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„James Webb Weltraumteleskop“: Diskriminierte der Namensgeber Homosexuelle? Die NASA will das Teleskop trotz Zweifel nicht umbenennen (+ Video)

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Das „James Webb Weltraumteleskop“: Diskriminierte der Namensgeber Homosexuelle? Die NASA will das Teleskop nicht umbenennen (Bilder: gemeinfrei & NASA / Montage: Fischinger-Online)
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Das „James Webb Weltraumteleskop“: Diskriminierte der Namensgeber Homosexuelle? Die NASA will das Teleskop nicht umbenennen (Bilder: gemeinfrei & NASA / Montage: Fischinger-Online)

Ende Oktober startet nach vielen Jahren Verzögerung das „James Webb Weltraumteleskop„. Wie berichtet, ein lang erwartetes Highlight für die zukünftige Astronomie und auch die Suche nach Leben im All. Doch längst ist eine Debatte über den Namensgeber im Gange. Denn dem bedeutenden NASA-Pionier James Edwin Webb (1906 – 1992) wird die Verfolgung von Homosexuellen im Bundesdienst der USA vorgeworfen. Auch eine Petition zur Umbenennung des Teleskop wurde gestartet. Doch die NASA lehnte dies nun nach einer Überprüfung ab. Nur halbherzig, wie Kritiker meinen.


Das „James Webb Weltraumteleskop“ und sein Namensgeber

Die Erwartungen an das neue „James Webb Weltraumteleskop“ (JWST) sind bei den Wissenschaftlern gewaltig. Nicht weniger wie die explodierten Kosten der Mission und auch die Hoffnungen, die die Weltraumforschung in dieses Gerät steckt. Ende Oktober soll es soweit sein, wie im Video unten berichtet, und die Mission kann nach Jahren der Verzögerung ins All geschossen werden.

Wer aber ist der Namensgeber des JWST und wer war dieser Mann?

Hier entschieden sich die Verantwortlichen für James Edwin Webb, der im März 1992 bereits verstarb. Er war ein Beamter der US-Regierung und vor allem von 1961 bis 1968 der zweite Administrator der NASA. Damit genau in jenen Jahren, in der die US-Weltraumbehörde unter Hochdruck an den „Apollo“-Missionen arbeitete, um letztlich 1969 die erste Mondlandung zu realisieren. Seine Leistungen innerhalb der NASA gelten seit her als unstrittig. Durch seine Kontakte in höchste Regierungskreise konnte er in Washington immer wieder Gelder für die NASA besorgen.

Doch Webb hatte auch eine dunkle Seite, wie viele Kritiker vorwerfen. Er sei maßgeblich an Verfolgungrn von Schwulen und Lesben beteiligt gewesen, die vor allem unter Senator Joseph McCarthy in den 1950er Jahren groteske Ausmaße annahmen. Man vermutete eine regelrechte Verschwörung von Homosexuellen, die sogar von Kommunisten angestachelt die Regierung und Gesellschaft unterwandern würden. Die sogenannte „McCarthy-Ära“ und die damalige Jagd nach diesen „subversiven Elementen“ war eine dunkle Zeit für alle Andersdenkenden, Kommunisten und vor allem auch Homosexuelle in den USA. Hunderte Personen wurden im Zuge dieser „Säuberungen“ aus dem Staatsdienst gefeuert.

NASA-Untersuchungen zur Person James Webb

Auch im Dienst der NASA hat Webb angebliche diese Jagd weiter betrieben. So der Vorwurf der Kritiker. Mitarbeiter der NASA, die in Verdacht standen, homosexuell zu sein, wurden entlassen.

Heute sind solche Vorgänge von staatlicher Willkür gegen Homosexuelle in den USA undenkbar. Doch sie geschahen, und Webb selber war aktiv daran beteiligt. Behaupten zumindest all jene Personen, die eine schon im Mai 2021 gestartete Petition unterzeichneten, die die Umbenennung des Teleskop forderte. Unter ihnen fanden sich auch zahlreiche Astronomen und andere Wissenschaftler.

Auf die zukünftig zu erwartenden Ergebnisse des JWST verzichten, möchten natürlich niemand von ihnen. Ein Boykott der Mission wäre damit sinnlos und unrealistisch. Die NASA indes leitete eine eigene Untersuchung der Vorwürfe gegen James Webb ein, deren Ergebnis sie jetzt bekannt gab. Demnach gäbe es keine Beweise, dass die Anschuldigungen gegen Webb zutreffend sind. Eine Namensänderung des Teleskops sei deshalb auch unnötig.

„Wir haben derzeit keine Beweise gefunden, die eine Änderung des Namens des James Webb Space Telescope rechtfertigen“, gab schon am 27. September Bill Nelson in seiner Funktion als NASA-Chef gegenüber „Nature“ bekannt. Und Brian Odom, Chef-Historiker der NASA, erklärte drei Tage später gegenüber „Nature“, dass er die Untersuchung damit als abgeschlossen ansehe. Ein entsprechender Untersuchungsbericht erschien jedoch nicht.

Für Kritiker sind das nur halbherzige und vor allem intransparente Aussagen und Untersuchungen. Ohne veröffentlichten Abschlussbericht, sei diese Entscheidung auch nicht nachprüfbar. Obwohl Odom beteuert, dass „die Untersuchung so gründlich wie möglich und sehr objektiv“ gewesen sei. Dokumente der NASA wurden gesichtet, Historiker befragt und Webbs Laufbahn bei anderen US-Regierungsbehörden untersucht. Unter anderem von einem externen Historiker.

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Alle Papiere waren aber nicht einzusehen, so die NASA. Grund sei die Pandemie, so dass Dokumente, die nicht digitalisiert vorlagen, nicht ausgewertet werden konnten. Unter anderem waren die „National Archives“ in Washington und die „Harry S. Truman Presidential Library & Museum“ in Independence, Missouri, wegen „Corona“ geschlossen gewesen. So konnte nicht vor Ort recherchiert werden, heißt es seitens der NASA.

Falls es also zu Nachlässigkeiten bei der historischen Untersuchung gekommen sein sollte: „Corona“ ist schuld …

Kritische Forscher

Eine Reihe von Astronomen finden diese Aussagen der US-Weltraumbehörde lächerlich, halbherzig und beschämend. „Man weigert sich, sich der Geschichte zu stellen“, so beispielsweise Brian Nord, ein Astrophysiker des „Fermi National Accelerator Laboratory“ in Batavia, Illinois. Nord war einer der Forscher, die die Petition im Mai dieses Jahres ins Leben riefen. Die NASA weigere sich ganz einfach auf die kritische Stimmen anderer Forscher zu hören, ist er sich sicher.

Drei andere Wissenschaftlerinen der Petition schrieben daraufhin an „Nature“:

Bei all dem Gerede der Institution über Gleichberechtigung und Vielfalt scheint sie sich nicht sonderlich um die öffentliche Rechenschaftspflicht bei sensiblen Themen zu kümmern, die eine historisch marginalisierte Gruppe betroffen haben.“

Der Astronom Rolf Danner, der nicht nur am bekannten „Jet Propulsion Laboratory“ (JPL) der NASA tätigt ist, sondern auch Vorsitzender eines Ausschusses der „American Astronomical Society“, der sich für geschlechtliche Minderheiten in der Astronomie einsetzt, kommentierte zu James Webb:

Ich glaube nur nicht, dass ihn das mehr als 60 Jahre später zur richtigen Wahl für das wichtigste Wissenschaftsprojekt der NASA macht.

Peter Gao, Planetenforscher an der „Carnegie Institution for Science“ in Washington, sieht Webb ebenfalls kritisch:

„Webb hat seinen Job gemacht, im Guten wie im Schlechten, und wird in die Geschichte eingehen. Es ist nicht nötig, ihn weiter zu feiern, wenn man bedenkt, was während seiner Amtszeit passiert ist.“

Das „Just Wonderful Space Telescope“

Eine Lösung der Kontroverse ist nicht in Sicht. Das Teleskop wird Ende Oktober ziemlich sicher unter den Namen „James Webb“ in das Universum starten. Ungeachtet aller Bedenken. Wahrscheinlich wird es auch ein Streit unter den Wissenschaftlern selber bleiben, von dem die Öffentlichkeit wenig bis gar nichts erfährt. Schon beim legendären Teleskop „Hubble“ werden die wenigsten gewusst haben, woher das Gerät eigentlich seinen Namen hatte. Oder wer dieser Edwin Hubble eigentlich genau war.

„Spektrum der Wissenschaft“ schrieb über den Namensstreit in einem Beitrag am 4. Oktober:

Astronomen, die mit der Entscheidung der NASA nicht einverstanden sind, machen sich nun Gedanken über die Zukunft. Für viele ist ein Boykott des JWST auf Grund seiner transformativen Fähigkeiten keine Option.

Einige sprechen über Möglichkeiten, die Kontroverse anzuerkennen, während sie weiterhin mit JWST-Daten arbeiten, vielleicht indem sie Informationen über Webbs Verbindungen zu Anti-LGBT+-Aktionen in die Danksagungen von Veröffentlichungen aufnehmen. Andere könnten das Teleskop in ihrem Umgang mit ihm anders nennen. So twitterte Prescod-Weinstein am 30. September 2021: ‚Ich bin persönlich begeistert von dem Just Wonderful Space Telescope (JWST).‘

Warten wir mal ab, ob nach der Pandemie plötzlich neue Dokumente gefunden werden, und die NASA doch noch ihre Meinung ändert.

Video zum Thema

Video vom 28. April 2021 auf Mystery Files

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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