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Das Rätsel der gravierten Muschel von Red Crag: Stammt das älteste Kunstwerk der Menschheit aus Großbritannien? +++ Artikel +++

Stammt das älteste Kunstwerke der Menschheit aus Großbritannien? (Bilder: gemeinfrei / H. Stopes)
Stammt das älteste Kunstwerke der Menschheit aus Großbritannien? (Bilder: gemeinfrei / H. Stopes)

Die Entwicklung der Menschheit ist ein Stammbaum von Irrungen und Wirrungen. Von Fakten, Vermutungen, neuen und verworfenen Erkenntnissen und Entdeckungen und Spekulationen. Einig ist sich die Wissenschaft dabei, dass die ältesten Kunstwerke unserer Urahnen vor bis zu 100.000 Jahren in einer Höhle in Südafrika gefertigt wurden. Ältere Funde künstlerischer Art sind bisher unbekannt bzw. noch nicht entdeckt. Doch ein Fund aus dem Südosten von Großbritannien, der bereits 1881 bekannt gemacht wurde, sprengt solche Datierungen. Es handelt sich um eine einfache kleine Muschel, auf der ein ebenso einfaches Gesicht geritzt wurde und bis zu 2,5 Millionen Jahre alt sein soll. Zu dieser Zeit gab es nach der etablierten Lehrmeinung weder in Großbritannien Menschen, noch irgendwo anders auf unseren Planeten eine entsprechen Spezies. Wie passt das zusammen? In diesem Artikel soll der Geschichte um diese Muschel mit dem “Smilie-Gesicht” vom Red Crag genauer nachgegangen werden. Denn dieses Fundstück wirft weit mehr Fragen auf, als es beantworten könnte!


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Der Stammbaum der Menschheit

Wie alt „die“ Menschheit an sich wirklich genau ist, kann bis heute niemand verbindlich sagen. Die Forschung auf dem Gebiet der Archäologie und Anthropologie steht bekannt niemals still. Und so machen emsige Forscher seit Jahrhunderten immer wieder Funde und Entdeckungen, die die Geschichte der Menschheit neu schreiben. Zum Beispiel durch Ausgrabungen von spektakulären Objekten kaum geahnten Alters. Aber auch durch Fundobjekte, die die Entwicklung unseres Spezies sowie unserer Ahnen in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Bei diesen Forschungen werfen die Wissenschaftler mit Millionen von Jahren um sich. Von den frühsten primitiven Vorfahren bis zum heutigen Menschen liegen viele Millionen Jahre. So wird die Gattung Orrorin (entdeckt in Kenia) zu einem der frühsten Vorfahren der Hominden gezählt und mit einem Alter von bis zu über 6 Millionen Jahren angegeben. Die afrikanische Gattung Australopithecus wiederum existierte vor rund  4 bis 2 Millionen Jahren. Und auch diese affenähnlichen Wesen reihen sich in den Stammbaum des Menschen ein. Eben sowie der berühmte Homo Erectus oder der Homo Rudolfensis.

„Intelligenz-Sprung“

Irgendwann, Forscher sprechen hier von einem Zeitraum von vor 300.000 bis 200.000 Jahren entwickelte sich letztlich auch der Homo Sapiens. Also wir. Von Ostafrika machten sich unsere Urahnen schließlich auf, den gesamten Planeten zu besiedeln. Vor mindestens 1,2 Millionen Jahren erreichten erste Siedler der Gattung Homo auch Europa (Spanien) und der Homo Sapiens hatte vor mindestens 45.000 Jahren ganz Europa erobert. In Nachbarschaft mit dem berühmten Neandertaler.

Natürlich steht die Erforschung unserer Herkunft nicht still. Von affenartigen Urahnen bis zum Menschen von heute sind es gigantische Schritte, die von Wissenschaftlern immer wieder neu bewertet oder durch neu Funde ergänzt und undatiert werden. Ganz ohne Streitigkeiten und zum Teil hitzige Debatten geht es dabei natürlich nicht zu

Bei einer Sache innerhalb der Entwicklung des modernen Menschen sind sich die Experten jedoch einig: Irgendwann wurden unsere Ahnen zu dem, was wir menschlich nennen. Sie fertigen Kunst und Schmuck in vielerlei Art und Form an, beerdigten ihre Toten und entwickelten dazu einen „Jenseitsglauben“ und sie kümmerten sich um ihre kranken und verletzten Sippen-Mitglieder.

Dieser „Intelligenz-Sprung“ ist durch zahllose Funde recht gut belegt. Die Ursache wiederum kennt niemand.

Die älteste Kunst des Menschen?

Nichtsdestotrotz können die emsigen Forscher diesen „Klick“ in den Gehirnen unserer Ahnen ihrer Meinung nach recht gut datieren. Und zwar durch eine Vielzahl von zweifellos erstaunliche Ausgrabungen den der „Blombos-Höhle“ in Südafrika. Hier haben die Ausgräber seit 1991 zahlreiche Spuren der ersten menschlichen Kunst überhaupt gefunden. Vor allem die Forschungen und Veröffentlichungen von Christopher S. Henshilwood und seinem Team sorgten in Forscherkreisen immer wieder für Sensationen.

In einer Veröffentlichung („Science“, Bd. 295, 2002) berichtete Henshilwood von solchen spektakulären Funden, die erstmals die Fachwelt elektrisierten. Kunstwerke, die auf ein Alter von 77.000 Jahre datiert wurden, haben er ein Team in der Höhle gefunden, so Henshilwood 2002. Damit waren diese Funde wesentlich älter als alle, die man zuvor entdeckt hatte.

Weitere Funde und Veröffentlichungen von  Henshilwood und anderen Forschern folgten (z. B. in „Journal of human Evolution“, Nr. 1/2009 & „Nature“, 12. September 2018), die von den ersten Kunstobjekten der Menschheit sprachen. Unter anderem fanden sich darunter Gehäuse von Meeresschnecken, die vor 75.000 Jahren absichtlich durchbohrt wurden. Sie dienten wahrscheinlich als Ketten oder Anhänger. Diese Funde waren eine Sensation, da die früheren Belege dieser Art Urzeit-Kunst bis zu dieser Entdeckung erst 20.000 Jahre alt waren!

Im Jahr 2011 veröffentlichten die Forscher um Henshilwood eine erneute Sensation („Science“, Bd. 334, 2011). Darin hieß es, dass es ihnen gelungen sei 100.000 Jahre alte Schneckenschalen zu identifizieren, die einst als Behältnis für Ockerfarbe gedient haben. Auch dies gilt als Nachweis für frühe Kunst bei unseren Ahnen in Südafrika. Es ist der (bisher) älteste Fund dieser Art überhaupt.

Stimmt das alles so?

In der Grenzwissenschat und „alternativen Geschichtsforschung werden solche Funde und Datierungen wie aus der „Blombos“ vielfach belächelt. Was sind schon 100.000 Jahre Kunstgeschichte der damit abstrakt denkenden Menschheit, wenn es Millionen Jahre alt Funde von Menschen gibt? Zum Beispiel angeblich versteinerte Fußspuren von Humanoiden in geologischen Schichten, die eigentlich aus den Tagen der Dinosaurier stammen. Denn vor dutzenden Millionen Jahren hat es offiziell keine Menschen oder menschliche Vorfahren gegeben. Die Saurier starben vor rund 65 Millionen Jahren aus. Da existierte nichts auf diesen Planten, was auch nur irgendwie menschlich aussah. Was sind da im Vergleich 100.000 Jahre?

Das gilt auch für immer wieder in der grenzwissenschaftlichen Diskussion auftauchenden künstlichen Objekte, die Millionen Jahre alt sein sollen oder könnten. Beispielsweise gefunden in Bergwerken, worüber ich an anderen Stellen berichtet habe (s. z. B. HIER, HIER & HIER).

Die etablierte Wissenschaft lehnt diese Themen oder Diskussionen rund weg ab. Erst der Untergang der Saurier bahnte bekanntlich nach der Lehrmeinung den Weg für die Entwicklung des Menschen. Und doch wurde ein Fund auch von der anerkannten Forschung durchaus diskutiert. Auch wenn die meisten Forscher diesen ablehnten und er nur bis zu 2,5 Millionen Jahre alt zu sein schien.

Die Muschel vom Red Crag

Es handelt sich hierbei um eine vollkommen unspektakulär aussehende Muschel, die in der „Red-Crag-Formation“ bei dem Ort Walton-on-the-Naze an der östlichen Nordseeküste von England 1880/1 entdeckt wurde. Ein Gebiet, das bis heute vor allem bei schönen Wetter und nach Sturmfluten von Fossiliensammlern geradezu überrannt wird.

Auf dieser Muschel kann man ein einfaches aber klar zu identifizierendes Gesicht erkennen, dass jemand in die kleine Muschel geritzt hat. Eine primitive Schnitzerei, die an einen modernen Smilie oder eine Halloween-Fratze in einem Kürbis erinnert. Oben sieht man ein kleines Loch, welches vermuten lässt, dass das Objekt irgendwo dran befestigt wurde. Vielleicht als eine Art Kettenanhänger, wie die Meeresschnecken aus der „Blombos-Höhle“.

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Aufgrund des Fundortes „Red Crag“ wäre sie 2 bis vielleicht sogar 2,9 Millionen Jahre alt. Das hätte ungeahnte Folgen für die Geschichte der Menschheit. Nicht nur, da dieses Kunstwerk damit mindestens 20-mal älter als die Funde in der „Blombos-Höhle“ im fernen Südafrika wäre. Das Objekt würde auch die Besiedlungsgeschichte Europas vollkommen über den Haufen werfen. Von der Tatsache, dass es vor 2 Millionen Jahren keine Menschen in England gab, die solche Kunst hätten schaffen können, einmal ganz zu schweigen.

Bekannt machte die Muschel 1881 Henry Stopes, ein Mitglied der „Geological Society“, auf einem Meeting der „British Association for the Advancement of Science“. Doch statt Anerkennung oder wenigstens eine offene Diskussion wurde die gravierte Muschel von der damaligen Fachwelt abgelehnt. Da es in derart ferner Vergangenheit noch keine Menschen mit solchen Fertigkeiten gab, so hieß es damals, können auch die Muschel mit dem Gesicht nicht aus dieser Zeit stammen. Vielleicht, so wurde auch argumentiert, kam sie später „irgendwie“ in die „Red-Crag-Formation“.

Möglich sei aber ebenfalls, dass die Muschel zwar so alt sei, aber das Gesicht später von irgendwem dort hinein gebracht wurde …

Dem Spott zum Trotz

Dr. Marie C. Stopes, die Tochter von Henry Stopes, die als Geologin und Paläobotanikerin ab 1902 eine zur damaligen Zeit einmalige wissenschaftliche Karriere machte, vergeigte die Entdeckung ihres Vaters vehement. Die international beachtete und ausgezeichnete Forscherin verwies in verschiedenen Veröffentlichungen darauf, dass die Muschel keine Fälschung sei und enorm alt sein muss. So schrieb sie im Juni 1912 in einem Artikel in „The Geological Magazine“ (vol. 9, Nr. 6) unter anderem:

Es ist zu beachten, dass die eingeritzten Stellen ebenso tief rotbraun gefärbt sind wie der Rest der Oberfläche. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn wenn die Oberflächen der Red Crag-Muscheln zerkratzt sind, zeigen sie darunter einen weißen Untergrund. Es sollte auch beachtet werden, dass die Muschel so empfindlich ist, dass jeder Versuch, sie jetzt zu schnitzen, sie zerbrechen würde.“

Auch rund 150 Jahre nach der Entdeckung dieser seltsamen und mutmaßlichen viel zu alten Muschelschale ist das Rätsel darüber noch immer nicht gelöst. Obwohl Dr. Stopes vor einem Jahrhundert das Fundstück ihres Vaters und seine Interpretation verteidigte, wird es bis heute kaum beachtet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Herkunft des umstrittenen Objektes nicht eindeutig dokumentiert ist. Eine ordentliche Dokumentation ist fraglos eine Voraussetzung, wenn irgendwas die Geschichte der Menschheit umschreiben soll.

Selbst eine fast schon besessene Leidenschaft für eine Menschheit in dieser Epoche der Erdgeschichte spricht man Henry Stopes heute zu.

Ein Entdecker “wie Kapitän Ahab”

So zumindest der Archäologe Dr. Francis Wenban-Smith von der Universität von Southampton in einer umfangreichen Veröffentlichung im „Journal of the Lithic Studies Society“ („Lithics“, Nr. 30, 2009):

Wie bei Kapitän Ahab scheint es jedoch einen besonderen Wahnsinn gegeben zu haben – seine Sammelleidenschaft und seine Leidenschaft für seinen eigenen Weißen Wal des Tertiären Menschen (…)“

Wenban-Smith ist in seinem Artikel überzeugt, dass die Muschel erst nach der Versteinerung bearbeitet worden sein. Er widerspricht damit also klar den Aussagen von Stopes und seiner Tochter. Nach Einschätzung von Wenban-Smith stamme das Objekt zwar tatsächlich aus der „Red-Crag-Formation“, sei aber viel später dort hinein gelangt. Das Material habe sich seiner Meinung nach in einem sogenannten Talus Millionen Jahre später um die Muschel gelegt. Das erkläre die typischen Spuren des Materials innerhalb der Gravur oder Ritzung.

Mehr noch, denn der Forscher geht in seinem, Bericht soweit zu vermuten, dass die Muschel vielleicht von einem mittelalterlichen Christen angefertigt wurde. Eine Art Pilgerobjekt, das er mit Jakobsmuscheln vergleicht, die von mittelalterlichen Pilgern auf ihre Kleidung genäht wurden. Hier nennt Wenban-Smith als Beispiel die frommen Pilger auf dem bekannten Jakobsweg. Er betont auch, dass die Gläubigen solche Talismane mit Absicht so vergruben, dass sie auf das Meer blicken. „Red Grag“ liegt bekanntlich an der Küste von Essex.

Ob seine Analyse zutrifft, weiß aber auch Wenban-Smith am Ende seiner detaillierten Untersuchung zu sagen. Die einfache und fast schon kitschige Darstellung des Gesichtes könnte auch für eine schlichte Fälschung sprechen, glaubt er. Vielleicht von Stopes selber, vielleicht von dem ominösen Sammler, von der er das Objekt bekommen haben will. Vielleicht auch von einer ganz anderen Person. Ob irgendwer damals den Stammbau der Menschheit “manipulieren” wollte, ist natürlich nicht weniger unklar.

Ein Fake oder ein Irrtum?

Dass die umstrittene Muschel gefälscht sein soll, nur da das Gesicht darauf zu kindlich dargestellt erscheint, ist wohl kein Argument. Immerhin haben unsere urzeitliche Vorfahren zu allen Zeiten und in allen Teilen der Erde einfache, primitive und „kindliche“ Kunstwerke und Bildnisse geschaffen.

Gleichzeitig kann Wenban-Smith nicht belegen, dass die Muschel von Stopes so was wie ein frommer Talisman war. Weder von Christen aus dem Mittelalter – noch von irgendwelchen Menschen, die beispielsweise in der Steinzeit Großbritanniens lebten.

Nach heutigen Maßstäben hat aber weder Henry Stopes noch seien Tochter Jahrzehnte später wissenschaftlich belegt, dass die gravierte Muschel Millionen von Jahre alt ist. Besser gesagt, dass die Gravur des Gesichtes darauf ein derart enormes Alter hat.

„Die ersten Menschenarten kamen vor über 700.000 Jahren nach Großbritannien“, schreibt zum Beispiel „GeoEssex“ auf deren Webseite. Erste Beweise für menschliche Aktivitäten in der fraglichen Region stammen „aus einer Zeit vor etwa 400.000 Jahren“. Verschiedene Eiszeiten und Kälteperioden „führten dazu, dass sich die Menschen aus Großbritannien zurückzogen und zurückkehrten, als sich das Klima verbesserte“. Feuersteinwerkzeuge und „wunderschön gefertigte Handäxte“ seien Belege für diese menschlichen Besiedelungen. In dem rund 2 Millionen Jahre alten „Red Crag“ wiederum finden sich keine Spuren von Menschen. Zumindest werden keine erwähnt, wenn es von „GeoEssex“ zum Beispiel heißt:

Der rot gefärbte Sand, der kurz vor der heutigen Eiszeit abgelegt wurde, strotzt nur so vor fossilen Muscheln und bildet spektakuläre Schichten auf dem Londoner Lehm.

Im Roten Fels gibt es auch die Zähne von Haien, von denen Carcharodon megalodon mit einem Gewicht von rund 65 Tonnen die größte jemals lebende Haiart ist. Diese Zähne, die aus Gesteinen des Miozäns stammen und in den Roten Felsen eingearbeitet wurden, sind äußerst selten. Aber im Laufe der Jahre sind Exemplare davon am Strand aufgetaucht.“

Und so scheint die Entdeckung von Henry Stopes unlängst mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Ob sie wirklich die Geschichte der Menschheit umschreiben könnte, bleibt weiter vollkommen offen.

Oder sogar eine Verschwörung?

Zumal nach Recherchen der Autoren Michael A. Cremo und Richard Dullum die seltsame Muschel heute scheinbar nicht mehr aufzufinden ist. So berichtete Cremo vor einigen Jahren in einem Artikel („Atlantis Rising Magazin“, Nr. 3/2010), „dass eine Kollektion von Artefakten aus der Sammlung von Henry Stopes einem Museum in Cardiff, Wales, übergeben worden war“. Diese Sammlung wurde später von einem Archäologen-Team der Universität von Southampton unter Francis Wenban-Smith katalogisiert.

Wenban-Smith stützt sich in seiner oben zitierten Veröffentlichung unter anderem auf Material aus dieser Sammlung von Stopes. Doch die gesuchte gravierte Muschel mit dem „Smilie“ habe sich nicht in der Sammlung befunden, wie der Forscher Cremo mitteilte.

Dullum wiederum versuchte mit Harry V. Stopes-Roe, ein Sohn von Marie Stopes, über die „International Humanist and Ethical Union“ (IHEU) in Kontakt zu kommen. Stopes-Roe war bei dem britischem Ableger der humanistische Organisationen von Menschenrechtlern, der „British Humanist Association“ (BHA), wie sie heute heißt, Vizepräsident. Doch er starb im Mai 2014, ohne dass er zuvor eine Antwort zum Verbleib der Muschel gab. Optimistisch schrieb Cremo in seinem Artikel 2010 noch:

Angesichts seiner Bedeutung für Henry Stopes und seine Tochter Marie Stopes sind wir zuversichtlich, dass die beschnitzte Muschel irgendwo im Besitz der Familie Stopes ist. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Richard jedoch keine Antwort von Harry Stopes-Roe erhalten.

Und da Dr. Francis Wenban-Smith das Objekt nach seiner Aussage nicht in der hinterlassenden Sammlung von Henry Stopes gefunden haben will, ist sie heute schlicht verschollen. Natürlich könnte man hier schnell eine Verschwörung der Archäologie vermuten. Der ein oder andere mag dies sogar in Betracht ziehen. Immerhin hatte Wenban-Smith die Möglichkeit diesen unliebsamen Fund verschwinden zu lassen, als dieser mit seinem Team die Sammlung katalogisierte. Doch auch das wäre eine reine Spekulation …

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Der Geist, der mit dem Zug kam: Ein unheimliches “Phantom” 1936 in Großbritannien? +++ Artikel +++

Der Geist, der mit dem Zug kam: 1936 soll ein Geist oder Phantom am Bahnhof Exeter erschienen sein ... (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Der Geist, der mit dem Zug kam: 1936 soll ein Geist oder Phantom am Bahnhof Exeter erschienen sein … (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Ein Phänomen, dem Mystery-Forscher aus dem Bereich “Paranormale Phänomene” immer wieder begegnen, sind Erscheinungen von “Krisen-Geister”. Wenn man sie so nennen mag. Dabei berichten Menschen in diesen Fällen, dass sie den “Geist” oder “Astralkörper” einer Person sahen, die sich zum fraglichen Zeitpunkt mindesten in einer Krisensituation befanden. Oder, im schlimmsten Fall, dass diese just im Augenblick der Begegnung ums Leben kamen. Oft hunderte Kilometer entfernt und ohne, dass es der Freund oder Familienangehörige über den Tod informiert gewesen sein konnte. Ein solcher interessanter Fall soll sich beispielsweise 1936 in Großbritannien ereignet haben. Ein unheimlicher Bericht, der gleichzeitig viele Fragen aufwirft, wie Ihr in diesem Artikel lesen könnt.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

“Krisen-Geister”

Ein Phänomen, dem Mystery-Forscher aus dem Bereich „Paranormale Phänomene“ immer wieder begegnen, sind Erscheinungen von “Krisen-Geister”. Wenn man sie so nennen mag.

Dabei berichten Menschen in diesen Fällen, dass sie den “Geist” oder “Astralkörper” einer Person sahen, die sich zum fraglichen Zeitpunkt mindesten in einer Krisensituation befanden. Oder, im schlimmsten Fall, dass diese just im Augenblick der Begegnung ums Leben kamen. Oft hunderte Kilometer entfernt und ohne, dass es der Freund oder Familienangehörige über den Tod informiert gewesen sein konnte.

Die Berichte über derartige Phänomene sind sehr interessant und erstaunlich weit verbreitet. Kern ist dabei immer, dass der jeweilige Zeuge nicht wissen konnten, was in diesem Augenblick tatsächlich mit der ihm nahestehenden Person geschah.

Ein solcher interessanter Fall soll sich beispielsweise 1936 in Großbritannien ereignet haben (dazu am Ende mehr):

Der Geist, der mit dem Zug kam

Im Juni 1936 erhielt Dr. John Rowley aus Exeter einen Brief seines langjährigen Freundes Dr. Arthur Sherwood aus London. Sherwood war ein in London praktizierender Kollege, weshalb Rowley ihn lange nicht mehr gesehen hatte. Doch das Schreiben war erfreulich, denn darin sagte Sherwood der Einladung zu einem Besuch bei Rowley in Exeter zu. Er würde um 10:30 Uhr am Bahnhof ankommen und gerne einige Zeit bei seinem Freund bleiben.

Rowley traf alle Vorbereitungen und machte sich sehr früh auf, um seinen Freund vom Bahnhof abzuholen. Unterwegs traf er an einer Haltestelle seinen Bekannten Francis Grafton, der dort auf eine Gelegenheit wartete, ins Stadtzentrum fahren zu können. John Rowley lud ihn ein mitzufahren, wollte jedoch zuerst seinen Freund Sherwood vom Bahnhof abholen.

Danach würde er Grafton umgehend in der Stadt absetzten, wo Grafton ein Architekturbüro hatte.

Einige Minuten vor 10:30 Uhr betraten die beiden den Bahnhof und gingen auf eine Gleisüberführung. Nur rund 15 Meter vom Bahnsteig entfernt. Von dort wollten sie Sherwood bei seiner Ankunft begrüßen. Nur kurze Zeit später fuhr dann der Zug ein, dem nur drei Männer und eine Frau entstiegen. Einer der Männer war Arthur Sherwood und Rowley rief ihm freudig von der Überführung aus zu.

Der Mann stellte seine Reisetasche ab, blickte herauf und winkte ebenfalls seinem alten Freund. Rowley und Grafton liefen hinunter, um den Besucher am Bahnhofsausgang in Empfang zu nehmen. Doch sie erlebten Erstaunliches.

Zwei Männer und die junge Frau passierten den Fahrkartenschalter – doch von Dr. Sherwood keine Spur. Rowley informierte sich beim zuständigen Kontrolleur, ob der Mann bereits den Schalter passiert habe. Doch der Beamte erwiderte, dass lediglich das Mädchen und zwei Männer durchgekommen seien. Als Beleg zeigte er die entsprechenden Fahrkarten der Kunden. John Rowley und sein Freund Francis Grafton erhielten daraufhin die Erlaubnis, das Bahngelände abzusuchen, mussten aber nach 30 Minuten resigniert aufgeben Sherwood war nirgends zu finden und so fuhren beide verstört wieder zurück.

Die unangenehme Überraschung erwartete Dr. Rowley jedoch, als er wieder zu hause war. Ein Bote überbrachte ihm ein Telegramm, dem zu entnehmen war, dass sein Freund auf dem Weg zum Bahnhof in London bei einem schweren Unfall ums Leben gekommen war. Ungläubig ließ er sich die schreckliche Meldung telefonisch bestätigen: Ja, tatsächlich, Dr. Arthur Sherwood war vor Antritt der Reise nach Exeter tödlich verunglückt.

Was war hier geschehen?

Hatten sich Rowley und sein Freund Francis Grafton einfach nur am Bahnhof geirrt? Oder sahen beide ein “Phantom” bzw. hatten sie schlicht eine Halluzination? Ein Hinweis auf ein Leben nach dem Tod?

Man könnte einwenden, dass Dr. Rowley einen anderen Mann mit seinem Freund aus London verwechselte. Grafton ihn deshalb dann auch, da er Sherwood nicht kannte und so den Fremden ebenso für den erwarteten Gast hielt. Doch dies erklärt nicht das Verschwinden des Mannes vom Bahngelände. Und auch nicht die Tatsache, dass die Person auf die Begrüßung des John Rowley eindeutig reagierte.

Francis Grafton indes war sich sicher, dass er sich in keinem Fall getäuscht hatte und gab eine Erklärung an Eides statt ab:

Es war gegen 10.30 Uhr, als ich den Doktor zum Bahnhof  begleitete. Die Sonne schien, und die Lichtverhältnisse waren ausgezeichnet. Wir standen auf der Brücke, knapp 15 Meter vom Bahnsteig entfernt, und warteten auf den Zug. Diesem entstiegen mit absoluter Gewissheit vier Reisende – drei Männer und eine Frau. Ich bin mir dessen völlig sicher. Der älteste von ihnen war ein Mann mit einem Bowler-Hut, der einen Koffer trug.

Dr. Rowley machte mich auf ihn aufmerksam. Es war der Mann, den er erwartete. Als Dr. Rowley ihm zuwinkte, lächelte der Reisende und erwiderte den Gruß auf die gleiche Weise. Wir begaben uns zur Sperre, die allerdings nur drei Personen passiert hatten.

Ich bin sehr skeptisch und glaube nicht an okkulte Dinge. Nichtsdestoweniger fühle ich mich völlig außerstande, diesen Vorfall rational zu erklären. Ich gebe zu, vor einem unlösbaren Rätsel zu stehen.”

Eines ist nach diesem Vorfall sicher deutlich: Dr. John Rowley wird sich kaum einen Scherz erlaubt haben. Zudem hätte er vom Tod seines Freundes wissen müssen. Und wenn wäre es noch immer mehr als fraglich, ob er sich dann einen solchen “Scherz” erlauben würde.

Fraglich ist auch, dass hier eine Verwechselung vorgelegen hat. Warum sollte der Mann, den Rowley für seinen Freund hielt, seinen Gruß erwidern, wenn sich der Zeuge nur irrte? Auch war Rowley nicht der einzige Zeuge der unheimlichen Begegnung – er hat also nicht einfach nur halluziniert …

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Ist die Geschichte auch wahr?

Hatte John Rowley in Exeter demnach eine Begegnung jenseits der unsrigen Welt? Eine jener paranormalen Erscheinungen, wie sie in zahllosen Beispielen der PSI-Forschung zu finden ist?

Derartige Geister-Erscheinungen von „frisch verstorbenen Menschen“ sind in der einschlägigen Literatur vielfach zu finden.. Zum Beispiel von Angehörigen der Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg, deren Lieben zum Zeitpunkt ihres Todes erschienen sein sollen. Und ich bin sicher, dass der ein oder andere Grenzwissenschaft und Mystery Files-Leser im nähren oder familiären Umfeld selber solche Geschichten kennt. An anderer Stelle habe ich umfangreich darüber berichtet

Dieses spezielle Beispiel von 1936 hat der 2008 verstorben Mystery-Autor Ernst Meckelburg in seinem Buch “Traumsprung” beschrieben. Aber ist die wirklich so geschehen und woher stammt die Quelle? Meckelburg hat in seinem Buch überhaupt keine Quellenangaben genannt. Zu keinem Thema. Das macht eine Bewertung äußert schwierig, zumal Meckelburg mit seinen zahlreichen Büchern immer als recht umstrittener Autor galt und gilt (s. a. Beispiel HIER).

Den Fall aus Exeter nennt er auch in keinem anderen seiner Bücher aus der Welt des Phantastischen und Paranormalen. Einige Themen und Fälle sind bei ihm in mehreren seiner Veröffentlichungen zu finden, so dass darin nach einer Quelle gesucht werden könnte. “Traumsprung” ist auch dahingehend eine Ausnahme seiner Bücher, da in anderen Werken immer Quellenverzeichnisse zu finden sind.

Auch andere Bücher internationaler Autoren aus dem Bereich Paranormale Phänomene scheinen keinen Dr. Arthur Sherwood und Dr. John Rowley zu kennen. Zumindest fand ich keine zweite oder primäre Quelle.

Woher mag also dieser unheimliche Bericht stammen? Woher die auch hier wiedergegeben Eidesstattliche Erklärung des Francis Grafton? Ist es 1936 wirklich so oder so ähnlich in Exeter geschehen?

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Lars A. Fischinger

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Großbritannien hat neue und die letzten UFO-Akten des Verteidigungsministeriums freigegeben

“UFO Disclosure” in Großbritannien: Seit einigen Jahren veröffentlichen verschiedene Staaten und Institutionen weltweit immer wieder ihre UFO-Akten. Nun hat auch das “Ministerium für Verteidigung” (MoD) von Großbritannien erneut zahlreiche UFO-Papiere aus ihren Archiven freigegeben und online gestellt. Die neuen Akten reichen bis zum Jahr 2009.


von Lars A. Fischinger

Die neuen UFO-Akten des Nationalarchiv sollen angeblich die letzten Papiere rund um das Thema “UFOs” sein, wie es auf deren Internetseite heißt.

“Eine breite Palette von UFO-bezogenen Dokumenten, Zeichnungen, Briefen und Fotos und parlamentarische Anfragen” beinhalten die neuen Papiere. Diese beziehen sich auf die Jahre 2007 bis 2009.


Weiter heissts es, dass diese “Final-Dokumente” auch die “wahren Gründe” für die Schließung des UFO-Desk in Großbritannien beinhalten und die Offenlegungs-Kampagne “für die Wahrheit”.

Die Papiere können hier als PDF heruntergeladen werden.

Links:

RÄTSEL & MYSTERIEN DER WELT - der YouTube-Themen-Kanal zu diesem BLOG

Zum Thema

      Es muss nicht alles so sein, es kann auch ganz anders sein. Manche Rätsel sind Scheinrätsel, manche werden zu welchen gemacht, manche aber widerstehen ziemlich hartnäckig allzu glatten Erklärungsversuchen.”
      (Walter-Jörg Langbein, 1993 in “Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre”)
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      Hexenverfolgung in Großbritannien nimmt zu

      Hört man das Wort “Hexenverfolgung”, dann denkt man gemeinhin an die Zeit zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Danach gab es die Folterung und Tötung von Menschen in Europa und den USA aufgrund zugeschriebener magischer Fähigkeiten nur mehr in Ausnahmefällen. In Afrika blieb der Glaube an Hexerei aber bis in die heutige Zeit lebendig. So lebendig, dass es in der Zentralafrikanischen Republik regelmäßig zu Verhandlungen wegen Vorwürfen wie Unwetterverursachung, Seelenraub und der Verwandlung von Menschen in Tiere kommt.

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      Die Fußspuren des Satan: Die “Teufelsspuren von Devon” 1855 und anderswo +++ Artikel +++

      Die Teufelsspuren von Devon 1855: Nur von Mäusen verursacht? (Bilder: PixaBay/gemeinfrei & Public Domain)
      Die Teufelsspuren von Devon 1855 (Bilder: PixaBay/gemeinfrei & Public Domain)

      Anfang Februar 1855 kam es in und um Devon im Südwesten von Großbritannien zu einem seltsamen Phänomen. Die Bewohner der Grafschaft fanden überall im Schnee seltsamen Abdrücke, die irgendwas oder irgendwer in der Nacht zuvor hinterlassen haben muss. Aufgrund der Gestalt der Spuren in Form von Hufeisen erhielten diese schnell den Namen “Teufelsspuren von Devon” und gingen so in die Annalen der Kryptozoologie ein. Trotz zahllose Erklärungsversuche der Spuren von Devon und ähnlicher Erscheinungen in anderen Teilen der Welt, konnte das Phänomen nie richtig aufgeklärt werden. Satan steckte hier wohl weniger dahinter – eher eine Mischung aus unterschiedlichen Ursachen. Genau diesen soll in diesem Artikel genauer nachgegangen werden.


      Die Nacht, in der der Teufel kam

      Es waren strenge Wochen im Januar und Februar 1855 in der südwestbritischen Grafschaft Devon. Die Flussmündung der Exe war zugefroren, in Torquay fiel die Lebensmittelversorgung aus und es folgten zum Teil Hungersrevolten. Die eisige Hand des Winters hatte das Land fest in seinem Griff.

      Doch es sollte noch ganz anders kommen.

      Der Morgen des 9. Februar 1855 richtete die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von ihrem Leid auf eine unheimliche und zugleich faszinierende Erscheinung, dessen nicht menschliche Spuren im frischen Schnee deutlich zu sehen waren. Das ganze Gebiet wurde von „Fußspuren“ heimgesucht, dessen Verursacher bis heute nie eindeutig ermittelt werden konnte. Es war unheimlich, faszinierend und erschreckend zugleich. Staunend stand die Bevölkerung vor tausenden hufeisenförmigen Fußspuren die sich teilweise schnurgerade durch das Land erstreckten.

      Schnell war man in Teilen der Bewohner sicher: Hier hat der Teufel seine Spuren im Schnee hinterlassen. Damit waren die „Teufelsspuren von Devon“ geboren. Ein Phänomen, das heute vor allem in der Kryptozoologie Thema ist. Doch der Reihe nach.

      Ein Mann namens Doveton aus Pytte berichtete beispielsweise er habe eine dieser Spuren bis zu seiner Gartenpforte verfolgt, wo sie plötzlich endete. Doch hinter der fast zweieinhalb Meter hohen Tür verliefen die Spuren weiter, so, als wenn das Wesen einfach durch das geschlossene Tor ging.

      Solche und sehr ähnliche Beobachtungen machten an diesen und den folgenden Tagen viele Bewohner des winterlichen Devon.

      “Hufspuren des Teufels”

      Auch der Pfarrer von Clyst St. George, H. T. Ellacombe, machte ein seltsame Entdeckung an einem Haus in Marley bei Exmouth. Dort fand der Pfarrer, der heute als eine der besten Zeugen der Ereignisse gilt, diese „Spuren auf einem Fenstersims im zweiten Stock“. Und noch drei Tage nach diesen unheimlichen Spurenfunden machte Ellacombe mit einigen Helfern noch eine weitere Entdeckung:

      Kaum ein Acker, Obstgarten oder Garten, wo sie nicht – durchwegs in einer einzigen Linie – bis unter die Hecken führten, und auf einem Feld in meiner Nachbarschaft stießen wir Exkremente – viel länglich-ovale Klümpchen von weißlicher Farbe, von der Größe und Form einer großen Traubenbeere.“

      Auch die Tochter des Pfarrers von Dawlish, nahe bei der Mündung des Flusses Exe gelegen, Henrietta Fursdon, schilderte einige Jahre nach diesem „teuflischen“ Winter ihre einstigen Erlebnisse. Sie erinnert sich:

      Die Fußspuren tauchten über Nacht auf. Wie mir mein Vater erzählte, der hier damals als Pfarrer wirkte, kamen gleich am nächsten Morgen Hilfspfarrer, Kirchenvorsteher und Gemeindemitglieder zu ihm, um seine Ansicht über die in ganz Dawlish beobachteten Abdrücke zu erfahren. Diese verliefen in gerader Linie und zeigten die Form eines kleinen Hufes, in dessen Runddung sich jedoch Klauen ausgeprägt fanden. Namentlich eine Fährte, die vor Pfarrhaus geradewegs zur Sakristeitür führte, erregte Aufmerksamkeit.

      In andern Fällen lief die Spur geradewegs zu einer Mauer ohne Durchlass zu und setzte sich auf der anderen Seite fort. Vielfach fanden sie sich auch auf Hausdächern, und zwar in allen Vierteln von Dawlish (…) Ich entsinne mich noch ganz deutlich dieser Fußspuren und meiner kindlichen Angst vor der unbekannten wilden Bestie, die wohl draußen herumstreichen musste, da sich die Dienstboten nach Einbruch der Dunkelheit mit mehr hinaus wagten, um das Hoftor zu schließen.“

      Diese „Hufspuren des Teufels“ waren damals keinem der Einwohner erklärlich. Wie konnte der Verursacher geradewegs über Dächer und scheinbar durch Wände laufen, fragten sich die Anwohner? Auch ein Mann bei Whitycombe Raleigh will eine interessante Entdeckung gemacht haben. Er konnte die Spur durch ein nur 15 Zentimeter kleines Rohr weiterverfolgen. Was für eine Gestalt kann hier umhergeirrt sein?

      “Teufelsspuren” überall

      In den Ortschaften wie zum Beispiel Teignmouth, Dawlish, Kenton, Starcross, Mamhead, Powderham, Topsham, Clyst St.Georg, Clyst St. Mary, Woodbury, Lympstone, Exmouth, Littlehamcum-Exmouth, Bicton, Whitycombe Raleigh, East Budleigh, Barton – überall um die Mündung der Exe – wurden diese seltsamen Spuren gefunden. So recherchierte es später die Dozentin Theo Brown von der Universität Exeter. Doch niemand war damals in der Lage, die hufeisenförmigen Fährten zu erklären.

      Einige meinten, es seien die Spuren eines aus dem Zoo von Fish in Sidmouth entlaufenden Kängurus. Andere sahen hier missgebildete Hasen, Vögel mit gefrorenen Krallen, Dachse, Otter, Kröten, Esel, Mäuse, Affen, Katzen, Schwäne, „magische Wesen“, Wölfe usw. als Verursacher. Da die Spuren an einen geöffneten Huf oder besser an ein Hufeisen erinnerten, war natürlich auch der Satan in Person für diese Abdrücke verantwortlich gemacht worden.

      Der Bericht der „Illustrated London News“ vom 24. Februar 1855 ist ohne Zweifel der bekannteste Zeitzeuge über Devons unheimliche Besuche. So hieß es darin 1855:

      Die am Freitagmorgen im (zu diesem Zeitpunkt recht dünnen) Schnee entdeckten Spuren trugen alle Merkmale eines Eselhufes – Länge 10 cm, Breite 5,7 cm. Doch statt der bei diesem (und anderen) Tier üblichen Fortbewegung war hier offenbar in gerader Linien ein Fuß vor den anderen gesetzt worden. Der Abstand zwischen den Tritten betrug 20 cm oder eher mehr – wobei die Spuren in sämtlichen Gemeinden genau dieselbe Größe und Schrittweite aufwiesen!

      Der geheimnisvolle Besucher durchschritt oder überquerte einen Garten oder Hofraum in der Regel nur einmal, besuchte dafür aber in vielen Teiler der verschiedenen Städte sämtliche Häuser (…) sowie die ringsum verstreuten Gehöfte: In manchen Fällen führte seine regelmäßige, stets den gleichen Schrittabstand einhaltende Spur über Hausdächer, Heuschober und sehr ansehnliche Mauern (darunter eine von 4,20 m Höhe) hinweg, als hätten diese nicht das geringste Hindernis gebildet, wobei weder hüben noch drüben der Schnee zertrampelt war. Gärtner mit hohen Zäunen und Mauern oder versperrten Pforten wurden ebenso heimgesucht wie offene, uneingefriedete Besitzungen.

      Überschlägt man, welche Strecken zu bewältigen waren, um diese Spuren zu hinterlassen, die sich so gut wie jedem Garten, auf Türstufen, in den ausgedehnten Wäldern von Luscombe, auf dem Gemeindeland, auf eingehegten Grundstücken und Gehöften fanden, so muss der insgesamt zurückgelegte Weg wohl über hundert Meilen betragen haben. Es ist sehr einfach, über diese Erscheinungen zu lachen und leichtfertig zu urteilen, doch in Wirklichkeit konnte bis jetzt noch keine befriedigende Erklärung gefunden werden. Kein Tier hätte einen so ausgedehnten Bereich in einer einzigen Nacht durchstreifen und noch dazu eine zwei Meilen breite Flussmündung überqueren können (…)“

      Erklärungsversuche

      Charles Fort, der wahrscheinlich als erster Forscher akribisch sämtliche Zeitungsberichte über unerklärliche Vorfälle in der Welt sammelte und auswertete, legte im Jahre 1919 sein erstes Buch „The Book of the Dammed“ vor. In diesem berichtet auch er über die ominösen Teufelsspuren aus England, wobei Fort auch einige der damaligen Erklärungen erwähnt.

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      So etwa sah man in den Spuren die Hinterlassenschaften eines Dachses, der des Nachts durch die Gemeinde streunte. Einige dachten an die Krallen großer Greifer, die folgerichtig über Meilen gerade durch den Schnee hüpften. Dann hieß es damals auch, es könne sich um die herunterhängenden Taue von Ballonen gehandelt haben, die immer wieder den Boden berührten. Oder aber Ratten, Wölfe sowie Otter seien hier entlang gelaufen.

      Wieder andere spekulierten in der „Times“ vom 16. Februar 1855 ein entlaufendes Känguru aus einem Zirkus sei für die Spuren verantwortlich. Sicher auch deshalb, da viele Abdrücke scheinbar über Mauern verliefen und auf Dächern und auf Fenstersimsen zu finden waren.

      Fort kommentiert vor 100 Jahren diese Deutung humorvoll mit den Worten:

      Ich selbst nehme an, dass mindestens eintausend einbeinige Kängurus, die mit kleinen Hufeisen beschlagen waren, ihre Abdrücke im Schnee von Devonshire hinterlassen haben könnten.“

      Erklären konnte Fort das Phänomen von 1855 allerdings auch nicht.

      Während damals die betroffenen Bewohner vom Teufel bis zum Dachs sämtliche Erklärungen heranzogen, zogen einige der Einwohner der Grafschaft aus, um mit Waffengewalt das vermeintliche „Tier” zu erlegen. Die „Times“ aus London bemerkte, dass noch Wochen nach Erscheinen der rätselhaften Spuren die Bewohner und andere, die dem Phänomen „wissenschaftlicher” nachgehen wollten, über die Herkunft rätselten. Aber „wie zu vermuten war, kehrte der Suchtrupp unverrichteter Dinge zurück“.

      Tatsächlich ist auch heute das Phänomen ein Rätsel. Ob es sich nach so langer Zeit überhaupt für alle zufriedenstellend entzaubern lässt?

      Rätselhaft auch das: Charles Fort berichtet Jahre nach den Vorfällen, dass die Fußspuren eher den Eindruck machten, als sei der Schnee innerhalb bzw. an den Rändern der Spuren geschmolzen. Demnach nicht, wie zu erwarten wäre, durch das Gewicht des Verursachers zusammengepresst. Daraus könnte sich ableiten lassen, dass durch die Schneeschmelze die ursprünglichen Spuren derart verändert wurden, dass letztlich „Hufeinsen“ dabei herauskamen.

      Von Devon nach anderswo

      Erstaunliches jedoch stellt sich schnell heraus sich, wenn das Thema der teuflischen Spuren etwas intensiver analysiert wird. Denn es zeigt sich, dass nicht nur die Gegend der Grafschaft Devon 1855 von diesem Phänomen heimgesucht wurde. In aller Welt wurde in verschiedenen Zeiten von „seltsamen Fußabdrücken“ berichtet. Auch und vor allem von solchen von Form von Hufeisen. Es handelt sich also nicht um ein Phänomen, das sich nur in Devon zu trug.

      Im Mai 1841 beispielsweise trug die Antarktis-Expedition von Sir James Clark Ross (nach dem das von ihm 1841 entdeckte Rossmeer an der Antarktis benannt wurde) in ihr Tagebuch, dass sie auf den Kerguelen-Inseln hufeisenförmige Spuren fanden, die von keinem dortigen Tier stammen konnten.

      Im 19. Jahrhundert erschienen rätselhafte Spuren von Newark nach Cape Mayvon in New Jersey, USA, die man dem so genannten Jersey-Teufel zusprach. Auch hier sollen sie 1908 Mauern und andere Hindernisse „durchschritten“ haben – wie in Devon.

      Im Januar 1945 entdeckten die Menschen nahe Everberg in Belgien ebenso derartige Abdrücke.

      Die „lllustrated London News“ berichtete am 17. März 1855 in einem Leserbrief, dass solche Abdrücke auch im Schnee und Sand auf einem Hügel nahe der polnischen Grenze bzw. in Galizien zu finden seien. Der Hügel sei ein Sandhügel und somit in dem Gebiet als Piashowar gora bekannt, wo diese Spuren jedes Jahr zu finden seien.

      Interessant ist bei diesen und zahllosen weiteren Beispielen auch der Umstand, dass die Region von Devon nicht nur 1855 vom „Satan heimgesucht“ wurde. Bereits vor den berühmten Ereignissen aus diesem Jahr sollen sie dort gesehen worden sein. Und auch noch viele Jahre später, wie verschiedene Zeitungsberichte belegen.

      Hier sticht ein Fall aus dem Jahr 1950 besonders heraus, über den der Auto Viktor Farkas in „Rätselhafte Wirklichkeiten“ (1998) und vor allem Mike Dash in seiner Analyse der Devon-Spuren „The Devil’s Hoofmarks“ („Fortean Studies“, Nr. 1/1994) berichten.

      Veröffentlicht wurden diese erneuten „Teufelsspuren von Devon“ aber erst sieben Jahre später in „Tomorrow“ (Nr. 3/1957). Darin hieß es, dass ein Mr. Wilson an der Küste nahe Devon eine Art Hufspur fand, dessen zwei Meter Schrittweite direkt ins Meer führte. Es schien, als sei hier ein unbekanntes Tier aus dem Meer der Verursacher.

      Hunderte ähnliche Fälle?

      „Spuren des Teufels“ – sie offensichtlich ein weiter verbreitetes Phänomen, als man es einst angenommen hat. Allein Mike Dash konnte in seiner umfangreichen Arbeit „The Devil’s Hoofmarks“ von 1994 einige Dutzend Berichte dazu in den Archiven ausfindig machen, die 21 Einzelfälle betrafen. Ereignet in den Jahren zwischen 1840 und 1957. Doch seien Recherchen ergaben noch weit mehr. Er schreibt:

      Obwohl die Hufspuren (von Devon, Anm. LAF) zweifellos ungewöhnlich waren, waren sie alles andere als einzigartig. 120 bekannte Fälle lassen sich mit dem Mysterium von Devon vergleichen, und es erscheint nicht sonderbar, anzunehmen, dass Hunderte, vielleicht Tausende, jetzt verloren sind oder nie gemeldet wurden.“

      Damit scheint das Phänomen der „Teufelsspuren“ fraglos eines der am weitesten verbreiteten Mysterien der Kryptozoologie zu sein. Es brauch sich keinesfalls hinter den „klassischen Themen“ wie Nessie oder den Bigfoot zu verstecken.

      Bereits Anfang Februar 2010 nahm ich im Rahmen meiner Recherchen zu meinem Buch „Verbotene Geschichte“ (2010) Kontakt mit verschiedenen Kryptozoologen auf. In diesem Buch sind auch die Spuren von Devon Thema. Verschiedene Kryptozoologen und Mystery-Jäger vertraten dabei die Ansicht, dass Mäuse-Spuren eine Erklärung für die „Fußabdrücke des Satan“ sein könnten.

      Mäuse-Spuren?

      Mäuse, die in strengen Wintern aus ihren Unterschlupf kommen, springen über den frischen Schnee und hinterlassen mit ihren Körpern Abdrücke, die – wenn sie von der Sonne angetaut werden – an Hufeisen erinnern. Schon 1964 konnte der Zoologe Alfred Leutscher die Entstehung derartiger Spuren durch Waldmäuse aufzeigen, woraufhin erneut eine Reihe von Artikeln und Zeitungsmeldungen zu den Spuren von Devon erschienen. Zum Beispiel von Leutscher selber im „Journal of Zoology“ (Nr. 148, 1966) und auch Mike Dash geht in seiner Arbeit darauf ein.

      Leutscher verwies auch auf den bekannten Bericht in der „Times“ vom 16. Februar 1855. Darin hieß es, dass die Abdrücke in Devon eine „Schrittweite“ von ungefähr 20 Zentimetern hatten. Das entspräche einer springenden oder hüpfenden Waldmaus. „Alle späteren Größen sind Erfindungen der Presse und diverser Autoren“, schrieb mir beispielsweise 2010 der Autor und Kryptozoologe Michael Schneider zu der Waldmaus-These.

      Die Spuren tauten später an, Regen fiel auf den „Schneematsch“ und daraufhin fror es erneut. So in Etwa kann man die These von den Waldmäusen zusammenfassen.

      Am 11. Februar 2010 bekam ich vom „National Meteorological Archive“ („Met Office“) in Großbritannien auf Anfrage umfangreiche Wetterdaten von Januar und Februar 1855 aus der fraglichen Region als Kopien. Sie zeigen wiederum Erstaunliches.

      Diese klimatischen Tagebuchaufzeichnungen beweisen, dass es so extrem kalt damals gar nicht war, wie immer wieder behauptet wurde und wird. In der fraglichen Zeit währen der Entstehung der Spuren war es nur um -1 Grad Celsius kalt. Folgerichtig ist es sehr wohl möglich, dass damals Mäuse-Abdrücke antauten und nach gefallenen Regen wieder gefroren.

      Nagetiere statt Satan?

      „Ich weiß aber nicht welche Art Nagetier das in Devon gewesen sein sollte“, schrieb mir die Zoologin Professor Dr. Jana Eccard Ende Februar 2010: „denn in England gibt es keine Springmäuse“. Doch sie bestätigte, dass es die Waldmausart „Apodemus sylvaticus“ in Devon gibt und diese tatsächlich springen kann.

      Professor Dr. Eccard gar hierzu aber auch zu bedenken:

      „(…) ich muss aber gestehen dass ich auch etwas ratlos bin. Man kennt ja von Eichhörnchenspuren das Phänomen, dass die Spuren der langen Hinterläufe neben und vor den Spuren der Vorderläufe liegen und so ein U entsteht (nicht der Körper, sondern die Kombination der vier Pfotenabdrücke).

      Wenn es ein bisschen taut so dass die Details der Fußabdrücke verwischen, oder der Schnee matschig ist wie oft in England, dann könnte ich mir vorstellen dass man nur noch das U sehen kann. Die Fortbewegungsrichtung der vermeintlichen Hufe zeigt dann in die andere Richtung als die Fortbewegung des Spurenverursachers.“

      Ist das die Lösung? Falsch interpretierte Spuren von Springmäusen, vermischt mit Aberglauben und ebenso falsch gedeutete Spuren anderer Tiere plus einen Hype in der Presse? Es scheint so zu sein. Aber es bleibt natürlich offen, ob diese Interpretation für alle „Teufelsspuren“ gilt, die immer wieder gefunden wurden. Vor allem auch jene 1840 in der Antarktis, wo es keine solchen Waldmäuse gibt…

      Auch glaube ich, dass die abergläubische Bevölkerung im Hype um den Besuch des „Teufels“ sämtlich Spuren im Schnee mit dem Teufel in Verbindung gebracht haben könnte. Gleichgültig was für ein Tier letztlich hinter jeder einzelnen Spur individuell stecke. Auch das Rätsel der plötzlich stoppenden Spuren im Schnee könnte eine banale Erklärung haben: Raubvögel sahen die Mäuse im hellen Schnee und griffen sich die Nager – und die Spur hörte auf.

      Fake-News im 19. Jahrhundert

      Ebenso soll es bereits nach den Ereignissen vom Februar 1855 zu Fake-News in der Presse gekommen sein. Nicht nur da verschiedene Berichte später nicht mehr von Augenzeugen stammten oder erst viele Jahre später aus der Erinnerung  entstanden. Auch die eigentliche Länge der Spuren durch die Region ist zweifelhaft. Dazu hieß es etwa, dass Anwohner die Teufelsspuren nachts über 100 Meilen weit durch die Grafschaft verfolgten. So weit hüpft natürlich auch nicht die kräftigste Waldmaus an einem Stück. Dass aber der aufgeregte Suchtrupp bei ihrer Teufelsjagd in einer Nacht diese Strecke zu Fuß zurücklegte, ist sehr unwahrscheinlich.

      Mike Dash verweist in seiner Untersuchung auf einen weiteren Umstand bei den Abdrücken von Devon. Er listet die Größenangaben der Spuren, deren Beschreibungen sowie die einzelnen „Trittlängen“ auf, die damals in verschiedenen Gebieten gefunden wurden. Insgesamt aus 14 Zeitungen, von denen allerdings die wenigsten genaue Maßangaben veröffentlichten. Sofern doch geschehen sind aber die Unterschiede in Größe und Abstand der einzelnen Spuren sehr auffällig.

      Die Abstände zwischen den einzelnen „satanischen Spuren“ reichen zum Beispiel von rund 20 Zentimeter bis zu knapp 41 Zentimeter. Lang oder weit waren die Spuren von rund 3,8 Zentimeter bis fast 9 Zentimeter. Diese Abweichungen in den Beschreibungen sind zu frappierend, als das man sie als Messfehler oder ähnliches beiseite schieben kann.

      Gleichzeitig zeigen diese Maße auch, dass hier nicht nur Waldmäuse als Verursacher zutreffen können. Sie erhärten vielmehr den Verdacht, dass 1855 nach der Entdeckung der ersten „echten Teufelsspuren“ alle möglichen und unmöglichen Abdrücke damit in Zusammenhang gebracht wurden. Dies würde auch erklären, warum über ein derart großes Gebiet diese Spuren daraufhin gefunden wurden.

      Was aber sämtliche Thesen und Analysen zu Devon nicht erklären können, sind die Funde von anderen Spuren in anderen Teilen der Welt. Hier fehlt es meistens an verlässlichen Angaben wie vor allem deren Größe und genaues Aussehen. Möglicherweise sind hier und dort Mäuse die Verursacher. In anderen Fällen dann wieder andere Tiere.

      Empirisch belegen lässt sich das Phänomen von Devon und anderswo wohl niemals mehr.

      Euer Jäger des Phantastischen

      Lars A. Fischinger

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      Fund mit dem Metalldetektor: Streit um den Wikingerschatz von Schottland: Die Kirche möchte ihren Anteil und klagt

      Streit um den Wikingerschatz von Schottland: Die Kirche möchte ihren Anteil und klagt (Bilder: D. McLennan & M. McSweeney / visitgreenland.com / Montage: Fischinger-Online)
      Streit um den Wikingerschatz von Schottland: Die Kirche möchte ihren Anteil und klagt (Bilder: D. McLennan & M. McSweeney / visitgreenland.com / Montage: Fischinger-Online)

      Tagtäglich sind irgendwo Menschen mit Metalldetektoren unterwegs, um auf Felder, Äckern und Wiesen nach “verborgenen Schätzen” zu suchen. Sogenannte Sondengänger. Die einen finden rostige Nägel von Weidezäunen, andere mehr oder weniger wertvolle Münzen der jüngeren Vergangenheit und wieder andere tatsächlich wahre Schätze. So geschehen im September 2014 in Schottland, wo der der Sondengänger Derek McLennan einen Wikingerschatz im Welt von über 2 Millionen Euro mit seinem Detektor fand. “Ein äußerst bedeutender Fund”, wie der als “Hort von Galloway” bekannt gewordene Schatz der Wikinger von Experten bewertet wurde. Doch jetzt ist genau um diesen Schatz eine Streit entflammt. Denn mit dem Finder einst befreundete Mitglieder der Kirche von Schottland möchten ihren Teil des Geldes, der damals angeblich abgesprochen war. Ein Fall für die Gerichte. Details und Hintergründe dazu erfahrt Ihr hier.


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      Hobby: “Schatzsucher”

      Es wohl der heimliche Traum jedes Sondengängers – einen vergrabenen Schatz finden. Jene Menschen, die mit Metalldetektoren in vielen Teilen der Welt in ihrer Freizeit hinausgehen, um dem Erdreich allerlei Metallobjekte zu entlocken.

      Die meisten Funde sind hierbei unspektakulär und keine wirklichen Schätze im klassischen Sinn. Außer für die Sondengänger selber, die sich über jedes ausgegrabene Objekt freuen. Voller Freude werden diese gerne innerhalb der gut vernetzten Sondengänger-Szene präsentiert. Zum Beispiel in Videos auf YouTube, bei denen der neugierige Zuschauer quasi „live“ an der Suche teilhaben kann, oder in entsprechenden Foren.

      Wenn vielfach auch nur rostige Metallstücke, Alufolie oder alte Nägel von Weidezäunen gefunden werden, steckt der Boden voller Spuren der Vergangenheit. Für die einen ist es ein Hobby, diese Artefakte ans Tageslicht zu holen. Für Archäologen oder Historiker oftmals ein Ärgernis, da ihnen durch „private Schatzsucher“ fraglos die ein oder andere spannende Entdeckung vorenthalten wird. Das spektakulärste Beispiel ist sicher die „Himmelsscheibe von Nebra“, von der auf Fischinger-Online unter anderem in diesen Videos HIER und HIER berichtet wird.

      Es müssen teilweise bestimmte Voraussetzungen, „Schulungen“ oder sogar Genehmigungen für dieses Hobby vorliegen. In Deutschland sind diese von Bundesland zu Bundesland nicht ein einheitlich regelt. Auch nicht was den finanziellen Aspekt von eventuell gefunden „Schätzen“ anbelangt. Sprich: Wer darf was behalten, wer bekommt von wem Geld und wie viel? In den einzelnen Staaten ist natürlich wiederum anders geregelt, als innerhalb der Länder Deutschlands. Und fraglos sind die allermeisten Sondengänger ehrlich und melden ihre Funde. Keine Raubgräber.

      Werden rostige Nägel in einer Wiese oder von einem Landwirt auf einem Feldweg „vergrabenes“ Blei von einem Scheunendach ausgebuddelt, ist das kein Problem. Was aber – wenn in dem Haufen ausgegrabener Erde etwas Wertvolles schlummert?

      Genau das war in Schottland der Fall.

      Schatz der Wikinger

      Im Jahr 2014 fand Derek McLennan auf einem Feld unweit von Dumfriesshire im Südwesten Schottlands mit dem Metalldetektor einen Schatz der Wikinger. Verborgen in rund einen Meter Tiefe. Mehr als 100 Objekte aus dem frühen 10. Jahrhundert nach Christus, die als einer der bedeutendsten Wikingerschätze von Großbritannien angesehen wird.

      Die Artefakte stammen ursprünglich aus den verschiedensten Gebieten und wurden hier in Schottland als ein Schatz verborgen. Zu einer Zeit als die Wikinger bereits zumindest teilweise christlich waren, worauf ein unter den Objekten geborgenes Silberkreuz hindeutet.

      Derek McLennan war mit einem Schlag reich, denn er verkaufte den Schatz an verschiedene Museen in Schottland. Umgerechnet erhielt er dafür ca. 2,2 Millionen Euro.

      In den Medien sorgte der als „Hort von Galloway“ bekannt gewordene Fund damals international für Schlagzeilen. Allein der Materialwert des Wikingerschatzes wurde auf mehrere 100.000 Euro beziffert. „Als ich das erste Stück gefunden hatte, wusste ich zuerst nicht, was es war“, erzählte der Finder Derek McLennan am 12.Oktober 2014 der „BBC“. Stuart Campbell vom Schottischen Nationalmuseum war vor fünf Jahren nicht minder begeistert über die Entdeckung des Sondengängers:

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      Dies ist ein äußerst bedeutender Fund, der in Bezug auf die Materialvielfalt, die dieser Hort darstellt, in Schottland noch nie zuvor aufgefunden wurde.

      Es gibt Material aus Irland, aus Skandinavien, aus verschiedenen Orten in Mitteleuropa und vielleicht aus mehreren Jahrhunderten.

      Es hat also einige Anstrengungen gekostet, bis sich Einzelpersonen versammelt haben.“

      Damit hätte McLennan mit seinem Fund mehr als zufrieden sein können. Wenn nicht jetzt die Kirche von Schottland den Schatzsucher verklagen würde. Ihr gehört das Grundstück, auf dem damals der Wikingerschatz entdeckt und ausgegraben wurde. Darum möchte sie jetzt ihr Stück vom Kuchen abhaben, wie aktuell verschiedene Medien berichten.

      Die Kirche möchte ihren Anteil

      Wie in Deutschland auch, so ist es in Großbritannien nicht einheitlich geregelt, wem das Geld für einen solchen Schatz zusteht. In Schottland steht es gesetzlich nur dem eigentlichen Entdecker zu. In anderen Teilen Großbritanniens wiederum hat auch der Besitzer des Landes oder Grundstücks Anspruch darauf.

      Zwar könnte man meinen, dass der Fall in Schottland damit eindeutig ist, doch nicht für die Kirche. Den Berichten nach habe es damals eine Abmachung zwischen dem Finder und der Kirche gegeben, dass auch sie am finanziellen Gewinn beteiligt werden solle:

      Meines Erachtens gab es immer eine Vereinbarung, dass das Geld mit der Kirche geteilt wird. Die Kirche hat eng mit dem Finder zusammengearbeitet und einen gerechten Anteil ihres Wertes vereinbart.“

      Mit diesen Worten zitierte die „Sunday Post“ am 15. September Pastor David Bartholomew von Castle Douglas. „Derek war mein Freund und es ist traurig, dass es dazu gekommen ist“, so der Geistliche gegenüber der Zeitung.

      Weiter berichtet er, dass er mehr als überrascht sei, dass McLennan seinen „Deal zurücknehmen würde“, und allein das Geld behalten wolle. Immerhin sei Bartholomew sogar ein „Mitstreiter“ des Sondengängers und auch beim Fund dabei gewesen. Ebenso habe Mike Smith, Pastor einer Elim-Pfingstkirche in Galloway, sie an diesem Tag begleitet. Über ein Jahr lang habe damals McLennan mit seinen Metalldetektor das Gebiet abgesucht. Außerdem sollte das Geld „in erster Linie für das Wohl der örtlichen Gemeinde verwendet werden“, wie damals abgesprochen worden sein soll.

      “Sache des Gerichts”

      Weder auf E-Mails noch auf persönliche Besuche habe McLennan in der Zeit nach dem Schatzfund reagiert, so Bartholomew. Obwohl „die Kirche nicht vor Gericht gehen“ wollte, gäbe es jetzt keinen anderen Weg mehr. „Es gibt eine ungeschriebene Regel“, dass Funde mit dem Grundbesitzern geteilt werden. Juristen sollen dies nun regeln, so die schottische Kirche:

      Es kann bestätigt werden, dass die General Trustees der Church of Scotland eine Klage gegen Derek McLennan erhoben haben. Da dies jetzt Sache des Gerichts ist, wäre es für uns unangemessen, zu diesem Zeitpunkt weitere Kommentare abzugeben.“

      Derek McLennan selber schweigt bisher dazu.

      Interessant ist aber, dass der Sondengänger offensichtlich ein Glückspilz. In den damaligen Zeitungsberichten über den Fund wurde er meist als „armer Rentner“ dargestellt, der einfach riesen Glück hatte. In Wahrheit jedoch hatte er bereits kurz zuvor einen Schatz in diesem Gebiet gefunden. Einige Monate vor der Entdeckung des Wikingerschatzes schlug hier bereits sein Detektor an und er fand hunderte Münzen aus dem Mittelalter im Erdreich.

      Auch ein Blick auf seine Internetseite verrät, dass er alles andere als ein Laie in der „Metalldetektor-Szene“ ist, der vielleicht mal einen krummen Nagel ausgräbt, eine Münze findet oder eine Gewehrpatrone an der Oberfläche findet.

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      Lars A. Fischinger

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      Archäologen und Genetiker auf der Suche nach dem Ursprung unserer Ahnen und ihrer Sprache – mit erstaunlichen Ergebnissen

      Archäologen und Genetiker auf der Suche nach dem Ursprung unserer Sprache - mit erstaunlichen Ergebnissen (Bild: Google Earth / Bearbeitung: Fischinger-Online)
      Archäologen und Genetiker auf der Suche nach dem Ursprung unserer Sprache – mit erstaunlichen Ergebnissen (Bild: Google Earth / Bearbeitung: Fischinger-Online)

      Woher stammen und Vorfahren aus der Steinzeit bzw. Eiszeit, die vor bis zu 12.000 Jahren lebten? Wo liegt der Ursprung der indoeuropäischen Sprachen, die heute von Indien bis Großbritannien gesprochen werden? Und wie verliefen die Besiedelungswege der ersten ersten Ackerbauern und frühen  Jäger und Sammler. Solche Fragen kann heute unter anderem die Gen-Forschung weiter aufhellen. Ein internationales Forscherteam aus Genetikern, Anthropologen und Archäologen ist deshalb in der bisher umfangreichsten DNA-Untersuchung dieser Art genau diesen Fragen nachgegangen. Und kam zu erstaunlichen Ergebnisse, die sie jetzt “Science” veröffentlicht haben.


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      Wissenschaftler auf der Suche nach unseren Ahnen

      Mehr als 100 Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachgebieten, von Genetik bis Archäologie, veröffentlichten in dem Fachmagazin “Science” am 6. September die Ergebnisse ihrer Studie der menschliche DNA. Dabei bedienten sich die Experten um David Reich von der Harvard Medical School alter und uralter DNA von insgesamt 523 vorzeitlichen Personen, die vor allem in Süd- und Zentralasien lebten.

      Der von diesen Vormenschen gewonnene Gencode wurde woraufhin mit der DNA bereits bekannter Untersuchungen anderer Individuen der Steinzeit verglichen. Diese Menschen stellen nach Aussage der beteiligten Forscher “Schlüsselphasen in der Bevölkerungsgeschichte Eurasiens fest, einschließlich der Ausbreitung von Bauernvölkern aus dem Nahen Osten mit Bewegungen sowohl nach Westen als auch nach Osten”.

      Ergänzt wurde diese Studie durch archäologische Funde und Forschungen aus der Sprachwissenschaft, die daraufhin alle in einen Kontext gebracht wurden.

      Nach Ansicht der Forscher widerlegt ihre Untersuchung bisherige Thesen über die Ausbreitung unserer direkten Vorfahren und vor alle auch der indoeuropäischen Sprachen. “Die Vorfahren aus der Steppe in Südasien haben dasselbe Profil wie in der Bronzezeit in Osteuropa”, schreiben sie in ihrer Veröffentlichung. Diese steinzeitlichen Siedler vermischten sich mit anderen frühen landwirtschaftlichen Kulturen in ganz Europa und Zentral- und Südasien und brachten auch ihre Sprache mit:

      Eine massive Bevölkerungsbewegung aus der eurasischen Steppe nach Europa, die wahrscheinlich die indoeuropäischen Sprachen verbreitete. Wir zeigen eine parallele Reihe von Ereignissen, die zur Ausbreitung der Vorfahren aus der Steppe nach Südasien führten, und dokumentieren dabei Bewegungen von Menschen, die wahrscheinlich die Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen begünstigten.

      Nach ihren Forschungen sind sich die Autoren der Studie sicher, dass nicht Bauern aus Anatolien ihre Sprache nach Europa und Richtung Asien verbreiteten. Bis heute ist das die übliche Hypothese über den Ursprung der indogermanistischen Sprachfamilie. Die Experten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die sprachlichen Wurzeln bei Viehzüchtern aus den Steppen Asiens liegen. Vor etwa 5.000 Jahren.

      Spuren bei den weisen Brahmanen Indiens

      Weiter zeigte die Untersuchung (sowie eine ergänzende Studie, die in “Cell” vom 5. September), dass die Landwirtschaft im Süden Asiens nicht von Siedlern aus dem Westen stammen kann. Auch im heutigen Iran und Zentralasien verlief die Entwicklung der Sprachen anders, als bisher angenommen. Erst rund 1.500 Jahre später machten sich die Nachfahren dieser europäischen Siedler wieder auf den Osten und asiatische Gebiete neu zu besiedeln. David Reich ist deshalb sicher:

      Wir können eine Ausbreitung von Bauern mit anatolischen Wurzeln nach Südasien ausschließen.

      Besonders bei einer Bevölkerungsgruppe in Südasien bzw. Indien lasse sich noch heute eine eindeutige genetische Spur zu den Steppenvölkern finden, so Reich. Es sind die Brahmanen aus dem Hinduismus. Weise und heilige Männer einer ganz besonderen Kaste, die Lehrer und Priester der alten indischen Schriften “Veden” sind. Verfasst sind diese heiligen Texte Sanskrit, einer uralten indoeuropäischen Sprache.

      Eine Kasten-Elite, die über Generationen ihr Wissen weitergibt und sich nach den Untersuchungen der Forscher offensichtlich untereinander ihr genetische Erbe erhalten konnte:

      Die Feststellung, dass Brahmanen mehr Steppen-Abstammung haben als andere Gruppen in Südasien, liefert ein faszinierendes neues Argument für einen Steppenursprung für indoeuropäische Sprachen in Südasien.

      Dass eine elitäre Elite wie in diesem Fall die Brahmanen über unzählige Generationen lieber unter sich bleibt, ist nicht verwunderlich. Für die Genforscher dieser Untersuchung ein Glücksfall. Die moderne Wissenschaft hat offensichtlich mit der DNA ein einstmals undenkbares Werkzeug zur Erforschung unserer Vorgeschichte in der Hand, von der auch in Zukunft neue Erkenntnisse zu erwarten sind.

      Euer Jäger des Phantastischen

      Lars A. Fischinger

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      Grüße aus Doggerland: 8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt

      8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt (Bild: Maritime Archaeological Trust)
      8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt (Bild: Maritime Archaeological Trust)

      Forscher haben auf dem Grund der Nordsee einen sensationellen Fund gemacht. In 11 Metern Meerestiefe stießen sie an der britischen Insel Isle of Wight im Ärmelkanal aus hölzerne Strukturen, die sie für eine Bootswerft aus der Steinzeit halten. Versunken vor rund 8.000 Jahren, als der Meeresspiegel durch die Reste der der letzten Eiszeit anstieg. Weite Teile Nordeuropas versanken in den Fluten und das riesige Doggerland genannte Gebiet (das “Atlantis der Nordsee”) versank in der Nordsee und im Atlantik. Die Unterwasserarchäologen sprechen unlängst von einem “bedeutenden Fund”. Alle Details und die Hintergründe erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


      Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

      Die Steinzeit-Werft auf dem Grund der Nordsee

      Unterwasserarchäologen haben vor der Küste der britischen Insel Isle of Wight im Ärmelkanal eine sensationelle Entdeckung gemacht. In 11 Meter Meerestiefe stießen die Forscher auf hölzerne Plattformen und Strukturen, die sie für eine 8.000 Jahre alte Werft aus der Steinzeit halten.

      Möglicherweise sei dies die älteste Anlage dieser Art, die weltweit jemals gefunden wurde, so die Archäologen von „Maritime Archaeological Trust“(MAT). Nach der Entdeckung 2005 hielt man die Holzstrukturen zuerst für Gehwege oder anderen zusammengebrochene Plattformen, aber nicht für eine Bootswerft.

      Garry Momber, Direktor der „Maritime Archaeological Trust“, ist begeistert über die Art und den Umfang der Funde:

      Diese neue Entdeckung ist besonders wichtig, da die Holzplattform Teil eines Standorts ist, der die Menge des in Großbritannien gefundenen bearbeiteten Holzes aus einer Zeitspanne von 5.500 Jahren verdoppelt.

      Der Standort enthält eine Fülle von Beweisen für technologische Fähigkeiten, die seit ein paar tausend Jahren nicht mehr weiterentwickelt wurden. Zum Beispiel fortgeschrittene Holzbearbeitung.“

      Die geborgenen Reste vom Grund der Nordsee befinden sich inzwischen „in einem Kühlhaus und werden feucht gehalten, damit sie stabil sind“, so das MAT. Die Hölzer sollen im „National Oceanography Centre“ in Southampton weiter untersucht und rekonstruiert werden. Immerhin handele bei dieser Entdeckung um „die intakteste mesolithische Holzkonstruktion, die jemals in Großbritannien ausgegraben wurde“.

      Als das zusammenhängendste archäologische Artefakt seiner Art ist es auch das bedeutendste. Als solches wird es vollständig konserviert, so dass es in einem Museum für alle sichtbar ausgestellt werden kann.“

      Schon jetzt sind sich die Experten sicher, dass diese Funde belegen, dass die steinzeitlichen Menschen dieser Region Kontakt mit anderen Menschen weit im Süden gehabt haben müssen. Vor 8.000 Jahren war die Isle of Wight noch keine Insel wie heute. Erst durch das Abschmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit lies den Meeresspiele nach und nach ansteigen. Um mindestens 120 Meter.

      Doggerland – das “Atlantis der Nordsee”

      Auch den Ärmelkanal gab es in der heutigen Form nicht und riesige einst trockene und bewohnte Landflächen liegen heute auf dem Grund der Nordsee.

      Diese versunkene Welt wird heute Doggerland genannt – ein Atlantis der Nordsee, von dem immer wieder Spuren und Artefakte auf dem Meeresgrund gefunden werden. Auch verschiedene Steinzeitbauten an den (heutigen) Küsten Nord- und Westeuropas, die ganz und teilweise im Meer versunken sind, zeigen eindrücklich den Anstieg des Meeresspiegels.

      Neue Untersuchungen, die 2012 von der britischen „Royal Society“ vorgestellt wurden, zeigen zudem, dass das versunken Doggerland einst wesentlich größer war als bisher angenommen wurde. Richard Bates, Geochemiker an der University von St. Andrews, und sein Team haben 15 Jahre lang nach diesen Spuren von Doggerland gefahndet. Neben Daten von Ölbohrfirmen und archäologischen Objekten vom Grund der Nordsee wurden auch Pollenproben untersucht und der Meeresboden systematisch gescannt. (mehr dazu im Video HIER)

      Vor Jahrtausenden konnte man von der heutigen Nordseeküste Deutschlands oder Dänemarks bis weit über den heutigen Norden Schottlands über trocknendes Land laufen. Selbst die Shetland Inseln waren keine Inseln sondern Teil von Doggerland.

      Die Bootswerft zeigt eindrücklich, dass in der Steinzeit vor 8.000 Jahren unserer Ahnen offensichtlich auch Seehandel trieben. Auch dann noch, als Doggerland vor 8.000 Jahren von der Nordsee verschluckt wurde, wie es zum Beispiel von Helgoland auf das Festland importierte Funde zeigen. Noch führen Handel und sogar Hochseefahrt gab es offenbar bereits vor 130.000 Jahren im östlichen Mittelmeer, wie in diesem Beitrag HIER berichtet.

      Euer Jäger des Phantastischen

      Lars A. Fischinger

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      Experten planen Grundregeln: Wie soll die Menschheit auf den ersten Kontakt mit Außerirdischen vorbereitet werden?

      Experten planen Grundregeln: Wie soll die Menschheit auf den ersten Kontakt mit Außerirdischen vorbereitet werden?
      Experten planen Grundregeln: Wie soll die Menschheit auf den ersten Kontakt mit Außerirdischen vorbereitet werden? (Bild: PixaBay/gemeinfrei)

      Der erste offizielle Kontakt mit Außerirdischen ist seit jeher ein spannendes Thema. Für Science-Fiction-Fans ebenso wie für Hollywood, Phantasten aber auch Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen. “Regelwerke”, wie man die Menschheit über den ersten Kontakt informieren sollte oder könnte, gibt es durchaus. Ob aber solche theoretischen Überlegungen realistisch sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Deshalb wollen Forscher des britischen “SETI-Forschungsnetzwerks” (UKSRN) jetzt durch eine groß angelegte Erhebung herausfinden, wie die Öffentlichkeit einen Kontakt mit Aliens sieht. Eine fraglos sinnvolle Erhebung, die trotz aller Überlegungen, Antworten und Pläne aber sehr viele Fragen offen lässt. Was die Forscher derzeit planen und warum es letztlich doch sinnlos ist, lest Ihr in diesem Beitrag.


      Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

      Der Kontakt mit Außerirdischen

      Viele UFO-Forscher und -Interessierte sowie Prä-Astronautiker oder allgemein Mystery-Fans sind so oder so überzeugt, dass Außerirdische bereits auf unserem Planeten sind. Einige sprechen immer wieder gerne davon, dass dies unlängst “bewiesen” sei. Man müsse nur “die Augen aufmachen” oder die “Beweise” prüfen.

      Diese Menschen muss niemand auf einen Kontakt mit Aliens vorbereiten. Personen, die – wie ich – von der Prä-Astronautik etc. überzeugt sind, sind in ihrem Inneren schon lange auf den Tag X des offiziellen Kontakts/Beweises vorbereitet. Dabei ist es relativ gleichgültig, ob die Außerirdischen physisch hier an der Erde ankommen, oder Astronomen nur ein entsprechendes Signal aus dem All auffangen.

      Vorbereitet sind “wir” innerhalb der grenzwissenschaftlichen Community schon lange. Zumindest glauben wir, das wir es sind.

      Anders die breite Öffentlichkeit, die alles andere als vorbereitet ist. Ein Thema und Szenario, das auf Grenzwissenschaft und Mystery Files immer wieder diskutiert wurde. Gerne sprechen einige hierbei von einem “Götterschock“. Eine Art Synonym für die Tatsache, dass die Bevölkerung auf die Nachricht eines Kontakte mit einer außerirdischen Zivilisation “schockiert” reagieren würde. Wobei anderen Menschen diese Nachricht wiederum vollkommen egal sein dürfte und sie nicht interessieren wird.

      Es ist schwer abzuschätzen, wie Menschen und die Menschheit reagiert. Meiner Meinung nach ist es sogar unmöglich! Zu viele Faktoren, Voraussetzungen und Begleitumstände spielen hierbei eine Rolle.

      Man kann die Menschheit nicht vorbereiten!

      Der Kontakt mit Außerirdischen geht der gesamten Menschheit etwas an. Von irgendwelchen Bankern in den Industrienationen, über den UFO-Interessierten in Bolivien, bis zum Buschmann in Westafrika. Vom einsam lebenden Insulanern im Indischen Ozean bis zum Großmütterchen in in einem Dorf nahe dem russischen Tomsk. Vom Alien-Freak in den USA bis zum religiösen Fanatiker in Australien.

      Wie soll man bei dieser Vielfalt unserer Menschheit eine Art von “einheitlichen Regelwerk” erstellen, welches vorgibt, wie man über ersten Kontakt zu informieren habe? Zumal schon allein die Bevölkerung eines x-beliebigen Staates in zahlreiche und zum Teil vollkommen verschiedene Gruppen unterteilt werden kann. Und innerhalb dieser Gemeinschaften “tickt” wieder jeder Mensch anders, was natürlich auch beim Alien-Thema gilt.

      Die Liste der Voraussetzungen, wie man individuell auf den ersten Kontakt reagiert, ist sicherlich endlos. Einige Beispiele sollen das deutlich machen:

      • Wo und in welcher Gesellschaft leben diese Menschen?
      • Befassen sie sich mit dem Thema Leben im All oder Aliens?
      • Glauben sie so oder so an Außerirdische oder sogar UFOs als “Alien-Phänomen”?
      • Haben sie überhaupt schon mal was von Leben im All gehört?
      • Sind sie religiös – wenn ja: wie und wie stark?
      • Welche Weltanschauungen haben sie?
      • Sind sie naturwissenschaftlich interessiert?
      • Welche Regierung bzw. Politik herrscht in ihrem Land?
      • Leben sie einfach und bescheiden “am Ende der Welt” oder “durchorganisiert” mit dem Smartphone und Massenmedien in den Industrieländern?
      • Welche “menschlichen Werte” erhielten sie während ihrer Erziehung vermittelt?
      • Welchen Bildungsgrad haben sie?

      Dazu kommt die Art des ersten Kontakte an sich.

      Ein ankommende Flotte von fremden Raumschiffen im Erdorbit, landende UFOs in aller Welt oder der Empfang eines eindeutigen Signals von Aliens mittels SETI werden unterschiedliche Reaktionen der einzelnen Menschen nach sich ziehen. Ein Angriff von Außerirdischen auf die Erde und uns Menschen sowieso. Wobei man bei einer plötzlichen Alien-Invasion oder unvorhergesehen überall sichtbar ankommenden außerirdischen Raumschiffen so oder so alle Vorbereitungspläne wegwerfen kann.

      Trotz dieser, und sicher zahlloser weiterer Bedenken oder Einwände, feilen Wissenschaftler immer wieder gerne an diversen Plänen und Regeln für den “Ernstfall”. Verkehrt ist das sicher nicht. Es ist nur überaus fragwürdig, wie die Menschen am Ende reagieren werden.

      Wissenschaftler suchen nach Plänen

      Auch wenn jüngst eine weltweite Umfrage ergeben hat, dass rund die Hälfte der Menschheit an intelligente außerirdische Zivilisationen glaubt. Was auch wieder fraglich ist, wie in diesem Beitrag HIER zu lesen ist.

      Mitglieder des SETI-Netzwerkes von Großbritannien wollen es jetzt erneut angehen. In der “wohl größte Erhebung zur Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber dem Kontakt mit Außerirdischen”, wie es beispielsweise “The Guardian” am 1. Juli schrieb. Die gewonnen Ergebnisse sollen helfen einheitliche Bestimmungen zu entwerfen.

      Weiter heiß es:

      Die gesammelten Ansichten werden ihnen dabei helfen, Pläne für ein internationales Protokoll zu entwickeln, das die Grundregeln dafür festlegt, wie Organisationen Nachrichten über erkannte Signale austauschen sollen. Welchen Sinn kann man aus ihnen ziehen? Und wie, wenn überhaupt, die Menschen antworten könnten.

      Ein physischer Kontakt wird bei dieser Erhebung aber wohl ausgeschlossen. Es geht den Experten offenbar lediglich um den Empfang einer Nachricht aus dem All. So zitiert “The Guardian” Martin Dominik, Astronom an der Universität von St. Andrews, mit den Worten:

      Im Völkerrecht ist absolut kein Verfahren festgelegt, wie auf ein Signal einer fremden Zivilisation reagiert werden soll. Wir wollen die Ansichten der Menschen hören. Die Folgen betreffen mehr Menschen als nur Wissenschaftler.

      Dass erst kürzlich, wie in diesem Video HIER auf Grenzwissenschaft und Mystery Files berichtet, dass SETI-Projekt “Breakthrough Listen” keine Spur von fremden Signalen im All gefunden hat, kommentiert der Astronom mit den Worten:

      Wenn es Dutzende von Billionen anderer Zivilisationen wie unserer gegeben hätte, die gleichmäßig in der Milchstraße verteilt sind, hätte das Projekt nichts gehört.

      Damit teilt Dominik die Ansicht der Wissenschaftler von “Breakthrough Listen”, die bekanntlich von der “Suche nach der Nadel im Heuhaufen” sprechen.

      Angst vor Alien-Fake-News in Sozialen Netzwerken

      Auch wenn das Völkerrecht “absolut kein Verfahren” kennt, “wie auf ein Signal einer fremden Zivilisation reagiert werden soll”, zerbrechen sich SETI-Forscher darüber schon seit Jahrzehnten den Kopf. Immerhin besteht theoretisch die Möglichkeit, dass schon heute ein Signal empfangen wird. Was man dann der Bevölkerung sagt, und wie man zuvor das Signal als von Aliens stammend verifiziert, darüber dachte man schon vor 50 Jahren nach.

      Dr. John Elliott, Nachrichtentechniker an der Leeds Beckett University, gab dem “Guardian” gegenüber an, dass “jedes echte Alien-Signal sofort bekannt geben” würde. Damit möchte man auch Fake-News in unserer digitalen Welt zuvorkommen:

      Aber in einer Ära der sozialen Medien würde dies eine Flut gefälschter Nachrichten und Verschwörungstheorien auslösen, die die Menschen über die Wahrheit völlig verwirrt.

      Dr. John Elliott weiter:

      Es wird einige Zeit dauern, bis wir das Signal verstanden haben. Und wenn sich diese Arbeit in die Länge zieht und wir nichts Neues sagen können, wird das Informationsvakuum mit Spekulationen gefüllt. Vermutungen und Gerüchte werden die Oberhand gewinnen.”

      Das diese Bedenken nicht aus der Luft gegriffen sind, weiß jeder der im Netz unterwegs ist. Gerade und vor allem auch was Mutmaßungen über Aliens & Co. angeht. Irgendwelche Regelungen und Vorkehrungen, die SETI-Astronomen vor Jahrzehnten ersonnen haben, greifen in dieser Hinsicht schon lange nicht mehr. Deshalb soll die Umfrage “Wissenschaftlern dabei helfen, herauszufinden, wie sie am besten zuverlässige Informationen liefern können”. Allerdings auch, wie die Menschheit als Ganzes darauf reagieren soll oder würde …

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      Gerade der letzte Punkt bietet jedoch enormes Potential für Konflikte. Kaum vorstellbar, dass Milliarden Menschen geschlossen damit einverstanden sind, wenn wir den Außerirdischen antworten. Ganz zu schweigen von der Frage wer oder welche Gruppe diese Antwort entwirft und was diese beinhalten soll.

      Im Namen der Menschheit

      Martin Dominik sagt vollkommen treffend:

      Es ist sinnvoll, einen rechtsverbindlichen Rahmen zu schaffen, der im Völkerrecht verankert ist. Ich bin völlig zufrieden damit, das Ganze über die Ebene von Wissenschaftlern zu heben. Wenn es öffentliche Konsequenzen gibt, wenn Nachrichten beantwortet und versendet werden, ist dies eine politische Entscheidung und keine Entscheidung, die von Wissenschaftlern getroffen werden muss.

      Angenommen die Vereinten Nationen erarbeiten eine Strategie für den ersten Kontakt mit Aliens. Ein Papier, in dem auch klar geregelt wird, was wir diesen Außerirdischen antworten werden (oder eben nicht). Dann haben wir “im Völkerrecht” zwar ein Verfahren festgelegt, was aber längst nicht bedeutet, dass bei einem derart gravierenden Schritt alle damit einverstanden sind.

      Hier wird sich die ein oder andere Gruppe übergangen fühlen, da deren gewünschte Botschaft an ET unberücksichtigt blieb. Eine andere Gruppe oder ein anders Land ist prinzipiell erst gar nicht damit einverstanden, dass wir überhaupt antworten. Wieder andere Menschen interessiert es einfach erst gar nicht, während andere lieber selber Antworten an die Außerirdischen senden wollen. So ist es auch fraglich, ob und in wieweit die Resultate der Umfrage des britischen SETI-Forschungsnetzwerks nützlich sein werden.

      Jede Gruppe, jede Gesellschaft, jeden Menschen, jede Religion, jede Regierung werden sie wohl kaum befragen.

      “Im Namen der Menschheit” wird man ganz einfach nicht reagieren können. Auch wenn es vermutlich dem Großteil unserer Spezies ganz einfach egal sein wird. Nur sollten sich Wissenschaft und Politik sowie auch die Bevölkerungen und Religionen weltweit und überall immer wieder darüber Gedanken machen. Der einfachste Weg wäre wohl der, dass die Außerirdischen einfach herkommen und landen. Zumindest für all jene, die Regeln für eine entsprechende öffentliche Informationspolitik erarbeiten wollen. Überhaupt nichts tun, ist aber auch der falsche Weg.

      Was denkst DU darüber? Diskutiere gerne bei Facebook mit.

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      YouTube-Video vom 4. Feb. 2019 auf Grenzwissenschaft & Mystery Files

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      “Wir müssen auch im Weltraum wachsam sein!”: NATO will sich für einen Krieg im Weltraum rüsten

      "Wir müssen auch im Weltraum wachsam sein!": NATO will sich für einen Krieg im Weltraum rüsten
      “Wir müssen auch im Weltraum wachsam sein!”: NATO will sich für einen Krieg im Weltraum rüsten (Bilder: WikiCommons/gemeinfrei)

      Es klingt wie Science-Fiction, was diese Woche die NATO beschlossen hat: Das Militärbündnis will noch in diesem Jahr den Weltraum zu einem eigenen Gebiet für militärische Operationen erklären. Das hieße, dass nach Luft, See, Boden und dem Cyberraum auch das All zu einem potentiellen Kriegsgebiet für den Verteidigungsfall würde. Mehr denn je sei man auf Technologien im Weltraum angewiesen, hieß es von der NATO. Und diese sind angreifbar und können im Fall der Fälle das Bündnis handlungsunfähig machen. Alles zu den kommenden Plänen und Beschlüssen der NATO, und was für Gefahren im “Kriegsgebiet Weltraum” lauern, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


      Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

      Krieg im Weltraum und “Star Wars”

      Heute sind wir mehr denn je auf Technologien im Weltraum angewiesen. Unsere Informations- und vor allem Kommunikationsgesellschaft sowie der Alltag allgemein kommen ohne Satelliten & Co. im All längst nicht mehr aus. Ein Angriff auf diese Satelliten oder sogar Waffensysteme im Erdorbit würden nicht nur die Gesellschaft lahm legen. Er würde auch einzelne Staaten oder sogar die NATO an sich geradezu vernichtend schlagen.

      Ein Krieg dieser Art würde nicht Wochen oder Monate dauern, sondern wäre im Ernstfall an nur einem Tag und nach einem Angriff bereits vorbei. Dabei würde man vielleicht sogar nicht einmal wissen, woher und von wem dieser Angriff gekommen wäre. Da sind sich die Militärexperten einig.

      In den Tagen des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan sah dieser Krieg im Weltraum noch anders aus. Er rief während des Kalten Krieges 1983 die “Strategic Defense Initiative” (SDI) ins Leben, mit der ein Abwehrschirm im All von den USA aufgebaut werden sollte. Mit dieser Initiative wollten die USA Atomraketen der UdSSR im Falle eines atomaren Angriffs abwehren. Angedacht waren verschiedene Waffensysteme, die unter anderem auf “Kampf-Satelliten” im All stationiert werden sollten. Darunter auch verschiedene Raketen und Laser.

      Kein Wunder, dass SDI in der Öffentlichkeit in Anlehnung an die Science-Fiction-Filme den Namen “Star Wars” bekam. Und auch die Waffensysteme, die die USA unter Reagen für den Weltraum entwickeln wollte, trugen dramatische Bezeichnungen. Etwa “Project Jedi”, “Super Excalibur”, “Project Excalibur” oder auch “Excalibur Plus”. Obwohl fast rund 30 Milliarden US-Dollar bis 1988 in SDI investiert wurden, gilt Reagens “Star Wars” unter Kritikern als gescheitert. Auch die Wiederaufnahmen des Programms unter einem anderen Nahmen durch die US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush jr. änderte daran nichts.

      Die NATO will sich vorbereiten

      Im Kalten Krieg war mit der Idee von SDI der Krieg im Weltraum mit einem klaren und vor allem symmetrischen Kriegs- oder Verteidigungsfall definiert. Es galt Interkontinentalraketen der Sowjetunion auf ihren Weg in die USA schon im Erdorbit zu zerstören.  Heute ist das Feinbild nicht mehr so scharf umrissen, so dass unlängst von asymmetrischen Kriegen gesprochen wird. Dies war einer der Gründe, warum die NATO vor wenigen Jahren das Internet bzw. den Cyberraum zu einem (militärischen) Operationsgebiet erklärte.

      Angriffe durch Hacker auf technische Anlagen von NATO-Staaten sind eine reale und alltägliche Bedrohung. “Schurken” und “Schurkenstaaten” sind jederzeit in der Lage solche Angriffe durchzuführen. Jetzt jedoch sieht die NATO genau diese Bedrohung auch für technische Anlagen, die sich außerhalb der Erde befinden. Hacker-Angriffe auf Kommunikations-Satelliten oder militärische Satelliten würden im schlimmsten Fall die NATO blind und handlungsunfähig. Ohne eine funktionierende Navigation und Kommunikation wäre das Bündnis kaum zu einem Gegenschlag fähig.

      Sofern man weiß, wer einen da genau angegriffen hat.

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      Deshalb soll bereits auf der NATO-Konferenz im Dezember in London der Weltraum als neues Operationsgebiet erklärt werden. Bei dem derzeitigen Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel sollen vorerst nur allgemeine Strategien und grundsätzliche Überlegungen zu diesem “Verteidigungsfall Weltraum-Angriff” beraten und beschlossen werden. Ein solcher Beschluss hätte aber weitreichende Konsequenzen.

      So wäre ein Angriff auf militärische oder auch zivile Satelliten eines Mitgliedstaates der NATO ein sogenannter “Bündnisfall” nach dem NATO-Vertrag. Die Folgen wären ein Krieg oder militärische Einsätze ganz physisch hier auf der Erde. Es wäre ein “Verteidigungsfall”, die einen Gegenschlag hervorrufen würde. Prinzipiell dasselbe, als würde ein NATO-Staat konventionell durch einen Angriff von Bodentruppen oder Luftangriffe attackiert.

      Kampf-Satelliten und Weltraum-Hacker

      Die denkbaren Szenarien eines solchen Krieg im Weltraum sind vielschichtig. Anti-Satelliten-Waffen im All gehören ebenso dazu, wie Hacker-Angriffe auf Satelliten. Solche Angriffe müssen dabei die Technologie nicht einmal physisch im All zerstören., Es reicht aus, wenn Hacker sie ganz einfach vollständig lahm legen, deren Funkübertragungen stören oder die Kontrolle übernehmen. Mikrowellen, Laser und elektromagnetische Angriffe sind hierbei denkbar.

      Allerdings hat China schon 2007 gezeigt, dass es in der Lage ist, mittels Raketen Satelliten im Weltraum abzuschießen. Zur Demonstration schoss China einen alten Wettersatelliten vom Himmel, der in 860 Kilometern Entfernung die Erde umrundete. Und derzeit kreisen über 2.000 Satelliten um unseren Planeten, von denen bis zu einem Drittel militärische Technologien sein dürfen. Auch wenn der USA mit mehr als 850 Satelliten derzeit den Löwenanteil im All stationiert haben, dürften andere Staaten schnell aufholen. Hier werden vor allem China und Russland genannt.

      China ist im All enorm auf dem Vormarsch, denn die Volksrepublik besitzt bereits fast 300 Satelliten. Länder wie Israel, Japan, Italien, Großbritannien, Nordkorea, Iran, Indien oder Frankreich sind beim Run ins All ebenso mit dabei. Welche möglichen Gefahren sich hier in Zukunft lauern könnten, weiß niemand wirklich zu sagen. Allein die Zerstörung von Satelliten durch elektromagnetische Wellen oder einem irdischen Hacker-Angriff könnten einem Staat Milliardenkosten verursachen.

      Für solche Fälle will sich die NATO vorbereiten. Auch wenn von einer Stationierung von bewaffneten Satelliten im Orbit bisher keine Rede ist. Wobei man allerdings sagen muss, dass niemand weiß, ob es solche Techniken im Geheimen nicht längst im All gibt. Wenn das Weltall von der NATO zum militärischen Operationsgebiet erklärt wird, wirkt sich das auch auf das Finanzbudget der Militärs aus. Auf diese Weise hätten sie mehr Ressourcen und Finanzmittel für das “Kriegsgebiet Weltraum” zur Verfügung.

      Verschiedene Medien zitieren derzeit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg dazu mit den Worten:

      Es ist wichtig, dass wir auch im Weltraum wachsam sind!

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