Archäologische Funde in einer südfranzösischen Grotte sollen die Menschheitsgeschichte um 10.000 Jahre umschreiben (+ Videos)

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Archäologische Funde in einer südfranzösischen Grotte sollen die Menschheitsgeschichte umschreiben (Bilder: L. Slimak / Montage: Fischinger-Online)
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Archäologische Funde in einer südfranzösischen Grotte sollen die Menschheitsgeschichte umschreiben (Bilder: L. Slimak / Montage: Fischinger-Online)

Erneut schreiben archäologische Funde die Menschheitsgeschichte um, wie Forscher in einer aktuellen Studie berichten. Gefunden wurden sie in der südfranzösischen Grotte „Mandrin“ und weisen darauf hin, dass der modernen Mensch bereits 10.000 Jahren früher als gedacht Westeuropa besiedelte.Für das Forscherteam um Ludovic Slimak eine Sensation – die aber nicht unwidersprochen blieb. Denn echte und falsche Sensationen geben sich gerne die Klinke in die Hand.


Falsche und echte Sensationen

Seit Jahrzehnten berichten „Laienforscher“ immer wieder, dass die Menschheitsgeschichte umgeschrieben werden muss und ähnliches. Hierbei präsentieren sie beispielsweise Funde der Steinzeit oder andere Entdeckungen, die nicht in das gängige Gesichtsbild der Vergangenheit und Menschheit passen. Oder passen sollen. Denn fast alle diese Entdeckungen sind zumindest umstritten.

Solche Funde sind ein mehr als interessantes Feld für einen Mystery-Jäger oder „alternativen Historiker“. Auch wenn diese nicht selten zu wahrhaftigen Sensationen hochgepuscht werden, die sich letztlich aber dann doch nicht wissenschaftlich belegen lassen. Dieser Umstand macht die Welt der Rätsel und Phänomene nicht minder spannend. Eher im Gegenteil, wie zahlreiche auf diesem Blog oder in Mystery Files-Büchern veröffentlichte Beispiele zeigen. Hierbei besteht allerdings kein Zweifel daran, dass viele Fragen in der Entwicklung, Mythologie oder Historie der Menschheit bis heute tatsächlich ungeklärt sind.

Man mag diesen „Lainforschern“ teilweise Sensationsgier vorwerfen. Doch mittlerweile bedarf es nicht mal mehr derartigen Forschern und Autoren, um die Geschichte umzuschreiben. Das machen etablierte Archäologen und andere Forscher heute von ganz allein. Es hat hierbei sogar den Anschein, dass die Abstände, in denen „Mainstream-Wissenschaftler“ entsprechende Entdeckungen machen oder publizieren, immer kürzer werden. Immer wieder werden irgendwo auf der Erde Hinterlassenschaften ausgegraben oder andere Spuren gefunden, die ein neues Bild auf die Vergangenheit werfen.

Und das so schnell und häufig, dass niemand mehr die Schulbücher umschreiben und neu drucken kann! Am Ende sind dazu einige Beispiel-Videos von dem Mystery Files-YouTube-Kanal angehangen.

Homo Sapiens in Europa

Eines der vielen Mysterien der Vergangenheit ist die Frage nach der Besiedlung der Erde durch die Menschen der Vorzeit. Wann kam der Mensch (oder eine uns verwandte Art) zum Beispiel wo auf dem Planeten an und wie kam er dahin, fragen sich unzählige Forscher heute. Hierzu gab es in Fernost erst vor relativer kurzer Zeit Funde, die althergebrachte Ansichten mal wieder über den Haufen warfen (s. 1. Video unten). Ebenso in Mittelamerika (s. 2. Video unten). Und dass der Neandertaler bereits vor 85.000 Jahren Steinkreise in Höhlen errichtete, war bis vor wenigen Jahren auch undenkbar (s. 3. Video unten). Um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Lehrmeinung ist auch, dass unsere Vorfahren einst von Afrika über den Nahen Osten vor rund 43.000 bis 45.000 Jahren in Zentraleuropa einwanderten. Hinweise auf anatomisch moderne Menschen sind beispielsweise aus Bulgarien bekannt. Hier fanden sie sich in der Höhle „Batscho-Kiro“ und wurden unter anderem 2020 in „Nature Ecology & Evolution“ (Bd. 4) auf ein Alter von bis zu 45.820 Jahren datiert. Unter Verwendung der Radiokarbondatierung (C14).

Als Zugewanderte trafen sie hier aber auf eine andere Menschenart, die heute als Neandertaler weltbekannt ist. Mit diesen arrangierten sich unsere direkten Vorfahren teilweise, so dass es auch zu Beziehungen und Kindern zwischen ihnen kam. Wir alle haben wenigen Prozent Neandertaler-DNA in uns. Irgendwann aber war es vorbei mit dem Zusammenleben, denn der Neandertaler starb in Europa aus.

Warum das so war, ist bis heute ebenfalls ein Rätsel und Anlass für zahlreiche wissenschaftliche Spekulationen. Vielleicht konnte er sich nicht an einen Klimawandel anpassen, wird ebenso diskutiert, wie die These, dass wir als Homo Sapiens ihn in Europa verdrängten. Vielleicht sogar ausrotteten.

Wann die „Zweisamkeit“ zwischen Neandertalern und uns in Europa begann, ist für das Verständnis ihres Untergangs eine entscheidende Frage. Schließlich gewinnen die Archäologen so auch einen Eindruck und zeitlichen Rahmen, wie lange die Koexistenz der beiden Spezies dauerte. Möglicherweise ließen sich daraus Anhaltspunkte herleiten, warum unser Cousin ausstarb.

Nur 40 Jahre bewohnt

Dieses Thema fasziniert weltweit Wissenschaftler. Ein hartnäckiges Rätsel der Menschheitsgeschichte, das bisher nicht geknackt wurde. Und das nun durch neue Forschungen und Ausgrabungen in der Grotte „Mandrin“ im Süden von Frankreich neue Fragen aufwirft. So berichtet es aktuell ein Wissenschaftler-Team um Ludovic Slimak, Paläoanthropologe an der Universität Toulouse, in einer Untersuchung, die in „Science Advances“ am 9. Februar erschien. 15 Jahre haben die Grabungen des Teams bisher schon in Anspruch genommen, so Slimak.



Ausgrabungen in dieser Grotte oder „Halbhöhle“ sind nicht neu. Schon seit Jahrzehnten graben hier Archäologen nach den Spuren unserer Vorfahren und frühen Verwandten. Denn die Grotte erwies sich als ein Glücksfall für die Forschung. Die Anzahl und der Erhaltungszustand der dort entdeckten Artefakte und Knochen gelten als überaus ungewöhnlich. Ebenso, dass die ältisten Funden dort bis zu 120.000 Jahre in die Vergangenheit reichen.

Deshalb ist die Grotte nicht nur eingezäunt, sondern auch Videoüberwacht. Ein archäologisch überaus wertvoller Fundort.

So alt sind die neuen Funden aus Frankreich längst nicht. In der jetzt veröffentlichen Studie schreiben die mehr 20 beteiligten Forscher, dass der moderne Mensch schon vor bis zu 56.800 Jahren in Südfrankreich in dieser Grotte gelebt haben muss. Folglich also rund 10.000 Jahre früher, als bisher immer angenommen wurde.

Zu diesem Ergebnis kamen die Archäologen unter anderem aufgrund eines Backenzahns, der aus einem Kindergebiss stammen soll. Ein sogenannter „Milchzahn“, den sie in „Mandrin“ in einer Erdschicht ausgruben, die sich zwischen zwei Schichten mit Neandertaler-Spuren befindet. Darum schlussfolgern sie, dass hier Neandertaler lebten, dann eine Zeitlang der moderne Mensch und dann wieder der Neandertaler.

Die Anwesenheit der modernen Menschen war nach den Archäologen aber erstaunlich kurz. Sie sprechen davon, dass dieser nur 40 Jahren in der Grotte gelebt haben soll, bevor er wieder verschwand. Warum, wissen sie nicht. Allerdings ist das Team um Slimak sicher, dass dann wieder der Neandertaler dort einzog. Und zwar für 12.000 Jahre, bis wiederum „anatomisch moderne Menschen“ hier Quartier bezogen. Offenbar war „Mandrin“ einst eine sehr beliebte Immobilie.

Stimmt das alles so?

Es ist durchaus spektakulär, dass bereits 10.000 Jahre früher moderne Menschen von Südosteuropa bis in den Süden von Frankreich wanderten. Zehn Jahrtausende ist ein gewaltig langer Zeitraum, der somit die Besiedlungsgeschichte vollkommen neu schreibt. Auch wenn der Neandertaler sie mutmaßlich zumindest in diesem Gebiet wieder verdrängte.

Wurden aber dieser einzelne Kinderzahn sowie entsprechende Steinwerkzeuge, die dem Homo Sapiens zugeschrieben wurden, vielleicht von den Forschern falsch interpretiert? Denn am 9. Februar erschienen in den Fachmagazinen „Nature“ und „Science“ zeitgleich zu der Studie zwei weitere Artikel, die diese Neuentdeckungen und Interpretationen kritisch sehen. „Ich finde die Beweise nicht sehr überzeugend“, sagt beispielsweise der Archäologe William Banks gegenüber „Nature“.

Der Spezialist für die Epoche der Steinzeit der französischen Universität von Bordeaux glaubt auch, dass die gefunden Steinwerkzeuge eine „lokale Erfindung“ der Neandertaler gewesen sein könnten. Nicht aber unbedingt „Importe von Menschen aus dem Nahen Osten“, so „Nature“. Auch der Zahn überzeugt ihn keineswegs. „Es ist nicht abwegig, dass ein einziger Neandertaler-Zahn Zahnmerkmale aufweisen könnte, die denen moderner Menschen ähneln“, so Banks weiter.

Anders sieht das Kristin Krueger, eine Zahnpaläoanthropologin von der Loyola University Chicago, gegenüber „Science“:

Ich fand diese Arbeit absolut faszinierend. Soweit ich das beurteilen kann, ist dies ein solider Beweis dafür, dass der moderne Mensch früher als angenommen nach Europa kam. Die Autoren liefern überzeugende Argumente für die Datierungen. Sie liefern die stratigraphische Abfolge, die über viele, viele Jahre der Ausgrabung abgeschlossen wurde, (und) verwenden auch mehrere Methoden für die Datierung jeder Schicht.“

„Es wäre so cool, wenn es wahr wäre … aber es ist keine todsichere Sache“, merkt auch die Paläoanthropologin Shara Bailey von der Universität New York an. Todsicher wäre es wohl erst, wenn der Zahn einer DNA-Analyse unterzogen wird. Diese wurde bisher nicht durchgeführt, was wohl mehr als ungewöhnlich ist. Die Forscher haben dafür jedoch eine Erklärung: Der fragile Zahn sei eine solche Kostbarkeit, dass sie erst neuere und zerstörungsfreie Techniken zu Genanalyse abwarten wollen.

Bis dahin wird zumindest diese neuerliche Sensation der Archäologie der Steinzeit weiter ihre Kritiker haben.

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 26. Oktober 2021 auf Mystery Files

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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