So klingt die Anderswelt: Rätselhafte „Musik“, Vorkommnisse und Erscheinungen fremder Wesen in der Sagenwelt (+ Videos)

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So klingt die Anderswelt: Rätselhafte "Musik", Vorkommnisse und Erscheinungen fremder Wesen in der Sagenwelt (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)
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So klingt die Anderswelt: Rätselhafte „Musik“, Vorkommnisse und Erscheinungen fremder Wesen in der Sagenwelt (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)

Mythologien, Sagen und uralte Erzählungen weltweit sprechen immer wieder von fremden Wesen, denen Menschen begegnet sein sollen. Kreaturen mit den unterschiedlichsten Namen, die aus einer anderen Welt stammen. Einer Anderswelt, die mehr oder weniger parallel neben der unseren existiert. Viele Elemente dieser Berichte unterscheiden sich oftmals im Detail. Viele sind aber auch immer wieder sehr ähnlich bis gleich zu finden. So wie die Behauptung, dass teilweise diese Wesen mit einer angeblichen „Musik“ erschienen oder diese sie begleitete. Ein mehr als kurioser Aspekt solcher Sagen. Hier lohnt sich ein genauerer (aber sicher nicht erschöpfender) Blick auf solche Berichte.


Die Anderswelt und ihre Bewohner

In weiten Teilen Europas findet sich in der Welt der Sagen, Legenden und Mythen immer wieder ein sonderbares Detail im Zusammenhang mit der sogenannten Anderswelt: Fremde Wesen oder Erscheinungen sollen nicht nur arglose Menschen entführt haben, sondern dabei sollen auch mehr oder weniger paranormale Randerscheiungen zu beobachten gewesen sein. Zum Beispiel Zeitreisen, Entführungen oder Flugeisen zu anderen Orten.

Gemeint ist an dieser Stelle jedoch vor allem die „Musik“ der Anderswelt-Wesen. Diese „Musik“ ging dabei von diesen Kreaturen selber aus – oder ihr Erscheinungen und ihre Herniederkunft vom Himmel ging damit einher. Beispiele davon gibt es davon erstaunlicherweise so zahlreich, dass sie auch über die Grenzen der einzelnen Typen oder Arten von Sagen hinweg reichen. Über Länder und Grenzen natürlich ebenso.

Folglich kann an dieser Stelle nur eine Auswahl solcher Erzählungen stellvertretend darlegt werden. Viele wurden in den vergangenen Jahrzehnten auch bereits auf diesem Blog und in meinen Büchern vorgestellt.

Es beginnt schon bei den weit verbreiteten Erzählungen von der „wilden Jagd“ oder dem „wilden Jäger“. Diese Geschichten berichten, dass am Himmel rätselhafte Klänge zu vernehmen waren, denen eine Horde fremder Kreaturen folgte. Oftmals werden diese durch die Luft rasenden Gesellen als überirdische „Jäger“ angesehen.

Einheitlich sind die Erzählungen der „wilden Jagd“ dabei nicht. Ebenso uneinheitlich ist auch, wie modernen Sagenforscher diese deuten. Oftmals werden sie mit der heidnischen Zeit Europas in Verbindung gebracht. Mit dem Gott Wodan beziehungsweise Odin aus der Zeit vor dem Christentum. Auch Deutungen, dass hier Motive aus Indien nach Europa eingedrungen sind, die dann mit dem Christentum vermischt wurden, existieren.

Und es wird ebenso immer wieder darauf verwiesen, dass solche Erzählungen vor allem auch moralische und theologische Warnungen sein sollen. Oder diesen „beigemengt“ wurden. Das ist bei europäischen Sagen, Legenden und Märchen nicht anders, wie in anderen Teilen der Erde.

Die „wilde Jagd“ der Anderswelt

Ein bei der „wilden Jagd“ wiederkehrendes Motiv ist jenes, dass die unfreiwilligen Zeugen dieser Himmelserscheinungen in dessen Folge von diesen Wesen entführt wurden. Nicht selten sogar zu sehr, sehr weit entfernten Orten. Beispielsweise hat der Volkskundler und Sagensammler Franz Xaver von Schönwerth 1869 in Band 2 seines Werkes „Aus der Oberpfalz“ über „Sitte und Sagen“ mehr als 20 solcher Sagen dokumentiert.

Und deren Aussagen sind überaus kurios! Einige Beispiele:

  • Ein Mann wurde „von dem wilden Heer bis nach Ungarn mitgenommen“. Erst nach einem Jahr kam er wieder zurück.
  • „Grosse und kleine Schattengebilde, die er nicht erkennen konnte, mit einem Lärmen, wie wenn mehr als Hundert beysammen wären“, sah ein Betroffener, der einige Zeit danach für immer verschwand.
  • Einem Landwirt sollen die „wilden Jäger“ den Fuß eines Menschen vom Himmel zugeworfen haben.
  • Einem andere gleich eine halbe Leiche eines Menschen.
  • In Flossenbürg bekam ein Knecht „ein Viertel Menschenfleisch“ von den überirdischen Jägern.
  • In Neudorf haben die Himmelswesen einen Zimmermann binnen einer Dreiviertelstunde bis nach Konstantinopel (Istanbul) verschleppt.
  • Während eines „fürchterlichen Sturmwindes“ kam der Zug des wildes Heeres von einem Bergipfel herunter, um dann wieder dort hinauf zu fliegen. Das geschah mehrfach hintereinander an einem Berg namens „Schwarzberg“ bei Kulmain.
  • Ein Schneider hatte zwischen Ehrenfeld und Großschönbrunn eine Begegnung mit den himmlischen Jägern. „Sie erfasste ihn bey den Haaren und führte ihn im Sturme durch die Luft“. An einem Hügel würde er unbeschadet wieder abgesetzt.
  • Einem Knecht aus Harrenshofen erging es da schlechter. Er wurde über Berg und Tal und Wasser bis Bamberg verschleppt. „Mit zerrissenem Gesichte kam er heim“.
  • Ein Bauer nahe Biberbach wurde von den Himmlischen verschleppt und fand sich am Folgetag in Venedig wieder.

Solche Erzählungen über Erfahrungen mit der Anderswelt klingen mehr als seltsam. Sie unterscheiden sich lokal auch in einigen Details letztlich doch sehr stark.

Überirdische „Musik“

In den Beispielen aus der Pfalz geht das Erscheinen des „wilden Heeres“ oder der „wilden Jagd“ mit gewaltigen Getöse einher. Großer Lärm, der sich zum Beispiel mit Hundegebell und fremden Stimmen vermischt. Dazu erschienen nicht selten dunkle Anderswelt-Wesen oder -Gestalten. Zum Teil vermischen sich diese auch zu einem Mischmasch, dass kaum zu erkennen oder zu unterscheiden war.

Andere Varianten sprechen davon, dass auch Frauen oder verstorbene Seelen diese Kreaturen des Himmels begleiteten. Man kann ihnen entkommen, wenn man Salz verstreut, nicht hinschaut oder den Namen Jesus Christus preist. Was aber nicht überall gelang. Wieder andere Varianten sprechen davon, dass nicht oder nicht nur riesiger Lärm das „Heer“ am Himmel begleitete, sondern auch „Musik“.

Genau solche „Musik“ wird auch von anderen Kreaturen geschildert. Von Feen und Trollen ebenso, wie von Elfen. Sie sind damit in der Lage Menschen zu verzaubern und geradezu hypnotisch einzunebeln. Die Sinne der Personen, die diese überirdische Musik oder Klänge hören, werden durch sie geraubt. Die seltsame „Musik“, die beispielsweise auch von Feenhügeln und -Kreisen oder auch von Koboldtreffen ausgegangen sein soll, war, so will es die Folklore, dazu in der Lage die Menschen zu „betäuben“.

Nicht immer war es Musik, wie wir sie uns vorstellen. Also mit Instrumenten und Gesang. Auch undefinierbare Geräusche, monotone Klänge oder sogar regelrechter Lärm wird in einigen Erzählungen als „Musik“ beschrieben. In wieder anderen Berichten ist es dann tatsächlich wunderschöne Musik und zauberhafter Gesang. Hin und wieder sollen dabei diese fremden Lebewesen zu ihren Klängen selber getanzt haben. Oder sie führten andere, kaum zu deutende Dinge aus, die eher sinnlos erscheinen. Zum Beispiel im Kreis herum laufen.

Musik ist Geschmackssache

Eine Variante mit Musik während der Erscheinung der „wilden Jagd“ erzählt eine Sage aus Luxemburg. Sie handelt von zwei Männern, die Holz sammeln waren, und wurde von Mikolaus Gredt in „Sagenschatz des Luxemburger Landes“ 1883 aufgeschrieben. Demnach trug sich folgendes zu:

Als sie abends nach Hause zurückkehrten, vernahmen sie in der Ferne eine himmlische Musik. Sie blieben stehen und hörten den Tönen zu, so lange sie andauerten. Plötzlich vernahmen sie links und rechts Geschrei und Peitschenhiebe; es war ihnen, als wären sie von einer Reiterei umgeben; sehen aber konnten sie nichts.“

Ob diese „Musik“ der rätselhaften Anderswelt nur in Europa angeblich so vielfältig und alles andere als schön im menschlichen Sinne war, kann man heute nicht mehr fest machen. Schließlich gibt es keine CDs davon.

So wird in einem Märchen aus Italien über „ein altes grauses Männchen“ namens Gocken, das in einem Schloss in einem wilden Wald in Deutschland mit seiner Frau Hinkel gelebt haben soll, wird sogar Storchengeklapper als Musik bezeichnet. „Der Storch (…) klapperte dazu mit seiner ganzen Familie, dass es schier wie eine große Musik mit Pauken und Trompeten klang“, wird darin überliefert.

Überliefert dahingehend, dass Clemens Brentano (1778 bis 1842) diese Erzählung nach der italienischen Vorlage „La preta delo Gallo“ (um 1600) 1872 neu erzählte und auf schrieb. Brentano wiederum ist in katholischen Kirchenkreise heute kein Unbekannter. Er verließ 1818 Haus und Hof in Berlin und lebte fortan sechs Jahre in Dülmen im Münsterland, wo er die Jesus-Erfahrungen der vom Vatikan seliggesprochenen Anna Katharina Emmerick aus dem benachbarten Coesfeld aufzeichnete. Eine fromme Mystikerin, die die „Wundmale Jesu“ trug und Visionen vom Himmel empfing.

Genau dort lebt übrigens auch der Autor dieses Mystery Files-Beitrages.

Überirdische Kräfte – überirdische Macht

„Musik“ in Begleitung von Himmelserscheinungen oder dem Erscheinen fremden Wesen, ist keine Erfindung europäischer Sagen und Märchen. Und wenn man es genau nimmt, erzählt schon das Alte Testament von, dass der sogenannte Thronwagen Gottes unter Trompetenhall vom Himmel kam. Posaunen und andere Klänge wären dabei zu hören gewesen und kündigten die Ankunft des Herr in seinem fliegenden Wagen an.

Genau das erzählt aber auch die Folklore in diversen Erzählungen über die Bewohner der Anderswelt. So heißt es in einer Sage aus Wales zum Beispiel nach der Textsammlung „Ein Herbst in Wales“ von Julius Rodenberg aus dem Jahr 1857:

„Die Feen kommen meist nur am frühen Morgen oder spät am Abend, aber niemals ohne dass ihre Ankunft durch Musik angezeigt würde.“

Solche Anderswelt-Musik sei, laut Thomas Crofton Crokers Buch „Irische Elfenmärchen“ (1826), ein Mittel zur Machtausübung für die Elfen. Und zwar gegenüber den Menschen. Dazu heißt es unter anderem:

Die Elfen lieben über alles die Musik. Wer sie angehört hat, kann nicht beschreiben, mit welcher Gewalt sie die Seele erfülle und entzücke: gleich einem Strom dringe sie mächtig entgegen; und doch scheinen die Laute einfach, selbst eintönig und überhaupt Naturlauten ähnlich zu seyn. (…) Die Neigung zur Musik offenbart sich auch hier, so wie ungewöhnliche Fertigkeit dazu, übernatürliche Kräfte äußern sich in der Macht, womit er alles, selbst unbelebte Dinge, zum Tanz zu nöthigen weiß.“

Dass diese Klänge „selbst unbelebte Dinge“ beeinflussen können, macht diese „Musik“ noch weitaus rätselhafter. Welche Musik kann „unbelebte Dinge“ zum Tanzen bringen? Hier könnte man paranormale oder schlicht über-irdische Ursachen vermuten. Oder, ganz anders, diese „Musik“ dröhnte derart, dass sie Objekte in der Umgebung zum Vibrieren und Schwingen brachte. Heute kennt das wohl jeder durch den Bass moderner Musikanlagen.

Und doch soll die Macht dieser fremdartigen Töne von einer „überirdischen Kraft“ ausgegangen sein, wie es Croker berichtet.

Illustre Gesellschaften, die krank machen

In seiner Sagensammlung gibt Croker auch diese Erzählung aus Irland wieder: Ein Mann namens Johann Mulligan erblickte eines Tages das Seltsames, dass er jemals gesehen hatte. Es war „eine allerliebste Gesellschaft kleiner, artiger Gestalten“ die in freier Natur tanzten. Einige konnte man sehr deutlich sehen, „andere zeigten sich glänzend in den fliegenden Lichtern, die zwischen den Blättern durchdrangen“.

In der Mitte der illustren Gesellschaft aus der Anderswelt befand sich „der König in größerer Gestalt, um welchen sich die Gruppe zu bewegen schien“, so die Geschichte. Und Mulligan war sicher:

Tausend und abermal tausend Elfen hatte er gesehn tanzend unter der alten Eiche von Ballinhassig. Er beschrieb ihre prächtigen Kleider von glänzendem Silber, ihre runden flachen Hüte in dem Mondschein schimmernd und die fürstliche Gestalt und Haltung des Oberhaupts. Er fügte hinzu, dass er ihren Gesang gehört und die entzückende Musik, die sie gemacht hätten.“

Ähnliches habe auch ein Mann mit Namen Patrick in Irland erlebt:

Plötzlich entstand ein Lärm von einer großen Menge Volk, sie lachten, als wollte ihnen das Herz zerspringen und ein Pfeifer war unter ihnen und machte Musik.“

Das wollte dieser Patrick sich unbedingt näher ansehen. Mehr noch, er wollte unbedingt zusammen mit diesen kleinen Kreaturen tanzen. Und so geschah es dann auch, als er sich dem Getümmel nährte. Erst nachdem ein seltsamer „alter Mann“ erschien, befand er sich inmitten der Wesen und wurde von ihnen erkannt und sein tanzen anerkannt.

Bis sie sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflösten und er wieder allein in der Dunkelheit stand. Doch sein Tun mit den Fremden hatte Folgen:

„Den folgenden Tag hatte er Fieber oder etwas der Art, denn er redete irr, als wenn er wahnsinnig wäre. Sie konnten nicht verstehen, was er sagte, wiewohl er in einem fort redete. Die Aerzte gaben ihn auf, doch die wussten viel, was ihm fehlte.“

Zehn Tage habe er auf diese Weise in einer Art „Delirium“ verbracht, bis er durch eine Medizin langsam wieder genesen konnte. Nach drei Wochen war er wieder „gesund und stark“. „Doch es dauerte lange Zeit, ehe er wieder zu sich selbst kam“ und so ging er fortan immer wieder zu der Stelle seiner Begegnung. So gelangte er zu enormen Wissen und alle, die ihn kannten, staunten über seine neuen Kenntnisse der Wissenschaften.

Von einem Angehörigen des fremden Volkes „sind ihm seine Kenntnisse mitgeteilt worden“, daran bestand „kein Zweifel“, wie es die Legende festhält. Aspekte, die ebenfalls immer wieder vorkommen. Im ersten Mystery Files-Video unten habe ich dazu einige Beispiele während eines Vortrags 2022 zusammengefasst.

Begegnungen mit dem Unfassbaren

Natürlich kann man europäische Berichte unbekannten Alters als reine Phantastereien abtun. Geschichten, die mündlich in Europa weiter erzählt wurden, bis sie – in diversen Abwandlungen – auch in den einsamsten Gegenden erzählt wurden. Oft, wie eingangs erwähnt, vermischt mit einem „moralischen Zeigefinger“. Was zweifelsfrei auch in gewissen Teilen zutrifft. Deshalb ist es schwer bis unmöglich bei derartigen Sagen und Märchen den „wahren Kern“ zu finden.

Doch auch in ganz anderen Winken der Erde kennt man nun mal ähnliche Vorkommnisse. Dieser Umstand macht solche Überlieferungen für die Mystery-Forschung im Sinne der Prä-Astronautik um so spannender.

In einer von Richard Wilhelm 1914 in „Chinesische Volksmärchen“ aufgezeichneten Sage aus China begleitete etwa ein Geräusch eine seltsame „farbige Wolke“. Dieser Klang wird in der Erzählung als „liebliche Musik“ beschrieben. Einher damit kam ein „Drache“, mit dem ein Mann namens Dschang in Richtung Osten durch die Luft davonflog.

David Brauns überliefert in „Japanische Märchen und Sagen“ aus dem Jahr 1885 eine alte japanische Geschichte, die nicht minder kurios klingt. Sie handelt von dem tapferen Krieger Koremotschi aus dem 11. Jahrhundert, der von einem dämonischen Kobold durch „einen tiefen, betäubenden Schlaf“ in der Welt dieses Wesens festgehalten wurde. „Herrlichen Musik“ habe der Krieger dabei zu hören bekommen, bevor er in den „Zauberschlaf“ fiel.  Erst später erkannte er, dass er sich in der Gewalt eines bösen Wesens befand, das ihm zuvor als „wunderschönes Mädchen“ erschien, dass sich an „Spiel und Tanz ergötzte“.

Musik als eine Art Begleiterscheinungen bei Begegnungen mit dem Unfassbaren ist ein weltweites Phänomen in alten Sagen und Mythen. Und selbst bei einigen Marienerscheinungen, also Erscheinungen der angeblichen Mutter Gottes nach der katholischen Definition, wurde von solchen himmlischen Klängen berichtet. Andere Religionen interpretieren solche Phänomene eher als der Wirken von (bösen) Dämonen. Nicht als gut und göttlich.

Fliegende Wesen der Anderswelt in Asien

Ein Beispiel aus dem fernen Korea erzählt von dem wundersamen Knaben Kil Tong, dessen Geburt seinem Vater Hong Pansa nachts von einem riesigen „Drachen“ in seinem Schlafgemach im Traum verkündet wurde. Kurz danach gebar ihm eine Konkubine seinen Sohn Kil Tong, von dessen mythischen Taten beliebte koreanische Legenden erzählen. So soll folgendes bei einer Audienz beim König geschehen sein:

Als er bereits die Thore des Palastes durchschritten hatte und vom Könige bemerkt worden war, ließ sich plötzlich eine überirdische Musik vernehmen, und eine Wolke senkte sich hernieder, die ihn ganz verhüllte und ihn seinen Feinden entführte.“

Und an anderer Stelle erfahren für über den Helden in dem Werk „Korea“ von H. G. Amous aus dem Jahr 1896:

Ein mächtiger Sturm erhob sich, der grosse Felsblöcke umherschleuderte, als wenn es Kieselsteinchen wären. Entfliehen konnten sie nicht und wollten sich schon selbst den Tod geben, als sie plötzlich Musik erschallen hörten und einen Knaben erblickten, der, auf einem Esel reitend, sich ihnen näherte.“

Ähnliches wird auch in Indien und den Gebieten des Himalaja über die sogenannten Dakins und Daka in alten Sagen und Legenden erzählt. Himmlische Wesen, die weder an die menschliche Zeit noch an die physische Welt gebunden sein sollen. Sie vereinen verschiedene Attribute, die man auch bei Feen oder Engeln wiederfindet und im tibetischen Buddhismus als himmlische und göttliche Wesen angesehen werden. Man kann sie also guten Gewissens mit den Bewohnern der „europäischen“ Anderswelt vergleichen.

Von solchen Wesen erzählt ein 1868 von Bernhard Jülg in „Mongolische Märchen-Sammlung“ aufgezeichnetes Märchen:

„(Da) bemerkte er auf einmal in der Nähe einer grossen Felswand, wie unter den Tönen einer rauschenden Musik eine Anzahl rüstiger Ḍâkinîs, die Lüfte erfüllend, herabstiegen und sich niederliessen. Aus der Mitte der Schaar flog eine beflügelte Ḍâkinî empor und holte aus einer Felsenwölbung einen Sack herab.

(…) und nachdem sie Tänze und dergleichen Untererhaltungen in manchfaltiger Weise aufgeführt hatten, verschwanden sie in den Lüften. Die erwähnte Ḍâkinî flog mit dem Sacke empor, legte ihn gerade an der frühern Stelle des Felsens nieder und entschwand dann unter dem Rauschen harmonischer Töne gleichfalls in die Lüfte.

Als der Mann an die Stelle kam, wo die Ḍâkinîs versammelt gewesen waren, war daselbst durchaus nichts zu finden.“

UFO-Exkurs ins heute

Heute schmunzeln wir sicher über diese Geschichten, dass „Musik“ die Menschen bei ihren rätselhaften Kontakten begleitete. Doch interessanterweise ist dies Phänomen auch in der heutigen UFO-Forschung nicht fremd.

Der chinesische UFO-Forscher Shi Bo zitiert einen solchen Fall, den Lin Hongjing, verantwortlicher Leiter der „Chinese UFO Research Organisation“ (CURO) für den Bezirk Taining in der Provinz Fujian, dokumentierte. Eine verstörende wie verwirrende Begegnung mit dem Unfassbaren, zu der es nach Bo heißt:

Eines Abends, zu Beginn des Sommers 1970, um 22 Uhr, erblickte ein Bauer (…) auf seinem Heimweg ein metallisches Flugobjekt in Form einer Untertasse, das pfeifend auf einem Hügel stürzte. Das Objekt gab ein sehr helles grünes Licht von sich. Als es sich auf den Hügel niederließ, begann eine eigenartige Musik zu erklingen.“

Also auch hier angeblich seltsame Musik. Doch auch das immer wieder (und nicht nur in diesem Beispiel) geschilderte Licht der unbekannten Flugobjekte von heute, ist in der Folklore fester Bestandteil der Erzählungen. Die sonderbaren „Feenhügel“ etwa, angebliche Plätze lustiger und ominöser Meetings der Feen, waren hin und wieder von seltsamen Lichtern umgeben. Auch in diesem „modernen Märchen“ war ein Hügel im Spiel.

Ein Urteil über den Wahrheitsgehalt der chinesischen UFO-Sichtung kann an dieser Stelle sicher nicht mehr verbindlich abgegeben werden. Mehreren Personen bezeugten das Phänomen in China, schreibt Bo. Darunter ein Militäroffizier, der mit einigen hundert Soldaten anrückte, um den Hügel zu umstellten. Letztlich sahen sie sogar, wie das  Objekt wieder starte und davon flog.

Heute soll dieser Zeuge stellvertretender Kommandant eines Armeebezirkes in China sein, weshalb er nicht namentlich genannt werden wolle, so Bo weiter. Dieser habe sogar ausgesagt, dass „der betreffende Bauer für seine Ehrlichkeit bekannt“ sei.

„Töchter der Sterne“

Gehen wir in einem letzten Beispiel zurück in die Vergangenheit der Mythologien und Legenden. Und zwar in die heutige USA, wo es nicht minder spannende Erzählungen der dortigen Ureinwohner über Kontakte mit der Anderswelt gab und gibt (s. a. Videos am Ende). Eine ganz erstaunliche Sage der nordamerikanischen Indianer erzählt hierbei die Geschichte des „berühmten Jägers“ Wabi.

Dieser Mann sah eines Tages bei der Jagd „schön geformte Fußstapfen“, denen er neugierig nachging Diese Spuren führten ihn „zu einem geheimnisvollen Kreis, der das Ende seiner Reise bildete, da dort die Fußstapfen aufhörten“. Das klingt nach den rätselhaften „Feenkreisen“, die man aus den europäischen Erzählungen kennt. Oder war es vielleicht sogar der erste Kornkreis der Geschichte überhaupt?

Zumindest jedoch legte Wabi hier ein Rast ein. Doch er blieb nicht lange ungestört, denn etwas mehr als Rätselhaftes ereignete ich kurz darauf:

Bald hörte er eine süße Musik in der Luft, die klang so schön, wie er sie von Medizinmännern nie gehört hatte; dabei schwebte ein großer Körper langsam der Erde zu, und je näher dieser kam, desto lieblicher klang die Musik. Der betreffende Körper war ein geräumiger Korb, in dem zwölf wunderschöne Mädchen saßen, die, sobald sie auf der Erde waren, munter heraushüpften und unter den Klängen eines helleuchtenden Feuerballs, der wie eine Trommel geschlagen wurde, allerlei lustige Tänze aufführten.

Wabi war wie elektrisiert. Vor allem aber direkt in in eine der „Töchter der Sterne“ verliebt, „obwohl sie alle in gleicher himmlischer Schönheit erglänzten“. Als er versuchte das Wesen zu fangen, eilten alle schnell „wie der Blitz“ wieder zu ihrem Fluggerät „und segelten eilig dem Himmel zu“. Mit verschiedenen Tricks und Tarnungen versuchte er an den folgenden Tagen seine Auserwählte zu entführen. Denn „der Korb senkte sich auch wieder herunter“, als der Jäger am nächsten Tag auf die Wesen wartete.

Das ging einige Tage so. Immer waren die „Töchter der Sterne“ mit ihrem fliegenden „Korb“ schneller. Letztlich schaffte er es dann doch seine Auserwählte durch eine neue List zu entführen. „Als dies ihre Geschwister sahen, sprangen sie schnell in ihren himmlischen Korb, der sie bald in Sicherheit brachte“, so die Überlieferung.

Heimweh nach den Sternen

Fortan lebte die himmlische Frau bei Wabi und gebar ihm sogar einen Sohn. Doch in all der Zeit hatte sie schreckliches Heimweh und vermisste ihrer Heimat in den Sternen. Nicht minder wie ihren himmlischen Vater.

Das ging so lange mehr oder weniger gut, bis sie eines Tages selber einen „magischen Korb“ anfertigte. Mit diesem begab sie sich „in den heiligen Kreis“ und flog zusammen mit ihren Sohn „hinauf in den Himmel“. Wo „sie von den Sterngeistern in Empfang genommen wurde“. Wabi blieb allein zurück. „Kein himmlisches Wesen ließ sich mehr in seiner Nähe blicken; der magische Kreis blieb unbesucht“, so die Sage.

Doch irgendwie schien auch die außerirdische Dame ihren irdischen Mann zu vermissen. Vor allem als einige Zeit vergangen war und ihr gemeinsamer Sohn ein gewisses Alter erreichte. Denn dann wollte er seinen irdischen Vater persönlich endlich kennen lernen. Seinem Großvater gefiel das hartnäckige Verlangen des halb-irdischen Jungen, so dass er eine reise zur Erde erlaubte. Auch seine Mutter durfte mit:

Darauf setzten sie sich in den magischen Korb und ließen sich gerade vor der Hütte Wabis nieder, der darüber vor Freude ganz außer sich war. Sie erzählten ihm nun von den Schönheiten der Sterne und den oberen Regionen, wo man ihn ebenfalls zu sehen wünsche (…)

Ein magischer Korb trug ihn dann ebenfalls in die Höhe, wo er vom Chief der Sterne äußerst freundlich empfangen wurde. Dann wurde ein großes Fest ihm zu Ehren veranstaltet (…)“

Diese Geschichte ging folglich gut aus. Und in vielen Details finden sich eindeutig hier in Nordamerika „klassische Elemente“ aus der europäischen Sagenwelt wieder. Wurden sie von Einwanderern aus Europa in die heutige USA quasi importiert? Oder haben wir es, wie ich vermute, mit einem globalen Phänomen von Eingriffen aus der Anderswelt zu tun?

Video-Auswahl zur Anderswelt auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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