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Interview: Der Leiter des “Internationalen Zentrum für Grabtuchforschung” regt eine umfassende und detaillierte Untersuchung aller Daten und Fakten rund um das Grabtuch von Turin an

Ausschnitt vom "Turiner Grabtuch" - Jahre der Forschung sind noch nötig (Bild: gemeinfrei)
Ausschnitt des “Turiner Grabtuch” mit dem Antlitz: Jahre der Forschung sind noch nötig (Bild: gemeinfrei)

Um eine endgültige und wissenschaftliche Klärung und Erklärung rund um das Phänomen des Grabtuch von Turin zu erhalten, sollten alle chemischen, historischen, biologischen, medizinischen und physischen Daten und Beweise umfassend untersucht werden. So der Physiker Bruno Barberis, der das “Internationale Zentrum für Grabtuchforschung“ vor Ort Turin leitet. Skeptiker sehen in dem Leinentuch einen frommen Schwindel aus dem Mittelalter, da Radiokarbon-Analysen dies 1988 ergaben. Doch auch daran gibt unlängst ernsthafte Zweifel!

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Fischinger Online Mystery-Kanal bei YouTube abonnierenVon Lars A. Fischinger

Hallo, Ihr Lieben und Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Seit über 100 Jahren, seit das Grabtuch 1898 erstmals genau fotografiert wurde und so auf dem Negativ das Abbild des Tuches deutlicher zu sehen war, streiten sich Wissenschaft und Gläubige über die Herkunft des Grabtuches von Turin. Den vermeintlichen “Rest” gaben die Radiokarbon-Datierungen von Proben des über vier Meter langen Tuches im Jahr 1988 der Reliquie. Demnach sei es von einem Fälscher im Mittelalter angefertigt worden und damit keine 2000 Jahre alt. Das wahre Grabtuch Jesus könne es damit natürlich nicht sein.

Der Physiker Bruno Barberis, der in Turin das Zentrum der Grabtuschforschung leitet, gab jüngst “Radio Vatikan” ein Interview. Auch auf die Datierungen von 1988 ging er darin ein und sagte:

Diese Datierung nach der Radiokarbon-Methode lässt heute viele Zweifel. Denn möglicherweise ist das Gewebe kontaminiert worden in seiner langen und komplizierten Geschichte, die man nicht bis ins Detail rekonstruieren kann. Beispielsweise hat man an der Stelle des Tuches, wo die Stoffprobe entnommen wurde, Baumwollfäden gefunden, die sicherlich später hinzukamen. Die Datierung müsste neu gemacht werden, aber erst dann, wenn wir genau wissen, wo wir die Stoffproben entnehmen sollen. Die Entnahmestelle von 1988 war sicher nicht geeignet.“

Barberis ist sicher, dass es eine umfassende Untersuchung des Tuches geben muss, um das Phänomen exakt zu ergründen:

Wir wissen nicht, wie dieser Abdruck entstanden ist. Alle Versuche, diesen Abdruck mit alten oder hochmodernen Methoden zu reproduzieren, sind gescheitert. Niemand war jemals dazu in der Lage, eine Kopie des Grabtuchs anzufertigen, die dem Original in seinen chemischen, physikalischen, biologischen Eigenschaften entspricht. Wir haben 2015. Wir müssten es doch schaffen, zu verstehen, was auf einem Tuch ist, ein simples Objekt im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Fragen des Universums. Und doch, das ist eine offene Frage.

(…)

Ich denke, das hilfreichste wäre heute, ein komplettes Kennfeld des Tuches zu erstellen, ein Merkmal-Diagramm. Nicht vom Bildlichen her, als hochauflösendes  Video, das gibt es schon. Sondern es geht um eine komplette Erfassung sämtlicher biologischer, chemischer, physischer und gewebetechnischer Merkmale des Tuches an allen seinen Stellen. Dann könnte man für jeden Punkt des Tuches sagen, welche Substanzen da sind und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Zonen verzeichnen: da, wo nichts ist, da, wo der Abdruck ist, da, wo das Blut ist, da, wo die Verbrennungen aus dem Brand sind. Das ist ein gewaltiger Aufwand. Man müsste ein komplettes Forschungslabor rund um das Turiner Grabtuch bauen, mit modernen Instrumenten, die eine enorme Zahl von Daten zu erheben imstande sind. Dann kann man das Grabtuch zurück an seinen Platz geben und mit den Daten arbeiten, deren Auswertung sicherlich Jahre dauern würde. Das wird dann wieder neue Fragen aufwerfen – denn so ist das in der Wissenschaft, man findet Antworten, die sofort neue Fragen aufwerfen. Aber erst, wenn wir diese Daten in der Hand haben, können wir uns an die Ausarbeitung machen und dann vielleicht Fortschritte machen.

Artikel: Streit um das angebliche Grab Jesus in Jerusalem (Bild: L.A. Fischinger & gemeinfrei)
Artikel: Streit um das angebliche Grab Jesus in Jerusalem (Bild: L.A. Fischinger & gemeinfrei)

In der Tat ist das Grabtuch von Turin nicht nur aus religiöser Sicht ein interessantes Objekt. Auch aus wissenschaftlicher Sicht. “Untersuchungen müssen seriös gemacht werden, von einem Team von Forschern, egal ob gläubig oder nicht”, so Barberis im Interview

Auch die Webseite vom “domradio” brachte diese am 19. April 2015 in dem Artikel “Die Wissenschaft gibt keine Antwortenauf den Punkt. Darin hieß es:

Chemische Analysen und physikalische Untersuchungen, fromme Überzeugungen und weltanschauliche Vorurteile prallen in der Debatte über die Echtheit des Grabtuchs aufeinander. Für Außenstehende ist es schwer, die Stichhaltigkeit der jeweiligen Argumente zu beurteilen.”

In dem Interview mit “Radio Vatikan” beruft sich Bruno Barberis auch auf Papst Johannes Paul II., der im Jahr 1998 sagte, dass die Wissenschaft und nicht die Kirche für die Untersuchungen des Grabtuches zuständig sei. Dabei spielt er auf die Rede des damaligen Papstes vom 24. Mai 1998 bei der Ausstellung in Turin an. In seiner Ansprache in der Kathedrale von Turin sagte Johannes Paul II. damals in deutlichen Worten:

Das Turiner Grabtuch ist eine Herausforderung für den Verstand. Es verlangt in erster Linie das Bemühen des Menschen, besonders aber des Forschers, um demütig die tiefe Botschaft wahrzunehmen, die es an unsere Vernunft und unser Leben richtet. Die von dem Grabtuch ausgehende geheimnisvolle Faszination drängt danach, sich Fragen zu stellen über die Beziehung zwischen dem heiligen Linnen und der historischen Geschichte Jesu. Da es keine Angelegenheit des Glaubens ist, hat die Kirche keine besondere Kompetenz, diese Fragen zu beantworten. Die Kirche fordert sie (die Wissenschaftler) auf, die Untersuchungen des Grabtuches ohne vorgefasste Meinungen vorzunehmen (…) innerlich frei zu handeln und sorgfältig bedacht zu sein sowohl auf die wissenschaftliche Methodik als auch auf das Empfinden der Gläubigen.

Wer sich mit den Mysterien der Welt befasst – der kennt natürlich das Grabtuch von Turien und all die Spekulationen, Vermutungen und Gerüchte um das Leinen. Besonders bizarr waren einst Medienberichte, dass die UFO-Sekte der “Rael-Bewegung” Hitler (durch die sterblichen Überreste des Diktators) nun auch Jesus Christus anhand von Gen-Proben des Grabtuches klonen will. Was natürlich Medien-Unsinn der Sekte war.

Vortrag über "Das Wunder von Guadalupe", das Grabuch von Turin und den "Schleier von Manoppello" von L.A. Fischinger 2009 (Bild: L.A. Fischinger)
Vortrag über “Das Wunder von Guadalupe”, das Grabtuch von Turin und den “Schleier von Manoppello” von L.A. Fischinger 2009 (Bild: L.A. Fischinger)

Dennoch gibt es auch andere, die hier für Schlagzeilen sorgten. So etwa Dr. Leoncia A. Garz-Valdes, ein gläubiger Katholik, der anhand der Proben für die Radiokarbon-Datierung von 1988 die DNA von Jesus geklont haben will. Diese DNA entnahm er sechs Fäden, die ihm im April 1993 Prof. Alan Adler übergeben hatte. Prof. Adler wiederum war Mitglied der bekannten Grabtuch-Untersuchungen der STURP-Gruppe, des “Shroud of Turin Research Project”. Ergebnis war 1999 das Buch “The DNA of God?” (“Die DNA Gottes?”), Zwistigkeiten mit der Kirche und einen Medienrummel. Genau dieser medialen Aufmerksamkeit schloss sich dann die UFO-Sekten der “Rael-Bewegung” damals an, für die Klonen eine Art “Alien-Göttliche-Pflicht” ist.

Der Historiker Michael Hesemann schrieb in seinem Buch “Das Bluttuch Christi” (2010), in dem er nicht nur das Turnier Tuch diskutiert, sondern offensichtlich damit in Verbindung stehende weitere Reliquien, über diese Sensationsmacher:

Die Kirche wollte sensationalistischen Spekulationen, das Jesus geklont werden könne, keinen Vorschub leisten. Das Mysterium der Menschwerdung Gottes darf nicht zum schlagzeilenträchtigen Forschungsprojekt ehrgeiziger Genforscher degradiert werden.

Und ebenso sieht es der Physiker Bruno Barberis in seinem aktuellen Interview zum Grableinen.

Ich danke Euch, Euer Jäger des Phantastischen

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Die Madonna von Guadalupe: Gerüchte und wilde Spekulationen um die Tilma von Guadalupe (Artikel)

Die Madonna von Guadalupe: Gerüchte und wilde Spekulationen um die Tilma von Guadalupe (Bild: Fischinger-Online)
Die Madonna von Guadalupe: Gerüchte und wilde Spekulationen um die Tilma von Guadalupe (Bild: Fischinger-Online)

Im Dezember 1531 soll es im heutigen Mexiko-City zu einer Reihe von Marienerscheinungen gekommen sein, die der Azteke Juan Diego dort erlebte. Höhepunkt war ein ein Wunder – das Wunder von Guadalupe. Vor den Augen einer Reihe von Zeugen soll sich farbiges Bildnis der Jungfrau Maria auf einem Kleidungsstück des Diego aus dem Nichts gebildet haben: Die heute als Tilma von Guadalupe verehrte Reliquie in dem gleichnamigen Wallfahrtsort in Mexiko. Die größte ihrer Art weltweit. Für Gläubige ein Wunder des Himmels, zu dem Millionen Menschen pilgern. Doch es gab schon im 16. Jahrhundert Kritiken und mehr Gerüchte über die Tilma von Guadalupe, als je zuvor. Was genau es damit auf sich hat und welche frommen Spekulationen dazu seit Jahren kursieren, erfahrt Ihr in diesem Blog-Artikel.


Das Wunder von Guadalupe 1531

Im Jahre 1531 soll mitten im heutigen Mexiko-City ein Wunder geschehen sein: Mehrfach begegnete der Indio Juan Diego auf einem kleinen Hügel einer rätselhaften Erscheinung, die „vom Himmel“ kam. Die Frauengestalt sprach mit ihm, erteilte ihm Botschaften bzw. Aufträge, die er unter anderem dem damaligen Bischof überbringen sollte. Letztlich kündigte die Erscheinung ein großes Wunder an. „Damit alle glauben“.

Vorgestellt hatte sich die schöne Dame vom Himmel als Mutter Maria – die Gottesmutter.

Dieses angekündigte Wunder zum Abschluss der Marienerscheinungen von Guadalupe, wie die Ereignisse heute bekannt sind, war ein plötzlich erscheinendes Bild der Jungfrau Maria auf dem Umhang des Diego. Vor den Augen des Bischofs Juan de Zumárraga und anderer Anwesenden „manifestierte“ sich diese Abbildung auf der sogenannten „Tima“ (eine Art Poncho der Azteken) des Juan Diego. Zumárraga, 1531 der erste Bischof von Mexiko-City, dem damaligen Tenochtitlan, der Hauptstadt der Azteken, war durch dieses Wunder überzeugt. Hier wirkte wirklich die Mutter Gottes, war er sich sicher.

In dem Text „Nican Mopohua“ (1540 – 1550), dem Urtext zu den Ereignissen von Guadalupe, heißt es zu diesem Höhepunkt der Erscheinungen:

Und als der regierende Bischof es sah, und alle die dort waren, knieten sie nieder, bewunderten sie es sehr, sie standen auf, um es zu sehen, sie waren traurig, sie betrübten sich, das Herz, die Gedanken erstaunt.

Und der regierende Bischof bat ihn mit Weinen, in Betrübnis, er begehrte von ihm Verzeihung, dass er nicht gleich ihren Willen, ihren ehrwürdigen Hauch, ihr ehrwürdiges Wort ausgeführt hatte.“ (Verse 185-187)

In den Folgejahren wurde der Ort der Marienerscheinungen immer weiter ausgebaut und mit Kapellen und Kirchen versehen. Heute ist dieser Hügel mit dem Namen Tepeyac in Mexico-City die größte Wallfahrtsstätte der Welt – Guadalupe. Und die wundersamen Erscheinungen der Madonna sind als „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ unter Gläubigen weltweit bekannt. Genauer gesagt ist ihr Abbild darunter bekannt. Denn das Bild der Mutter Gottes, das 1531 durch ein himmlisches Zeichen oder Wunder auf der Tilma des Juan Diego erschien, wird dort bis auf den heutigen Tag verehrt.

Herkunft? Der Himmel!

Mehr als 20 Millionen(!) Pilger reisen jedes Jahr nach Guadalupe, um das 142,24 Zentimeter hohe Bildnis der Madonna zu sehen und dort zu beten. Ein sogenanntes „Gnadenbild“ der Katholischen Kirche, das sich von allen anderen in der Welt enorm unterscheidet.

Zu einem durch die angebliche Herkunft von Gott, dem Himmel oder eben durch die Mutter Gottes selbst. Durch ihre überirdische – göttliche – Macht hat sie bewirkt, dass das Bildnis auf der Tilma erschien. Inklusive einer Vorankündigung.

Dann unterscheidet es sich vor allem dadurch, dass die genaue Herkunft der Tilma lückenlos bis heute dokumentiert ist (sofern nicht längst heimlich durch eine Kopie ausgetauscht): Erschienen am 12. Dezember 1531 im Bischofssitz von Mexiko-Stadt, von dort kam sie später in eine erste dafür erbaute Kapelle auf dem Tepeyac und 1709 in die erste Basilika. Seit 1976 befindet sich das Abbild in der neu errichteten Basilika von Guadalupe. Eine der größten Kirchen der Welt, in der 40.000 Menschen (stehend) Platz haben! Das unterstreicht sehr deutlich den Stellenwert der Madonna von Guadalupe in der Kirche.

Nicht weniger wie die Tatsache, dass Papst Johannes Paul II. zwischen 1979 und 2002 fünfmal den Wallfahrtort besuchte. Mit den Worten „sei gegrüßt, du Mutter Lateinamerikas“, eröffnete Johannes Paul II. am 27. Januar 1979 seine Rede an der Wallfahrtsstätte. Dabei sprach er von einem „entscheidenden Einfluss auf das christliche Leben des mexikanischen Volkes“, den die Marienerscheinungen und das Wunder von Guadalupe ausgeübt hätten.

Die im 16. Jahrhundert auf 167,64 mal 94,15 Zentimeter zugeschnittene Tilma unterscheidet sich letztlich auch von ihrer „Machart“ her von allen anderen Reliquien dieser Art. Man denke hier an das Grabtuch von Turin, den Schleier von Manoppello oder auch das Schweißtuch von Oviedo. Oder auch an die unzähligen angeblichen Abbildungen der Mutter Gottes oder Jesus, die überall auf der Welt immer wieder entdeckt werden. Denn was man auf dem Tuch sieht, ist eindeutig. Hier gibt es keinen Spielraum für Interpretationen. Zu sehen ist klar und deutlich die Madonna in prachtvollen Farben.

Azteken “sind keine Menschen”

Die Bedeutung der Madonna von Guadalupe und ihres Heiligtums in Mexiko-City innerhalb der katholischen Kirche kann man nicht deutlich genug unterstreichen. Selbst der Umstand, dass nach dem Wunder rund zehn Millionen Azteken zum Christentum übertraten, wird mit diesen Erscheinungen in Verbindung gebracht. Die spanische Eroberung und die Zerschlagung des Aztekenreiches durch die Spanier waren zu diesem Zeitpunkt erst genau zehn Jahre her.

Hierzu muss man sagen: Die spanischen Eroberer, die Konquistadores unter Hernán Cortés, wüteten bei der Eroberung Mexikos und der Vernichtung des Aztekenreiches im ganzen Land. Raub, Vergewaltigung, Mord, Zerstörung und Plünderung der Heiligtümer waren an der Tagesordnung. Die Gier nach Gold war ihr Antrieb. Sogar Cortés selber wurde wegen zweifachen Mordes 1528 angeklagt und musste nach Spanien zurück, um sich vor Kaiser Karl V. zu verteidigen – wurde aber freigesprochen.

Cortés selber sah in den Indios keine Menschen, sondern Tiere ohne Seele. So könne man die Bewohner Mittelamerikas eben auch so behandeln. Dies sei, so heißt es immer wieder, der Grund warum so viele Azteken mehr oder weniger freiwillig Christen wurden. Jedoch hat der damalige Papst Paul III. bereits versucht dem Treiben Einhalt zu gebieten. Er erließ am 12. Juni 1537 die Bulle „Sublimis Deus“. Eine offizielle päpstliche Erklärung, in der der Papst deutlich machte, dass die Indios sehr wohl vernunftbegabte Menschen mit Seele sind.

Heute unvorstellbar. Nun könnte man meinen, dass für die Katholische Kirche das Abbild der Jungfrau Maria auf der Tilma eben eines Azteken gerade zur rechten Zeit kam. Im Prinzip stimmt das auch. Doch auch das sorgte für Streit. Alonso de Montufar, der Zumárraga als Bischof in Mexiko-City folgte, hielt als erster eine Predigt unter der Tilma – um sogleich harsche Kritik anderer Christen auf sich zu ziehen. Der aus Europa auch in Mexiko angekommene Protestantismus sprach von Götzendienst. Die Anbetung von Bildern und anderen Objekten dieser Art war nichts als Teufelsanbetung. Eben ein heidnisches Treiben, wie bei den Azteken mit ihren Götzen.

Streit um die Tilma von Guadalupe

Angesichts des dadurch um sich greifenden Streites ist es fraglich, aus welchen Gründen genau Millionen „Heiden“ zum Christentum übertraten. Für Protestanten blieben sie Götzendiener …

Natürlich ist neben den Marienerscheinungen auch das Abbild auf der Tilma selbst bis heute umstritten. Innerhalb des Christentums genauso wie bei den Skeptikern. Während die einen sagen, dass sind Wunder Gottes und des Himmels, lehnen andere Christen die Verehrung von solchen Reliquien und den Kult um die Jungfrau Maria bis heute rund weg ab. Dass in der Vatikanischen Krypta unter dem Petersdom, dort, wo die Päpste ihre letzte Ruhe finden, auch nur ein Bild – und zwar das von der Madonna von Guadalupe in einer Altarnische – hängt, macht die Sache nicht besser.

Andere Kritiker aus dem nicht religiösen Bereich sehen das alles noch weitaus fragwürdiger. Das Bild der Madonna sei nichts als ein Gemälde und damit ein Fake der Kirche. Vielleicht strategisch angefertigt, damit die Azteken konvertieren. Juan Diego selber als Auserwählter der „vollkommenen heilige Jungfrau Maria, die Mutter des einzigwahren Gottes“, wie sie sich ihm laut „Nican Mopohua“ (Vers 26) unter anderem vorstellte, habe auch nie existiert. So die nüchternen Zweifler.

Dass Johannes Paul II. Diego am 31. Juli 2002 Heilig sprach, ist dabei Öl im Feuer der Kirchenkritiker. Nicht minder wie der Umstand, dass die Katholische Kirche Guadalupe und all die Wunder natürlich als eben solche längst anerkannt hat.

Die Ereignisse von 1531 bis heute rund um diese Marienerscheinungen sind sehr vielschichtig. Auch diesem Blog habe ich mehrfach in Artikeln darüber berichtet. Ebenso in meinem Buch „Das Wunder von Guadalupe“ (2007), in dem sämtliche Details umfangreich dargelegt wurden.

Trotz aller Skepsis und obwohl niemand beweisen kann, dass hier „der Himmel“ am Werk war, verleiten Objekte dieser Art viele Menschen zu Spekulationen. Und das schließt ausdrücklich die Gläubigen mit ein. Gerade bei Reliquien aller Art werden immer wieder und sehr gerne die verschiedensten Querverbindungen gezogen. Ergänzt mit dem Glauben, dass solche Objekte der Verehrung Wunder bewirken können. Bei der Madonna von Guadalupe war und ist das nicht anders, wie ich es im oben genannten Buch aufzeige.

Die himmlische Frau und der Drache

Doch die „Liebe Frau von Guadalupe“ soll auch in direkten Zusammenhang mit der Apokalypse des Johannes stehen. Jenem rätselhaften letzten Buch der Bibel, in dem wir unter der Überschrift „Vision von der Frau und dem Drachen“ folgendes lesen:

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone mit zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Wehen und Schmerzen der Geburt.“ (12,1-2)

Diese „Vision“ aus der Offenbarung wird hin und wieder mit der Madonna auf der Tilma von Guadalupe verglichen. (Übrigens auch mit diversen „Prophezeiungen“ vom Ende der Welt und diversen Sternenkonstellationen…)

Warum?

Die vermeintliche „Vision“ der Offenbarung spricht von einer im Licht der Sonne gekleideten Frau, unter deren Füßen sich der Mond befindet. Das stimmt mit der Tilma und den Erscheinungen des Juan Diego auf dem Tepeyac durchaus überein. Bedenken muss man aber, dass die Mondsichel auf der Tilma auch eine nachträgliche Malerei sein könnte. Es ist nicht ganz klar, ob die ursprüngliche Frauengestalt auf der Tilma tatsächlich auf einer Mondsichel stand. Untersuchungen zeigten, dass genau an dieser Stelle Farbe nachweisbar ist (an vielen anderen wiederum findet sich nichts dergleichen).

Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass es Ausbesserungen sind. Zum Beispiel nachdem 1791 bei einem Unfall Salpetersäure über das Bild lief. Es ist ja nicht einmal klar wann genau und warum durch wen die Tilma im 16. Jahrhundert auf ihre heutigen Maße zugeschnitten wurde.

Ein “schwangeres Bild”?

Dennoch haben schon die Gläubigen im 16. Jahrhundert diese biblischen Verse auf die Erscheinungen der Gottesmutter in Guadalupe übertragen. Doch es gibt einen klaren Unterschied zwischen biblischer Überlieferung und der Tilma-Abbildung. Die Bibel spricht von einer schwangeren Frau, ja, sie berichtet sogar, dass die himmlische Dame in den Wehen liegen würde. Betrachten wir uns die prachtvolle Madonna auf der Tilma in Guadalupe, so ist von einer Schwangerschaft eindeutig nichts zu sehen.

Etwas ganz anderes besagen dazu aber fromme Gerüchte, die seit Jahren im Internet kursieren. Denn schon vor über 20 Jahren soll bei der Tilma eine neuerliche und sensationelle Entdeckung gemacht worden sein. Forschungen sollen laut der bis heute online kursierenden Meldung bewiesen haben, dass die Madonna auf der Tilma schwanger ist.

Hier die Meldung im Wortlaut, die auf verschiedenen Webseiten im Internet noch immer zu finden ist:

Maria in Erwartung

Die Jungfrau von Guadalupe hat jene sieben typischen schwarzen Schleifen über ihren Schoss, die alle Azteken sofort zu deuten wussten: Diese Frau ist in Erwartung. Um das zu bestätigen, wurde 1991 die mexikanische Bischofskonferenz gebeten, ein Phonogramm, eine Geburtshilfeuntersuchung zur Aufzeichnung der Herztöne eines Ungeborenen, am Bild vorzunehmen zu lassen. 1995 machte P. Maria Rojas, Professor der Päpstlichen Universität Mexikos, daraufhin mit Hilfe der Herztonuntersuchung die unglaubliche Entdeckung: auf dem Bild waren im Bereich des Schoßes Mariens eindeutig Herztöne hörbar. Zudem zeigten Videoaufnahmen des Regisseurs John Bird an derselben Stelle Bewegungen wie bei einer Frau im letzten Schwangerschaftsstadium.

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Nach dieser revolutionierenden Entdeckung untersuchte der bekannte Gynäkologe Dr. Carlos Fernandez del Castilo im Auftrag von Professor Rojas erneut das Bild der Tilma. Dabei konnte er in einem abschließenden Gutachten die bereits vorliegenden Befunde bestätigen. Demnach erwartet die Frau auf dem Guadalupebild eindeutig ein Kind, das mit dem Kopf nach unten in so genannter linker Position in ihrem Schoß liegt. Der Arzt schließt seinen Bericht mit dem Hinweis, dass es sich um eine normale, gesunde Schwangerschaft handelt und die Geburt des Kindes nahe bevorsteht.“

Ohne Frage klingt die Aussage dieser Meldung nach einer Sensation. Ein Tilma-Bild, auf dem die Bewegung eines Ungeborenen nachweisbar ist, ist fraglos mehr als nur spektakulär.

Die Herzschläge von Jesus

Damit nicht genug, denn spätestens am 27. Februar 2016 verschärfte die „The American Society of the Defense of Tradition, Family an Property“ dieses Gerücht. In einem Artikel für die Gesellschaft schrieb Norman Fulkerson unter anderem:

Die schwarze Schärpe mit Schleife, die sie (die Madonna auf der Tilma, Anm. LAF) um die Taille trägt, war unter aztekischen Frauen üblich, um anzuzeigen, dass sie ein Kind erwartet. Diese Tatsache wurde auf wundersame Weise von Carlos Fernandez del Castillo, einem führenden mexikanischen Gynäkologen, bestätigt. Nachdem er das Bild untersucht hatte, beschloss er, ein Stethoskop direkt unter der Schärpe zu platzieren. Er war erstaunt, die rhythmische Herzfrequenz von 115 Schlägen pro Minute zu hören. Die gleiche wie die eines Babys im Mutterleib.“

Herztöne eines Ungeborenen aus dem Leib eines Frauenbildes? Wenn das nicht spektakulär ist, was dann?

Die einschlägige Tilma-Literatur indes schweigt sich über diese Berichte weitestgehend aus. Eine Ausnahme ist der Geistliche Johannes Dieter Becker, der diese 2014 in seinem Buch „Das Lied von Guadalupe“ beiläufig erwähnt. Nach Becker, der unter dem glühenden Marienverherer Papst Johannes Paul II. Kaplan war, seien diese Entdeckungen an der Tilma 1995 gemacht worden. Eine exakte Quelle benennt der Träger des Deutschen Bundesverdienstkreuzes und von Papst Benedikt XVI. 2008 sogar zum „Apostolischen Protonatar“ ernannte Becker nicht. Er schreibt lediglich:

Forscher der Universität Mexiko untersuchten das Gnadenbild und sind sicher, Herztöne eines Ungeborenen im Bauchbereich der Jungfrau Maria zu vernehmen, sie ist schwanger: Geburt Jesu 25. Dezember!

Filmaufnahmen des Wissenschaftlers Jon Bird sollen Bewegungen eines Ungeborenen auf dem Tilmabild zeigen und der Gynäkologe Dr. Carlos Fernandez del Castilo bestätigt die Entdeckung. Ist es ein Gerücht? – Abwarten!

Fromme Märchen?

War Becker als tief religiöser und erfolgreicher Kirchenmann einem Irrtum aufgesessen? Immerhin ist er offenkundig auch ein Verehrer der Madonna von Guadalupe, wie es eine Passage in seinem Buch deutlich macht. Darin schreibt er, dass er 1999 ein Benediktinerkloster in Santa Rosa, Brasilien, zu Ehren der Gottesmutter gründete. „Die Klosterkirche ist Unserer Frau von Guadalupe – Mutter Amerikas geweiht“, so Becker.

Auch die Quelle des oben zitierten Artikels der „The American Society of the Defense of Tradition, Family an Property“ ist sehr zweifelhaft. Denn darin wird sich auf den Artikel „Miraculous Image of Our Lady of Guadalupe“ berufen, der am 2. April 2012 auf dem Blog „Infallible Catholic“ („Unfehlbarer Katholik“) erschien. Ohne Quellenangabe heißt es dort:

Carlos Fernandez del Castillo, ein Gynäkologe, untersuchte das Bild und hat festgestellt, dass die gynäkologischen Messungen Unserer Lieben Frau (zeigten), dass sie schwanger ist. Vollkommen im Einklang mit dem Stadium der Schwangerschaft am 9. Dezember für Jesus Geburt am Weihnachtstag auftreten.

Ein Stethoskop wurde unter dem schwarzen Band an der Taille Unserer Dame (ein Zeichen, dass sie schwanger ist) gelegt und man hörte rhythmische wiederholende Takte bei 115 Schlägen pro Minute. Die gleichen, wie die eines Baby im Mutterleib.“

Zum genannten Datum 9. Dezember ist zu sagen, dass dies der Tag war, als Juan Diego 1531 zum ersten Mal auf dem Tepeyac der Erscheinung der Gottesmutter begegnet ist.

“Wahrheit und Lüge”

Solche religiösen Aussagen waren auch auf dem Blog „Infallible Catholic“ einem Priester namens Anthony Gerber zu viel. Zumindest nannte sich diese Person am 13. Dezember 2014 so, als sie den dortigen Artikel kommentierte. Hier seien „Wahrheit und Lüge“ vermischt worden, da niemals solche Herztöne durch ein Stethoskop nachgewiesen worden sind, so Gerber. Er selber habe mit Verantwortlichen bzw. nahen Beteiligten der Heiligsprechung des Juan Diego gesprochen, die solche Entdeckungen dementierten. Konkret nennt er Pater Eduardo Chavez, dem Postulator der Heiligsprechung von Juan Diego und Mitgründer sowie Dekan des „Instituts für Guadalupe-Studien“ („INTERLUPE“) und Ehrenkanon der Basilika von Guadalupe.

Anonyme Folgekommentare warfen auf dem Blog dann wieder Gerber vor, er sei ganz einfach ein Ungläubiger. Dass er „diese wundersamen Tatsachen“ ignoriert, solle „Schande“ über ihn bringen, da sein Vorwurf der Unwahrheit eine „Todsünde“ sei.

Abgesehen von der sicher nicht unberechtigten Frage, wie man auf die Idee kommt, mit einem Stethoskop ein Bild abzuhören, ist die Quellenlage also sehr fragwürdig. Mich erinnert das an eine Szene aus dem ersten Teil der erfolgreichen Kinokomödie „Ghostbusters“ von 1984, als einer der Geisterjäger mit eben genau so einem Stethoskop den Geräuschen eines Geistes in einem Tisch lauscht …

Spätestens im Jahr 2000 verbreitete sich diese religiöse Sensationsmeldung im Internet. Eine – wenn nicht die – erste Verbreitung erfolgte um 2000 durch die Webseite der „Br.-Thomas-Apostolatsgemeinschaft“. Dahinter steckt ein „Bruder Johannes-Markus“, der seit 1998 selber ein Seher ist und Botschaften von Maria und Gott persönlich empfangen will. Auslöser war eine Pilgerreise nach Medjugorje in Bosnien und Herzegowina. Ebenfalls ein Ort von Marienerscheinungen, wie es von den Gläubigen heißt (s. auch HIER). Von diesem angeblichen Seher stammt die oben zitierte Meldung, die von dort aus viral unter den Gläubigen ging.

Die Tilma schweigt

Die Mystery-Autorin Gisela Ermel, die unter anderem 2002 ein Buch über die Tilma von Guadalupe veröffentlichte, schrieb in dem Magazin „Sagenhafte Zeiten“ (Nr. 5/2005) dazu, dass Bruder Johannes-Markus diese Erkenntnisse auch nur aus einer Sekundärquelle habe. Auf Nachfrage teilte er ihr mit, dass er „die Informationen aus einer Broschüre während eines ‚Bischöflichen Projekts‘ abgeschrieben (habe); wo und wann war nicht zu erfahren“, so Ermel. Und weiter:

Auch Anfragen bei der für Forschung zuständigen Stelle der Basilika von Guadalupe und verschiedenen Forschungsgesellschaften wie INTERLUPE (Zentrum für Guadalupe-Studien in Mexico-City) ergaben nichts anderes. Nirgends hatte man von einer derartigen Entdeckung oder Beobachtung auch nur andeutungsweise gehört.

Auffindbar ist jedoch der in der Meldung erwähnte Film von John Bird, der angeblich diese Beweise zeige. Dieser wurde für 65 Dollar im Rahmen einer Videoreihe in vier Teilen über Orte in Portugal, Spanien, Afrika, USA und Mexiko, die für Marienerscheinungen bekannt sind, vertrieben. Die Serie nennt sich „River of Light“ und wurde unter anderem in den USA von der „Mary´s Media Foundation“, New York, vertrieben. Die Foundation ist eine gemeinnützige Vereinigung, die es sich zu Aufgabe gemacht hat Informationen über die Jungfrau Maria zu verbreiten. Finanziell wird die Foundation von der katholischen Kirche getragen. Und im Rahmen dieser Videoreihe taucht tatsächlich auch der Film von Bird und der Tilma von Guadalupe auf. Enthalten im 4. Teil der Filmreihe.

Doch der Film von Bird zeigt keinerlei Bewegung auf der Tilma; nicht die Spur einer schwangeren Maria und eines ungeborenen Jesus-Baby sind nachweisbar. John Bird selber bestätigt, dass er und auch keiner aus seinem Mitarbeiterteam jemals ein Ungeborenes bei ihren Filmarbeiten zur Tilma beobachtet haben. Ermel dazu schon 2005:

Eine schriftliche Anfrage bei dem Regisseur John Bird ergab, dass er und sein Team etwas Derartiges weder beim Filmen noch beim Bearbeiten des Filmmaterials bemerkt hätten.“

Für Ermel ist das erneut ein Beweis, „wie kritisch man mit derartigen Berichten umgehen muss“, wie sie ganz richtig schreibt.

Ein Zeichen der Jungfrau von Guadalupe …

Kritik und Skepsis sind aber in der Religion und beim Glauben sehr oft Mangelware. Da hilft auch nicht der geflügelte Ausspruch „Gottes Wege sind unergründlich“ etwas. Außer für die Gläubigen, natürlich.

Das zeigte sich auch 2007. In seinem kritischen Buch „Belichtete Augen“ (2011) schreibt Bernd Stiegler über dieses angebliche Mysterium des Glaubens:

Und der Gynäkologe Dr. Carlos Fernandez del Castillo kann schließlich sogar die Lage des Kindes identifizieren: Es liegt mit dem Kopf nach unten in linker Position. Und solche Bilder sind nicht ohne klare Botschaft: In den diversen Diskussionsforen zur Jungfrau von Guadalupe findet sich ein weiteres Dokument einer vermeintlichen visuellen Offenbarung, das nun einen Lichtreflex als Zeichen für den Schutz des ungeborenen Lebens deutet: Am 24 April 2007, just zu dem Zeitpunkt, als der Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche in Mexiko legalisiert wird, erblickten viele Pilger eine besondere Lichterscheinung auf dem Gnadenbild.“

Wirklich eine Warnung des Himmels bzw. der Jungfrau von Guadalupe? Oder doch eben nur ein religiös umgedeuteter Lichtreflex, wie es auch Stiegler sieht? Weiter zitiert Stiegler dazu von einer heute nicht mehr erreichbaren Webseite:

Ein Fotograf hat das Bild untersucht und festgestellt, dass das Licht, das einen Embryo im Mutterschoß zeigt, kein Reflex ist, sondern aus dem Bild selbst herauskommt.“

Eine erstaunliche “Analyse”

Diese „Analyse“ des Fotografen wäre schon eine erstaunliche Leistung. Denn besucht man die Basilika von Guadalupe mit der Tilma wird man sehr schnell feststellen, dass man das Objekt aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht genau sehen geschweige denn fotografieren kann. Es hängt in luftiger Höhe über dem Altar, und die Besucher fahren auf Laufbändern hinter und unter dem Altar an dem Bild vorbei. So werden Staus durch den Andrang der Betenden und natürlich auch all jener vermieden, die es fotografieren wollen.

Mit einem guten Objektiv im Inneren der Basilika ist aber das kein Problem. Dabei hängt das Abbildung natürlich nicht frei in seinem Rahmen, sondern ist hinter einer dicken Glasscheibe zum Schutz gesichert (am 14. November 1921 gab es einen Bombenanschlag auf die Tilma). Und was eignet sich besser für eine Lichtreflexion als (Panzer)glas? Und wie sieht ein derartiger Reflex eigentlich aus, dass man darin „einen Embryo im Mutterschoß“ erkennen kann, der „aus dem Bild selbst herauskommt“, wie es Stiegler zitiert?

Somit scheint es sich abzuzeichnen, dass die Meldung eine Ente ist. Auch wenn sie noch immer auf unterschiedlichen Seiten im Internet zitiert wird.

Bedenken muss man auch, dass in der Meldung davon die Rede ist, dass „die Geburt des Kindes nahe bevorsteht“. Angeblich ermittelt durch die Frequenz des Herzschlages. Schon ein flüchtiger Blick auf die kunstvolle Abbildung der „Königin des Himmels“ auf der Tilma zeigt, dass von einem „Babybauch“ nichts zu sehen ist.

Ebenso ist vollkommen unklar, was der Bericht mit den „sieben typischen schwarzen Schleifen über ihren Schoß“ meint (mehr HIER). Diese finden sich nicht auf der Tilma. Zumindest ich zähle dort, direkt unter den Händen, nur fünf schwarze „Bänder“.

Wie also sollten 1531 „alle Azteken sofort“ gewusst haben, dass dies ein Zeichen für die Schwangerschaft der abgebildeten Gottesmutter ist?

Video zum Thema

Das Wunder von Guadalupe - Vortrag von Lars A. Fischinger von 2009

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Lars A. Fischinger

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