„Schimmernde Scheibe“ am Himmel über Deutschland: Was geschah während eines Nordlichtes am 25. Januar 1630? (+ Videos)

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Schimmernde Scheibe vom Himmel während eines Nordlichtes 1630 über Deutschland: War das? (Bild: gemeinfrei)
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Schimmernde Scheibe vom Himmel während eines Nordlichtes 1630 über Deutschland: War das? (Bild: gemeinfrei)

Himmelszeichen und Wunderzeichen gab es zu allen Zeiten am Himmel. Seltsame Erscheinungen, die vor allem im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Zeichen oder Erscheinung Gottes interpretiert wurde. Auch die heute unlängst erklärbaren Nordlichter zählten dazu. Und ein besonders starkes Polarlicht war Anfang 1630 auch über Deutschland zu sehen. Jedoch war es in dieser Nacht offenbar nicht die einzige Himmelserscheinung. Denn auch eine schimmernde Scheibe oder Platte am Himmel machte den Menschen an diesem Tag Angst, so ein zeitgenössischer Bericht, der viele Fragen aufwirft.


Nordlichter und Himmelszeichen

Nordlichter, auch Polarlichter genannt, faszinieren bis heute viele Menschen. Und wie es der Name schon verrät, kann man dieses farbige Spektakel am Himmel vor allem in den Polargebieten sehen. Besonders ausgeprägte Nordlichter können indes in seltenen Fälle bis ins südliche Europa oder noch weiter Richtung Äquator bestaunt werden.

Heute wissen wir dank naturwissenschaftlicher Kenntnisse genau, wie solche Nordlichter in der oberen Atmosphäre entstehen. Grund sind Sonneneruptionen, von denen aus geladenen Teilchen zur Erde „gefeuert“ werden. Das hat dem Himmelsspektakel nicht seine Faszination genommen. Wohl aber den Schrecken, den solche Lichter am Himmel einst unter den Menschen verbreiteten.

Denn in der Vergangenheit wurden sie vielfach als mahnende Himmelszeichen oder Wunderzeichen interpretiert, das Gott zu den Menschen schickte. Zum Beispiel als Zeichen, dass der Mensch „Buße tun“ solle. Nicht anders war es bei einem Nordlicht, dass Anfang des Jahres 1630 in weiten Teilen Deutschlands (und sicher auch anderswo) zu bestaunen war.

Zeitgenössische Chronisten haben dieses unter anderem auf gedruckten Flugblättern dokumentiert.

Datiert ist das Ereignis auf den 25. Januar 1630 und wurde später als „ausgeprägtes Nordlicht“ bezeichnet. So etwa von Prof. Dr. Wilhelm Heß in seinem Werk „Himmels- und Naturerscheinungen in Einblattdrucken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts“ schon 1911. Aber auch heute noch findet sich diese Erscheinung in einschlägigen Polarlicht-Datenbanken als „ein prächtiges Polarlicht“ gelistet.

25. Januar 1630: „Zurechtweisung“ Gottes

Ein in Rotenburg ob der Tauber gedrucktes Flugblatt von Hieronymus Körnlein zu diesem Nordlicht ist als zeitgenössische Quelle bis heute erhalten. „Ein großes Wunderzeichen hat uns Gott sehen lassen“, heißt es dort. „An vielen unterschiedlichen Orten“ haben die Menschen dieses Zeichen sehen können, erfahren wir weiter. Was bei einem derart „ausgeprägten Nordlicht“ über Deutschland wenig verwundern sollte.

Die auf dem Flugblatt dargestellte Stadt scheint indes Rotenburg ob der Tauber mit der Kirche St. Jakob 1630 selbst zu zeigen. Oder soll es zeigen, da die Illustration in Teilen für andere Ereignisse, zu anderen Zeiten an anderen Orten ebenso genutzt wurde.

Das Wunder wurde als „Zurechtweisung“ vom Himmel gesandt, erfahren wir auf diesem Papier. „Last ab von Sünd und Schanden“, erfährt der Leser mahnend. Damit die Menschen „Buße tun sollen“. Wie damals üblich, wurde auch dieses Flugblatt mit einem Bild des Geschehens illustriert (s. Bild-Ausschnitt unten). Inklusive dem Vermerk „wachet und betet“ aus dem Matthäusevangelium (Mtt. 26,41).

Natürlich darf man solche Abbildungen nicht als absolut korrekte Zeichnung der Augenzeugen ansehen. Nicht anders wie heute in der UFO-Forschung bei Zeugen-Skizzen. Doch was hier im oberen Bereich als Himmelszeichen zu sehen ist, ist recht klar. Es sind die mehr oder weniger idealisierte „Strahlen“ des Polarlichtes mit Wolken und Sternen. Links zu sehen ist zusätzlich ein seltsames, eiförmiges Objekt.

Es ist nicht der Vollmond, da in der Nacht der Sichtung ein abnehmender Mond in Form einer Sicher am Himmel stand.

Schimmernde Scheibe am Himmel 1630 über Deutschland (Bild: gemeinfrei)
Schimmernde Scheibe am Himmel 1630 über Deutschland (Bild: gemeinfrei)

Eine fliegende „Platte“ oder „Scheibe“

Wenn nicht der Vollmond – was war dieses nicht ganz rund wiedergegeben „Ding“ am Himmel dann? Auch Wilhelm Heß spekulierte darüber bereits 1911 in seinem genannten Buch. „Die eigentümliche eiförmige Erscheinung in der linken Ecke kann ein(en) zufälligen Meteor“ darstellen, so schreibt er, da solche „bei Nordlichtern schon bemerkt worden sind“. Vielleicht hängt dieses Himmelszeichen auch „mit dem Nordlicht selbst zusammen“, so Heß.

In der Tat kann man mehr oder weniger nur raten, wenn man das Bild für sich alleine betrachtet. Allerdings hat der Verfasser des Flugblattes beziehungsweise Einblattdruckes, das auch Heß vollständig abgedruckt hat, einen Hinweis im Text selber gegeben. Dort heißt es schon zu Beginn, dass es nach dem Verschwinden des „großen Wunderzeichen“ zu einer weiteren Erscheinung kam.

Denn als das Nordlicht als Zeichen Gottes „warn verschwunden“, erschien „nicht weit davon“ eine helle und strahlende „Scheibe“ am Himmel. Als eine „helle Blatt“ wird diese in dem altertümlichen Text beschrieben, womit eine „Platte“ oder eben „Scheibe“ gemeint war. „Die so geschimmert hat, als wenn jetzt wolt der Mond auffgehn, und seinen Schein uns lassen sehn“, heißt es wörtlich.

Die gesehene Erscheinung schien sich auch sonderbar zu bewegen. Denn es heißt direkt in der Beschreibung weiter, dass es bald darauf begann sich „auszubreiten“. In die Höhe und zur Seite, so dass es den Zeugen „Angst und Bange“ wurde. Offenbar ist damit nicht das Nordlicht selber gemeint, da diese Aussage im direkten Kontext zu diesem „Blatt“ steht.

Nicht nur ein Nordlicht?

Könnte das unförmige oder besser eiförmige Etwas am Himmel auf der Flugblatt-Abbildung dieses „Blatt“ am Himmel darstellen? Wahrscheinlich. Denn auch die auffallende, einzelne Wolke rechts oben in dem Bild wird auf dem Dokument explizit erwähnt:

Gegen Auffgang sich fande ein Wölcklein hell und klar, welchs doch gar bald verschwande.

Wenn eine einzelnen aber auffällig helle Wolke schon besondere Erwähnung und Niederschlag in der Illustration fand, dann das fliegende „Blatt“ fraglos auch.

Anhand der Aussagen kann man durchaus auch annahmen, dass das seltsame Objekt auch im Westen stand. Denn die abgebildete Wolke schwebte „gegen Aufgang“ am Himmel. Also im Osten. Das „Blatt“ ist links im Bild dargestellt. Das wäre demnach der Westen. Allerdings hilft diese Angabe nicht wirklich bei der Identifizierung der „Scheibe“.

Jedoch wird der kuriosen Wolke in dem Flugblatt noch mehr Platz eingeräumt. Es sind Schilderungen, die dieses Himmelszeichen eigentlich noch verirrender machen, als das sie es erhellen. So heißt es von Körnlein unter anderem, dass diese (oder eine?) seltsame Wolke später erneut erschien. Das „helle Wesen“, so wird die Wolke nun genannt, sei dabei zwei Stunden lang beobachtet worden. Langsam bewegte sie sich am Himmel und „darnach in vollem Schwung“. Außerdem habe die helle Wolke gewaltige Stahlen verschossen. „Die Straalen schossen ungeheur“, wird behauptet.

Gut gegen Böse als Himmelszeichen

Diese Strahlen werden auf dem Flugblatt als „Schlacht“ interpretiert. Eine der bekannten Himmelsschlachten, die vielfach auf derartigen Dokumenten dargestellt wurde. Der Schein am Himmel, vermischt mit langen Strahlen in weißer und feurig-roter Farbe, sei eine Art Kampf Gut gegen Böse zweiter Heere. Zumal auch noch eine schwarze Wolke erschienen sei, die sich Richtung Osten wandte. Abgebildet wurde diese erstaunlicherweise jedoch nicht.

All das scheint während einer sternenklaren Nacht beobachtet worden zu sein. Die mehr als zwei Dutzend zu sehenden Sterne scheinen dies den Lesern oder Betrachtern veranschaulichen zu wollen. In einer sinnbildlichen Art und Weise, wofür die Anordnung und Gleichheit der Sterne spricht. Auch die radial abgebildeten „Strahlen“ des Nordlicht, die sich im Norden (in der Bildmitte) irgendwo zu treffen scheinen, sprechen eine symbolische Sprache. So sieht kein Polarlicht aus.

Hieronymus Körnlein als Herausgeber dieses Flugblattes ließ sein Werk damals in mindestens zwei Ausgaben drucken. Denn er änderte Teile des Covers seiner Beschreibung der Himmelserscheinung. Und zwar den oberen Teil, der uns an dieser Stelle gerade besonders interessiert. Auf diesem Bild (s. Abbildung unten) ist von einem Nordlicht oder dessen „Strahlen“ nichts mehr zu sehen.

 Schimmernde Scheibe am Himmel 1630 über Deutschland (Bild: gemeinfrei)
Eine andere Version der Ereignisse vom selben Herausgeber (Bild: gemeinfrei)

Hier erkennt man eindeutig eine Schlacht am Himmel, die Tod und Verderben bringt. Von der hellen Wolke und dem eiförmigen Gebilde ist auf dieser Ausgabe nichts mehr zu sehen. Der begleitende Text für alle jene, die 1630 bereits lesen konnten, sowie die Überschriften sind in beiden Versionen allerdings identisch. Das zeigt den enormen Spielraum der Interpretationen und Vorstellungen, die solche alten Dokumente von demselben Himmelszeichen der Bevölkerung vorsetzten.

Himmelszeichen und Augenzeugen

Niemand wird derartige Engel, Soldaten oder einen gewaltigen Sarg mit Totenschädel während eines Nordlichtes am Himmel gesehen haben! Es zeigt vielmehr das, worauf es dem Verfasser ankam. Dass der Text des Flugblattes der Darstellung oben widerspricht, ist dabei offenbar eine Nebensache. Gleiches gilt für das Weglassen der am Himmel fliegenden „Scheibe“. Obwohl diese direkt als erstes nach der „Einleitung“ im Text beschrieben wird.

So war sicher auch die „Scheibe“ kein Objekt, das genauso aussah, wie wir es dort sehen. Der Ersteller des Flugblattes war ebenso kaum selber ein Augenzeuge. Ausschließen kann man das aber nicht.

Blickt man unterhalb des rundlichen Etwas, erkennt man drei seltsame „Auswüchse“. In ihrer Darstellung erinnern sie an lange Haare.

Sie entsprechen in der Anordnung den „Strahlen“ des Polarlichtes auf der Darstellung und werden oberhalb der „Scheibe“ auch in gleicher Form fortgeführt. An der Unterseite der „Kugel“ sehen diese aber völlig anders aus. Warum? Sind es „Flammen“, die von dem Objekt ausgehen? Das spräche dann wieder für einen flammenden Meteor beziehungsweise „Feuerball“ (Boliden) am Himmel, der rein zufällig in der selben Nacht erschien.

Warum diese dann aber von oben nach unten (oder umgekehrt) eingezeichnet wurden, ist ein Rätsel. Außer es soll damit angedeutet werden, dass sich das „helle Blatt“ bewegte, da auch das Flugblatt davon spricht, das es sich in die Höhe und zur Seite „ausbreitete“. Und tatsächlich weisen die „Haare“ seitlich in die Höhe, wie man deutlich sieht. Warum sie dann aber in einer Linie mit den „Strahlen“ des Nordlicht eingezeichnet wurden, bleibt offen. Zumal das strahlende Etwas nach dem Polarlicht zu sehen gewesen sein soll.

Künstlerische Freiheit

Sehr fraglich ist auch, ob hier die später erneut erscheinende „helle Wolke“ abgebildet wurde. Laut Flugblatt habe diese ungeheuerlich Strahlen verschossen, was wohl auf das Nordlicht an sich zurückzuführen sein dürfte.

Auf beiden Versionen des Flugblattes sind die abgebildeten Wolken auch aus Sicht von heute eindeutig als Wolken zu erkennen. Wäre das rundliche „Flugobjekt“ tatsächlich jene Strahlen schießende Wolke, hätte sie der Künstler sichtlich auch als ebensolche dargestellt. Der rundliche „Ball“ erinnert nicht mal entfernt an einen Wolke am nächtlichen Himmel, während alle andere gut zu erkennen sind.

Vielmehr scheint es so, dass dieses schimmernde „helle Blatt“ gesondert und abseits des eigentlichen Nordlichtes erschienen ist. Was auch der Text ausdrücklich mit den Worten „da dise waren verschwunden“ unterstreicht.

Alles nur künstlerische Freiheit? Zumindest hat der Künstler die drei Personen unten im Bild als eindeutig ängstlich und betend abgebildet, was nicht nur damals genauso erkannt worden sein dürfte. Und diese drei Menschen sind sicher keine Momentaufnahme von drei realen Zeugen der Himmelszeichen. Auch sie stehen symbolisch für das Ereignis.

So wie das „fliegende Schild“ am Himmel. Was immer es auch letztlich war.

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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