„Pulverisiere es“: NASA-Pläne für ein Abwehrsystem, um bedrohliche Asteroiden noch kurz vor dem Einschlag zu zerstören – vielleicht sogar vom Mond aus

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"Pulverisiere es": Die NASA plant ein Abwehrsystem um bedrohliche Asteroiden zu zerstören - vielleicht sogar vom Mond aus (Bild: NASA)
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„Pulverisiere es“: Die NASA plant ein Abwehrsystem um bedrohliche Asteroiden zu zerstören – vielleicht sogar vom Mond aus (Bild: NASA)

Eines Tages könnten Kometen oder Asteroiden die Erde treffen und Millionen oder sogar Milliarden Menschen töten. Ein Ende der Zivilisation ist ebenso denkbar, wie „nur“ die Vernichtung einer Stadt. Obwohl die Chance gering ist, dass dies noch zu unseren Lebzeiten geschieht, wird es eines Tages geschehen. Und in der Theorie gibt es hierzu schon lange Ideen, wie man solche Bomben aus dem All abwehren könnte. Nun kommt eine neue hinzu, die solche Himmelskörper noch mehr oder weniger kurz vor dem Einschlag vernichten soll.


Asteroiden: Die ständige Bedrohung

Seit Milliarden Jahren schlagen Asteroiden und Kometen auf den Monden und Planeten unseres Sonnensystems ein. Und obwohl solche Einschläge heute ungleich seltener sind, wie noch in der Frühzeit unseres Sonnensystems, bleiben sie auch für die Erde ein ständige Bedrohung. Damit vor allem für das Leben auf diesem Planeten und unsere Zivilisation. Ein solcher Einschlag auf der Erde könnte katastrophale Folgen haben. Darin ist sich die astronomische Forschung schon lange einig.

Kino und Fernsehen haben derartige Szenarien in den letzten Jahrzehnten immer wieder bildgewaltig verfilmt. Oftmals mit viel Aktion, Zerstörung und unermesslichen Leid. Doch fast immer mit einem glücklichen Ausgang, da es der Menschheit letztlich doch gelang das Allerschlimmste zu verhindern. Sehr gerne mit Helden der NASA und damit vor allem aus den USA.

Blendet man das Drumherum solcher Hollywood-Filme aus, bleibt aber eine Tatsache bestehen. Nämlich, dass es eines Tages ganz real zu einer derartigen Bedrohung kommen kann. Denn Brocken aus dem All schlagen noch immer auf der Erde ein. Gewaltige Katastrophen, die beispielsweise eine ganze Großstadt oder Region vernichteten und dabei unzählige Menschenleben forderten, hat die moderne Welt bisher nicht erleben müssen. Noch nicht. Gegeben hat es diese in der Erdgeschichte jedoch in Massen.

„Die Frage ist nicht, ob es wieder geschehen wird, sondern wann“, ist dabei ein beliebter Ausspruch. Da wir unlängst eine technologische Zivilisation haben, wäre unsere Gesellschaft erstmals in der Lage, eine solche Vernichtung abzuwenden. In der Theorie zumindest, da bis heute hierfür die geeigneten Mittel, Technologien und auch Strategien fehlen.

„Pulverisiert es“

In der Theorie haben sich schlaue Köpfe schon vor Jahrzehnten Gedanken darüber gemacht, wie man einen Asteroiden auf Erdkurs ablenken oder vernichten könnten. Seit dem werden immer wieder neue oder bearbeitete Ideen und Konzepte einer derartigen Abwehr veröffentlicht und vorgestellt. Sie alle haben ihr Für und Wider. Und so beschränkt man sich heute zum Beisiel bei der NASA und ihren zugehörigen Einrichtungen auf die Beobachtung von erdnahen Objekten im All. Wird dabei eines Tages eine „Bombe aus dem All“ oder sogar ein riesiger „planetarer Killer“ mit Kurs Erde entdeckt, steht man derzeit mit leeren Händen da.

Weder einen „planetaren Killer“ von zum Beispiel 10 Kilometern Größe, noch ein Objekt von „nur“ 500 Metern Durchmesser, können wir gegenwärtig sicher vom Erd-Kurs abringen oder vernichten. Obwohl die ein oder anderen Technologie hierzu bereits in der Praxis im sehr kleinen erprobt wurde. Die Vorlaufzeit bis zu einem Einschlag, da ist man sich grundsätzlich einig, ist hierbei entscheidet. Je länger das Ereignis noch in der Zukunft liegt, je besser kann man darauf reagieren und die Katastrophe bestenfalls verhindern.

Eine spannende Thematik, die Laien ebenso interessiert oder begeistert, wie Astronomen und andere Wissenschaftler. Denn Gedanken über ein „was wäre – wenn?“ haben immer Konjunktur. Genau das zeigte sich auch bei einem Asteroiden-Abwehrsystem, dass Philip Lubin von der Universität von Kalifornien erdachte, und das die NASA bereits im Februar 2022 vorstellte.

Lubin erdachte sich ein System, ein „Terminal“, dass er schlicht PI nannte. PI für „Pulverize it“ – also „pulverisiert es“. Ein mehr als optimistischer Name, da damit natürlich das Pulverisieren von bedrohlichen Asteroiden in Erdnähe gemeint ist. Solche Asteroiden zu sprengen ist hierbei wohl einer der ältesten Ideen, um solche Brocken unschädlich zu machen. Dabei herrscht aber bis heute die Angst vor, dass der gesprengte Asteroid dann in unzähligen und noch immer gefährlichen Trümmern weiter auf die Erde zu rast. Durch eine Sprengung hätte man so aus einem einzelnen Objekt Geschosse wie aus einem Schrotgewehr gemacht, dass in einem weiten Streufeld auf der Erde Katastrophen verursachen würde.

Asteroiden-Abwehr vom Mond

Nach den Ideen von Lubin würde das System PI so funktionieren, dass entsprechenden Sonden beziehungsweise Raketen die kommenden Killer-Asteroiden durchlöchern würden. Ähnlich wie im Bergbau würde daraufhin in diese Löcher Sprengstoffe gefüllt, die dann den Asteroiden zerstören sollen. Die dabei übrig bleibenden Trümmer, die weiter in Richtung Erde rasen sollten, würden letztlich in der Erdatmosphäre verglühen. Mehr als 10 Meter große Stücke würden nach seiner Einschätzung nicht mehr übrige bleiben. So könnte man die „Gefahr einer Massenvernichtung praktisch eliminieren“, so Lubin.

Es wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine „Last-Minute-Verteidigung gegen einen Asteroiden“ bevor dieser eine Stadt zerstört, wie es die Seite „Universe Today“ bezeichnete.

Das System PI wäre dabei nicht auf der Erde stationiert, sondern zahlreiche dieser Abwehr-Sonden stünden rund um die Erde im Orbit bereit. Vielleicht sogar auf dem Mond, da von dort entsprechende Asteroiden noch früher auszumachen wären:

Die vorzeitige Einführung des Systems in die Umlaufbahn oder auf eine Mondbasis ermöglicht bei Bedarf eine schnelle Reaktion in der Größenordnung von weniger als einem Tag. Die Wirksamkeit des Konzepts hängt von der Zeit bis zum Abfangen und der Größe des Asteroiden ab, ermöglicht aber eine wirksame Verteidigung gegen Asteroiden mit einem Durchmesser von mehreren hundert Metern und könnte die von diesen Bedrohungen ausgehende Gefahr der Massenvernichtung praktisch ausschalten.“

Heißt es dazu von Lubin auf der Seite der NASA.

Die Menschheit muss sich vorbereiten

PI wäre in der Lage bis zu 50 Meter große kosmische Bomben im All zu vernichten. Dies entspricht der Größenordnung des Objektes von Tunguska in Sibirien 1908.

Laut NASA-Webseite wäre dies „eine praktische und wirksame Methode der Planetenverteidigung (…), die bei Bedarf eine extrem kurze Zeitspanne zur Schadensbegrenzung ermöglicht“. Außerdem wäre es „eine praktische, kostengünstige Lösung für die Planetenverteidigung unter Verwendung bestehender Technologien“. Bei einer längeren Vorlaufzeit von einem Tag könnten doppelt so große Asteroiden unschädlich gemacht werden. Mit 10 Tagen Vorwarnzeit sogar Objekte, die wie der Asteroid Apophis fast 400 Meter messen. Bei einem Kilometer Größe wären dann schon gut zwei Monate notwendig.

Doch kosmische Winzlinge, die nur 20 Meter messen, wären in nicht mal einer viertel Stunde vom Himmel gefegt, ist sich Lubin sicher. Selbst eine Frühwarnzeit „innerhalb von 2 Minuten vor dem Einschlag ist machbar“, ist er überzeugt. Nicht außer Acht lassen darf man dabei aber auch nicht die Zusammensetzung der Himmelskörper an sich. Ein lose zusammengesetzter Brocken unterscheidet sich sehr von einem massiven Objekt. Somit wäre aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Art der Bekämpfung solcher Himmelskörper unterschiedlich.

Sofern man derartige Killer vom Himmel überhaupt rechtzeitig entdeckt, diese also nicht plötzlich wie aus dem Nichts hier einschlagen, klingt das alles wunderbar. Wer aber soll das bezahlen? Die Bedrohung ist zwar da, aber auf menschliche Lebensspannen und Zeiträume übertragen überaus gering. Und was nicht akut „greifbar“ und in „angemessener Zeit“ zu erfassen ist, findet sicher wenig Unterstützung. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sämtliche Weltraumforscher und Hobby-Astronomen sehr wohl um diese Gefahren wissen.

Millionen oder sogar Milliarden Menschenleben könnten ausgelöscht werden und unsere Zivilisation könnte sich erst nach vielen Jahren wieder erholen. Ob es in 10 Jahren oder erst in 1000 Jahren soweit ist: Vorbereiten muss sich die Menschheit auf jeden Fall.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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