Fliegende Scheibe über Costa Rica 1971: Das Problem mit UFO-Bildern und die spannenden Hintergründe des angeblich besten UFO-Foto aller Zeiten

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Fliegende Scheibe über Costa Rica 1971 (Ausschnitt): Das beste UFO-Foto? (Bild: Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica / uapmedia.uk)
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Fliegende Scheibe über Costa Rica 1971 (Ausschnitt): Das beste UFO-Foto? (Bild: Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica / uapmedia.uk)

Ein rund 50 Jahre altes UFO-Foto sorgt derzeit wieder für Schlagzeilen. Aufgenommen wurde es durch Zufall in Costa Rica 1971 aus einem Flugzeug heraus durch eine automatische Kamera. Jetzt wurde von einem Negativ dieser Aufnahme ein hochauflösender Scan angefertigt, der das Foto wieder in den Fokus des Interesses rückt. Und tatsächlich hebt sich dieses Bild von vielen anderen UFO-Fotos der Vergangenheit ab und hat eine überaus spannende Historie vorzuweisen. Dies betrifft den Umstand der Entstehung ebenso, wie die bisher erfolgten Untersuchungen und einen späteren Vorfall am Ort der Aufnahme, der kaum beachtet wurde. Denn UFO-Fotos sind und waren immer ein Problem, weshalb an dieser Stelle einmal genauer dahinter geschaut werden soll.


Streitfall UFO-Fotos

In den vergangenen Jahrzehnten tauchten immer wieder gestochen scharfe Fotos von UFOs oder unbekannten Objekten am Himmel auf. Viele skeptische UFO-Forscher waren und sind angesichts solcher Aufnahmen immer sehr schnell hellhörig. Der Verdachte auf eine Fälschung liegt sehr schnell auf der Hand. Und das sicherlich aus sehr gutem Grund – wenn man auf die Vergangenheit der UFO-Forschung schaut.

Immer wieder war höchste Aufmerksamkeit geboten, wenn privat jemand „rein zufällig“ plötzlich mit einem UFO-Foto daherkam. Nicht minder auch dann, wenn bestimmte esoterische UFO-Gruppen die UFO-Gemeinde mit erstaunlichen „Bildern von außerirdischen Raumschiffen“ geradezu überfluteten. Etwa die UFO-Sekte FIGU um ihren Anführer Billy Meier aus der Schweiz.

Zweifel bekamen UFO-Ermittler auch sehr schnell, wenn ganz normale Menschen plötzlich mit ganzen Serien von UFO-Fotos aufwarten konnten. Umso mehr dann, wenn diese verblüffenden Bilder über eine längere Zeit immer wieder angefertigt wurden, da die entsprechenden Zeugen vorgaben, sie wären von den fremden Flugobjekten immer wieder besucht worden. So geschehen im schon legendären Fall von Ed und Frances Walters aus dem Örtchen Gulf Breeze in Florida in den USA während der dortigen UFO-Welle ab 1987. Dort folgte ein gewaltiger Ansturm an UFO-Forschern und Schaulustigen, der bis heute beispiellos ist.

Bis heute diskutiert die UFO-Forschung diese UFO-Welle immer mal wieder und hier vor allem die Vielzahl von Walters fraglos beeindruckenden Fotografien. Einst galten sie als die besten UFO-Bilder der Welt – oder als die besten Fakes. Und selbst Außerirdische habe er bei diesen angeblichen Erlebnissen selber gesehen, wie in diesem Mystery Files-Video HIER 2014 berichtet.

Was aber macht ein „gutes UFO-Foto“ letztlich aus? Und gibt es wirklich das „beste UFO-Foto der Welt“? Immerhin hat schon der CIA 1960 seinen Mitarbeitern in einem Papier erläutert, was sie bei einer UFO-Begegnung zu tun haben, um gute Fotos zu schießen. Ein durchaus erstaunliches Dokument, wie HIER berichtet.

UFO-Bilder einst und heute

So wurde beispielsweise im Sommer 2015 ein Handy-UFO-Foto als „das beste UFO-Foto aller Zeiten“ in den Medien bezeichnet, das ein 11järiger Junger in Kampur in Indien schoss. Es war eine Aufnahme, die in 2 Sekunden mittels Handy-Applikation hätte gefertigt werden können, wie damals in diesem Mystery Files-Video HIER berichtet.

Der Nachteil solcher Bilder (oder auch Videos) mit einem Smartphone liegt für interessierte UFO-Forscher auf der Hand: Solche Aufnahmen liegen ausnahmslos nur digital vor. Physisch greifbare Negative gibt es heutzutage praktisch nicht mehr (mehr dazu auch HIER). Doch gerade solche real belichteten Fotos sind in vielen Fällen schwerer zu faken. Digital kann man leicht etwas einfügen (und es auch nachweisen!) oder es kommt zu digitalen Störungen bei der Aufnahme, die dann für ein UFO gehalten werden.

Bei echten, also nicht digitalen Fotos, muss man schon etwas vor die Linse hängen oder werfen oder es sonst wie mit abfotografieren, damit es auch auf dem Negativ sichtbar wird. „Notfalls“ geht auch eine Doppelbelichtung.

Wobei in allen Fällen natürlich ein Irrtum nie ausgeschlossen werden kann. Klassisch ist hier das Beispiel eines nahe am Objektiv vorbei sausenden Insektes oder eines mit abgelichteten Vogels im Flug. Letzteres wurde sogar schon von jemanden als „UFO“ im Hintergrund eines meiner Mystery Files-Videos entdeckt. In Wahrheit waren es Möwen über dem Meer vor Sylt.

Von daher sollte es den Laien nicht wundern, dass auch ältere Fotos von Unbekannten Flugobjekten immer mal wieder in der UFO-Forschung neu diskutiert werden. Ähnlich wie in der „etablierten Wissenschaft“ kommt es oft vor, dass mit neuen Fragen, Ideen und Techniken an alte oder sogar sehr alte Themen neu herangegangen wird. Für die UFO-Forschung gilt das ebenso, wie für andere Bereiche der sogenannten „Grenzwissenschaft“. Im Besonderen übrigens für die Prä-Astronautik.

Costa Rica 1971: Das „überzeugendste UFO-Foto aller Zeiten“

Und durch die oben zusammengefasste, grundlegende Problematik bei UFO-Fotos sollte das auch verständlich sein. Bildanalyseverfahren waren beispielsweise 1960 ganz andere als heute.

Deshalb wird aktuell in der Medienlandschaft und vor allem unter UFO-Interessierten ein Foto diskutiert, dass erneut als „bestes“ oder „überzeugendstes UFO-Foto aller Zeiten“ oder ähnlich gehandelt wird. Obwohl es bereits im Jahr 1971 aufgenommen und in der Vergangenheit mehrfach analysiert wurde. Und zwar entstand es am 4. September über Costa Rica in Mittelamerika aus einem Flugzeug heraus, dass eine automatische Kamera mit an Bord hatte. Deutlich sieht man eine klassische Fliegende Untertasse auf dem beeindruckenden Foto. Dazu aber gleich mehr.

Folglich hat das Bild in der UFO-Forschung bereits eine lange Geschichte hinter sich. Hier ist vor allem der bekannte UFO-Forscher Dr. Jacques Vallée zu nennen, der beispielsweise schon 1990 in seinem Buch „Konfrontationen“ ausführlich über diese Foto aus Costa Rica berichtete. Vallée hielt dieses Foto schon damals für „authentisch“, wie er schreibt. Leider versäumt er es das Bild auch in seinem Buch abzudrucken (zumindest in der deutschen Ausgabe ist es nicht zu finden).

Der deutsche UFO-Forscher Illobrand von Ludwiger holte dies in seinem Standartwerk „Der Stand der UFO-Forschung“ 1992 jedoch nach. Er zeigte darin auf Fotopapier in sehr guter Qualität neben dem besagten UFO-Bild zusätzlich noch eine Ausschnittsvergößerung des „physikalisch realen Gegenstandes“, so Ludwiger.

Erste Analysen

Bereits 1989 veröffentlichte Vallée zusammen mit Dr. Richard F. Haines im „Journal of Scientific Exploration“ (Vol. 3, No. 2, 1989) einen Untersuchungsbericht des Fotos und den Umständen seiner Herkunft und Entstehung. Ihrem umfangreichen Bericht „Fotoanalyse einer Luftscheibe über Costa Rica“ folgte ein Jahr später ein weiter mit „Neuen Beweisen“ im „Journal of Scientific Exploration“ (Vol. 4, No. 1, 1990).

Haines und Vallée kommen in diesen Arbeiten zu dem eindeutigen Ergebnis, dass 1971 ein mehr als ungewöhnliches UFO-Foto durch reinen Zufall entstand, deren Geschichte lückenlos nachweisbar sei. Ihre Untersuchungen begannen schon in den Jahren zuvor und schon 1985 suchte Vallée in Costa Rica die „Zeugen“ selber auf, um mehr zu erfahren und Kopien der Negative der Fotos zu bekommen. Zeugen steht deshalb in Anführungszeichen, da niemand die fliegende Scheibe selber mit eigenen Augen sah. Und gerade diese Tatsache macht die Aufnahme mit der klar erkennbaren Scheibe so besonders.

Sie entstand während eines während eines Fluges über dem See Cote in Costa Rica mit einer automatischen Kamera. Der mehr oder weniger staatliche Auftrag bestand darin, aus dem kleinen Flugzeug heraus das Gebiet für geplante Baumaßnahmen zu fotografieren. Deshalb war unter der Maschine eine (damalige) High-Tech-Kamera vom Typ „R-M-K 15/23“ installiert, die alle 20 Sekunden ein Foto von der Oberfläche schoss. Finanziert sei sie einigen Angaben nach von Deutschland gewesen.

Sämtliche technische Daten waren somit von der Kamera ebenso bekannt, wie von dessen Einstellungen und dem genutzten Film.

Frame 300

Jacques Vallée beziehungsweise Haines und Vallée nennen in ihren Publikationen zum Beispiel eine Belichtungszeit von 1/500 Sekunde, eine Blende von 5.6, den Film Kodak Typ 3665, auf dem die Negative in 23 x 23 Zentimeter gedruckt wurden, den Frame-Zähler (909) und viele weitere Daten. Aufgenommen sei das Bild aus 10.000 Fuß Höhe über dem See, von dem sich das Objekt deutlich abzeichnet. Das „Ding“ selber ist auf den Bild 4,2 Millimeter große und das Foto lichtete ein Gebiet von 11,5 x 11,5 Kilometer Größe ab. Der Stand der Sonne wurde ebenso beachtet, da auf dem Objekt offenbar Reflexionen zu erkennen sind.

Ebenfalls ist bekannt, wer sich an Bord der Maschine im staatlichen Auftrag des „Nationalen Geographischen Institut“ („Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica“) befand. Insgesamt waren es mit dem Piloten 4 Personen. Unter ihnen war Sergio L. V. (= Sergio Loaiza), ein Spezialist für Luftbildfotografie, der für die Technik verantwortlich war. Natürlich waren daneben Ort und Zeit (8.25 Uhr) exakt dokumentiert.

Auf den Bildern 299 und 301 ist nichts von einem UFO zu sehen (Bild: Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica / uapmedia.uk)
Bilder 299 und 301 der Serie zeigen kein UFO (Bild: Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica / uapmedia.uk)

Leider wurde die metallisch schimmernde Fliegende Untertasse nur einmal fotografiert. Der Bildzähler („Frame“) weist für diese Aufnahme die Nummer 300 auf. Auf Nummer 299 und 301, also 20 Sekunden davor und danach, ist indes nichts von einem Objekt über den See zu sehen.

Schon im Jahr 1980 bekam Ricardo Vilchez aus San José Kopien der Negative und vor allem des Bildes Nummer 300 mit dem UFO. Er ist auch die Bildquelle der Fotos in dem oben genannten Buch von Illobrand von Ludwiger. In der Folge kam es zu einer ganzen Reihe Untersuchungen des Bildes. So schrieb schon 1990 Vallée in „Konfrontationen“ zum Beispiel folgendes:

Das Labor in Costa Rica, das die Fotos entwickelte, schätze den Durchmesser des Objektes auf einhundertsiebzig Meter.“

170 Meter Durchmesser?

Mit 170 Meter Durchmesser wäre das UFO riesig. Doch schon Vallée merkte an, dass andere das Objekt auf „nur“ 40 Meter Größe schätzten. Er erwähnt auch eine vierte Analyse vom Dezember 1987, die schon damals von Haines durchgeführt wurde. Nach dieser wurde hier klar ein „dreidimensionales Objekt“ fotografiert. „Die 4,2 mm Länge auf dem Bild entspricht einem Objekt von 210 m Länge oder 683 Fuß“, schrieben Vallée und Haines 1989 in „Journal of Scientific Exploration“.

Dann wurde es still um diese Bild, dass grundsätzlich weiterhin Eigentum des „Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica ist. Bis am 10. Mai 2021 „The New Yorker“ einen umfangreichen Bericht darüber brachte „wie das Pentagon begann, UFOs ernst zu nehmen“ und damit „das Tabu überwunden“ habe. In diesem wird ein Besuch bei Leslie Kean in New York geschildert, die in der UFO-Forschung schon seit vielen Jahren ein fester Begriff ist. Dort heißt es:

„An der Wand hinter ihrem Schreibtisch (hängt) ein gerahmtes Schwarzweißbild (…), das wie das Ultraschallbild einer Frisbee aussieht. Das Foto wurde ihr zusammen mit einer Dokumentation über die Aufbewahrungskette von Kontakten in der costaricanischen Regierung übergeben; ihrer Einschätzung nach ist es das beste Bild eines UFOs, das je veröffentlicht wurde.“

Als Herausgeberin eines viel beachteten Buches, in dem „Generäle, Piloten und Regierungsvertreter“ zum Thema UFOs „ihr Schweigen“ brechen, kannte Kean besagtes Foto schon lange. Auch in ihrem Buch ist es zu sehen. Doch durch den Bericht im „New Yorker“ vor ziemlich genau einem Jahr rückte die Aufnahme wieder in den Fokus. Und inzwischen haben in den letzten Tagen zahllose News-Seiten und Medien es aufgegriffen. Vor allen seit dem 8. und 9. Mai boomt das Thema des „besten UFO-Fotos aller Zeiten“ in den Boulevardmedien.

Hochauflösender Scan

Die Gruppe „UAP Media UK“ wurde nach diesem Bericht nämlich auf das Bild aufmerksam und konnte von Esteban Carranza in Costa Rica eine Kopie davon bekommen. Carranza ist im Besitz eines „über 40 Jahre altes 8×10-Negativ“ des UFO-Fotos von 1971, das über seinen Onkel direkt vom „Instituto Geográfico Nacional de Costa Ricastammen soll.

Carranza selber fuhr mit dieser Kopie des Negativ zu Sergio Loaiza, dessen Kamera das Bild damals automatisch schoss. Loaiza ist sicher, dass es um 1975 vom Original-Negativ angefertigt wurde. „Denn als das Negativ in den 80er Jahren berühmt wurde, wies es bereits viele Kratzer auf, die auf seine Bearbeitung zurückzuführen waren“, wie „UAP Media UK“ unter Berufung auf Loaiza schreibt. Und deshalb zeigte er sich auch „ziemlich begeistert“, dass dieses Bildmaterial nun aufgetaucht sei.

Fliegende Scheibe über Costa Rica 1971 - Bild 3
Aus den Untersuchungsberichten von Vallée und Haines 1989 & 1990 (Bilder: Vallée/Haines)

Carranza wiederum nahm das Negativ und schickte es in das Fotolabor „Michael Strickland Photography“ in Kansas in den USA. Hier ließ er mit einem „Tango-Trommelscanner“ einen hochauflösen Scan des Bildes anfertigen, dass letztlich „UAP Media UK“ online stellte. In einer sehr komprimierten Form allerdings, da nach deren Angaben der Spezial-Scan 1,7 GB groß sei. Für ein einzelnes Bild ist das wahrlich gigantisch! Zu diesem Scan schreibt die Gruppe in ihrer Veröffentlichung vom 6. Mai:

Ein Trommelscanner funktioniert im Wesentlichen wie eine Präzisions-Digitalkamera, mit der reflektierende und transparente Materialien mit extrem hoher Auflösung gescannt werden können. Er nimmt das Bild mit analogem Licht auf, wobei er in jedem Farbkanal so viele Details wie möglich erzeugt, und wandelt es dann in eine digitale Datei um.

Ein außergewöhnliches UFO-Foto

Kean zeigte sich nach dem erfolgten Scan ebenfalls begeistert und wird mit folgenden Worten zitiert:

Dieses Foto eines UFOs ist vielleicht das außergewöhnlichste, das jemals von Regierungsbeamten veröffentlicht wurde. Wir haben keine Ahnung, welche vergleichbaren oder noch besseren Bilder in geheimen Akten des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten versteckt sind. Ich bin der Regierung von Costa Rica für ihre Transparenz dankbar. Ich bin auch Esteban dankbar für seine Bemühungen, die bestmögliche Wiedergabe dieses historischen Fotos zu erhalten.“

Auch der „Costa Rica Star“ berichtete über die Foto und schreibt unter anderem:

Der Fotograf Loaiza sagte, dass ihm und seinen Kollegen nach der Entwicklung der Fotos und der Erörterung des Objekts, das auf diesem einen Bild zu sehen war, untersagt wurde, Informationen über das weiterzugeben, was die Wissenschaftler des ICE-Lake Arenal-Projekts für ein UFO hielten.“

Dennoch sei es erstmals 1979 in die Hände der Organisation „Ground Saucer Watch (GSW), die solche Fälle analysiert“, in den USA gekommen. „Es ist eine der überzeugendsten wissenschaftlichen Bestätigungen dafür, dass UFOs real sind“, wird der UFO-Forscher Oscar Sierra aus Costa Rica zitiert. Sehr genau scheint der „Costa Rica Star“ allerdings nicht bei seinen Angaben zu sein, da zum Beispiel auch angeben wurde, dass die Kamera alle 13 Sekunden ein Bild machte. Alle anderen Quellen sprechen ausnahmslos von 20 Sekunden.

Fake oder Fehler?

RTL in Deutschland brachte heute (9. Mai) in deren Online-News ebenso eine Meldung über das UFO-Foto. Anders als viele Boulevardmedien – vor allem aus Großbritannien – nennt RTL aber auch angebliche Erklärungen für das UFO auf dem Bild:

Doch es gibt auch andere Erklärungen dafür, worum es sich bei der ‚Untertasse‘ tatsächlich handeln könnte. Diese reichten von einer zufälligen Reflexion auf der Kameralinse, Doppelbelichtung bis hin zu einer einfachen Fälschung.“

Nichts davon sei bisher belegt, betonten schon UFO-Forscher wie Vallée vor 30 Jahren. Ob der neue und hochauflösende Scan eine Erklärung liefern wird, bleibt zu bezweifeln. Jedoch lassen sich fraglos durch diese Technik weit mehr Details dem Bild entnehmen, als es noch bei den Analysen von Vallée und Haines der Fall war.

Weit weniger bekannt dürfte sein, dass es Jahre nach Entstehung des Fotos laut Zeugen am Cote See zu einer außergewöhnlichen UFO-Sichtung kam. Diese hatten schon Haines und Vallée in ihrer Analyse in „Journal of Scientific Exploration“ 1989 diskutiert. Vallée hatte den Fall vom 25. Oktober 1986 gegen 9 Uhr morgens in seinem Buch „Konfrontationen“ ein Jahr später praktisch identisch erneut aufgegriffen.

Ein zweites Objekt im See?

Demnach gaben vor Ort die beiden Zeugen Joaquin U. A. Ronald-Alberto L. A. zwei Wochen nach dem Vorfall gegenüber Carlos und Ricardo Vilchez an, dass sie zuerst in rund 550 Metern Entfernung „drei oder vier Zylinder, die, Pfählen ähnlich, im Abstand von einem Meter jeweils einen Meter aus dem stillen, spiegelglatten Wasser ragten“, so Vallée. Als die beiden näher kamen, erkannten sie, dass die „Zylinder“ grau oder kaffeefarben waren und konnten sie so einige Minuten aus dem Wasser ragend sehen. Bis sie plötzlich verschwanden:

Nach 5 oder 10 Minuten lösten sich diese Objekte auf, die auftauchenden Teile kippten wieder zusammen, als ob sie an einer einzigen untergetauchten Struktur befestigt wären, und das ganze Objekt verschwand mit erheblichem Aufruhr und Wellen wieder im See.“

Fliegende Scheibe über Costa Rica 1971 - Bild 4
Zeugen-Skizzen der angeblichen Sichtung 1986, wie sie Vallée und Haines 1990 veröffentlichten.

So schilderten es Haines und Vallée 1989, die damals auch zwei entsprechende Skizzen der Zeugen veröffentlichten. Nach den beiden Zeugen sahen sie also kein UFO am Himmel, sondern ein USO – ein „Unbekanntes Unterwasserobjekt“, die der UFO-Forschung ebenfalls nicht fremd sind. Auch wenn sie meistens in den Meeren und Ozeanen gesichtet worden sein sollen, nicht in einem See.

Irgendwelche Beweise, wie etwa Fotos und weitere Zeugen, gab es für diesen USO-Fall von 1986 leider nicht. Ob die Zeugen nur Trittbrettfahrer waren und ihre Sichtung erfanden?

Bis zu 3.199 Stundenkilometer schnell!

Die Geschichte mit dem UFO-Foto von 1971 ist keine UFO-Sichtung im eigentlichen Sinn. Das Objekt hat niemand gesehen. Das Bild von der Scheibe entstand unbemerkt und wurde erst nach der Auswertung der gesamten Fotos entdeckt. So etwas gab und gibt es immer wieder bei Amateuraufnahmen, die später dann „etwas“ auf ihren Fotos finden. Erneut sei hierzu auf den Klassiker eines Insektes verwiesen, dass während der Auslösung vor der Linse her flog.

Da 1971 die belichteten Bilder vor und nach dem eigentlichen UFO-Foto das Objekt nicht zeigten, muss es sehr schnell gewesen sein. Im „Journal of Scientific Exploration“ machten sich Vallée und Haines in ihrem zweiten Bericht von 1990 deshalb auch über die mögliche Geschwindigkeit des Objektes Gedanken.

Da die Flugrichtung auf einem Einzelbild nicht ermittelt werden kann, nahmen sie verschiedene Strecken an, in welche Richtung die Scheibe verschwunden sein könnte, als sie 20 Sekunden später auf dem Folgebild nicht mehr zu sehen war. Im Ergebnis kamen sie auf unglaubliche 3.199 Stundenkilometer (1.988 Meilen pro Stunde). Und wäre es in eine andere Richtung gerast, „so hätte es mindestens 1.425 Meilen pro Stunde zurücklegen müssen“, wie sie schreiben. Also rund 2.293 Stundenkilometer.

Das wäre grob und großzügig als Mittel angenommen doppelte Schallgeschwindigkeit (= 1234,8 Stundenkilometer). Und damit fern jeder Technologie, die damals wie heute von einem solchen runden Objekt bekannt wäre.

Ein UFO-Foto, das ganz anders ist

All die hier nur zusammengefassten und ausgesuchten Einzelheiten machen das „Foto Nr. 300“ so spannend und durchaus zu einem der besten UFO-Bilder, die es gibt. Die lückenlose Historie und die Herkunft beziehungsweise Zufalls-Entstehung im offiziellen Auftrag des Fotos machen den Fall auch Jahrzehnte später interessant. Demnach ist es quasi „ganz anders“ als all jene Aufnahmen, die einleitend erläutert wurden.

Es bleibt nun zu hoffen, das anhand der neuen Digitalisierung neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Oder, dass das einzige Original vom „Instituto Geográfico Nacional de Costa Rica“ oder dem Nationalarchiv von Costa Rica für Untersuchungen zur Verfügung gestellt wird. Und sei es auch noch so zerkratzt, wie es Loaiza erwähnte.

Abschließend sei noch erwähnt, dass praktisch niemand behauptet hat, dass hier 1971 Außerirdische in ihrem Raumschiff über den See in Costa Rica rasten …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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