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Vor genau 30 Jahren: Die spektakuläre Kornkreise von Grasdorf 1991, der Ansturm der Neugierigen und die unglaubliche Geschichte dahinter (+ Video)

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Vor 30 Jahren: Der spektakuläre Kornkreis von Grasdorf 1991 und dessen unglaubliche Geschichte (Bilder: Archiv Fischinger-Online)
Vor 30 Jahren: Der spektakuläre Kornkreis von Grasdorf 1991 und dessen unglaubliche Geschichte (Bilder: Archiv Fischinger-Online)

Vor genau 30 Jahren begann im Prä-Internet-Zeitalter ein unvergleichbarer Boom, Medienrummel und Ansturm auf Kornkreise in Deutschland. Im Sommer 1991 stand die Welt scheinbar Kopf, denn als Themen aus der Welt der Phänomene, UFOs und Mysterien langsam einen Hype erlebten, erschienen hierzulande seltsame Zeichen in Getreidefeldern. Mit dem Höhepunkt in Grasdorf, wo am 23. Juli ein 100 Meter langes Muster in einem Feld entdeckt wurde. Der Anfang einer unglaublichen Geschichte, die bis heute einzigartig blieb. Was vor drei Jahrzehnten rund um dieses und anderer Piktogramme für ein Rummel herrschte und welche außergewöhnlichen Entdeckungen es gab,  erfahrt Ihr in diesem Blog-Artikel und einem zeitgenössischen Video.


1991: Der “Sommer der Kornkreise”

Kornkreise sind in der Mystery-Forschung heute nahezu jedem bekannt. Die meisten, die sich mit grenzwissenschaftlichen Themen einschließlich UFOs beschäftigen, haben bereits von ihnen gehört. Und wohl jeder hat zumindest einen solchen Kornkreis schon auf irgendeinem Foto gesehen. Auch wenn solche Muster und Kreise in landwirtschaftlichen Felder (oder anderswo) heute kaum mehr ein Thema in der Diskussion rund um UFO, Phänomene, Aliens & Co. sind.

Was nicht bedeutet, dass nicht jedes Jahr erneut solche Muster in Feldern rund um die Welt gefunden werden. Nur werden sie selbst in der eingeschworenen Community der Mystery-Interessierten kaum mehr beachtet. Ob zu Recht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ab etwa dem Jahr 1991 sah das noch ganz anders aus. Vor allem in den Sommern 1991, 1992 und auch 1993 schienen solche Getreidefeldpiktogramme geradezu zu explodieren. Sie waren längst nicht mehr auf Großbritannien beschränkt (was sie zuvor auch nicht waren), sondern auch Deutschland erlebte seinen „Kornkreis-Sommer“. Die Muster durchliefen in diesen Jahren geradezu eine Evolution. Sie wurden immer größer, komplexer, ausgereifter und damit auch schöner.

Für viele reine Landschaftskunst von Witzbolden oder sogar boshaften Betrügern. Für andere eher so was wie „Botschaften aus anderen Welten“. Wobei damit keinesfalls immer nur die viel beschworenen Außerirdischen gemeint waren. Kornkreise und Piktogramme in Feldern waren plötzlich in aller Munde.

Auch die Presse und die TV-Medien konnten damals anscheinend nicht genug davon bekommen, um über dieses Phänomen zu berichten. In fast allen Zeitungen tauchten Bilder der unterschiedlichsten Piktogramme auf. Meist mit sensationellen Überschriften wie „Hier landen die UFOs gerne“, „UFOs, Unfug oder wilde Böcke?“ oder sogar „Kornfeldrätsel gelöst“ erschienen entsprechende Beiträge selbst in kleinen Lokalzeitungen, Boulevard-Magazinen und sogar in Jugendzeitschriften.

Der Kornkreis von Grasdorf

So flatterte mir am 24. Juli 1991, in einer Zeit, als ich persönlich mehr und mehr in die Materie der Mystery Files einstieg, meine Lokalzeitung ins Haus. Kurz aufgeschlagen fand ich dort auch direkt ein Foto des erstaunlichen Piktogramms von Grasdorf bei Hildesheim mit der Überschrift „Künstlerisch“. Dazu ganze zwei Sätze Text ohne jeglichen Informationswert zu dem in der Nacht vom 22. auf dem 23. Juli 1991 erscheinenden Muster (s. Bild). Es war hierzulande der „Sommer der Kreise“, wie verschiedene Autoren ihn einst nannten, und der Kornkreis von Grasdorf erregte weltweit Aufmerksamkeit.

Das Piktogramm von Grasdorf im Juli (Bild: Archiv Fischinger-Online)
Das Piktogramm von Grasdorf im Juli (Bild: Archiv Fischinger-Online)

Was auch noch von heute aus betrachtet wenig verwunderlich war. Denn immerhin bestand der Kornkreis aus nicht weniger als 13 einzelnen Kreisen, verschiedenen „halbrunden Formen“, die einige von ihnen teilweise umgaben, und diversen „Verbindungen“ zwischen einigen Kreisen. Das alles auf einer Länge von gut 100 Metern und mit einer Breite von rund 50 Metern. Besonders auffallend war dabei der Kreis im Zentrum des Musters, der mit seinen Speichen unverkennbar ein uraltes Sonnensymbol („Sonnenrad“) zeigte.

Auf “heiligem Boden”?

Wer immer nachts diese Piktogramm vor 30 Jahren in dem Feld angelegte, machte sich nicht nur sehr viel Arbeit. Der oder die Verursacher wählten auch den Ort des Musters offenbar mit Bedacht aus. Er liegt nahe einer alten germanischen Versammlungsstätte (Thingstätte) und einem alten Heiligtum zu Ehren des heidnischen Gottes Wotan (Wodan). Karl der Große ließ hierauf eine Kirche errichten um das umgebene „Heilige Holz“, ein heiliger Hain der Heiden, zu Christianisieren. Selbst den mythischen Berg Brocken kann man von dort aus in der Ferne sehen.

Heute – wie auch 1991 – liegt die Bundesstraße „B 444“ in der Nähe. Für Befürworter der „Echtheit“ dieses Piktogramms ein Argument, dass gewitzte Fälscher hier nicht Sicherheit nachts nicht ungestört geblieben wären. Zumal ein Spaziergänger gegen 23 Uhr (andere Quellen sprechen von 18 Uhr) nichts Ungewöhnliches auf dem Feld bemerkt haben will, wie es in den einschlägigen Veröffentlichungen zu dem Kornkreis hieß. Erst am frühen Morgen (andere Quellen sprechen von 12 Uhr mittags) des 23. Juli wurde dann das Kunstwerk zufällig in dem Feld von Joggern gefunden. Landwirt Werner Harenberg, der Besitzer des Feldes, beteuerte damals auch, dass er das Piktogramm genauso vorfand, wie es nachher auf Bilder durch die Weltpresse ging. Ein Zeuge aus Grasdorf namens Christian Fieder will in der fraglichen Nacht auch etwas Seltsames am Himmel beobachtet haben. Ein sich sehr schnelles hin und her bewegendes oranges Licht, dass pulsierend scheinbar genau über der fraglichen Gegend flog oder schwebte. Auch von „merkwürdigen Geräuschen“ am Himmel wurde damals gesprochen.

Dazu am Ende mehr.

Ansturm der Schaulustigen

Nach der Entdeckung des Musters in dem Feld von Landwirt Harenberg kamen mehr und mehr Neugierige zum Ort des Geschehens. Einige nutzen esoterische Pendel oder eine Wünschelrute, die angeblich irgendwie „nicht normal“ reagiert haben sollen. Gleiches gilt für eine Gruppe, die mit einem Geigerzähler anreiste und bis zu 0,737 Mikrosievert die Stunde feststellte. In kurzen Ausschlägen, die dann wieder abrupt abfielen. Eine unbekannte Energie, wie damals spekuliert wurde?All das ein abgesprochenes Spiel einer Gruppe von gewitzten Betrügern? Eine Verschwörung von Fälschern?

Denkbar wäre ein solcher groß angelegter Betrug selbstverständlich. Involviert wären dann neben dem Landwirt selber auch diverse Augenzeugen, die zu Untermauerung der Lügengeschichte ihre Aussagen erfanden. Etwa, dass um 23 Uhr nichts Ungewöhnliches auf dem Feld vor sich ging. Oder, dass die angeblichen Jogger nur behaupteten, dass sie frühmorgens zufällig das Muster fanden. Dazu kommen dann ein paar Mitverschwörer, die nach der Entdeckung der herbei geströmten Presse dieses oder jenes Märchen dazu auftischten.

Denn nach Bekanntwerden des Kornkreises strömten in den folgenden Tagen tausende Menschen nach Grasdorf. Sie alle wollten den „Landeplatz der UFOs“ sehen. Vor allem nachdem der TV-Sender RTL mit dem damals sehr prominenten Mystery- und UFO-Autoren Johannes von Buttler das Zeichen besuchte und darüber berichtete.

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Bauer Harenberg stellte daraufhin seinen Mitarbeiter Kemal Kücük ab. Er sollte das Feld vor blinder Zerstörung durch unkontrolliertes Herumtramplen der Besucher bewachen und von ihnen Eintritt verlangen. Wenn ich mich heute recht erinnere waren es 5 DM pro Nase. Bratwurst gab es auch, sie kostete 2,50 DM. Heute würden man sagen ein „Happening“ für Ausflügler. Wobei selbst einige Kornkreis-Kritiker sagten, dass es nicht verwerflich von Landwirten sei, dass diese Eintritt für ihre Felder mit entsprechenden Zeichen nehmen. Das gab es auch schon vor Grasdorf in Großbritannien. Ob damit nur der Ernteverlust gedeckt oder ein dicker Gewinn gemacht wurde, wollten meines Wissens die Landwirte nicht verraten …

Nur drei Jahre später äußerte sich der Landwirt Harenberg nochmals zu den sonderbaren Mustern auf seinem Feld. In der Boulevardsendung „Exklusiv“ des Senders RTL sagte er im Jahr 1994 (s. Video unten):

Manche haben mich natürlich verdächtigt, ich hätte die Kreise selber anlegen lassen. Weil ich ja Eintritt genommen habe nach drei Tagen.“

Bis heute stößt das Thema „Eintritt“ bei vielen Skeptikern sehr sauer auf. Allein dies ist für sie Beweis genug, dass ein Bauer, wahrscheinlich in Absprache mit Helfershelfern, selber Hand an seine Felder legte. Wobei heute natürlich kein Kornkreis mehr irgendwelche Menschenmassen anzieht.

Landwirte haben “die Schnauze voll”

1991 war das anders, denn vor dem Grasdorf-Muster erschienen schon Kornkreise in Schleswig-Holstein. Bei einem Muster nahe dem Dorf Felm (16. Juli) überrannten Schaulustige geradezu die Region und das Feld, so dass der Landwirt Hans-Günther Möller rigoros allen Personen den Zutritt untersagte. Alleine 1.000 Besucher pilgerten über einen eigentlich für Fußgänger gesperrten Fahrdamm an der Bundesstraße 76, um einen Blick auf die 70 Meter großen Doppelkreise zu erhaschen. „Die letzten Tage waren furchtbar“, so Möller damals. „Wir haben die Schnauze voll!“

Nicht anders wie zeitgleich nahe Damp direkt an der Ostsee, wo in der Nacht zum 18. Juli gleich drei Kreise beieinander erschienen. Hier maulte die Kurverwaltung ebenso über die Parkplatzprobleme durch Neugierige, wie der Landwirt Christian Detlev Graf zu Reventlow, dem das Feld mit dem Kornkreis gehörte. „‘UFO-Manie‘ sorgt für eine ‚außerirdische Parkplatznot‘“ schrieb damals sogar meine Lokalzeitung aus dem Kreis Coesfeld unter Berufung auf die DPA dazu.

„Die Außerirdischen füllen das Sommerloch in Schleswig-Holstein“, heiß es in einer anderen Meldung dieser Zeitung nach der DPA. Denn „hier landen die UFOs gern“ wurde gleich getitelt. Zur besten Sommer- und Ferienzeit damals in Deutschland nicht sonderlich verwunderlich, dass wohl vor allem Touristen in Norddeutschland diese Piktogramme sehen wollten. Eine Pressekonferenz mit Berndt Heydermann, damals Umweltminister von Schleswig-Holstein, trug sicher zur Popularität bei. Hinzu kommt, dass Felm nur einen Steinwurf nördlich von Kiel und nicht weit von der Ostsee liegt. Die Bundesstraße 76 führt von Kiel direkt ins nahe Eckernförde. Der Ort Ostseebad Damp wiederum ist keine 20 Kilometer Luftlinie von Felm entfernt. Zwei gerne angenommene, zusätzlich Ausflugsziele für Touristen in Norddeutschland und an der Ostsee.

Von Begeisterung bis Hohn

Das alles spielte sich vor dem Kornkreis von Grasdorf ab. Und die einfachen Kreise in Schleswig-Holstein oder davor und danach in Deutschland waren in keiner Weise mit dem komplexen und riesigen Muster bei Grasdorf vergleichbar. Mit den überaus kunstvollen Gebilden in Großbritannien, die schon in den Jahren davor und natürlich nach 1991 aufgefunden wurden, so oder so nicht.

Der "Doppel-Kreis" von Felm 1991: Unförmig und eirig (Bild: Archiv Fischinger-Online)
Der “Doppel-Kreis” von Felm 1991: Unförmig und eirig (Bild: Archiv Fischinger-Online)

Der Doppelkreis bei Felm war sogar so unförmig und „eirig“, dass im Juli 1991 selbst die „BILD“ neben UFOs und Witzbolden von wilden Reh-Böcken sprach, die hier im Kreis der Ricke hinterher jagten. Ein Zeuge vor Ort namens Müller Siegfried Waschull kenne das selber aus seiner Heimat in Ostpreußen, so die “BILD” Nicht nur der Landwirt, sondern auch eingefleischte Mystery-Autoren sahen schnell in dieser einfachen Formation einen Scherz. Dem Besucherstrom tat das keinen Abbruch. Birgit Johann, damals Journalistin in Schleswig-Holstein, war eine der ersten vor Ort und berichtete in den „Kieler Nachrichten“ von dem Felm-Muster. In „Das Rätsel geht weiter“ (1991), einer Broschüre mit dem aktuellen Stand des Themas Kornkreise, die dem Buch „Kreisrunde Zeichen“ (1990) von Pat Delgado und Colin Andrews beigelegt wurde, schrieb Johann über die damalige Stimmung in Deutschland:

Der Felmer Fall wurde so ausführlich geschildert, weil er bilderbuchgetreu aufzeigt, was in den Tagen der ersten ‚Kreis-Entdeckungen‘ in Deutschland vor sich ging: Die Menschen wurden hier mit einer Erscheinung konfrontiert, die sie nicht sofort in ihr alltägliches Weltbild einordnen konnten. Mit kritikloser Begeisterung oder Hohn bemühten sie daher naturgemäß viele, ihre Welt möglichst schnell wieder ins Lot zu bringen.“

Zeit des Mystery-Boom und die Eintrittgelder

Auch Johann sah in dem unförmigen Kreisen von Felm einen Fake. Auch wenn sich unter anderem bei ihr Zeugen meldeten, die im Vorfeld der Entdeckung von UFOs und seltsamen Lichtern am Himmel berichteten. Allein am 24. und 25. Juli 1991 wurden sechs weitere Kornkreise aus Flugzeugen nur in Schleswig-Holstein entdeckt.

Bedenken sollte man auch, dass UFOs und verwandte Themen damals in aller Munde waren. Es war die Zeit der weltbekannten UFO-Welle in Belgien und des Booms entsprechen TV-Sendungen und boomenden Literatur des Phantastischen. Und nur ein Jahr zuvor, am 24. August 1990, machten die „UFOs von Greifswald“ international Schlagzeilen. Helle Lichtkugeln, die von Zeugen von Usedom über Rügen bis zu Orten zwischen Rostock und Neubrandenburg und natürlich Greifswald gesehen und vielfach gefilmt wurden. Fraglos bis heute der bekannteste UFO-Fall Deutschlands.

Im Falle von Kornkreisen lag ein Vorteil darin, dass diese nicht wie UFOs plötzlich verschwinden. Man konnte sie begehen und wundervolle Fotos von ihnen in den Zeitungen und Magazinen abdrucken. Ein willkommene Abwechslung zu irgendwelchen verschwommenen UFO-Lichtern am Himmel, um es so zu sagen. In jenen Tagen tauchten auch die ersten „Entlaver“ in den Kornkreisen (vornehmlich in England) auf, die alles daran setzten den Spuk zu beenden. Als Betrug, Spinnerei, Witze oder Machenschaften „geltungssüchtiger Charaktere“, wie es 1992 in dem von Jürgen Krönig herausgegeben Standartwerk „Spuren im Korn“ hieß.

So kam durch die Erscheinungen in Norddeutschland schnell die Idee der Eintrittsgelder schon vor dem Grasdorf-Muster auf. Von keinem geringeren als Horst Eger, einem damaligen Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, der den betroffenen Farmern vorschlug, diese zu kassieren. Nicht also die Landwirte selber witterten hier Einnahmen, sondern ein „Vertreter“ der deutschen Regierung. In Grasdorf setzte es der Landwirt schließlich in die Tat um.

All das war bei dem Kornkreis von Grasdorf vor genau 30 Jahren nur der Anfang, denn am 2. August 1991 kam eine weitere Facette in diesem Fall hinzu. Sie macht das Piktogramm von Grasdorf bis heute weltweit einmalig und im höchsten Maße sonderbar.

Seltsame Funde im Kornkreis von Grasdorf

An diesem Freitag erschien unter den vielen Schaulustigen ein Mann mit Metalldetektor und spazierte damit durch das Kunstwerk. An drei Stellen schlug sein Gerät aus. Und zwar genau in der Mitte von jenen drei Kreisen, die von den Halbkreisen umgeben waren. Er markierte sich die Stellen, an denen sein Detektor Metall im Erdreich ortete, und gab Kücük gegenüber an, dass er jetzt zu Bauer Harenberg fahren werde. Dort wollte er ihn als Besitzer des Landes darum bitten, an den entsprechenden Stellen graben zu dürfen. Wo er nie vorstellig wurde, wie sie später herausstellte.

Kurz darauf kam er mit einer Schaufel zurück und grub an den zuvor markierten Stellen drei runde Metallobjekte aus. Es waren mehrere Kilogramm schwere „Teller“ aus Metall, die in rund 40 bis 50 Zentimetern Tiefe im Erdreich lagen. Etwa 25 bis 30 Zentimeter im Durchmesser, wenige Zentimeter dick und mit Erde und Lehm verkrustet. Eindeutig konnte man nach einer ersten, groben Reinigung vor Ort sehen, dass sie künstlich waren und auf einer Seite etwas darauf zu sehen war.

Der „Schatzsucher“ gab noch vor Ort an, dass er die Fundstücke nun zum Feldbesitzer Harenberg bringen würde. Auch das geschah nie. Vielmehr rief er einige Tage später den Landwirt anonym an, der daraufhin auf sein Eigentum von seinem Land pochte. Der Finder gab ihm gegenüber am Telefon an, dass er die seltsamen Platten untersuchen lassen will und sich dann wieder melden werde. Was er nie tat. Vielmehr schickte er dem Landwirt lediglich Fotos, auf denen die angeblich authentischen Fundobjekte von seinem Feld zu sehen waren. Unzweideutig erkennt man auf deren Oberseite die Formation von Grasdorf auf den Scheiben (s. kleines Bild im Titelbild). Wie es weiter hieß, bestanden die Objekte aus Gold, Silber und Bronze, womit sie fraglos einen enormen Materialwert hatten.

„Die Geschichte ist unglaubwürdig“

Sascha Jakoblew, Christian Kaese und Tobias Lührig schrieben schon 1992 in ihrer Analyse des Grasdorf-Kornkreises in „Spuren im Korn“, das sie „die Geschichte für unglaubwürdig“ halten. Sie „zweifeln an der Authentizität der Fotos“. Eine Einschätzung, die längst nicht von allen geteilt wurde! Zumal Kemal Kücük als Aufpasser des Feldes im Auftrag des Landwirtes bei der Bergung der Objekte dabei war und diese selber gesehen haben will.

Genau das erzählte er nach der Bergung der „Metallteller“ auch immer wieder neugierigen Besuchern des Feldes. Selbst der erfahrenste „Kornkreis-Experte“ hörte bis dato erstmals davon, dass solche Artefakte in einem Kornmuster entdeckt worden sein sollen. Das erregte die Neugier sehr vieler damaliger Mystery-Jäger, die diese Objekte unbedingt sehen wollten. Nur war der Ausgräber mit ihnen über alle Berge und lieferte nur anonyme Fotos, die unter anderem die „Hannoverschen Neue Presse“ und entsprechende Magazine abdruckten.

Als Kücük am 7. August Kornkreisbesuchern erneut von diesem sonderbaren „Schatzsucher“ und seinen Entdeckungen berichtete, kam ein Mann ins Spiel, der mehr über den Verbleib der Metallteller wusste. Es kann meiner Meinung nach kaum Zufall gewesen sein, dass dieser sich vor Ort aufhielt. Also organisierte er in Essen im Ruhrgebiet eine Treffen mit dem Finder, der nach eigenen Angaben seit 15 Jahren mit seinem Metalldetektor nach Schätzen und Artefakten im Erdreich sucht. Heute erlebt diese Beschäftigung von sogenannten Sondengängern einen regelrechten Boom. Auch die „Himmelsscheibe von Nebra“ wurde so 1999 in Sachsen-Anhalt so von Schatzsuchern entdeckt.

Anonyme Zeugen?

Die drei Scheiben an sich wiederum waren sehr schwer. Jene aus Gold wog (nach einigen Angaben) 8 Kilogramm, die aus Silber 5 Kilo und die bronzene noch 4 Kilogramm. Der immer noch anonyme Raubgräber wollte sie für zusammen 250.000 DM verkaufen. Falls kein Interesse bestünde, werde er sie halt einschmelzen und zum Materialwert veräußern, drohte er. Für 50.000 DM kaufte letztlich ein anonymer Interessent die beiden Platten aus Silber und Bronze, der meist als „wohlhabender Industrieller“ dargestellt wurde. Die Scheibe aus Gold nahm der Finder wieder mit von man hörte bis 1993 nichts mehr davon. In diesem Jahr verschickte der „Feldforscher“ Fotos der zersägten Gold-Platte an verschiedene Kornkreis-Forscher und andere Adressen. Zu sehen war nur noch etwa die Hälfte der Scheibe, die andere schien in der Tat von ihm eingeschmolzen worden zu sein.

Der anonyme "Schatzsucher", der die Platten von Grasdorf gefunden haben will (Bilder: Archiv Fischinger-Online/anonym)
Der anonyme “Schatzsucher”, der die Platten von Grasdorf gefunden haben will (Bilder: Archiv Fischinger-Online/anonym)

Man hörte nie mehr etwas von diesem „Schatzsucher“. Bis auf Fotos (s. Bilder), die ihn unmittelbar bei der Ausgrabung der Objekte im Grasdorf-Piktogramm zeigen, ist er vom Erdboden verschluckt. Nicht so die beiden Platten aus Bronze und Silber, die der Käufer nicht sang und klanglos verschwinden ließ. Im Oktober 1992 wurden sie beispielsweise auf der UFO-Konferenz „Dialog mit dem Universum“ in Düsseldorf gezeigt. Hitzige Diskussionen waren die Folge und auch ich konnte damals als Teilnehmer der Konferenz hautnah mitbekommen, wie kontrovers das Thema diskutiert wurde. Auch in der US-TV-Reihe „Encounters“ waren sie im April 1994 zu sehen.

Bronze, Silber und Gold …

Der Jurist Dr. Johannes Roemer-Blum lies die beiden noch vorhanden Platten bei der „Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung“ in Berlin bereits Anfang 1992 untersuchen. Im Bericht zur Materialanalyse vom 14. Mai 1992 hieß es dazu:

Platte 1 (silbern) besteht aus ziemlich reinem Silber. Als weiterer Bestandteil konnte nur Eisen nachgewiesen werden, in Spuren von weniger als 0,1 %. Platte 2 (bronzefarben) besteht aus einer Kupfer-Zinn-Legierung, mit einem Zinngehalt von 10 bis 15 %. Weitere Legierungsanteile sind ca. 1 % Nickel und Spuren von Eisen von weniger als 0,1 %.

99,9 Prozent reinstes Silber?! – sollte das ein Betrüger in dem Kornkreis vergraben haben? Darüber herrschte damals wie heute Uneinigkeit in der grenzwissenschaftlichen Gemeinschaft. Wie bei dem Thema Kornkreise an sich. Schon vor 30 Jahren konnte man sich nicht einigen, wer oder was hinter diesen Mustern steckt oder stecken könnte. Von exotischen Naturphänomen, Betrügern und Außerirdischen wurde damals in den Boom-Zeiten gesprochen. Ebenfalls wurde immer wieder auf diverse „Anomalien“ und ähnliches verwiesen, die in und um solche Muster gefunden wurden. Etwa bei mikroskopischen Untersuchen der niedergelegten Getreidehalme. Die stark geschrumpfte Gemeinschaft der Kornkreis-Forscher verweist bis heute auf entsprechende reale oder angebliche Anomalien bei „echten Kornkreisen“.

Was die Macher des Piktogramms von Grasdorf mit ihrem Zeichen ausdrücken wollten, wusste grundsätzlich niemand wirklich zu sagen. Darin unterscheidet sich das Muster in keiner Weise von anderen Kornkreisen vor und nach 1991. Auch wenn immer wieder auf die zum Teil darin enthaltene „uralte Symbolik“ verwiesen wird. Im Grasdorf-Fall vor allem der Kreis mit Speichen im Zentrum als Jahrtausende alte Darstellung eines „Sonnenrades“. Symbole, die jeder Fälscher leicht recherchieren kann, wenn er einen Kornkreis anlegen möchte.

Eine Darstellung des Sonnensystems?

Ferdinand Heller hingegen glaubte zwei Jahre nach Erscheinen den Grasdorf-Kornkreis deuten zu können. In seinem Artikel „Lösung eines weltweiten Rätsels?“ in dem damaligen Magazin „Cheops“ (Nr. 1 & 2/1993) deutete Heller die Darstellung als symbolische Abbildung unseres Sonnensystems. Und zwar in einer Planetenkonstellation, die dem Monat der Entstehung (Juli 1991) entsprach. Besonders auffällig sei dabei, dass der Mars dabei fehlte. Für Heller eine eindeutige Botschaft:

Der oder Diejenigen, die das Piktogramm von Grasdorf bei Hildesheim angelegt haben, wollten offensichtlich auf den Mars hinweisen. Wenn jemand z. B. von der Erde aus unser Sonnensystem betrachtet, kann er alle Planeten und die Sonne sehen, nur die Erde kann er nicht beobachten. Das gleiche trifft auch für einen hypothetischen Beobachter vom Mars zu. Er könnte alle Planeten mit der Erde und der Sonne und die Satelliten sehen, nur den Mars selber nicht.

Verständlich, dass solche Interpretationen Spekulationen um einstige Marsbewohner oder außerirdische Basen auf dem Mars damals neue Nahrung gaben.

Unerklärliches und Gerüchte

Bei dem Muster von Grasdorf häuften sich im Juli und August 1991 auch die Berichte von unerklärlichen Vorkommnissen im Zusammenhang mit der Struktur. Zwar war schon in den Jahren davor bei Kornkreisen immer wieder auf UFO-Berichte verwiesen worden, doch scheinbar war Grasdorf ein Hotspot des Unfassbaren. Es mag auch darin geschuldet gewesen sein, dass die Formation unter all den Zeichen in Feldern in Größe, Genauigkeit usw. herausragte. Was vor nunmehr drei Jahrzehnten im Umfeld des Piktogramms damals behauptet und berichtet wurde, soll hier stichpunktartig zusammengefasst werden:

  • Angeblich berichteten Hobbypiloten, dass ihre Bordinstgrumente beim Überflug über das Feld verrückt spielten. Was allerdings ein reines Gerücht gewesen sein soll.
  • Über das Feld sei ein blaues Licht geflogen.
  • „Dumpfe Geräusche“ hörte ein Einwohner in der Nacht der Entstehung am Himmel, die in Richtung des Feldes verschwanden.
  • Beim Überflug über das Feld geriet ein Segelflugzeug ins Trudeln und musste notlanden.
  • Fotos aus dem Inneren der Kornkreise zeigten nach der Entwicklung seltsame Erscheinungen wie “Lichter” oder “Nebel”, was aber auch von anderen Piktogrammen berichtet wurde (Stichwort: Reflexionen).
  • Im Herbst 1990 setzte exakt an der Stelle, an der im Folgejahr das Muster erschien, die Elektrik des Düngerstreuers des Landwirtes aus.
  • Einige Hunde der Besucher zeigen sonderbare Verhaltensweisen im Feld oder wollten es erst gar nicht betreten.
  • Menschen, die angeblich „geistige Botschaften“ etc. empfangen können, sogenannten „Medien“, taten dies auch im Kornkreis oder allgemein über ihn und seine nicht irdischen Schöpfer.
  • Bei der Ernte riss der vier Meter lange Antriebsriemen des Mähdreschers, als rund die Hälfte der Formation bereits abgeerntet war.
  • Den gefundenen Metallplatten mit ihrer Symbolik des Kornkreises wurden „heilende Energien“ nachgesagt. Deshalb wurden eigenes im Maßstab 1 zu 4 Kopien angefertigt, die man kaufen konnte. Zum Beispiel um sich zu „erden“ und als „Schutz vor Umwelteinflüssen wie Elektrosmog, Chemtrails, schwarzer Magie und vieles mehr“. Aussagen, die man vom Esoterik-Mark seit jeher über zahllose Gegenstände kennt, die man entsprechend erwerben kann …

Wirklich alles Fake?

Obwohl es vor dem Grasdorf-Munster den Hype um die Kreise in Schleswig-Holstein gab, war das alles wohl nicht abzusehen. Vor allem nicht, dass jemand in diesem Kunstwerk drei Platten findet, die das Kornfeld-Zeichen tragen. Ob es ein Betrug war, ist kaum mehr zu sagen. Auch damals witterten viele natürlich einen Fake um die Scheiben von Grasdorf. Es bleibt aber bis heute die Frage, wer so viel Grundkapital aufbringen konnte und wollte, um die Objekte anzufertigen. Um sie dann zu vergraben, „zufällig“ zu finden und dann mit einem erhofften Gewinn zu verkaufen. Auch wenn der „Schatzsucher“ in diese Verschwörung involviert gewesen sein sollte, da sonst der ganze Plan nicht funktioniert hätte. Denn Fälscher werden sie nicht eingegraben haben, in der Hoffnung, dass sie später zufällig jemand mit einem Metalldetektor findet. Schließlich wären sie dann auch weg.

Hinzu kommt, dass es mindestens drei Fotos gibt, die den Finder beim Ausgraben einer der Scheiben zeigen. Die aber – skeptisch betrachtet – grundsätzlich nichts belegen. Noch 30 Jahre später erinnerte sich die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ am 3. Juli 2021 in einem Artikel: „Das Rätsel von einst bleibt ungelöst“. Nach all den Jahren „können sich viele in der Region Hildesheim an die Grasdorfer Kornkreise erinnern“.

Drei Jahrzehnte ist das alles her. Damit bekam das schon im Vorfeld wachsende Interesse an Themen aus der Welt der Mysterien und Rätsel nochmals einen Aufschwung. Die boomenden und zugleich turbulenten Jahre rund um UFOs und allem dazugehörigen begannen. Und mit der deutschen Erstausstrahlung von „Akte X“ am 5. September 1994 war der Hype (erst mal) nicht mehr zu stoppen …

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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