Wenn UFO-Sekten wahnsinnig werden und der Alien-Glaube in den Massenselbstmord führt: Die UFO-Sekte "Heavens Gate" 1997 - eine Analyse - Grenzwissenschaft & Mystery Files

Wenn UFO-Sekten wahnsinnig werden und der Alien-Glaube in den Massenselbstmord führt: Die UFO-Sekte “Heavens Gate” 1997 – eine Analyse

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Screenshot der Webseite der UFO-Sekte Heavens Gate von 1997 (Bild: Archiv)
Screenshot der Webseite der UFO-Sekte Heavens Gate von 1997 (Bild: Archiv)

Das spezielle UFO-Randthema der UFO-Sekten im Bereich der “Fliegenden Untertassen” und Außerirdischen ist eigentlich immer aktuell. UFO-Kulte und gewissen UFO-Alien-Esoteriker mit den wildesten Phantastereien bringen mit diesen seit je her auch die Prä-Astronautik und die UFO-Forschung in Verruf, da sich gerade diese Verrückten in den (modernen) Medien tummeln und ggf. Mainstream-Schlagzeilen machen. Besonders erschreckend war dies 1997 mit einer dieser UFO-Sekten: “Heavens Gate”. Hier eine umfangreiche Aufarbeitung der Ereignisse vor 20 Jahren rund um den Massensuizid des Alien-Kultes.

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(Artikel vom 5. März 2012 / Update: 1. März 2017)

Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Schon traurig, dass das unten folgende Kapitel aus dem Buch “UFO-Sekten”, das von mir und Roland M. Horn immerhin schon Jahr 1999 erschien, eigentlich noch immer up to date ist. Nicht nur wegen dem angeblichen Planeten Nibiru in unserem Sonnensystem, dessen Kommen alle Jubeljahre mal wieder “angekündigt” wird, sondern auch und vor allem, weil solche und andere Spinner das mediale Bild der Grenzwissenschaft bestimmen.

Beispiele zeige ich auf diesem Blog ja immer wieder gerne und gerade vor dem Hintergrund des Maya-Kalender, ihrer “Prophezeiungen” zum Ende des Jahres mit Weltuntergang, Neuem Zeitalter usw. sowie dem Stichtag 21. Dezember 2012.

(Update 3. März 2015:) Speziell zum Hype um das Jahr 2012 und dem Maya-Kalener etc. habe ich am 3. Dezember 2013 den Artikel: “Die Akte 2012 reloaded – was blieb vom Hype um den 21. Dezember 2012, Maya-Kalender, Weltuntergang und all den Prophezeiungen?” auf diesem Blog veröffentlicht.

Ich habe nach rund 25 Jahren Beschäftigung mit der Grenzwissenschaft eine wahre Sintflut an Beispielen mehr als obskurer Aussagen und auch UFO-Sekten-Berichte im Archiv. Auch das – die alleinige Existenz des Materials – ist eigentlich wiederum traurig

Geschrieben wurde das folgende Kapitel 1998 und 1999 in besagtem Buch publiziert.

Heavens Gate: Suizid im Namen der UFOs

UFO-Sekten von Lars A. Fischinger & Roland M. Horn aus dem Jahr 1999
UFO-Sekten” von Lars A. Fischinger & Roland M. Horn aus dem Jahr 1999

In der Nacht zum 23. Juli 1995 wurde durch die Amateutastronomen Alan Hale und Thomas Bopp bei Aufnahmen des Sternenhaufens M 70 der Komet Hale-Bopp offiziell entdeckt.[i] Es verging kaum eine Woche, in der es keine neuen Helligkeitsprognosen gab. Kaum ein Tag, in dem im Internet nicht von neuen, teilweise absurden – und offenbar nicht ungefährlichen – Spekulationen berichtet wurde. Die Behauptung, der Komet sei von einem riesigen Raumschiff begleitet, wurde sogar durch Fotofälschungen untermauert. Im Frühjahr 1997 war der Komet zu einem auffälligem Objekt am morgendlichen Nordost-Himmel geworden, und konnte abends bequem bestaunt werden.

Hauptperson eines Dramas, das sich um dieses schöne Himmelsobjekt bildete, war der Guru Marshall Applewhite, der Führer einer Sekte in San Diego, USA. Er war überzeugt davon, dass er und seine Anhänger in dem Raumschiff hinter dem Kometen wiedergeboren würden. Natürlich musste man sich zuvor seiner irdischen „Hülle“ entledigen, was nur durch einen kollektiven Selbstmord erreicht werden konnte. Auf ihrer Homepage im Internet kündigte die Gruppe sie sogar mit unmissverständlichen Worten ihr Vorhaben an. Die Hauptseite der Sekte im Internet ist, dies sei am Rande bemerkt, heute nicht mehr vorhanden. Findige Geschäftemacher haben aber die populäre Adresse (URL) im Original übernommen und bieten dort nun nicht jugendfreie Inhalte an.

Jedoch sind die Texte der Sekte bei sorgfältigen Nachforschungen im Original an anderen Stellen im Netz zu finden.

Anfang des Jahres 1997 kursierte ein gefälschtes Foto in den ufologischen Medien, das ein dem Kometen Hale-Bopp folgendes Riesenobjekt zeigte. Es soll gar das vierfachen Volumen der Erde gehabt haben, und durch „Remote Viewing“[ii] (eine Art „medialer Fernwahrnehmung“) nachgewiesen worden sein. Nach dem Remote-Viewing-Praktizierer Professor Courtney Brown von der Emory Universität, Atlanta, USA, sei der Begleiter aber nur zeitweise hinter Hale-Bopp verborgen gewesen und dann hinter der Sonne verschwunden.[iii] Professor Courtney Brown und seine „Medien“ sahen in dem Begleiter ein UFO. Andere Autoren setzten dieses Objekt mit dem geheimnisvollen 12. Planeten (= „Nibiru“) unseres Sonnensystems gleich, den der Autor Zecharia Sitchin in einem ersten Buch 1976[iv] beschreibt. Beispielsweise äußerte Markus Schlottig in einem Deutschen UFO-Fachblatt diese Idee.[v]

Der US-amerikanische Kometenforscher David Tholen fand jedoch heraus, dass das sonderbare Bild mit dem „Begleiter“ eines seiner eigenen Bilder war, in das der Begleitstern von irgendjemandem nachträglich per Computer hineinmanipuliert wurde.[vi]

Doch die Spekulationen um Hale-Bopp in der UFO-Szene waren weit komplexer. Am 14. November 1996 nahm der Amateurastronom Chuck Shramek das sicherlich bekannteste und folgenschwerste Bild des Kometen auf. Auf einem mit seinem 20-Zentimeter-Teleskop angefertigten Kometenfoto war ein „saturnförmiges Objekt“ in der Nähe von Hale-Bopp zu erkennen, das sich Chuck Shramek nicht erklären konnte. Er stellte die Aufnahme ins Internet, mit der Frage, was das seltsame Objekt sein könne.

Trotz Hale-Bopp-Boom im Internet bekam er keine Antwort, und so wandte er sich an den Radiomoderator Art Bell von der ufologischen, auf über 320 Sendern ausgestrahlten Live-Sendung Art Bell Show. Live schilderte Chuck Shramek in dieser beliebten Esoteriksendung, was er fotografiert hatte. Nun war die ufologische Gemeine in ihren Spekulationen nicht mehr zu bremsen, die Telefone standen nicht mehr still. Auch Professor Courtney Brown meldete sich bei Art Bell und schildert seine hell-gesehene Entdeckung. Daraufhin meldeten sich mehrere Dutzend Esoteriker, die ebenfalls das UFO bei Hale-Bopp medial beobachtet hatten.

Der Komet Hale-Bopp (Bild: NASA)
Der Komet Hale-Bopp (Bild: NASA)

Es folgte eine beispiellose Spekulationswelle über das Hale-Bopp-UFO im Internet. Zahlreiche Fotos des Kometen mit dem „UFO“ im Hintergrund machten die Runde. Der bekannte Schriftsteller Whitley Strieber veröffentlichte einige davon auf seiner Homepage.[vii] So etwa ein Bild, das er von Prudence Calabrese, einer Schülerin des Professors Courtney Brown, erhalten hatte, und das den „Begleiter“ zeigte.

Der Astronom Olivier Hainaut, Universität Hawaii bemerkte jedoch, dass es sich bei diesen Bild um sein eigenes, am 1. September 1995 aufgenommenes Foto von Hale-Bopp handelte, das von einem Unbekannten digital manipuliert worden war, um dem Kometen ein UFO hinzuzufügen. Und weitere UFO-Fälschungen folgten.[viii]

Als sich schließlich die seriösen Astronomen der zahllosen gefälschten und falsch interpretierten Fotos annahmen, wurden die Sage des saturnförmigen UFOs schnell beseitigt. So zeigt etwa das Bild von Chuck Shramek den längst bekannten Stern SAO 141 894.

Etwas sehr ähnliches, jedoch nicht in diesem Ausmaß, ist im Kreise der UFO-Interessierten auch beim Fall des „Marsgesichts“ bekannt. Die berühmt-berüchtigte Regenbogenzeitung “Weekly World News” aus den Vereinigten Staaten brachte einen Beitrag des Reporters Nick Mann, der mit einem „Foto“ des Marskopfes illustriert wurde, das ihm angeblich von einem Dr. Benjamin Frania von der NASA zugespielt wurde. Nach Nick Mann bzw. Dr. Frania soll die am 21. August 1993 verschollene US-Raumsonde Mars-Observer dieses Bild am 18. bzw. 20. August 1993 so eben noch zur Erde gefunkt haben. Heute weiß man, dass der Kopf mit Bleistift gezeichnet worden war Das Bild wurde nie wieder veröffentlicht, nachdem ein uns befreundeter UFO-Forscher diese „Aufnahme“ sehr, sehr skeptischer kommentiert hatte.[ix]

Der vermeintliche Begleiter des Kometen Hale-Bopp war eine Erfindung

Der UFO-Guru Marshall Applewhite der UFO-Sekte Heavens Gate während einer Video-Botschaft (Bild: WikiCommons/gemeinfrei)
Der UFO-Guru Marshall Applewhite der UFO-Sekte Heavens Gate während einer Video-Botschaft (Bild: WikiCommons/gemeinfrei)

Marshall Applewhite jedoch war davon überzeugt, dass hinter dem Kometen kein gewöhnlicher Planet, sondern ein außerirdisches Raumschiff wartete, das mit dem Kometen Richtung Erde flog.

Der ufo(un)logische Selbstmord wiederum wurde sorgfältig vorbereitet: Mit Wodka und Beruhigungsmitteln bereitete sich die Gruppe auf dem Tod und die anschließende Wiedergeburt vor. Die Sekte verkündete auf ihrer Internet-Seite, dass der Komet Hale-Bopp das Zeichen für die Ankunft des Raumschiffs von einer übermenschlichen Ebene sei.

Da die Gruppe schon damals im recht jungen Internet sehr aktiv war, wird bzw. wurde Heavens Gate übrigens auch oft als „Internet-Sekte“ oder „Computersekte“ bezeichnet.

Heavens Gate, die natürlich auch die im Internet kursierenden Spekulationen und Vermutungen über den Begleiter des Kometen verfolgen konnte, beteiligte sich interessanterweise nicht an diesen Diskussionen. Schließlich war für sie der Fall ja eigentlich auch glasklar. In der letzten Internet-Mitteilung von Heavens Gate, kurz vor dem Suizid im März 1997, war deutlich unter der blinkenden Überschrift „Roter Alarm – Hale-Bopp schließt die Pforte zum Himmel“ zu lesen:

Ob Hale-Bopp einen Begleiter hat oder nicht, ist aus unserer Sicht irrelevant. Sein Erscheinen ist für uns bei ,Heavens Gate‘ jedoch erfreulicherweise sehr wichtig. Es ist eine große Freude, dass uns unser ältestes Mitglied auf der evolutionären Existenzstufe über der Menschheit klar gemacht hat, dass die Annäherung von Hale-Bopp das ,Zeichen‘ ist, auf das wir gewartet haben. Es ist die Zeit der Ankunft eines Raumschiffes […], um uns heimzuholen in ,ihre Welt‘, in den wirklichen Himmel. […] Wir sind glücklich und vorbereitet darauf, diese Welt zu verlassen […]“[x]

Scheinbar waren einige Anhänger von Heavens Gate doch von den Mutmaßungen im Internet angesteckt worden, denn Joel Achenbach berichtete rund einem Monat nach dem Sektenselbstmord, dass sich einige Anhänger der Gruppe im Januar 1997 für 3.600 US-Dollar Spiegelteleskope vom Typ LX200 gekauft hatten, um sich das kommende UFO und den Kometen anzusehen. Mit dieser Art Teleskop hatte auch Chuck Shramek den „Begleiter“ Hale-Bopps fotografiert. Da aber – haben wir was anderes erwartet? – keine fliegende Untertasse im Schweif des Kometen gefunden wurde, gaben die UFO-Fans die Teleskope zurück und wollten ihr Geld wieder haben.[xi]

Kometen galten zu allen Zeiten als „böses Omen“. Sie wurden im Mittelalter gerne für Katastrophen oder Kriege verantwortlich gemacht. Der UFO-Forscher und Astronomiepublizist Andreas von Rétyi hat hierüber in einem hervorragenden Buch detailliert und seriös berichtet.[xii]

Einer der "Ufonen" laut der UFO-Sekten Heavens Gate, die von ihnen als Alien-Götter in UFOs verehrt wurden (Bild: Heavens Gate-Webseite 1997)
Einer der “Ufonen” laut der UFO-Sekten Heavens Gate, die von ihnen als Alien-Götter in UFOs verehrt wurden (Bild: Heavens Gate-Webseite 1997)

Doch die Heavens-Gate-Anhänger sahen keinen Krieg oder schlechte Ernteerträge voraus, sie sahen ihre eigene, glückliche Zukunft

Im Himmel warten die Alien-Götter

Zurück in den Himmel sollte es nach dem Heavens-Gate-Chef gehen. Marshall Herff Applewhite war überzeugt, dass er und seine Anhänger durch die Lösung von der irdischen Hülle die „nächste Ebene“ der Existenz erreichen würden. In dieser Ebene lebten auch die außerirdischen „Ufonen“, die nach der Lehre der Sekte als technologisch wie geistig perfekte Wesen galten.

Diese “Ufonen” besiedelten nicht nur das All, sondern unterhielten auch auf dem Planten Pluto eine Basisstation.[xiii] Außerdem stellten sich Applewhites Jünger diese Wesen als asexuelle Geschöpfe vor, was möglicherweise erklärt, warum zahlreiche männliche Anhänger und der Chef selbst kastriert waren.[xiv]

Das Schlimme an der Glaubensphilosophie war jedoch ganz klar die Aussage Marshall Applewhites, dass man nur nach dem Verlassen der „irdischen Behältnisse“ – der „Container“ (der Körper) – in dieses Raumschiff gelangen konnte. Und so kam es wieder einmal zu einem Massenselbstmord einer Sekte – diesmal im Zeichen der UFOs. In einem Abschiedsvideo machten die Sektenanhänger einen entspannten Eindruck, so dass es scheint, dass sie gerne diesen Weg zur tödlichen Vollendung ihres wahnwitzigen Glaubens gingen.[xv] Auf Videobändern, die dem Heavens-Gate-Aussteiger Roi und einem Pfarrer zugesandt wurden, sind die Selbstmörder in „freudiger Erwartung“ zu sehen, sie scheinen ihre endgültige Entscheidung sehr wohl durchdacht zu haben.[xvi]

Darauf lassen auch die friedlich in ihren Betten aufgefundenen Leichen schließen, die ordentlich bekleidet in diesen lagen, wie wir es alle in den TV-Medien (etwa “Spiegel TV”) sehen konnten. Sie trugen schwarze Hosen, Hemden und neue Turnschuhe, außerdem hatten alle ein paar Dollar und ihre Ausweise bei sich und hatten neben dem Bett ein gepackte Sporttasche abgestellt. Einige vergaßen nicht einmal ihre Brillen, was angesichts eines körperlosen Fortlebens im UFO erstaunlich erscheint.[xvii]

Nach dem Selbstmord der Gläubigen – 18 Männer und 21 Frauen – überschlugen sich Fernseh- und Printmedien mit erschreckenden Berichten über diese armen Irrläufer der modernen Welt. Doch vor dem Massenselbstmord und dem Freitod des „Nachzüglers“ Wayne Cook (s. weiter unten) konnten es die Medien – allen voran die Regenbogenpresse – nicht lassen, selber über Katastrophenstimmungen angesichts von Hale-Bopp zu berichten.

Als Beispiel sei hier die “Bild Zeitung” genannt. Am 12. März 1997 prangte auf der ersten Seite der Zeitung die gigantische Überschrift: „Jeden Tag kommt er der Erde näher / Der Komet / Unheimliche Prophezeiungen“. “Bild” berichtet, dass angeblich in der Welt Aufregung und auch Freude herrschten, da die einen glaubten, Hale-Bopp bringe eine Art Weltuntergang, und die anderen meinten, dass er „einen neuen Messias“ zur Erde brächte.

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Der auf Seite sechs des Boulevardblattes fortgeführte Artikel („Der Komet – das Ende dieser Art von Welt…“) beruft sich zum Teil auf den Autor Johannes Bartels, der meinte, es erfülle sich durch Hale-Bopp die „dritte Botschaft von Fatima“. Die Wallfahrtsstätte Fatima, jener Ort in Portugal, an dem die Mutter Maria ab 1917 mehrfach drei Kindern erschienen sein soll, ist heute heilige Pilgerstätte gläubiger Menschen.[xviii]

Die „Seherkinder von Fatima“: Lucia Santos (Mitte) im Alter von 10 Jahren mit ihrer Cousine Jacinta Marto (7) und ihrem Cousin Francisco Marto (9) (gemeinfrei / Bearbeitung: L.A. Fischinge
Die „Seherkinder von Fatima“: Lucia Santos (Mitte) im Alter von 10 Jahren mit ihrer Cousine Jacinta Marto (7) und ihrem Cousin Francisco Marto (9) (gemeinfrei / Bearbeitung: L.A. Fischinger)

Zwei der „Geheimnisse von Fatima“ wurden vom Vatikan veröffentlicht, doch das Rätsel Nummer drei kennen nur ein paar wenige Menschen im Vatikan. Der Papst natürlich – obwohl die Mutter Maria verlangt haben soll, es müsse 1960 veröffentlicht werden. Doch auch das ist umstritten und Sache der Definition der Worte der Jungfrau Maria.[xix]

Nach Johannes Bartels soll das dritte Geheimes die Wiederkehr des Messias bzw. des „Herrn“ betreffen, der heute schon unter den Menschen leben soll. Doch da Bartels die bislang nicht veröffentlichte dritte Botschaft auch nicht kennen dürfte, fragen wir uns, warum solche Meinungen überhaupt publiziert werden. (Anm: inzwischen wurden die “Dritte Botschaft von Fatima” veröffentlicht)

Nach “Bild” sollen auch die Hopi-Indianer aus Arizona, USA, glauben, dass ein göttliches Wesen in einem „glänzenden Stern“ zur Erde fahren wird und hier die Regierung übernehmen wird. Auch nennt das Blatt einige Daten, an denen „Katastrophen“ ausbrachen, die mit dem Erscheinen von Kometen zusammentrafen. So angeblich im Jahre 141, in dem die Pest in Europa ausbrach.

Tatsächlich gehen einige Mythen der Hopi-Indianer offenbar auf kosmische Ereignisse zurück, aber Hale-Bopp hiermit in Verbindung zu bringen, ist nach unserer Ansicht haltlose Spekulation. Andreas von Rétyi drückte dies so aus:

Nun, nachdem Hale-Bopp einige Popularität erreicht hat, wird ihm wohl viel angedichtet und zugeschrieben.“[xx]

“Tratschbude Internet” und unbelehrbare UFO-Sekten-Anhänger

Auch das bekannte Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” sah sich im Zuge der Hale-Bopp-Hysterie dazu veranlasst, eine Titelstory über „Himmelszeichen“ und Hale-Bopp zu bringen.[xxi] Neben astronomischen und astrologischen Angaben wusste der “Spiegel” am 31. März 1997 zu berichten, dass die UFOlogen im Internet für Hale-Bopp Begeisterung zeigen. Wir lesen dort unter anderem, dass es UFOlogen geben soll, „die meinen, Hale-Bopp sei der ,Vorbote für ein kosmisches Gefährt‘, dessen befremdliche Benutzer über Afrika ein Virus aussetzen‘ wollen, das die gesamte Vegetation vernichtet‘.“[xxii]

Auch wenn damals über diesem Stumpfsinn mit einem solchen “kosmischen Gefährt” über Afrika nichts Genaues zu erfahren war, so ist es dennoch interessant, dass der “Spiegel” im selben Abschnitt scheinbar auch auf Heavens Gate anspielt. In der „Tratschbude Internet“, so das Magazin, seien in den Tagen des Kometen Hale-Bopp „jede Menge apokalyptischer Verschwörungstheorien“ zu finden. Auch „Berichte über die Invasion außerirdischer Wesen, die zum Beispiel auf einem ,saturn-ähnlichen‘ Raumschiff im Schatten von Hale-Bopp der Erde nähren“, war im “Spiegel” die Rede.

Nachdem sich am 26. März 1997 die UFO-Sektierer von Heavens Gate im UFO-Wahn das Leben nahmen, berichteten die Medien in den USA und auch UFO-Magazine in Großbritannien und sicher auch in anderen Ländern erregt über diesen Irrsinn. Das britische “UFO Magazine” beispielsweise bezeichnete die Sekte als „bizarren religiösen Kult“.[xxiii] Auch die deutsche “Bild” druckte groß aufgemachte Artikel am 29. März („Er schickte sie in den Tod“) und 1. April („Todes-Sekte: Sie beteten dieses Wesen an“) 1997. Eine andere Zeitung berichtete sogar davon, dass unter den Toten von Heavens Gate der Bruder von Nichelle Nicholas sei, die als “Leutnant Uhura” aus der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ bekannt ist.[xxiv]

Die UFO-Sekte Heavens Gate war zum Glück bis heute eine traurige Ausnahme (Bilder: WikiCommons/gemeinfrei / Montage: L. A. Fischinger)
Die UFO-Sekte Heavens Gate war zum Glück bis heute eine traurige Ausnahme (Bilder: WikiCommons/gemeinfrei / Montage: L. A. Fischinger)

Weltweit fand die Tat der Sektenmitglieder selbstverständlich keinerlei Verständnis. Eher war ungläubiges Staunen die Folge in der Presse, da man UFOs eigentlich nie mit Sekten und sogar Selbstmorden in Zusammenhang brachte. Doch mit einer mit einer Ausnahme …


Diese Ausnahme war Florian Rötzer. Er berichtete in dem Internet-Artikel „Beam me up“ vom 9. April 1997, dass die ufologische Gruppe „Andromeda“ in einer Botschaft vom 29. März 1997 tatsächlich Verständnis für die Heavens Gate-Brüder äußerte! Schließlich seien sie inzwischen im All auf einem Planten im Andromenda-Nebel wiedergeboren worden und erfreuten sich dort eines himmlischen Lebens. Nach Florian Rötzer sang eine Frau auf ihrem Abschiedsvideo sogar „beam me up“.[xxv]

Und doch war mit den 39 Toten in San Diego der Irrsinn noch nicht zu Ende. Kurz nach dem Selbstmord verkündete Wayne Cook aus Las Vegas in der Sendung “60 Minutes” des Senders “NBC”, dass auch er seinen Sekten-Freunden folgen werde. Schließlich sei auch seine Frau unter den 39 Toten gewesen und so zu dem UFO geschwebt. Wayne Cook damals:

Ich bin überzeugt, dass die 39 Toten irgendwo in einem UFO sind. Ich wünschte, ich hätte die Kraft gehabt, mit ihnen zu gehen.[xxvi]

Auch Cooks Tochter Kelly war alarmiert: Sie hatte am 26. März ein Päckchen erhalten, das ein Videoband ihrer Mutter Sylvia Cook enthielt … und in dem sie ihrem Freitod ankündigte. Nun erhielt Kelly ein solchen Päckchen auch von ihrem Vater. Er wolle sich mit einem gleichen Giftcocktail wie seine Brüder im Zimmer 222 des Holiday-Express-Hotels in Encinitas, Kalifornien, USA, das Leben nehmen. Wayne Cook, über 20 Jahre Mitglied bei Heavens Gate, schickte ein solches Video auch an den Fernsehsender “CNN”.[xxvii]

Die umgehend benachrichtigte Polizei fand im entsprechenden Zimmer des Hotels tatsächlich zwei leblose Körper. Sie waren ebenso gekleidet wie ihre Sekten-Freunde in San Diego und hatte ebenfalls einen Mix aus Wodka und Beruhigungsmedikamenten eingenommen. Zusätzlich hatten sich Wayne Cook und der Heavens-Gate-Anhänger Charles Humphrey aus Denver Plastiktüten über den Kopf gezogen. Bei Wayne Cook konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Doch Charles Humphrey, der im Kampf um Leben und Tod ein Loch in die Tüte gerissen hatte, konnte glücklicherweise wiederbelebt werden.

Das abschreckende Beispiel Heavens Gate bestimmte einige Wochen die Schlagzeilen der Weltpresse. Zahlreiche Berichte schilderten den Massenselbstmord der UFO-Sekte und die tragischen Ereignisse in den USA. Jedoch konnten diesen Berichten damals fast immer nur die selben Informationen entnommen werden, die kaum über die Hintergründe dieser Gruppe informierten.

Wie also kam es überhaupt dazu, dass sich um das Thema UFO eine richtige Sekte bilden konnte, die letztlich sogar für ihre Aliens in den Freitod ging?

Die Hintergründe der UFO-Sekte Heavens Gate

Tatsächlich war der Suizid von Heavens Gate nur der Gipfel und traurige Höhepunkt der Jahrzehnte dauernden esoterisch-religiösen Irrfahrt von Marshall Applewhite.

Plácido Domingo (Bild: WikiCommons/gemeinfrei)
Plácido Domingo (Bild: WikiCommons/gemeinfrei)

Heavens Gates Geschichte reicht weit zurück.

Marshall Applewhite startete seine „Karriere“ im Jahre 1952. Damals begann er in im Austin-College in Sherman, rund 100 Kilometer nördlich von Dallas, Texas, ein Studium der Theologie. Wahrscheinlich deshalb, weil sein Vater presbyterianischer Pfarrer war und der spätere Sektenchef in der texanischen Kleinstadt Spur aufwuchs. Denn in Spur bestimmte die protestantische Kirche das Leben und den Alltag. Allerdings sind viele der sogenannt “Südstaaten” der USA bzw. Region in diesen überdurchschnittlich religiös geprägt.

Zunächst aber schien für den späteren UFO-Sekten-Chef eine ganz andere Laufbahn bestimmt zu sein. Nachdem Applewhite das Priesterseminar in Richmond, Virginia, verlassen hatte, arbeitete er über Jahre hinweg als katholischer Musiklehrer und in der Oper von Houston in Texas als Bariton. Dort stand er sogar mit Plácido Domingo auf der Bühne. Einem gefeierten spanischen Opernsänger und einer der bekannten “Drei Tenöre”.

In diesen Tagen kam es zu entscheidenden Veränderungen im Leben von Applewhite.

Nach einer Ehekrise ließ er sich scheiden und ging eine homosexuelle Beziehung ein, die ihm 1972 seinen Job kostete. Er ging darauf in ein psychiatrisches Krankenhaus, um sich dort von der „Krankheit“ Homosexualität heilen zu lassen,[xxviii] und machte die schicksalhafte Bekanntschaft mit der Krankenschwester Bonnie Lu Nettles.

Marshall Applewhite, der in diesen Jahren begann über die Ufologie und die Wiedergeburt des Menschen und UFOs zu philosophieren, und die Krankenschwester Bonnie Lu Nettles, die sich mit Wahrsagerei und Astrologie beschäftigte … hatten sich gesucht und gefunden. Zusammen machten sie später einen esoterischen Buchladen im Houston auf, in dem sie auch über die religiösen Aspekten von UFOs Seminare veranstalten. Sie nannten sich fortan „Bo“ und „Peep“, „Tiddly and Wink“ oder auch „Tweedle and Dee“ und begannen darüber zu reden, dass das „Reich Gottes“, das Himmelreich, in Wahrheit die „nächste Ebene“ der Existenz in einem UFO sei.

Der Grundstein für Heavens Gate war gelegt.

„Bo“ und „Peep“ gaben ihr Buchgeschäft auf und begannen die USA auf der Suche nach neuen Mitgliedern für ihre ebenso neue Sekte, besonders in der Hippie-Szene, zu bereisen. Ihre Gruppe nannten sie „Human Individual Metamorphosis“ (H.I.M.), sie hatte 1975 schon 200 Mitglieder. Auf einer Veranstaltung der Gemeinschaft im September 1975 in Waldport im US-Bundesstaat Oregon kamen von den 600 Einwohnern des Städtchens 150. Davon gaben 20 Zuhörer ihre Arbeit und ihr bisheriges Leben auf und folgten fortan den beiden “UFO-Hippies”. Schon dieser Umstand ist aus heutiger Sicht kaum mehr nachvollziehbar …

"Higher Source": die Internet-Firma der UFO-Sekte Heavens Gate aus den 1990er Jahren (Bild: archive.org)
“Higher Source”: die Internet-Firma der UFO-Sekte Heavens Gate aus den 1990er Jahren (Bild: archive.org)

In den darauf folgenden Jahren zog die ufologische Gruppe durch die westliche USA, lebte in Zelten und Wohnwagen und rekrutierte ständig neue Mitglieder. Im Jahr 1977 konnten Marshall Applewhite und Bonnie Lu Nettles bereist 400 Jünger verzeichnen. In diesem Jahr verkündete der Sektenchef erstmals die Landung eines UFOs in dem Ort Grand Junction in Colorado, das die Gruppe ins Himmelreich bringen würde.

Nach Tagen des Wartens kam jedoch kein Raumschiff und die meisten der Anhänger von „Human Individual Metamorphosis“ trennten sich von der UFO-Gruppe. Etwa 80 Gläubige blieben vor 40 Jahren jedoch treu. Von nun an zerfiel die Sekte von „Do“ und „Ti“ – wie sich die Anführer auch nannten – immer weiter. Marshall Applewhite veränderte daraufhin seine “Lehren” und Ansichten und die Gruppe, die sich nun „Total Overcomers Anonymous Ministry“ nannte, schottete sich vollständig nach außen ab.

Doch das half alles nichts, da immer noch mehr und mehr Mitglieder dem Guru den Rücken kehrten. Das bedeutete gleichzeitig auch, dass Applewhite immer weniger Geld von seinen Jünger zur Verfügung hatte.

Im Jahre 1992 (Bonnie Lu Nettles war 1985 an Leberkrebs verstorben), die Sekte bestand nur noch aus rund 25 Menschen, begann die Gruppe offen um neue Mitglieder zu werben. Ebenso stieg der “Verein” in das aufkommende und boomende Computergeschäft ein. Um den Anschluss in der schnelllebigen Technologie-Branche nicht zu verlieren, gründeten sie 1996 die Web-Design-Firma „Higher Source“. Ein Name, der eigentlich Programm bei der Sekte war, da er soviel wie “Höhere Quelle” bedeutet. Dazu passte vortrefflich auch, wie sich die Firma online damals selber beschrieb:

Individuell und kollektiv haben wir uns auf das herauswachsen aus den künstlichen Beschränkungen, die die Gesellschaft uns allen einprogrammiert hat, konzentriert, um persönliche Führung und Arbeitseffizienz zu akzeptieren. Wir können auf einer Ebene produzieren, die so effizient und qualitativ nirgendwo sonst in der Computerindustrie zu finden ist.

Higher Source kann alles von cool bis kommerziell, wie ein Chamäleon.”

Die “IT-UFO-Sekte” erstellte nicht nur Internetseiten für verschiedene Firmen, sondern begann auch, sich selber unter dem Namen Heavens Gate im Internet zu präsentieren. Im aufkommenden und rasend wachsenden Internet verbreiteten sie nun ihre UFO-Lehre und warben natürlich auch um neue Mitglieder oder Anhänger.[xxix] Die hartnäckigen Werbeaktionen gingen sogar soweit, dass die Gruppe an über 100 damals bekannte “Newsgroups” im Internet E-Mails schickte.[xxx]

Bis eben zu jenem verhängnisvollen Tag im März 1997.

Der Abriss durch die Geschichte und die Weltanschauungen Marshall Applewhites zeigt eine stetige Weiterentwicklung seiner Ideen. Diese machen das Suiziddrama der Sekte zwar begreiflich, aber in keinem Fall verständlich.

UFO-Kulte mit harmlosen Spinnern?

Auch wenn UFO-Kulte heute scheinbar recht harmlose Dinge lehren, so kann es morgen oder in einigen Jahren schon ganz anders aussehen.

"Roter Alarm" auf der Webseite der UFO-Sekte Heavens Gate: Ein UFO kommt! (Bild: archive.org)
“Roter Alarm” auf der Webseite der UFO-Sekte Heavens Gate: Ein UFO kommt! (Bild: archive.org)

So etwa meldet die Zeitung “New York Times”[xxxi] im März 1998 den Aufmarsch und Zuzug von Mitgliedern der „God’s Salvation Church“ in das nördlich vom texanischen Dallas gelegenen Garland. Diese Erlösungskirche kaufte dort nach und nach 30 Wohnungen und Häuser auf, die dann schließlich von rund 150 Sektenanhängern bezogen wurden. Sie alle reisten aus Taiwan an. Sämtliche Mitglieder der Sekte kleiden sich vollkommen weiß; Hüte eingeschlossen.

Der Führer der Bewegung war damals Heng-Ming Chen (Hon-Minc Chen), der allerdings von seinen Anhängern nur „Lehrer Chen“ genannt wurde. Denn durch ihn sprach, so sagte er, Gott persönlich. Chen sah damals angeblich oft goldene Bälle (UFOs?) über den Himmel ziehen, die er als Vorboten Gottes bezeichnet hat.

Mittlerweile hat der „Lehrer“ eine lange Arbeit mit dem Titel “God’s Descending in Clouds (Flying Saucers) on Earth to Save People” (“Gott steigt herab in Wolken (fliegenden Untertassen) auf die Erde, um Menschen zu erretten”) veröffentlicht. Für diese Behauptung garantiert er, wie er in seinem Werk schreibt, sogar mit seinem Leben. Zitat: „Um 10 h des 31. März 1998 wird im Heiligen Land das Königreich Gottes erscheinen.“ Dann gab er eine Adresse in Garland an. Er kam natürlich nicht.

Der damals 42-jährige Chen ist eigentlich sogar Professor der Sozialwissenschaften. Doch das war wohl nicht genug, denn irgendwann erkannte er , dass er selbst vor 2.000 Jahren Christus war. In seinen beiden Söhnen sah er die Reinkarnation von Jesus und Buddha (man beachte die wirre Unterscheidung zwischen Christus und Jesus). Er zeigte deshalb seine Söhne auch gerne seinen gläubigen Anhängern.[xxxii]

In Garland umgehende Gerüchte besagten, dass Chen von seinen Leuten bedingungslos als Führer angesehen werde, und dass er seine Mitglieder sogar einer Gehirnwäsche unterzöge, damit sie an ihn glaubten. Anders könnten sie mit ihm nicht in einer fliegenden Untertasse in den Himmel fliegen. Die taiwanesische Presse befürchtete einen Massenselbstmord für den Fall, dass Gott nicht am 31. März in Garland erscheinen würde. Professor Chen wies diese Vorwürfe und die Befürchtungen eines Selbstmordes jedoch weit von sich.

Die Gruppe baute auch einen Altar, auf dem sie Früchte, Cola und Kekse für jenen historischen Zeitpunkt Ende März bereithielten, an dem ihr Lehrer zu Andacht und Predigt aufrufen wird, um Gott zu empfangen, denn Gott wird sich nach Chen bereits um Mitternacht des 24. März auf dem TV-Kanal 18, dem Home Shopping Cannel, weltweit anmelden.

Das faszinierende dabei: Obwohl der 31. März ohne die Erscheinung Gottes zu Ende ging, reisten nur etwa 20 Sektenanhänger enttäuscht nach Taiwan zurück, der Rest hält ihrem Lehrer weiterhin die Treue.[xxxiii]

UFO-Sekten - bis heute ein Irrsinn (Bild: L.A. Fischinger / gemeinfrei / NASA/JPL)
UFO-Sekten – bis heute ein Irrsinn (Bild: L. A. Fischinger / gemeinfrei / NASA/JPL)

Ein weiterer UFO-Kult-Führer verstarb im Jahre 1998 in Paris im Alter von 72 Jahren. Es handelte sich um den selbsternannten Messias Gilbert Bourdin, der die Welt vor außerirdischen Invasoren schützte. Sagte er zumindest.

Auch ein UFO-Guru mit Namen George King, der Sprecher des „Interplanetarischen Parlaments“ hat einst, so Nachrichten seiner angeblichen Außerirdischen, die Welt vor Wesen aus dem All bewahrt. Zumindest aber war George King persönlich an der Rettung der Erde mit diesen Aliens beteiligt .

Gilbert Bourdin hatte sich in den südlichen Alpen ein kleines Imperium aufgebaut. Dort nannte man ihn „Cosmic Christ“ (kosmischer Christ!), als „Hamsah Manara“ was laut Sanskrit soviel wie „Herr der Menschen“ bedeutet wurde er verehrt. Bourdin war zuvor Lehrer auf der Insel Martinique gewesen, wo er 1969 den Mandarom-Kult gründetet hatte. Seine Anhänger sind Vegetarier, tragen Tunikas und rasieren ihren Schädel kahl. Solche äußeren Erkennungsmerkmale sind typisch für Sekten (vor allem für fernöstliche). Doch Bourdin wurde im Laufe der Zeit immer rabiater, was die „Rekrutierung“ von neuen Mitgliedern für seine Gruppe betraf, wie ein Parlamentsbericht der französischen Regierung im Jahr 1996 feststellte.

Insgesamt gab es fünf Ermittlungen gegen den UFO-Guru Bourdin wegen Vergewaltigungen, die ihm von ehemaligen Sektenmitgliedern vorgeworfen wurden. Bourdin wurde tatsächlich auch einmal verhaftet, doch die Anzeigen wurden nach zwei Wochen zurückgezogen.[xxxiv]

Heute, im Jahr 2017, genau 40 Jahre als Marshall Applewhite erstmals die Ankunft der Aliens in einem UFO versprach und exakt 20 Jahre nach dem Suizid seiner UFO-Sekte Heavens Gate, scheint so was nicht mehr denkbar. Doch wir wissen nicht, wo auf der Welt irgendwelche UFO-Gruppen oder Alien-Gläubige an irgendwelchen  absurden Weltbildern feilen. Auch Heavens Gate Tat kam damals überraschend. Jedoch sollte man bei den heute vor allem online ihre religiösen UFO-Lehren verbreitenden UFO-Esoteriker und UFO-Gruppen nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Fußnoten (von 1998/1999)

[i] Bereits im April des Jahres 1993 wurde Hale-Bopp durch Robert McNaught vom australischen Siding Spring Observatorium fotografiert, blieb jedoch unentdeckt.

[ii] siehe hierzu die interessante Arbeit: Gruber, Elmar R.: Die PSI-Protokolle, München 1998

[iii] In: Saucer Smear, 20. April 1997; s. auch: http://www.farsight.org/farsight/welcome.html

[iv] Sitchin, Zecharia: The 12th planet, New York, USA, 1976; In deutsch: Der zwölfte Planet, München 1989

[v] Schlottig, Markus: Nibiru, Planet der Anunnaki – wann kommt er?, In: Magazin 2000plus Nr. 2/1997, S. 61ff.

[vi] Skyweek 2/1997

[vii] http://www.strieber,com

[viii] Stoyan, Roland C.: Vom saturnähnlichen Objekt bis zum Massenselbstmord: Die Gerüchteküche um den Kometen Hale-Bopp im Internet, in: Skeptiker 2/1998 (Nr. 11), S. 48ff.

[ix] Rétyi, Andreas von: Wir sind nicht allein!, München 1994, S. 197ff.

[x] nach: „Heaven’s Gate“: Durch Selbstmord zum Kometen – Eine Dokumentation, in: Skeptiker 2/1998 (Nr. 11), S. 58; Originaltexte unter http://www5.zdnet.com/yil/higher/heavensgate/

[xi] Achenbach, Joel: Almost Heaven, in: The Washington Post, 13. April 1997

[xii] Rétyi, Andreas von: Der Jahrhundert-Komet: Hale-Bopp, München 1997

[xiii] http://www.ref.ch/zh/infoksr/HeavensGate.html, bezogen am 14. August 1998

[xiv] Sonntags-Blitz, 30. März 1997

[xv] Saarbrücker Zeitung, Ostern 1997

[xvi] Süddeutsche Zeitung, 29. März 1997, S. 16

[xvii] Bild, 29. März 1997, S. 10

[xviii] Der Vatikan hat Fatima als Pilgerstätte offiziell anerkannt. Nach Ansicht des Vatikans ist hier tatsächlich die Jungfrau Maria erschienen.

[xix] Siehe hierzu: Hesemann, Michael: Geheimsache Fatima, München 1997, S. 126ff.

[xx] Rétyi 1997, S. 249f.

[xxi] Die neuen, uralten Ängste, in: Der Spiegel Nr. 14/1997, S. 212ff.

[xxii] ebenda, S. 214

[xxiii] Birdsall, Graham im Editorial des UFO Magazine, Großbritannien, Mai/Juni 1997

[xxiv] Badische Neuste Nachrichten, 1. April 1997, S. 7

[xxv] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/glosse/1162/1.html, bezogen am 22. August 1998

[xxvi] Abendzeitung, 9. Mai 1997, in: CENAP-Report Nr. 242, S. 6

[xxvii] Süddeutsche Zeitung, 9. Mai 1997, S. 12

[xxviii] Bis 1974 wurde Homosexualität sogar von der „American Psychiatric Association“ Homosexualität als Krankheit angesehen, so daß Applewhites Ansicht verständlicher erscheint.

[xxix] Alles nach: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. April 1997, S. 12; http://www.ref.ch/zh/infoksr/HeavensGate.html, bezogen am 14. August 1998

[xxx] American Gothic, in: Fortean Times Nr. 100 (Mai 1997), S. 35ff.

[xxxi] 21. März 1998

[xxxii] Perkins, Rodney und Jackson, Forrest: Spirit in the Sky, in: Fortean Times, April 1998 (Nr. 109), S. 24ff.

[xxxiii] CENAP-Report 250, S. 53-55

[xxxiv] CENAP-Report 250, S. 55

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