Hunderttausende Bodendenkmäler und Spuren in der Wüste: 4.500 Jahre altes Netzwerk von „Gräber-Alleen“ in Saudi-Arabien (+ Videos)

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Hunderttausende Bodendenkmäler und Spuren in der Wüste: 4.500 Jahre altes Netzwerk von „Gräber-Alleen“ in Saudi-Arabien (Bilder: University of Western Australia )
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Hunderttausende Bodendenkmäler und Spuren in der Wüste: 4.500 Jahre altes Netzwerk von „Gräber-Alleen“ in Saudi-Arabien (Bilder: University of Western Australia )

Das weite Land Saudi-Arabien, dort, wo sich der biblischen Berg Moses befindet, ist für die Archäologie im wahrsten Sinne des Wortes noch Wüste. Doch dies wandelt sich, da mehr und mehr Archäologen ihr Augenmerk auf die dortigen Hinterlassenschaften der Vergangenheit richten. Vor alle auf die hunderttausenden dort vorhandenen Bodenstrukturen, die über sehr weite Gebiete verstreut liegen. Bisher kaum erforschte, Jahrtausende alte Zeugen einer unbekannten Vergangenheit. Jetzt haben Archäologen dazu eine Untersuchung veröffentlicht. Darin sind die forscher sicher, dass diese Funde das „Verständnis der frühen Geschichte des Nahen Ostens tiefgreifend“ verändern werden.


Saudi-Arabien im Fokus der Archäologie

In den letzten Jahren rückten die riesigen Gebiete und Wüsten von Saudi-Arabien mehr und mehr in den Fokus der Archäologen. Grund dafür sind unter anderem unzählige Bodenstrukturen auf dem Wüstenboden, die in weiten Teilen selbst mittels Google Earth ausfindig zu machen sind.

Ihre Anzahl geht mindestens in die zehntausende, weshalb sie auch für Mystery-Jäger inzwischen von Interesse sind. Mehrfach wurde darüber hier bereits berichtet (s. a. Videos am Ende), da zum Teil bei diesen Bodenstrukturen Erinnerungen an die Nazca-Linien in Peru wach werden. Geoglyphen, deren Pacht, Umfang und Ausdehnung am besten aus der Luft zu bestaunen sind.

Nicht anders wie in Saudi-Arabien. Hier jedoch mit dem großen Unterschied, dass es meistens keine Kunstwerke, Pisten und Linien sind, die ihre Erbauer in die Wüste scharrten oder gruben. In Saudi-Arabien bestehen diese Steinkreise, Rechtecke, Dreiecke und Gebilde, die aussehen wie überdimensionierte Schlüssellöcher, aus aufgeschütteten Steinen und Geröll. Diese Bauart unterscheidet sich demnach sehr von jener in Nazca in Südamerika.

Was diese überall verteilt liegenden „Geoglyphen“ der saudischen Wüste einst waren, ist in vielen Fällen unklar. Es scheint, dass ihre Schöpfer diese für verschiedene Zwecke anlegten. Von mutmaßlichen Tiergehegen, „Kultplätzen“, Wasserspeicher und Grabanlagen, wurde hier in der Vergangenheit gesprochen. Angelegt wurden sie vor tausenden von Jahren. Und, wie im 1. Video unten berichtet, dieser „Brauch“ reicht offenbar bis in die Steinzeit vor 7.000 Jahren zurück.

Tausende Kilometer Wege, Gräber und Kultstätten

Zumindest für die Mehrzahl der auffälligen Bodendenkmäler wollen Archäologen um Dr. Matthew Dalton von der „School of Humanities“ der University of Western Australia jetzt eine Erklärung gefunden haben. So berichteten die Forscher in ihre jüngst veröffentlichten Studie in „The Holocene“, das sie „in weiten Teilen Nordwestarabiens“ zahllose Wege nachweisen konnten, die von Steinmonumenten gesäumt sind. „Es sich in der Mehrzahl um antike Gräber“, so die Forscher, von denen die meisten „in der Mitte bis Ende des dritten Jahrtausends vor Christus errichtet wurde“. In ihrer Studie schreiben die beteildigten Autoren um Dalton dazu weiter:

Tausende von Kilometern dieser zusammengesetzten Wege und Denkmäler, so genannter ‚Gräber-Alleen‘, lassen sich in der Landschaft nachverfolgen, vor allem in der Nähe von und zwischen den großen, ganzjährigen Wasserquellen. Da sie Routen menschlicher Bewegungen während dieser Zeit belegen, stellen diese Merkmale eine neue Quelle für die Rekonstruktion wichtiger Aspekte der antiken Mobilität und der sozialen und wirtschaftlichen Vernetzung dar.

Steinstrukturen in Saudi-Arabien - einige ähneln in der Form Schlüssellöchern (Bild: University of Western Australia)
Steinstrukturen in Saudi-Arabien – einige ähneln in der Form Schlüssellöchern (Bild: University of Western Australia)

Diese „Gräber-Alleen“ sind jene Steinstrukturen, die von oben aussehen wie klassische Schlüssellöcher. Eine Bauweise oder Grundstruktur, die sich interessanterweise in identischer Form zahlreich auch in Japan findet. Dort jedoch um ein vielfaches größer, wie in diesem Mystery Files-Video HIER 2017 berichtet. In Japan stellen diese „Schlüsselloch-Grabanlagen“ in ihrer Ausdehnung in einigen Fällen sogar die Cheops-Pyramide in Ägypten weit in den Schatten.

Bisher fast 18.000 Bodendenkmäler identifiziert

Im Gegensatz zu Japan handelt es sich bei den Anlagen in Saudi-Arabien nach den jüngsten Forschungen aber nicht um Bauten, die für sich alleine standen oder anlegt wurden. Ausgrabungen vor Ort, Luftbildarchäologie mit Hilfe von Hubschraubern und Satellitenbildern und Bodenuntersuchungen zeigten, dass hier eine weit ausgedehnte Kulturlandschaft bestand. Ein ganzes Netzwerk, dass ein neues Bild auf die dortigen Menschen vor rund 4.500 Jahre wirft.

„Bei dieser Untersuchung wurden etwa 164.600 vermutete archäologische Objekte identifiziert“, betont die Studie. Rund 17.300 bis 17.800 waren entsprechende Strukturen. 11.000 von ihnen standen direkt mit diesen „Alleen“ in Verbindung. Diese seien auf Luftbildern auch recht einfach zu finden, wie die Archäologen unterstreichen. Hier haben Menschen der Bronzezeit kunstvolle Anlagen geschaffen, die ein ganzes Netzwerk von Totenstätten, Wegen und Straßen umfasst. Die entdeckten „Alleen“ umfassen dabei ein gewaltiges Gebiet von 160.000 Quadratkilometern. Kerngebiet der Untersuchungen waren dabei die Bezirke AlUla und Khaybar.

Die „Schlüssellöcher“ selber vergleichen sie in ihrer Untersuchung weniger mit diesen, auch wenn die Ähnlichkeit nicht unerwähnt bleibt. „Hängende Gräber“ werden diese genannt, da die Form dieser Steingebilde Schmuckanhängern für Halsketten ähnelt.

Das Team um Matthew Dalton fand in diesen und anderen Gräbern und Kultplätzen unterschiedliche Bestattungen vor. Mal ganze Gruppen von Personen, mal nur einzelne Verstorbene. Andere Steinstrukturen sind nicht ganz eindeutig einzuordnen. Symbolische und kulturelle Zwecke werden vermutet. Vielleicht im Zusammenhang mit den Verstorben.

Ein unbekanntes Netzwerk vor 4.500 Jahren

Auch die Wege sind nicht immer eindeutig zu identifizieren, da es mindestens zwei Arten dieser Straße gab. Einige, nennen wir sie „Hauptstraßen“, führten offensichtlich von Oase zu Oase. Sie verbanden demnach Wasserstellen, an denen auch die „dichtesten Konzentrationen von Grabmonumenten“ zu finden sind. Die „Nebenstraßen“ scheinen vor allem zu Weiden geführt zu haben, auf denen während der Regenzeit das Vieh getrieben wurde.

Die University of Western Australia zitiert in einer Pressemitteilung zu den Forschungsergebnissen vom 14. Januar 2021 Dr. Dalton:



Sie zeigen, dass die vor 4.500 Jahren auf der arabischen Halbinsel lebenden Völker sozial und wirtschaftlich viel stärker miteinander verbunden waren, als wir bisher angenommen haben.

Die schiere Anzahl der bronzezeitlichen Gräber, die um sie herum gebaut wurden, deutet darauf hin, dass die Bevölkerung zu dieser Zeit bereits begonnen hatte, sich dauerhaft an diesen günstigen Standorten niederzulassen.“

Die Geschichte des Nahen Osten wird sich wandeln

Projektleiter Dr. Hugh Thomas von der „School of Humanities“ bezeichnete die archäologischen Ergebnisse in der Pressemitteilung als „Höhepunkt eines großartigen Jahres“:

Die archäologischen Funde aus diesen Regionen haben das Potenzial, unser Verständnis der frühen Geschichte des Nahen Ostens tiefgreifend zu verändern.“

In Zukunft werden sich sicherlich viele Archäologen und Historiker dieser Meinung anschließen. Zumal man bedenken muss, dass längst nicht alle dortigen Strukturen und Anlagen Wege, Gräber und Straßen waren. Viele bilden auch einfache Rechtecke, die scheinbar sinnlos nebeneinander liegen. Wie HIER berichtet, wurden in diesen „Gattern“ oder „Gehegen“ bereits Funde gemacht, die sogar rund 7.000 Jahre alt sind. Lange vor dem Netzwerk der Bronzezeit.

Ebenso finden sich in Saudi-Arabien schnurrgerade Linien, die für einige Mystery-Autoren eher an die Nazca-Linien als an Straße erinnern. Andere Bodenstrukturen oder –Denkmäler fallen in ihrer Gestaltung auch ganz aus der Reihe der „Schlüssellöcher“, Kreise, Vierecke und Hügel. Mehr dazu im 2. Video unten.

Die Forschung im Nahen Osten bleibt also überaus spannend.

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 30. Januar 2021 auf Mystery Files

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Video vom 27. Dezember 2019

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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