Grüße aus Doggerland: 8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt

8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt (Bild: Maritime Archaeological Trust)
8.000 Jahre alte Bootswerft aus der Steinzeit auf dem Grund der Nordsee entdeckt (Bild: Maritime Archaeological Trust)

Forscher haben auf dem Grund der Nordsee einen sensationellen Fund gemacht. In 11 Metern Meerestiefe stießen sie an der britischen Insel Isle of Wight im Ärmelkanal aus hölzerne Strukturen, die sie für eine Bootswerft aus der Steinzeit halten. Versunken vor rund 8.000 Jahren, als der Meeresspiegel durch die Reste der der letzten Eiszeit anstieg. Weite Teile Nordeuropas versanken in den Fluten und das riesige Doggerland genannte Gebiet (das “Atlantis der Nordsee”) versank in der Nordsee und im Atlantik. Die Unterwasserarchäologen sprechen unlängst von einem “bedeutenden Fund”. Alle Details und die Hintergründe erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Die Steinzeit-Werft auf dem Grund der Nordsee

Unterwasserarchäologen haben vor der Küste der britischen Insel Isle of Wight im Ärmelkanal eine sensationelle Entdeckung gemacht. In 11 Meter Meerestiefe stießen die Forscher auf hölzerne Plattformen und Strukturen, die sie für eine 8.000 Jahre alte Werft aus der Steinzeit halten.

Möglicherweise sei dies die älteste Anlage dieser Art, die weltweit jemals gefunden wurde, so die Archäologen von „Maritime Archaeological Trust“(MAT). Nach der Entdeckung 2005 hielt man die Holzstrukturen zuerst für Gehwege oder anderen zusammengebrochene Plattformen, aber nicht für eine Bootswerft.

Garry Momber, Direktor der „Maritime Archaeological Trust“, ist begeistert über die Art und den Umfang der Funde:

Diese neue Entdeckung ist besonders wichtig, da die Holzplattform Teil eines Standorts ist, der die Menge des in Großbritannien gefundenen bearbeiteten Holzes aus einer Zeitspanne von 5.500 Jahren verdoppelt.

Der Standort enthält eine Fülle von Beweisen für technologische Fähigkeiten, die seit ein paar tausend Jahren nicht mehr weiterentwickelt wurden. Zum Beispiel fortgeschrittene Holzbearbeitung.“

Die geborgenen Reste vom Grund der Nordsee befinden sich inzwischen „in einem Kühlhaus und werden feucht gehalten, damit sie stabil sind“, so das MAT. Die Hölzer sollen im „National Oceanography Centre“ in Southampton weiter untersucht und rekonstruiert werden. Immerhin handele bei dieser Entdeckung um „die intakteste mesolithische Holzkonstruktion, die jemals in Großbritannien ausgegraben wurde“.

Als das zusammenhängendste archäologische Artefakt seiner Art ist es auch das bedeutendste. Als solches wird es vollständig konserviert, so dass es in einem Museum für alle sichtbar ausgestellt werden kann.“

Schon jetzt sind sich die Experten sicher, dass diese Funde belegen, dass die steinzeitlichen Menschen dieser Region Kontakt mit anderen Menschen weit im Süden gehabt haben müssen. Vor 8.000 Jahren war die Isle of Wight noch keine Insel wie heute. Erst durch das Abschmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit lies den Meeresspiele nach und nach ansteigen. Um mindestens 120 Meter.

Doggerland – das “Atlantis der Nordsee”

Auch den Ärmelkanal gab es in der heutigen Form nicht und riesige einst trockene und bewohnte Landflächen liegen heute auf dem Grund der Nordsee.

Diese versunkene Welt wird heute Doggerland genannt – ein Atlantis der Nordsee, von dem immer wieder Spuren und Artefakte auf dem Meeresgrund gefunden werden. Auch verschiedene Steinzeitbauten an den (heutigen) Küsten Nord- und Westeuropas, die ganz und teilweise im Meer versunken sind, zeigen eindrücklich den Anstieg des Meeresspiegels.

Neue Untersuchungen, die 2012 von der britischen „Royal Society“ vorgestellt wurden, zeigen zudem, dass das versunken Doggerland einst wesentlich größer war als bisher angenommen wurde. Richard Bates, Geochemiker an der University von St. Andrews, und sein Team haben 15 Jahre lang nach diesen Spuren von Doggerland gefahndet. Neben Daten von Ölbohrfirmen und archäologischen Objekten vom Grund der Nordsee wurden auch Pollenproben untersucht und der Meeresboden systematisch gescannt. (mehr dazu im Video HIER)

Vor Jahrtausenden konnte man von der heutigen Nordseeküste Deutschlands oder Dänemarks bis weit über den heutigen Norden Schottlands über trocknendes Land laufen. Selbst die Shetland Inseln waren keine Inseln sondern Teil von Doggerland.

Die Bootswerft zeigt eindrücklich, dass in der Steinzeit vor 8.000 Jahren unserer Ahnen offensichtlich auch Seehandel trieben. Auch dann noch, als Doggerland vor 8.000 Jahren von der Nordsee verschluckt wurde, wie es zum Beispiel von Helgoland auf das Festland importierte Funde zeigen. Noch führen Handel und sogar Hochseefahrt gab es offenbar bereits vor 130.000 Jahren im östlichen Mittelmeer, wie in diesem Beitrag HIER berichtet.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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