Gott*, Gott+ oder nur Gott? Junge Katholiken wollen Gott „gendern“ und der „Geschlechtervielfalt in Rede, Schrift und Bild“ anpassen

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Gott*, Gott+ - Junge Katholiken wollen Gott "modern" gendern (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
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Gott*, Gott+ – Junge Katholiken wollen Gott „modern“ gendern (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

„Gott hat vielen Namen.“ So sagt man schnell mal daher. Aber ist die männliche Bezeichnung „Gott“ und seine Darstellung als bärtiger, alter Mann heute noch „politisch korrekt“? Ein großer katholischer Verband junger Gläubiger sagt klar nein und will das ändern. Auch „Gott“ muss ihrer Meinung nach „gegendert“ werden, da man offenbar sonst keine Probleme in der katholischen Kirche hat. Alles über dieses kuriose Vorhaben erfahrt Ihr hier.


Gott

Wohl jeder Mensch kann mit dem Begriff „Gott“ etwas anfangen. Zumindest irgendwas. Auch wenn man nicht gläubig ist, an keinen Gott der heiligen Schriften glaubt oder sogar an viele Götter glaubt. Und irgendwie hat jeder die eine oder andere Vorstellung davon, was Gott sein soll oder sein könnte. Selbst dann, wenn man sich selber als Atheist bezeichnet. Obwohl die Bibel nicht wirklich konkret aussagt, wie Gott aussehen soll.

In der Welt der Christen herrscht bei dieser Vorstellung klar das Bild vor, dass er ein alter Mann mir langem Bart ist. Ein weiser Senior, der über die Geschicke der Menschheit wacht und sie vor langer Zeit einstmals sogar nach „seinem Ebenbild“ erschaffen haben soll. Tatsächlich finden sich in einigen heiligen Texten, vor allem in Apokryphen, Aussagen, die Gott als klar „Mann“ bezeichnen oder definieren.

Dass es auch so ist, bezweifelt die „Katholische junge Gemeinde“ (KjG). Ein christlicher Jugendverband  der mit rund 80.000 Mitgliedern der zweitgrößte Jugendverband der katholischen Kirche in Deutschland ist. Ihnen passt der Name „Gott“ nicht mehr, wie es in mehren Mitteilungen auf deren durchgehend „gegenerten“ Internetseite zu lesen ist. Ihr Verband stehe für Gleichheit und Gleichberechtigung in einer modernen Welt und Kirche. Dem kann sich dann wohl nicht einmal Gott entziehen.

Gott steht nicht über der Geschlechtervielfalt

In einem 20-seitigen „Leitbild Geschlechtervielfalt in der KjG“ von 2018 wird die Geschlechtervielfalt hervorgehoben, die auch aus mehr als Mann und Frau bestehen kann. Schon 2014 wurde deshalb die „Geschlechtervielfalt in Rede, Schrift und Bild“ von der KjG festgelegt. Darum sei es „ein Meilenstein“, dass 2017 „das Bundesverfassungsgericht entschied, dass bis Ende 2018 eine Möglichkeit geschaffen werden muss, eine dritte Option (neben weiblich und männlich) beim Eintrag ins Personenstandsregister auszuwählen“.

Eine Gesetzesänderung, die heute Alltag ist und wohl kaum jemanden wirklich stören wird. Oder stören sollte.

In ihrem „Leitbild“ werden 11 Punkte festgelegt, dass zukünftig überall „gegendert“ werden soll und muss. Nicht nur die „Verwendung des Gender-Sternchens* in Satzung und allen geschriebenen Texten“ und die „Geschlechtervielfalt in gesprochener Sprache“. Auch möchte man das Thema weit verbreiten und quasi in die Welt hinaus tragen. Nicht nur in die Politik und die Bistümer. Eine Herzensangelegenheit der jungen Christen-Rebellen.

Das Ergebnis kann man in den Texten der Webseite des Vereins ebenso sehen, wie in deren Pressemitteilungen und Beschlüsse, die dort zum Download bereit stehen.

Nur deren 63 Seiten lange Satzung mit Stand Oktober 2021, die als PDF heruntergeladen werden kann, ist nicht durchgehend „gegendert“. Hier findet sich die *-Schreibweise nur halbherzig mal hier, mal dort. Aber wenn schon das Bundesverfassungsgericht zur Geschlechtergleichheit ein Urteil fällt, dann muss sich auch der Gott der Christen dem beugen. Immerhin ist dieser Gott in den christlichen Lehren eher so was wie eine spirituelle und metaphorische Macht, die nicht greifbar ist.

Nur sein Sohn Jesus war bekanntlich laut Dogma ein fleischgewordener Mann.

Gott* vs. Gott

Deshalb beschloss der Bundesrat des Verbandes bei einem Treffen vom 22. bis 24. Oktober 2021 unter anderem folgendes:

Diskutiert: ‚Gott*‘

Engagiert und mit Sorgfalt ist die KjG auf der Suche nach Gottesbezeichnungen, die mehr umfassen als die männlich weiße Vorstellung von Gott. Hierbei bezieht sie alle Ebenen des Verbandes ein. Die KjG vertritt den Standpunkt, dass die Möglichkeiten der Gottesbilder vielfältig sind. Wie wir von Gott sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Diese Erkenntnisse sind nicht neu.

Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen. Die männlich weiße Vorstellung von Gott greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. Andererseits ist für viele Katholik*innen mit der Verwendung des Gottesbegriffs im tradierten Sinne religiöse Heimat verbunden. Die Einführung von ‚Gott*‘ wird daher innerhalb des Verbandes sensibel vorbereitet.



Dieser „Bundesrat“ wiederum ist so was wie die Vorstandsitzung des katholischen Verbandes, die zweimal jährlich stattfindet. Mehre dutzend Vertreter aller Regionen kommen hier zu demokratischen Abstimmungen zusammen, die die Belange der KjG betreffen.

Der „Tagesspiegel“ zitiert zu diesem Vorhaben Rebekka Biesenbach, „die geistliche Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde“, mit den Worten:

Wir haben noch keine Beschlusslage dazu, aber wir wollen auf jeden Fall etwas ändern. Die Leitfrage ist: Was können wir tun, um das an vielen Stellen sehr männlich geprägte Gottesbild in die Vielfalt zurückzubringen, die es verdient?

Dazu sei auch die Schreibweise „Gott+“ in der Diskussion. Ob Stern oder Plus – beides spräche man dann einfach mit. Bei „Gott+“ kann das Pluszeichen aber zusätzlich auch als Kreuz gedeutet oder angesehen werden. Was natürlich dann ausschließlich auf den Gott der Christen anwendbar wäre. Wenigstens wird offenbar auf die Bezeichnung „div.“ verzichtet …

Hat die katholische Kirche sonst keine Probleme?

Erst beim Frühjahrs-Treffen des „Bundesrat“ der „Katholischen jungen Gemeinde“ 2022 werden man endgültig darüber abstimmen. Dieses fünftägige Treffen findet ab dem 30. März statt. „Gott*“ seit damit eine Aufgabe für dieses Jahr und der kommende „Beschluss 04“ nennt dazu als Auftrag:

Die KjG soll sich im kommenden Arbeitsjahr mit einer vielfältigen Schreibweise von Gott beschäftigen. Insbesondere die Diözesanverbände machen sich zu dem Thema sprechfähig. Hierzu finalisiert der Sachausschuss Glaube und Spiritualität bis Ende des Jahres 2021 die angekündigte Methodenmappe für die Entdeckung vielfältiger Gottesbilder.

Im Rahmen der Bundeskonferenz 2022 findet ein Studienteil mit dem Schwerpunkt auf der Schreibweise von Gott statt. Auf der Bundeskonferenz 2022 wird über die konkrete Schreibweise abgestimmt. Zwischen dem Studienteil und der Abstimmung des Antrags soll mindestens ein Tag Bedenk- und Austauschzeit liegen.“

Sofern die jungen „modernen“ Christen beschließen, dass Gott tot ist und fortan „Gott*“ heißen muss, bleibt die Wirkung fraglich. Ob der neue Gottes-Name über die Mitglieder des Verbandes hinaus geht, ist zu bezweifeln. Andere Gemeinden oder sogar andere Länder wird der deutsche KjG-Beschluss wohl wenig interessieren. Anders als wahrscheinlich die deutschen Medien. Für sie wäre es ein gefundenes Presse-Fressen.

So schrieb auch die katholisch-christliche Newsseite Kath.net bereits am 26. Oktober 2021 treffend dazu:

„(…) ob ernsthaft noch jemand glaubt, dass das Imageproblem der Kirche mit einem stärkeren Sich-Anschmiegen an aktuelle gesellschaftspolitische Debatten gelöst werden könne.

Denn, so das Portal weiter, Lucas Wiegelmann habe in einem Kommentar zu dem Vorhaben in der „Welt“ geschrieben:

Man kann um des Ansehens der katholischen Kirche in Deutschland willen nur hoffen, dass diese Argumentation nicht weiter um sich greift. Besonderer Optimismus ist allerdings nicht angesagt, zumal es nicht der erste Vorstoß dieser Art eines katholischen Verbandes ist.

Dem ist sicher nichts hinzuzufügen, liebe Mystery-Freund*innen …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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