War der biblische Gott der wahre Teufel – oder doch eher kraftvoll wie ein Stier oder vielleicht sogar nur freudig wie ein Einhorn?

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War der biblische Gott der wahre Teufel? (Bild: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
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War der biblische Gott der wahre Teufel? (Bild: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

In der Bibel finden sich Überlieferungen, die von erstaunlich über grausam bis kurios und rätselhaft reichen. Und die zu unzähligen Deutungen und Spekulationen verleiten. Vor allem dann, wenn man verschiedene Übersetzungen miteinander vergleicht. So wie im Falle einer Behauptung im Alten Testament, die von „Bibel-Kritikern“ dahingehend gedeutet wird, dass Gott in Wahrheit selber Satan oder der Teufel war. Immerhin sei der alttestamentarische Herr so oder so ein grausamer Gott der Rache und des Zorns gewesen, wie dort zu lesen ist. Eine Bibelstelle, die aber noch ganz andere Aussagen in sich verbirgt.


Ein Gott der Gnade und Barmherzigkeit?

In aller Welt beten Milliarden Menschen zum Gott des Alten Testament. Sie bekennen sich zu einer der Abrahamitischen Religionen mit all ihren zahllosen Abspaltungen, Sekten und Splitter-Religionen. Trotz aller Unterschiede ist man sich in einem Punkt fast immer einig: Der Gott des Alten Testament ist der wahre und einzige Gott von Allem.

In diesem überirdischen Herrn setzen viele ihre Hoffnungen. Denn immerhin wird gelehrt, dass er ein „gütiger“, „gerechter“ und „liebevoller“ Gott der Menschen wäre. Ein nicht-irdisches (außerirdisches) „Wesen“, voller Güte, Barmherzigkeit, Erbarmen, Gnade, Liebe, Gerechtigkeit und Fürsorge. In jeder katholischen Messe wird beispielsweise der Herr (inklusive Maria und Jesus Christus) um seine Güte und Gnade für die armen Sünder gebeten. Denn als Herr der Liebe kann der fromme Gläubige immer auf seine verzeihende Macht zählen.

Liest man aber im Alten Testament, die Grundlage all dieser Religionen, sieht das ganz anders aus. Der Gott der Christen in der Sonntagsmesse scheint ein ganz anderer zu sein, als der, den wir dort finden. In den Schriften des Alten Testament und den zugehörigen Apokryphen findet sich offenbar eine ganz andere Gottheit wieder. Dieser ist eher das genaue Gegenteil von jenem Herrn, wie man ihn beschreibt und lehrt.

Darin begegnet man einem Herrn und seinem Hofstaat (die angeblichen „Engel“), der sich vielfach vor allem durch „Ungöttlichkeit“ auszeichnet. Und seine irdischen Fürsprecher, die Propheten, stehen dem in seinem Auftrag in nichts nach. Massenmorde, Kriege und die Vernichtung ganzer Völker werden von diesem Gott befohlen. Oder gleich von ihm oder seinen Helfern selber in die Tat umgesetzt. Widersacher gilt es zu beseitigen. Rache wird ebenso gerne genommen, wie drakonische Strafen verhängt. Sogar ein ganzes „Buch der Kriege Gottes“ hat es einst gegeben, das im Alten Testamt sogar zitiert wird, aber heute als „verschollen“ gilt. Dazu mehr in diesem Mystery Files-Video HIER.

Güte, Erbarmen oder gar Liebe zu dem Menschen? Allzu oft Fehlanzeige!

„Der Herr übt Rache und ist voll Zorn“

Heute scheint kaum mehr jemand diese Tatsachen zu kennen. Obwohl sie in der Bibel niedergeschrieben für alle Anhänger nachzulesen sind. Offenbar aber nicht nachgelesen werden. Immerhin ist ein „gütiger Gott“, der tausende oder sogar zehntausende von Menschen umbringen lässt und/oder ihren Tod in kauf nimmt, sicherlich mit dem „lieben Gott“ zu vereinbaren.

Das ist alles andere als „Geheimwissen“ oder eine „Verschwörungstheorie“. Dennoch löst es aus Unwissenheit nicht selten Verwunderung aus, wenn man drauf hinweist. Ob jedes dieser Ereignisse oder dieser Taten des „rachsüchtigen Gottes“ historisch korrekt sind, ist eine andere Frage. Etwa die Sintflut, die er als Rache kommen ließ, was er danach aber wieder bereute. Oder, dass er am Berg der Zehn Gebote während des Exodus tausende Abtrünnige umbringen wollte. 3.0o0 Menschen seines „auserwählten Volkes“ wurden daraufhin von ihren eigenen Brüdern in seinem Namen abgeschlachtet (Ex. 32,27-28).

Aber so richtig „im Griff“ hatte der Herr sich in seiner Wut nie. Das Buch Exodus überliefert sogar, dass  dass er beim Weitermarsch des Volkes der Hebräer vom Sinai nach der Übergabe der Zehn Gebote sie lieber nicht mehr persönlich anführen wollte.

„Weil du ein halsstarriges Volk bist, damit ich dich nicht auf dem Weg vernichte“ (Ex. 33,3), heißt es dazu von ihm beim Exodus. Diese „göttliche“ Eigenschaft bestätigt auch das rund 2.600 Jahre alte Buch Nahum, als ein letztes Beispiel an dieser Stelle. In diesem erfahren wir gleich zu Beginn:

Ein eifernder und rächender Gott ist der Herr. / Der Herr übt Rache und ist voll Zorn. Der übt Rache an seinen Gegnern / und hält fest am Zorn gegen seine Feinde. Der Herr ist langmütig und von großer Macht; / doch lässt der Herr gewiss keinen ungestraft. (…) Sein Grimm greift um sich wie Feuer, / und die Felsen bersten vor ihm.“ (Nah. 1,2-6)

Der biblische Gott: Der wahre Teufel?

Die Widersacher und Konkurrenten Gottes hatten es offensichtlich alles andere als leicht in biblischen Zeiten. Und solche und unzählig weitere Aussagen dieser Art lassen sich seit jeher sehr schön für „eigene Zwecke“ nutzen. Sehr gerne dabei natürlich als Drohung. Ungläubige oder Abtrünnige können so eingeschüchtert werden. Als Mahnung, das man „glauben muss“, da man sonst Gottes Zorn auf sich ziehen würde. Oder gleich direkt in die christliche Version der Hölle kommt.



Seit nahezu jeder Internet hat, kann man über diesen Weg heutzutage auch bequem entsprechenden Ungläubigen eine Strafe des Herrn verkünden. Mit ein paar Klicks hat der „wahre Gläubige“ anonym vom Sofa aus die Möglichkeit, mahnende bis drohende Worte zu senden, um Widersacher auf den angeblich „rechten Weg“ zu bringen. Als Autor des Phantastischen kenne ich das seit rund 30 Jahren – so wie viele andere auch. Einst musste man dazu extra Briefe schreiben und versenden, heute nur den PC anstellen.

Und seit es den Mystery Files-YouTube-Kanal (2012) mit entsprechenden Videos gibt, sind hier in Windeseile entsprechende Kommentare „frommer“ Menschen anonym abgesetzt.

Es gibt aber auch eine Gegenseite, die die mörderischen und ungöttlichen Verse der Bibel sehr wohl kennen. Diese deuten sie nicht in dem Sinne, dass ein „gütiger“ Herr auch mal in seiner Wut Ungläubige ermordet. Hier wird vielmehr davon ausgegangen, dass der biblische Gott der wahre Teufel oder Satan war.

Jahwe, Elohim oder schlicht der Herr selber war das Böse. Dieses Wissen wäre angeblich vor allem durch die katholische Kirche vertuscht und verfälscht worden. Angesichts der zahllosen göttlichen Untaten in den Büchern des Alten Testamentes und anderen Texten, ist diese Vertuschung aber wohl vollends daneben gegangen. Dennoch soll es eine eindeutige Belegstelle in der Bibel geben, die der Zensur entgangen sei. Sie dient sogar als Aufmacher eines Buches, dass beweisen will, dass Gott der Teufel war.

Ein Gott mit (teuflischen) Hörnern …

Ja, Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt. / Er hat Hörner wie ein Wildstier. / Er frisst die Nationen, die ihm Feind sind, / er zermalmt ihre Knochen und zerbricht ihre Pfeile.“ (Num 24,8)

So lesen wir es im Buch Numeri im Kontext einer überaus ungewöhnlichen Geschichte über einen Mann namens Bileam und seinem Esel, die HIER schon 1997 genauer durchleuchtet wurde (s. a. HIER).

Der Zusammenhang dieser Aussage im Buch Numeri ist eindeutig. Es geht um den Auszug der Hebräer aus Ägypten, in dessen Verlauf ihr Gott all jene vernichtete, die dem Exodus im Wege standen. „Er hat Hörner wie ein Wildstier“ ist der an dieser Stelle besonders verstörende Teil dieses Verses. Der Gehörnte ist eigentlich nach christlicher Lehre der Satan. Und genau deshalb soll diese Bibelstelle einigen Aussagen nach beweisen, das Jahwe der echte Höllenfürst war.

Sollte das von der angeblich teuflischen Zensur dunkler Mächte der Kirche tatsächlich übersehen worden sein? Hier lohnt sich zur weiteren Recherche ein Blick in die zahllosen anderen Bibelübersetzungen, die es heute gibt. Etwas, dass so oder so immer getan werden sollte, da es hier teilweise erhebliche Unterschiede in diversen Details und Aussagen gibt. Ein Dutzend verschiedene Bibeln sollte man mindestens dafür immer zur Hand haben.

Der oben zitierte Vers stammt aus der „Einheitsübersetzung“ von 2016 und ist damit recht neu. Doch auch in der berühmten „neuen Jerusalemer Bibel“ (1985) finden wir die Bemerkung „Hörner wie ein Wildstier“ wiedergegeben. Ähnlich auch in der „Menge Bibel“ von 1939, wo es jedoch heißt „ist ihm wie die Hörner eines Wildstiers“. Offensichtlich hat er dort keine Hörner, sondern es ist lediglich ein Attribut, dass dem Herrn hier zugeschrieben wird.

Schon die ältisten Kulturen und Völker der Welt haben bekanntlich ihren Göttern diverse Eigenschaften von Tieren zugesprochen. Ein Stier als Sinnbild von Kraft, Ausdauer und Stärke stand dabei schon immer ganz hoch im Kurs. Dies zeigt auch der Vers im Buch Numeri in seinem Zusammenhang sowie der Folgevers, in dem Gott auch mit einem Löwen verglichen wird.

„Er hat die Kraft eines Einhorn“

Jahwe sei demnach stark und machtvoll wie ein Löwe und Stier. Kein Wunder, dass er in Rage geriet und alle Hebräer umbringen wollte, als sie am Berg Sinai hinter seinem Rücken das Goldene Kalb als „neuen Gott“ anfertigten und anbeteten …

„Stark wie die Hörner des Wildstiers“ nennt es die Neue evangelistische Bibel“ (2010). Die „Elberfelder Bibel“ sieht das dann schon wieder etwas anders, da es hier heißt „er hat (Kraft) wie die Hörner eines Büffels“. In der Ausgabe 1905 dieser Bibel war es noch „sein ist die Stärke des Wildochsen“. „Hörner eines wilden Ochsen“ heißt es in diversen englischen Bibelübersetzungen. Und hier ist die „King James Bible“ die bekanntes Übersetzung aus dem englischen Sprachraum, dessen Leser aber stutzig werden sollen: „Er hat die Kraft eines Einhorn“ (Unicorn) wird darin behauptet.

Ein Einhorn? Das klingt nicht nur kurios, sondern ist etwas ganz anders, als der (wilde) Stier, Büffel oder Ochse der anderen Bibelausgaben. Auch wenn es Einhörner zu Moses Zeiten angeblich real gab, da deren Felle für das Allerheiligste mit der Bundeslade am Berg Sinai verwendet wurden. So einige Übersetzungen und Deutungen diverser Aussagen, wie in diesem Mystery Files-Video HIER gezeigt. Angeblich habe der Herr extra zu diesem Zweck diese Tiere sogar noch zusätzlich erschaffen. Mehr dazu auch in diesem Vortrags-Video HIER.

Hier scheint kein geringer als Martin Luther und seine Bibelübersetzung verantwortlich zu sein. Er hat bekanntlich die Bibel vor rund 500 Jahren erstmals durch den Buchdruck in Deutsch zu einer weiten Verbreitung verholfen. „Seine fredigkeit ist wie eins Einhorns“ heißt in der Ausgabe 1545 die entsprechende Stelle. In einer „neudeutschen“ Luther-Version von 1912 ist von „seine Freudigkeit ist wie eines Einhorns“ die Rede, was auch in spätere Luther-Ausgaben übernommen wurde.

„Freudigkeit“ wie ein Einhorn und „Stark wie die Hörner des Wildstiers“ oder ähnlich sind grundverschiedene Aussagen. Erschwerend kommt hinzu, dass kein Zoologe ein echtes Einhorn je studieren konnte. Es sind mythische Kreaturen, die in der Moderne von heute längst ein kindlich-kitschiges Eigenleben führen.

Einhorn, Stier, Ochse, Büffel

Durch solche verwirrenden Aussagen, die nur dann auffallen, wenn man unterschiedliche Bibeln liest, lassen sich viele Bibelstellen so oder so deuten. Und sogar in dem Sinne, dass Gott „Hörner wie ein Wildstier“ habe, da es halt so in einigen Bibelausgaben steht. Ein überirdisches Wesen, dass Hörner am Kopf trägt. Sehr unheimlich.

„Gott hat sie aus Ägypten geführt; sein munterer Lauf ist wie eines Einhorns“, heißt es in der Bibelanalyse „Botschafter des Heils in Christo“ von 1866 sogar. „Das Volk hatte die ‚Freudigkeit des Einhorns'“ wird dazu 1870 weiter gedeutet, wobei zweifellos Luthers Übersetzung hier als Vorlage diente. An verschiedenen Stellen übersetzte Luther das Wort Einhorn, das in anderen deutschen Bibeln als Stier, Ochse oder Büffel wiedergegeben wurde. In Psalm 22,22 wird bei ihm zum Beispiel „Vnd errette mich von den Einhörnern“ gefehlt.

Und wem beim genauen Betrachten von frommen Gemälden vergangener Zeiten mit der Arche Noah auffiel, dass dort zum Teil Einhörner beim Einzug in das Rettungsboot zu sehen sind, der mag sich hier Luthers Übersetzung in Erinnerung rufen.

Häufig behaupten Bibel-Kritiker pauschal, dass die Bibel von Redakteuren und Zensoren bearbeitet und verfälscht wurde. Ohne konkret aufgezeigte und nachprüfbare Beispiele ist das schnell daher gesagt. Hier jedoch haben wir ein solches Beispiel, dass diesen Vorwurf belegt. Auch wenn deshalb sicher nicht gleich die Geschichte der Bibel „neu geschrieben werden muss“. Hier gibt es Verfälschungen, die mit Abstand weit gewichtiger sind, als dieser Vers.

Aufgezeigt habe ich diese Beispielsweise in „Götter der Sterne“ HIER und in dem Mystery Files-Artikel HIER. Diese „Korrekturen“ innerhalb biblischer Texte haben im Vergleich ein ganz anders Gewicht (s. a. HIER)

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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