Wie transportierte man in der Steinzeit tonnenschwere Megalithe? So sollen es Grundschüler in einem Experiment herausfinden

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Wie transportierte man in der Steinzeit tonnenschwere Megalithen? So sollen es Grundschüler herausfinden (Bilder: neolithiqueblog.wordpress.com / Bearbeitung: Fischinger-Online)
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Wie transportierte man in der Steinzeit tonnenschwere Megalithe? So sollen es Grundschüler herausfinden (Bilder: neolithiqueblog.wordpress.com / Bearbeitung: Fischinger-Online)

Wie haben es unsere Vorfahren der Steinzeit es geschafft, gewaltige Megalithe teilweise hunderte Kilometer weit zu transportieren? Üblicherweise werden hier Schlitten und Holzrollen angeführt, auf die diese tonnenschweren Steine gepackt wurden. Und genau das sollen Grundschulkinder in einem einfachen Experiment mit einem Buch, Band und Bleistiften selber testen. Zur Veranschaulichung der physikalischen Zusammenhänge, wie es eine Internetseite mit wissenschaftlichen Tipps für Lehrer und Eltern umfangreich vorstellt. Was ist davon zu halten und welche Hintergrundinformationen bekommen die Erzieher dabei mit auf den Weg?


Steinzeit und Wissenschaft in der Grundschule

Schulen sollen ein Hort des Wissens und des Lernens sein. Und zwar in möglichst vielen Bereichen des Lebens und darüber hinaus. Natürlich soll dort auch Geschichte vermittelt werden und damit auch das Zeitalter der Steinzeit.

Der ein oder andere mag sich an diese Zeiten und den Lernstoff in der Schule erinnern. Wie lange dies auch jeweils zurückliegen mag. Und so werden im Idealfall auch Grundschüler bereits an geschichtliche und naturwissenschaftliche Themen herangeführt. In einer mehr oder weniger kindgerechten und spielerischen Art und, so ist zu hoffen, pädagogisch wertvoll. Solche Themen waren vor rund vier Jahrzehnten zumindest in meinem Fall in einem sogenannten „Sachunterricht“ zusammengefasst.

Ein Sammelunterricht, der Chemie und Physik ebenso einschloss, wie Biologie, „Technik“ oder weitere Naturwissenschaften. Und natürlich berühren sich einzelnen Schulfächer bis heute. So auch zum Teil Physik und Geschichte.

Und um genau diese dreht sich ein Schulexperiment, dass auf der Internetseite science.lu vorgestellt wird. Auf dieser Seite dreht sich alles um „Wissenschaft für jeden“, was explizit auch Eltern und Lehrer mit einschließt. In einem eigenen Bereich der Seite werden deshalb diverse Experimente, Versuche und Themen für Grundschulkinder vorgestellt. Als „Ideen für naturwissenschaftlichen Unterricht in der Grundschule“ finden sich dort „Wissenschaftsangebote für Schule und Freizeit“. Für Gebiete wie Universum, Technik oder auch Natur.

Am 2. Februar wurde dort im Bereich „Technik-Geschichte“ ein „Technololgie-Apparat“ für Lehrer vorgestellt. Mit diesem sollen die Kleinen folgender Frage nachgehen: „Wie transportierten die Menschen in der Steinzeit schwere Lasten?“

Die Kinder sollen staunen

„Die SchülerInnen erforschen, wie schwere Gegenstände mithilfe von Rollen mit geringem Kraftaufwand bewegt werden können“, erfahren wir dort über die Zielsetzung des Versuches. Dabei fällt zuerst auf, dass die Beschreibungen inklusive den thematischen Hintergrundinformationen für die Lehrkräfte erstaunlich umfangreich erfolgen. Als Material für dieses Experiment brauchten die kleinen Forscher auch nicht viel. Eine etwa 1 Meter lange Schnur, ein schweres Buch, „etwa 10 runde Bleistifte oder Rundhölzer, die den gleichen Durchmesser haben“ und 30 Minuten Zeit.

Danach soll den kleinen, angehenden Steinzeit-Forschern das Thema des Versuches nahe gebracht werden. Vorgeschlagen wird dabei ein einleitender „Vortrag“ über dieses spezielle Steinzeiträtsel, zu dem wir unter anderem erfahren:

Zeige den SchülerInnen Bilder von Megalithen, die in der Jungsteinzeit, teilweise sogar vor der Erfindung des Rads, errichtet wurden. Aus welcher Zeit stammen diese Monumente? Aus welchen Gründen werden sie heute noch bestaunt?

Du kannst das Thema auch im Geschichtsunterricht vertiefen. (…)

Alle Steine auf den Bildern wurden über weite Strecken transportiert, bevor sie errichtet wurden. Die riesigen Megalithen aus Sandstein in Stonehenge stammen wohl aus West Woods (etwa 25 km von der Kultstätte entfernt), und die kleineren, aber dennoch tonnenschweren Steine stammen aus Steinbrüchen in Wales, etwa 200 km entfernt.

Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, auf welche Art und Weise diese Felsblöcke transportiert wurden. Man geht davon aus, dass der Land- und der Wasserweg genutzt wurden.

Können sich die SchülerInnen vorstellen, wie die Steinblöcke über den Landweg transportiert werden konnten? Die Menschen damals waren wohl kaum so stark wie Obelix! Welche Hilfsgeräte konnten benutzt werden?

Halte die Hypothesen an der Tafel fest. Die richtige Antwort zu finden ist hier nebensächlich. Es geht vielmehr darum Ideen zu entwickeln und herauszufinden, was die SchülerInnen bereits wissen.

Rätsel der Steinzeit

Auch wenn nicht zweifelsfrei geklärt ist, wie hier (und in den dortigen Hintergrundinformation für die Lehrer) korrekt betont wird, wie genau die Steinzeitmenschen das vor tausenden von Jahren schaffen, sollen es die Kleinen mit einem Buch versuchen. Das Experiment werde ihnen aufzeigen, „wie die Verwendung von Rollen den Energieaufwand verkleinert“. Sie sollen dafür nur die Schnur zusammenbinden, durch das Buch ziehen, dann das Buch auf die Beistifte legen und es ziehen. Nachdem sie zuvor versuchten das blank auf dem Tisch liegende Buch ohne Stifte darunter mit dem Band zu bewegen.

Ein einfaches Experiment, deren Sinn jedem Mystery-Interessierten und Archäologen sofort klar wird.

Denn seit Anbeginn der Archäologie ist die Vermutung, dass solche Megalithe mittels Rundhölzern über den Boden gezogen wurden, die gängige These. Dabei spielt es keine Rolle, ob solche tonnenschweren Steine schon vor rund 13.000 Jahren transportiert, behauen und aufgerichtet wurden, oder erst vor 2.000 Jahren. Die grundlegende Technik bliebt dabei immer prinzipiell gleich. So die gängige Lehrmeinung der Archäologie.

Keine Rolle spielt dabei übrigens auch nicht das Gewicht der zu transportierenden Megalithen. Ob 1 Tonne oder 1.000 Tonnen und mehr – Holzrollen und Schlitten sind das Mittel der archäologischen Wahl. Und zahlreiche Experimente haben mit (relativ leichten!) Steinen unlängst gezeigt, dass es auch in der Praxis funktioniert. Dennoch ist „bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, auf welche Art und Weise diese Felsblöcke transportiert wurden“. Immerhin besteht ein eben nicht gerade leichter Unterschied zwischen beispielsweise 2 oder 5 Tonnen im Experiment, und 100 und mehr Tonnen in der steinzeitlichen oder bronzezeitlichen Realität.

Das Kinderexperiment soll den „kleinen Megalithbauern“ in der Schule zeigen, wie unterschiedliche Reibungen, Widerstände und der Kraftaufwand zusammenhängen. In den Hintergrundinformationen für die Versuchsleiter werden die physikalischen Zusammenhänger deshalb nochmals weiter ausgeführt. Damit die Lehrer auch wissen, was sie da warum tun.

Neugierige Kinder

Wir wissen, dass heute in unserer Industriegesellschaft weiterhin diverse „Rollen-Techniken“ Alltag sind. Ob das exakt so in der Steinzeit war, weiß auch science.lu nicht zu sagen. Deshalb wird dort nochmals unterstrichen:

Noch immer ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche Methode in der Jungsteinzeit angewandt wurde, um schwere Steinblöcke zu transportieren. Einige Theorien gehen davon aus, dass Steine, die mehrere Tonnen wogen, über Baumstämme, die parallel nebeneinander lagen, gezogen wurden. Da die Steine nicht unbedingt eine ebene Oberfläche hatten, wurden sie wahrscheinlich auf eine Plattform oder eine Art Schlitten gelegt, die/der dann mit Seilen über die Rundhölzer gezogen wurden.

Barney Harris, ein Student vom University College London (UCL), hat diese Schlitten-Theorie getestet und festgestellt, dass 20 Erwachsene ausreichen, um einen großen Stein zu bewegen, natürlich nur auf ebener Fläche. Es wurde auch versucht, den Transport großer Felsbrocken auf dem Wasserweg nachzustellen. Der erste Versuch ging allerdings schief und der Felsbrocken versank im Wasser. Erst in einem zweiten Versuch bei ruhiger See gelang es, den Stein auf einem historischen Boot zu transportieren.“

Selbst Ausflugsziele für die Schulklasse zu Megalithstätten werden vorgeschlagen. Quasi als live Anschauungsobjekte für die Kinder. Auch der Hinweis, dass weltweit solche Anlagen zu finden sind, wurde nicht vergessen.

Doch wie soll man als Interessierter oder Vertreter der „History Mystery“ dieses vorgeschlagene Experiment „bewerten“?

Vor allem dient es physikalischer Veranschaulichungen, wie man sieht. In Verbindung mit Steinzeiträtseln, um den Kindern das Thema quasi schmackhaft zu machen. Genau dazu soll entsprechendes Bildmaterial im Vorfeld des Versuches gezeigt werden. Ein gut durchdachtes, da sehr einfaches, Kinder-Experiment, finde ich. Kinder sind neugierig und nicht dumm. Wenn nur einigen von ihnen dabei auffällt, dass noch viele Rätsel der Vergangenheit heute auf uns warten – wachsen aus ihnen vielleicht keine Wissenschaftler heran. Egal ob „alternative“ oder „konservative“.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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