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Weltraum-Bergbau: Die USA und Luxemburg wollen gemeinsam Rohstoffe auf dem Mond und Asteroiden ausbeuten

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Bergbau im All: Die USA und Luxemburg wollen gemeinsam Rohstoffe im All ausbeuten (Bild: NASA)
Weltraum-Bergbau: Die USA und Luxemburg wollen gemeinsam Rohstoffe im All ausbeuten (Bild: NASA)

Die USA und der Kleinstaat Luxemburg wollen zukünftig gemeinsam Weltraum-Bergbau und Rohstoffabbau im All betreiben. Darauf haben sich am 10. Mai der US-Handelsminister Wilbur Ross und der Luxemburgische Wirschaftsminster Etienne Schneider in einem Vertrag geeignet. Zukünftig wollen die beiden Staaten gemeinsam im All wertvolle Rohstoffe ausbeuten und so eine Art kosmisches Handessmonopol schaffen. Etwa durch Bergbau auf dem Mond oder Asteroiden. Hierbei geht es um Billionen von US-Dollar und durchaus auch um die Zukunft des Planeten und der Menschheit. Alle Details zu dieser Vereinbarung und die Hintergründe erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Weltraum-Bergbau

Es klingt wie Science-Fiction aus der Traumfabrik Hollywood – und ist es auch. Noch. Denn Ideen, Konzepte und auch Träumereien über einen Bergbau im Weltraum gibt es schon viele Jahrzehnte. Doch Rohstoffabbau auf dem Mond oder wertvolle Ressourcen auf Asteroiden im All ausbeuten wird es eines Tages fraglos geben. Weltraum-Bergbau ist dafür heute die schlicht Bezeichnung.

Theoretische Pläne dafür liegen durchaus vor. Was jedoch fehlt ist die kostspielige Technologie, um solche Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Vor allem aber fehlt es aber am wirtschaftlichen Nutzen und Sinn für einen realen Weltraum-Bergbau. Genau das wollen die USA und Luxemburg in Zukunft ändern. Zumindest wollen die beiden Staaten für de “Tag X” vorbereitet sein, weshalb sie in Luxemburg eine Kooperation für zukünftigen Bergbau im All vereinbart haben.

Die kommerzielle Ausbeutung bzw. Nutzung des Alls ist bisher eher mager. Steinreiche Touristen können zwar Flüge ins All buchen, aber das war es auch schon. Doch der Kosmos ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Goldgrube, die man “nur” öffnen muss. Sowohl auf den unzähligen Asteroiden unseres Sonnensystems als auch auf unserem Erdtrabanten lagern schier unerschöpfliche Rohstoffquellen. Diese “anzuzapfen” ist das Ziel.

Als einen “historischen Meilenstein” und “Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung” bezeichneten die USA und Luxemburg ihre jetzt vereinbarte Zusammenarbeit. Diese Kooperation wäre für die beiden Staaten ein “Billionen-Dollar-Weltraumgeschäft”, so US-Handelsminister Wilbur Ross. In einer offiziellen Erklärung der Regierung in Luxemburg heißt es unter anderem dazu:

Aus diesem Anlass haben Wilbur Ross und der stellvertretende Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Étienne Schneider, ein Kooperationsabkommen im Bereich der Raumfahrt zwischen Luxemburg und den Vereinigten Staaten unterzeichnet. Dieses Abkommen wird die Zusammenarbeit zwischen dem Großherzogtum und den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Raumfahrt verstärken und gestalten und somit zur kontinuierlichen Entwicklung des Luxemburger Raumfahrtsektors auf internationaler Ebene beitragen.”

Goldgrube Weltraum

Bodenschätze müssen nicht zwangsläufig im Erdboden liegen. Sie sind auch auf dem Mond und aus Asteroiden zu finden. Hier wird vor allem gerne auf das Helium 3-Isotop auf unserem Erdtrabanten verwiesen, das vielleicht eines Tages die irdischen Energieprobleme lösen könnte. Und zwar durch eine saubere und umweltschonende Energie. Doch auch Rohstoffe wie Nickel, Eisen, Platin oder Zink finden sich im All vor unserer Haustür. Auch Gold.

Angesicht schwindender Rohstoffe auf unserem Planeten an lohnendes Geschäft der Zukunft. Man muss dieses Material nur von Asteroiden abbauen und zur Erde bringen. Überlegungen aus dem Bereich des Weltraum-Bergbau spielen etwa mit dem Gedanken, dass man Asteroiden einfängt und in eine Umlaufbahn um den Mond oder die Erde bringt. Grundsätzlich technisch machbar.

In diesem Orbit könnten dann automatische Roboter oder sogar Menschen mit den Abbau der Rohstoffe beginnen und sie relativ bequem aufgrund der Nähe zur Erde zu uns bringen. So heißt es beispielsweise zu dieser “Industriellen Revolution 2.0” unter anderem:

Hochrechnungen ergeben, dass schon ein Objekt mit einem Kilometer Durchmesser den Metallbedarf unserer Industrie für Jahrzehnte decken könnte.

Doch jede Hochrechnung verliert ihre Bedeutung, wenn nicht das ‘Wo?’ und ‘Wie?’ geklärt ist – Fragen, die mit unserer derzeitigen Technik tatsächlich nur schwer zu beantworten sind. (…)

Dass sich die Menschheit zukünftig mit Ressourcen aus dem All behelfen wird, scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Idee des asteroid mining ist zwar schon mehrere Hundert Jahre alt; doch erst in unserer modernen Welt ist sie keine Utopie mehr.

Ein Technologie-Traum, der trotzdem noch lange zeit Utopie bleiben wird. Auch wenn zum Beispiel bereits vor 10 Jahren in Seattle die Firma ” Planetary Resources” gegründet wurde, die Weltraum-Bergbau betreiben will. Ähnliche Firmen wie etwa “Deep Space Industries” folgten.

Billionen Dollar warten

Das kleine Land Luxemburg will bei diesen (noch) Träumen mitmischen und hat bereits dafür eine gesetzliche Regelung getroffen. Etwa 20 Firmen haben sich bereits in der “Luxembourg Space Agency” (LSA) versammelt. Eine nationale Weltraumagentur des Großherzogtums, die aus dem 2016 ins Leben gerufenen Projekt “Projekt “Space Resources” geboren wurde. Unter dieser Gesellschaft sollen Raumfahrt-Experten den Schritt zum Bergbau im All realisieren.

Luxemburg ist zwar eines der kleinsten Länder in der EU und in der Öffentlichkeit eher als Steueroase bekannt, aber es mischt schon seit Jahren im Weltraum mit. Bereits heute erwirtschaftet das Land zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts im Weltraum bzw. mit Weltraumtechnologien. Selbst die USA können davon nur träumen.

Mit Förderung aus der Staatskasse wurde 1985 die Satellitengesellschaft “SES” in Luxemburg gegründet, die heute der größte kommerzielle Satellitenbetreiber der Welt ist. Das Unternehmen für Kommunikationssatelliten brachte dem Land damit nicht nur Geld sondern auch Ansehen in der Raumfahrt. Ein Land von Vordenkern, deren Investitionen sich auszahlten.

Der Luxemburgische Wirschaftsminster Etienne Schneider dazu:

Schon heute nimmt Luxemburg mehr Platz im Weltraum ein als auf der Erde. Die USA und Luxemburg mögen sich in ihrer Größe unterscheiden. Aber sie haben das gemeinsame Ziel, eine kommerzielle Raumfahrtindustrie zu entwickeln.

Viele wollen an diesen im All wartenden Billionen Dollar mit verdienen. Natürlich und vor allem auch die USA als führende Weltraumnation (obwohl es diesmal nicht im Öl geht …).

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Private Start-Up-Unternehmen und Privatpersonen schließen sich bei diesen zukunftsweisenden Geschäften und Ideen an. Elon Musk, Gründer von “PayPal” und Inhaber des Weltraumunternehmens “SpaceX” sowie der Elektroauto-Firma “Tesla” ebenso wie Google-Gründer Larry Page. Aber auch Hollywood-Regisseur James Cameron, der in Sachen Weltraum-Kommerzialisierung nach seinem Science-Fiction-Horrofilm “Aliens – Die Rückkehr” (1986) gewisse “Erfahrungen” hat …

Wer also in Zukunft im Weltraum Geld mit Rohstoffgen verdienen will, muss frühzeitig die entsprechenden Weichen Stellen. So wie es Luxemburg und die USA jetzt getan haben. Obwohl Vorhaben wie eben die Ausbeutung von Himmelskörpern im All alles andere als unumstritten sind, die in diesen Blog-Artikeln HIER & HIER dargelegt.

Science-Fiction – mit ernsthaften Hintergrund?

Keine Nation oder kein privates Unternehmen kann mal eben zu einem Asteroiden fliegen, diesen einfangen und in Richtung Erde bringen und dann dort beginnen Rohstoffe abzubauen. Hierzu bedarf es noch zahlreicher neuer Technologien und wirtschaftlicher Auslöser.

Die Befürworter des kosmischen Bergbau argumentieren ausnahmslos damit, dass die Menschheit ohne neue Rohstoffquellen keine Zukunft haben wird. Endliche Ressourcen auf der Erde sind eben irgendwann erschöpft. Also muss man neue Quellen erschließen, um die Zivilisation und natürlich die Wirtschaft des Planeten weiter am Laufen halten zu können. Und so bleibt nur der Griff zu anderen Himmelskörpern.

Auch wenn es es sich für den Otto Normalverbraucher vollkommen absurd anhören mag, ist das so. In erster Linie geht es ums Geld, um das reine Geschäft der Zukunft. Das streiten die Beteiligten auch nicht ab. Niemand spricht hier ganz uneigennützig von seinen visionären Plänen, die er “zum Wohle der Menschheit” gerne realisieren möchte. Wie bei allem, was mit Raumfahrt zu tun hat, ist natürlich auch Weltraum-Bergbau in der Kritik.

Warum zu den Sternen greifen, wenn es genug auf dieser Welt zu erledigen gibt, so argumentieren diese Kritiker. Warum nicht andere Materialien, künstliche Rohstoffe und neue Energiequellen auf diesem Planeten entwickeln, bevor man das All ausbeutet? Sollten wir wirklich Milliarden und noch mehr Milliarden investieren, um ein paar Kilo Rohstoffe zu Erde zu bringen?

Rohstoff-Krake Menschheit

Nachvollziehbare und richtige Argumente.

Nur muss man meiner Meinung nach hier weiter und parallel denken. Die Entwicklung und Erschließung neuer Rohstoffe oder Rohstoff-Erfindungen und Technologien wird durch Bergbau im All ja nicht hinfällig. Diese laufen schon viele Jahre und werden weiter laufen. Eine wachsende planetare Zivilisation muss in viele unabhängige Richtungen denken. Viele Quellen ergeben das ganze. Auch ein Ozean wird nicht nur nur aus einer Quelle gespießt.

Bis sich Rohstoffgewinnung im All aber wirtschaftlich rechnen wird, werden noch mindestens Jahrzehnte vergehen!

Google gilt vollkommen zurecht als “Daten-Krake” und die Menschheit ist nun einmal eine “Rohstoff-Krake”. Daran gibt es nichts zu rütteln. Von einer friedlichen Nutzung der Rohstoffe des Alls als eine Spezies sind wir aber noch Lichtjahre entfernt. Ein Blick auf die Konflikte einst und jetzt zeigt das leider sehr deutlich. Und immer geht es um Rohstoffe.

Demnach ist es nur sinnvoll, dass man auch außerhalb der Erde für eine ferne oder vielleicht noch ferner Zukunft nach neuen Rohstoffquellen sucht. Konflikte sind aber wohl auch hier vorprogrammiert …

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Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Alexander Gerst: “Wir haben keinen Planeten b!” – “Astro-Alex” über Raumfahrt und die Rettung der Erde (+ Videos)

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Alexander Gerst: "Wir haben keinen Planeten b" - "Astro-Alex" über Raumfahrt und die Rettung der Erde
Alexander Gerst: “Wir haben keinen Planeten b” – “Astro-Alex” über Raumfahrt und die Rettung der Erde (Bilder: WikiCommons/PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Der deutsche Astronaut, Geophysiker und Vulkanologe Alexander Gerst ist durch seine Reisen ins All und seine Nutzung der Medien in Deutschland längst ein Star geworden. Vor allem seine Langzeitmission auf der Raumstation ISS 2018, bei der er auch als erster Deutscher für drei Monate das Kommando hatte, machte den ESA-Astronauten weithin berühmt. Auch bei jenen Menschen, die sich eher wenig für Raumfahrt interessieren. Jetzt sprach sich “Astro-Alex” bei einer “Welcome Party” am 18. Mai in seinem Heimatort Künzelsau für die bemannte Raumfahrt aus und unterstrich die Wichtigkeit der zukünftigen Weltraumforschung. Ein Plädoyer an seine Fans, da wir nur diese Erde haben und davon unsere Zukunft abhänge. Alles dazu erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Superstar “Astro-Alex”

Eigentlich ist Alexander Gerst nur ein ganz normaler Astronaut, der weltweit unzählige Astronauten-Kollegen in zahlreichen Ländern der Erde. “Ich bin kein Superstar, ich bin ein ganz normaler Mensch”, so Gerst am 18. Mai in seiner Heimstadt Künzelsau bei einem Empfang vor rund 3.000 Fans.

Doch der Deutsche “Astro-Alex” hat wie kaum ein anderer die moderne Zeit der Medien zu nutzen verstanden. Seine Mission zur Internationalen Raumstation 2018, bei der er rund 6,5 Monate im All verbrachte, machte ihn dennoch zum gefeierten Start-Astronauten. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Seien Bilder und Twitter-Post brachten sehr vielen Menschen die Raumfahrt und unsere Erde näher.

Dies honorierte Anfang Juli 2018 auch die “Deutschen Physikalischen Gesellschaft”, die ihm die “Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik” verlieh. In der Begründung zur wohlverdienten Verleihung heiß es von Dieter Meschede, dem Präsidenten der”Deutschen Physikalischen Gesellschaft” unter anderem:

Er lässt uns hautnah an seinem Leben als Wissenschaftler im All teilhaben und stärkt damit das gesellschaftliche Bewusstsein für die Wichtigkeit von Forschung.

Als Astronaut der ESA nutzt Gerst in vorbildlicher Weise seine mediale Präsenz in Fernsehen, Print und Online, um insbesondere junge Menschen für Forschung und Technik zu begeistern, was für die Gewinnung von wissenschaftlichem Nachwuchs von unschätzbarer Bedeutung ist.

Und weiter hieß es am 9. Juli 2018 in der Pressemitteilung zur Medaillenverleihung:

Vor allem bedient sich Gerst aber moderner Kommunikationsformen wie Twitter, um ein breites Publikum für die Naturwissenschaften zu begeistern. Als @Astro_Alex hat er mittlerweile knapp 1,2 Millionen Follower. Und auf Facebook haben ihn über 300.000 Personen abonniert, sein neuer Instagram-Kanal wächst rasant. In all seinen Projekten stellt er stets die Bedeutung der Weltraumforschung für Fragestellungen auf der Erde heraus.

Diese Präsenz und Aktivität in den sogenannten “neuen Medien” machten Gerst zum Star. Und seine Worte finden damit mit Sicherheit mehr Anklang udn Gehör bei jungen Generationen, als irgendwelche Floskeln der Politiker!

Alexander Gerst: Ein Plädoyer an die Menschheit

Bei dem Empfang in seinem Heimatort richtete Gerst seine Worte nicht nur an die Einwohner von Künzelsau. Eigentlich richtete er sie an die ganze Menschheit, die unseren Planeten endlich weit mehr schützen und erhalten muss, als bisher. “Astro-Alex” dazu:

Wir haben keinen Planeten B. Es ist uns vielleicht gar nicht ganz klar, was für ein wertvolles Luxusgut das ist. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, kümmert mich das auch – der Planet ist so klein, dass man an der einen Ecke spürt, was an der anderen passiert.

Aus diesem Grund muss die Menschheit umdenken und auch die umstrittenen “Fridays for Future”-Klimaschutz-Demonstrationen seien für keine Aktionen von Schulschwänzern. Die bemannte Raumfahrt sowie Wissenschaft und Forschung im All ist nach Alexander Gerst unverzichtbar, wenn die Menschheit weiter in eine sichere Zukunft kommen wolle. So schreibt die Zeitung “Schwäbisches Tagblatt” am 20. Mai zu dem Plädoyer von Astronaut Gerst:

Auf der Bühne bot der gertenschlanke Gerst eine leicht verständliche Einführung in den unschätzbaren Wert galaktischer Expeditionen. Er berichtete über Experimente für eine effizientere Medizin bei Parkinson, Alzheimer, Schlaganfall, Krebs. Nur in den speziellen Bedingungen der ISS ließen sich für die Forschung größere Kristalle züchten, die auf der Erde eingehender analysiert werden könnten.

Gleiches gelte für Nutzpflanzen, die einen Klimawandel überstehen könnten: ‘Damit können wir vermeiden, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen.’ Sogar für Beton lasse sich in der Schwerelosigkeit eine bessere Formel finden.

Die Zukunft der Menschheit liegt demnach im All. Nicht in einer Auswanderung unserer Spezies in den Kosmos, sondern in der Forschung außerhalb der Erde. Obwohl mit Sicherheit die Menschheit eines (fernen) Tages auch Kolonien im All errichten und damit die Erde verlassen wird, worauf Gerst allerdings nicht einging.

Mit Deutschland zum Mond

Worauf er aber einging, sind zukünftige Missionen zum Mond. Gerst wolle sich “auf jeden Fall bewerben” wenn wieder Menschen auf dem Mond landen sollen. Auch Peter Altmaier von der CDU, der bei er “Welcome Party” für Gerst dabei war, wusste die Gunst der Stunde zu nutzen. Der ESA-Astronaut Gerst habe “für unser Land viel mehr erreicht als Politiker je in ihrem Leben zustande bringen”, so Altmeier. Bemannte Raumfahrt sei für den Politiker auch längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden, bei dem die getätigten Investitionen doppelt wieder herauskämen.

Und auch Altmeier unterstreicht, dass Deutsche bei zukünftigen Mondmissionen dabei sein sollen und werden. Wünschenswert sei natürlich, dass Alexander Gerst mit an Bord des Raumschiffs zum Mond sei.

Viele wohlwollende Worte, Hoffnungen und Wünsche. Zumindest die junge Generation ist davon begeistert. Denn egal wer sich irgendwo für die Zukunft der bekannten Raumfahrt ausspricht, Kritiken gibt es mehr als genug. Eben aufgrund der astronomischen Kosten diverser Missionen ins All oder sogar auf andere Himmelskörper wie dem Mond oder auch Mars. Da außer schöne Bilder hier keine unmittelbaren und direkten Ergebnisse für jedermann im Alltag zu erkennen sind, werden diese Kritiken auch nicht verstummen.

Deshalb ist die Arbeit und Sozial Media-Tätigkeit von Alexander Gerst ein richtiger Schritt, um die Menschheit den Weg in die Zukunft zu zeigen. Natürlich nur einer von vielen …

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Lars A. Fischinger

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Der Umgang mit Leben im All und Alien-Zivilisationen: Interessante Richtlinien und Überlegungen im irdischen Paragraphen-Dschungel

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Irdische Gesetzte zum "Umgang" mit Leben im All und außerirdischen Zivilisationen (Bilder: NASA / gemeinfrei / Montage: L. A. Fischinger)
Irdische Gesetzte zum “Umgang” mit Leben im All und außerirdischen Zivilisationen (Bilder: NASA / gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Mitte Mai 2018 erschien auf Grenzwissenschaft & Mystery Files derArtikel “Wem gehört eigentlich der Mond?“, in dem es um “lunare Ländereien, irdische Weltraumverträge und Wildwest im All” ging. Vor allem wurde darin auch der Frage nach gegangen, wie und ob die Menschheit ihre Aktivitäten in der Raumfahrt untereinander geregelt und vertraglich abgesichert hat. Und solche Regelungen und Absprachen bestehen durchaus. Aber sie existieren auch für ein anderes Gebiet der Weltraumforschung: Für außerirdisches Leben! Auch hier gibt es Bestimmungen, Konzepte und Vorgaben, wie man sich gegenüber Leben im All verhalten soll. Das gilt für Mikroorganismen innerhalb unseres Sonnensystems ebenso, wie für intelligente Außerirdische aus dem Weiten des Kosmos. Wie sich Wissenschaftler über Verhaltensrichtlinien im Umgang mit außerirdischen Zivilisation und Aliens den Kopf zerbrechen, erfahrt Ihr in diesem Blog-Artikel.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Leben im All

Ob es irgendeine Art von Leben im All gibt, wissen wir nicht mit Bestimmtheit zu sagen und zu belegen. Es ist mehr als Wahrscheinlich, dass es existiert. Und es ist ebenso wahrscheinlich, dass es auch intelligente Zivilisation im Universum gibt. Vielleicht sogar hunderttausende oder Millionen Völker von Außerirdischen im Kosmos.

Gleichfalls besteht sogar die Chance, dass wir innerhalb unseres eigenen Sonnensystems außerirdisches Leben finden könnten. Auf verschiedenen Monden oder auch dem Mars.

Exobiologen und Astronomen sind unlängst von diesen Aussagen überzeugt. Das Thema “Aliens” hat lange schon sein Schattendasein im Bereich der Verschwörungstheoretiker, UFO-Forscher, Science-Fiction und Grenzwissenschaft und Mystery Files verlassen. Es ist in der sogenannten seriösen und etablierten Wissenschaft in sehr weiten Teilen angekommen.

Natürlich war das nicht immer so. Und der Unterschied zu irgendwelchen Mikroorganismen im All und dem Thema UFOs als “Alien-Fahrzeuge” oder Prä-Astronautik ist dabei weiterhin gewaltig.

Trotzdem hat die wissenschaftliche Community zum Teil bereits vor Jahrzehnten Regellungen beschlossen, die man mit diesem Leben im All oder sogar intelligenten Aliens umzugehen gedenke. Das gilt für versehentlich auf der Erde eingeschleppte Bakterien, wie in diesem Posting HIER dargelegt, ebenso wie für Intelligenzen aus dem All.

Sorgen um die Menschheit

Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins wurden am 20. Juli 1969 zu Legenden, als sie mit “Apollo 11” der NASA auf dem Mond landeten. Während Collins im Mutterschiff von “Apollo 11” verblieb, landeten Armstrong und Aldrin der Landefähre “Eagle” auf dem Mond. Am 21. Juli 1969 um exakt 02:56:20 UTC (= koordinierte Weltzeit) betrat dann Armstrong unseren Erdtrabanten. Aldrin folgte etwas später.

Diese offiziellen Fakten werden auch ein halbes Jahrhundert danach noch als Triumph der Menschheit gefeiert. Die Namen Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins brannten sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit.

Was den Amerikanern auf dem Mond erwartete, war der NASA im Vorfeld durch andere Weltraummission weitestgehend bekannt. Zumindest im Groben, denn wirklich zu 100 Prozent konnte das kein Wissenschaftler der Welt sagen. Und hier kommt ein vierter Name der “Apollo 11”-Mondlandung ins Spiel, den heute niemand kennt: General Samuel Choran Phillips.

Ein Mann der NASA, der sich im Zuge der Mondlandungen Sorgen um den Fortbestand des irdischen Lebens machte.

Killerbakterien vom Mond

Obwohl unbekannt, war General Phillips in den Jahren 1964 bis 1969 Direktor des “Apollo Manned Lunar Lander Program”. Und er war nicht nur um das Wohlergehen der Astronauten an sich besorgt, sondern um das der gesamten Menschheit. So verfasste Phillips am 8. Juli 1969 einen 51-seitigen “Mission Operation Report” über die “Apollo 11”-Mission und veranlasste darin unter anderem eine Quarantäne für Besatzung und Material nach der Heimkehr zur Erde (mehr dazu in diesem Blog-Artikel HIER).

Im Report mit der Nummer M-932-69-11 heißt es dazu:

Um das Risiko einer Kontamination der Biosphäre der Erde durch Mondmaterial zu minimieren, werden Quarantäne-Maßnahmen durchgeführt. Die Besatzung wird für etwa 21 Tage nach dem Start von der Mondoberfläche unter Quarantäne gestellt.

Außerdem wird das CM (Kommando-Modul, Anm. LAF) nach der Landung unter Quarantäne gestellt. Die Beendigung der CM-Quarantänezeit hängt von den Ergebnissen der Mondprobenanalyse und den Beobachtungen der Besatzung ab.

“Kontamination der Biosphäre” unseres Planeten durch Killerbakterien vom Mond? Theoretisch: Ja! Damit war diese Vorsichtsmaßnahme 1969 sicherlich mehr als angebracht. Immerhin, so schrieb es beispielsweise “Time” am 25. Juli 1969, besteht “die entfernte Möglichkeit, dass sie unbekannte Mondorganismen beherbergen, die das Leben auf der Erde gefährden könnten”.

Die Quarantäne und Dekontamination begann sofort nach der Landung von “Apollo 11” am 24. Juli. Nachdem die Kapsel mit den Astronauten im Pazifik wasserte wurde noch im Wasser damit begonnen. Danach flog man die Astronauten zu dem 24 Kilometer entfernt wartenden US-Schiff “Hornet”. Hier “sperrte” man sie drei Wochen lang in eine mobile Quarantäneeinrichtung.

Die Erde ist (vorerst) sicher

Heute wissen natürlich, dass all diese Vorsichtsmaßnahmen unbegründet waren, da auf dem Mond keine Mikroorganismen existieren, die hätten unseren Planeten verseuchen können. Aber hätte es sie gegeben – hätten sie im schlimmsten Fall jeden Menschen des Planeten umbringen können (s. a. HIER).

Ende April 1971 gab Dr. George Michael Low von der NASA nach drei erfolgreichen Mondlandungen endgültig Entwarnung. So hieß es im “Albuquerque Journal” am 30. April 1971 dazu:

Auf der Grundlage dieser Analyse [der Quarantäne-Informationen von Apollo 14 sowie der Ergebnisse der Apollo 11- und 12-Flüge] haben wir festgestellt, dass es keine Gefährdung für Menschen, Tiere oder Pflanzen im Mondmaterial (…) gibt. Der Ausschuss hat empfohlen, dass weitere Mondmissionen nicht unter Quarantäne gestellt werden dürfen.

Es mag 50 Jahre später naiv erscheinen, was die NASA im Rahmen ihrer Mondlandungen da für einen Aufwand zum Schutz der Erde betrieb. Doch es war alles andere als naiv, sondern das genaue Gegenteil. Erstaunlich ist jedoch der Umstand, dass die NASA erst nach zwei weiteren Landungen sowie der Untersuchung und Quarantäne der beteiligten Astronauten etc. Entwarnung geben konnte.

Das bedeutet nämlich, dass die Flüge von “Apollo 12”, “Apollo 13” (auch wenn nicht auf dem Mond gelandet) und “Apollo 14” durchgeführt wurden, obwohl man da noch immer nicht sicher war, dass dadurch unser Planet nicht kontaminiert wird. Statt abzuwarten, was die “Apollo 11”-Raumfahrer vom Mond theoretisch mitgeschleppt haben könnten, folgte eine bemannte Mondmission nach der anderen …

Die Gesetzgeber in den USA nahmen einst diesen Kontakt mit außerirdischem Leben (gleich welcher Art) ebenso ernst. Sie nahmen 1969 das “Extra-Terrestrial Exposure Law” in den “Code of Federal Regulations” (14 C.F.R. 1211) auf, und übertrugen der NASA damit weitreichende Befugnisse. Mit dieser Regelung konnten Menschen, Tiere, privates Eigentum, Pflanzen oder ganz einfach alle Dinge, die mit etwas Außerirdischem in Kontakt kamen, unter eine Zwangs-Quarantäne gestellt werden.

Anwendung fand dieses Gesetzt offiziell nie und wurde bereits 1977 außer Kraft gesetzt. Ganz gestrichen wurde es aber erst 1991. Ob aber nicht irgendwann doch die Erde mit außerirdischem Material kontaminiert wird, kann definitiv niemand ausschließen.

Weltraumhygiene

Für “irre Gesetzte” ist die USA durchaus bekannt. Doch verschiedene Regelungen und Vereinbarungen sollen nicht nur das irdische Leben und unseren Planeten von irgendwelchen außerirdischen Einflüssen schützen.

Das bekannte Beispiel ist sicher die “Weltraumhygiene”. Denn so kann man die Abkommen der Raumfahrt betreibenden (und anderer) Nationen durchaus bezeichnen, die Raumsonden auf andere Himmelskörper im All schicken. Im Grunde genommen ist es ein ganz einfacher Kodex, der besagt, dass niemand Sonden oder Raumfahrzeuge auf andere Planeten oder Monde landen darf, die nicht bis in den kleinsten Winkel sterilisiert wurden. Möglichst alle irdischen Mikroorganismen müssen vor dem Start einer solchen Missionen abgetötet werden, um eine irdische Kontaminationen fremder Welten zu verhindern.

Ein überaus nachvollziehbarer Schritt. Wenn beispielsweise der Mars oder der Jupiter-Mond Europa eine Biosphäre und damit Leben beherbergen, können diese durch irdische Mikroben irreparabel zerstört werden. Zumindest aber eben kontaminiert und dadurch auch beeinflusst.

Im eigenen Interesse der Forscher wird das auch getan. Beispielsweise wurden die Mars-Landesonden von den beiden NASA-Missionen “Viking” Mitte der 1970ger Jahre mit größter Sorgfalt steril gehalten. Über Stunden wurden sie unter anderem in Öfen geradezu gebacken. Schließlich will kein Exobiologe nach Jahren der Vorbereitung am Ende bei der Suche nach Leben im All eingeschleppte irdische Bakterien finden.

Erste Hygienevorschriften

Solche Vorkehrungen zur Weltraumhygiene werden in diesem Jahr bereits 55 Jahre alt. Im Jahr 1964 hat das “Komitee für Weltraumforschung (COSPAR) die Resolution Nummer 26 veröffentlicht, in der es unter anderem heißt:

Die Suche nach außerirdischem Leben ist ein wichtiges Ziel der Weltraumforschung. Der Planet Mars bietet in absehbarer Zeit die einzige mögliche Möglichkeit, diese Suche durchzuführen. Eine Kontamination dieses Planeten würde eine solche Suche erheblich erschweren und möglicherweise sogar verhindern. 

(Es müssen) alle praktischen Schritte unternommen werden, um sicherzustellen, dass der Mars bis zu dem Zeitpunkt, an dem diese Suche zufriedenstellend durchgeführt wurde, nicht biologisch kontaminiert ist, und dass die Zusammenarbeit bei der richtigen Planung von Experimenten und dem Einsatz angemessener Sterilisationstechniken für Raumfahrzeuge gewährleistet ist. Dies wird allen Startbehörden für Weltraumsonden vorgeschrieben, um eine solche Kontamination zu vermeiden.

Im Jahr 1964 war zwar an Landungen auf dem Mars technisch noch nicht zu denken, doch sie waren absehbar. Die Raumsonde “Mars 3” der UdSSR schaffte dann auch 1971 die erste Landung auf dem Roten Planten. Fünf Jahre später folgten “Viking 1 & 2” der USA.

Nur drei Jahre nach dieser Resolution wurde auch der schon legendäre Weltraumvertrag der Vereinten Nationen beschlossen. Ein Vertrag, der sämtliche Aktivitäten im Weltraum und auf anderen Himmelskörpern regeln sollte. Von Besitzansprüchen bis zur besagten Weltraumhygiene. Immerhin haben dieses Regelwerk fast 130 Nationen unterzeichnet und knapp über 100 Staaten ratifiziert.

In Artikel IX des Weltraumvertrages heißt es, dass “die Vertragsstaaten nach dem Grundsatz der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung” handeln und “alle ihre Tätigkeiten im Weltraum (…) unter gebührender Berücksichtigung der entsprechenden Interessen aller anderen Vertragsstaaten” ausrichten. Und über den Schutz anderer Welten sowie der irdischen Umwelt selbst heißt es darin:

Die Vertragsstaaten führen Untersuchungen des Weltraums – einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper – durch und erforschen sie. Um ihre schädliche Kontamination und auch nachteilige Veränderungen der Umwelt der Erde infolge der Einführung von außerirdischem Material zu vermeiden, werden alle erforderlichen und geeigneten Maßnahmen getroffen.”

Weltraumethik

Grundsätzlich herrscht in der wissenschaftlichen Community also die Meinung, dass jegliche Art von außerirdischem Leben vor irdischer Kontamination bewahrt werden muss. Für zukünftige Forschungen und Forschergenerationen ebenso wie “aus ethischen Gründen”. Wobei man sich fragen muss, was das für “ethische Gründe” sein sollen. Immerhin sitzt die ethische Messlatte bei Leben aller Art auf unserem eigenen Planeten mehr als nur etwas weit unten.

Mit Blick auf diese Bemühungen ist die Aussage des Physikers Dr. Claudius Gros von der Universität Frankfurt eigentlich sehr erstaunlich. Gros, der sich mit Themen wie Leben im All und interstellare Raumfahrt befasst, sagte Anfang März 2019 in einem Interview unter anderem:

Wenn wir zu einem Planeten, auf dem es nur primitive prokaryotische Bakterien gibt, Bakterien von der Erde bringen, erhöhen wir die Chance, dass sich dort komplexes Leben entwickelt, gewaltig. Das wäre die Sache also wert.”

Mit dieser Aussage warf Dr. Gros einfach mal alle Ansichten und Bemühungen der bisherigen Raumfahrt über den Haufen, wie in diesem Blog-Beitrag HIER dargelegt. Auch wenn man argumentieren kann, dass irgendwelche Bakterien auf dem Mars oder sogar fernen Exoplaneten eben nur Bakterien sind, sollte man mit diesem Thema keinesfalls so leichtfertig umgehen.

Lippenbekenntnisse?

Prinzipiell hat Artikel IX des Weltraumvertrages auch solche Vorhaben geregelt. Denn laut dem Abkommen können die Unterzeichner-Staaten gegen derartige Aktivitäten Beschwerde einlegen. Gleichfalls bei den Vereinten Nationen “eine Konsultation bezüglich der Aktivität oder des Experiments beantragen”, um diese abzuklären. Weiter heißt es:

Wenn ein Vertragsstaat Grund zu der Annahme hat, dass eine von ihm oder seinen Staatsangehörigen geplante Aktivität oder ein von ihm geplantes Experiment im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, potenziell schädliche Störungen der Aktivitäten anderer Vertragsstaaten bei der friedlichen Erkundung und Nutzung des Weltraum hervorrufen würde (…), führt sie geeignete internationale Konsultationen durch, bevor sie mit solchen Aktivitäten oder Experimenten fortfährt.”

Vernünftige und mehr als sinnvolle Regelungen. Ob sie aber das Papier wert sind, auf dem diese und andere Regeln des Weltraumvertrages stehen, steht auf einem anderen Blatt. Wohlwollende Lippenbekenntnisse, deren wirkliche Überprüfbarkeit und Durchführung in der Realität schwierig sein dürfte. Zieht man dann noch diverse Verschwörungstheorien hinzu, wäre der Weltraumvertrag an sich schlicht ein Witz.

Immerhin, so die unterschiedlichsten Spekulationen, soll es nicht nur geheime Mondlandungen gegeben haben, sondern es soll längst Mars-Basen und auch Stationen auf dem Mond geben. Einige Spekulationen gehen soweit zu behaupten, dass auch Außerirdische hier ihre Finger mit im Spiel haben. Also, dass Aliens mit Menschen hier gemeinsam geheime Weltraumaktivitäten durchführen. Dadurch wären alle (irdischen!) Vereinbarungen, Verträge und Abkommen hinfällig …

Die Menschenwürde der Außerirdischen

Dass der Mensch nicht möchte, dass außerirdische Mikroben unseren Planeten verseuchen und uns als Spezies dabei vielleicht sogar auslöschen, ist nur allzu verständlich. Nicht minder nachvollziehbar ist es, dass für die zukünftige Wissenschaft und Forschung alle Himmelskörper im Sonnensystem und darüber hinaus vor irdischer Kontamination bewahrt werden müssen. Doch im All gibt es mit Sicherheit weit mehr als als nur Mikroorganismen oder fliegende Schleimpilze. Es wir auch intelligentes Leben geben.

Und auch über deren Schutz wird seit Jahrzehnten debattiert. Vor allem natürlich seit dem sich SETI als Suche nach außerirdischer Intelligenz weithin verbreitet hat.

Der Anwalt Andrew G. Haley war vor knapp 60 Jahren der erste, der “gesetzlichen Regeln, die die Beziehungen zwischen verschiedenen Rassen im Universum regeln”, in einem Gesetzt zusammenfasste, dass als “Metalaw” bekannt ist. Veröffentlicht am 8. November 1956 unter dem Titel “Space law and Metalaw – A Synoptic View” in “Harvard Law Record” Nr. 23, als Außerirdische und Zivilisationen im All eigentlich nur Thema bei UFO-Freaks und Science-Fiction-Fans war.

Auch wenn Haley selber und andere dieses Metalaw immer wieder neu formulierten und in Details umarbeiteten, gelten nach diesem universellen Gesetzt folgende Grundprinzipien “des strengen Konzeptes der absoluten Gerechtigkeit”:

  1. Menschen dürfen Außerirdische keinen Schaden zufügen.
  2. Alle Rassen im Universum haben das Recht auf Selbstverteidigung.
  3. Außerirdische haben das Recht auf einen sicheren Lebensraum im All.

Im Kern soll das Metalaw allen außerirdischen Zivilisationen und Spezies unsere irdischen Menschenrechte zubilligen. Ob diese Außerirdischen sich jetzt in einer Entwicklungsstufe von Höhlenaliens befinden oder unendlich weit voraus sind, spielt dabei keine Rolle. Alle Aliens sind vor dem Meta-Gesetzt gleich und haben alle die gleichen Rechte.

Zum Wohle der Außerirdischen

Selbstverständlich gab und gibt es bis heute Kritiken an diesem Metalaw.

Einige Kritiker bemängeln, dass hier das Konzept von “Gut” und “Böse” auf alle Spezies im All angewandt wird. Andere meinen, dass es unsinnig wäre darüber nachzudenken, da niemand sagen kann, ob sich irgendwelche Aliens auch daran halten. Wieder andere argumentieren, dass diese kosmischen Gesetzte uns und unsere Vorstellungen, Ethik und Weltanschauungen in den Mittelpunkt stellen (Anthropozentrismus).

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Alles sicher nicht zu widerlegende Kritikpunkte. Doch darüber nachdenken und philosophieren ist mit Sicherheit nicht falsch. Obwohl wir auf unserer eigenen Welt solche oder ähnliche Regen nicht einmal Ansatzweise bei unserer eigenen Spezies anwenden. Auch vor dem Hintergrund, dass die Menschen nicht mal wissen, wer bei einem Kontakt mit Aliens für “uns” sprechen wird, scheint so ein Metalaw grotesk. Denn auch das ist eine bisher vollkommen ungelöste Frage, wie in diesem Blog-Artikel HIER und diesem Vortrags-Video bei YouTube HIER dargelegt.

Dennoch wurde bereits 1960 das “Internationale Institut für Weltraumgesetz” (IISL) gegründet. Dieses “International Institute of Space Law” vergibt seit 1961 auch Preise an Personen, die in einem von fünf verschiedenen Bereichen zum Thema Weltraumgesetz Besonders geleistet haben. Und einer dieser Preisträger war 1963 aus Österreich stammende Jurist Dr. Ernst Fasan, der bis heute als Autorität auf dem Gebiet Weltraumrecht gilt.

11 Regeln für alle Alien-Rassen

Fasan hat 1970 das Metalaw von Andrew G. Haley aus dem Jahr 1956 umfangreich neu formuliert, angepasst und erweitert und 11 Kerngesetze ausgearbeitet. Diese diskutiert er in seiner Veröffentlichung “Relations with Alien Intelligences – The Scientific Basis of Metalaw” und fasst sie in folgenden Punkten zusammen:

  1. Jegliche Handlung, die einer anderen Rasse Schaden zufügt, muss vermieden werden.
  2. Jede Rasse hat das Recht, sich gegen jegliche schädliche Handlung einer anderen Rasse zu verteidigen.
  3. Alle intelligenten Rassen im Universum haben prinzipiell die gleichen Rechte und Werte.
  4. Jeder Partner von Metalaw hat das Recht auf Selbstbestimmung.
  5. Das Prinzip, eine Rasse zu erhalten, hat Vorrang vor der Entwicklung einer anderen Rasse.
  6. Es ist kein legaler, sondern ein ethischer Grundsatz, dass eine Rasse der anderen durch ihre eigenen Aktivitäten hilft.
  7. Im Schadensfall hat der Verursacher die Unversehrtheit des Geschädigten wiederherzustellen.
  8. Kein Partner von Metalaw darf eine Unmöglichkeit verlangen.
  9. Es muss keine Regelung des Metalaw eingehalten werden, wenn die Einhaltung zu einem praktischen Selbstmord für die verpflichtete Rasse führen würde.
  10. Metalaw-Vereinbarungen und -Verträge müssen eingehalten werden.
  11. Jede Rasse hat einen Anspruch auf ihren eigenen Lebensraum.

Auch dieser Kodex klingt nicht nur nach Science-Fiction, er ist es auch. Obwohl dahinter keine Science-Fiction-Fans oder UFO-Enthusiasten stecken. Es sind vielmehr ernsthafte wissenschaftliche Überlegungen, die zu derartigen “Gesetzten” führten. Und genauso wie alle anderen Weltraumgesetze, die irgendwelche anderen Spezies im All einschließen, sind sie letztlich doch nur Wunschdenken.

Science-Fiction und Wissenschaft sind natürlich keine sich widersprechende Gebiete, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Träumerei und Vordenken ist hier Alltag. Doch ob es jetzt 11 oder 1.111 Regelungen über ein Miteinander der Alien-Rassen mit noch so fundierten, logischen und wissenschaftlichen Argumenten erdacht werden, sind sie wahrscheinlich am Tag X so oder so unnütz …

Interstellare Handesgesetze

Blickt man als an Themen wie Leben im All, Aliens und Grenzwissenschaft & Mystery Files Interessierter auf die etablierte wissenschaftliche Community, wundert man sich nicht selten über deren Arbeiten und Veröffentlichungen. Zynisch ausgedrückt muss man sich teilweise fragen, womit diese eigentlich so alles ihre Zeit und (Steuer-)Gelder verschwenden.

Zum Beispiel auch mit “der Theorie des interstellaren Handel”, deren Regelungen, Besteuerung und Durchführbarkeit. Veröffentlicht hat diese theoretischen Überlegungen der Wirtschaftsprofessor Paul R. Krugman bereits im Juli 1978. Immerhin ein sehr bekannter Experte für Wirtschaft und Handel, der 2008 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften verliehen bekam.

In seiner Studie “Die Theorie des Interstellaren Handel” geht Krugman vor allem auch der Frage nach, wie aufgrund der gigantischen Distanzen im Universum ein solcher Handel funktionieren könnte. Viele Lichtjahre müssten hierbei überbrückt werden und damit wäre es “eine sehr zeitaufwändige Investition”. Preis-Leitung eines derartigen Handel wäre innerhalb des Sonnensystems möglicherweise rentabel. “Ist diese Transaktion profitabel”, wenn es um Handel zwischen den Sternen geht, fragt Krugman zurecht.

Handessbeziehungen mit Außerirdischen schloss Krugman vor rund 40 Jahren in seine Überlegungen ebenso mit ein. Er nennt es “Interspezies Transaktionen” von Waren und Kapital. Doch das alles sei “nicht so einfach”, solange wir die Entfernungen im All nicht wesentlich schneller oder mit anderen Technologien überwiesen können. Etwa wie bei “Star Trek”.

Was in seinen Berechnungen und Gedankengängen aber fehlt, sind genaue Ausführungen, ob irgendwelche anderen Zivilisationen mit der Erde überhaupt Handel treiben wollen. Und womit eigentlich. Ebenso, ob Aliens überhaupt Interesse an Kapitel und damit Geld haben. Dies wissen wir heute ebenso wenig wie 1978.

Wenn ich einen Alien töte …

Vor fast fünf Jahren bin ich in diesem Blog-Artikel HIER auf eine andere spekulative aber durchaus spannende Frage eingegangenen: Was droht “gesetzlich gesehen” einem Menschen, der ein UFO mit Aliens landen sieht – und die Außerirdischen daraufhin tötet?

Eine seltsame Frage, die aber letztlich darauf hinauslaufen würde, dass man straffrei davon kommt. Es fehlt ganz einfach in Deutschland die Gesetzesgrundlage, da “die Delikte ‘Mord’ und ‘Totschlag’ jeweils den Tod eines anderen Menschen voraussetzen”, wie damals jemand kommentierte. Außerirdische sind eben keine Menschen und sind im Strafgesetzbuch schlicht und einfach irrelevant. So heiß es damals in einem Kommentar weiter:

Denn tatsächlich gilt, dass eine Strafbarkeit die Existenz eines entsprechenden Gesetzes vor dem Ausüben der Tat voraussetzt.”

So unwahrscheinlich es auch ist, dass jemand gelandete Außerirdische antrifft und dann tötet, es ist ein interessanter Gedanke. Mich erinnert das an “Tötung eines Wirbeltieres” oder auch, dass etwa Hunde juristisch als “Sache” betrachtet werden. Ermorde ich also einen Alien, weil mir zum Beispiel seine ggf. nicht vorhandene Nase nicht passt (juristisch also: “Mordlust”), wäre das Sachbeschädigung?

Auch das ist fraglich, denn muss zur Strafverfolgung eine “Sache” nicht jemanden gehören?

Alien-Invasion und die Folgekosten

Im Juli 2016 befasste sich der Jurist Klaus Hempel für den Sender SWR mit einer nicht minder spekulativen und Frage, wie in diesem Blog-Beitrag HIER berichtet:

Wer zahlt eigentlich wenn Außerirdische angreifen?

Eine Alien-Invasion ist nach den Vorstellungen von Hollywood bekanntlich immer mit enormen bis gigantischen Schäden verbunden. Vermutlich war auch der Film “Independence Day 2: Wiederkehr” der Ideengeber, dass sich der SWR damals die Frage nach den Folgekosten einer solchen Invasion stellte. Zerschießen die Außerirdischen dabei mein Haus oder eines ihrer UFOs stürzt beim Kampf in mein Dach, ist es erstmal ein Fall für die Versicherung, so Hempel.

Weiter schrieb er:

“In Frage kommt zunächst einmal eine Haftung durch die Gebäudeversicherung. Das Problem besteht erst einmal darin, dass es sich bei einem Angriff von Aliens nicht um einen klassischen Fall von Naturgewalt handelt. Insofern bringt es mir nichts, wenn ich mich gegen sogenannte Elementarschäden versichert habe. In den Geschäftsbedingungen der Versicherer ist außerdem vielfach geregelt, dass eine Haftung bei kriegerischen Angriffen von außen nicht besteht, aber: wir haben es hier mit einem Sonderfall zu tun.

Wenn beispielsweise ein UFO versehentlich auf dem Dach landet und dadurch die Immobilie beschädigt wird, liegt ein sogenannter Anprallschaden vor. Der ist in der Regel vom Versicherungsschutz umfasst. Und gleiches gilt auch für den Absturz von unbemannten Flugkörpern. Und im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung kann da eigentlich nichts anderes gelten, wenn mein Haus von einem UFO beschossen wird. Für Beschädigungen an der Inneneinrichtung, also Möbel usw., kann man dann konsequenterweise die Hausratversicherung in Anspruch nehmen. Und wer sich voll umfänglich versichert hat, der kann sogar die Kosten für die Aufräumarbeiten geltend machen.”

Wer hätte das gedacht? Ob bei einer unwahrscheinlichen aber theoretischen möglichen Alien-Invasion dann aber wirklich Gelder von den Versicherungen fließen, sei einmal dahingestellt. Sofern diese den Angriff überstanden, wären sie so oder so ruiniert …

Spekulationen und SETI

Viele – sehr viele – Spekulationen. Das steht außer Frage. Aber dieser Ausflug in die Welt der Vorschriften und vertraglichen Regelungen von uns Menschen zeigt mehr als deutlich, dass man sich seit Jahrzehnten Gedanken über so was wie eine einheitliche Richtlinie bei diesen Themen macht.

Diverse Bereiche haben hierbei durchaus konsequente Bestimmungen was Leben  im All betrifft. Allen voran die SETI-Forscher. Also jene Astronomen und Wissenschaftler, die mir Radioteleskopen und anderen Technologien nach Signalen von außerirdischen Zivilisation suchen. Irgendwo und irgendwann muss es andere Intelligenzen im All geben oder gegen haben, davon sind sie überzeugt. Man muss deren Signale und Spuren im Universum “nur” finden.

Auch wenn SETI-Astronomen seit Jahrzehnten vergeblich nach diesen eindeutigen Botschaften von Aliens suchen, haben sie längst Regelungen für den Tag X getroffen. Keiner der Beteiligten darf beim Empfang eines Signales einer Alien-Zivilisation diese Information einfach eigenmächtig an die Öffentlichkeit geben. Erst nach einer mehrfachen Bestätigung des Signals durch weiterer Teleskope und Astronomen und nach Absprache untereinander. Der gesamte Vorgang ist klar strukturiert und gegliedert.

Was aber in unserer Welt wohl nicht zu regeln sein wird ist, wer diesen Aliens in Namen der Menschheit was antwortet. Jeder Staat, jede Gruppe, jede Religion und jede Gesellschaft hat mit Sicherheit hierzu ihre eigenen Ansichten und Wünsche.

Ich denke jedoch, dass ausnahmslos alle Gesetzte, Regelungen und jeder Kodex und jeder guter Wille eines Tages im Sand verlaufen werden …

Was denkst DU darüber? Diskutiere gerne bei Facebook mit.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Vor genau 20 Jahren: Die Katastrophe der “Sonnentempler”-Sekte. Massenmord und Gruppensuizid um in eine neue Welt beim Stern Sirius zu reisen.

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Die "Sonnentempler" und der Massenmord in der Schweiz vor 20 Jahren (Bild: gemeinfrei / L. A. Fischinger)
Die “Sonnentempler” und der Massenmord in der Schweiz, Frankreich und Kanada vor 20 Jahren (Bild: gemeinfrei / L. A. Fischinger/bearbeitet)

Genau 20 Jahre ist es nun her, seit dem sich die (UFO-?)Sekte der „Sonnentempler“ das Leben nahm. Ein Suizid im Zeichen des Wahns! Es war im Herbst 1994, da berichteten die Medien in aller Welt von einem Massensuizid, in dem auch Massenmord eine Rolle spielte. Mitglieder einer Sekte mit dem so friedlich klingenden Namen „Sonnentempler“hatten sich sowohl in der Schweiz als auch in Kanada gemeinschaftlich das Leben genommen. Wie kam es dazu? Was war geschehen und spielte auch der Glaube an UFOs und Außerirdische bzw. Überirdische hierbei eine Rolle? Bis heute sind die Details der Ereignisse mit insgesamt über 70 Toten ungeklärt. Eine Zusammenfassung.

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Hallo, Ihr Lieben und Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Der „Orden des Sonnentempels“ mit seinen Symbolen Kreuz und Rose spaltete sich einst von den durchaus bekannten „Rosenkreuzern“ ab, die im 17. Jahrhundert als Reformbewegung des Protestantismus entstanden war. Doch die 1994 die Medien beherrschenden „Sonnentempler“ hingegen haben eine völlig andere Philosophie. Eine Lehre, die letztlich in den Tod führte:

In der Nacht zum 5. Oktober 1994 verbrannten 22 Mitglieder des “Sonnentempler”-Ordens in ihren Häusern in dem Schweizer Dorf Cheiry, und gleichzeitig starben fünf Sonnentempler in Kanada. Darunter auch die Sektenführer Luc Jouret (der Hauptgründer) und Joseph di Mambro selber. Einige Stunden später wurde von der Polizei in Martigny im Wallis ein Feuer über den Rhonetal gemeldet. Der Brand wütete im Dorf Granges-sur-Salvan in einem Chalet am Berghang. Die herbeigeeilte Kripo und Feuerwehr fand auch dort Leichen: 25 Menschen, darunter fünf Kinder.

Was war hier geschehen und wer waren die Toten?

Nach den Polizeiermittlungen sind von allen Toten lediglich fünfzehn Menschen freiwillig aus dem Leben geschieden. Die anderen wurden ermordet, offenbar oder vermutlich von ranghören Mitgliedern der Sekte.(1) Folglich hatte es die Polizei hier nicht nur mit Selbstmorden sondern auch mit zahlreichen Morden zu tun. Denn: Die polizeilichen und medizinischen Untersuchungen ergaben, dass die verkohlten Leichen teilweise sowohl Einschüsse als auch Injektionsspuren von Spritzen aufwiesen(2), also eindeutige Hinweise auf ein unfreiwilliges Dahin scheiden. Die Leichen selber wurden in einer Art Kapelle entdeckt, die mit hell roten Stoffen, einem Bild von Jesus Christus und zahlreichen Wandspiegeln geschmückt war, und in dessen Mitte die Leichen in Form eines Sterns am Boden lagen.

Es waren die sterblichen Überreste einer Sekte. Aber offenkundig starben nicht alle Sonnentempler, denn am 23. Dezember 1995 wurden weiterer 16 tote Sektenmitglieder gefunden – diesmal in den französischen Ostalpen. Ermordet wurden diese Menschen wahrscheinlich bereits am 16. Dezember.(3) Die Leichen wurden in einem Waldstück oberhalb des Weilers St.-Pierre-de Chérennes bei Grenoble entdeckt, waren verbrannt und wiesen sogar Schussverletzungen auf. Die Suchtrupps, alarmiert durch den Jäger Robert Arnaud, der in der Gegend verbranntes Fleisch und Haare gerochen hatte, aber nicht die Quelle des Gestankes ausfindig machen konnte, fanden 14 der 16 toten Jünger auch hier in einer Sternenform liegend. Sie lagen verkohlt um einen erloschenen Scheiterhaufen verteilt.(4) Die bei den Leichen entdeckten zwei Gewehre und zwei Pistolen stellten sich im Nachhinein als die Dienstwaffen zweier Polizisten heraus, die wahrscheinlich ebenfalls unter den Toten waren.(5)

Auch bei dieser zweiten Tat schloss die Polizei einen gemeinschaftlichen Massenselbstmord aus: „Es könnte sich vielmehr um mehrfachen Mord und zwei oder drei Selbstmorde gehandelt haben“, sagte der zuständige Staatsanwalt damals. Da die verkohlten Leichen erneut Schusswunden zeigten und ihnen offenbar zum Teil vor der Ermordung dunkle Plastiksäcke über den Kopf gestülpt wurden, machte auch dieses Verbrehen schnell Schlagzeilen um die Weihnachtszeit. Ebenso stellte sich recht schnell heraus, dass die Sektenmitglieder offenbar alle der Meinung waren, dass der Tod nichts weiter als eine Illusion sei. eigentlich ja eine Kernlehre aller Religionen der Welt, die ihren Gläubigen die eine oder andere Form des „ewigen Lebens“ versprechen. Die „Sonnentempler“ gingen aber einen großen Schritt weiter. Sie waren der Ansicht, dass sie nur durch die gemeinschaftliche Selbsttötung einer unmittelbar bevorstehenden Apokalypse der Welt entziehen können und dadurch einen „Transit zum Sirius“ antreten werden. Bei einer landesweiten Razzia, die Mitte März 1996 durchgeführt wurde, nahm die Polizei 30 Sektenanhänger fest, um einen weiteren bevorstehenden gemeinsamen Suizid zu verhindern.(6)

Mord, Selbstmord und schlampige Ermittlungen?

Nach der für alle – von den Anwohnern der Sekten-Anwesen bis zu Sektenberatern – überraschenden Tat der zuvor als „unauffällig“ und „harmlos“ eingestuften „Sonnentempler“ begann das Rätselraten: Wollen sie freiwillig auf körperlose Art zum „Sirius“ reisen, wie es zuerst hieß? Glaubten sie, dass ihre „Seele“ nach dem Tod den Körper verlässt um irgendwo anders im Weltraum wieder geboren zu werden? Oder steckte hinter dieser Tragödie der Sekte doch ein wohl durchdachter Plan?

Vieles scheint eher für die zweite Möglichkeit zu sprechen, zumal einige der Umgekommenen klar durch Mord aus dem Leben geschieden waren. Da stellt sich natürlich umgehend die Frage, ob diese Menschen überhaupt sterben wollten. Waren es nur einige wenige, die die anderen „verirrten Seelen“ und später dann sich selbst getötet haben? Oder haben sie sich selber erschossen? Aber was war das Motiv der Mörder? Wer waren sie? Hier tappt die Polizei bis heute bei ihren Ermittlungen in Details im Dunkeln, da die Mörder und deren Opfer nicht mehr befragt werden können …

Auch Eric Bergkraut, der versucht hatte, Hintergründe und Ablauf des Dramas näher auszuleuchten, konnte in seiner Dokumentation „Die Sonnentempler – eine Reise in den Tod“ für das Schweizer Fernsehen keine neuen Details vermitteln, da seine Recherchen mehr oder weniger im Sand verlaufen waren. Doch zeigte sich bei der Fallermittlung sehr schnell, dass hier ein wahres Massaker stattfand, da einige der Leichen bis zu neun Einschüsse aufwiesen.
Der Schlussbericht der zuständigen Untersuchungsbehörde fiel entsprechend dünn aus, und zudem wurde er erst verzögert publiziert. Der Staatsanwalt aus dem Schweizer Freiburg musste herbe Kritik an sich hinnehmen, da sich mittlerweile im französischen Vercors bekanntlich während der Untersuchungen ein weiteres Drama nach ähnlichem Muster abgespielt hatte. Vielleicht hätten die Behörden – hätte man sich eingehender mit dem Drama beschäftigt – die Tat verhindern können, so lautete der Kernpunkt der öffentlichen Kritik. Besonders die französischen Behörden und Sektenforscher kritisierten die Arbeit, da die Schweiz diese Sekte nicht schon zuvor als „kriminelle Gruppe“ einschätzte und nicht einmal die Telefone überwachte.

Tatsächlich waren fast alle von den Behörden in Freiburg und im Wallis befragten Personen aus dem Umfeld des Ordens beim zweiten rituell inszenierten Mord am 23. Dezember 1995 umgekommen. Unter ihnen waren auch Patrick Vuarnet, der Sohn eines Olympiameisters von 1960, und seine Frau. Patrick Vuarnet wurde ausgiebig von Untersuchungsrichter André Piller zusammen mit den Polizeibeamten Patrick Rostand und Jean-Pierre Lardanchet vernommen und danach wieder auf freien Fuß gesetzt. Alle drei kamen am 23. Dezember 1994 bei dem neuerlichen Feuertod um. Und der Gendarm Lardanchet war mit einem Gehilfen für dies Drama verantwortlich, bei dem von insgesamt 16 Menschen auch drei Kinder waren. Alle wurden noch am Tag vor der Tragödie von Zeugen gesehen.

Eine Person entkam (obwohl sie durch Freundschaft den „Sonnentemplern“ nahe stand) dem Schicksal ihrer Geistesverwandten: der Komponist und Dirigent Michel Tabachnik, obwohl er im September 1994, also kurz vor der ersten Wahnsinnstat, an einem Treffen der Ordensführer in Avignon teilgenommen hatte. Bei der Befragung der Untersuchungsrichter soll er geweint haben, nachdem er erfahren hatte, was sein Freund Joe di Mambro und andere Mitglieder hinter seinem Rücken getan hatten.

Tabachnik war einer der weniger Informanten, die etwas Konkretes über die Sekte hätten aussagen können. Doch er – der Urheber der esoterisch inspirierten Komposition „Cosmosgonie“ – äußerte sich leider nur überaus vage. Bis heute. Aber es gab noch eine andere Zeugin: die Mutter der Geliebten di Mambros, die ihm das sogenannte heilige oder „kosmische Kind“ Emmanuelle geboren hatte. Diese Zeugin besuchte zwar Di Mambros Stiftung „Golden Way“ mehrmals, um ihre Tochter und ihre Enkelin zu sehen, jedoch ließ sie sich nicht von der Sekte vereinbaren.

Der Dokumentarfilmer Eric Bergkraut erhob den Vorwurf, dass die Untersuchungsbehörden an der Geschichte des „Sonnentempler“-Ordens überhaupt nicht interessiert seien. Er deutete an, dass Luc Jouret und Joe di Mambro die Leitung des Ordens von einem „Priester“ übernommen hätten, der dem Faschismus nahe stand. Der Abenteurer und Gesundheitsapostel Luc Jouret, geboren 1947 im damaligen Belgisch-Kongo, ließ sich nach Bergkraut in der abgespalteten fundamentalistischen Sektion der katholischen Kirche zum Priester weihen. Auch interessierte er sich schon sehr früh für Yoga, Geistheiler, Astrologie, Gurus und Geheimwissenschaften und zog Anfang der 1980er Jahre als angeblicher Heiler durch die Schweiz, Frankreich, Kanada, Belgien und Luxemburg.

Dass in der Sekte rassistische Tendenzen herrschten, wurde auch von einer früheren Anhängerin aus Frankreich bestätigt. Sie sagte aus, dass der Orden die weiße Rasse als überlegen gefeiert habe, während zum Beispiel Schwarze als „weniger entwickelte Leute“ bezeichnet wurden.

In einem in Kanada eingesetzten Werbefilm der Sekte konnte man gut die paranoiden Züge des Ordens erkennen: Sie bezeichneten sich ganz typisch für derartige Sekten als „Auserwählte“, und das im licht durchfluteten und von Kindern bevölkerten Treibhaus gezüchtete Gemüse wurde in einem geweihten, himmlischen „Javelwasser“ gewaschen. Auch im Umgang mit dem erwähntem „kosmischen Kind“ Emmanuelle zeigte sich eine übertriebene Hygieneauffassung: Die Großmutter durfte es nicht berühren.

Eric Bergkraut machte in seiner Reportage, die am 3. Oktober 1996 vom Fernsehsender „DRS“ ausgestrahlt wurde, deutlich, dass die Gruppe die Erde in ihrem heutigen Zustand für nicht mehr bewohnbar hielt. Auch sei die angebliche Unbewohnbarkeit des Planeten nicht das einzige Motiv für die Blutteten gewesen. Licht in die finanziellen Hintergründe und in die Geschäftspraktiken der Führungspersonen konnte Eric Bergkrauts Werk leider nicht bringen. Er beendete seine Reportage jedoch mit einer Sensation, in dem er sagte:

In Kanada wartet man auf Teil drei des Dramas, denn in Quebeck leben noch Anhänger, die bedauerten, beim Transit zum Sirius nicht dabei gewesen zu sein.“(7)

Recherchen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ ergaben damals jedoch auch, dass zu Lebzeiten des Sektenchefs di Mambros 20 Millionen Franken an die „Sonnentempler“ überwiesen worden sein sollen, die sich immer weiter aus der Kasse „verflüchtigten“, je näher die Jahrtausendwende und der damit verbundene Weltuntergang kam.(8)

Die Reporter des „Stern“(9) recherchierten ebenso Informationen, die den Vorwurf rechter Ideologien innerhalb der “Sonnentempler”-Sekte zu bestätigen scheinen. So berichteten sie in dem Artikel „Die Hintermänner laufen frei herum“, dass die Sekte sogar in einem ganzen Netz von konspirativen Gruppen eingebettet war. Die „Sonnentempler“ entstanden teilweise aus der Gruppe „Souveräne und militärische Orden des Tempels von Jerusalem“, Frankreich, in dem ab 1970 Mitglieder des rechtsradikalen und geheimen Bundes „Service d’Action Civique“ (SCA) einstiegen. Der Turiner Sektenexperte Professor Massimo Introvigne vermutet gegenüber dem „Stern“, dass auf diesem eine verschwörerische Gemeinschaft aus rechter Politik und Templern entstand.

Die als gefährlich einzustufende militärische Gruppe SCA hatte, so hieß es im „Stern“ weiter, nachweislich Verbindungen zu rechten Aktivisten. 1972 wurde ihnen bei Gerichtsverfahren Waffenhandel vorgeworfen, in den unter anderem auch die italienische Freimauer-Organisation „P2“ von Licio Gelli verstrickt war. Auch hatte der belgische „Sonnentempler“-Gründer Luc Jouret zwischen 1981 und 1983 regen Kontakt mit dem französischen Neonazi Julien Origas (der Gründer einer eigenen Gruppe) unterhalten. Professor Introvigne sagte, dass die Gründer der „Sonnentempler“ „lange genug mit Origas Orden assoziiert (waren), um in den Einfluss politischer Gruppen und von Geheimdiensten zu geraten“. Erst nach dem Tod Origas im Jahr 1983 wurden die „Sonnentempler“ als Orden an sich geboren. Die „Sonnentempler“ bestanden letztlich aus Polizisten, Managern, Regierungsbeamten, Bürgermeistern, Künstlern und auch Millionären. Sie hatten ihre Hände in Immobiliengeschäften, besaßen ein verschlungenes Firmenimperium und verfügten über dunkle und ungeklärte Geldquellen.

Eine Agenturmeldung vom Frühjahr 1996 scheint wiederum mehr über den Tathergang vom Oktober 1994 zu wissen. Der Fernsehsender „RTL“ meldete am 7. April 1996, dass es im Abschlussbericht der Schweizer Polizei, der Anfang April vorgelegt wurde und in dem es um die Tötungen vom Oktober 1994 ging, hieß, dass nun definitiv bei nur fünfzehn der rund 50 toten Sekten-Mitgliedern von Suizid auszugehen sei. Die restlichen Sektenmitglieder weigerten sich offensichtlich am kollektiven Selbstmord teilzunehmen und wurden definitiv ermordet.(10)

Doch bereits zwei Jahre früher bekundete der Schweizer Sektenkenner Jean-Francois Meyer Zweifel an Dokumenten, die als Abschiedsbriefe und Testamente der „Sonnentempler“ ausgegeben wurden. Die Echtheit der Unterlagen sei zwar nicht anzuzweifeln, aber alle Papiere würden auf Luc Jouret persönlich zurückgehen.(11)

Die „Sonnentempler“ sind und waren nicht allein

Das damalige Sekten-Drama vor 20 Jahren war nicht das erste Selbstmorddrama. Es wird mit Sicherheit auch nicht das letzte bleiben!

  • Ein anderes Sekten-Geschehen fand im November 1978 statt, und ist sicher das dramatischste Beispiel von kollektivem Suizid. Damals begingen 923 Mitglieder der amerikanischen „Volkstempler-Sekte“ in der Siedlung „Jonestown“ im Dschungel Guayanas in Südamerika den vermutlich größten Massenselbstmord der Geschichte.
  • Im April 1993 verbrannten beispielsweise auch mindestens 81 Menschen im Anwesen der „Davidianer“-Sekte im texanischen Waco, USA. Ihr Führer hielt sich für Jesus Christus. Es ist anzunehmen, dass die Sektenmitglieder das Feuer selbst legten, als die Polizei und das FBI das Anwesen nach 51 Tagen Belagerung stürmten. Es war für sie eine Art Endkampf gegen die Antichristen bzw. Gut gegen Böse, was auch 1978 einer der Gründe für den Massensuizid in Südamerika war.
  • Vor allem bekannte im Kreise der UFO-Szene ist auch der Massenselbstmord der UFO-Sekte „Heaven’s Gate“ im Jahr 1997. Diese Sekte um den UFO-Guru Marshall Applewhite glaubte, dass sie durch nach ihren Selbstmord in einem UFO mit Aliens wiedergeboren werden. Dieses außerirdisch-göttliche Raumschiff wäre angeblich auf dem Weg zur Erde und verstecke sich dabei im Schweif des Kometen Hale Bopp, der damals mit bloßem Auge am Himmel zu sehen war. Auch hier herrschte also eine Art „Endzeitstimmung“ der Sekte, die fast 40 Menschen den Tod brachten.

Es gibt aber auch Fälle in der Sektengeschichte, in denen ein möglicher Massenselbstmord verhindert werden konnte.

  • Eine solche von Anhängern einer Endzeitsekte auf den Philippinen geplante Aktion konnte von den Behörden in letzter Minute abgewendet werden. Ponciano Lumboy – der Führer der Sekte, die sich „Pfingstliche Internationale Christengemeinschaft“ nannte (sicherlich hat sie nichts mit der auch in Deutschland verbreiteten evangelischen Freikirche ähnlichen Namens zu tun) – konnte jedoch untertauchen und sich so dem Zugriff der Polizei entziehen. Die Anhänger der Sekte hatten sich am 31. Dezember 1995 auf einem Gelände in Isabela, das 265 Kilometer nördlich von der philippinischen Hauptstadt Manila liegt, eingeschlossen, um den kommenden Weltuntergang zu erwarten. Die Polizei berichtete damals, dass die Sektenmitglieder sogar mit Gewehren bewaffnet waren. In Anbetracht des unmittelbar bevorstehenden Weltunterganges hatten die Gläubigen der Gemeinschaft ihren gesamten Besitz verkauft und ihr Geld dem Sektenführer übergeben, wie so oft in der Geschichte des Sektierertums. Leider ist bisher kein Hinweis darauf zu finden, ob es dem Sektenführer gelungen ist, das ihm ausgehändigte Geld bei seiner Flucht mitzunehmen. Auf jeden Fall aber fand der Weltuntergang nicht statt, der Sektenführer ist fort und die ernüchterten Sektenanhänger stehen nun mittellos dar.
  • Eine ähnliche Tragödie wie die von „Heaven´s Gate“ soll Anfang Januar 1998 von der Polizei auf Teneriffa verhindert worden sein. Ab dem 9. Januar überschlugen sich dazu die Meldungen: Die Sektenführerin, die Hamburger Psychologin Dr. Heide Fittkau-Garthe, hatte laut Polizeiangaben den meist Deutschen Sektenmitgliedern das ewige Leben versprochen und die Landung eines Raumschiffes auf dem Berg Teide prophezeit. Das UFO sollte die Gruppe von 32 Männern, Frauen und Kindern nach dem Suizid durch Gift retten und – zum Stern Sirius bringen! Bereits kurz vor Weihnachten 1997 soll Heide Fittkau-Garthe vom Ende der Welt gesprochen haben. Sie glaubte an einen baldigen „Erdachsensprung“, also den bekannten Polsprung, der ohne Zweifel den Untergang der Welt nach sich ziehen würde. Fittkau-Garthe, die vor 5000 Jahren angeblich schon in Ägypten lebte und mit Gott sprach, stritt eventuelle Suizid-Absichten ihrer Sekte damals in den Medien immer ab. Zum Beispiel sagte sie zu den Vorwürfen bei „RTL Punkt 12“ am 22. Januar 1998:

Dies ist alles total absurd. Es ist für mich erstaunlich, wie erwachsene Menschen so etwas in die Presse setzten können und glauben, es könnte sogar wahr sein. Dies ist für mich so gigantisch, dass ich es gar nicht fassen kann.

Einige Tage später veröffentlichte der „Spiegel“(12) einen Brief der Sektenchefin, der sie offensichtlich schwer belastete. Dem Schreiben, dass als Fax am 8. Dezember 1997 in Deutschland bei einer Freundin im Hamburger Wohnhaus von Fittkau-Garthe einging, sind deutliche Hinweise auf einen Suizid zu entnehmen. So ist etwa unmissverständlich zu lesen:

Ich Gott, die Mutter aller lebendigen Wesen, die einzige Allmacht der Liebe für alle und alles, werde am 8. 1. 1998 um 20 h den Erdplanten verlassen und mit einem Raumschiff (keinem Flugzeug) zu meinen realen Planeten, den ich Aida meinen Himmel nenne, fliegen. Alle Menschen und alle Tiere werde ich mit mir nehmen. Sie werden alle ihren Körper verlassen, d.h. praktisch sterben.“

Scheinbar war auch hier der Sirius das Ziel der fragwürdigen Reise zu den Sternen …

Erst der Tod, dann eine Reise zu den Sternen! Steckt mehr dahinter?

Das „Sonnentempler“-Drama war also nicht das erste seiner Art, und leider sollten die beiden Wahnsinnsaktionen im Oktober 1994 und im Dezember 1995 nicht die letzten ihrer Art bleiben. Die „Sonnentempler“ bzw. einige von ihnen dachten, nach ihrem Tod würden sie zum Stern Sirius reisen. Nur durch das erleiden eines „feurigen Todes“ und der Ausführung der rituellen Tötung eines Säuglings, der als Antichrist galt, sei der körperlose Transit zum Sirius möglich. Diese grausamen und erschreckenden Informationen stammen von der kanadischen Polizei. Dafür wählten die Sektenführer Joseph di Mambro und Luc Jouret den nur drei Monate alten Christopher Emmanuelle Dutoit als Opfer aus – und trieben ihm unter anderem angeblich sogar einen Holzpfahl durch das kleine Herz des Babys! Die Eltern des Säuglings – Antonio Dutoit und Nicky Dutoit – wurden erstochen, danach das Haus abgebrannt. Nicky Dutoit wurde mit acht Messerstichen nieder gemetzelt, möglicherweise symbolisch für die für die acht Regeln des Ordens. Vier der Stiche gingen in den Hals, da die Sonnentempler glaubten, die Empfängnis erfolge durch den Hals einer Frau.(13)

Auch wenn die Fernsehnachrichten und die großen Magazine und Zeitungen nach den Dramen immer davon sprachen, dass die Mitglieder geistig zum Stern oder Sternensystem Sirius schweben wollten, um den Weltuntergang zu entgehen, so haben nähere Recherchen ergeben, dass die Gruppe offensichtlich in verschwommenen Geschäften verwickelt war. Geheimdienste, Waffengeschäfte und nicht nachvollziehbare „Hintermänner“, die nach Professor Introvigne dem Tod entkamen, sowie scheinbar einflussreiche politische Verbindungen legen auch nahe, dass die getöteten „Sonnentempler“ nicht der wirkliche und harte Kern der Sekte waren.

Und doch scheint zumindest der Gründer Luc Jouret von einem kommenden „Wassermannzeitalters“ und dem Untergang der Erde überzeugt gewesen zu sein. So schildert es Thomas Gandow in seiner Zusammenstellung „Das Geheimnis des Sonnentempels“(14) über die Lebensstation von Jouret. So etwa verbreitete Jouret bereits 1987 in Kanada zahlreiche Weltuntergangslehren. Seine Anhänger bauten deshalb einen Atomschutzbunker auf seinem Anwesen, in dem Lebensmittel und 45 Kilogramm Schweizer Schokolade gelagert wurden. Später verkam das rettende Gemäuer zum Lagerraum und Bäckerei.

Jouret gab auch den Befehl an seine Mitglieder, sie sollen sich Waffen kaufen, was die kanadischen Behörden veranlasste, die Gruppe zu überwachen. Am 30. Juni 1993 kam es dort deshalb zu einem Gerichtsverfahren. Da aber die Mitglieder abstritten, der Gruppe überhaupt noch anzugehören, wurde das Verfahren gegen Jourets Orden eingestellt, und er selber gegen 1000 Kanadische Dollar mit einem Jahr auf Bewährung freigelassen. Er reiste daraufhin umgehend in die Schweiz. Ehemalige Sektenmitglieder sagen weiter aus, dass es normal sei, dass die Mitglieder eine Austrittsbestätigung bei sich tragen, die besagt, dass man keine Beziehung mehr zu der Gruppe habe. „In Wirklichkeit“, so heißt es, gehören diese dann aber „einen hören, streng geheimen Rang“ an.(15)

Es ist bei diesem Drama so oder so mehr als schleierhaft, wer die Hintermänner der ganzen Sekte waren und ob tatsächlich alle Gurus der Sekte unter den Toten waren. Spannend ist auch die Frage, in welchem Zusammenhang Michel Tabachnik in das Geflecht der Sekte eingebunden war. Oder sogar ist? In den zweifelhaften „Glanzzeiten“ der apokalyptischen Sekten zählte diese über 500 Mitglieder bzw. Anhänger, die vor allem in Kanada, Schweiz und Frankreich zu hause waren. Insgesamt gab es bei den Dramen vor 20 Jahren 74 Tote. Wo sind die anderen Menschen? Gibt es „Splittergruppen“ der Sekte noch heute, obwohl die Gurus auch eindeutige Betrüger waren? 2001 und 2006 kam es zu Prozessen gegen Tabachnik – noch nachweisen konnte man ihm nichts. Der damalige Untersuchungsrichter André Piller sagte in einem Interview für die Sendung „Kriminalfälle – Schweizer Verbrechen im Visier“ von Felice Zenoni („SWR“ 2013) jedoch noch 2013:

Der Michel Tabachnik hat sicher gewusst und auch formuliert, dass das Endziel von deren Sekte wird eine Reise auf Sirius sein. Ein Übergang in ein anderes Leben.“

Doch inwieweit Tabachnik über Details informiert war, dass konnten die Untersuchungen eben nicht beweisen, so Piller im Interview. Wer genau den Befehl gab, dass nun der „Transit zum Sirius“ stattfinden soll, ist bis heute unklar.

Die „Sonnentempler“ eine UFO-Sekte?

Neuapokalyptische Sekten gab es immer und wird es immer geben. Ob sich gleich alle umbringen, ist natürlich fraglich. Aber was wollten eigentlich die „Sonnentempler“ unbedingt auf dem Stern Sirius? Wieso glaubten sie, dass ein „Transit zum Sirius“ stattfinde wird, und sie als „Auserwählte“ dort ein neues Leben führen würden?

Auf Sirius selber sähe das Leben der Mitglieder erst mal schlecht aus, da es ein Stern und kein Planet ist. Doch Sirius wurde von der Sekte schon von Beginn an als etwas besonders angesehen. Dabei spielte die Mythologie der Alten Ägypter eine bedeutende Roll in den Weltanschauungen der Sekte. Auch mehrfache Reisen nach Ägypten von Mitgliedern und Gurus der „Sonnentempler“ wurden unternommen. Immer auf den Spuren der kosmischen Botschaften und des Sterns Sirius. Dieser wurde einst in Ägypten vergöttlicht und stand bei der Sekte auch als Symbol des Wandels und der Erneuerung. Das bezog sich offenbar auch auf die Mythologie der Pyramidenbauer von einst im Land am Nil. Das Erscheinen des Sterns am Himmel zeigte den Alten Ägypten an, dass bald die Nilflut kommen wird. Diese war für das eigentliche Wüstenland überlebensnotwenig für die Landwirtschaft im ganzen Reich.

Zu diesem heiligen Stern wollten also die Anhänger der Sekte reisen. Freiwillig und/oder unfreiwillig durch ihren irdischen Tod. Auch wurde von den Gurus der Sekte bestimmt, wer innerhalb des Ordens zu einem „kosmischen Paar“ zusammen sein darf. Sogar Partnerschaften wurden deshalb getrennt um die Personen dem „richtigen“ Partner zuzuführen. „Kosmische Paare“ waren auch die altägyptischen Götter Osiris und seine Frau Isis, die das Kind Horus hatten. Der Stern Sirius galt als Verkörperung der Isis (Sopdet), die eben auch als Verkörperung der Wiedergeburt oder dem Kreislauf des Lebens galt. Da erscheint es zumindest verständlicher, dass die Sekte dem Irrglauben unterlag, dass sie zum Sirius reisen werden, wenn sie diese Erde verlassen. Ob tatsächlich die Mitglieder der Gruppe aber alle wussten, dass dieser „Transit zum Sirius“ durch herbeigeführten Tod stattfindet wird, ist bis heute zweifelhaft. Zumindest sind die Gurus der Sekte als große Manipulatoren bekannt, die auch vor Lug und Trug nicht scheuten. Dass ist so oder so eine Voraussetzung eines jeden Sekten-Gurus, wie es die Geschichte zeigt.

Ob und wie die „Sonnentempler“ an UFOs und Außerirdische glaubten, ist unklar. Dass es UFO-Sekten gibt, ist keine Frage. Dass sich solche UFO-Sekten auch Weltbildern der „klassischen Religionen“ und Mythen bedienen, ist ebenso klar. Ebenfalls in der Schweiz etwa tat dies deutlich auch die Sekte „Fiat Lux“, die von Aliens und UFOs gerettet werden wollte und deren Gurus angeblich Kontakte mit Jesus & Co. pflegten. Es ist bei den „Sonnentemplern“, die in ihrem Guru ebenso Jesus sahen (zumindest behauptete er, dass er es sei) und von Gotteswesen aus der Mythologie Ägyptens sprachen, nicht eindeutig. „Gotteswesen“ gleich welcher Herkunft, ob Jesus, Buddha, Satan oder Isis, gehen im Glauben vieler UFO-Sekten jedoch nahtlos in Außerirdische über. Das zeigte oben auch das Beispiel der Gruppe um Fittkau-Garthe auf Teneriffa.

 

Obwohl mein Freund und Kollege Roland M. Horn und ich in unserem 1999 publizierten Buch mit dem unzweideutigen Titel „UFO-Sekten“ auch die „Sonnentempler“ aufnahmen – ist eine klare Verbindung zu UFOs und Aliens meines Wissens nach nicht eindeutig belegt. Auch wenn etwa Isis und Jesus natürlich keine irdischen Wesen und damit natürlich „außerirdisch“ in deren Augen waren, müssen es nicht unbedingt „UFO-Piloten“ alias Aliens in dem Sinne, wie wir alle sie uns heute vorstellen, gewesen sein …

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Fußnoten

1 Berliner Zeitung vom 9. Januar 1998
2 Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 31. Oktober 1997
3 Berliner Zeitung vom 9. Januar 1998
4 Stern Nr. 2/1996
5 Westfalen-Blatt vom 27. Dezember 1995
6 Skeptiker Nr. 3/1996, S. 114
7 Neue Züricher Zeitung vom 5. Oktober 1996, S. 39
8 Der Spiegel Nr. 1/1996
9 Stern Nr. 2/1996
10 Skeptiker Nr. 3/1996, S. 114
11 Neue Züricher Zeitung vom 7. Oktober 1994
12 Heide Fittkau-Garthe: Beweise für geplanten Gruppensuizid, in: Der Spiegel Nr. 5/1998, S. 20ff.
13 Fortean Times Nr. 79 (Febr./März 1995) und Der Spiegel Nr. 1/1996
14 http://www.thur.de/religio/dialog/195/195s25.html, bezogen am 17. Oktober 1998
15 Le Soleil, Quebec, Kanada, vom 7. April 1993

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One-Day-Meeting der "Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI" 2012 – Rückblick

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Zum ersten Mal seit 32 Jahren begrüßte Peter Fiebag bei Schneeschauern die Teilnehmer eines A.A.S.1-Day-Meetings. Über 400 Paläo-SETI-Interessierte aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, aber auch aus Luxemburg, den Niederlanden oder Estlands waren nach Dresden gekommen. In seinem kurzen Eröffnungsvortrag zeigte er am Beispiel der jüdischen Tradition des Tragens eins Tallins (Gebetsschales) und dessen Knotenschrift, wie Botschaften, die für die Paläo-SETI relevant sein könnten, in Form eines Codes bis heute weitergegeben werden.

Newcomerin Marie-Marthe Rennel und A.A.S.-“Urgestein” Wolfgang Siebenhaar nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise durch Südamerika und konnten unter anderem von einer rätselhaften Mumie berichten, die eher einem E. T. ähnelt als einem Menschen. Buchautor Alexander Knörr präsentierte eigene Forschungen über die Misqa Tanks auf Malta. Daniela Machnitzke sprach über Totenkulte und ging der Frage nach, ob der Auferstehungsglaube mit der Paläo-SETI in Bezug gebracht werden kann. Hans Dieter Gau hatte bei Reisen auf die Azoren auch dort Cart Ruts im Lavagestein entdeckt und stellte dieses Rätsel vor.

Lars A. Fischinger nach seinem Vortrag auf dem Meeting der A.A.S. 2012 in Dresden (Foto: Tatjana Ingold)

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 Es muss nicht alles so sein, es kann auch ganz anders sein. Manche Rätsel sind Scheinrätsel, manche werden zu welchen gemacht, manche aber widerstehen ziemlich hartnäckig allzu glatten Erklärungsversuchen.

(Walter-Jörg Langbein, 1993 in “Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre”)
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