann das „Objekt“ gestorben ist. Entdeckt irgendwo auf der Welt ein emsiger Archäologe menschliche Überreste in einem Grab, kann so anhand der Knochen das Alter dieser Reste ermittelt werden.

Vorausgesetzt, dass die organische Probe sachgemäß gewonnen, verpackt und analysiert wurde. Das heißt, dass sie nicht im Nachhinein durch äußere Einflüsse kontaminiert wurde.

Allzweckwaffe C14-Datierung

Denn das ist immer wieder ein Kritikpunkt bei der längst bewährten C14-Datierung. Nicht nur dann, wenn ein ermitteltes Alter eines Objektes nicht den Erwartungen entspricht. Das Grabtuch von Turin, das viele Menschen für das Leichentuch Jesus Christus halten, ist dabei wohl das bekannteste Beispiel. Auch diese heilige Reliquie wurde 1988 mittels C14 datiert.

Heraus kam nach der Analyse der Proben, dass das Turiner Grabtuch im Mittelalter entstanden sein muss. Also ist es zumindest nach dieser Datierung eindeutig eine Fälschung. Für viele Gläubige und Grabtuch-Forscher ein Schock. Sie vermuten – nicht ganz zu Unrecht – eine Kontaminierung der Proben, weshalb die Diskussion um das Leichentuch Christi bis heute hitzig geführt wird (s. a. HIER, HIER , HIER & Video HIER).

Natürlich zweifeln verschiedene Seiten immer wieder an der Genauigkeit der C14-Analysen. Aus den unterschiedlichsten Gründen und nicht nur aus religiösen Motiven, wie beim Turiner Grabtuch. Vielfach wird diese wissenschaftliche Methode sogar komplett abgelehnt. Und zwar wird sie vor allem in der Grenzwissenschaft oder „alternativen Geschichtsschreibung“ gerne „verteufelt“.

Natürlich nicht immer und grundsätzlich, doch lässt sich diese Ablehnung nicht selten erkennen. Dabei ist der Kern der Kritik von dieser Seite praktisch immer gleich. Gräbt ein Archäologe irgendwo nahe, bei oder sogar direkt unter einer uralten Stätte ein mittels C14 datierbares Objekt aus, sagt deren Alter nichts über das „wahre Alter“ der jeweiligen Stätte. So das Hauptargument der Kritik innerhalb der „alternativen Historiker“.

Bekannte Beispiele sind die Pyramiden von Gizeh (die bereits mehrfach mittels C14 datiert wurden), die Ruinenstätte von Tiahuanaco und Puma Punku in Bolivien, Stonehenge und andere Anlagen der Megalithkultur, Baalbek im Libanon oder auch Bauten der Inka in Peru.

Bei den Ruinen von Göbekli Tepe in Anatolien hingegen, die ganz offiziell mit C14 auf ein sensationelles Alter bis zu 12.600 Jahren datiert wurden, wird die Radiokarbonmethode akzeptiert …

Schwankungen der Radiokarbondatierung

Bis ins Unendliche funktioniert die C14-Datierung letztlich aber auch nicht. Zeitlich lässt sie sich im Bereich zwischen 300 und rund 60.000 Jahren nutzen. Mit unterschiedlicher Genauigkeit. Vereinfacht gesagt, wird diese Methode mit zunehmenden Alter der datierten Proben ungenauer. Bei einem beprobten Fundstück, dass mehrere Zehntausend Jahre alt ist, ist allerdings eine Abweichung von angenommen 1.000 Jahren zum wahren Alter unerheblich.

Mehr oder weniger, denn ob vor 41.000 Jahren ein Feuer in einer Höhle in Süddeutschland brannte, oder sich hier „erst“ vor 40.000 Jahren jemand wärmte, wird die Geschichtsschreibung nicht sonderlich ändern.

Ganz anders sieht es auf, wenn man nur einige Jahrtausende in die Vergangenheit schaut. Etwa zu den ersten großen Zivilisationen der Menschheit am Nil oder in Mesopotamien. Eine Abweichung von nur 50 Jahren kann hier ganz erhebliche Konsequenzen für die Geschichtsschreibung, Altertumsforschung und Archäologie haben!

Mit der Radiokarbondatierung festgestellte Altersangaben können etwa einer alten aufgezeichneten Chronologie widersprechen. Ob ein Pharao in Ägypten vor 3.000 Jahren 50 Jahre früher oder später lebte und regiert, macht einen deutlichen Unterschied.

Um eine möglichst genaue Datierung sicherzustellen, bedienen sich Archäologen und Naturwissenschaftler auch verschiedener Methoden der „Kalibrierung“. Zumal auch der natürliche Anteil von C14 in der Erdatmosphäre Schwankungen unterliegt. Abhängig von der kosmische Strahlung, die unseren Planeten permanent aus dem All trifft. Probates Mittel ist für die Forscher unter anderem die Dendrochronologie, also die bekannte „Baumringdatierung“. Wissenschaftler nutzen dazu verschiedene standardisierte Jahresringtabellen und Vergleichskurven, die in unterschiedlichen Regionen der Erde durch die Jahresringe von Bäumen erstellt wurde.

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Wie exakt die Datierung auch mit Hilfe der C14-Kalibrieurng letztlich ist, weiß niemand ganz genau. Abweichungen und Unsicherheiten sind immer Teil der Analysen und werden auch immer in den Untersuchungsberichten der entsprechenden Proben benannt.

Wissenschaftler um den Archäologen Professor Sturt W. Manning von der Cornell University in Ithaca veröffentlichten kürzlich genau zu diesem Problem in „Science Advances“ (18. März 2020) eine neue Studie. Sie kommen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass es zum Teil signifikante Abweichungen in den C14-Datierungen und entsprechenden Abgleichungen gibt.

Je nach Region auf der Nordhalbkugel, die mit derselben „Baumring-Kalibrierung“ vorgenommen wurden. Altersbestimmungen in Zentraleuropa unterscheiden sich mit dieser Methode deutlich von jenen, die im Mittelmeerraum oder Ägypten vorgenommen wurden, so die Forscher. Radiokarbondatierungen widersprechen auch häufig dem Alter, das entsprechende Artefakte nach historischen Aufzeichnungen oder Dokumenten haben müssten. Archäologe Manning:

Eine einzige Kalibrierungskurve für die nördliche Hemisphäre bildet seit fünf Jahrzehnten die Grundlage für die Radiokarbondatierung in Europa und im Mittelmeerraum und legt den Zeitrahmen für die Vorgeschichte fest. In dem Maße, wie die Messgenauigkeit zunimmt, wachsen auch die Hinweise für kleine, aber substanzielle regionale (teilweise wachsende) Abweichungen in den Radiokarbondaten des gleichen Jahres.

Die Altersbestimmung zu korrigieren, könnte daher auch unsere Sicht der Geschichte verändern und das Wissen darüber, welche Gruppen wann dazu beitrugen, die klassischen Zivilisationen zu prägen.“

Manning und sein Team untersuchten für ihre Studie unter anderem Holz aus Norditalien, Deutschland und Zentralanatolien, das aus dem 1. und  2. Jahrhundert vor Christus stammt, sowie andere Proben. Schon dabei zeigten sich Abweichungen in der Datierung von bis zu 31 Jahren in Baumringen aus ein und demselben Jahr. „Dieses wiederkehrende Phänomen untergräbt die Relevanz der C14-Kalibrierungskurve mittlerer Breite für die Chronologie im Mittelmeerraum“, so die Forscher in ihrer Studie.

Radiokarbondatierungen schreiben die Geschichte um

In ihrer Untersuchung verweisen die Autoren darauf, dass eben nicht nur der natürliche C14-Gehalt der Atmosphäre und damit auch dessen Aufnahme von lebenden Organismen schwankt, sondern auch die Vegetation. Im Bereich des Mittelmeeres, und damit der frühen Kulturen, liegt der Pflanzenwachstum eher im milden Winter und Herbst. In Zentraleuropa im Frühling und Sommer. Dieser Unterschied verfälsche auch den bisher angewandten C14-Dantierungsabgleich durch die Jahresringe von Bäumen, sind sich die Forscher sicher.

Das Team um Manning datierte unter Berücksichtigung der erkannten Fehlerquote auch den Vulkanausbruch auf der Insel Thera (Santorin) neu. Diese kleine Mittelmeerinsel wurde einst von einem gewaltigen Vulkan in weiten Teilen vernichtet, was vor Jahrtausenden erhebliche Auswirkungen auf die dortige und gesamte Kultur des Mittelmeeres hatte. Nicht wenige glauben, dass diese Vernichtung als Vorlage für den Mythos von Atlantis des Platon diente.

Archäologische Grabungen datierten den Untergang von Thera bisher auf ca. 1500 vor Christus. Die jetzige C14-Datierung durch Manning weicht davon erheblich ab, und datiert diese Katastrophe auf 1649 bis 1617 vor Christus. 150 Jahre Abweichung sind für den Untergang einer ganzen Zivilisation im Mittelmeer gewaltig.

Bei der Altersbestimmung des legendären Pharao Tutanchamun sieht es nicht für Manning und seine Kollegen nicht viel anders aus. Auch hier kommen sie anhand von 6 Proben zu anderen Daten als die klassische Archäologie durch die Chronologie Ägyptens und früherer C14-Messungen. Zum Beispiel auf eine Bestattung vor 3117 (+/- 12 Jahre) vor Christus. Ägyptologen datieren seinen Tod bisher um das Jahr 1323 vor Christus.

Radiokarbondatierungen aus dem Grab des Tutanchamun stimmten bisher nicht immer mit der historischen Geschichtsschreibung überein. Und Abweichungen von Jahrzehnten wiegen nachvollziehbarer Weise in diesem Zusammenhang überaus schwer.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Herodot und das Eisen der Cheops-Pyramide: Was sagte der “Vater der Geschichtsschreibung” tatsächlich?

Herodot und das Eisen der Cheops-Pyramide: Was sagte der "Vater der Geschichtsschreibung" tatsächlich? (Bilder/Montage: gemeinfrei & Fischinger-Online)
Herodot und das Eisen der Cheops-Pyramide: Was sagte der “Vater der Geschichtsschreibung” tatsächlich? (Bilder/Montage: gemeinfrei & Fischinger-Online)

Die Pharaonen haben vor Jahrtausenden die Pyramiden von Gizeh mit einfachen und primitiven Werkzeugen gebaut. Diese haben lediglich aus Holz, Seilen, Stein und dem weichen Metall Kupfer bestanden, wie es die Ägyptologie besagt. Eisen nutzen sie nicht, auch wenn es den Pharaonen schon vor der “Eisenzeit” im Prinzip bekannt gewesen sein soll. Der berühmte griechische Geschichtsschreiber Herodot sah das vor ca. 2.400 Jahren ganz anders. Denn er berichtete, dass die Pyramidenbauer bereits Werkzeuge aus Eisen benutzten. Auf diese Tatsache verweisen vor allem immer wieder “alternative Historiker” und private Pyramidenforscher. Doch was schrieb der Historiker tatsächlich über die Benutzung von Eisenwerkzeugen beim Pyramidenbau? Das erfahrt Ihr in diesem Artikel.


Cheops-Pyramide und “Kult-Eisen”

Über Pyramiden wird gerne und viel spekuliert, phantasiert und diskutiert. Vor allem natürlich über die ägyptischen Pyramiden und allen voran die Pyramiden von Gizeh.

Wohl um keine anderen Monumente der Geschichte ranken sich so viele Geschichten, Ideen und Aussage wie um diese. So war es schon vor Jahrtausende und so ist es bis heute geblieben. Auf diesem Blog sowie auf meinem Video-Kanal habe ich bereits immer wieder darüber berichtet.

Ein Streitthema dabei ist auch der berühmte Geschichtsschreiber Herodot (ca. 490 bis 430 vor Christus) und seine Aussagen über die Cheops-Pyramide und dessen Erbauung. In seinen “Historien” behauptete er vor rund 2.400 Jahren, dass die Pharaonen Werkzeuge aus Eisen zum Bau der Pyramiden genutzt haben. Das aber, so die gängige Lehrmeinung, haben die Alten Ägypten überhaupt noch nicht gekannt bzw. benutzt.

Die Baumeister im Alten Ägypten vor rund 4.500 Jahren kannten zwar durchaus Eisen, so die Archäologie, aber keine Werkzeuge daraus. Wenn, so die Ägyptologie, haben die Meteoriten-Eisen besessen, das eher für “kultische Zwecke” genutzt wurde. Aufgrund der Seltenheit von derartigem Eisen sei das Material viel zu wertvoll gewesen, so dass man damit keine Werkzeuge herstellte. Und ausreichende Mengen standen auch nicht zur Verfügung.

Verständlich. Immerhin fallen Meteoriten aus Eisen nicht in riesiger Anzahl tagtäglich vom Himmel auf Ägypten. Zumindest heute nicht und wohl auch nicht vor Jahrtausenden.

Warum wird dann aber immer wieder in der einschlägigen Literatur behauptet, dass die Pharaonen doch Eisenwerkzeuge nutzten? Schließlich haben Archäologen nachweislich Unmengen an Werkzeugen aus dem viel weicheren Kupfer im Umfeld der Pyramiden von Gizeh gefunden. Werkzeuge also, die damit in die Epoche der “Kupferzeit” passen, in der die großen Pyramiden in Ägypten gebaut worden sein sollen.

Schuld daran ist allein der “Vater der Geschichtsschreibung” Herodot. Ein Historiker aus Griechenland, der ein umfangreiches Geschichtswerk schrieb. Diese “Historien” sind bis heute Bestandteil vieler Forschungen und Untersuchungen. Denn die heutigen Historiker sind sich uneins, wo Herodot in seiner Geschichtsschreibung Fakten und wo Fiktionen überliefert. Schon nachfolgende Geschichtsschreiber war nicht ganz klar, wo Herodot schwindelte, wo seine Quellen falsch waren, und was echte Geschichtsschreibung ist.

Wie in diesem Artikel HIER aufgezeigt, galt Herodot schon vor 2.000 als Geschichtenerzähler, der auch mal “Fakten” erfunden habe.

Eisen für den Pharao

Dennoch war er es in seinen “Historien”, der schon um 430 vor Christus den Pyramidenbauern Werkzeuge aus Eisen in die Hand gab. Ein Dorn im Auge aller Ägyptologen. Sie sind überzeugt, dass er in dieser Hinsicht die Unwahrheit sagte, wie bei vielen anderen Behauptungen in seinen Werken auch. Herodot habe sich das nur ausgedacht oder es wusste es mindestens 2.500 Jahre nach dem Bau der Pyramiden einfach nicht besser. Vielleicht habe man dem Griechen bei seinen Recherchen in Ägypten auch nur eine Falschinformation gegeben, die er dann in seinen “Historien” übernahm.

Woher diese Information letztlich auch kam, und wie auch immer sie in sein Werk gelangte: Die etablierte Archäologie ist sicher sicher, dass sie Fake-News sind.

Viele Pyramidenforscher und Autoren sehen das ganz anders. Sie verweisen nicht nur auf den Umstand, dass es (sehr wenige) Eisenfunde in den Pyramiden von Gizeh gab. Ebenso verweisen sie vor allem auf die Entdeckung von Eisenspuren in der Cheops-Pyramide durch die Autoren Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann (s. a. Link HIER). Es sind jene gleichförmigen dunklen Ablagerungen an den Monolithen, die die Decke der Königskammer in der Großen Pyramide bilden.

Dokumentiert haben die beiden Privatforscher dies unter anderem in ihrem Buch “Das Cheops-Projekt” (2015). Diese Untersuchungen und Beprobungen waren der Auslöser des sogenannten “Cheops-Skandal”, über den auf diesem Blog in den vergangen Jahren vielfach berichtet wurde. Wie alle Autoren der “alternativen Geschichte” verweisen auch Erdmann und Görlitz in diesem Zusammenhang auf Herodots Aussagen über das Eisen der Pharaonen.

Und was Herodot vor rund 2.400 Jahre dazu schrieb, ist eigentlich eindeutig und unmissverständlich.

Herodot und das Eisen der Cheops-Pyramide

Die allermeisten Autoren erwähnen nur, dass Cheops von der Verwendung von Eisenwerkzeugen beim Bau der Pyramide des Cheops geschrieben habe. Seine Aussagen oder Behauptungen selber zitieren machen dabei die wenigsten. Und das, obwohl er sogar eine “Quelle” angibt, woher er diese Informationen gehabt haben will.

Konkret hat er dazu in Band II seiner “Historien” geschrieben:

Es steht mit Aegyptischen Schriftzügen an ihr (der Cheops-Pyramide, Anm. LAF)  geschrieben, wie viel Meerrettig, Zwiebel und Knoblauch die Arbeiter verzehrt hätten, und ich besinne mich noch recht wohl, daß mir der Erklärer, der mir die Schrift vorlas, sagte, das dies allein tausend sechshundert Talente gekostet hätte. Ist diese Angabe richtig, welche Summen muss dann nicht das Eisen, womit gearbeitet wurde, die Kleidung und Nahrungsmittel für die Werkleute erfordert haben, und wie viel Zeit muss nicht ausser der angegeben Zeit, die der Bau selbst dauerte, das Hauen und Herbeyschleppen der Steine und die Verfertigung des Kanals gekostet haben, den man unter der Erde herleitete.” (Bd. II, 125)

Herodot machte also die Angabe, dass mit Eisen gearbeitet wurde, nur beiläufig. Vielmehr machte er sich Gedanken darüber, wie teuer das Bauvorhaben an sich wohl gewesen sein mag. Nach seinen Angaben habe er diese Informationen auch nicht irgendwo aufgeschnappt. Vielmehr sollen Inschriften auf oder an der Cheops-Pyramide diese beinhaltet haben. Das habe ihm persönlich ein “Erklärer”, also ein Dolmetscher, wie er in anderen Übersetzungen auch genannt wird, vorgelesen.

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“Ist diese Angabe richtig” notierte er. So, als habe er es nicht glauben können. Er selber konnte die Übersetzung der ägyptischen Schriftzeichen nicht lesen und damit deren Inhalt überprüfen. Dass es, wie Herodot behauptet, Inschriften an der Cheops-Pyramide gab, sollte an dieser Stelle nicht weiter verwundern. Darauf wurde in diesem Blog-Artikel HIER bereits umfangreich eingegangen.

Der Fokus von Herodot lag also eindeutig auf den Baukosten der Pyramide des Cheops. Nicht auf Eisen, das er scheinbar als selbstverständlich hin nahm. Dass es um die enormen Summen geht, die Cheops für seinen Bau geradezu verpulverte, zeigt auch der weiteren Verlauf seines Berichtes. Denn nach den oben zitierten Aussagen, folgt die durchaus bekannte Geschichte, dass der König seine eigene Tochter zur Prostitution zwang, um Geld für sein Bauwerk zu verdienen ..

“Medizinische” Geräte aus Eisen

Der Geschichtsschreiber Herodot erwähnt in seinem Geschichtswerk an einen weiteren Stelle die Verwendung von Werkzeugen aus Eisen.

Eine Aussage, die vielfach übersehen wurde, die sie nichts mit dem Bau von Pyramiden zu tun hat. Vielmehr mit der Mumifizierung in Ägypten, die nach seinen Beschreibungen ein “Geschäft” sei, für das “eigene Leute angestellt” sind. Sind sich die Einbalsamierer über die Art der Mumifizierung und den Preis mit den Hinterlieben einzig, so Herodot, machen sie sich ans Werk. Unter anderem heißt es in seinem II. Band:

Erstlich schaffen sie theils durch scharfe Wasser, theils mit Hülfe eines krummen Eisens, das Gehirn durch die Nase weg, und schneiden dann mit einem scharfen äthiopischen Steine den Bauch auf, und nehmen die Eingeweide heraus.” (Bd. II, 86)

In einer anderen Übersetzung in modernen Deutsch klingt das so:

Zuerst ziehen sie mit einem Eisenhaken das Gehirn durch die Nasenlöcher heraus, doch entfernen sie nur einen Teil auf diese Weise, den anderen durch Essenzen, die sie eingießen. Darauf machen sie mit einem scharfen äthiopischen Stein einen Schnitt längs der Weiche und holen nun Stück um Stück alle Eingeweide aus dem Innern heraus (…)”

Es handelt sich bei der gesamten Beschreibung des Herodot um die typische Einbalsamierung, die heute in jedem Buch über Mumien und jeder TV-Dokumentation über den Totenkult der Alten Ägypter zu finden ist: Die Trocknung des Leichnams in Natron, die 70 Tage Wartezeit währen der Austrocknung der Leiche im Salz, das anschließende einwickeln in Leinenbinden usw.

Was Herodot hier von der Nutzen des Eisens schreibt ist ebenfalls nur beiläufig. Als eine Selbstverständlichkeit, wie er es auch beim Bau der Cheops-Pyramide tat. Allerdings kann man dieses Eisen bei der Mumifizierung nicht einfach eins zu ein auf den Pyramidenbau übertragen. Der Kult der Mumifizierung war auch in jeden Tagen, als Herodot angeblich in Ägypten war, noch allgegenwärtig.

Ob tausenden Jahre früher dabei auch Eisenhaken benutzt wurde, ist damit unklar!

Noch mehr Eisen

Dieser Umstand gilt auch für eine andere Geschichte, die der Geschichtsschreiber überliefert hat. Jene über Pharao Mykerinos, seiner Pyramide in Gizeh und der Prostituierten Rhodopis. In diesem Zusammenhang erzählt Herodot in Band II., dass Mykerinos als König die kleine Pyramide von Gizeh erbaute. Doch “einige Hellenen behaupten mit Unrecht, das Freudenmädchen Rhodopis hätte sie aufführen lassen”, so Herodot.

Durch ihre intensive Tätigkeit als “Freudenmädchen” sei Rhodopis in Ägypten zu Reichtum gekommen. Es habe aber bei weitem nicht gereicht, “um eine Pyramide davon zu bauen”, überliefert Herodot. Selbst dann nicht, als die “freigekauft” wurde. Dennoch wollte sie ein Denkmal hinterlassen und hatte letztlich eine ganz besondere Idee für ihre “Denkmal”.

Dafür gab sie den zehnten Teil ihres Vermögens aus, wie Herodot notiert:

Sie machte daher von ihres Vermögens zehntem Teil eine Menge eiserner Spieße, darauf man einen Ochsen braten konnte, so weit das Zehnteil ausreichen wollte, und sandte sie nach Delphi. Und sie liegen dort noch jetzt aus auf einem Haufen, hinter dem Altar, den die Chier geweiht, dem Tempel selbst geradeüber.” (Bd. II, 135)

Fraglich, ob diese Geschichte, die übrigens in ihrer Gesamtheit auch als Ur-Vorlage für das Märchen “Aschenputtel” angesehen wird, wahr ist. Rhodopis selbst gilt als ein Mythos, die nie als reale Person existiert haben soll. Und wenn, dann war es lange nach dem Bau der Pyramiden, da die Figur der Rhodopis in das 6. Jahrhundert vor Christus datiert wird.

Wahrheit oder Fake-News?

Es besteht kein Zweifel, dass Herodot den Pyramidenbau direkt mit der Verwendung von Eisen in Verbindung bringt. Auch wenn nur vollkommen beiläufig. Interessanter ist die Frage, ob er die Wahrheit schrieb. Hat ihm wirklich ein Dolmetscher an der Großen Pyramide diese Texte übersetzt und vorgelesen?

Immerhin hat der Geschichtsschreiber schon in der Antike den Ruf eines Märchenonkels. Nicht zu Unrecht, wie zahllose seiner Angaben und Behauptungen in den “Historien” belegen.

Es ist sogar bis heute eine Debatte im Gange, ob der Historiker überhaupt jene Orte in Ägypten besuchte, über die er geschrieben hat. Vor allem natürlich auch die Pyramiden von Gizeh. Gerade auch zu diesen finden sich Beschreibungen und Aussagen, die augenscheinlich nicht mit der Realität übereinstimmen. Heute ebenso wenig wie zu Herodots Zeiten vor über zwei Jahrtausenden. Schon allein das Äußere und verwendete Baumaterial der oben genannten Mykerinos-Pyramide entspricht nicht der Wahrheit.

War er überhaupt vor Ort? Falls nicht, dann kann er auch nicht an der Cheops-Pyramide erfahren haben, dass die alten Pharaonen in der “Kupferzeit” schon Werkzeuge aus Eisen benutzten.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Der Schleier von Manoppello: Das “Jesus-Foto” und was das ZDF (passend zu Ostern) 2007 unterschlug (Artikel)

Das Jesus-Foto und was das ZDF seinen Zuschauern unterschlug! (Bild: Fischinger-Online)
Das “Jesus-Foto” von Manoppello und was das ZDF seinen Zuschauern 2007 unterschlug! (Bild: Fischinger-Online/Archiv)

Dass man nicht alles glauben soll, was das Fernsehen den Zuschauern präsentiert, dürfte kein Geheimnis sein. Der Übergang von bewusster Manipulation, dem “verschweigen” oder “vergessen” von Fakten und Meinungen und kleinen und großen Irrtümern dürfte dabei wohl fließend sein. Das gilt prinzipiell für alle Medien. Und es galt auch schon lange bevor Bezeichnungen wie “Lügenpresse” oder “Lückenpresse” scheinbar salonfähig wurden. So wie Ostern 2007, als das ZDF passend zum höchsten Fest der Christen eine Dokumentation über eine Tuchreliquie in Italien sendete. Dem “Schleier von Manoppello“, den einige als “Jesus-Foto” bezeichnen. Angeblich zeige es das Abbild von Jesus Christus und gilt unter Gläubigen als “nicht von Menschenhand” gemacht. Für andere ist es ein frommer Schwindel. Und genau diese Vermutung wurde damals auch im ZDF verbreitet. Wie Ihr in diesem Artikel erfahren werdet, wurde in der TV-Dokumentation allerdings das ein oder anderer “vergessen” …


Das “Jesus-Foto” von Manoppello

Anfang Dezember 2007 übergab ich auf Einladung des Vatikan Papst Benedikt XVI. persönlich mein Buch „Das Wunder von Guadalupe“. Darin befasse ich mich umfassend mit dem „Wundertuch“ von Guadalupe in Mexiko und seiner Geschichte seit 1531, über das Ihr HIER mehr erfahren könnt.

Doch ein Kapitel darin widmete ich einer ganz anderen Tuch-Reliquie, die angeblich ebenfalls „nicht von Menschenhand“ stammen soll: Dem Schleier von Manoppello in Italien, östlich von Rom. Es ist das angebliche „Schweißtuch Jesus Christus“ oder sogar die heilige „Veronika“, die im Vatikan gestohlen worden sein soll. Medienwirksam wird es auch als „Das Jesus-Foto“ bezeichnet.

Ein christlicher Gegenstand, der nach katholischer Tradition von Jesus Christus selber stammen soll. Im Vergleich zum weltberühmten Turiner Grabtuch ist das „Schweißtuch von Manoppello“ aber kaum jemanden bekannt. Außerhalb der Gläubigen oder einiger Mystery-Forscher haben selbst die wenigsten Christen oder Katholiken jemals von dieser Reliquie gehört.

Aber, um dies vorweg klar zu betonen, eindeutige Beweise, dass es “echt” und damit von Jesus vor 2.000 Jahren stammt, gibt es nicht. Nicht anders als beim Grabtuch von Turin und den zahllosen anderen Objekten dieser Art in der christlichen Welt!

Papst Benedikt beim “Jesus-Foto”

Das Tuch befindet sich in einer Kapelle in dem Dorf Manoppello in den Abruzzen in Italien, rund 130 Kilometer östlich von Rom. Die fragliche Reliquie ist sehr klein, nur etwa 17,5 mal 24 Zentimeter groß, und war sehr lange unbekannt.

Erst im September 2006 wurde es weiteren Kreisen bekannt, als Papst Benedikt XVI. – den zahlreichen Kritikern zum Trotz – Manoppello und die Reliquie persönlich besuchte. „Angezogen vom Glanz Deines ersehnten und verborgenen Angesichts“, so begann der Papst sein Gebet am Bildnis am 1. September 2006.

Vor allem für die Gläubigen vor Ort in Manoppello war das ein Highlight. “Und jetzt kommt der Papst”, schrieb beispielsweise im Vorfeld des Besuches die “Berliner Morgenpost am 27. August 2006. Und Armin Schwibach berichtete in “Die Tagespost” am 27. Juli 2006 von dem Tuch als “eine verehrungswürdige Ikone ungewisser Herkunft”.

Ob diese Ehrung der Reliquie durch den persönlichen Besuch des damaligen Papstes gerechtfertigt war, ist bis heute Streitthema unter den Christen. Immerhin, so kritische Katholiken, seit die Tuch-Reliquie durch den Papst-Besuch natürlich nicht anerkannt worden. Es war eher so was wie ein Antrittsbesuch bei einem verehrten Bildnis von Jesus, wie es so viele in der Welt des Glaubens gibt. Im Vatikan habe schließlich auch niemand das Tuch als Wunder des Himmels oder von Jesus selbst für die Christen “freigegeben” …

Das Heilige Gesicht von Jesus

Heute hängt das Tuch aus extrem seltener und schwer herzustellender Muschelseide in der Kapelle in einem prunkvollen Rahmen für die Besucher. Es wird schlicht als „Volto Santo“ oder in Deutsch als das „Heiliges Gesicht“ bezeichnet. Das Gesicht von Jesus Christus am Tage seiner Kreuzigung, so der fromme Glaube.

Dies sagt schon alles über das Tuch aus: Es zeigt aus der Ferne nur unscheinbare Schatten. Doch nährt man sich dem prachtvoll verzierten Bilderrahmen mit der Krone obenauf, erkennt man sehr schnell ein klares, farbiges und deutliches Gesicht eines Mannes auf dem sehr dünnen Stoff. Unvermittelt bekommt der Betrachter den Eindruck, dieses Antlitz zeigt Jesus Christus. Es ähnelt im starken Maß all den unzähligen Jesus-Bildern, die wir heute aus der Vergangenheit kennen.

Längst ist es gleichgültig, worauf und wie genau ein Künstler Jesus malte oder abbildete: Die Menschen erkennen sofort, wer da zu sehen sein soll. Sein Gesicht, oder besser: sein vermeintliches Portrait, hat sich seit Jahrhunderten in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit eingebrannt.

Was zeigt der Schleier von Manoppello?

Die Augen des abgebildeten Mannes sind offen. Auch der Mund steht leicht offen und man kann sogar Zähne erkennen. Er hat langes Haar, einen dünnen Bart und blickt irgendwie teilnahmslos auf den Betrachter. Mit nur etwas gutem Willen kann man in dem Antlitz durchaus einen leidenden und geschundenen Menschen erkennen.

Das Bildnis wirkt weder gestickt noch gemalt.

Und tatsächlich haben Untersuchungen bei diesem angeblichen Schweißtuch keinerlei Spuren irgendwelcher Farben gefunden. Professor Vittori von der Universität in Bari und der Professor Fanti von der Universität Bologna haben zumindest bei ihren Untersuchungen mit dem Mikroskop keinerlei entsprechende Spuren auf dem Abbild entdecken können.

Wohl aber fanden sie in den Pupillen schwarze Stellen, als seien diese durch Hitzeeinwirkung irgendwie angesengt worden. Und das alles, obwohl das Bild, ganz anders als das Turiner Grabtuch, farbig ist und plastisch ist. Pinselstriche sind ebenso nicht vorhanden, wie andere Zeichen einer Malerei, so Fanti und Bari nach ihen Analysen.

Das Bild selber ist erstaunlicherweise durchsichtig, was bei einer “normalen Malerei” kaum möglich wäre. Ursache hierfür ist vor allem das Material des Tuches. Überall hat das sehr feine seidenartige Gewebe dieselbe Durchsichtigkeit. So kann der Betrachter auch von beiden Seiten das Bildnisses des Mannes auf dem Stoff sehen. Dabei ist es erstaunlich, dass beide Seiten sich geringfügig unterscheiden.

Keine Spuren in der Bibel

Das seltsame Tuch aus Italien soll, so die Gerüchte, das legendäre „Schweißtuch der Veronika“ sein. Es wird eigentlich bis heute im „Veronika-Pfeiler“ hinten links in Petersdom im Vatikan verwahrt.

Nach einer christlichen Legende hat die heilige Veronika dem gepeinigten und mit dem Kreuz beladenen Jesus Christus ihr Schweißtuch gereicht, als dieser auf seinen Weg zur Kreuzigung unter der Last stürzte. Jesus wusch sich damit sein Gesicht ab und auf wundersame Weise sei daraufhin auf Veronikas Tuch das Bildnis des Messias entstanden. In der Bibel steht diese Geschichte nicht.

Doch der Vatikan zeigt jedes Jahr ein „Schweißtuch der Veronika“ für wenige Sekunden dem gläubigen Volk. Laut Vatikan ist also das Tuch der Veronika noch immer im Besitz der Kirche in Rom.

Dennoch hat die Geschichte beim Leidensweg Christi ihren festen Platz mit der Nummer VI. Besucht man Kirchen mit wachem Auge, ist in zahllosen Gotteshäusern dieser Leidensweg mit den einzelnen Stationen bildlich auf die eine oder andere Art dargestellt. Station sechs zeigt dabei immer die Legender um Veronika, ihr Tuch und Jesus. Meist mit dem Abbild Christi darauf. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass kein einziges Worte darüber im Neuen Testament zu finden ist.

Für Gläubige kein Problem. In Jerusalem besuchte ich bei Recherchen sogar das angebliche Wohnhaus der Veronika auf der Via Dolorosa. Heute eine französische Veronikakirche und natürlich die sechste Station des angeblichen Kreuzweges Jesu. Ob dies Frau überhaupt jemals lebte und in diesem Gebäude wohnte, weiß niemand.

Alles nur ein Irrtum, ein frommes Märchen? Woher stammt dann der Schleier? Es gab bisher auch keine Altersbestimmung des Schweißtuches, wie etwa mit der C14-Methode. Das Alter ist demnach vollkommen unbekannt. Kirchenkritiker könnten skeptisch einwenden, dass der Vatikan überhaupt kein Interesse an einer Datierung der Reliquie habe. Wohlweislich, dass das Ergebnis nicht ein alter von rund 2.000 Jahren ergeben würde.

Ganz Unrecht haben diese kritischen Stimmen dabei mit Sicherheit nicht.

Von einem “Engel” gebracht

Doch wie kam das verehrte Stück Tuch in das Kloster in dem kleinen italienischen Städtchen? Auch das soll ein Wunder gewesen sein. Und auch das ist eine Legende:

Im Jahre 1506 hielt sich der Physiker und Kunstkenner Dr. Giacomo Antonio Leonelli auf dem Vorplatz der Kirche von Manoppello auf. Plötzlich trat ihm ein fremder Mann gegenüber und sprach ihn an. In den Händen hielt er ein sorgsam verpacktes Bündel und überreichte es Leonelli. Der Fremde unterstrich mit deutlichen Worten den Umstand, dass er etwas sehr wertvolles und überaus Heiliges in den Händen halte. Es soll sicher verwahrt und verehrt werden, darum übergebe er es Leonelli in Manoppello.

Neugierig packte Leonelli das seltsame Geschenk aus und hielt das Tuch mit dem Antlitz eines Mannes in den Händen. Doch kaum, als er fragen wollte, was es mit dem Bildnis auf sich habe und wen es zeige, war der Fremde wieder verschwunden. Die Suche nach dem Überbringer blieb erfolglos und die Legende weiß zu berichten, dass es möglicherweise ein Engel war, der das Tuch überreicht hat …

Das Schweißtuch Christi blieb im Besitz Leonellis und seiner Nachfahren für rund 100 Jahre. Dann brauchte eine gewisse Maria Leonelli im Jahr 1620 dringend Geld, um ihren Mann aus dem Gefängnis von Chieti frei zukaufen.

Für vier Skudi veräußerte sie den kostbaren Familienbesitz an einem gewissen Dr. Donato Antonio de Fabritijs. Dieser behielt das Tuch bis ins Jahr 1638 und schenkte es dann den Mönchen vom Orden der Kapuziner. Kapuzinerpater Clemente da Castelvecchio stutzte den ausgefransten Rand des Tuches in dem er die Rändern abschnitt, lies es 1646 einrahmen und hinter Glas geschützt in der Kirche aufstellen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Das Schweißtuch hat demnach erst eine 500 Jahre andauernde Geschichte vorzuweisen. Vor dem Jahr 1506 gibt es keine offiziellen Spuren des Heiligtums. Wie bei so vielen – eigentlich so gut wie allen – Reliquien.

Das Antlitz Jesus Christus?

Die Ordensschwester Blandina Schlömer ist sicher, dass das Tuch in Manoppello und das Grabtuch von Turin nicht nur authentisch sind, sondern sogar ein und denselben Ursprung haben: Jesus Christus. Nach umfangreichen Analysen teilt auch Dr. Markus van den Hövel, Autor einer Reihe Bücher zu dieser Reliquie, diese Idee: „Wer Manoppello verstehen will, muss Turin verstehen.“

Schlömer stellte schon vor Jahren zahlreiche Vergleiche des Gesichtes auf dem Grabtuch und auf dem Schweißtuch an und ist sicher, dass beide ein und denselben Mann zeigen. Schwester Blandina, die in Manoppello selber wohnt und seit Ende 2009 Ehrenbürger ist, berichtete mir in einem Gespräch 2006 auch, dass sie ihrer Sache sehr sicher sei. Die Übereinstimmungen der Tücher seien einfach zu deutlich.

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Die biblische Überlieferung im Evangelium des Johannes (20,1ff.) berichtet davon. Zumindest lässt das Neue Testament hier Spielraum für Spekulationen, die vor allem auch das Turiner Grabtuch mit einschließen.

Bei Johannes heißt es unter der Überschrift „Das leere Grab“, dass Maria von Magdala in den frühen Morgenstunden als erste an das Grab Jesus gekommen sein. Sofort sah die, dass der Sperrstein weg gerollt wurde und das Grab selber leer war. Eilig lief sie zu den Jüngern Jesus und berichtete ihnen ihre Entdeckung. Petrus und ein namentlich nicht genannter zweiter Jünger machten sich daraufhin auf den Weg, um sich das selber anzusehen. Der „andere Jünger“ kam als erster an das Grab und sah „die Binden daliegen“, ging aber nicht hinein. Erst Petrus wagte es das Grab zu betreten.

Im Neuen Testament heißt es dazu:

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.“ (Joh. 20,6-8)

Von irgendwelchen Abbildungen des Messias auf den Leichentüchern ist in der Bibel mit keinem Wort die Rede. Es war jedoch Sitte bei jüdischen Begräbnissen – und Jesus war natürlich Jude – den Körper einzuwickeln und das Gesicht mit einem Tuch zu bedecken. So etwa heißt es bei Johannes 19,40:

Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

Auch die berühmte Geschichte der Erweckung des Lazarus von den Toten (zum Beispiel Johannes 11,44) enthält ein solches Detail. Waren solche Aussagen Ansporn für mittelalterliche Fälscher Schweißtücher wie auch das Grabtuch von Turin zu fälschen?

Der “Moment der Wahrheit” am ZDF

Pater Professor Dr. Heinrich Pfeiffer und Schwester Blandina Schlömer sind nach ihren Forschungen sicher hier authentische Zeugen der Passion Christi vorliegen zu haben. Fakt bleibt, dass die Bibel im Neuen Testament erzählt, dass im leeren Grab Jesus zwei Tücher gefunden wurden. Die Bibel spricht im Johannes-Evangelium (20,7) deutlich von einem „Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte“. Folglich lagen zwei Tücher über den Kopf des Gekreuzigten.

Das Manopello-Tuch unterscheidet sich dabei erheblich vom Turiner Grableinen. Es ist farbig, prachtvoll und klar erkennbar. Und vor allem ist es im Vergleich bis heute wesentlich unbekannter. Das schien der TV-Sender ZDF zu Ostern 2007 mit einer Dokumentation ändern zu wollen. Passend zum Fest der Auferstehung Jesus für die Christen.

Am Karfreitag den 6. April 2007 zur besten Sendezeit berichtete das ZDF in einer einstündigen Berichterstattung von neuen Untersuchungen des Bildes in Italien. Ergebnis der sensationell und aufwändig gestalteten Sendung: Das Tuch von Manoppello ist ein Schwindel und wurde gemalt! So wurde erst am Ende der Sendung von einer Untersuchung am 25. Januar 2007 berichtet. Als „der Moment der Wahrheit“ wurden dabei den Zuschauern diese Ergebnisse präsentiert – und der Mythos des Schleiers angeblich entzaubert.

Die Sendung war plötzlich zu ende, nachdem man festgestellt haben will, das Farbe auf dem Bildnis ist. Niemand kam mehr zu Wort.

War das alles so die Wahrheit, die das ZDF einem großen Publikum präsentierte? Nein – war sie nicht.

Zweifel am ZDF-Bericht

Professor Giulio Fanti aus Padua habe bewiesen, so die Kernaussage der Sendung, dass das Bild ein Gemälde ist. Das war aber irreführend, denn Professor Fanti zweifelte selber daran, dass das Bild gemalt wurde.

Die gefundenen Farben bzw. Hinweise auf Farbpikmente, könnten „von einem mittelalterlichen Maler hinzugefügt worden sein“, so Fanti. Er stellt selber klar, „dass ich der Idee, das Bild könnte übernatürlichen Ursprungs sein, positiv gegenüberstehe.“ Weiter stellte er deutlich fest, dass das extrem fein gewebte Gewebe leere Zwischenräume zwischen den winzigen Fäden habe. Es sind keine Farbverlaufspuren in den Gewebe-Zwischenräumen zu sehen. Nur einen Tag nach der “ZDF-Untersuchung” betonte Fanti bei einem Vortrag in Padua erneut, dass das Tuch „nicht von Menschenhand“ gemacht worden ist.

Diese Aussagen ihres Hauptuntersuchers vom 25. Januar 2007 verschweigt das ZDF komplett. Ebenso, dass Schwester Blandina anregte, die rein visuell entdeckten mutmaßlichen Farbpigmente naturwissenschaftlich zu analysieren. Es folgten eine Reihe böser und kritischer Briefe an das ZDF. Der Kunsthistoriker Professor Pfeiffer beispielsweise schrieb Dr. Helmut Pflüger, der am 27. April 2007 in einem umfangreichen Leserbrief die ZDF-Sendung kritisierte, am 8. Mai 2007:

Es ist noch schlimmer als Sie denken, das ZDF hat Professor Fanti Dinge in den Mund gelegt, die er nie gesagt hat. (…)

Von Malerei hat er nie gesprochen und hält das Christusbild eindeutig für ein acheiropíetos (nicht von Menschenhand, Anm. LAF). (…)Unglücklicherweise hat er von ,Pigmenten’ gesprochen und meinte damit jeden mikroskopisch kleinen Partikel, der auf den Fäden zu finden ist. Niemand vom Fernsehen, der beim Minikongress in Manoppello dabei war, verstand genügend Italienisch.

So konnten kühn falsche Behauptungen aufgestellt und falsche Schlussfolgerungen gezogen werden.

Pfeiffer, der unter anderem als Berater für die “Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche” tätig ist, war mit seiner Kritik damals nicht allein.

Am 30. April 2007 wurde das Bild erneut umfassend untersucht. Da war die Dokumentation des ZDF natürlich längst abgedreht und gesendet worden. Sie bestätigten jedoch die ersten Analysen über die unklare “Natur” des Tuches von Manoppello.

Weitere Untersuchen

Durchgeführt hatte die zweite Untersuchung der Chemiker Professor Pietro Baraldi von der Universität Modena. Unter anderem mit einem „Raman“-Mikroskop für spektroskopische Untersuchungen der Tuchoberflächen. Damit können Material- und Substanzanalysen anhand der vorkommenden Moleküle ermittelt werden. Das Ergebnis, das zum Beispiel auf antlitz-chrtisti.de und in dem Magazin „Veronica“ (Nr. 1/2008) veröffentlicht wurde, war diesmal, dass überhaupt keine bekannten Farbsubstanzen nachzuweisen sind. Das Spektrum zeigte nur Eiweiß an, da Muschelseide selber aus Eiweiß besteht.

Entweder sind die Farben im Laufe der Jahrhunderte „verschwunden“ (verblasst), so Professor Baraldi abschließend, oder sie liegen „unterhalb des für seine Identifizierung mit dieser Technik notwendigen Minimums“. Das Bild bleibt also auch der irreführenden und unvollständigen Dokumentation des ZDF von Ostern 2007 bisher ein Rätsel. „Es handelt sich um ein anderes, bisher nicht geklärtes Phänomen“, notierte Schwester Blandina am 30. April 2007 nach den neuen Untersuchungen in ihr Tagebuch.

Erstaunliches wurde aber über das Material selber dabei herausgefunden. Üblicherweise wird angenommen, dass es aus extrem feiner und dünner Muschelseide besteht, wie es auch der Name “Muschelseidentuch” besagt. Die Analysen zeigten allerdings, dass das Gewebe noch erheblich feiner war, als man bisher dachte (“Heritage”, Nr.  1/2018, 25. Oktober 2018). Fäden aus Muschelseite sind etwa 0,2 bis 0,3 Millimeter stark, doch das Material des Schleiers von Manoppello wie eine durchschnittlich Stärke von nur 0,12 Millimeter auf.

Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt 0,05 bis 0,08 Millimeter stark.

Dass die Reliquie von Manoppello eine fromme Fälschung und damit gemalt wurde, ist reine Spekulationen. Es könnte sein, der Beweis steht aber noch aus. Es ist gleichzeitig aber ebenso spekulativ, dass es 2.000 Jahre als ist und von Jesus stammt!

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Alle Qumran-Handschriften im weltberühmten “Museum der Bibel” in Washington sind – gefälscht! Aber …

Alle Qumran-Schriften im weltberühmten Museum der Bibel in Washington sind gefälscht! (Bilder: Fischinger-Online)
Alle Qumran-Schriften im weltberühmten Museum der Bibel in Washington sind gefälscht! (Bilder: Fischinger-Online)

Seit ab 1947 die ersten Qumran-Rollen bzw. Schriftrollen vom Toten Meer offiziell entdeckt wurden, sind die Texte Gegenstand der Forschung. Für Archäologen, Bibelforscher und Theologen sind die Qumran-Schriften ein Jahrtausendfund. Und bis heute kommen immer weitere Funde dieser Art in Israel hinzu. Doch eine wissenschaftliche Analyse der Qumran-Texte aus dem Besitz des “Museum of the Bible” in Washington offenbarte jetzt, dass alle Fragmente des Museum Fälschungen sind! Alles über die Hintergründe und die möglichen Konsequenzen für die Forschung, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Falsche Qumran-Schriften im „Museum der Bibel“

Entsetzen im weltberühmten „Museum oft the Bible“ in Washington in den USA: Alle dort verwahrten und ausgestellten Fragmente der legendären Schriftrollen vom Toten Meer bzw. Qumran-Rollen sind Fälschungen. Kein einziges der 16 Stücke aus dem Besitz des Museum ist authentisch.

Das haben jetzt neue Untersuchungen der Fragmente gezeigt. Für das Museum konnten die Ergebnisse der Analysen ihrer „Schätze“ nicht schlechter ausfallen. Denn schon im April 2017 Jahren kamen Forscher diesem Betrug auf die Spur, als erste Fragmente der Sammlung wissenschaftlich untersucht wurden. Beauftragt war die „Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung“ (BAM), da sich das Museum von vornherein der unklaren Herkunft der Fragmente bewusst war.

Heraus kam dabei, dass keines authentisch und damit echt war.

Also beauftrage das Museum daraufhin die Firma „Art Fraud Insights“, um auch die weiteren Qumran-Texte analysieren zu lassen. Im „abschließenden Bericht“ vom November 2019 der Untersuchungsleiterin Corlette Loll heißt es dazu unter anderem:

Im April 2017 beantragte das Museum die wissenschaftliche Prüfung von fünf Fragmenten durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). In Erwartung der Ergebnisse und vor der Ausstellung zeigten die Herkunftsuntersuchungen des Museums weitere Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Herkunft. Bei der Eröffnung des Museums wurden die Fragmente als ‘problematisch’ eingestuft, um diese Unsicherheit widerzuspiegeln. Die vorläufige wissenschaftliche Untersuchung der Fragmente des Museums, die im Oktober 2018 eingegangen war, führte zu dem Hinweis, dass die Mineralablagerungen und das Schreibmaterial nicht mit der Authentizität vereinbar waren.

Es wurde der Schluss gezogen, dass alle fünf untersuchten Fragmente Merkmale aufwiesen, die ‚nicht mit einem alten Ursprung vereinbar waren‘. Sie wurden bis zur weiteren Untersuchung aus der Ausstellung entfernt.

Aufgrund der Bedenken, die durch diese erste Studie aufgeworfen wurden, wurde eine detailliertere Materialuntersuchung des gesamten Museums der Bibelfragmentsammlung angestrebt.“

Fakes in Museen

Zu diesem Zweck wurden die gesamtem Museumsstücke von „Art Fraud Insights“ auf Herz und Nieren geprüft. Es sollte wissenschaftlich „die Echtheit jedes Fragments entweder bestätigt oder widerlegt“ werden. Ergebnis: Alles Fake:

Wir konnten bestätigen, dass die Mineralogie der Oberflächenablagerungen mit der Region des Toten Meeres und anderen geologischen Stätten im Nahen Osten übereinstimmt. In einigen Fällen wurden nach dem Schreiben und während die Tinte noch feucht war, verschiedene lose Mineralablagerungen über die Fälschungen verstreut, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich um authentische Schriftrollenfragmente aus dem Toten Meer handelte, die aus den Qumran-Höhlen stammten. Wir sind der Meinung, dass alle diese Methoden mit der ausdrücklichen Absicht angewendet wurden, zu betrügen.“

Das Bibelmuseum von Washington und die Experten um Corlette Loll sehen trotz des nachgewiesenen Betruges dennoch etwas Positives in ihren Analysen. Wie Loll in ihrem umfangreichen Abschlussbericht schreibt, könne die zukünftige Textforschung von den erreichten Ergebnissen profitieren. Vor allem um mögliche weitere Fälschungen in den Sammlungen in aller Welt nachzuweisen:

Darüber hinaus wird die Veröffentlichung aller zugehörigen Bilder und Datensätze die Identifizierung und Entfernung von Texten erheblich erleichtern, die möglicherweise wichtige literarische, paläografische und sprachliche Datensätze kontaminiert haben.“

Museen und Ausstellungen weltweit haben immer wieder mit Betrug und Fälschung zu kämpfen. Niemand kann sagen wie viele der angeblich „alten“ und „authentischen“ Artefakte und Objekte in archäologischen Museen echt sind. Teilweise wird der Anteil der Fälschungen in den Vitrinen dieser Welt sogar überaus hoch eingeschätzt! Millionen Artefakte auf ihre Echtheit hin zu überprüfen, ist indes nicht möglich.

Die Schriftrollen vom Qumran

Bei den jetzt nachgewiesenen falschen Qumran-Texten wiegt ein Betrug doppelt. Immerhin handelt es sich bei den echten Funden aus den Höhlen von Qumran in Israel um unschätzbar wertvolle archäologische Funde. Und zwar speziell für die Bibelforschung und damit Religionen und Theologie. Bekanntlich gehören diese zum Teil über 2.000 Jahre alten Handschriften zu den wichtigsten Quellen der Bibelforschung überhaupt. Auch wenn sie meistens nur noch als Fragmente und nicht wirklich als „Schriftrollen“ erhalten geblieben sind.

Zehntausende große, kleine und winzige beschriebene Stücke aus Papyrus und Pergament wurden aus den Höhlen am Toten Meer bereits geboren. Und immer wieder tauchen auf dem Antikmarkt neue Texte auf, die als „authentisch“ angeboten werden. Wie viele Rollen einst in den Höhlen von Qumran und Umgebung am Toten Meer in Tonkrügen versteckt wurden, ist deshalb bis heute nicht ganz klar. Schätzungen sprechen von 900 oder 1.000, de von mindestens 500 verschiedenen Personen beschrieben wurden. Über Jahrhunderte hinweg, da die Schreiber zwischen 250 vor Christus und 40 nach Christus ihre Werke schufen.

Besonders die Entdeckung, dass unter den Handschriften mindestens 200 Texte sind, die später als „Hebräische Bibel“ in das Alte Testament übernommen wurden, machen die Schriften so bedeutsam. Sie gelten damit als älteste Bibeltexte der Welt. Ein unermesslicher Schatz und Glücksfall für die Bibelforschung. Doch die muss sich darauf verlassen können, dass die Texte und damit deren Inhalt und Aussage auch wirklich authentisch ist.

Vergleichende Textstudien mit Fälschungen von geschäftstüchtigen Betrügern sind verständlicherweise vollkommen sinnlos!

An der Echtheit der ab 1947 gefundenen Schriften des frühen Judentums hat kaum jemand wirklich Zweifel. Höchstens von religiöser Seite her, da sie ab 1947 und 1948 weltweit mehr und mehr berühmt wurden. In jenen Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg also, in dessen Folge im Frühjahr 1948 Israel gegründet wurde …

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Verschiedene Geschichtsschreiber scheinen aber bereits solche verborgen Schriftrollen in Tonkrügen gekannt zu haben. Jahrtausende bevor sie 1947 „offiziell“ unweit des Toten Meer entdeckt wurden. Zum Beispiel sei während der Herrschaft von Kaiser Antoninus (211 – 217 nach Christus) „in einem Tonkrug im Gebiet von Jericho“ Schriften in Griechisch und Hebräisch gefunden worden. Patriarch Timotheos I. von Seleucia schrieb um das Jahr 800, dass zehn Jahre zuvor ein arabischer Jäger die Jerusalemer Behörden über die Entdeckung von Schriftrollen in einer Höhle informiert habe. Darin seien „die Bücher des Alten Testaments und andere in hebräischer Schrift“ gefunden worden.

Jahrtausendfund für 97 Dollar

Solche Berichte klingen heute stark nach den Qumran-Texten.

Auch Jahrzehnte nach den ersten Funden der Neuzeit ist die Forschung an ihnen noch lange nicht beendet. Immer neue Funde, auch wenn in erheblich kleinerem Umfang, liefern immer neues Material. Dabei war die Entdeckung der Schriften durch den Beduinen-Knabel Mohammed Ad-Dib 1947 ein reiner Glücksfall. Zufällig habe er, so sagt es die Legende der Entdeckung, die Tonkrüge und Texte in den Höhlen am Toten Meer gefunden, als er eine entlaufene Ziege suchte. Ob die Entdeckergeschichte der Wahrheit entspricht, steht auf einem anderen Fragment.

Zumindest nahm die Geschichte der Texte von nun an Fahrt auf. Ein Khalil Iskander Schahin kaufte einige Rollen von Ad-Dib, die er dann dem Archäologen Professor Eleasar Sukenik von der Hebräischen Universität in Jerusalem weiterverkaufte. Gleichzeitig begann Schahin ein Geschäft zu wittern, suchte selber nach Schriften und weiteren Tonkrügen mit Rollen und verkaufte sie daraufhin. Ein Handel florierte und es wurden hunderttausende von Dollar für die ersten Schriftrollen bezahlt.

Heute sind sie zum Großteil im berühmten „Schrein des Buches“ in Jerusalem zu bewundern. Herzstück ist dort zweifellos die 7,34 Meter lange „Große Jesajarolle“ aus der sogenannten „Höhle 1“ von Qumran, die um 200 vor Christus geschrieben wurde. Angeblich war der erste Preis dafür nur 97 Dollar, die Schahin verlangte. Ein unbezahlbares Dokument, deren Echtheit C14-Datierungen bestätigten.

In den „wilden Jahren“ des Handels mit den Qumran-Schriften war den Archäologen noch nicht klar, wie alt diese Stücke wirklich sind. Ob sie überhaupt echt sind, war ebenfalls noch unklar. Erst in den Jahren 1951 bis 1956 suchte der Archäologe und Bibelforscher Roland de Vaux von der „Französischen biblische und archäologische Schule Jerusalem“ systematisch nach ihnen. Hunderte Funde konnte er dabei sichern. Weitere Entdeckungen wurden in anderen Höhlen in den Jahren 1952, 1960, 1963 und sogar 2004 gemacht.

Qumran oder nicht Qumran

Die Qumran-Texte sind natürlich auch umstritten. Sehr umstritten vor allem was ihren genauen Ursprung, den Zweck ihrer Niederschrift und ihre Interpretation betrifft.

Wobei schon der Name für Verwirrung sorgt, da nur ein Teil der Funde als „echte Qumran-Rollen“ angesehen werden. Sie entstammen einer jüdischen Gemeinschaft und betreffen auch deren Gemeindeleben mit allen Regen usw. Meist vermutet man die Essener hinter dieser Gemeinde. Andere Rollen und Texte sind Abschriften von biblischen und apokryphen Büchern, die man bereits vor den Funden kannte. Wieder andere Texte waren bis zu ihrer Entdeckung in den Höhlen vollkommen unbekannt.

Ob die unweit der „Haupthöhlen“ der Funde archäologisch ausgegrabene Siedlung „Chirbet Qumrān“ am Westufer des Toten Meeres der Ursprung der Rollen ist, gilt in Archäologenkreisen zumindest auch als strittig. Die Nähe der Ruinen zu den Höhlen legt diese Deutung der Archäologie zumindest sehr nahe. So werden auch verschiedene archäologische Funde der Stätte in diese Zusammenhang interpretiert. Große Räume zum Beispiel als „Schreibstuben“ oder mutmaßliche Wasserbecken als „rituelle Bäder“.

Wer selber einmal vor Ort ist kann sich überzeugen, dass zumindest dort an einem Zusammenhang kein Zweifel zu bestehen scheint. Besuchern wird dieser quasi in jeder Ecke vermittelt.

Im „Museum der Bibel“ wurden nur 16 Fragmente durch die Analysen als eindeutige Fälschungen identifiziert. Das ist mit Blick auf die Masse aller Funde zu vernachlässigen. Und es wirft doch – wie bei allen Fakes und Fälschungen – ein schlechtes Licht auf die Texte. Textforscher und Bibelkundler müssen natürlich bei ihren Forschungen sicher sein, dass das genutzte Material auch authentisch ist.

Nur wenige Fälschungen

Die gefälschten Fragmente in Washington sind nur wenige Zentimeter klein. Es sind „Schnipsel“, die nur wenige Worte bzw. Buchstaben tragen. Einige sind sogar überhaupt nicht beschriftet. Die vorhandenen Schriften selber entstammen verschiedenen Büchern des Alten Testament. Etwa aus den Büchern Genesis, Exodus, Ezechiel, Levitikus oder auch Daniel. Für umfassende Textvergleiche und –Analysen der Bibelforschung wären die „Washington-Papyri“  also von geringer Relevanz.

Mit Blick auf die Grenzwissenschaft und „alternative Bibelforschung“ gilt das ebenso. Schließlich sind Texte mit alten Überlieferungen vielerlei Art auch hier ein wichtiger Bestandteil der Forschung. Man denke an die Schriften des Propheten Henoch, die in Teilen auch unter den Schriftrollen vom Toten Meer zu finden sind. Vor allem wurden auch rund 10 Bruchstücke eines bis zur Entdeckung unbekannten „Buch der Riesen“ entdeckt. Jahrtausende verborgen in Höhle 1, 4 und 6 von Qumran und dort von den Forschern wieder entdeckt.

In diesem „Buch der Riesen“ wird die rätselhafte Geschichte der „gefallenen Engel“ aus dem Alten Testament geschildert. Sie sollen laut dem Buch Genesis vom Himmel gekommen sein, da sie Kinder mit Menschenfrauen zeugen wollten. Ergebnis dieser Rebellen aus dem Himmel waren laut Genesis die Riesen und die Sintflut als Strafe des Herrn. Auch die bekannten Bücher Henoch schildern diese Ereignisse sehr umfangreich (s. a. Video HIER).

Das „Buch der Riesen“, auch wenn nur in Bruchstücken erhalten, ergänzt diese Erzählungen  – und ist authentisch …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Neue Studie zum Rätsel der Osterinsel – Doch vielleicht brachte erst der Besuch der Europäer dort das Ende

Die Rätsel der Osterinsel: Brachten erst die Europäer das Ende der Kultur? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)
Die Rätsel der Osterinsel: Brachten erst die Europäer das Ende der Kultur? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)

Als im Jahre 1722 die Osterinsel Mitten im Pazifik durch niederländische Seefahrer entdeckt wurde, war dort die Welt scheinbar noch in Ordnung. Eine Welt, in der die Insulaner hunderte riesige Steinfiguren mit Namen Moai anfertigten, die inzwischen weltberühmt sind. Doch etwas dramatisches muss sich auf der “einsamsten Insel der Welt” ereignet haben, denn der Kult um die Moai wurde ebenso zerstört, wie die gesamte Inselwelt an sich. Wann und warum das geschah, ist schon lange ein Streitpunkt in der Forschung. Jetzt zeigt eine neue Studie, dass Kult und Kultur auf der Osterinsel offenbar wesentlich länger existierten, als bisher angenommen wurde. Aber wann genau und warum ging diese mächtige Religion dort unter? Waren die Insulaner wirklich alleine an ihrem Untergang schuld? Vielleicht war der erste kurze Aufenthalt der Europäer (mit) die Ursache, wie Ihr in diesem Beitrag erfahrt.


Die Osterinsel

Die Osterinsel im Südosten des Pazifiks gehört sicherlich zu den berühmtesten Inseln der Welt. Sie braucht sich in ihrer Bekanntheit nicht hinter bekannten Inseln wie etwa Hawaii im Norden des riesigen Ozeans verstecken. Und doch ist die Osterinsel weitaus rätselhafter und bei den meisten Menschen nur aufgrund einer Eigenart bekannt: Den Moai. Riesige Menschenfiguren aus Stein, die zu hunderten auf der winzigen und einsamen Insel verteilt zu finden sind. Vermutlich waren es einst über 1.000 Exemplare und genau 887 Moai sind es noch heute.

Genau dieses Kolossalstatuen, von denen einige über 12 Tonnen wiegen, machten die Insel berühmt. Hier herrschte ein Kult um diese Moai, was allein ihre gewaltige Anzahl auf der nur rund 160 Quadratkilometer winzigen Insel belegt. Eine Massenanfertigung von seltsam aussehenden und starr blickenden Figuren hat hier einstmals stattgefunden. Und zählt man jene Moai-Figuren dazu, die die Ureinwohner in Größen von nur einigen Dutzend Zentimetern anfertigen, ging ihre Anzahl zweifellos in die Tausende.

Mit großer Mühe meißelten die früheren Einwohner der Insel ihre Figuren. Idole, die sie teilweise auf Plattformen stellten, die vor allem rund um die Küstenlinien der Insel errichtet wurden. Auf dieses Ahu genannten Plattformen bugsierten sie ihre fertigen Moai, die die Arbeiter zuvor in den Steinbrüchen der dortigen Vulkane aus dem Fels schlugen und zu ihren vorgesehenen Plätzen schafften.

Bis auf sieben (die „Sieben von Akivi“ – s. d. Artikel HIER) blickten die Moai alle in Richtung Inselinneres.

Und noch heute sieht man auf der gesamten Insel verteilt Moai stehen und liegen. Einige zerbrochen, anderen halb im Erdreich vergraben und wieder andere sogar noch unfertig in den Steinbrüchen. Irgendwann jedoch wurde der religiöse und zeremonielle Kult um diese Moai-Idole bedeutungslos. Scheinbar „von jetzt auf gleich“, was mehr ein eindrücklich die unfertigen Figuren in den Steinbrücken am Vulkan Rano Raraku belegen.

Was geschah auf der Osterinsel?

Was war hier einst geschehen?

Darüber streiten sich die Archäologen und Interessierten bis heute. Denn der „Moai-Kult“ auf der Osterinsel ist in vielerlei Hinsicht rätselhaft und einzigartig. Hierzu zählt auch die vollkommen isolierte Lage der Insel im Pazifischen Ozean. Luftlinie sind es zur Küste Südamerikas 3.833 Kilometer und die nächsten Nachbarn leben auf der Pitcain-Insel in 2.078 Kilometern Entfernung. Das ist dort, wo 1790 nach der legendären „Meuterer auf der Bounty“ die Flüchtigen ihr Versteck fanden. Zu den bekannten Inseln von Tahiti westlich der Osterinsel sind es 4.251 Kilometer.

Nicht ganz zu Unrecht hat die Osterinsel deshalb ihren Beinamen „einsamste Insel der Welt“. Einer der Gründe, warum die Polynesier aus dem Westen sie erst sehr spät besiedelten, wie es die Archäologie besagt. Auch wenn die durch Thor Heyerdahl angestoßene Diskussion um Siedler aus dem Osten – von Südamerika, Peru – noch immer im Gespräch ist.

Einzigartig und damit überaus seltsam erscheint die Osterinsel mit ihren einmaligen Kult auch deshalb, da das Eiland so gar nicht nach einer schönen Pazifikinsel aussieht. Kein „tropisches Paradies“, eher ein Steinklotz im Ozean ohne nennenswerte Bäume. Für viele Forscher waren die Ureinwohner selber der Grund, dass die Osterinsel nach und nach zu dem wurde, was sie heute ist. Sie haben durch exzessive Abholzung und Landwirtschaft ihre Umwelt zerstört. Der karge Boden der felsigen Vulkaninsel verlor dadurch auch seinen Halt. Wind und Regen trugen den einst fruchtbaren Boden ins Meer.

Spekulationen um einen winzige Insel

Solche Ereignisse führten eines Tages zur Revolution, zum Untergang der einmaligen Kultur der Insel. Die Moai wurde bedeutungslos, die Herrscherkaste verlor ihre Macht und das Volk lehnte sich auf. So die klassische Interpretation zum Untergang der Moai. Auch wenn eine in diesem Video HIER vorgestellte Studie besagt, dass die Moai errichtet wurden, um Süßwasserquellen anzuzeigen.

Spekulationen um die Kultur von Rapa Nui, wie die Insel bei den Ureinwohnern heißt, sowie die rätselhaften Moai an sich gibt es sehr viele. In der etablierten Archäologie ebenso, wie bei alternativen Historikern, Prä-Astronautikern, Esoterikern und Atlantis-Autoren. Dies zeigt sehr eindrücklich, welche Faszination die Osterinsel heute ausübt. Zum Beispiel wären da:

  • Hier landeten einst Außerirdische vor Jahrtausenden, die Moai sind ihre Abbilder bzw. Erinnerungen an sie.
  • Die Moai sind verstorbene Ahnen oder Herrscher. Damit also Ahnengeister.
  • Seefahrer aus Südamerika (Peru, Bolivien) brachten die Kultur auf die Insel.
  • Die Moai wurden als „Wegweiser“ zu Wasserquellen erbaut.
  • Nach einer unsäglichen Odyssee erreichten Seefahrer aus Polynesien die Osterinsel und entkamen so dem sicheren Tod auf dem Ozean. Von nun an verachteten sie das Meer geradezu, weshalb sie die Moai schufen und mit dem Rücken zum Ozean an den Küsten aufstellen.
  • Die Osterinsel ist die Spitze eines riesigen versunkenen Kontinents, der Mu genannt wird (s. a. Artikel HIER).
  • Die Ureinwohner haben mangels Bäume für Bauholz ihre tonnenschweren Statuen auf einer rutschigen Schicht aus Kartoffelbrei über die Insel gezogen. So wurde die Nahrung knapp – der Untergang des Kultes war nicht mehr aufzuhalten.
  • Um die Figuren zu transportieren … haben die Bewohner jeden einzelnen Baum gefällt.
  • Ratten und Mäuse haben die Samen der Bäume alle gefressen, so dass die Vegetation keine Chance auf Erholung hatte.

Ein hausgemachter Untergang?

Besiedelt wurde die Insel nach offizieller Lesart im 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus. Hier ist man sich nicht einig. Einig ist man sich aber, dass sich zwischen ca. 1000 und 1300 die eigentliche Zivilisation dort entwickelte, wie wir sie heute kennen. Auch der Raubbau nahm zu. Es folgten Kriege unter den Stämmen, Kannibalismus, ein extremer Rückgang der natürlichen Ressourcen wie Seevögel als Nahrungsquelle und ein vollkommener Zerfall der Gesellschaft.

Der Untergang war also hausgemacht, wovon die meisten Forscher ausgehen. Die Bewohner zerstörten das ökologische Gleichgewicht ihrer Heimat und waren durch ihre Isolation im Ozean letztlich machtlos. Andere Forscher sehen auch eine jahrelange Dürre oder Klimawandel als Ursache des Verfalls. Vielleicht auch eine Kombination aus all diesen Gründen. Auch der Bau neuer Moai und ihren Ahu-Plattformen  wurde letztlich eingestellt. Um das Jahr 1600, so die bisherigen Datierungen, war der Maoi-Kult Geschichte.

Was aber bisher so gut wie nicht beachtet wurde, ist der Einfluss der europäischen Entdecker auf die dortige Gesellschaft und Kultur.

Entdeckt wurde die Insel erst Ostersonntag 1722 durch den Niederländer Jakob Roggeveen, der ihr auch den heutigen Namen gab. Wobei wahrscheinlich bereits der Seeräuber Edward Davis 1687 die Insel von seinem Schiff aus sichtete. Betreten hatte er sie allerdings nicht, obwohl er glaubte, dass er den sagenumwobenen Südkontinent „Terra Australis“ entdeckt habe.

Könnte vielleicht dieser Besuch 1722 dem einsamen Volk der Osterinsel den Todesstoß versetzt haben? Durchaus möglich, wie sich aus einer jetzt im „Journal of Archaeological Science“ veröffentlichten Studie um Robert DiNapoli von der University of Oregon ableiten lässt.

Wann zerbrach die Kultur der Osterinsel?

DiNapoli und sein Team haben durch neue Analyse der bereits von der Insel bekannten C14-Datierungen und der physikalischen und geologischen Daten rund um die Ahu-Plattformen der Moai herausgefunden, dass dieser Kult weit länger praktiziert wurde, als bisher angenommen. „Wir nutzen diese Methode, um erstmals die Geschichte des Plattformbaus auf der Osterinsel zu rekonstruieren“, so Carl Lipo von der Binghamton University und Mitautor der Studie:

Wir haben herausgefunden, dass die Menschen schon kurz nach ihrer Ankunft auf der Insel mit dem Bau dieser Steinmonumente begannen. Dann führten sie diese Arbeiten bis in die Zeit hinein fort, als ab 1722 die ersten Europäer ankamen. Unsere Ergebnisse demonstrieren ein Fehlen jedes Belegs für einen Kollaps vor dem ersten Kontakt mit Europäern.“

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Anhand der Daten sind die Forscher sicher, dass auch noch nach der Ankunft der Europäer der Moai-Kult weiter praktiziert wurde. Es wurden weiterhin neue Figuren gebaut und neue Plattformen für sie errichtet. Deshalb ist DiNapoli überzeugt, „dass es keinen Kollaps der Monument-Konstruktion vor Ankunft der Europäer gab“ und widerspricht damit der gängigen Lehrmeinung. Es ließe sich keinerlei Beweis finden, dass um das Jahr 1600 die Gesellschaft und der Kult auf der Osterinsel zusammenbrachen, resümieren die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung.

Für viele Osterinsel-Forscher ist das alles andere als neu. Denn diese Tatsache lässt sich durchaus anhand der Aufzeichnungen der ersten europäischen Seefahrer nachvollziehen. Was bisher fehlte waren die wissenschaftlichen Belege für diese Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert. Die Zerstörungswut gegen die Statuen, ihre heiligen Plattformen und sicher auch gegen die dazugehörigen Priesterkaste, muss viel später einsetzt haben.

1722: Der Kult lebt

Carl Friedrich Behrens, ein Seefahrer, der 1722 bei der Entdeckung der Insel durch Roggeveen dabei war, notierte in seinen Erinnerungen “Der wohlversuchte Süd-Länder” damals:

“(…) die Leute hatten, dem Ansehen nach, keine Waffen, allein, wie ich merkte, so verließen sie sich in dem Fall auf ihre Götter oder Götzenbilder, welche allda in einer großen Menge am Strande aufgerichtet, vor welchen sie niederfielen und sie anbeteten.

Diese Götzen-Bilder waren alle aus Stein gehauen, und der Form nach, wie ein Mensch, mit langen Ohren, oben auf dem Haupt mit einer Krone gezieret, doch alles nach der Kunst gemacht, worüber wir uns nicht wenig verwunderten. Bey und um diesen Abgöttern herum waren in 20 bis 30 Schritt, lauter weiße Steine gelegt. Einen Theil dieser Leute, sahe ich für Pfaffen an, weilen sie die Götzen mehr verehrten, als die anderen, auch im Anbeten sich gegen selbige  viel devoter bezeigten.”

Offensichtlich wurden die Seefahrer unter Roggeveen bei der Entdeckung der Insel eindeutig Zeuge eines lebhaften Moai-Kultes. Von einem untergegangene Kult und den überall zerstörten Figuren und Stätten, ist hier keine Rede. Im Gegenteil.

Das sah nur wenige Jahre ganz anders aus. Nachdem am 15. November 1770 Don Felipe González im Auftrag von Manuel d’Amat i de Junyent, Gouverneur von Chile und Vizekönig von Peru, die Insel betrat, ließ dieser überall christliche Kreuze aufstellen. Er sollte im Auftrag der Krone Spaniens die Osterinsel in Besitz nehmen, denn der Konkurrent England wurde ihnen in Südamerika und im Pazifik zu stark.

González verschwand nach getaner Arbeit wieder und segelte weiter Richtung Feuerland. Zurück blieben die Zeichen der Annektierung der Insel durch Spanien. Womit die Einheimischer sicher so oder so nichts anfangen konnten.

1774: Das Ende war da

Einige Jahre später war auf der Osterinsel nichts mehr, wie es einst war. Zwischen dem 13. und 17. März 1774 hielt sich der legendäre Entdecker James Cook während seiner zweiten Seefahrtexpedition durch die Südsee auf der Insel auf. Und er war wenig begeistert von dem kleinen Eiland, wie er seinem Logbuch anvertraute:

Die See scheint wie von Fischen befreit, konnten wir doch nicht einen einzigen fangen, und es waren auch nur sehr wenige, welche wir bei den Eingeborenen entdeckten.

Keine Nation wird je für die Ehre kämpfen, die Osterinsel erforscht zu haben, zumal es kaum ein anderes Eiland im Meer gibt, welches weniger Erfrischungen bietet und Annehmlichkeiten für die Schifffahrt denn dieses.“

Der Naturforscher und Ethnologe Georg Forster, der Cook während dieser Reise begleitete, schrieb in „Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee“ unter anderem eindrücklich:

Fünfzig Schritte weiter fanden wir einen erhabenen Platz, dessen Oberfläche mit ebensolchen Steinen gepflastert war. In der Mitte dieses Platzes stand eine steinerne Säule aus einem Stück, die eine menschliche Figur, bis zu den Hüften abgebildet, vorstellen sollte und zwanzig Fuß hoch und fünf Fuß dick war.

Diese Figur war schlecht gearbeitet und bewies, dass die Bildhauerkunst hier noch in der ersten Kindheit war. Augen, Nase und Mund waren an dem plumpen Kopf kaum angedeutet, die Ohren nach der Landessitte ungeheuer lang und besser als das übrige gearbeitet. Den Hals fanden wir unförmig und kurz, Schultern und Arme nur wenig angedeutet. Auf dem Kopfe war ein sehr hoher zylindrischer Stein aufgerichtet, der über fünf Fuß in der Breite und Höhe hatte. Dieser Aufsatz, der dem Kopfputz einiger ägyptischer Gottheiten glich, bestand aus einer anderen, rötlichen Steinart. Kopf und Aufsatz machten die Hälfte der ganzen Säule aus, soweit sie über der Erde sichtbar war.

Wir bemerkten übrigens nicht, dass die Insulaner diesen Statuen Verehrung erwiesen.

Auf der Ostseite der Insel kamen wir zu einer Reihe von sieben Bildsäulen, wovon noch vier aufrecht standen, eine hatte aber schon die Mütze verloren. Sie standen auf einem Piedestal, und die Steine im Postament waren behauen und passten gut ineinander.“

Tod und Elend

1774, nur 52 Jahre nach der Entdeckung, waren Kult und Kultur der Osterinsel zerstört. Die Moai umgeworfen und teilweise zerbrochen, die Sockel vernichtet und die Insulaner erwiesen ihren einstigen Heiligtümern keine Verehrung mehr. Warum das so kam, wird sich wohl niemals mehr restlos klären lassen.

Nach den ersten Besuchen breiteten sich von den Europäern eingeschleppte Krankheiten auf der Insel aus, gegen die die Ureinwohner machtlos waren. Sklavenhändler aus Südamerika überfielen immer wieder die Insel und verschleppen die Bewohner. Leid, Tod und Elend breiten sich aus, so dass eines Tages nur noch knapp 110 bis 150 Menschen auf der Insel lebten. Heute sind es wieder fast 8.000. Hinzu kam die Plünderung und Zerstörung der Kulturgüter, wie die berühmten Schrifttafeln der Insulaner. Holztafeln, die mit der Schrift „Rongo-Rongo“ beschrieben waren, und die es nur dort gab. Heute sind fast alle zerstört – durch Missionare ebenso wie sicherlich durch „abgefallene“ Einheimische. Einige wenige sind nur noch erhalten.

Vielleicht hätten diese Holztafeln das Geheimnis über die Geschichte und den Untergang lüften können.

Doch wie konnte es soweit kommen?

Mehr als 1.500 Jahre lebten die Insulaner vollkommen isoliert und allein auf ihrem kleinen Stück Erde. Auch wenn es eine zweite Siedlungswelle aus Polynesien und möglicherweise aus Südamerika gegeben haben mag. Ihre Welt, ihr Universum, war ihre Insel, der endlose Ozean und der Himmel über ihren Köpfen mit den Sternen in der Nacht. Dann kam plötzlich der Entdecker Roggeeveen aus dem Nichts über das Meer zu ihnen. Aus einer vollkommen fremden Welt, von denen die Insulaner nie etwas hörten.

Mutmaßlich bestand Ihre gesamte Welt nur aus ihrer Insel, etwas anders gab es nicht im Kosmos. Außer die Ahnen und Götter.

Sturz der Moai-Priester

So schnell, wie die Niederländer 1722 kamen, verschwanden sie auch wieder. Die Bewohner waren wieder allein und verlangten mit Sicherheit Antworten von ihren Führen und geistigen Oberhäuptern. Konnten die Moai-Priester nicht mehr sagen oder sie im Voraus auf die Ankunft der Fremdlinge vorbereiten?

Konnten sie nicht. Auch nicht, als einige Jahre später Don Felipe González 1770 über das Meer kam und seltsame Kreuze in ihrer Welt verteilte. Als Zeichen der Inbesitznahme durch die spanische Krone. Einem Land auf der anderen Seite des Planeten, mit dem kein Insulaner wirklich irgendwas anfangen konnte. Schon gar nicht damit, dass ein anders unbekanntes Land, nämlich England, mit diesem Spanien in Konkurrenz stand. Und was sollen diese Kreuze eines ihnen fremden Gottes, die diese Weißen überall aufstellten?

Das Volk verlangte endlich Antworten von ihren allmächtigen Priestern oder Schamanen. Schließlich haben sie in tiefem Glauben und voller Leidenschaft jahrhundertelang für die Elite die Moai aus dem Felsen geschlagen, transportiert, aufgestellt und verehrt. Und dabei ganz nebenbei ihre Umwelt und Lebensgrundlagen mehr und mehr zerstört.

Ebenso erbrachte der Kult um den „Vogelmann“ keine Antworten. Ein religiöses Ritual, bei dem das erste Ei des Jahres der Seeschwalbe von der vorgelagerten „Vogelinsel“ in einem Wettbewerb geholt wurde. Die Teilnehmer schwammen hinüber, suchten das Ei, schwammen zurück und übergaben es ihrem Oberhaupt. Der Sieger wurde daraufhin für ein Jahr der „Vogelmann“ und Früherer, der seinem Stamm damit Ruhm und Ehre einbrachte.

Nur konnte auch dieser stolze Sieger als eine Art „Verkünder des Glaubens“ dem Volk nicht die Ankunft der Fremden erklären. Oder sie zumindest darauf vorbereiten. Sie brachte das “Fass zum Überlaufen” und die Gelegenheit, sich der nun lästigen Arbeit an den Moai im Steinbuch zu entledigen und sich gegen die Oberen aufzulehnen.

Ob es so oder so ähnlich war? Niemand weiß es. Denkbar ist es schon.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Noch immer ungeklärt! Neue Untersuchungen und Datierungen des “Stonehenge im Bodensee” laufen (+ Video)

Noch immer ungeklärt: Neue Untersuchungen des "Stonehenge im Bodensee" (Bilder: gemeinfrei & Echolot-Aufnahme eines der Hügel durch das Fraunhofer-Instituts/Christian Degel)
Noch immer ungeklärt: Neue Untersuchungen des “Stonehenge im Bodensee” (Bilder: gemeinfrei & Echolot-Aufnahme eines der Hügel durch das Fraunhofer-Instituts/Ch. Degel)

Seit rund vier Jahren (wie mehrfach auf Grenzwissenschaft & Mystery Files berichtet) rätseln Forscher über das “Stonehenge im Bodensee”. Auf dem Grund des Bodensee wurden damals über 150 kleine Steinhügel entdeckt, die zuerst für Ablagerungen der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren  gehalten wurden. Seit dem laufen Untersuchungen an den “Hügeli”, die zeigten, dass diese Strukturen auf dem Seegrund von Menschenhand geschaffen wurden.  Doch wann genau und warum Steinzeitmenschen auf dem damals noch trockenen Seegrund diese Gebilde schufen, ist noch immer unklar. Wie das Amt für Archäologie in Thurgau jetzt mitteilte, laufen derzeit weitere Untersuchungen und Tauchhänge, um das Geheimnis der Hügel zu lüften. Alles über die neuen Datierungsversuche erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

“Stonehenge im Bodensee entdeckt!” – so oder so ähnliche titelte die Presse im Herbst 2015 angesichts der im Bodensee gefunden Hügel, wie damals in einem YouTube-Video HIER (s. unten) berichtet. Insgesamt sollen sich 150 bis 170 dieser Hügel auf dem Grund des Sees befinden, die sich inzwischen bei weiteren Untersuchungen als eineindeutig von Menschen gemacht herausstellten.

Mit dem berühmten Stonehenge in Südengland haben diese Strukturen allein von ihrer Bauart her nichts gemeinsam.

Was weiterhin vollkommen unklar ist, ist das Alter der seltsamen Gebilde. Wie in diesem Beitrag HIER berichtet, waren die bisherigen Datierungen fraglich bzw. widersprüchlich. So ergab eine Altersbestimmung von gefundenem Holz ein Alter von bis zu 5.650 Jahren, zu der es Anfang 2017 vom Amt für Archäologie in Thurgau unter anderem hieß:

Die beiden Eschenstämmchen, bei denen bereits die Jahrringanalyse einen ähnlichen Wuchszeitraum vermuten lies, müssen demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen etwa 3650 und 3350 vor Christus geschlagen worden sein, also in der Jungsteinzeit. Das Erlenpfählchen dürfte dagegen aus dem 19. Jahrhundert nach Christus stammen.

Ein datierender Zusammenhang zwischen den Hügel und den Hölzern ist damit nicht gegeben, da wie erwähnt, ein direkter konstruktiver Zusammenhang zwischen den Steinschüttungen und den Hölzern nicht festgestellt werden konnte.”

Dieses Rätsel soll jetzt endgültig gelöst werden, so eine Mitteilung des Amt für Archäologie des Kantons Thurgau vom 7. Juni 2019. In der Pressmitteilung hieß es, dass Sedimentbohrungen bei “Hügel 5” durchgeführt würden, die neues Material für eine sichere C14-Datierung liefern sollen. Zum Beispiel “organisches Material wie Zweiglein, Holzkohle, Samen oder Früchte”.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung von Bettina Kunz:

Pressemitteilung des Amt für Archäologie des Kantons Thurgau

Im Rahmen der Erforschung der rätselhaften Steinstrukturen entlang des Bodenseeufers zwischen Romanshorn und Bottighofen führt das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau mit weiteren Experten derzeit Bohrungen an ‘Hügel 5’ durch.

Bei der Auswertung der Daten der im Jahr 2015 durchgeführten hochpräzisen Tiefenvermessung des Bodensees durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Langenargen (LUBW) wurden von Martin Wessels in der Flachwasserzone zwischen Romanshorn und Bottighofen eine regelmäßige Reihe von über 170 Steinhügeln mit Durchmessern von 15 bis 30 m entdeckt. Diese verteilen sich uferparallel in teilweise auffallend regelmäßigen Abständen. Die Steinanhäufungen liegen heutzutage 3 bis 5 m unter der mittleren Wasseroberfläche (Top Hügel ca. 391,8 m ü.M.; Basis 390,5–390,8 m ü.M.). In der Folge fanden mehrere Tauchgänge unter der Leitung des Amts für Archäologie Thurgau statt. Die Strukturen wurden fotografiert und vermessen.

Zuerst galt es abzuklären, wie die ‘Steinhügeli’ entstanden sind, wobei der Diminuitiv etwas irreführend ist, weil die ‘Hügeli’ im Schnitt Durchmesser von 15 bis 30 m aufweisen. Handelt es sich um natürliche glaziale Ablagerungen (Moränenreste) des Bodenseegletschers vor ca. 18.000 Jahren? Oder wurden die Steine durch den Menschen entlang einer früheren Uferlinie oder sogar im Wasser aufgeschüttet? Anschließend müssen die Fragen geklärt werden, wann und weshalb diese Strukturen gebaut wurden.

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Untersuchungen April 2018

Um die zentrale Frage, ob natürlich oder vom Menschen abgelagert, zu klären, fanden vom 23. bis 27. April 2018 Georadarmessungen statt. Ein Team von Wissenschaftlern untersuchte mit dem Forschungsschiff ‘Kormoran’ des LUBW Steinablagerungen exemplarisch und punktuell zwischen Romanshorn und Güttingen. Dabei kam weltweit erstmals ein Prototyp eines unter Wasser funktionierenden Georadargeräts zum Einsatz. Dieser wasserdichte, GPS-gesteuerte Messschlitten wurde von Jens Hornung von der Technischen Universität Darmstadt entwickelt. Mit hochfrequenten elektromagnetischen Impulsen wurden die im Seeuntergrund versteckten Schichtgrenzen im Umfeld der Steinstrukturen erfasst.

Es ist offensichtlich, dass die bis zu 40 cm großen Steine auf den nacheiszeitlichen, gebänderten Seeablagerungen und deutlich über der darunter verlaufenden Moränen-Oberkante aufliegen. Somit ist mittlerweile naturwissenschaftlich belegt, dass die ‘Hügeli’ nicht natürlich durch den Gletscher entstanden, sondern von Menschenhand aufgeschüttet worden sind.

Oberflächenvermessung Hügel 5

Am 7. November 2018 wurde die Steinanhäufung ‘Hügel 5’ bei Uttwil mit dem Hydrocrawler des Fraunhofer Instituts (St. Ingbert D) unter der Leitung von Christian Degel untersucht. Mit diesem Prototyp konnte die Unterwasser-Oberfläche mit einer Echolot-Antenne präzise abgetastet werden. Das GPS-gesteuerte Gerät (georeferenzierte Genauigkeit 1–2 cm) lieferte 2,5 Messungen pro Sekunde. Das Ultraschallbild hatte eine Auflösung von ca. 5 cm. Auf dem Echolotbild sind die Umrisse der Steinsetzung sowie der Suchschnitt mit Steinaushub klar erkennbar.

Sedimentbohrungen im Bereich von Hügel 5

Die Entstehungszeit der Steinanhäufungen ist immer noch nicht geklärt. Um die Frage des Alters zu klären, führt das Amt für Archäologie Thurgau vom 5. bis 7. Juni 2019 – zusammen mit dem Geologen-Team der Universität Bern unter der Leitung von Prof. Dr. Flavio Anselmetti – fünf Sedimentbohrungen durch. So kann der geologische Schichtaufbau entlang einer Messlinie quer über den Hügel 5 erfasst werden. Die Sedimentkerne werden von einer schwimmenden Plattform ‘Helvetia’ mittels eines UWITEC Kolben-Kerngeräts bis in eine Tiefe von 8 m entnommen. Die Kernsektionslänge beträgt jeweils 3 m, der Kerndurchmesser 6 cm.

Das Forscherteam hofft, im Sediment der Bohrkerne organisches Material wie Zweiglein, Holzkohle, Samen oder Früchte zu finden. Diese organischen Reste können nämlich mit Hilfe der Radiokarbon-Analyse (14C-Messung) datiert werden. So würde sich dann die Bauzeit des ‘Hügels 5’ chronologisch enger eingrenzen lassen.

Nach der Bohraktion werden die Sedimentproben an der Universität Bern untersucht und allfälliges organisches Material 14C-datiert. Mit ersten Resultaten ist bereits im Herbst 2019 zu rechnen.

Das Thema bleibt also spannend. Was eine neue Altersbestimmung der Hügel allerdings nicht erklären kann, ist der Grund für ihre Errichtung. Ein weiteres Steinzeiträtsel?

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YouTube-Video vom 30. Oktober 2015

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Das Turiner Grabtuch: Wissenschaftliches Bild-Archiv des “Leichentuch Jesus” online gestellt! +++ YouTube-Video +++

Das Turiner Grabtuch: Wissenschaftliches Bild-Archiv des Leichentuch Jesus online gestellt! (Bild: ShroudPhotos.com)
VIDEO: Das Turiner Grabtuch: Wissenschaftliches Bild-Archiv des “Leichentuch Jesus” online gestellt! (Bild: ShroudPhotos.com)

Sogenannte Tuch-Reliquien gibt es in der katholischen Kirche einige. Doch die fraglos bekannteste ist das Turnier Grabtuch oder auch Leichentuch Jesus. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Grabtuch von Turin Mitte des 14. Jahrhundert in Frankreich und niemand weiß, ob es das Grabtuch von Jesus Christus ist. Vielmehr zeigten C14-Datierungen 1988, dass es um 1325 erst “entstanden” sein soll. Doch bei einer umfangreichen Untersuchung des Leichentuch Christi entstanden 1978 unzählige weitere Fotos und Aufnahmen der Ikone des Glaubens. Und genau diese Bilder der berühmten Untersuchungen des “Shroud of Turin Research Projekt” (STURP) sind nun endlich öffentlich für jedermann zugänglich gemacht worden. Alle Details und mehr dazu erfahrt Ihr in diesem YouTube-Video von Fischinger-Online.


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Sogenannte Tuch-Reliquien gibt es in der katholischen Kirche einige. Doch die fraglos bekannteste ist das Turnier Grabtuch oder auch Leichentuch Jesus. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Grabtuch von Turin Mitte des 14. Jahrhundert in Frankreich und niemand weiß, ob es das Grabtuch von Jesus ist. Vielmehr zeigten C14-Datierungen 1988, dass es um 1325 erst “entstanden” sein soll.

Bis heute ein sehr umstrittenes Thema zwischen Glauben, Wissenschaft und Forschung! Für die einen der Beweis für Jesus und die Auferstehung – für die anderen nichts als Betrug.

Erst ab 1898 wurde das Tuch zu einer Legende der Christenheit. Denn damals entstand das erste Foto des Turiner Grabtuchs, das als Negativ klar einen Mann auf dem Leinen zeigte. Doch bei einer umfangreichen Untersuchung des Leichentuch Christi entstanden 1978 unzählige weitere Fotos und Aufnahmen der Ikone des Glaubens.

Und genau diese Bilder der berühmten Untersuchungen des “Shroud of Turin Research Projekt” (STURP) sind nun endlich öffentlich für jedermann zugänglich gemacht worden.

Alle Details udn Hintergründe dazu erfahrt Ihr in diesem Video auf YouTube.

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