Vatikan-Museum gibt drei (geschenkte) Inka-Mumien an Peru zurück – als Zeichen der guten Geste: Geschenkt, gekauft, geraubt …

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Vatikan-Museum gibt diese drei Inka-Mumien an Peru zurück (Bild: vaticannews.va)
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Vatikan-Museum gibt diese drei Inka-Mumien an Peru zurück (Bild: vaticannews.va)

Drei Jahrhunderte alte Mumien der Inka, die in der ethnologischen Abteilung der Vatikanischen Museen ausgestellt waren, hat der Vatikan nun Peru zurück gegeben. Zehn Jahre nachdem man die Rückführung vertraglich zugesagt habe. Denn man wolle zeigen, dass man die Mumien im Vatikan „nicht als Kunstwerke oder Sammlerstücke betrachtet“. Doch wie kam der Vatikan im Besitz der Mumien? Und warum haben Museen in aller Welt heute grundsätzlich mit ihren Sammlungen ein Problem? Das erfahrt Ihr hier.


Mumien der Inka im Vatikan

Mumien der Inka in einem Museum im Vatikan? Obwohl der Vatikan an sich ein einziges Museum ist, klingt das recht kurios. Doch die Vatikanischen Museen an sich besitzen ein Abteilung für Völkerunde mit dem Namen „Anima Mundi“. Ein mehr oder weniger klassisches Völkerkundemuseum, wie es unzählige auf der Welt gibt. Auch in hierzulande haben viele Großstädte ein entsprechendes Museum.

Das Museum „Anima Mundi“ unterscheidet sich dann aber doch erheblich, von den zahllosen Museen in aller Welt (dazu gleich mehr). Vor allem all jene, in denen die unterschiedlichsten Artefakte aus aller Welt präsentiert werden. Ethnologische wie auch archäologische Objekte, die teilweise vor tausenden von Jahren hergestellt wurden. Denn seit Jahren entwickelt sich um die dort präsentierten Ausstellungsobjekte immer wieder ein Streit.

Viele der Artefakte sind auf mehr oder weniger „dunklen Wegen“ in die weltweiten Museen gelangt. Vor allem ab dem 18., 19. und 20. Jahrhundert – aber auch davor und danach. Sie wurden beispielsweise von den Europäern in fernen Ländern einfach mitgenommen. Ganz einfach gestohlen oder „legal“ von Händlern erworben. Antikenverwaltungen zum Schutz der Kulturgüter gab es damals nicht.

Etwa in Ägypten, wo sich westliche Besucher und auch die ersten Archäologen nahezu frei an den Hinterlassenschaften bedienen konnten. Notfalls ließ man sich die Objekte der Begierde einfach ganz „selbstlos“ schenken. Dasselbe gilt beispielsweise auch für Objekte jeglicher Art in Südamerika oder von Inseln im Pazifik. Archäologische und ethnologische Sammlungen wuchsen so in aller Welt zum Teil zu beachten Größen an.

Es fehlte einst teilweise auch das Bewusstsein der lokalen Bevölkerung für ihre eigenen kulturellen Hinterlassenschaften. Schiffsladungen voller Kulturgüter verließen so die Herkunftsländer. Fremde Kulturen, Länder und Völker waren Selbstbedienungsläden der westlichen Nationen.

Geschenkt, gekauft, geraubt

Heute wird das immer wieder zum Problem. Die Herkunftsländer hätten gerne das ein oder andere Artefakt ihrer Kultur oder ihres Landes wieder. Bekannte Beispiele sind die Büste der ägyptischen Herrscherin Nofretete in Berlin oder dortige Sammlungen afrikanischer Ureinwohner. Nicht minder wie Moai-Figuren der Osterinsel, die heute im Britischen Museum in London und im norwegischen Kon-Tiki-Museum in Oslo stehen.

Und das ist nur die Spitze des Eisberges.

Wer will es da die ursprünglichen Besitzern verüben, dass sie gerne das ein oder andere geraubte oder „legal“ erworbene Objekt ihrer Geschichte und Identität wieder im eigenen Land haben möchten? Der Museumsbesucher sollte sich immer vor Augen halten, dass selbst in den unscheinbarsten Ausstellungen Objekte zu bestaunen sind, deren Herkunft und Erwerb zumindest in Teilen – sagen wir – „unklar“ ist. Ich bin sicher, dass sich der ein oder andere Besucher bereits einmal fragte: „Wo kommt das alles her?“

Und dies gilt nicht für die großen Museen der Welt. Selbst in den kleinsten und unscheinbarsten Orten finden sich beeindruckende archäologische (Privat-)Sammlungen, die beispielsweise aus Ägypten stammen. Inklusive Mumien und Sarkophagen. Wie viele der in jedweden Museum gezeigten Ausstellungsstücke auch wirklich authentisch und damit echt und alt sind, steht dabei auf einem ganz andere Papyrus.

„Geschenke der Völker“ an den Papst

Und das ist der oben erwähnte Unterschied zum Museum „Anima Mundi“ des Vatikan. Dieses Museum wurde erst im Jahre 1925 von Papst Pius XI. in Leben gerufen. Er organisierte damals eine Weltausstellung des Vatikan, auf der mehr als eine Millionen Besucher über 100.000 Objekte und Kunstwerke bestaunen konnten. Ein riesen Erfolg für den Vatikan, der den Papst davon überzeugte, „sie zu einer ständigen Ausstellung zu machen“. So das Museum zu seiner Entstehung.

Das war die Geburtsstunde des „Anima Mundi“, dessen erster Direktor Pater Wilhelm Schmidt wurde. „Der der wohl bekannteste katholische Ethnologe des 20. Jahrhunderts“, so die Webseite des Museums . Und weiter heißt es dort:

Er leitete auch die Kommission, die aus den 100.000 Ausstellungsstücken jene 40.000 auswählte, die als Geschenk, das die Völker unserer Welt dem Papst machen wollten, im Vatikan blieben. Dieser ursprüngliche Kern wurde dann noch um einige wertvolle Werke bereichert (…)“

Demnach waren die Kulturgüter Geschenke der „Völker unserer Welt“ an Papst Pius XI. Sie stammen nicht aus zweifelhaften Einkäufen, von fragwürdigen Antikenhändlern oder von plünderten Archäologen und Forschern. Und das klingt im Falle des „Anima Mundi“ durchaus auch glaubwürdig. Die katholische Kirche bekommt seit jeher enorme Massen an Geschenke, wie keine zweite Institution. Unzählige Milliarden an Reichtümern, wie etwa Immobilien, Ländereien und Grundstücke, allein in Deutschland.

Geschenke an den Vatikan

Bewusste oder unbewusst erhoffen sich die Schenker oder jene, die es an die Kirche vererben, wohl eine Art „Seelenheil“. Sie tun „etwas Gutes“, wenn sie dieses oder jenes der vatikanischen Kirche schenken oder überlassen. Warum sollte das bei den Objekten und Kunstwerken, die vor rund 100 Jahren dem neuen Museum aus der vorherigen Ausstellung heraus geschenkt wurde, anders sein?

Und das sagt das Museum auch selber, in dem es von dort online heißt:

Die Sammlung des Ethnologischen Museums umfasst derzeit mehr als 80.000 Objekte und Kunstwerke und ist ausgesprochen breit gefächert: zu ihr gehören nicht nur Tausende von prähistorischen Fundstücken aus der ganzen Welt, die mehr als 2000 Jahre alt sind, sondern auch Objekte, die dem derzeitigen Papst zum Geschenk gemacht wurden; Zeugnisse der großen spirituellen Traditionen Asiens, der präkolumbianischen Kulturen und des Islam, der Bewohner Ozeaniens und Australiens, wie auch der eingeborenen Völker Amerikas.

Folglich bekommt der Papst, wer immer auch gerade auf dem Stuhl Petri sitzt, durchgehend entsprechende Geschenke aus der ganzen Welt. Diese kann der Besucher dann im Vatikan in den Ausstellungen sich anschauen. Auch wenn, wie in jedem Museum, nie alle gesammelten Stücke gleichzeitig in Ausstellungen zu sehen sind.

Die Inka-Mumien des Vatikan

Auch wenn es „chic“ sein mag, dem Vatikan entsprechende Schätze zu schenken, kann es in späterer Zeit offensichtlich wieder anders gesehen werden. Zumindest was aktuell die drei Mumien der Inka-Zeit angeht, die der Vatikan nun wieder zurück gab. Auch diese Mumien befanden sich seit 1925 im Besitz des Vatikan.

Kardinal Fernando Vérgez Alzaga, Regierungschef von Vatikanstadt, und der peruanische Außenministers César Rodrigo Landa Arroyo waren am 17. Oktober zugegen, als die Mumien übergeben wurden. Eine „feierliche Übergabe“, wie es „Radio Vatikan“ berichtet. In Südamerika sollen die Inka-Mumien in einem ersten Schritt genauer untersucht werden. Denn vieles ist unklar, wie „Radio Vatikan“ schreibt:

Sie seien mehrere Jahrhunderte alt, ihr genaues Datum sei aber unbekannt. Nach ihrer Rückkehr nach Peru sollen detaillierte Untersuchungen durchgeführt werden, um die Herkunftszeit der Mumien zu bestimmen. Es sei jedoch bekannt, dass sie in einer Höhe von dreitausend Metern in den peruanischen Anden entlang des Flusses Ucayali, einem Nebenfluss des Amazonas, gefunden wurden.

Die Rückführung ist Teil einer neuen Politik des Vatikan. Die “ Achtung der Identität jedes Volkes und jeder Kultur“ werde damit unterstrichen und sei eine „Politik der Wiedervereinigung“ der katholischen Kirche. „Eine Politik, die darauf abziele, menschliche Überreste nicht als Kunstwerke oder Sammlerstücke zu betrachten“, wie es „Radio Vatikan“ formuliert.

Denn schon zuvor wurde ein „menschlicher Leichnam“ der vatikanischen Sammlung zurück nach Ecuador in Südamerika gebracht. Danach seien die Mumien aus Peru vorgesehen gewesen. Auch Rückführungsprojekte in den Raum des Pazifik und nach Australien gehörten bereits zu dieser „Politik der Wiedervereinigung“.

12 Jahre für die Rückgabe

„Einen geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul“, sagt der Volksmund. Hier ist es offenbar anders. Doch verirrend erscheint im Fall der Kulturgüter des „Anima Mundi“ zu sein, dass das alles Jahre dauerte. Viele Jahre. Denn das Programm zur Rückgabe diverser Objekte wurde bereits 2010 ins Leben gerufen. Von Pater Nicola Mapelli, Leiter des Museums und Antonio Paolucci, dem damaligen Direktor der Vatikanischen Museen.

Pater Mapelli rief hierzu ein Expertenteam zusammen, reiste selber nach Südamerika, sprach dort mit Wissenschaftler und Museen und traf Vertreter der lokalen Bevölkerung. Ziel war ein reibungsloser Ablauf der Rückgabe der Mumien. Auch die Erhaltung der drei Inka-Leichen musste sichergestellt werden. All das gab es im Vorfeld zu regeln.

Doch brauch eine mächtige und finanziell derart starke Institution wie der Vatikan herzu tatsächlich ganze 12 Jahre? Auch wenn zuvor im Rahmen dieser Politik bereits andere Objekte des Museums in andere Gegenden und Länder der Erde zurück gebracht wurden, klingen 12 Jahre erstaunlich. Ursachen hierfür, etwa Probleme mit den Behörden in Peru, sind Spekulation.

Doch schon der Volksmund weiß auch hierzu: „Wo ein Wille ist,da ist auch ein Weg.“

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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