75 Jahre UFOs: Am 24. Juni 1947 wurden die „Fliegenden Untertassen“ in den Medien geboren (+ Video)

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75 Jahre UFOs: Am 24. Juni 1947 wurden die Fliegenden Untertassen geboren (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
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75 Jahre UFOs: Am 24. Juni 1947 wurden die Fliegenden Untertassen geboren (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Kein UFO-Forscher der Welt benutzt heute noch den Begriff „Fliegende Unterassen“ für UFOs. Doch diese Bezeichnung ist in der Bevölkerung noch immer sehr weit verbreitet und den meisten Menschen bekannt. In den 1950er und 1960er Jahren trug vor allem auch Hollywood durch zahlreiche Science-Fiction-Filme stark zur Verbreitung der Bezeichnung „Fliegenden Unterassen“ bei, über den man heute eher schmunzeln muss. Und diese fliegen Scheiben feiern aktuell ihren 75. Geburtstag, da erst die UFO-Sichtung des Piloten Kenneth Arnold am 24. Juni 1947 zur eigentlichen Geburtsstunde der flying saucer wurde. Und dabei hatte Kenneth Arnold damals überhaupt keine „Fliegenden Untertassen“ gesehen – die Presse erfand sie. Behauptetet er zumindest später …


Happy Birthday, fliegende Unterassen!

Nun gibt es sie am 24. Juni 2022 bereits 75 Jahre und spätestens seit diesem denkwürdigen Sommertag 1947 haben alle, die sich mit dem Thema „Fliegende Untertassen“ beziehungsweise UFOs  beschäftigen, nicht mehr alle Tassen im Schrank. Zumindest in in Augen all jener, die sich damit nicht beschäftigen. Auch wenn sich dieses Vorurteil seit wenigen Jahren mehr und mehr wandelt. Und dieser Wandel vielleicht auch eines Tages in der breiten Öffentlichkeit ankommen wird.

Die Masse der Bevölkerung denkt bei UFOs bis heute an Fliegende Unterassen (und natürlich an Aliens). Denn genau diese Form von fliegenden Scheiben am Himmel ist genau jene, an die die meisten Menschen direkt denken, wenn sie irgendwie etwas von UFOs hören oder lesen.

Natürlich weiß jeder UFO-Forscher von der Vielzahl an Formen, die unbekannte Objekte am Himmel (oder sonst wo) haben können. Doch die Scheibe ist und bleibt zweifellos der Klassiker. Obwohl schon in den ersten Jahrzehnten der UFO-Forschung nicht nur Objekte gesehen wurden, die wie zwei übereinander gelegte Untertassen ausgesehen haben sollen.

Wie die fliegenden Unterassen in den Himmel kamen

Im Juni 1947 erblickten die Untertassen das Licht der Welt. Durch die vermeintlich erste UFO-Sichtung der Geschichte, die Kenneth Arnold am 24. dieses Monats nahe dem Mount Rainer, US-Bundesstaat Washington, machte. Zwar gab es bereits vor dem 24. Juni 1947 Sichtungen von unbekannten Objekten am Himmel, doch erst der Fall Arnold prägte durch die Presse den Begriff der „Fliegenden Unterasse“.

Was war geschehen?

Der Privatpilot Kenneth Arnold sah an diesem Tag währen eines Fluges neun fremdartige Objekte am Himmel, die er sich nicht erklären konnte. Seiner Schätzung nach flogen die Objekte mit weit über 1000 Meilen pro Stunde, was mehr als 1600 Kilometer pro Stunde entsprechen würde. Und das im Jahre 1947. Dieser Sichtung des „Privatpiloten und seriösen Geschäftsmann“, wie die CIA ihn bezeichnetet, „folgte eine Flut von weiteren Sichtungen, darunter auch Berichte von Militär- und Zivilpiloten und Fluglotsen, überall in den Vereinigten Staaten“.

Acht dieser Objekte sollen nach Arnold rund und flach gewesen sein. Das andere Objekt habe die Form einer Sichel gehabt. Die Presse formte damals aus Bezeichnungen wie „saucer-like aircraft“ oder „shaped like saucers“ die „Fliegenden Untertassen“. Die „flying saucer“ waren geboren.

Von nun an wurde der Terminus der „Fliegenden Untertassen“ für Beobachtungen von unbekannten Objekten fester Bestandteil der UFO-Forschung. Ein Terminus, den aber heute natürlich kaum einer mehr verendet.

UFOs in Unterrassenform waren jedoch schon viele Jahre vor Arnold seiner Begegnung 1947 in der Science-Fiction bekannt. Beispielsweise als Raumschiffe für diverse Helden im All. Das „National Investigations Committee on Aerial Phenomena“ (NARCAP) hat dazu im Zusammenhang mit der Arnold-Sichtung bereits 2010 eine sehr umfangreiche Studie veröffentlicht, die HIER zu finden ist.

Von der Presse falsch zitiert?

Der durch die UFOs von Kenneth Arnold beziehungsweise der medialen Berichterstattung danach losgetretenen Untertassen-Boom in den USA, ließ sich nicht mehr stoppen. Da nutzte es auch nicht, dass Arnold selber beispielsweise am 7. April 1950 in einem Radiointerview mit Edward R. Murrow von CBS etwas anders sagte. So berichtete Arnold dort in der Radiosendung „The Case for the Flying Saucers“ unter anderem:

„(…) als ich beschrieben habe, wie sie flogen, sagte ich, dass sie fliegen, wie wenn Du einen Teller nehmen würdest und ihn über das Wasser springen lässt. Die meisten Zeitungen haben das missverstanden und zitierten mich falsch. Sie schrieben, dass ich gesagt hätte, sie seien tellerartig. Ich sagte, sie flogen tellerartig.“

Damit wäre also „hüpfen“ oder „springen“ gemeint oder auch eine Art „Sinuskurve“. Jedenfalls nicht gradlinig auf einer konstanten Flughöhe.

Arnold habe, so sagte er, den Begriff „Scheibe“ (disk) benutzt und eben nicht „Untertasse“(saucer). Es scheint, als habe Arnold in dem Radiointerview im April 1950 irgendwie versucht zu „revidieren“, dass er an dem Boom der fliegenden Untertassen verantwortlich sei. Zumindest aber an der 1950 unlängst in aller Munde befindlichen Bezeichnung der unbekannten Objekten am Himmel.

Rückblickend war das aber so nicht ganz richtig, was Arnold gegenüber CBS sagte.

Die UFOs des Kenneth Arnold

In dem Magazin „FATE“ jedenfalls schilderte Arnold die Sache selber etwas anders. In der sehr bekannten Ausgabe vom Februar 1948, in der Arnold in dem Artikel „I Did See the Flying Disks“ von seiner Sichtung berichtete, nutzte er auf Seite 7 die klare Formulierung „saucer-like objects“.

Er sprach also rund zwei Jahre vor dem CBS-Interview in seinem Artikel in „FATE“ von „untertassen-ähnlichen Objekten“. Auf Seite 8 wiederum nennt er in seiner Veröffentlichung die Flugobjekte eindeutig „saucer-like disks“: „untertassen-ähnliche Scheiben“. Das kling schon sehr deutlich nach den „Fliegenden Untertassen“, wie ich finde.

Auszüge aus dem Schreiben von Kenneth Arnold an die US-Air Force von 1947 (Bilder: gemeinfrei)
Auszüge aus dem Schreiben von Kenneth Arnold an die US-Air Force von 1947 (Bilder: gemeinfrei)

Doch damit nicht genug: Vor der Veröffentlichung des Artikel „I Did See the Flying Disks“ in der Erstausgabe von „FATE“ meldetet Kenneth Arnold seine UFO-Bobachtungen nahe dem Mount Rainer 1947 auch der US-Air Force in Form eines neun Seiten langen Schreibens. Dabei handelt es sich grundsätzlich um eine Art erste Version seines Artikels, der später in „FATE“ erschien. Lediglich geringe Abweichungen sind zu finden. Arnold hat diesen Brief genommen und leicht geändert im Februar 1948 als Artikel veröffentlicht.

75 Jahre fliegende Untertassen und UFOs?

Der Brief von Arnold fand damals Einzug in das UFO-Forschungsprojekt „SIGN“ der US-Air Force. „SING“ war eine offizielle UFO-Untersuchung der US-Regierung, die aufgrund der enormen Anzahl an Meldungen von unbekannten Objekten und dem angeblichen UFO-Absturz von Roswell nur etwa einen Monat nach dem Erlebnis von Arnold ins Leben gerufen wurde.

In den für jeden online zugänglichen Akten findet sich auch der Brief von Arnold von 1947. Bereits darin sind die „Untertassen-Beschreibungen“ auf Seite 5 und 7 zu finden, die er später so in seinem Artikel übernahm, der aus diesem Text entstand (Bild oben).

Damit können wir ruhigen Gewissens dieses Jahr am 24. Juni, dem Tag der Arnold-Sichtung, „75 Jahre fliegende Untertassen“ feiern. Dass er der erste war, der fremdartige Flugobjekte beobachtete, ist dabei allerdings wohl der größte Mythos. Denn schon in den Jahrtausenden zuvor sahen Menschen UFOs und sogar „klassische Fliegende Untertassen“. Selbst ein Vergleich mit einer „Unterasse“ für eine mutmaßliche UFO-Sichtung wurde schon viele Jahre zuvor verwendet, wie im Video unten aufgezeigt. Und zwar bereits 1878.

Mehr dazu in entsprechenden Videos auf dem Mystery Files-Kanal bei YouTube.

Mystery Files-Video

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form bereits zum „70. Jubiläum“.

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