Sodomie, Streit und Dämonen im Garten Eden der Bibel: Kurioses über Adam und seine zweite Frau Eva im Paradies (+ Videos)

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Sodomie, Streit und Dämonen im Garten Eden: Kurioses über Adam und seine zweite Frau Eva im Paradies (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)
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Sodomie, Streit und Dämonen im Garten Eden: Kurioses über Adam und seine zweite Frau Eva im Paradies (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)

Im Garten Eden der Bibel ging es im wahrsten Sinne des Wortes paradiesisch zu. Zumindest so lange, wie Adam und Eva dort alleine lebten und sich auch ihre ersten beiden Söhne Kain und Abel noch verstanden. Eine Geschichte aus einer uns fremden Urzeit, die heute Milliarden Menschen aus dem Buch Genesis kennen. Und doch wimmelt es darin an Widersprüchen und Details, die das Leben dort so wundervoll gar nicht erscheinen lassen. Und hierzu existieren rätselhafte Legenden und Mythologien, die nicht Bestandteil der Bibel sind. Unglaubliche Überlieferungen, die nicht minder kurios erscheinen, wie viele der Deutungen und Erklärungen, die die Bibelforschung und Theologie zu dieser biblischen Vorzeit bietet.


Die Bibel und Adam und Eva

Die Bibel ist sowohl mit dem Altem wie auch Neuem Testament wortwörtlich ein „Buch der Bücher“. Eine Anthologie diverser Schriften und Autoren, die darin Geschichte und Geschichten überliefern. Und je weiter man in die biblische Vergangenheit oder „Urzeit“ zurück schaut, je seltsamer werden diese Überlieferungen. Vor allem die ersten beiden Schriften des Moses, das Buch Genesis und das Buch Exodus, sind hierfür ein Paradebeispiel.

All diese mythologischen und zugleich phantastischen Geschichten einer dunklen Vorzeit beginnen quasi direkt mit der Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis. Um dann nahtlos in die nicht weniger rätselhaften Erzählungen von Adam und Eva und dem Garten Eden überzugehen. Mythologische Reste, die durch andere, ältere Völker und Religionen des Nahen Ostens in die Bibel einflossen, werden in der Bibelforschung hier meist gesehen. (mehr dazu HIER und HIER)

Ob hier in irgendeiner Form theologische Fiktionen und geschichtliche Wahrheiten miteinander vermengt wurden, darüber streiten sich Historiker, Laienforscher und Bibelkundler seit Jahrhunderten. Hinzu kommen Bibelfundamentalisten und Kreationisten, die an den wörtlichen Wahrheitsgehalt der gesamten Bibel glauben. Und das trotz der zahlreichen Rätsel und Widersprüche in den Überlieferungen und Schriften.

Für sie ist alles das „Wort Gottes“ oder zumindest durch Gott direkt „inspiriertes“ Gotteswort.

Adam und Eva

Und genau solche Widersprüche und Fragen gilt es zu deuten, zu interpretieren oder auch wegzudiskutieren. So etwa wird jedes einzelnen Wort im Alten Testament – genauer: in der Tora (Thora) – beispielsweise von Rabbinern und Gläubigen diskutiert und gedeutet. Zum Beispiel auch in den beiden Ausgaben des jüdischen Talmud. Darin finden sich Deutungen und Kommentare zu jeder Aussage und jedem Vers der Bücher des Moses.

Mit dem klaren Ziel, auch eventuelle Unklarheiten und Widersprüche zu beseitigen. Der bekannteste und bedeutendste ist dabei der Babylonische Talmud, deren Anfänge über 2000 Jahre zurückreichen. Jahrhunderte wurde an diesem wichtigen Werk gearbeitet und formuliert.

Denn auch den Schriftgelehrten der Vergangenheit entging natürlich nicht, dass die Heilige Schrift sonderbare Aussagen enthält, die beim Lesen so nicht zu verstehen sind. So wie die Erschaffung der ersten Frau Eva für den ersten Mann Adam. Dazu lesen wir im Buch Genesis folgendes:

Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht! Und Gott der Herr bildete aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennen würde, und damit jedes lebendige Wesen den Namen trage, den der Mensch ihm gäbe.

Da gab der Mensch einem jeglichen Vieh und Vogel und allen Tieren des Feldes Namen; aber für den Menschen fand sich keine Gehilfin, die ihm entsprochen hätte. Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss deren Stelle mit Fleisch.

Und Gott der Herr baute aus der Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, ein Weib und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen!“ (Gen. 2,18-23)

Sodomie im Paradies

Eine wunderbare Geschichte. Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der sie nicht kennt. Auch wenn sie sich je nach Bibelausgabe und Übersetzung unterscheidet und zweifellos viele Rätsel aufgibt. Diese wurden an anderer Stelle bereits sehr umfangreich besprochen und interpretiert.

Die Aussage, „Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch!“ (Gen. 2,23), mag in diesem Kontext nicht sonderlich seltsam erscheinen. In anderen Übersetzungen klingt es ähnlich: „Das endlich ist Bein von meinem Bein …“ oder auch „diese endlich ist Gebein von meinem Gebein …“. Und hier sorgte und sorgt allein das Wort „endlich“ für Verwirrung unter den Rabbinern und Schriftgelehrten, dass in nahezu jeder Bibelübersetzung vorkommt.

Deshalb wurde auch diese biblische Passage im Babylonischen Talmud kommentiert und gedeutet. Auf einer mehr als erstaunliche Art und Weise, denn dort heißt es:

Es heißt: ‚diesmal ist es Knochen von meinem Knochen und Fleisch von meinem Fleische.‘ Dies lehrt, dass Adam jedem Vieh und jedem Tier beigewohnt hatte, und erst als er Have beiwohnte, war er befriedigt.“ (Jabmuth VI, vi, Fol. 63a)

Diese Aussage des so wichtigen Werkes Talmud muss man sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen. Demnach war der erste Mensch als vermeintliche „Krone der Schöpfung“ ein Sodomit. Adam praktizierte Sodomie, da er den Tieren „beiwohnte“ bevor Eva (Have) die Bühne der Schöpfung betrat. Ein klarer Verstoß gegen Gottes eigenes Gesetzt. Beispielsweise heißt es im 5. Buch Mose: „Verflucht sei, wer bei irgendeinem Tier liegt!“ (Dt. 27,21).

Auch im Paradies musste man arbeiten

Eine andere und genau gegenteilige Interpretation zitiert der Rabbiner W. Gunther Plaut in seinem mehrbändigen Werk über die Auslegung der Tora. Dort heißt es:

Die Tiere wurden, wie der Mensch, aus Staub geformt, doch der Mensch lehnte die Tiere als Partner ab (…)  nicht umgekehrt, die Tiere den Menschen. Vielmehr wurde die Frau geschaffen, nachdem der Mann die Tiere als Partner abgelehnt hatte und sich nun noch immer nach Freundschaft sehnte.“

Hier wurde zur Ehrenrettung also Adam nicht der Sodomie bezichtigt. Nachdenklich stimmt dennoch der Umstand, dass er die Tiere „ablehnte“, sich deshalb weiter nach „Freundschaft sehnte“ und so die Frau erst erschaffen wurde. Tier, die gleich beziehungsweise gleichwertig wie der Mensch aus der Erde geschaffen wurden.

Dies klingt fast so, als habe der Herr bei seiner Schöpfung gar nicht geplant, dem Mann eine Gefährtin und Frau zur Seite zu geben. Vielmehr bemerkte der „Schöpfer“ demnach erst eines Tages, dass der erste Mensch die Tiere nicht möchte und sich langweilt.

Erst dann wurde die Eva für ihn erschaffen. Als „Gehilfin“, wie es das Buch Genesis ausdrückt. Denn Hilfe brauchte Adam im Garten Eden, den er bewachen und bebauen sollte, wie es die Bibel (Gen. 2,15) und auch der Babylonische Talmud (Jabmuth VI, vi, Fol. 63a) klar unterstreichen. Er musste also im „Paradies“ – arbeiten!

Der richtige Partner

Beide Auslegungen der rabbinischen Tradition, warum Adam mit Eva „diesmal“ den richtigen Partner bekam, sind mehr als bizarr. Doch die mythologischen Erzählungen der biblischen Urzeit wären keine, wenn es nicht noch weitere Sagen und Mythen dazu gäbe. Denn schaut man sich die Schöpfungsgeschichte von Mann und Frau genauer an, fällt auf, dass im Buch Genesis so einiges „durcheinander“ ist. Was, so die Bibelforschung, vor allem an den verschiedenen Autoren liegen soll.

So erfahren wir im Buch Genesis, dass Gott Mann und Frau gleichzeitig erschaffen haben soll (Gen. 1,26f.). „Männlich und weiblich schuf er sie“, lesen wir dort. Später heißt es jedoch im folgenden Kapitel, dem „Zweiten Schöpfungsbericht“, dass Adam eine Zeit in Eden lebte und dann aus seiner „Rippe“ erst Eva geschaffen wurde. Ein klarer Widerspruch. Beides geht nicht.

Wobei „Rippe“ hier wohl eher als „Leben“ wiedergegeben werden sollte. Wahrscheinlich liegt hier eine verborgene Anspielung auf die sumerische Schöpfungsgöttin „Nin-ti“ vor. Ihr Name bedeutet „Herrin des Lebens“ und zugleich „Herrin der Rippe“, da „ti“ für beides steht. Darauf verwies bereits 1969 der Bibelforscher Theodor H. Gaster in „Myth, Legend and Custom in the Old Testament“.

Schon der Name Eva („Heua“ bei Martin Luther) in ursprünglichen Bibelausgaben ist hierzu interessant: „Cheva“, sumerisch „Chawa“ oder „Chawwa“, was so viel bedeutet „Die aus Leben“ und „Die Leben schafft“. Eva wurde also aus „Leben“ gemacht. Eigentlich vollkommen logisch, denn sie stammte von Adam ab, und der lebte ja bekanntlich bereits …

Wenn Eva und Adam gleichzeitig erschaffen wurden, warum benötigte er später eine Gefährtin oder Hilfe im herrlichen Garten Eden, so dass dann angeblich erst die erste Frau geschaffen wurde?

Adams erste Frau

Diesen Widersprich versuchen Legenden zum Alten Testament sowie Apokryphen zu erklären. Demnach habe Gott tatsächlich Mann und Frau gleichzeitig erschaffen. Beide gleichwertig aus dem „Staub“ oder „Lehm“ der Erde.

Doch diese Frau namens Lilith weigerte sich, sich ihrem Gemahl Adam unterzuordnen. Deshalb sei sie in der Folge mehr oder weniger verstoßen worden. Oder besser gesagt, sie floh vor ihrem Mann Adam in die Ferne. Erst dann, als Adam verlassen und alleine war, schuf Gott Eva aus seiner „Rippe“ oder „Lebenskraft“ als neue Frau. Und da seine neue Partnerin aus ihm selber heraus geformt wurde, ordnetet sie sich ihm unter, wie es das Buch Genesis überliefert.

Die Legenden und Mythen über diese Figur Lilith gehen teilweise sehr, sehr weit zurück. Wahrscheinlich bis zu den ältesten Kulturen in Mesopotamien, wie den Akkadern, Babyloniern und Sumerern. Also genau jene Völker, deren Mythologien Einfluss auf die Autoren des Alten Testament nahmen. Und in dessen Siedlungsgebieten (Babylon) weite Teile des Alten Testamentes verfasst wurden.

Lilith trägt in diesen Legenden unterschiedliche Namen. Nicht immer ist damit auch nur eine Person oder ein Lebewesen gemeint. Vielfach wurde diese „Kreatur“ als eine Art von Dämon angesehen, der nachts umgeht und Menschen Krankheit bringt. Als Beherrscher der Winde oder auch als Windgeist der Dunkelheit. Dieser Dämon oder die Dämonengruppe Lil, Lilit oder Lilith hat es vor allem aus Männer und Kleinkinder abgesehen. Tatsächlich kann man sogar bei bestimmten Wesen der Anderswelt des Mittelalters Parallelen zu Lilith finden.

Lilith, die Widersacherin

Vor allem aber widmet sich das außerbiblische Buch „Alphabet des Ben Sira“ der Figur der Lilith umfangreich. Es gehört zu den Apokryphen zum Alten Testament, entstand vor bis zu 1300 Jahren und schildert detailreich das Leben Adams und Liliths.

Rund 100 voneinander abweichende Handschriften, Textteile und Drucke existierenden von diesem Buch. Das macht es nicht leicht, hier eine „einheitliche“ Mythologie um Lilith und Adam zu finden. Namensgeber Ben Sira selber wird sogar als Sohn des legendären Propheten Jeremia und seiner eigenen Tochter dargestellt (die durch einen „Unfall“ von ihm schwanger wurde). Und dieser Ben Sira habe hierbei am Hof des berühmten babylonischen König Nebukadnezar gelebt und gewirkt. Als Weiser, Gelehrter, Prophet und Ratgeber des mächtigen König von Babylon, der einst Jerusalem eroberte und die Juden ins Exil in sein Reich verschleppte.

Ein historisch bedeutender Hintergrund dieser Schrift. Obwohl die geschichtlichen Tatsachen (Exil) lange vor der Niederschrift des Buches selber liegen.

Hier am Königshof von Babylon erklärte Ben Sira Nebukadnezar unter anderem über Lilith auf. Sie habe beispielsweise in Eden darauf bestanden, dass sie beim Sex gleichberechtigt mit ihrem Mann Adam sei. Auch sie möchte mal „oben sein“. In dem Text erklärt der Prophet dies Nebukadnezar mit folgenden Worten:

„(…) Denn als der Heilige, gepriesen sei er, seine Welt erschaffen hatte, erschuf er [auch] den ersten Menschen. Als er sah, [dass] dieser allein war, erschuf er sogleich für ihn eine Frau, die wie er aus Erde war. Und ihr Name ist Lilit. Und er brachte sie zu Adam.

Sogleich fingen beide an, miteinander zu streiten. Er sagte: ‚Du sollst unten liegen.‘ Und sie sagte: ‚Du wirst unten liegen, da wir beide gleich sind, beide aus Erde.‘ Und sie verstanden einander nicht.“

Streit im Garten Enden

Das erste Paar der Menschheit verstand sich folglich von vornherein überhaupt nicht. So gut, wie es Gott auch gemeint haben mag, es kam, wie es kommen musste. Lilith verließ nach kurzer Zeit ihren Mann. Sie „erhob sich in die Luft und entfloh“, wie es bei Ben Sira heißt. Die erste Frau der Erde konnte demnach sogar fliegen.

„Herr der Welt, siehe, die Frau, die du mir gegeben hast, ist bereits entflohen“, klagte daraufhin Adam seinen Verlust. Also sandte Gott drei seiner Engel aus, die Lilith wieder einfangen sollten. „An dem Ort, an dem einst die Ägypter ertrinken sollten“, fanden die drei Himmlischen sie schließlich. Wenn sie nicht mitkommen würde, so die Engel, würden sie sie im Meer ertränken.

Doch Lilith weigerte sich. Sie sprach Verwünschungen aus, und dass sie fortan Macht über Kleinkinder haben werde. Erst dann ließen die Himmelswesen von ihr ab.

Gott indes betonte, wenn sie Adam gehorchen würde, „ist es gut“. „Wenn nicht, schreiben wir einen Schuldvertrag“, so der Herr zu Lilith. Und da Adams Exfrau gar nicht daran dachte, sich ihm unterzuordnen, mussten fortan „an jedem Tag hundert Dämonen“ sterben. Angeblich ihre Nachkommen, die gleichzeitig ihrem Gewicht entsprachen.

Da der Herr mit der Widerspenstigkeit mit seiner ersten und zeitgleich mit Adam erschaffenden Frau wohl nicht rechnete, plante er nun um. Hier setzt die biblische Schöpfung wieder ein. Eva wurde aus dem lebenden Adam für ihn geschaffen. „Diesmal“ passte sie zu ihm, denn seine zweite Frau ordnete sich dem Adam unter.

Dämonische Kinder

Adam hatte aber nicht bis in alle Ewigkeit Ruhe vor seiner Exfrau. Denn nach der Vertreibung aus dem Garten Eden tauchte sie unverhofft wieder auf. Und das ging für Adam alles andere als gut aus, wie es beispielsweise ein klassisches „Wörterbuch der Mythologie“ von 1874 beschreibt:

Als aber Adam aus dem Paradies verstoßen wurde, musste er sich von neuem mit Lilith verbinden und wider seinen Willen, 130 Jahre lang lauter Riesen und böse Dämonen erzeugen.“

Der erste Mann als Vater unzähliger Dämonen und Titanen? Das klingt alles andere als nach dem biblischen Stammvater der Menschheit.

Eine antike Lilith-Sage, die Otto von Graben zum Stein 1741 in Band III seiner „Unterredungen von dem Reiche der Geister“ aufzeichnete, schildert Liliths Leben nach der Trennung von Adam anders. In dieser Sage wird ebenfalls von der Auflehnung der Lilith berichtet, weshalb Gott Adam eine neue Frau schuf. Jedoch sei Lilith hier aus dem Paradies vertrieben worden. Sie verließ es demnach nicht aus freien Stücken. Und so kam es, dass sie sich außerhalb von Eden mit dem Teufel einließ. Die Sage erzählt von diesen Mischwesen folgendes:

Nachdem also Lilit aus dem Paradiese verstoßen worden, habe sie sich mit dem Teufel verheiratet und ihm sehr viele Kinder geboren, welche Geister genennet würden. Diese Geister sollen mit sechs Eigenschaften begäbet sein, deren sie drei mit dem Menschen, drei aber mit dem Teufel gemein haben. Sie zeugen, wie die Menschen, ihresgleichen, sie essen Speisen und sind dem Tode unterworfen.

Hergegen haben sie, wie die Teufel, gleichsam Flügel und eine Luftart an sich, sie sind unsichtbar und durchdringen die Körper ohne einzige Hindernis. Diese Arten der Geister, sagen sie, sind dem Menschen am wenigsten schädlich und pflegen sogar mit ihnen oftmals in großer Vertraulichkeit zu stehen.“

Menschen aus dem Nichts

Diese ungöttlichen oder sogar teuflischen Kinder der Lilith widersprechen sehr der Tradition von bösen Dämonen. Denn die Sage behauptet eindeutig, dass diese die ungefährlichsten unter den Geistern seien. Mehr noch, denn sie haben mit den Menschen sogar „oftmals“ ein Vertrauensverhältnis. Eindeutiger kann ein Widerspruch zur christlichen Lehre mit ihren Warnungen vor Geistern, Okkultismus oder auch dem Bösen schlechthin wohl kaum sein!

Große Rätsel gibt die angebliche Abstammung der Menschheit von Adam und Eva mit ihren Söhnen den Gelehrten schon lange auf. Es nimmt zwar kaum jemand an, dass hier historische Fakten im Buch Genesis überliefert wurden, aber zu denken gibt dieser Stammbaum schon lange. Da Adam und Eva nur ihre drei Söhne Kain, Abel und Seth hatten, von denen einer erschlagen wurde, kann hieraus wohl keine Menschheit entstanden sein.

Kurios ist es dann auch, dass Kain, nachdem er seinen Bruder Abel erschlug, in ein fernes Land verbannt wurde, in dem er sogleich eine ganze Stadt gründete. Und hier, „jenseits von Eden, gen Osten“, zeugte er umgehend mit seiner Frau einen Sohn (Gen. 4,16f.). Einer Frau aus dem Nichts.

Sind dies „Spuren“ der angeblichen Kinder von Lilith und Adam? Tatsächlich widersprechen sich die Kommentare zu genau diesem Vers in den dutzenden, mir vorliegenden Bibelausgaben und Bibellexika dazu teilweise gravierend. Schon der Mystery-Autor Peter Krassa zitiert hierzu in seinem erstmals 1974 erschienenen Buch „Gott kam von den Sternen“ eine interessante Fußnote aus einer Bibel:

Möglicherweise war Kain nach älteren Quellenberichten nicht der Sohn des ersten Menschenpaares, sondern lediglich Stammvater der Kainiten.“

Wenn nicht der Sohn von Adam und Eva – von wem denn dann, wenn nicht von Adam und Lilith?

„Nicht der Sohn des ersten Menschenpaares“

Interessant ist, dass die von Krassa zitierte Fußnote zu Gen. 4,17 aus seiner damals genutzten Bibel in anderen Ausgaben geändert wurde. Denn ich habe von denselben Übersetzern, den Professoren Vinzenz Hamp und Meinhard Stenzel, verschiedene Bibeln im Archiv. Fast alle kommentieren diese Stelle unterschiedlich und vor allem anders. Hier herrscht also offensichtlich Uneinigkeit, wie man diese anderen Menschen der Urzeit deuten soll und woher sie überhaupt kamen. In einer Ausgabe, erschienen 1980 in einem katholischen Verlag in Deutschland, schreiben Hamp und Stenzel jedoch:

Man merkt, dass in einem älteren Zusammenhang Kain noch nicht der Sohn des ersten Menschenpaares war.“

Sinngemäß entspricht das dem Zitat von Krassa. Letztlich hatte Kain selber bedenken, dass er bei seiner Verbannung aus Eden von anderen Menschen getötet werden wird (Gen. 4,14). Ein Bibellexikon erklärt diesen Umstand mit der Blutrache unter Verwandten. Da Kain seinen Bruder erschlug, hatte er durch die Blutrache innerhalb der Familie nur von seinen Angehörigen etwas zu befürchten.

Wären sie nicht verwandt gewesen, hätte er keine Rache für den Brudermord zu befürchten gehabt:

Als war jeder, der ihn finden konnte, ihm blutsverwandt, stammte von Adam ab. (…) Daraus geht klar hervor, dass damals nicht schon andere Menschen auf der Erde lebten, sondern nur solche, die von Adam abstammten.“

Lilith – eine Riesin?

All das sind theologische Spitzfindigkeiten, um mythische Geschichten zu deuten. Erzählungen, die wohl kaum eins zu eins in dieser Form Realität waren. Aber die viele Millionen Menschen bis heute glauben. Die befürchte Blutrache aufgrund des Brudermordes durch Nachkommen von Adam schließt Lilith aber eindeutig nicht aus. Auch Kinder zwischen ihr und dem ersten Mann der Erde wären Verwandte von Kain.

Peter Krassa geht in seinem Buch im Zusammenhang mit dieser rätselhaften Figur Lilith aber noch einen Schritt weiter. Er bringt sie mit mesopotamischen Mythen in Zusammenhang, da Lilith bei den Völkern dort ihre mythologischen Vorgänger hat. Offenbar meinte Krassa hier speziell das babylonische Schöpfungsepos „Enuma elisch“ (Enūma eliš), da er keine konkrete Quelle nennt.

Demnach soll Lilith eine „Titanin“ gewesen sein, so Krassa. Eine Riesin, die eine Art „Geheimwissen“ von Form von Zaubersprüchen besaß und einen Zaubervogel namens „Zu“ hatte. Hier ist sicher der rätselhafte „Donnervogel Zu“ des Schöpfungsepos gemeint. Für Krassa waren nach diesen Überlieferungen die Kinder zwischen Adam und der „aufmüpfigen Titanin“ Riesen. „Sie gingen als Thursen und Trolle in die legendären Erinnerungen ein“, so Krassa. Thursen sind die Riesen der nordischen Mythologie.

Eine „tiefe Wahrheit“?

Sodomie im Garten Enden, arbeiten im Paradies, eine erste Frau von Adam oder auch dämonische Nachkommen. All das – und noch weit mehr – lassen die biblische Vorzeit in einem anderen Licht erscheinen.

Was soll, kann oder möchte man nach diesen sehr kurzen Ausflug in die biblische Urzeit eigentlich noch glauben? Wenn sich schon die Gelehrten uneins sind, wie dieses oder jenes zu deuten und erklären sei, kann es der gläubige Laie wohl kaum mehr. Und aufgrund der Tatsache, dass älteren Mythen und theologische Weltanschauungen anderer Kulturen von wieder anderen Völkern übernommen und adaptiert wurden, verdunkelt sich diese Vorzeit noch weit mehr.

Haben sich unsere Ahnen all diese kuriosen, faszinierenden und teils bizarren Geschichten wirklich nur ausgedacht? Nur reine Sinnbilder, Gleichnisse und Erklärungsversuche, um die Welt um sie herum zu verstehen? Oder liegt hier eine weit tiefer gehende „Wahrheit“ zugrunde?

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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