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Moderne Technik der 3D-Darstellung und Fotogrammmetrie lieferte neue Erkenntnisse zur “Himmelsscheibe von Nebra” (+ Videos)

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Moderne Technik der 3D-Darstellung und Fotogrammmetrie lieferte neue Erkenntnisse zur Himmelsscheibe von Nebra (Bilder: gemeinfrei & Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/J. Lipták / Montage: Fischinger-Online)
Moderne Technik der 3D-Darstellung und Fotogrammmetrie lieferte neue Erkenntnisse zur “Himmelsscheibe von Nebra” (Bilder: gemeinfrei & Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/J. Lipták / Montage: Fischinger-Online)

In knapp drei Wochen soll die Sonderausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte” im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle beginnen. Im Zuge dieser Ausstellung wurde auch das Kernstück der Ausstellung, die eigentliche “Himmelsscheibe von Nebra“, erneut untersucht. Mit neuen Methoden und Technologien gelang es den Forschern dabei dem unschätzbaren archäologischen Artefakt weitere Geheimnisse zu entlocken, wie sie heute bekannt gaben. Welche das sind, erfahrt Ihr hier.


Neue Untersuchungen der “Himmelsscheibe von Nebra”

Seit rund 20 Jahren wird die berühmte “Himmelsscheibe von Nebra” nun bereits wissenschaftlich erforscht. Das rund 3.600 Jahre alte Fundstück sorgte dabei immer wieder für Schlagzeilen, über die auf diesem Blog und dem Mystery Files-YouTube-Kanal entsprechend berichtet wurde. Es scheint, als nehmen die Forschungen und Analysen an der Scheibe nie ein Ende. Und so ist es auch, wie das “Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” in einer Pressemitteilung am 12. Mai bekannt gab.

Im Rahmen der Sonderausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte” (s. HIER), die vom 4. Juni bis zum 9. Januar 2022 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle laufen soll, wurde auch die viel diskutierte Nebra-Himmelsscheibe erneut untersucht. Genutzt wurden hierbei modernste bildgebende Verfahren, wie dreidimensionale Vermessungen und Abbildungen mit digitalen Mikroskopen und Röntgentechnik. Ebenso die Fotogrammmetrie, durch die die Archäologen bisher ungeahnte Einblicke in den Herstellungsprozess der Himmelsscheibe bekamen.

Ein Team um Prof. Dr. Roberto Risch von der Autonomen Universität Barcelonafertigte mittels digitaler Fotogrammmetrie zudem tausende Einzelfotos an. Im Durchschnitt wurden so aus 120 Einzelbildern Detailfotos zusammengesetzt, die “als Grundlage für eine dreidimensionale Darstellung genutzt werden”. Für das bloße Auge sind diese Details auf dem weltweit einmaligen Fundstück kaum oder oder nicht sichtbar.

Von dem Artefakt ist übrigens HIER eine handgefertigte 1 zu 1 Kopie aus Metall erhältlich!

Von Steinwerkzeugen bis Stahlwolle-Pads

“Unter Verwendung der Digitalmikroskopie konnte zum einen nachgewiesen werden, dass die Tauschierrille für den heute fehlenden Horizontbogen in zwei Arbeitsschritten mit zwei unterschiedlichen Meißeln entstand”, so das Landeamt in ihrer Pressemitteilung. Damit sie unter anderem erwiesen, dass verschiedene Handwerker mit unterschiedlichen Werkzeugen die “Himmelsscheibe von Nebra” anfertigten.

Auch nachweisbar waren Kratzer von Stahlwolle auf dem einmaligen Artefakt. Etwa auf den Goldblechen. Diese sind natürlich nicht antiken Ursprungs, sondern stammen von einer Reinigung mit Stahlwolle-Pads “durch den ersten Hehler”. Die ursprünglichen Schöpfer der Scheibe nutzten, so die Analysen, zur Politur einen “Sauzahn”. “Dem Hauer eines Wildschweines, wie er noch bis in die Neuzeit zu diesem Zwecke von Goldschmieden eingesetzt wurde.” Doch auch ganz einfache Steinwerkzeuge kamen hier einst zum Einsatz:

Auf der Rückseite zeigen sich im randlichen Bereich die Schleifspuren eines groben Steinwerkzeugs. Äußerst pragmatisch hat hier ein bronzezeitlicher Handwerker nach der Durchlochung der Himmelsscheibe lediglich den äußeren, zuvor umgearbeiteten Randbereich, nicht aber die ganze Rückseite, abgeschliffen.

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Durch die fotometrischen Aufnahmen können die Forscher jetzt auch erkennen, wie genau die einzelnen Elemente der Scheibe angebracht und bearbeitet wurde. Beispielsweise erkennt man, das sich die Richtung der Hammerschläge zur Befestigung der unten angebrachten “Sonnenbarke” änderte. Dies geschah bei der späteren Anbringung des Bogens, um benachbarte Sterne nicht mit dem Werkzeug zu beschädigen. “Dies ist als weiterer deutlicher Hinweis für die Mehrphasigkeit der Himmelsscheibe von Nebra zu werten”, so die Archäologen.

Verschönerungen und Gluthitze

Die Digitalmikroskopie ergab ebenfalls, dass die “Himmelsscheibe von Nebra” offensichtlich eine Schwarzfärbung hatte. Sie ist nur noch teilweise erkennbar und wurde von durch Prof. Dr. Herbert Pöllmann vom Institut für Geowissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg genauer untersucht. Er stellte fest, dass es sich um das Kupferoxid Tenorit handelt, das nicht natürlich entstanden ist. Etwa durch Erosion.

Vielmehr ergab die Analyse, dass die Scheibe “bis zur sanften Rotglut auf ungefähr 800 Grad Celcius” erhitzt worden sein muss:

Das Vorhandensein des Tenorits belegt somit ein wiederholtes Durchglühen der Himmelsscheibe. Jedoch nicht nur das: hätten die schwärzlichen Auflagerungen bei einem goldglänzendem Objekt den optischen Eindruck doch erheblich gestört, so war ihre Entfernung bei der Himmelsscheibe schlichtweg nicht nötig, weil sie bereits schwarz patiniert war.”

Diese schwarzen Verfärbungen erkennt man vor allem noch auf der Rückseite und an jener Stelle, an der an der Sonne oder dem Vollmond ein Stück abgebrochen ist. Verantwortlich dafür seien die Raubgräber, die die “Himmelsscheibe von Nebra” 1999 ausgruben. So kann man heute unter dieser Beschädigung die Tenorit-Spuren deutlicher sehen.

Deutsch zu sehen war durch das “detaillierte digitale Röntgenbild” auch, “dass die Gestaltung der Sonnenbarke im unteren Bereich der Himmelsscheibe ursprünglich etwas anders geplant war”. “Die Profilierung der in die Bronze vorgeritzten Sonnenbarke und die Profilierung der Goldblechauflage” stimmen nicht überein, so die Forscher. Warum die Position der “Sonnenbarke” geändert wurde, ist unklar. “Am wahrscheinlichsten erfolgte hier eine bewusste Konzeptänderung aus ästhetischen Gründen.”

Von dem Skandal, dass die Himmelscheibe angeblich rund 1.000 Jahre jünger ist, wie auf diesem Blog mehrfach berichtet, war indes keine Rede mehr.

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Lars A. Fischinger

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