Münze aus dem verlorenen Schatz des Tempel von Jerusalem gefunden: Geschichte(n) aus dem Dreck und die Verbindung nach Rom (+ Video)

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Münze aus dem verlorenen Silberschatz des Tempel von Jerusalem gefunden (Bilder: gemeinfrei & Y. Sindel/Flash90 / Montage: Fischinger-Online)
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Münze aus dem verlorenen Silberschatz des Tempel von Jerusalem gefunden (Bilder: gemeinfrei & Y. Sindel/Flash90 / Montage: Fischinger-Online)

In Jerusalem hat ein Mädchen eine kleine Silbermünze gefunden, die nach Ansicht von Experten aus der Zeit des 2. Jerusalemer Tempels stammt. Datiert wird der Fund in die Jahre des jüdischen Krieges gegen die Römer, bei dem im Jahr 70 der Tempel vollkommen vernichtet und seine seine Schätze geraubt wurden. So unscheinbar die Münze auch ist: Hinter ihr verbirgt sich eines der wichtigsten Ereignisse der jüdisch-römischen Geschichte. Die direkt mit dem Kolosseum, dem Wahrzeichen Roms, in Verbindung steht, wie Ihr hier erfahrt.


Das Ende des 2. Tempel von Jerusalem

Vor 1951 Jahren kam es in Jerusalem und dem ganzen Heiligen Land zu einem einschneidenden Ereignis: Nachdem 66 nach Christus der jüdische Aufstand gegen die Römer begann, eroberten und plünderten diese im Sommer 70 Jerusalem. Es ist jener Tempel, den auch Jesus Christus besuchte und dort gegen die „Geldwechsler“ wetterte, die den Tempel zu einer „Räuberhöhle“ gemacht hätten. Eine bekannte Episode aus dem Leben Jesu.

Trauriger Höhepunkt des Krieges war die Eroberung und vor allem Zerstörung dieses Jerusalemer Tempels auf dem Tempelberg. Ein Beispielloses Gemetzel, bei dem laut dem berühmten jüdischen Gesichtsschreiber und Zeitzeugen Flavius Josephus (ca. 38 – 100) mehr als 1 Millionen Menschen ums Leben kamen. Eine sicher sehr weit übertriebene Zahl. Doch die Kämpfe müssen furchtbar gewesen sein. So notierte der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio (ca. 163 – 235) in Band 65 seines Werkes „Römische Geschichte“ über die Ereignisse:

Da stürzten sich die einen freiwillig in die Schwerter der Römer, die andern erschlugen sich gegenseitig, andere brachten sich selbst um, wieder andere sprangen in die Flammen. Und es schien für alle nicht so sehr Verderben, sondern eher Sieg und Heil und Gnade zu bedeuten, mit dem Tempel zusammen unterzugehen.“

Bis auf Grundmauern und die Westmauer wurde der Tempel vollständig zerstört. Heute ist das die berühmte „Klagemauer“ in Jerusalem, an dem genau dieser Verlust beklagt wird. Daher der Name. Obwohl heute angenommen wird, dass die vollständige Zerstörung des Tempels ein Unfall war,  ist es bis heute ein Trauma der Juden. Vor fast 2.000 Jahren, unter der Eroberung von Kaiser Titus, erlitten Jerusalems Einwohner damit eine ihrer größten Katastrophen. Wer nicht ermordet wurde oder Selbstmord begann, wurde versklavt oder verbannt.

Sieg und Plünderung durch Kaiser Titus

Anfang September 70 war die gesamte Stadt besiegt und großflächig zerstört. Wenige Jahre später, nach der Eroberung der Festungsanlage Masada, fiel ganz Judäa. Ein großer Sieg für Kaiser Titus, zu dessen Ehren nahe dem Kolosseum in Rom im Jahr 71 ein Triumphbogen errichtet wurde. Er steht dort noch heute. Auf ihm wird der römische Herrscher angesichts seines Sieges über die widerspenstigen Juden gefeiert.

Relief auf dem Titus-Bogen in Rom: römische Soldaten plündern die Schätze des Jerusalemer Tempels (Bild: Fischinger-Online)
Relief auf dem Titus-Bogen in Rom: römische Soldaten plündern die Schätze des Jerusalemer Tempels (Bild: Fischinger-Online)

Prunkvoll zeigt der sogenannte „Titus-Bogen“, wie römische Soldaten die Schätze des Jerusalemer Tempels fort tragen. Unter anderem den berühmten Siebenarmigen Leuchter aus dem Tempel, den man als Menoar kennt. Heute ist das verschollene Heiligtum eines der wichtigstes Symbole des Judentums. Was der Siegesbogen des Titus übrigens nicht zeigt oder erwähnt, ist die legendären Bundeslade.

Dieses heiligste Objekt überhaupt verschwand schon mindestens 600 Jahre zuvor aus Jerusalem. Mehr dazu im Video unten auf dem Mystery Files-Video-Channel.

Der Bogen steht unübersehbar auf dem Forum Romanum. Am höchsten Punkt der Straße, die zum Kolosseum führt, das mit Kaiser Titus und Jerusalem eng verknüpft ist. Das Kolosseum ist das Wahrzeichen des modernen Rom und das größte Amphitheater, das die Römer jemals errichteten. Und zwar in den Jahren 72 bis 80 und Dank der geraubten Tempelschätze aus Jerusalem. Die Kriegsbeute aus dem gewonnen Krieg gegen die Juden machte die Finanzierung des gewaltigen Kolosseum erst möglich.

Der verlorene Tempelschatz

Ein wahrhaft lohnender Feldzug, „dessen Beute so immens gewesen sein muss wie kaum je nach einem siegreichen Krieg Roms“, schrieb beispielsweise Géza Alföldy in seiner Studie „Eine Bauinschrift aus dem Colosseum“ in der „Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik“ (Nr. 109, 1995). Die Beute wurde später „nach Rom gebracht, um dort beim Triumph ‚haufenweise‘ zur Schau gestellt zu werden“, so Alföldy. Und weiter:

So lesen wir beispielsweise nicht nur bei Josephus, sondern auch bei Zonaras, dass die Goldbeute aus dem Jüdischen Krieg so groß war, dass sich der Wert des Goldes in Syrien auf die Hälfte verringerte.

(…) ‚die Beute des Titus‘ aus dem Jüdischen Krieg dürfte angesichts ihres einzigartigen Reichtums ein gängiger Begriff, wohl ein geflügeltes Wort, gewesen sein.

Mit diesem immensen Vermögen wurden das Kolosseum und andere öffentliche Bauten errichtet. Ein Tempelschatz, eingeschmolzen und von den Feinden der Juden verhökert – wer kann es ihnen da verübeln, dass sich diese Niederlage im ersten Jahrhundert ins kollektive Gedächtnis des Volkes eingebrannt hat? Zumal der Tempel nie wieder aufgebaut wurde und der einstige Standort oben auf  Tempelberg heute muslimisch ist. Er ist das wohl umstrittenste kleine Stück Land der Welt, das es überhaupt gibt. Somit ein politisches Pulverfass.

So wird bis heute jeder noch so winzige Fund, der irgendwie mit dem Tempel von Jerusalem in Verbindung steht, als wahrer Schatz angesehen. Vor allem wenn er dem vorherigen 1. Jerusalemer Tempel zugeschrieben wird. Jenem Heiligtum, das laut Bibel König Salomon vor rund 3.000 Jahren für die Bundeslade errichte haben soll. Seine einstige Existenz wiederum ist umstritten. Gleiches gilt für archäologisch Funde, die direkt oder indirekt mit ihm oder seinem Tempel in Verbindung gebracht werden.

Sieben in der Erde von Jerusalem

Den Nachfolgebau hat es gegeben, wovon nicht nur die „Klagemauer“, schriftliche Quellen und andere archäologische Funde zeugen. Deshalb wird daran nicht gezweifelt. Jedoch kann kein Archäologe der Welt auf dem Tempelberg selber Ausgrabungen nach diesem (oder dem Salomonischen) Heiligtum durchführen. So bleibt nichts anders übrige, als Schutt aus der Umgebung des Tempelberges zu durchsieben. Immer in der Hoffnung, in diesem Aushub vom Berg und aus der Davidstadt Artefakt der Tempel zu entdecken.

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Und genau das wird intensiv getan und sogar gefördert. Hierzu wurde bereits 1999 von den Archäologen Gabriel Barkay und Zachi Dvira das „Tempelberg-Siebprojekt“ ins Leben gerufen. An diesem Projekt haben sich seitdem mehr als 212.000 Juden wie auch Christen beteiligt. Ganze Familien machen sich in ihrer Freizeit auf, um achtlos in der Vergangenheit abgeladenen Aushub nach verborgenen Relikten und Spuren zu durchsuchen. Das ist für die Kinder eine Art Schatzsuche, bei der bisher fast 500.000 Artefakte entdeckt wurden.

Dieses „Temple Mount Sifting Project“ wird von Privatleuten, Universitäten und Behörden gefördert. Unzählige Freiwillige sieben dabei stundenlang die historische Erde, um kostbare oder bedeutende Altertümer zu finden. Nicht zur eigenen Bereicherung, sondern um deren Erhalt zu sichern. Oder sie erst mal überhaupt zu finden. Auch wenn das Projekt seien Kritiker hat, die beispielsweise fehlenden wissenschaftlichen Wert beklagen und hier eine reine Freizeitbeschäftigung sehen. Vor allem sei der Bauschutt und Aushub mehrfach umgelagert worden, weshalb etwaige Funden keinen Kontext zugeordnet werden können.

Doch deshalb den Aushub vom Tempelberg und der historischen Davidstadt von Jerusalem einfach unbeachtet liegen lassen, ist sicher auch der falsche Weg.

Erinnerung an den verlorenen Tempelschatz

Auch das 11-jährige Mädchen Liel Krutokop reiste extra aus Petach Tikwa, einem Vorort von Tel Aviv, an, um mit ihrer Schwester und Eltern an diesem Projekt teilzunehmen. Das Mädchen fand dabei eine Münze aus 14 Gramm reinem Silber, die während der Epoche des 2. Tempels in Umlauf war.

Auf der Vorderseite dieser Münze sieht man (s. Titelbild) einen Becher und die Inschriften „Israelitischer Schekel“ und die Abkürzung für „Zweites Jahr“. Also das zweite Jahr des Aufstands gegen die Römer. Auf der Rückseite wiederum steht unter anderem „Heiliges Jerusalem“ und „eine Inschrift, die von Gelehrten als Sitz des Hohepriesters identifiziert wurde“, so „Israel heute“ am 1. Dezember 2021. Begeistert über den Fund zeigte sich Robert Kool, Leiter der Münzabteilung der israelischen Antikenbehörde:

Dies ist ein seltener Fund, da von vielen Tausend Münzen, die bisher bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden, nur etwa 30 Münzen aus Silber aus der Zeit des Großen Aufstands sind.“

Kool ist der Meinung, dass sie Münze aus dem verlorenen Tempelschatz stammt:

Wo sonst hätte man in jenen Tagen Silber in nennenswerter Menge und von so hoher Qualität finden können? Wenn das so ist, ist diese Münze eines der ganz wenigen Stücke aus dem Tempel selbst, die wir heute besitzen.

Die plündernden Römer haben die Münze wohl übersehen. Führt man sich die Geschichte und vor allem das Schicksal des Tempels und seiner Schätze vor Augen, so sieht man diesen bescheidenen Münz-Fund mit anderen Augen. Kein Vergleich mit den geraubten Unsummen und Kostbarkeiten (es sollen dutzende Tonnen gewesen sein). Dennoch ein seltenes Objekt mit einer faszinierenden Geschichte und eine Erinnerung an die einschneidendsten Jahre des heutigen Jerusalem überhaupt!

Video zum Thema

Video vom 16. März 2017 auf Mystery Files

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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