Raubgräber plündern eine laufende Ausgrabung nahe Ingolstadt in Bayern (+ Video)

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Raubgräber plündern eine laufende Ausgrabung nahe Ingolstadt in Bayern (+ Video)

Erneut haben Raubgräber mit Metalldetektoren wieder zugeschlagen. Diesmal bei einer laufenden Ausgrabung in einer berühmten keltischen Ansiedlung nahe Manching unweit von Ingolstadt. Dort haben die Diebe haben an mehr als 140 Stellen in der bis zu 2.300 Jahre alten Kelten-Stadt zugeschlagen. Was dabei von den illegalen Sondengängern, den schwarzen Schafen dieser Freizeitbeschäftigung, gefunden und gestohlen wurde, ist schwer einzuschätzen.


Großstadt der Kelten: „Oppidum Manching“

Unweit von Ingolstadt in Bayern liegt das „Oppidum Manching“ aus der Zeit der Kelten und Römer. Dort lag einst eine Ansiedlung, die bereits vor etwa 2.300 Jahren gegründet wurde und in der zur Blütezeit 5000 bis 10000 Menschen lebten. Damit zählt diese stadtartige Siedlung zu einer der bedeutendsten und größten Orte dieser Art nördlich der Alpen. Aufgrund ihrer Größe war diese Siedlung wahrscheinlich sogar die Hauptstadt des Kelten-Stammes der Vindeliker. Allein die umgebene Stadtmauer maß über 7 Kilometer.

Seit 1955 führt die „Römisch-Germanische Kommission“ (RGK) des „Deutschen Archäologischen Instituts“ (DAI) zusammen mit dem „Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege“ Ausgrabungen in dieser keltischen Großstadt durch. Das „Kelten-Römer-Museum Manching“ zeigt seit 2006 eine Reihe der in der Ansiedlung gemachten Funden und Befunde. Unter anderem Modelle gewisser Bereiche des Ortes, dessen ursprünglicher Name längst in Vergessenheit geraten ist.

Viele dieser Funde und der archäologischen Befunde entstammen Zufallsentdeckungen. Vor allem aber auch aus sogenannten Rettungsgrabungen. Aufgrund der Ausdehnung des Ortes kam es immer wieder zu solchen Rettungsgrabungen, da Bebauungen geplant waren. Das rief in der Vergangenheit immer wieder Archäologen auf den Plan, die vor Baubeginn am „Oppidum Manching“ Grabungen durchführten. Denn trotz Jahrzehnten der Ausgrabungen wurde hier längst nicht alles entdeckt und dokumentiert. Obwohl schon 1831 erste Beschreibungen der noch zu erkennenden Bodenstrukturen der Siedlung veröffentlicht wurden. Zum Beispiel von dortigen Ringwallanlagen.

Raubgräber gruben über 140 Löcher

Ein Kern des dortigen Museums ist ein Goldmünzen-Schatz, der bereits 1999 bei Manching im Erdreich entdeckt wurde. Solche und ähnliche Funde wecken Begehrlichkeiten. Und zwar bei Raubgräbern mit Metalldetektoren, die sich heute jedermann leisten kann. Solche „Schatzjäger“ nennen sich selber „Sondengänger“ und tauschen sich vor allem online in einer weit vernetzten Community untereinander aus.

Und wie eigentlich überall, so gibt es auch unter diesen ehrbaren Sondengängern ein paar schwarze Schafe. Nicht nur solche, die zufällig entdeckte Funde für sich behalten und nicht melden. Sondern auch jene, die bewusst archäologische Stätten oder sogar laufende Ausgrabungen aufsuchen, um dort still und heimlich nach Kostbarkeiten zu suchen. So wie etwa vor einiger Zeit bei einer archäologischen Stätte unweit von Kassel, wie im Video unten berichtet.

So war es jetzt auch in Manching.

Das „Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege“ hatte die Grabungsfirma „Pro Arch“ mit Grabungen beziehungsweise ersten Erdarbeiten am „Oppidum Manching“ beauftragt. Eine Fläche von etwa 1000 Quadratmetern war von „Pro Arch“ bereits von der oberen Erdschicht befreit worden – bis die Raubgräber kamen. Denn wie die Firma mittelte, fanden sie über 140 illegal gegrabene Löcher, die von Dieben stammten. Dabei hätten sich die Schatzsucher sogar in Lebensgefahr begeben, wie Stefanie Grimm, zuständige Referentin des Landesamts für Denkmalpflege, betonte. Denn die Fläche liegt direkt neben einem Militärflughafen und sei noch nicht nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht worden.

„Sachbeschädigung und Unterschlagung“ durch die Raubgräber

Was die Plünderer bei ihrer Aktion fanden, ist natürlich unklar. David Biedermann von „Pro Arch“ vermutet „Haar- und Gewandnadeln, Fibeln, Bronzeobjekte, die zu einer Tracht gehören, kleine Bestandteile von Wagen und Rüstungen, aber auch Münzen“, so „BR24“. Dies ist natürlich nur Spekulation, da eben genau solche Objekte bereits in dem Gebiet entdeckt wurden. Vor allem natürlich auch deshalb, da mit einem Metalldetektor eben nur Metall im Erdreich gefunden werden kann. Reine Keramiken oder Bernstein beispielsweise zeigt ein solches Gerät nicht an.

Die zuständigen Archäologen bitten jetzt die lokale Bevölkerung um „erhöhte Aufmerksamkeit“. Ähnlich wie bei dem Beispiel nahe Kassel aus dem Video unten, sollen Zeugen Sondengänger auf dem Gelände direkt melden und sich Kennzeichen von Autos notieren. „Pro Arch“ hatte nach der Entdeckung der Raubgrabung am 2. Mai direkt die Polizei eingeschaltet. „Denn Sondengehen auf dem Gelände ist strikt verboten“, wie es „BR24“ in einer Meldung betont. Und weiter heißt es:

Es stehen laut dem Landesamt unter anderem Sachbeschädigung und Unterschlagung im Raum. Die Behörde hofft nun auf Zeugenhinweise.“

Ob irgendwelche ausgegrabenen Objekte den Weg in die Hände der Archäologen fallen, ist jedoch sehr fraglich.

Video zum Thema auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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