Die „UFO-Forschungen“ des Nostradamus im 16. Jahrhundert: Was flog da am Himmel – nur ein Komet? (+ Videos)

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Die "UFO-Forschungen" des Nostradamus im 16. Jahrhundert: Was raste da über den Himmel - wirklich nur ein Komet? (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)
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Die „UFO-Forschungen“ des Nostradamus im 16. Jahrhundert: Was raste da über den Himmel – wirklich nur ein Komet? (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger)

Der Arzt und Apotheker Nostradamus ist heute vor allem als „Seher“ und „Prophet“ weltberühmt. Angeblich sah er bereits im 16. Jahrhundert zahlreiche Weltereignisse in ferner Zukunft „treffsicher“ voraus. Das machte ihn zu einer Legende. Nicht bekannt dürfte hingegen der Umstand sein, dass er 1554 auch einer rätselhaften Himmelserscheinung  nachging. Er sprach bei seinen Recherchen mit Augenzeugen vor Ort und verfasste einen entsprechenden Bericht über das seltsame Wunderzeichen. Nostradamus war damit wohl einer der erste „UFO-Forscher“ überhaupt. Und dennoch bleiben Fragen, was hier einst über den Himmel Frankreichs flog.


Wunderzeichen

Seltsame Zeichen am Himmel oder Wunderzeichen, die Menschen am Firmament beobachten konnten, gab es zu allen Zeiten der Geschichte. Antike Historiker haben über solche Sichtungen des Unbekannten ebenso berichtet, wie Chronisten des Mittelalters, der frühen Neuzeit oder sogar die Autoren der Bibel.

Mittelalterliche wie auch neuzeitliche Dokumente versuchten diese Erscheinungen sogar im Bild zu dokumentieren. Vor allem auf sogenannten Einblattdrucken oder Flugblättern, die nach Erfindung des Buchdruckes weite Verbreitung fanden.

Heute lassen sich zahlreiche dieser Himmelszeichen naturwissenschaftlich erklären oder deuten. Als meteorologisches Phänomene in der Atmosphäre (etwa Halos)  oder „Feuerbälle“ aus dem All. Also Meteore oder Boliden.

Bei anderen Beschreibungen vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende ist von heute aus betrachtet eine Erklärung oder Deutung schon schwieriger. Denn eine Reihe solcher Objekte und Erscheinungen am Himmel zeigten offenbar keine natürlichen Eigenschaften. Sogar eine Art „Flugmanöver“ wurde bei solchen Erscheinungen beobachtet und beschrieben. Was genau und konkrete hinter den einzelnen Sichtungen steckt, ist in viele Fällen umstritten.

In meinen Büchern, auf diesem Blog und auf dem Mystery Files-Kanal bei YouTube wurden bereits eine Vielzahl solcher Fälle vorgestellt und diskutiert. Unten findet Ihr eine Video-Auswahl zum Thema.

Nostradamus, der „UFO-Forscher“

Leider sind solche Berichte in den seltensten Fälle Schilderungen aus erster Hand. Wirkliche Augenzeugen sind genauso selten, wie zeitnahe Aufzeichnungen der Ereignisse. Dies ist auch ein Problem für all jene, die in derartigen Chroniken und Dokumenten nach „UFOs der Antike“ fahnden. Denn auch einige UFO-Forscher und –Autoren haben sich unlängst einiger dieser Himmelszeichen-Berichte angenommen. Meteorologen sowieso.

Auch wenn die Herkunft oder exakte Quelle der jeweiligen Berichte im dunklen liegen kann.

Anders bei einem Vorfall, den kein geringerer als der berühmte Seher Nostradamus für das Jahr 1554 dokumentierte. Der Arzt und „Prophet“ ist heute für seine Prophezeiungen der Zukunft weltberühmt. Doch kaum bekannt ist, dass er sich im 16. Jahrhundert sogar als „UFO-Forscher“ betätigte. Zu einer Zeit also, als es das Phänomen in der heute längst bekannten Form noch gar nicht gab.

Und diese Himmelserscheinung war alles andere als prachtvoll oder schön anzusehen. Im Gegenteil. Ein Flugblatt über dieses Ereignis ist bis heute in zwei (leicht variierenden) Versionen in Deutsch erhalten. Und es kündet von einem „erschrecklich vnd wunderbarlich zeychen“ an diesem Tag.

Drucken ließ das Dokument Joachim Heller in Nürnberg. Er hat, so vermutet es unter anderem Wilhelm Heß 1911 in „Himmels- und Naturerscheinungen in Einblattdrucken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts“, hier lediglich einen Kometen beschrieben. Eine eher zweifelhafte Deutung, wie sich zeigen wird.

„Von vielen Leuten gesehen worden“

Das Papier ist wahrscheinlich eine Zusammenfassung und Übersetzung aus dem Französischen eines kleinen Heftes des „Sehers“ Nostradamus persönlich. Heute liegt es in der Zentralbibliothek Zürich sicher verwahrt und trägt den vollständigen Titel:

Ein Erschrecklich vnd Wunderbarlich Zeychen / so am Sambstag für Judica den zehenden tag Martij zwischen siben vnnd acht vhrn in der stadt Schalon in Franckreych / von vielen Leuten gesehen worden

Datiert ist das Dokument auf den 19. März 1554. Nostradamus habe darin lediglich die Sichtung eines Meteor, Kometen oder anderen Objektes aus dem Kosmos wiedergegeben, denken die meisten. Doch es lohnt sich hier genauer hinzusehen. Auch aufgrund der prominenten Herkunft der Schilderungen und den Recherchen des Nostradamus zu diesem Fall.

So heißt es unter anderem auf dem Einblattdruck aus Nürnberg von Nostradamus (in einem moderneren Deutsch von mir):

Gnädiger Herr, nach meiner vorherigen Berechnung, die gewesen ist am ersten Tag im Februar dieses Jahres 1554, ist hier zu Salon ein sehr erschreckendes und entsetzliches Gesicht am 10. März ungeheuerlich zwischen 7 und 8 Uhr gegen den Abend gesehen worden, welches, meines Erachtens bis nach Marseille reichte.

Danach ist es auch zu Sankt Chamas in der Nähe des Meeres gesehen geworden, ebenso bei dem Mond, welcher zur selben Zeit sich nähernd dem ersten Viertel gewesen ist. Ein großes Feuer das vom Osten gekommen ist, und sich dann gegen den Westen gewendet hat.

Ein unheimliches Himmelszeichen

Daraufhin lesen wir auf dem Flugblatt „Ein Erschrecklich vnd Wunderbarlich Zeychen (…)“ von  Nostradamus und Heller:

 Dieses sehr große Feuer, und in den Maßen wie eine große brennende Stange oder eine Fackel gestaltet, hat einen verwunderlichen Schein von sich gegeben, und von ihm sind die Flammen gesprungen, wie von einem glühenden Eisen, das der Schmied bearbeitet.

Auch hat dieses Feuer viele Funken in die Höhe geworfen, glitzernd wie das Silber, und es war von übermäßiger Länge, fast wie die Jakobstrasse am Himmel, die man Galaxie nennt. Sehr schnell wie ein Pfeil, mit einem großen Rauschen und einem Prasseln, welches die Poeten inmensum fragorem („enormer Fall“ oder „Absturz“, Anm. LAF) nennen, und in der gleichen Art wie die Blätter und Bäume von einem gewaltigen Wind hin und her getrieben werden.

Es hat lange, bis zu 20 Minuten gedauert, bis es sich dann über der Gegend von Arla (…) gegen Süden gewendet hat, hoch zum Meer, und der feurige Streifen, den es machte, behielt lange Zeit seine feurige Farbe, und warf ein wenig um sich die feurigen Funken, wie ein Blitz, der vom Himmel fällt.

Dieses Anzeichen ist viel erschreckender gewesen, als dass es eine menschliche Sprache könnte aussprechen, oder beschreiben.“

Weiter berichtet Nostradamus, dass er selber den „UFO-Fall“ recherchierte. So kam er am 14. März in die Region von Aix, wo er bei „vielen Bürgern fleißig nachfragte, ob sie ein solches Zeichen gesehen hätten“. Wie er schreibt, haben letztlich in den betroffenen Gebieten mehr als 1000 Personen diese Sichtung gesehen und beschrieben. Eine enorme Anzahl.

Nostradamus und die „UFO-Zeugen“

Ein Barbier aus der Ortschaft Sankt Chamas war einer der Zeugen, den er bei seinen Recherchen traf. Er sei zu ihm gekommen und habe „erklärt, dass er und auch andere Bürger“ das Objekt auch am Himmel sahen. „Es hatte die Gestalt eines Halbbogens, der bis zum spanischen Meer“ reichte, berichten ihm die Augenzeugen. Dabei soll es sogar alles auf seinem Wege „zu Pulver verbrannt und vernichtet“ haben.

Nostradamus war sicher, dass dieses strahlende Schauspiel „neu und sehr fremd“ war, weshalb er in „diesem Gesicht oder Kometen“ den Vorboten eines nahenden Unheils in jenen Regionen sah. Er sprach von „Krieg, Feuer, Hunger, Pestilenz oder anderer Krankheiten“. Folglich: Ein böses Omen des Himmels.

Obwohl Nostradamus an einer Stelle das fliegende Objekt selber klar als „Komet“ bezeichnet, machen seine Ausführungen dennoch stutzig. Auch das illustrierende Bild des entsprechenden Flugblattes zeig einen solchen. (s. Titelbild dieses Postings)

Seinen Schilderungen nach habe der Überflug allerdings „sehr lange“ gedauert, wobei er von „bis zu 20 Minuten“ spricht. Für einen Kometen ist das nicht lange, sondern auffällig kurz. Derartige Objekte stehen teilweise über Wochen, Monate oder mehr als ein Jahr sichtbar am Himmel und bewegen sich – von der Erde aus gesehen – extrem langsam. Sie ändern auch nicht in so kurzer Zeit ihre Flugbahn so deutlich, wie in diesem Fall.

Man denke nur an den Kometen Hale-Bopp, der um 1996/7 rund 18 Monate mit bloßem Auge am Himmel zu sehen war. Sein erdnächste Punkt im März 1997 betrug übrigens 1,315 AE (Astronomische Einheiten) von der Sonne. Das entspricht rund 1,967 Millionen Kilometer Abstand.

Nur ein Komet?

Im „Nostradamus-Fall“ kam das Objekt von Osten, flog Richtung Westen und drehte später Richtung Süden ab. Weder auf einen Kometen, noch auf einen fallenden Meteor trifft das zu. Bei Letzterem wäre zudem die Zeit der Beobachtung von 20 Minuten dann wieder viel zu lang. Jeder, der mal Sternschnuppen am Firmament sah, weiß um deren Kurzlebigkeit.

Seltsam auch die Erwähnung, dass es in „Gestalt eines Halbbogens“ („gestalt gewesen in form eines halben bogens“) beobachtet werden konnte, der bis zum Meer Spaniens reichte. Ein Hinweis auf die Flugbahn? Möglicherweise ist hier die „Spur“ gemeint, die das Objekt am Himmel oder in den Wolken hinterließ. Eine sich langsam auflösende und verwehende „Spur“ wiederum passt zu einem Boliden, einer „Feuerkugel“ aus dem All.

Das Problem ist nur, dass dieses Spektakel am Himmel gleichzeitig auch als „neu und sehr fremd“ bezeichnet wurde. Einem gelehrten und gebildeten Menschen wie Nostradamus dürfte ein Bolide oder Komet zweifellos nicht „neu und sehr fremd“ gewesen sein. Zumal er im 16. Jahrhundert selber als „Sternenkundler“ (Astronom und Astrologe) tätig war.

Mehr als kurios erscheint auch folgendes Detail der Augenzeugen. Hiernach habe die Himmelserscheinung auf seinem Wege alles „zu Pulver verbrannt und vernichtet“. Wörtlich heißt es:

Und wo es nider / wie in es in der höhe gwesen / hette es alles verbrent und zu pulver verzerte / so es für ober gangen.“

Fragen bleiben

Sollte die Augenzeugen wahrheitsgemäß dem Nostradamus berichtet haben, kann es erst recht kein Komet gewesen sein. Kometen bewegen sich weit außerhalb der Erde im All. Nicht selten Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Ein derartiges Schauspiel – sofern von der Erde aus zu sehen – verbrennt oder zerstört nichts auf der Erde!

Außer – der Komet schlägt auf der Erdoberfläche ein. Wäre dies der Fall gewesen, dann hätte unsere Zivilisation seit dem Ereignis sich sicher bis heute nicht vollständig erholt. Man denke an die Dinosaurier.  Gleichzeitig hätten wir längst unzählige, moderne Forschungsergebnisse sowie weitere zeitgenössische Berichte der Katastrophe vorliegen.

Die Passage in dem altertümlichen Deutsch des 16. Jahrhunderts ist sicherlich schwer zu verstehen oder zu deuten. Doch hier scheint sogar beschrieben zu sein, dass das Objekt nieder (auf die Erde) ging und wieder in die Höhe stieg. Sofern sogar das zutrifft, ist wohl eine natürliche Erklärung kaum mehr möglich.

Ähnlich wie eine Kugel vom Himmel bei den alten Römern vor rund 2100 Jahren. Denn diese kam vom Himmel, „landete“ auf Erde und flog in eine andere Richtung wieder davon …

Video-Auswahl zum Thema

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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