Neandertaler: Ein Supercomputer hat jetzt ihr Aussterben simuliert – Hauptschuld an ihrem Verschwinden trägt wohl der Homo sapiens

Der rätselhafte Neandertaler: Ein Supercomputer hat jetzt ihr Aussterben simuliert - Hauptschuld an ihrem Verschwinden trägt wohl der Homo sapiens (Bilder: A. Timmermann & PixaBay / Montage: Fischinger-Online)
Der rätselhafte Neandertaler: Ein Supercomputer hat jetzt ihr Aussterben simuliert – Hauptschuld an ihrem Verschwinden trägt wohl der Homo sapiens (Bilder: A. Timmermann & PixaBay / Montage: Fischinger-Online)

Warum starb vor rund 40.000 Jahren der Neandertaler so plötzlich aus? Was waren die genaue Ursachen, dass unser Vetter von der Erde verschwand, nachdem er hunderttausende Jahre allen Widrigkeiten trotzen konnte? Darüber zerbrechen sich Anthropologen seit Jahrzehnte den Kopf. Die Ankunft des modernen Menschen (Homo sapiens) in Eurasien und damit in die Gebiete des Neandertalers steht hier als Ursache schon lange in Verdacht. Diese Vermutung scheinen jetzt Simulationen mit dem Supercomputer “Aleph” zu untermauern, wie Wissenschaftler bekannt gaben. Eine umfangreiche Untersuchung, die aber weiterhin fragen offen lässt, wie Ihr hier erfahrt.


Der rätselhafte Neandertaler

Heute lebt auf diesem Planeten nur eine „Spezies Mensch“: Der Homo sapiens, wir „modernen Menschen“. Sieht man einmal von den Überlegungen aus der Kryptozoologie ab, dass es sich bei „Affenmenschen“ wie Yeti oder Bigfoot um bisher unentdeckte Vetter von und Menschen handelt.

Wir waren aber nicht immer allein auf der Erde. Zahlreiche Menschenarten und „Urmenschen“ lebten bereits auf unserer Welt. Ausgestorbene Cousins und Brüder, von denen zweifellos der Neandertaler die berühmteste Spezies ist.

Diese Verwandte starben erst vor wenigen zehntausend Jahren aus, als der moderne Mensch sich bereits aufmachte, die Welt zu besiedeln. So traf Neandertaler und moderner Mensch an vielen Orten in Europa und dem Nahen Osten auch aufeinander. Sie lebten fortan in einer Koexistenz, nachdem zehntausende von Jahren der Neandertaler diese Gebiet zuvor für sich allein hatte.

Dann verschwand unser Vetter aus der Geschichte. Seine Spezies starb vor rund 40.000 Jahren aus, nachdem er mindestens 300.000 Jahre lang in Europa, Asien und dem Nahen Osten lebte. Warum ist bis heute ein Rätsel der Geschichte, über das seit vielen Jahren diskutiert wird.

Während der Neandertaler in Eurasien den widrigsten klimatischen Bedingungen wie Eiszeiten trotzen konnte, verlief sein Untergang relativ schnell. Ein einschneidendes Ereignis muss deren Ende eingeläutet haben, darin sind sich die Forscher sicher. Vor allem wird hier die Ankunft des modernen Menschen in Europa und anderen Gebieten angeführt, die damit das Ende der Neandertaler einläuteten. Ob durch Vertreibung, Urzeit-Kriege, eingeschleppte Krankheiten, Kampf um die Ressourcen oder andere Faktoren, ist ungewiss.

Ausgerottet durch den modernen Menschen

Sicher hingegen ist, dass auch der heutige Mensch noch Neandertaler-Gene in sich trägt. Es kam also auch zu Vermischungen der Populationen, die zum Beispiel in Europa sehr gut nachzuweisen sind. Doch auch das kann nicht das endgültige Ende der Neandertaler verursacht haben. Auch ein Klimawandel kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Schließlich habe unser Verwandter in den hunderttausenden Jahren zuvor weitaus dramatischere Klimawandel mühelos überlebt. Er passte sich an und sicherte so das Überleben seiner Spezies.

Als gesichert gilt jedoch, dass ein Wandel des Klimas, die Ankunft des Homo sapiens in Eurasien und das Ende der Neandertaler zeitlich zu dicht beieinander lagen, als dass dies nur Zufall sein kann. Dieser relativ zügige Zusammenbruch der weit verstreuten Neandertaler-Populationen ist eines der großen Mysterien der Anthropologie. Es muss, so ist sich die Wissenschaft einig, einen Hauptauslöser gegeben haben.

Obwohl der moderne Mensch als dieser Hauptfaktor für den Untergang angesehen wird, fehlt dafür weiterhin der Beweis. Siedlungs- und Wanderungsbewegungen der beiden Menschenarten, Klimaänderungen, vorhandenen Nahrungsgrundlagen, Temperaturschwankungen, die Vermischung beider Arten und andere Parameter müssen hier berücksichtigt werden. Darauf ergibt sich ein überaus komplexes Modell einer Zeit vor ca. 40.000 Jahren.

Axel Timmermann, der Direktor des „IBS Center for Climate Physics“ an der Pusan National Universität in Südkorea hat nun erstmals genau ein solches Modell vorlegt. Mit Hilfe des Supercomputers „Aleph“.

Timmermann fütterte den Supercomputer dazu mit zehntausenden Zeilen EDV-Code und ließ das Superhirn so eine Simulation berechnen. Gletscherbewegungen der Eiszeit, Kreuzungen der Spezies, Vegetation, Temperatur, genetische Daten und archäologische Funde wurden dazu herangezogen. Im Ergebnis zeigte sich, dass der Homo sapiens am Aussterben der Neandertaler die Hauptschuld trägt. Timmermann:

Die neuen Simulationen im Computermodell zeigen deutlich, dass dieses Ereignis die erste größere Ausrottung war, die durch unsere eigene Spezies verursacht wurde“.

Neandertaler vs. Homo sapiens

Dennoch seien Details weiter unklar, wie der Forscher betont. Zum Beispiel, ob der Homo sapiens im Vergleich einfach besser jagen konnte, ein stärkeres Immunsystem hatte oder vielleicht sogar einfach nur fruchtbarer als der Neandertaler war. Auch wollen Timmermann und sein Team nach dieser ersten Simulation weitere Untersuchungen dieser Art durchführen, die zusätzliche Faktoren berücksichtigen sollen. Etwa detaillierte Klimamodelle und die sogenannte Megafaune der damaligen Zeit.

Doch an ein zufälliges Aussterben unserer Verwandten glaubt der Wissenschaftler nicht:

Dies ist das erste Mal, dass wir die Hauptfaktoren quantifizieren können, die zum Aussterben der Neandertaler führten. Im Computermodell kann ich verschiedene Prozesse an- und ausschalten, zum Beispiel abrupte Klimaveränderungen, Kreuzungen oder Konkurrenz.

Die Neandertaler lebten in den letzten 300.000 Jahren in Eurasien und erlebten und passten sich an abrupte Klimaveränderungen an, die noch dramatischer waren als die, die während der Zeit des Verschwindens der Neandertaler auftraten. Es ist kein Zufall, dass die Neandertaler genau zu der Zeit verschwanden, als der Homo sapiens begann, sich in Europa auszubreiten.

Die neuen Simulationen im Computermodell zeigen deutlich, dass dieses Ereignis die erste größere Ausrottung war, die durch unsere eigene Spezies verursacht wurde.“

Eine lang gehegte Vermutung wurde hier durch den Supercomputer „Aleph“ mathematisch untermauert. Die Studien von Axel Timmermann und seinen Kollegen bestätigen damit in der Theorie zweifellos nur das, was seit Jahrzehnten angenommen wurde. Sie belegen diese allerdings nicht.

Fraglich auch, ob die angekündigten weiteren Simulationen mit zusätzlichen Parametern diese Beweise liefern können. Immerhin können wir keine Neandertaler mehr fragen, was und wie damals wirklich geschah.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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