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Dresdner Codex: Was wirklich im geheimnisvollen Maya-Buch steht

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Codex-Seite

Im Dresdner Codex finden Apokalyptiker den Beweis, dass am 21. Dezember das Ende kommt. Als Gegengift wird das geheimnisvolle Maya-Werk jetzt ausgestellt.

Es ist eine der ersten Schockszenen und viele weitere werden folgen: Zufällig sieht der Schriftsteller Jackson Curtis alias John Cusack im Fernsehen, wie sich mehrere Maya auf eine schaurige Zeremonie vorbereiten, ihren kollektiven Selbstmord. Was folgt, ist Kinogeschichte. Innerhalb von drei Monaten spielte Roland Emmerichs Endzeitspektakel “2012” fast 800 Millionen Dollar ein. 

Nun….ja….:
Schon 2009 kam es zu einem “Run” auf den Codex in Dresden. Das berichteten auch die Medien damals. So schrieben wir zum Beispiel in “Die Akte 2012“:
 
,Bild online’ berichtete am 11. November 2009 aber auch, dass seit Monaten Maya-Nachkommen aus Mittelamerika in die Sächsische Landebibliothek Dresden pilgern. Direktor Prof. Dr. Thomas Bürger wird zitiert, dass diese vor der fast 1000 Jahre alten und weltberühmten Maya-Handschrift Dresdner Codex (Codex Dresdensis) beten: ,Tief ergriffen knien sie vor dem Buch nieder, beten vor ihrem größten Heiligtum’. Auch ,Bild der Wissenschaft’ berichtet (Nr. 10/2009), das seit dem 29. Juni 1992 laut Katrin Nitzschke vom Dresdener Buchmuseum inzwischen etwa 20 solcher Gruppen pro Jahr kommen würden.

Als wir 2009/2010 unser 2012-Buch schrieben, haben wir auch den Codex umfassend behandelt. Vor allem die Seite oben. Ergebnis: Nichts als haltlose Spekulationen, dass diese 2012 ein Weltuntergang weissagt oder ähnliches. Wie es auch Prof. Grube bei “Welt” oben sagt. Es war abzusehen, dass es in diesem Jahr erneut in die Medien gelangt. Was ja auch nichts “schlimmes” ist.

So schrieben wir 2009/2010 in “Die Akte 2012” etwa auch zu besagtem Codex in Dresden (Auszug):

(…)

Der für uns interessante Codex aus Dresden wurde 1739 von Johann Christian Götze (1692 bis 1749) entdeckt und liegt heute in der Schatzkammer des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden. Datiert wird der Text aus 39 Blättern aufgrund astronomischer Berechnungen in dem Text auf etwa 1200 nach Christus. Er ist im Internet bei der ,Foundation for the Advancement of Mesoamerican Studies’ (famsi.org) vollständig digital einsehbar. Erst im Juni 2008 wurde die Handschrift digitalisiert. Dieser Codex ist es auch, der Dr. Andreas Fuls vom „Institut für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft“ der TU Berlin dazu veranlasste, die Maya-Kultur um rund 200 Jahre später zu datieren (s. Teil II.).

Auch wenn der Codex interessante Berechnungen zum Mars oder zur Venus und die legendären ,Finsternistafeln’ enthält, ist nur ein einziges Bild für die Apokalyptiker spannend. Interessant für unsere Betrachtungen ist nämlich die Tafel 74 des Codex, ,Weltende’ oder ,Sintflut’ genannt. Es zeigt im oberen Rand einen Drachen oder ein Krokodil, das Wasser speit und sich offenbar über den Himmel erstreckt. Über einer schwarzen und bewaffneten Gottheit auf dem Bild steht mutmaßlich die Maya-Göttin Ixchel. Sie trägt eine Schlange auf dem Haupt und zwei gekreuzte Knochen auf ihrem Rock. Dies steht nicht für Nibiru, sondern steht angeblich für ,Feindschaft’ oder kriegerische Absichten. Ixchel war die Schutzgöttin der Schwangeren, des Wassers und des Regenbogens am Himmel und ebenso eine Göttin der Erde und des Mondes. Vielleicht hat sie auch etwas mit der Fruchtbarkeit zu tun. Jedoch zeigt der Codex deutlich, dass auch sie einen Krug mit Wasser scheinbar auf die Erde schüttet.

Was nun bedeutet diese Darstellung?

Maya-Forscher wie Rolf Krusche mutmaßen, dass Bild zeigt eine in ganz Mittelamerika verbreitete Mythologie: Das Ende der Welt; hier durch eine Sintflut.

Aber nicht unbedingt in Zukunft! Die Völker in Mittelamerika glaubten – ähnlich wie die Hopi Indianer in Arizona, die angeblich aus Mexiko kommen – dass die Welt bereits mehrmals untergegangen ist. Die Azteken etwa glaubten, sie befinden sich in der fünften Welt bzw. Schöpfung. Durch eine Katastrophe (Erdbeben) werde auch diese fünfte Schöpfung eines Tages vernichtet. Wann das jedoch soweit sein wird, dass haben die Azteken nicht überliefert.

Tafel 74 des Dresdner Codex nun soll eben einen solchen Untergang zeigen. Krusche schrieb schon 1966:

,Das Bild bezieht sich auf die bei allen mittelamerikanischen Völkern anzutreffende Vorstellung von der mehrmaligen Schöpfung und Vernichtung der Welt. Nach den Überlieferungen der Maya gingen der bestehenden Welt, die auch dereinst einmal zerstört werden würde, bereits drei andere Weltzeiten voraus.’ [i]

Über 40 Jahre später, inzwischen sind die Maya-Texte in weiten Teilen lesbar, revidierte Maya-Schriftexperte Professor Dr. Nikolai Grube diese Aussage jedoch etwas. Es sei seiner Meinung nach unsicher in welchem Maya-Weltzeitalter wir heute leben:

,Es gibt keine Maya-Aufzeichnungen über die Zahl der Universen, und wir wissen nicht, in welcher Welt wir gerade leben, ob in der zweiten oder zehnten oder welcher auch immer.’ [ii]

Interessant ist der oben genannte Krug der Göttin, aus dem sie Wasser schüttet: In dem Wasser ist das ,magische Datum 5Eb’ geschrieben. Das Datum dieser Fluten. Die Maya-Forscher wissen aber bis heute nicht, wann das Datum nach unserem Kalender in Wahrheit ist. Grube spekuliert auch über den Untergang der jetzigen Welt:

,Inschriften der Klassischen Zeit deuten darauf hin, dass die gegenwärtige Welt 33 mal 400 Jahre dauern wird. Demnach würde das Ende im Jahr 8077 n. Chr. nahen.’ [iii]

Dies leitet Grube wie folgt ab: 33 x 400 Jahre = 13.200 Jahre. 13.200 – 3114 Jahre (Start des Maya-Kalenders) = 10.086. 10.086 Jahre – 2009 (das Jahr, in dem Grube diese Aussage tätigte) = 8077 nach Christus.

Also auch hier von dem Jahr 2012 keine Spur. Mag sein, dass der Codex in die Zukunft weist, aber in eine unbestimmte Zukunft. Vielleicht auf das Jahr 9898. Oder, wie es Adrian Gilbert und Maurice Cotterell deuten, auf eine vergangene Vernichtung einer Maya-Welt. Und natürlich sagen solche Prophezeiungen über ein Ende der Menschheit bzw. der Welt, wie wir sie kennen, in keiner Weise, dass dies irgendwie in unsere heutige Zeit fällt. Stichwort Klimawandel, knappe Ressourcen, Überbevölkerung etc. pp.

Auch 3114 vor Christus als Start des Maya-Kalenders und damit der Welt ist bekanntlich unsicher. Drei Maya-Stelen in dem Ort Coba in Mexiko, Bundesstaat Quintana Roo, belegen das eindrücklich. Sie sprechen von Zyklen zu 2021 Jahre á 360 Tagen. Laut den Inschriften sind 13 derartige Zyklen (= 25.913 unserer 365-Tage-Jahre) bereits vergangen, als die Welt der Menschen erst erschaffen wurde …

Also auch in diesem Codex wieder eine Fehlanzeige auf der Suche nach dem wahren Kern des Mythos um das angebliche Wendejahr. Befinden wir uns also nicht in der viel beschworenen „Zeitenwenden“? Dazu wollen wir den Esoterik-Autor Dr. Carl Callemann zitieren, der treffend nach dem Start des Filmes ,2012′ sagte:

,In Wirklichkeit konnte kein solches Ereignis von den alten Maya vorausgesagt worden sein, aber für viele, die nicht um die Ecke denken wollen, wurden solche Ereignisse zu urbanen Legenden, in die Hollywood hinein klopft und die es verstärkt.’[iv]

Der Archäologe und Maya-Schrift-Experte Professor Dr. Nikolai Grube, Direktor des ,Institutes für Altamerikanistik und Ethnologie’, Rheinische Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn, ist ein ausgewiesener Kenner der Maya-Überlieferungen. Seit 1984 forscht er vor Ort in Mittelamerika im Maya-Land und dokumentiert dort die Inschriften der alten Maya für die Nachwelt. So ist es der Internetseite iae-bonn.de des Institutes zu entnehmen.
Professor Grube nun erkannte als Experte schon früh den 2012-Hype. So kam es, dass er bereits Anfang 2004 in der Fachzeitschrift ,Abenteuer Archäologie’ (1/2004) energisch und kompetent gegen diesen Mythos vorging. Doch ein Detail seiner Arbeit wurde dabei vollkommen übersehen. Wir erwarten nicht, dass die 2012-Esoteriker diese Veröffentlichung von Grube gelesen haben. (…)

[i] Krusche, Rolf: Die Maya-Handschrift Codex Dresdenis. Frankfurt am Main 1966, S. 44

[ii] Zick, Michael: Handbuch für Wahrsager. In: Bild der Wissenschaft Nr. 10/2009, S. 77 (dort wird Grube dementsprechend zitiert)

[iii] ebenda

[iv] http://www.indalosia.de/calleman_Kommentar_2012_der_Film_des_R._Emmerich.htm

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Artikel: Der Maya-Kalender, das Jahr 2012 und die Ankunft der "Götter"

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Wir schreiben nun das Jahr 2012!

Ein Jahr, das eigentlich ein Jahr wie jedes andere auch sein könnte. Doch 2012 ist in den Augen vieler Menschen kein Jahr wie jedes andere Jahr auch. Im Gegenteil! Es ist ein Jahres-Datum, auf das unzählige Esoteriker, Alien-Gläubige, Sekten, Weltuntergangs-Propheten und andere Zahlenmystiker geradezu hinfieberten. Es bildete sich hier langsam aber stetig eine Art “2012-New-Age-Religion” heraus. Vor allem im Internet.

von Lars A. Fischinger
Nach dem Buch „Historia Mystica“ vor dem Lektorat (2009)


Im Jahr 2012, so die aktuellen Diskussionen, endet angeblich der sehr genaue Kalenderzyklus des Maya-Kalenders aus Mittelamerika (Mexiko). Und dieses Datum und das Thema Kalender der Maya boomen seit einigen Jahren auf dem Buchmarkt und vor allem im Internet. Was hat es mit diesem Thema und vor allem diesem Jahr aber tatsächlich auf sich? Ist der von den Maya in ihrem Kalendersystem festgelegte Fixpunkt ein besonderes Datum, ein Wendepunkt der Menschheitsgesichte?

Stehen uns dann Bahnbrechende Ereignisse bevor?
 
Der Kollege und Bestsellerautor Erich von Däniken, Schweiz, hat in seinem Buch “Der Tag, an dem die Götter kamen” (1984) bereits umfassend über den sehr exakten Kalender der Maya geschrieben und das Thema so auch in der Grenzwissenschaft bekannt gemacht. Und die Maya hatten tatsächlich enormes Wissen. So etwa bestimmten sie die Länge eines Jahres mit 365,2421 Tagen und lagen damit bis auf vier Stellen hinter den Komma sensationell richtig. Auch die Bahndaten des Planeten Venus kannten die Maya-Astronomen ausgezeichnet, so dass sie in 6000 Jahren nur um einen Tag korrigiert werden mussten. Von Däniken zitiert den britischen Astronomen Professor Michael Rowan-Robinson dazu mit den Worten:
 
Derartige Übereinstimmungen sind in der westlichen Astronomie erst in modernsten Zeiten erreicht worden.“
 
Die Maya galten schon immer in den Reihen der Esoteriker als eine Art “romantische Zivilisation”. Friedwertigkeit und astronomische Hingabe wurden dem Volk der Maya bis heute nachgesagt. Auch wenn die neuste Forschung unlängst weiß, dass auch die Maya Menschen opferten und alles andere als eine Kultur der Friedfertigen war.
 
Am 11. August 3114 vor Christus beginnt angeblich der hoch-präzise Kalender der Maya. Eine Art “Startpunkt”, über den jedoch seit Jahrzehnten gestritten wird. Denn wann genau der Kalender beginnt, ist in Wahrheit nicht so genau gesichert. Professor Robert Henseling legte den Startpunkt vor genau 60 Jahren auf Anfang Juni 8498 vor Christus fest. Antoon Leon Vollemaere hingegen vermutete vor 30 Jahren das Nulldatum sei in Wahrheit der 16. September 3606 vor Christus.

Wann nun tatsächlich der Kalender der Maya beginnt ist folglich umstritten. Doch der Beginn des Kalenders ist heute auch nicht mehr so interessant. Auch wenn Grenzwissenschaftler teilweise vermuten, dass an diesem unbekannten “Tag Null” der Maya etwas besonderes in Mittelamerika geschah: Nämlich die Ankunft der Götter aus dem All oder Atlantis bei den späteren Volk der Maya.
 
Skeptiker verweisen jedoch darauf, dass beispielsweise erste Siedlungsspuren im Copan-Tal erst um 1100 vor Christus nachweisbar sind. Und erste Hinweise auf Städte und Handel im Reich der Maya finde sich sogar erst um 500 vor Christus. Dennoch bleibt 3114 vor Christus als Startpunkt des Maya-Kalenders.
 
Nun kommt das legendäre Jahr 2012 ins Spiel; vor allem der Esoterik-Szene: Der Kalender der Maya “endet” im Jahre 2012 nach Christus und gibt damit ein in sehr naher Zukunft liegendes Fixdatum an. So heißt es. Was mag da nun geschehen, fragen sich viele Interessierte. Hier herrschen das größte Durcheinander und die wildeste Verwirrung in den Reihen der “Zahlenmystiker”. Während die einen darauf verweisen, dass 2012 der Kalender eben nicht endet, sondern nach einem Zyklus wieder “auf Null springt”, sprachen andere von umfassenden, ja, von dramatischen Umwälzungen auf der gesamten Erde.
 
Der Maya-Kalender setzt sich aus einem rituellen Kalender mit Namen “Tzolkin” (mit 260 Tagen) und einem allgemeinen Kalender mit Namen “Haab” (mit 365 Tagen) zusammen. Durch eine Verbindung der beiden Kalender entstanden Zyklen, und, so zum Beispiel die Maya-Experten Professor Linda Schele und Professor David Freidel in ihrem viel beachteten Buch “A Forest of King” (1990), einer endet am 23. Dezember 2012. Damit haben wir ein festes Datum. Was passiert dann?
 
Die Welt wird untergehen! Die Götter der Maya kommen zurück auf die Erde. Außerirdische werden auf der Erde landen. Der bewohnte Planet “Nibiru” wird sich wieder der Erde nähren. Die Welt wir einen “Wandel” erleben. Oder es steht „der Aufstieg der Erde in die fünfte Dimension“ bevor. Wobei man es beliebig ändern kann, welche Dimension einem gerade gefällt. Selbst die Rückkehr von Jesus Christus wird dann und wieder postuliert.
 
Solche und viele weitere Spekulationen kursieren in der Literatur und im Internet. Doch gerne wird das Ende aller Tage von selbsternannten Propheten vorhergesagt: „Der Untergang der Welt steht bevor“, warnen die selbsternannten Propheten des Untergangs. Dass das nicht stimmt, haben schon 1990 Professor Schele und Professor Freidel geschrieben. Also lange vor dem 2012-Boom. Und es ist ein Boom, denn allein die Suchmaschine “Google” liefert bei der Eingabe der Schlagwörter “2012 calendar” unglaubliche 2130000 Treffer.
(Anm. Aug. 20120: Stand 2008/Anfang 2009 – inzwischen habe ich zu “2012” & Co. das Buch “Die Akte 2012 – Wahn und Wirklichkeit” mit Ewa G. veröffentlicht!)
 
Die Professoren Schele und Freidel berichten auch, dass sich in der berühmten Maya-Stadt Palenque eine Inschrift befindet, die bis auf den 15. Oktober 4772 nach Christus vorausblickt. Und zwar nach dem Ende eines weiteren Zyklus des Maya-Kalenders. Auch Nikolai Grube, Professor für Altamerikanistik von der Universität Bonn, verweist auf Maya-Daten nach dem Jahre 2012. So berichtet er von einem beschriebenen Knochen, der in einem Grab in der legendären Mayastadt Tikal gefunden wurde. Auf diesem Knochen fanden sich drei Jahresangeben: 17. Juni 1224 nach Christus, 22. April 5565 nach Christus und letztlich 24. Februar 9898 nach Christus.
 
Ein Untergang der Welt 2012 hat hier wohl kaum Platz. Im Jahr 2012 beginnt der Kalender-Zyklus lediglich wieder von neuen. Er endet nicht, wie es immer wieder von den Medien behauptet wird.
 
Und die Wiederkehr der Götter oder Außerirdischen? Tatsache ist, dass bei vielen Religionen und Kulten der Welt ein Glaube an die Rückkehr der Götter oder der “Lehrmeister aus dem Himmel” existiert. Esoteriker verweisen nun darauf, dass die Maya-Götter unter Führung des Hauptgottes wieder auf die Erde kommen werden. Die Gottheit Kukulkan, so heißt es, komme dann wieder zu den Menschen. Ein neues Zeitalter würde ab 2012 beginnen.

 
Und tatsächlich: eine kleine lokale Maya-Inschrift aus dem 7. Jahrhundert aus dem recht unwichtigen Ort Tortuguero spricht davon, dass 2012 der Gott Bolon Yokte wieder kommen wird. Doch würde die Ankunft der Götter 2012 als ein epochales Ereignis nur in einem so unbedeutsamen Ort wie Tortugureo als Prophezeiung zu finden sein? Und dann noch mit einem so unwichtigen Gott wie Bolon Yokte verwoben?
 
Eine ganze Reihe von Menschen deuten moderne Zeichen wie UFO-Sichtungen und Kornkreise nun im Sinne einer 2012-Wiederkehr der Astronautengötter. Kornfeld-Piktogramme, die vornehmlich in Südengland aber auch in anderen Teilen der Welt entstehen, sollen „codierte Botschaften“ von Außerirdischen sein. Und diese “Codes” würden die Menschheit eindrücklich auf das kommende Ereignis im Jahr 2012 hinweisen.
 
Die angebliche Ankunft der Götter aus dem All wird auch mit den Thesen des US-Autoren Zecharia Sitchin in Verbindung gebracht. Dieser behauptete in seinem Buch “Der zwölfte Planet” vor über 30 Jahren, dass es in unserem Sonnensystem einen weiteren und bisher unentdeckten und von einer Zivilisation bewohnten Planeten gibt. Diesen Planeten nannte Sitchin “Nibiru”, und er soll in einer elliptischen Umlaufbahn wie ein Komet in 3600 Jahren einmal die Sonne umrunden. Die Bewohner des Planeten, so der Autor in seinem und zahlreichen folgenden Büchern, würden regelmäßig die Erde besuchen. Seine Spekulationen leitet der Bestsellerautor vor allem aus Texten der Sumerer und anderer Kulturen Mesopotamiens (Iran, Irak) ab. 2012 nun würde es wieder soweit sein, und die “Anunnaki” genannten Götter dieses Planeten würden wieder zu den Menschen kommen.
 
Recherchen im Internet liefern schnell zahlreiche Seiten zum Thema Wiederkehr des Planeten Nibiru und 2012. Videoportale wie “youtube” und “myvideo” entwerfen ein geradezu katastrophales Szenario, was alles geschehen wird, wenn sich der “Planet X” wieder der Erde nährt. Nicht nur, dass die Außerirdischen wieder die Menschheit besuchen werden, sondern die Erde wird von verheerenden Vernichtungen gebeutelt. Durch die Annährung des Planeten würden Tsunamis, Feuersbrünste, Tornados, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Erdmagnetfeld-Veränderungen folgen. Sogar von einem Polsprung, von einem Wechsel von Nord- und Südpol, und einem kippen der Erdache wird gesprochen. Auch der Stillstand der Erdrotation für drei Tage ist im Gespräch. Zweidrittel aller Menschen und 75 Prozent aller Tiere werden durch diese Zerstörungen sterben. Sogar eine 90 prozentige Vernichtung des irdischen Lebens wird geweissagt. Untermalt werden solchen Horror-Szenarien dabei gerne mit Szenen aus dem Roland Emmerich Katastrophenfilm “The day after Tomorrow”. 
 
Das die Thesen von Sichtin um einen bewohnten Riesenplaneten in unserem Sonnensystem mit einer derartigen Umlaufbahn astronomische Nonsens sind, wird dabei von den Gläubigen übersehen. Ebenso wird übersehen, dass Sitchin sein Planet nach seinen Angaben gar nicht 2012 wieder kommen würde (siehe umfangreich hier und als Video hier). Doch auch wenn nicht von der Rückkehr des 10. Planeten und seiner Bewohner zur Erde gesprochen wird, bleiben immer noch die esoterischen Prophezeiungen über eine Art “neues Weltzeitalter”.
 
Sehr interessant ist auch, dass sich jene, die sich mit dem Jahr 2012 befassen, nicht mal auf ein genaues Datum einigen können. Es stehen im Internet beispielsweise zur Diskussion:
  • 20. Dezember 2012
  • 21. Dezember 2012
  • 23. Dezember 2012
  • 24. Dezember 2012

Gerne nimmt man dabei auch dann und wann den 20. Dezember denn 20. und 12. zusammengezogen ergibt 2012. Ebenso den 21. Dezember, da dies der Tag der Wintersonnenwende ist. Wüste Zahlenspielerei boomt hier. Auch, weil bekanntlich nicht ganz sicher fest steht, wann der Maya-Kalender beginnt. Als Fakt und Kern-Aussage bleibt aber das Jahr 2012. Entweder als fixes Jahr der Apokalypse oder als Anfangsjahr eines anderen Zeitalters.

 
Sicher ist, dass die Welt nicht untergehen wird, sondern der Maya-Kalender lediglich wieder bei Null beginnt und nicht endet. In der Tat berichten Völker aus Mittelamerika und anderswo aber auch, dass die Welt bereits mehrfach untergegangen und wieder neu auferstanden ist. Doch einen erneuten Untergang mit dem Datum 2012 zu verweben ist falsch. Der ganze Hype um 2012 ist vergleichbar mit dem Jahrswechsel 1999/2000. Auch damals traten selbsternannte Propheten an die Öffentlichkeit und sprachen von identischen Vorhersagen für die Menschheit und die Erde. Geschehen ist auch damals – nichts.
 
Sicher ist aber auch, dass die Legende der Wiederkunft der Maya-Götter nur eine unbedeutende Lokalüberlieferung eines unwichtigen Gottes ist. Eine Legende der Maya oder anderer Völker Zentralamerikas, die besagt, dass ihr Hauptgott Kukulkan oder auch Quatzalcoatl (Azteken-Gottheit) 2012 wieder zur Erde kommen wird, ist schlicht nicht bekannt. Zumindest wurde eine solche von keinem mittelalterlichen Chronisten der Eroberung Mexikos aufgezeichnet. Ebenso finden sich keine Inschriften in den Maya-Hieroglyphen, die eine derartige Prophezeiung verkünden.
 
Fest steht aber ein astronomisches Ereignis in diesem Jahr, denn am 2012 kommt es in Australien, Neuseeland, Südpazifik und Südamerika zu einer totalen Sonnenfinsternis. Ein astronomisches Ereignis, das immer wieder in verschiedenen Teilen der Welt beobachtet werden kann, und dadurch kaum als Hinweis auf ein Ereignis weltweiten Ausmaßes gedeutet werden kann. Auch im Sommer 1999 kam es zu einer totalen Sonnenfinsternis, die auch in Süddeutschland beobachtet werden konnte. Auch dieses seltene aber bekannte astronomische Ereignis wurde vor zehn Jahren mit Weltuntergangs-Spekulationen in Verbindung gebracht.
 
2012 ist ein interessantes soziokulturelles Phänomen, das vor allem im Internet lebt und verbreitet wird. Und natürlich kommen zu jedem Boom nach gewisser Zeit Bücher auf dem Markt. Menschen brauchen, das beweisen die Verkaufszahlen der Prophezeiungen des Nostradamus durch die Jahrhunderte, in regelmäßigen Zeiten und Abständen “prophetische Daten”. Vor allem, wenn es irgendwo auf der Welt “kriselt”. Wenn dann letztlich doch nichts passiert, wie etwa vor zehn Jahren 1999/2000, werden sich sicher wieder viele fragen, warum denn nichts geschah. Und natürlich werden findige Autoren weiterhin fleißig Nostradamus-Bücher herausbringen.
 
Natürlich weiß niemand, was 2012 nun genau geschehen wird. Auch nicht die entsprechenden Bücher, die wie Pilze aus dem Boden schießen und dessen Autoren am Boom mitverdienen. Ein verlässlicher Blick in die Zukunft ist aber leider nicht möglich. Vielleicht trifft tatsächlich eines Tages zum Beispiel wieder ein Asteroid die Erde und sorgt für globale Vernichtungen. Vielleicht sogar für den Untergang der Zivilisation. Ein Schreckensereignis, das sehr unwahrscheinlich aber dennoch nicht ausgeschlossen ist! Vielleicht kommen auch eines Tages die Aliens wieder auf die Erde zurück. Aber bisher weißt nichts auf einen Wandel im Jahre 2012 hin.

Feb. 2009

 

Meine Bücher zum Thema
 


Weiterführende und verwendete Literatur (Auswahl!)

Aktuelle Bücher zum Thema “Mythos und Wahrheit hinter 2012”

 

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