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Eine UFO-Sichtung 1676 über der Toskana in Italien – aber was hatte die NASA in den 1960ger Jahren damit zu tun? (Artikel)

Im März 1676 kam es am Himmel über der Toskana in Italien zu einer "UFO-Sichtung" (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Im März 1676 kam es am Himmel über der Toskana in Italien zu einer “UFO-Sichtung” (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Die Welt der Mythen, Sagen und Legenden kennt zahlreiche Geschichten über „unbekannte Flugobjekte“ am Himmel. Die Chroniken und Aufzeichnungen der Vergangenheit sind voll mit derartigen Berichten. Nicht nur aus dem “finsteren Mittelalter” – denn zu allen Zeiten wurde Seltsames am Himmel beobachtet. So auch im Jahre 1676 über der Toskana in Italien, wo ein “stark leuchtender Körper in der Form einer Scheibe oder eines Kornsacks oder einer Garbe, aber etwas runder”, über den Himmel flog. Was aber genau war das? Und warum soll sich Mitte der 1960ger Jahre die NASA für den Original-Bericht der Sichtung interessiert und diesen über “Strohmänner” aufgekauft haben? Eine “historische UFO-Sichtung”, die viele Fragen aufwirft, wie Ihr in diesem Artikel lesen könnt.


Fremde Wesen und unbekannte Zeichen am Himmel

In Märchen oder besser gesagt im allgemeinen Volksgut des Mittelalters auchen immer wieder seltsame Wesen auf. Rätselhafte „Kreaturen“, die sich nach solchen Sagen und Legenden immer wieder den Menschen gezeigt haben sollen. Fast wie selbstverständlich waren sie Teil der Welt und existierten zusammen mit den Menschen. Allerdings in einer anderen Welt – in der Anderswelt.

Heute kennt man diese mutmaßlich verschiedenen Wesen unter ebenso verschiedenen Namen: Feen, Trolle, Elfen, Zwerge, Gnome, Kobolde, Inkubus, Sukkubus, „Engel“, Riesen, Unterirdische … um nur einige von ihnen zu nennen. Zahlreiche sehr interessante Berichte über diese Bewohner der Anderswelt wurden auf diesem Blog bereits umfangreich vorgestellt und diskutiert.

Doch die Welt der Mythen, Sagen und Legenden kennt nicht nur derartige Erscheinungen von fremden Wesen, sondern auch Geschichten über „unbekannte Flugobjekte“ am Himmel. Die Chroniken der Vergangenheit sind voll mit derartigen Berichten. Nicht nur aus dem “finsteren Mittelalter”. Es scheint fast so, als sei gäbe es kein Jahr, in dem nicht irgendwo irgendwas am Himmel von Menschen beobachtet wurde (s. dazu die Videos unten).

Viele – nicht alle! – dieser Erscheinungen am Himmel sind auch heute noch recht einfach zu interpretieren und zu erklären. Vor allem als Kometen oder „Feuerbälle aus dem All“. Also verglühende oder sogar explodierende Meteore, die man als große Sternschnuppen bezeichnen könnte. Auch heute noch sind diese Objekte aus dem All natürlich Alltag auf unserem Planeten. Jeder Hobbyastronom weiß um die Herkunft, die Ursache und die Natur dieser Feuerkugeln vom oder am Himmel.

In der Vergangenheit sah das nicht selten ganz anders aus. Obwohl schon in jahrhundertealten Chroniken klar von „Kometen“ gesprochen wird, war der Himmel voller unbekannter Erscheinungen, Wunder und böser Omen. Oftmals deute man sie fromm als von Gott gesandt, da der Allmächtige damit den Menschen eine Art Zeichen geben wollte. Gute ebenso wie schlechte.

UFOs vor Jahrhunderten

Alle diese Himmelserscheinungen lassen sich heute nicht oder nicht mehr rational und naturwissenschaftlich erklären. Entweder, da die Aufzeichnungen in den alten Chroniken und Flugblättern zu vage sind, oder aber, da sie in der Tat äußert ungewöhnlich ausgesehen haben sollen. Dieser Umstand hat schon lange auch das Interesse der UFO-Forschung an derartigen Phänomenen geweckt. Sollten hier, so fragen sich nicht wenige Mystery-Forscher, Erscheinungen gesehen worden sein, die wir heute „UFOs“ nennen? Sind in den ungezählten altertümlichen Berichten auch solche verborgen, die sich nicht durch Kometen oder riesige Sternschnuppen erklären lassen?

Viele UFO-Ermittler sind davon überzeugt. So auch Dr. Roberto Pinotti, der „italienische Erich von Däniken“, wie man ihn auch nennt. Auch Pinotti ist überzeugt, „dass Außerirdische seit Jahrtausenden die Erde besuchen und beobachten“, wie er es mir bei einem Treffen in Italien erklärte. Sie waren auch nie irgendwie „weg“, sondern haben die Menschen nie „verlassen“, so der UFO-Forscher und Gründer des „Centro UFOlogico Nazionale“ weiter.

Pinotti ist in Venedig geboren und studierte an der Universität von Florenz. Und genau dort erschien im 17. Jahrhundert ein Bericht über eine sonderbare Himmelserscheinung, die an vielen Orten Italiens gesehen worden sein soll. Autor war ein Florentiner Schirmmacher namens Francesco Barzini, „der offensichtlich schon seit vielen Jahren in Venedig lebte“, so Pinotti 1990 in seinem Buch „Ufo – Visitatore da Altrove“.

Dieser Barzini war jedoch nicht nur ein Schirmmacher sondern auch von der noch recht jungen Astronomie begeistert. Zu seinen eigenen astronomischen Beobachtungen in Florenz und später in Venedig schrieb er auch einige Abhandlungen. Er „soll der Astronom und Philosoph der friedlichen Stadt Florenz gewesen sein“, schrieb schon Francesco Inghirami 1843 in „Storia della Toscana“ (Bd. 12, S. 202f.). Ein umfangreiches Gesichtswerk in 16 Bänden mit dem „Who is who“ aus Italien.

Ein unbekanntes Objekt 1676 über Italien

Eine seiner Veröffentlichungen trägt den Titel „Ein prägnanter Bericht über ein ungewöhnliches Licht, das am Abend des 31. März 1676 in der gesamten Toskana und an vielen anderen Orten in Italien auftrat“. So heißt es in einer Passage des Werkes über diesen denkwürdigen Abend in Italien:

Am Abend des 31. März 1676 erschien im Himmel über der Toskana ein stark leuchtender Körper in der Form einer Scheibe oder eines Kornsacks oder einer Garbe, aber etwas runder, den man in weniger Zeit, als man für ein Miserere braucht, mit einer oder mehrerer Explosionen von adriatischen Meer zum Mittelmeer fliegen sah (…)“

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Was war dies für ein Objekt, nur ein Meteor? Nach dieser Beschreibung war es zumindest länglich und flog von Norden nach Süden. Begleitet von „einer oder mehreren Explosionen“, was die Sichtung durchaus sehr ungewöhnlich macht. Denn Meteore explodieren nicht mehrfach und fliegen dann weiter, wie es zumindest nach dieser Beschreibung den Anschein hat.

Eine Reihe UFO-Forscher und –Autoren haben diesen Fall von 1676 bereits diskutiert. Zum Beispiel schon 1979 Marcello Coppetti in seinem Buch „UFO: Arma Segreta“. Eine einheitliche Erklärung oder Vermutung haben die wenigsten. Und das war schon im 17. Jahrhundert der Fall, als sich Astronomen über diese Erscheinung stritten. Etwa Geminiano Montanari umfangreich in  „La fiamma volante, gran meteora veduta sopra l’Italia la sera del 31 marzo MDCLXXVI“, 1676 herausgegeben von Frederico Gonzaga. „Physikalische und astronomische Spekulationen“ wurden damals diskutiert, die von Meteoren bis sogar Erdbeben als Auslöser reichten.

Leider ist der vollständige Originalbericht von Francesco Barzini heute verloren, so Roberto Pinotti. Er habe sich in der Nationalbibliothek in Florenz befunden und sei bei der großen Überschwemmung im November 1966 für immer verloren gegangen.

Nicht aus unserem Sonnensystem?

Trotzdem fand sich eine Spur dieser alten Veröffentlichung im Katalog des Antiquariat L. Gonnelli und Söhne in Florenz. Datiert auf dem Mai 1966, so Pinotti weiter. In diesem Katalog sei zu erfahren gewesen, dass „eine amerikanische Behörde, die auch für die NASA arbeitete“, unter anderem dieses Buch von 1676 erworben habe. Dazu soll im Katalog gestanden haben:

An den Pater Astronom der ehrwürdigen Schulen von Florenz, Francesco Valiani, über die seltsamen Beobachtungen eines Himmelskörpers, der, was immer er ist, auf keinen Fall zum Sternensystem gehört.“

Merkwürdig. Und irgendwie wird hier eine Verschwörung suggeriert. Eine Verschwörung der NASA, wie es augenscheinlich herausklingt. Marcello Coppetti führte dieses Zitat vor rund 40 Jahren in seinem Buch ebenso an. Allerdings heißt der „Pater Astronom“ bei ihm „Francesco Valsini“, nicht „Valiani“ wie bei Pinotti 1990. Es gibt noch weitere kleine Unterschiede. Coppetti:

Aber die Nachrichten enden nicht dort. Die Broschüre wurde zusammen mit einer anderen an ein amerikanisches Institut in Florida verkauft, das darum bat, nicht erwähnt zu werden, und das Studien für die NASA, die amerikanische Weltraumbehörde, durchführt. Aus dem Katalog 105 vom Mai 1965 kaufte dieses Institut zwei gedruckte Blätter, die wie folgt beschrieben wurden: (…)“

Folglich kaufte dieses geheimnisvolle Institut auf eigenen Wunsch anonym. Scheinbar auch bereits im Mai 1965 bzw. der Katalog des Antiquariats (von dem hier sogar die Nummer erwähnt wird) war entsprechend datiert. Offensichtlich also ein Jahr früher, wobei die Angabe „Mai“ aber in beiden Aussagen identisch ist.

Was aber „Studien für die NASA“ sein sollen, mit denen das Institut in Florida befasst ist, bleibt rätselhaft. In Florida liegt bekanntlich der Weltraumbahnhof „John F. Kennedy Space Center“ der NASA, den man meistens schlicht nach dem angrenzenden Raketengelände der US-Air Force „Cape Canaveral“ nennt. Ein Zusammenhang wäre sicher zu konstruiert, da zahllose Institute in den USA und weltweit mit der NASA zusammenarbeiten und auch „Studien“ für diese durchführen.

Was hat die NASA damit zu tun?

Was also könnte 1676 am Himmel über Italien geflogen sein, dass die „Form einer Scheibe oder eines Kornsacks oder einer Gabe, aber etwas runder“, hatte? Tatsächlich etwas künstliches, also ein UFO im klassischen Sinn? Und hatte tatsächlich die NASA durch das mit ihr zusammenarbeitende und anonyme Institut Interesse an diesem Bericht aus dem 17. Jahrhundert?

Hier könnte man an geheime UFO-Forschungen denken, die es nachweislich auch in den USA gab. Auch von der Luftwaffe. Als die NASA angeblich den Bericht des „Toskana-UFO“ über eine anonyme Firma kaufen ließ, war es das berühmte „Project Blue Book“. Offiziell eingestellt wurde dieses UFO-Forschungsprojekt 1969 und kann heute online eingesehen werden. Darin keine Spur von dem Vorfall aus Italien oder überhaupt ähnliche mutmaßlicher UFO-Sichtungen vergangener Jahrhunderte.

Das gilt auch für den UFO-Bericht „Scientific Study Of Unidentified Flying Objects“ von Dr. Edward U. Condon und Walter Sullivan aus dem Jahr 1968. Eine Untersuchung der US-Luftwaffe in Zusammenarbeit mit der Universität Colorado, der heute nach dem Herausgeber als „Condon Report“ bekannt und berühmt ist.

In diesem sehr umfangreichen UFO-Report wurde damals jedoch sehr wohl auch das Thema „UFOs in der Geschichte“ behandelt. Und zwar in einem ganzen Kapitel von Samuel Rosenberg, der „biblische UFOs“ genauso darlegt wie entsprechende alte Berichte aus Indien oder Ägypten. In seiner Auflistung von „Antiken UFO-Berichten“ von 213 vor Christus bis 1879 ist dabei kein Beispiel aus dem Jahr 1676 aus Italien genannt.

Die Mutmaßung, dass die NASA oder vielleicht die US-Air Force alte „UFO-Berichte“ sammelte, bleibt also für diesen Fall Spekulation.

Zumal man bedenken muss, dass es unzählige derartige Berichte in den alten Aufzeichnungen gibt, wie eingangs geschildert. Würden diese im Geheimen gesammelt und sogar aufgekauft werden, wie es die Geschichte mit dem Antiquariat-Katalog anzudeuten scheint, wüsste man davon. Denn wenn massenhaft jahrhundertealte Chroniken und Berichte mit solchen Inhalten „aus dem Verkehr gezogen“ werden, bliebe das nicht unbemerkt …

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 28. April 2019 auf Fischinger-Online

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Video vom 24. März 2019 auf Fischinger-Online

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Video vom 31. Juli 2018 auf Fischinger-Online

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Lars A. Fischinger

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Die Arche Noah: Eine Pyramide aus Stein? Eine rätselhafte Kirchendarstellung von 1425 in Italien +++ YouTube-Video +++

Die Arche Noah ... war eine Pyramide? (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Die Arche Noah … war sie eine Pyramide? (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Die biblische Sintflut und die Arche Noah gehören zu den klassischen Erzählungen der Bibel. Ein Mythos, der weltweit Parallelen hat und Generationen von Bibellesern, Künstlern, Mystery-Jägern und Gläubigen in ihren Bann zog. Gerade weil bis heute Fakt und Fiktion hinter dieser Menschheitsüberlieferung schwer zu unterscheiden sind, fasziniert diese immer wieder. Ein rund 150 Meter langes Schiff sei laut Altem Testament die Arche gewesen und diente als Rettungsboot während der Sintflut. Unzählige Künstler haben in den letzten Jahrtausenden dieses Schiff des Noah teils sehr fantasievoll abgebildet. Doch eine ca. 600 Jahre alte Darstellung der Arche hebt sich von allen anderen ab und zeigt sie als Pyramide aus Stein, wie Ihr es in diesem Video auf YouTube erfahren werdet!


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Eigentlich ist die Sachlage in Bezug auf die Arche Noah im 2. Buch Moses eindeutig:

Rund 150 Meter lang, 25 Meter breit und 15 Meter hoch sei das Schiff laut Altem Testament gewesen. Es wurde aus Holz gefertigt und diente der Menschheit – den acht Mitgliedern der Familie Noah – als Rettungsboot vor der Wut Gottes.

Eben vor der vom “Herrn” geschickten Sintflut zu Vernichtung von Mensch und Tier (und vor allen der Riesen).

Im Jahr 1425 sah das ein frommer Künstler in Florenz ganz anders: Er stellte auf einer Bronze-Darstellung die mysteriöse Arche Noah als “klassische” und gemauerte Pyramide dar, aus der nach der Flut die Überlebenden traten.

Warum das?

Bleibt neugierig …

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Lars A. Fischinger

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Corona: Große Sonderausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte” wird auf 2021 verschoben (+ Videos)

Corona: Große Ausstellung "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte" wird auf 2021 verschoben (Bilder: gemeinfrei/PixaBay / Montage: Fischinger-Online)
Corona: Große Ausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte” wird auf 2021 verschoben (Bilder: gemeinfrei/PixaBay / Montage: Fischinger-Online)

Die 1999 auf dem “Mittelberg” nahe des Ortes Nebra in Sachsen-Anhalt gefundene “Himmelsscheibe von Nebra” gehört mit ihren mindestens 3.700 Jahren zu einem der bedeutendsten Funde der Archäologie. Nach dem das durch Raubgräber gefundene Artefakt 2002 in den Besitz der Landesarchäologie von Sachen-Anhalt in Halle überging, ist es Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, Debatten und Forschungen. Und auch Herzstück diverser Ausstellungen. Doch jetzt gab das “Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt “bekannt, dass die geplante Sonderausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte” für 2020 abgesagt wurde. Grund sei das Corona-Virus (COVID-19). Auch der weitere Verlauf einer Ausstellungsplanung in Kooperation mit dem Britischen Museum in London sei ungewiss. Alle Einzelheiten erfahrt Ihr hier.


Sonderausstellung zur “Himmelsscheibe von Nebra”

Am 20. November 2020 sollte feierlich die Ausstellung “Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte”  im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) eröffnet werden. Geplant war sie bis zum 16. Mai 2021. Danach sollte die “Himmelsscheibe” im Britischen Museum in London ausgestellt werden, wie es bereits 2019 ausgehandelt wurde.

Als Gegenleistung sollten wertvolle Artefakte und Ausstellungsstücke des berühmten Londoner Museums nach Deutschland kommen und in Halle gezeigt werden. Zu der seit Jahren gelpanten Sonderausstellung heißt es vom “Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie”:

Wir präsentieren die Ergebnisse der Forschungen rund um die Himmelsscheibe der vergangenen 20 Jahre, in einer einzigartigen Verknüpfung von Naturwissenschaft, Archäologie, Gesellschaftstheorie und Kunst.

Neue Funde und Befunde aus Sachsen-Anhalt werden durch hochrangige Objekte von über 50 Leihgebern aus dem In- und Ausland (wie zum Beispiel dem goldenen Cape von Mold oder dem Goldhut von Schifferstadt) ergänzt und in bewährt exklusiver Gestaltung in Szene gesetzt. Den roten Faden bildet die zeitliche Ordnung des archäologischen Kulturguts vom Ende der Steinzeit bis in die mittlere Bronzezeit, etwa 1.400 Jahre Menschheitsgeschichte.

Eine mehr als lohnende Ausstellung für alle an der Archäologie und der Geschichte unserer Vorfahren interessierten Menschen. Schwerpunkte sollen “das Ende der Steinzeit”, die “Himmelsscheibe” an sich sowie die Handesnetze und -Wege unserer damaligen Vorfahren sein. Ein Fernhandel von Zinn, Gold, Kupfer und Bernstein über tausende Kilometer, der von Skandinavien über Deutschland bis Mesopotamien und Ägypten reichte.

Damit einher ging der Austausch von Ideen, Weltanschauungen und religiösen oder spirituellen Vorstellungen, die sich zum Teil auch auf der “Himmelsscheibe von Nebra” niederschlugen.

Corona-Absage der “Himmelsscheiben-Ausstellung” für dieses Jahr

Daraus wird nun leider vorerst nichts, wie die Archäologen aus Halle mitteilten. Schuld ist auch hier das Corona-Virus, dass bereits die archäologische Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Halle an der “Kreisgrabenanlage von Pömmelte” nahe Magdeburg behindert. Dem 115 Meter großen “Stonehenge von Deutschland”, wie in diesem Beitrag HIER Anfang April berichtet.

So sahen sich die Verantwortlichen dazu gezwungen die Sonderausstellung der “Himmelsscheibe” und anderer Funde in Halle auf das kommende Jahr zu verschieben. Sie soll nach den derzeitigen Plänen Ende Mai oder Anfang Juni 2021 eröffnet werden und bis zum Januar 2022 gehen. In einer Pressemitteilung vom 22. April hieß es zu dieser Entscheidung:

Angesichts der Tatsache, dass vielerorts Großveranstaltungen bis weit in den Herbst hinein abgesagt werden müssen, hat sich das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle in enger Abstimmung mit seinen Partnermuseen entschlossen, die große Landesausstellung zur Erforschung der Himmelsscheibe von Nebra zu verschieben.

Bei dem zu erwartenden starken öffentlichen Interesse an der Schau ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar, inwieweit die notwendigen Sicherheitsbestimmungen Einschränkungen für die Besucher erfordern würden.

Zudem erschwert der international wie national stark eingeschränkte Personen- und Warenverkehr derzeit auch die für eine Ausstellung nötige Logistik erheblich. Momentan ist die rechtzeitige Verfügbarkeit vieler herausragender Ausstellungsexponate nicht zu gewährleisten. Hier sind insbesondere die zahlreichen Leihgaben aus verschiedenen Museen des Vereinigten Königreiches, Italiens und Frankreichs zu nennen. Sie bieten einen umfassenden und einzigartigen Einblick in die Welt der Himmelsscheibe von Nebra vor über 3.600 Jahren – mit Fundstücken, die teilweise noch nie in Deutschland zu sehen waren.

Ein notwendiger Schritt, denn was nützt eine Sonderausstellung, bei der die Exponate nicht gezeigt werden können, oder die keiner besuchen kann?

Video-Auswahl zum Thema auf YouTube

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Video vom 26. Feb. 2019 auf Fischinger-Online

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Video vom 28. Aug. 2019 auf Fischinger-Online

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Video vom 23. Sep. 2019 auf Fischinger-Online

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Der Schleier von Manoppello: Das “Jesus-Foto” und was das ZDF (passend zu Ostern) 2007 unterschlug (Artikel)

Das Jesus-Foto und was das ZDF seinen Zuschauern unterschlug! (Bild: Fischinger-Online)
Das “Jesus-Foto” von Manoppello und was das ZDF seinen Zuschauern 2007 unterschlug! (Bild: Fischinger-Online/Archiv)

Dass man nicht alles glauben soll, was das Fernsehen den Zuschauern präsentiert, dürfte kein Geheimnis sein. Der Übergang von bewusster Manipulation, dem “verschweigen” oder “vergessen” von Fakten und Meinungen und kleinen und großen Irrtümern dürfte dabei wohl fließend sein. Das gilt prinzipiell für alle Medien. Und es galt auch schon lange bevor Bezeichnungen wie “Lügenpresse” oder “Lückenpresse” scheinbar salonfähig wurden. So wie Ostern 2007, als das ZDF passend zum höchsten Fest der Christen eine Dokumentation über eine Tuchreliquie in Italien sendete. Dem “Schleier von Manoppello“, den einige als “Jesus-Foto” bezeichnen. Angeblich zeige es das Abbild von Jesus Christus und gilt unter Gläubigen als “nicht von Menschenhand” gemacht. Für andere ist es ein frommer Schwindel. Und genau diese Vermutung wurde damals auch im ZDF verbreitet. Wie Ihr in diesem Artikel erfahren werdet, wurde in der TV-Dokumentation allerdings das ein oder anderer “vergessen” …


Das “Jesus-Foto” von Manoppello

Anfang Dezember 2007 übergab ich auf Einladung des Vatikan Papst Benedikt XVI. persönlich mein Buch „Das Wunder von Guadalupe“. Darin befasse ich mich umfassend mit dem „Wundertuch“ von Guadalupe in Mexiko und seiner Geschichte seit 1531, über das Ihr HIER mehr erfahren könnt.

Doch ein Kapitel darin widmete ich einer ganz anderen Tuch-Reliquie, die angeblich ebenfalls „nicht von Menschenhand“ stammen soll: Dem Schleier von Manoppello in Italien, östlich von Rom. Es ist das angebliche „Schweißtuch Jesus Christus“ oder sogar die heilige „Veronika“, die im Vatikan gestohlen worden sein soll. Medienwirksam wird es auch als „Das Jesus-Foto“ bezeichnet.

Ein christlicher Gegenstand, der nach katholischer Tradition von Jesus Christus selber stammen soll. Im Vergleich zum weltberühmten Turiner Grabtuch ist das „Schweißtuch von Manoppello“ aber kaum jemanden bekannt. Außerhalb der Gläubigen oder einiger Mystery-Forscher haben selbst die wenigsten Christen oder Katholiken jemals von dieser Reliquie gehört.

Aber, um dies vorweg klar zu betonen, eindeutige Beweise, dass es “echt” und damit von Jesus vor 2.000 Jahren stammt, gibt es nicht. Nicht anders als beim Grabtuch von Turin und den zahllosen anderen Objekten dieser Art in der christlichen Welt!

Papst Benedikt beim “Jesus-Foto”

Das Tuch befindet sich in einer Kapelle in dem Dorf Manoppello in den Abruzzen in Italien, rund 130 Kilometer östlich von Rom. Die fragliche Reliquie ist sehr klein, nur etwa 17,5 mal 24 Zentimeter groß, und war sehr lange unbekannt.

Erst im September 2006 wurde es weiteren Kreisen bekannt, als Papst Benedikt XVI. – den zahlreichen Kritikern zum Trotz – Manoppello und die Reliquie persönlich besuchte. „Angezogen vom Glanz Deines ersehnten und verborgenen Angesichts“, so begann der Papst sein Gebet am Bildnis am 1. September 2006.

Vor allem für die Gläubigen vor Ort in Manoppello war das ein Highlight. “Und jetzt kommt der Papst”, schrieb beispielsweise im Vorfeld des Besuches die “Berliner Morgenpost am 27. August 2006. Und Armin Schwibach berichtete in “Die Tagespost” am 27. Juli 2006 von dem Tuch als “eine verehrungswürdige Ikone ungewisser Herkunft”.

Ob diese Ehrung der Reliquie durch den persönlichen Besuch des damaligen Papstes gerechtfertigt war, ist bis heute Streitthema unter den Christen. Immerhin, so kritische Katholiken, seit die Tuch-Reliquie durch den Papst-Besuch natürlich nicht anerkannt worden. Es war eher so was wie ein Antrittsbesuch bei einem verehrten Bildnis von Jesus, wie es so viele in der Welt des Glaubens gibt. Im Vatikan habe schließlich auch niemand das Tuch als Wunder des Himmels oder von Jesus selbst für die Christen “freigegeben” …

Das Heilige Gesicht von Jesus

Heute hängt das Tuch aus extrem seltener und schwer herzustellender Muschelseide in der Kapelle in einem prunkvollen Rahmen für die Besucher. Es wird schlicht als „Volto Santo“ oder in Deutsch als das „Heiliges Gesicht“ bezeichnet. Das Gesicht von Jesus Christus am Tage seiner Kreuzigung, so der fromme Glaube.

Dies sagt schon alles über das Tuch aus: Es zeigt aus der Ferne nur unscheinbare Schatten. Doch nährt man sich dem prachtvoll verzierten Bilderrahmen mit der Krone obenauf, erkennt man sehr schnell ein klares, farbiges und deutliches Gesicht eines Mannes auf dem sehr dünnen Stoff. Unvermittelt bekommt der Betrachter den Eindruck, dieses Antlitz zeigt Jesus Christus. Es ähnelt im starken Maß all den unzähligen Jesus-Bildern, die wir heute aus der Vergangenheit kennen.

Längst ist es gleichgültig, worauf und wie genau ein Künstler Jesus malte oder abbildete: Die Menschen erkennen sofort, wer da zu sehen sein soll. Sein Gesicht, oder besser: sein vermeintliches Portrait, hat sich seit Jahrhunderten in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit eingebrannt.

Was zeigt der Schleier von Manoppello?

Die Augen des abgebildeten Mannes sind offen. Auch der Mund steht leicht offen und man kann sogar Zähne erkennen. Er hat langes Haar, einen dünnen Bart und blickt irgendwie teilnahmslos auf den Betrachter. Mit nur etwas gutem Willen kann man in dem Antlitz durchaus einen leidenden und geschundenen Menschen erkennen.

Das Bildnis wirkt weder gestickt noch gemalt.

Und tatsächlich haben Untersuchungen bei diesem angeblichen Schweißtuch keinerlei Spuren irgendwelcher Farben gefunden. Professor Vittori von der Universität in Bari und der Professor Fanti von der Universität Bologna haben zumindest bei ihren Untersuchungen mit dem Mikroskop keinerlei entsprechende Spuren auf dem Abbild entdecken können.

Wohl aber fanden sie in den Pupillen schwarze Stellen, als seien diese durch Hitzeeinwirkung irgendwie angesengt worden. Und das alles, obwohl das Bild, ganz anders als das Turiner Grabtuch, farbig ist und plastisch ist. Pinselstriche sind ebenso nicht vorhanden, wie andere Zeichen einer Malerei, so Fanti und Bari nach ihen Analysen.

Das Bild selber ist erstaunlicherweise durchsichtig, was bei einer “normalen Malerei” kaum möglich wäre. Ursache hierfür ist vor allem das Material des Tuches. Überall hat das sehr feine seidenartige Gewebe dieselbe Durchsichtigkeit. So kann der Betrachter auch von beiden Seiten das Bildnisses des Mannes auf dem Stoff sehen. Dabei ist es erstaunlich, dass beide Seiten sich geringfügig unterscheiden.

Keine Spuren in der Bibel

Das seltsame Tuch aus Italien soll, so die Gerüchte, das legendäre „Schweißtuch der Veronika“ sein. Es wird eigentlich bis heute im „Veronika-Pfeiler“ hinten links in Petersdom im Vatikan verwahrt.

Nach einer christlichen Legende hat die heilige Veronika dem gepeinigten und mit dem Kreuz beladenen Jesus Christus ihr Schweißtuch gereicht, als dieser auf seinen Weg zur Kreuzigung unter der Last stürzte. Jesus wusch sich damit sein Gesicht ab und auf wundersame Weise sei daraufhin auf Veronikas Tuch das Bildnis des Messias entstanden. In der Bibel steht diese Geschichte nicht.

Doch der Vatikan zeigt jedes Jahr ein „Schweißtuch der Veronika“ für wenige Sekunden dem gläubigen Volk. Laut Vatikan ist also das Tuch der Veronika noch immer im Besitz der Kirche in Rom.

Dennoch hat die Geschichte beim Leidensweg Christi ihren festen Platz mit der Nummer VI. Besucht man Kirchen mit wachem Auge, ist in zahllosen Gotteshäusern dieser Leidensweg mit den einzelnen Stationen bildlich auf die eine oder andere Art dargestellt. Station sechs zeigt dabei immer die Legender um Veronika, ihr Tuch und Jesus. Meist mit dem Abbild Christi darauf. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass kein einziges Worte darüber im Neuen Testament zu finden ist.

Für Gläubige kein Problem. In Jerusalem besuchte ich bei Recherchen sogar das angebliche Wohnhaus der Veronika auf der Via Dolorosa. Heute eine französische Veronikakirche und natürlich die sechste Station des angeblichen Kreuzweges Jesu. Ob dies Frau überhaupt jemals lebte und in diesem Gebäude wohnte, weiß niemand.

Alles nur ein Irrtum, ein frommes Märchen? Woher stammt dann der Schleier? Es gab bisher auch keine Altersbestimmung des Schweißtuches, wie etwa mit der C14-Methode. Das Alter ist demnach vollkommen unbekannt. Kirchenkritiker könnten skeptisch einwenden, dass der Vatikan überhaupt kein Interesse an einer Datierung der Reliquie habe. Wohlweislich, dass das Ergebnis nicht ein alter von rund 2.000 Jahren ergeben würde.

Ganz Unrecht haben diese kritischen Stimmen dabei mit Sicherheit nicht.

Von einem “Engel” gebracht

Doch wie kam das verehrte Stück Tuch in das Kloster in dem kleinen italienischen Städtchen? Auch das soll ein Wunder gewesen sein. Und auch das ist eine Legende:

Im Jahre 1506 hielt sich der Physiker und Kunstkenner Dr. Giacomo Antonio Leonelli auf dem Vorplatz der Kirche von Manoppello auf. Plötzlich trat ihm ein fremder Mann gegenüber und sprach ihn an. In den Händen hielt er ein sorgsam verpacktes Bündel und überreichte es Leonelli. Der Fremde unterstrich mit deutlichen Worten den Umstand, dass er etwas sehr wertvolles und überaus Heiliges in den Händen halte. Es soll sicher verwahrt und verehrt werden, darum übergebe er es Leonelli in Manoppello.

Neugierig packte Leonelli das seltsame Geschenk aus und hielt das Tuch mit dem Antlitz eines Mannes in den Händen. Doch kaum, als er fragen wollte, was es mit dem Bildnis auf sich habe und wen es zeige, war der Fremde wieder verschwunden. Die Suche nach dem Überbringer blieb erfolglos und die Legende weiß zu berichten, dass es möglicherweise ein Engel war, der das Tuch überreicht hat …

Das Schweißtuch Christi blieb im Besitz Leonellis und seiner Nachfahren für rund 100 Jahre. Dann brauchte eine gewisse Maria Leonelli im Jahr 1620 dringend Geld, um ihren Mann aus dem Gefängnis von Chieti frei zukaufen.

Für vier Skudi veräußerte sie den kostbaren Familienbesitz an einem gewissen Dr. Donato Antonio de Fabritijs. Dieser behielt das Tuch bis ins Jahr 1638 und schenkte es dann den Mönchen vom Orden der Kapuziner. Kapuzinerpater Clemente da Castelvecchio stutzte den ausgefransten Rand des Tuches in dem er die Rändern abschnitt, lies es 1646 einrahmen und hinter Glas geschützt in der Kirche aufstellen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Das Schweißtuch hat demnach erst eine 500 Jahre andauernde Geschichte vorzuweisen. Vor dem Jahr 1506 gibt es keine offiziellen Spuren des Heiligtums. Wie bei so vielen – eigentlich so gut wie allen – Reliquien.

Das Antlitz Jesus Christus?

Die Ordensschwester Blandina Schlömer ist sicher, dass das Tuch in Manoppello und das Grabtuch von Turin nicht nur authentisch sind, sondern sogar ein und denselben Ursprung haben: Jesus Christus. Nach umfangreichen Analysen teilt auch Dr. Markus van den Hövel, Autor einer Reihe Bücher zu dieser Reliquie, diese Idee: „Wer Manoppello verstehen will, muss Turin verstehen.“

Schlömer stellte schon vor Jahren zahlreiche Vergleiche des Gesichtes auf dem Grabtuch und auf dem Schweißtuch an und ist sicher, dass beide ein und denselben Mann zeigen. Schwester Blandina, die in Manoppello selber wohnt und seit Ende 2009 Ehrenbürger ist, berichtete mir in einem Gespräch 2006 auch, dass sie ihrer Sache sehr sicher sei. Die Übereinstimmungen der Tücher seien einfach zu deutlich.

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Die biblische Überlieferung im Evangelium des Johannes (20,1ff.) berichtet davon. Zumindest lässt das Neue Testament hier Spielraum für Spekulationen, die vor allem auch das Turiner Grabtuch mit einschließen.

Bei Johannes heißt es unter der Überschrift „Das leere Grab“, dass Maria von Magdala in den frühen Morgenstunden als erste an das Grab Jesus gekommen sein. Sofort sah die, dass der Sperrstein weg gerollt wurde und das Grab selber leer war. Eilig lief sie zu den Jüngern Jesus und berichtete ihnen ihre Entdeckung. Petrus und ein namentlich nicht genannter zweiter Jünger machten sich daraufhin auf den Weg, um sich das selber anzusehen. Der „andere Jünger“ kam als erster an das Grab und sah „die Binden daliegen“, ging aber nicht hinein. Erst Petrus wagte es das Grab zu betreten.

Im Neuen Testament heißt es dazu:

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.“ (Joh. 20,6-8)

Von irgendwelchen Abbildungen des Messias auf den Leichentüchern ist in der Bibel mit keinem Wort die Rede. Es war jedoch Sitte bei jüdischen Begräbnissen – und Jesus war natürlich Jude – den Körper einzuwickeln und das Gesicht mit einem Tuch zu bedecken. So etwa heißt es bei Johannes 19,40:

Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

Auch die berühmte Geschichte der Erweckung des Lazarus von den Toten (zum Beispiel Johannes 11,44) enthält ein solches Detail. Waren solche Aussagen Ansporn für mittelalterliche Fälscher Schweißtücher wie auch das Grabtuch von Turin zu fälschen?

Der “Moment der Wahrheit” am ZDF

Pater Professor Dr. Heinrich Pfeiffer und Schwester Blandina Schlömer sind nach ihren Forschungen sicher hier authentische Zeugen der Passion Christi vorliegen zu haben. Fakt bleibt, dass die Bibel im Neuen Testament erzählt, dass im leeren Grab Jesus zwei Tücher gefunden wurden. Die Bibel spricht im Johannes-Evangelium (20,7) deutlich von einem „Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte“. Folglich lagen zwei Tücher über den Kopf des Gekreuzigten.

Das Manopello-Tuch unterscheidet sich dabei erheblich vom Turiner Grableinen. Es ist farbig, prachtvoll und klar erkennbar. Und vor allem ist es im Vergleich bis heute wesentlich unbekannter. Das schien der TV-Sender ZDF zu Ostern 2007 mit einer Dokumentation ändern zu wollen. Passend zum Fest der Auferstehung Jesus für die Christen.

Am Karfreitag den 6. April 2007 zur besten Sendezeit berichtete das ZDF in einer einstündigen Berichterstattung von neuen Untersuchungen des Bildes in Italien. Ergebnis der sensationell und aufwändig gestalteten Sendung: Das Tuch von Manoppello ist ein Schwindel und wurde gemalt! So wurde erst am Ende der Sendung von einer Untersuchung am 25. Januar 2007 berichtet. Als „der Moment der Wahrheit“ wurden dabei den Zuschauern diese Ergebnisse präsentiert – und der Mythos des Schleiers angeblich entzaubert.

Die Sendung war plötzlich zu ende, nachdem man festgestellt haben will, das Farbe auf dem Bildnis ist. Niemand kam mehr zu Wort.

War das alles so die Wahrheit, die das ZDF einem großen Publikum präsentierte? Nein – war sie nicht.

Zweifel am ZDF-Bericht

Professor Giulio Fanti aus Padua habe bewiesen, so die Kernaussage der Sendung, dass das Bild ein Gemälde ist. Das war aber irreführend, denn Professor Fanti zweifelte selber daran, dass das Bild gemalt wurde.

Die gefundenen Farben bzw. Hinweise auf Farbpikmente, könnten „von einem mittelalterlichen Maler hinzugefügt worden sein“, so Fanti. Er stellt selber klar, „dass ich der Idee, das Bild könnte übernatürlichen Ursprungs sein, positiv gegenüberstehe.“ Weiter stellte er deutlich fest, dass das extrem fein gewebte Gewebe leere Zwischenräume zwischen den winzigen Fäden habe. Es sind keine Farbverlaufspuren in den Gewebe-Zwischenräumen zu sehen. Nur einen Tag nach der “ZDF-Untersuchung” betonte Fanti bei einem Vortrag in Padua erneut, dass das Tuch „nicht von Menschenhand“ gemacht worden ist.

Diese Aussagen ihres Hauptuntersuchers vom 25. Januar 2007 verschweigt das ZDF komplett. Ebenso, dass Schwester Blandina anregte, die rein visuell entdeckten mutmaßlichen Farbpigmente naturwissenschaftlich zu analysieren. Es folgten eine Reihe böser und kritischer Briefe an das ZDF. Der Kunsthistoriker Professor Pfeiffer beispielsweise schrieb Dr. Helmut Pflüger, der am 27. April 2007 in einem umfangreichen Leserbrief die ZDF-Sendung kritisierte, am 8. Mai 2007:

Es ist noch schlimmer als Sie denken, das ZDF hat Professor Fanti Dinge in den Mund gelegt, die er nie gesagt hat. (…)

Von Malerei hat er nie gesprochen und hält das Christusbild eindeutig für ein acheiropíetos (nicht von Menschenhand, Anm. LAF). (…)Unglücklicherweise hat er von ,Pigmenten’ gesprochen und meinte damit jeden mikroskopisch kleinen Partikel, der auf den Fäden zu finden ist. Niemand vom Fernsehen, der beim Minikongress in Manoppello dabei war, verstand genügend Italienisch.

So konnten kühn falsche Behauptungen aufgestellt und falsche Schlussfolgerungen gezogen werden.

Pfeiffer, der unter anderem als Berater für die “Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche” tätig ist, war mit seiner Kritik damals nicht allein.

Am 30. April 2007 wurde das Bild erneut umfassend untersucht. Da war die Dokumentation des ZDF natürlich längst abgedreht und gesendet worden. Sie bestätigten jedoch die ersten Analysen über die unklare “Natur” des Tuches von Manoppello.

Weitere Untersuchen

Durchgeführt hatte die zweite Untersuchung der Chemiker Professor Pietro Baraldi von der Universität Modena. Unter anderem mit einem „Raman“-Mikroskop für spektroskopische Untersuchungen der Tuchoberflächen. Damit können Material- und Substanzanalysen anhand der vorkommenden Moleküle ermittelt werden. Das Ergebnis, das zum Beispiel auf antlitz-chrtisti.de und in dem Magazin „Veronica“ (Nr. 1/2008) veröffentlicht wurde, war diesmal, dass überhaupt keine bekannten Farbsubstanzen nachzuweisen sind. Das Spektrum zeigte nur Eiweiß an, da Muschelseide selber aus Eiweiß besteht.

Entweder sind die Farben im Laufe der Jahrhunderte „verschwunden“ (verblasst), so Professor Baraldi abschließend, oder sie liegen „unterhalb des für seine Identifizierung mit dieser Technik notwendigen Minimums“. Das Bild bleibt also auch der irreführenden und unvollständigen Dokumentation des ZDF von Ostern 2007 bisher ein Rätsel. „Es handelt sich um ein anderes, bisher nicht geklärtes Phänomen“, notierte Schwester Blandina am 30. April 2007 nach den neuen Untersuchungen in ihr Tagebuch.

Erstaunliches wurde aber über das Material selber dabei herausgefunden. Üblicherweise wird angenommen, dass es aus extrem feiner und dünner Muschelseide besteht, wie es auch der Name “Muschelseidentuch” besagt. Die Analysen zeigten allerdings, dass das Gewebe noch erheblich feiner war, als man bisher dachte (“Heritage”, Nr.  1/2018, 25. Oktober 2018). Fäden aus Muschelseite sind etwa 0,2 bis 0,3 Millimeter stark, doch das Material des Schleiers von Manoppello wie eine durchschnittlich Stärke von nur 0,12 Millimeter auf.

Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt 0,05 bis 0,08 Millimeter stark.

Dass die Reliquie von Manoppello eine fromme Fälschung und damit gemalt wurde, ist reine Spekulationen. Es könnte sein, der Beweis steht aber noch aus. Es ist gleichzeitig aber ebenso spekulativ, dass es 2.000 Jahre als ist und von Jesus stammt!

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen zum Teil erhebliche Abweichungen bei Radiokarbondatierungen nach

Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen Abweichungen der Radiokarbondatierungen nach - die erheblich sein können (Bilder: PixaBay/gemeinfrei/Fischinger / Montage: Fischinger-Online)
Wie genau ist die C14-Datierung? Wissenschaftler weisen Abweichungen der Radiokarbondatierungen nach – die erheblich sein können (Bilder: PixaBay/gemeinfrei/Fischinger / Montage: Fischinger-Online)

Die Radiokarbondatierung, auch C14-Datierung genannt, ist eine “Allzweckwaffe” für all jene, die das Alter von organischen Material bestimmen wollen. Vor allem sind das natürlich Archäologen, die mittels C14-Analysen von kohlenstoffhaltigen Funden wie Holz oder Knochen deren Alter ermitteln. Wie alle Datierungen hat aber auch C14 seine Fehler und Grenzen. Und diese sind in der Wissenschaft durchaus bekannt. Doch wie stark Radiokarbondatierungen von archäologischen Funden von anderen zeitlichen Einordnungen abweichen können, zeigt jetzt ein neue Studie. Und diese Abweichungen haben durchaus einen großen Einfluss auf die Geschichtsschreibung der frühen Hochkulturen, wie Ihr in diesem Beitrag erfahrt.


Die Radiokarbondatierungen (C14)

Archäologen bedienen sich bei ihrer Arbeit verschiedensten Methoden, um einen Fund oder ein Artefakt in einen zeitlichen Rahmen einzuordnen. Neben dem jeweiligen Fundkontext sind das unter anderem auch schriftliche Zeugnisse und Aufzeichnungen aus der Vergangenheit.

Zu diesen Methoden kam rund 70 Jahren die Naturwissenschaft mit der Radiokarbondatierung, die man allgemein auch C14-Datierung nennt. Entwickelt wurde sie schon 1946 von dem Chemiker und Physiker Willard Libby in den USA, der dafür 14 Jahren den Nobelpreis für Chemie bekam. Seit dem ist die C14-Datierung eine „Allzweckwaffe“ der Archäologie und anderer Untersuchungen.

Mit dieser Datierungsmethode wird der radioaktive Zerfall der C14-Atome in kohlenstoffhaltigen Material gemessen. Vor allem natürlich in organischen Material wie Holz oder Holzkohle, Knochen oder Pflanzenresten. Diese neben zu Lebzeiten das natürlich zerfallende C14 aus der Atmosphäre auf und reichen es so immer wieder neu an. Sterben diese, endet auch die natürliche Aufnahme und damit die Erneuerung von C14 des Organismus. Es zerfällt immer weiter innerhalb des Materials bzw. der Lebewesen, was mittels der Radiokarbondatierung gemessen werden kann.

Die bekannte „Halbwertzeit“ beträgt im Fall von C14 exakt 5.730 Jahre (+/- 40 Jahre). Zum Vergleich: Das Iod 131-Isotop hat eine Halbwertzeit von nur 8 Tagen – Tellur 128 benötigt unfassbare 7 Quadrillionen Jahre. Weit länger als das Universum überhaupt alt ist …

Anhand der Bestimmung des C14-Zerfalls einer Probe kann so der Forscher im Labor bestimmen, wann die natürliche C14-Aufnahme dieser stoppte. Also, wann das „Objekt“ gestorben ist. Entdeckt irgendwo auf der Welt ein emsiger Archäologe menschliche Überreste in einem Grab, kann so anhand der Knochen das Alter dieser Reste ermittelt werden.

Vorausgesetzt, dass die organische Probe sachgemäß gewonnen, verpackt und analysiert wurde. Das heißt, dass sie nicht im Nachhinein durch äußere Einflüsse kontaminiert wurde.

Allzweckwaffe C14-Datierung

Denn das ist immer wieder ein Kritikpunkt bei der längst bewährten C14-Datierung. Nicht nur dann, wenn ein ermitteltes Alter eines Objektes nicht den Erwartungen entspricht. Das Grabtuch von Turin, das viele Menschen für das Leichentuch Jesus Christus halten, ist dabei wohl das bekannteste Beispiel. Auch diese heilige Reliquie wurde 1988 mittels C14 datiert.

Heraus kam nach der Analyse der Proben, dass das Turiner Grabtuch im Mittelalter entstanden sein muss. Also ist es zumindest nach dieser Datierung eindeutig eine Fälschung. Für viele Gläubige und Grabtuch-Forscher ein Schock. Sie vermuten – nicht ganz zu Unrecht – eine Kontaminierung der Proben, weshalb die Diskussion um das Leichentuch Christi bis heute hitzig geführt wird (s. a. HIER, HIER , HIER & Video HIER).

Natürlich zweifeln verschiedene Seiten immer wieder an der Genauigkeit der C14-Analysen. Aus den unterschiedlichsten Gründen und nicht nur aus religiösen Motiven, wie beim Turiner Grabtuch. Vielfach wird diese wissenschaftliche Methode sogar komplett abgelehnt. Und zwar wird sie vor allem in der Grenzwissenschaft oder „alternativen Geschichtsschreibung“ gerne „verteufelt“.

Natürlich nicht immer und grundsätzlich, doch lässt sich diese Ablehnung nicht selten erkennen. Dabei ist der Kern der Kritik von dieser Seite praktisch immer gleich. Gräbt ein Archäologe irgendwo nahe, bei oder sogar direkt unter einer uralten Stätte ein mittels C14 datierbares Objekt aus, sagt deren Alter nichts über das „wahre Alter“ der jeweiligen Stätte. So das Hauptargument der Kritik innerhalb der „alternativen Historiker“.

Bekannte Beispiele sind die Pyramiden von Gizeh (die bereits mehrfach mittels C14 datiert wurden), die Ruinenstätte von Tiahuanaco und Puma Punku in Bolivien, Stonehenge und andere Anlagen der Megalithkultur, Baalbek im Libanon oder auch Bauten der Inka in Peru.

Bei den Ruinen von Göbekli Tepe in Anatolien hingegen, die ganz offiziell mit C14 auf ein sensationelles Alter bis zu 12.600 Jahren datiert wurden, wird die Radiokarbonmethode akzeptiert …

Schwankungen der Radiokarbondatierung

Bis ins Unendliche funktioniert die C14-Datierung letztlich aber auch nicht. Zeitlich lässt sie sich im Bereich zwischen 300 und rund 60.000 Jahren nutzen. Mit unterschiedlicher Genauigkeit. Vereinfacht gesagt, wird diese Methode mit zunehmenden Alter der datierten Proben ungenauer. Bei einem beprobten Fundstück, dass mehrere Zehntausend Jahre alt ist, ist allerdings eine Abweichung von angenommen 1.000 Jahren zum wahren Alter unerheblich.

Mehr oder weniger, denn ob vor 41.000 Jahren ein Feuer in einer Höhle in Süddeutschland brannte, oder sich hier „erst“ vor 40.000 Jahren jemand wärmte, wird die Geschichtsschreibung nicht sonderlich ändern.

Ganz anders sieht es auf, wenn man nur einige Jahrtausende in die Vergangenheit schaut. Etwa zu den ersten großen Zivilisationen der Menschheit am Nil oder in Mesopotamien. Eine Abweichung von nur 50 Jahren kann hier ganz erhebliche Konsequenzen für die Geschichtsschreibung, Altertumsforschung und Archäologie haben!

Mit der Radiokarbondatierung festgestellte Altersangaben können etwa einer alten aufgezeichneten Chronologie widersprechen. Ob ein Pharao in Ägypten vor 3.000 Jahren 50 Jahre früher oder später lebte und regiert, macht einen deutlichen Unterschied.

Um eine möglichst genaue Datierung sicherzustellen, bedienen sich Archäologen und Naturwissenschaftler auch verschiedener Methoden der „Kalibrierung“. Zumal auch der natürliche Anteil von C14 in der Erdatmosphäre Schwankungen unterliegt. Abhängig von der kosmische Strahlung, die unseren Planeten permanent aus dem All trifft. Probates Mittel ist für die Forscher unter anderem die Dendrochronologie, also die bekannte „Baumringdatierung“. Wissenschaftler nutzen dazu verschiedene standardisierte Jahresringtabellen und Vergleichskurven, die in unterschiedlichen Regionen der Erde durch die Jahresringe von Bäumen erstellt wurde.

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Wie exakt die Datierung auch mit Hilfe der C14-Kalibrieurng letztlich ist, weiß niemand ganz genau. Abweichungen und Unsicherheiten sind immer Teil der Analysen und werden auch immer in den Untersuchungsberichten der entsprechenden Proben benannt.

Wissenschaftler um den Archäologen Professor Sturt W. Manning von der Cornell University in Ithaca veröffentlichten kürzlich genau zu diesem Problem in „Science Advances“ (18. März 2020) eine neue Studie. Sie kommen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass es zum Teil signifikante Abweichungen in den C14-Datierungen und entsprechenden Abgleichungen gibt.

Je nach Region auf der Nordhalbkugel, die mit derselben „Baumring-Kalibrierung“ vorgenommen wurden. Altersbestimmungen in Zentraleuropa unterscheiden sich mit dieser Methode deutlich von jenen, die im Mittelmeerraum oder Ägypten vorgenommen wurden, so die Forscher. Radiokarbondatierungen widersprechen auch häufig dem Alter, das entsprechende Artefakte nach historischen Aufzeichnungen oder Dokumenten haben müssten. Archäologe Manning:

Eine einzige Kalibrierungskurve für die nördliche Hemisphäre bildet seit fünf Jahrzehnten die Grundlage für die Radiokarbondatierung in Europa und im Mittelmeerraum und legt den Zeitrahmen für die Vorgeschichte fest. In dem Maße, wie die Messgenauigkeit zunimmt, wachsen auch die Hinweise für kleine, aber substanzielle regionale (teilweise wachsende) Abweichungen in den Radiokarbondaten des gleichen Jahres.

Die Altersbestimmung zu korrigieren, könnte daher auch unsere Sicht der Geschichte verändern und das Wissen darüber, welche Gruppen wann dazu beitrugen, die klassischen Zivilisationen zu prägen.“

Manning und sein Team untersuchten für ihre Studie unter anderem Holz aus Norditalien, Deutschland und Zentralanatolien, das aus dem 1. und  2. Jahrhundert vor Christus stammt, sowie andere Proben. Schon dabei zeigten sich Abweichungen in der Datierung von bis zu 31 Jahren in Baumringen aus ein und demselben Jahr. „Dieses wiederkehrende Phänomen untergräbt die Relevanz der C14-Kalibrierungskurve mittlerer Breite für die Chronologie im Mittelmeerraum“, so die Forscher in ihrer Studie.

Radiokarbondatierungen schreiben die Geschichte um

In ihrer Untersuchung verweisen die Autoren darauf, dass eben nicht nur der natürliche C14-Gehalt der Atmosphäre und damit auch dessen Aufnahme von lebenden Organismen schwankt, sondern auch die Vegetation. Im Bereich des Mittelmeeres, und damit der frühen Kulturen, liegt der Pflanzenwachstum eher im milden Winter und Herbst. In Zentraleuropa im Frühling und Sommer. Dieser Unterschied verfälsche auch den bisher angewandten C14-Dantierungsabgleich durch die Jahresringe von Bäumen, sind sich die Forscher sicher.

Das Team um Manning datierte unter Berücksichtigung der erkannten Fehlerquote auch den Vulkanausbruch auf der Insel Thera (Santorin) neu. Diese kleine Mittelmeerinsel wurde einst von einem gewaltigen Vulkan in weiten Teilen vernichtet, was vor Jahrtausenden erhebliche Auswirkungen auf die dortige und gesamte Kultur des Mittelmeeres hatte. Nicht wenige glauben, dass diese Vernichtung als Vorlage für den Mythos von Atlantis des Platon diente.

Archäologische Grabungen datierten den Untergang von Thera bisher auf ca. 1500 vor Christus. Die jetzige C14-Datierung durch Manning weicht davon erheblich ab, und datiert diese Katastrophe auf 1649 bis 1617 vor Christus. 150 Jahre Abweichung sind für den Untergang einer ganzen Zivilisation im Mittelmeer gewaltig.

Bei der Altersbestimmung des legendären Pharao Tutanchamun sieht es nicht für Manning und seine Kollegen nicht viel anders aus. Auch hier kommen sie anhand von 6 Proben zu anderen Daten als die klassische Archäologie durch die Chronologie Ägyptens und früherer C14-Messungen. Zum Beispiel auf eine Bestattung vor 3117 (+/- 12 Jahre) vor Christus. Ägyptologen datieren seinen Tod bisher um das Jahr 1323 vor Christus.

Radiokarbondatierungen aus dem Grab des Tutanchamun stimmten bisher nicht immer mit der historischen Geschichtsschreibung überein. Und Abweichungen von Jahrzehnten wiegen nachvollziehbarer Weise in diesem Zusammenhang überaus schwer.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Tenochtitlán – Die sagenhafte Hauptstadt der Azteken: Archäologen auf den Spuren ihrer Gründung (Artikel)

Das Allerheiligste im Zentrum von Tenochtitlan – Der sagenhaften Hauptstadt der Azteken (Bild: Fischinger-Online)
Das Allerheiligste im Zentrum von Tenochtitlan – Der sagenhaften Hauptstadt der Azteken (Bild: Fischinger-Online)

Dort, wo heute die riesige Metropole Mexiko-City liegt, erhob sich einst die Stadt Tenochtitlán. Die längst zerstörte Hauptstadt des mächtigen Reiches der Azteken, das im 16. Jahrhundert von den Spanien vernichtet wurde. Heute ist die versunkene Megacity der Azteken genauso zu einem Mythos geworden, wie die Geschichte über ihre Gründung. Doch jetzt haben Archäologen in Mexiko bekannt gegeben, dass sie Funde gemacht haben, die zumindest einige der Legenden über den Ursprung von Tenochtitlán in einem neuen Licht erscheinen lassen. Welche das sind und was die untergegangene Hauptstadt der Azteken bis heute zu einem Mythos machen, erfahrt Ihr in diesem Artikel.


Versunkenes Tenochtitlán

Mexiko-City und die umliegenden Regionen sind mit über 21 Millionen Einwohnern eine der Riesenstädte der Welt. Ein Moloch von Smog, chaotischen Verkehrsverhältnissen, Kriminalität, Armut, und Menschenmassen und mit einer überaus bewegten Vergangenheit. Denn genau dort lag einst die blühende Stadt Tenochtitlán – die frühere Hauptstadt der Azteken.

Heute tummeln sich an den Treffpunkten der Touristen die Straßenhändler und versuchen ihre Waren an den Mann oder die Frau zu bringen. Überall hupen Taxis und dröhnen Busse und LKWs durch die vollgestopften Straßen. Armut und Reichtum liegen hier, wie in vielen Städten der so genannten dritten Welt, eng beieinander. Die Region von Mexiko-City gehört heute zu den am schnellsten wachsenden Gebieten der Erde. Ein undurchsichtiges Knäuel an Menschenmassen und lärmenden Verkehrsmitteln.

Vom einstigen Glanz der Azteken-Hauptstadt ist nicht mehr viele geblieben.

Das Historische Zentrum der Stadt und der „Platz der Verfassung“ (Zócalo) und die berühmten Wassergärten im Stadtteil Xochimilco. Heute sind es die Touristenattraktionen und stehen seit 1987 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Dort, wo einst der Königspalast des legendären aztekischen Herrscher Moctezuma II. (1465 – 1520) stand, liegt heute der Verfassungsplatz Zócalo. Überragt von der 1573 und 1667 errichtete und weltbekannte Kathedrale von Mexiko-Stadt. Mexiko-Stadt ist seit den Zeiten von Bischof Juan Zumárraga, dem ersten Bischof Amerikas, auch Bischofssitz.

Doch die Stadt hat historisch sehr viel zu bieten. Nicht nur Museen und historische Schätze warten auf die Touristen, sondern auch Reste aztekischer Tempelbauten und Bauwerke der spanischen Eroberer. Berühmt ist vor allem das „Museo Nacional de Antropología” im Chapultepec-Park. Es beherbergt die wichtigste Sammlung des präkolumbischen Erbes Mexikos und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt überhaupt. Der Besucher dieser Stadt geht im wahrsten Sinne des Wortes auf historischen Boden.

Vor fast 500 Jahren aber sah die Region vollkommen anders aus. Hier standen stolz Tempel, Häuser, religiöse Zentren, Pyramiden-Tempel und Paläste der mächtigen Azteken. Mexiko-City ist heute ein kultureller Schmelztopf der Spaniern und der Kultur der Azteken.

Die Azteken

Als die Azteken von Norden her einwanderten, so besagt es eine Legende, würden sie einen Adler sehen, der auf einem Kaktus sitzt und in seinen Krallen eine Schlange festhält bzw. sie frisst. Genau dort sollten sie ihre Stadt gründen und siedeln. Das war auf der Insel im einstigen, heute längst verschwunden Texcoco-See. Dort gründeten die Einwanderer ihre Hauptstadt. Noch heute ist das Motiv des Adlers auf dem Kaktus mit der Schlange auf dem Münzgeld und der Flagge Mexikos zu finden.

Besiedelt wurde aber auch die kleinere Nachbarinsel mit Namen Tlateloco, auf der sich vor allem die Warenwirtschaft entwickelte. Dort blühten der Markt und der Handel mit weit entfernten Regionen und Völkern. Dieser Markt der indianischen Bewohner begeisterte auch Hernán Cortés (1485 – 1547), der spanische Eroberer Mexikos. An seinen Kaiser Karl V. schrieb er in einem Brief:

Unter uns sind Soldaten, die in der Welt weit herum gekommen sind, in Konstantinopel, in ganz Italien, sogar in Rom, und sie sagen, sie hätten niemals einen so geordneten, großen und so von Waren und Menschen überfüllten Markt gesehen.“

Dieser Markt war der Hauptmarkt der Azteken und zugleich der größte Marktplatz in ganz Mittelamerika. Zur Hauptzeit sollen auf dem Mark bis zu 30.000 Menschen ihren regen Tauschgeschäften nachgegangen sein. Begeistert schilderten die Spanier, dass in ganz Europa nichts Vergleichbares existiert.

Geschickt verstanden es die Azteken durch den Bau von Staudämmen die umliegenden Sümpfe aufzustauen und ihre stetig wachsende Hauptstadt so zu einer uneinnehmbaren Inselfestung zu machen. Mit Kanälen waren die einzelnen Wasserflächen verbunden und durch Zugbrücken konnte man sich vor Angriffen schützten.

Doch es mangelte schon damals an Nutzflächen für die Ernährung der Menschenmassen. So kamen die Azteken auf die geniale Idee Holzflöße in allen erdenklichen Größen zu bauen und mit Erde zu bedecken. Neben Blumen züchteten die Azteken dort auch Gemüse und andere Nahrungsmittel. Noch heute sind die „schwimmenden Gärten“ im Xochimilco-Park bekannt, der 1990 zum Ökologie-Park der Stadt erklärt wurde.

Die meisten der aztekischen Bauten wurden nicht nur durch den Einfall der Spanier zerstört, sondern die Spanier nutzten die Monumente als willkommene Steinbrüche für ihre eigenen Kathedralen und Bauwerke. Erst 1978 wurde bei Erdarbeiten für ein Kabel unweit der berühmten Kathedrale von Mexiko-Stadt der „Templo Mayor“ wieder entdeckt. Heute eine Attraktion für die zahlreichen Touristen in der Stadt.

Beeindruckte Eroberer

Im Zentrum der aztekischen Hauptstadt erhoben sich prachtvolle Pyramiden und Tempeltürme. Weithin sichtbare Zeichen der Macht, Stärke und Größe des aztekischen Imperiums. Der Reichtum der Stadt begründete sich nicht nur darin, dass die Azteken durch kriegerische Handlungen benachbarte Völker beraubten. Sie zwangen die besiegten Stämme, Sippen und Völker auch zu Tributzahlungen und vergrößerten so stetig ihren Reichtum.

Als 1519 Hermán Cortés mit einigen hundert Männern an der Ostküste Mexikos anlandete, befand sich Tenochtitlán auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zwar durch innen- und außenpolitische Unruhen nicht gefestigt, aber dennoch die größte Nation auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Etwa 200.000 bis 300.000 Menschen lebt in dieser Stadt und Cortés gelang es durch Strategie, Mord und Verbindung mit den Azteken feindlich gesonnenen Stämmen schon am 13. August 1521 die Stadt einzunehmen.

Überwältigt standen die Spanier in einer gewaltigen Metropole, die den europäischen Städten mindestens ebenbürtig war. Das Zentrum der Stadt war anders als in heutigen Städten ein rein religiöses Zentrum. Kern des rechteckigen Bezirkes war eine Art Doppel-Pyramide, die den Götter Tlaloc und dem wichtigen Gott Huitzilopochtli geweiht war. Es war jener Tempel, zu dessen Einweihung 20.000 feindliche Krieger ihrer Leben in bestialischen Opferzeremonien verloren. Zumindest behauptete das die spanische Propaganda …

Mit 50 Metern Höhe überragte das Bauwerk den heiligen Bezirk von Tenochtitlán. Es waren zwei Stufenpyramiden, die entfernt an die Pyramide in Sakkara, Ägypten, und die Pyramiden in Mesopotamien erinnern. Oben standen auf dem Doppelbauwerk zwei den aztekischen Göttern geweihte Tempel und von der Westseite her führte eine gewaltige Treppe mit 112 Stufen hoch zur Spitze des Monumentes. Vor den Heiligtümer der Götter Tlaloc (Nordseite) und Huitzilopochtli (Südseite) auf der Spitze der Pyramiden stand jeweils ein Opferstein aus Jaspis. Dort vollzogen  die Hohenpriester grausam Menschenopfer.

Der heilige Bezirk von Tenochtitlán, vergleichbar mit der „verbotenen Stadt“ in China, war von der „Schlangenmauer“ umgeben. Etwa 400 Meter lang und 300 Meter breit war der Tempelbezirk, den diese Mauer umgab. Zu sehen ist davon praktisch kaum noch etwas.

Das Allerheiligste der Azteken

Lediglich karge Reste des Heiligtums können heute auf dem Plaza unweit der Kathedrale besichtigt werden. Dort, wo heute das Kreuz des Christentums herrscht, war das spirituelle Zentrum der aztekischen Hauptstadt und des ganzes Reiches. Hier in Mexiko wurde nicht anders verfahren, wie in allen anderen Teilen der Welt in den Jahrhunderten zuvor. Denn christliche Bauten sind in der Vergangenheit sehr oft über „heidnischen Heiligtümern“ errichtet worden. Die Erinnerung an die fremden Religionen und Kulte galt es auszumerzen und die ohnehin schon vorhanden heiligen Plätze für das Christentum zu vereinnahmen.

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Direkt gegenüber dem Doppelheiligtum stand eine sehr außergewöhnliche Pyramide. Ihre Front war wie eine Stufenpyramide errichtet, jedoch wurde die Rückseite rund gebaut. Auf der Spitze fand sich auch kein rechteckiger Tempel, wie bei allen anderen aztekischen Pyramidentempeln, sondern ein konischer Aufbau. Archäologen vermuten, dass dieser ungewöhnliche Bau einst den aztekischen Priestern, die gleichzeitig auch als Astronomen und Sterndeuter fungierten, als Sonnenobservatorium gedient haben könnte.

Tatsächlich wies A. F. Avenie in seinem Buch „Astronomy in Ancient Mesoamerica“ schon 1974 nach, dass an den Tagundnachtgleichen am 21. März und 21. September die Sonne exakt zwischen der Doppelpyramide aufging. Sie konnte so von dem genau gegenüberliegenden Bauwerk und dessen konisch geformter Spitze beobachtet werden. Ein Zufall war diese architektonische Eigenart der Anlage nicht. Die Erbauer haben den Ort ihrer Doppel-Pyramide folglich mit Bedacht gewählt und ausgerichtet.

Bernal Díaz del Castillo (1492 – 1581), ein spanischer Volksheld, der 1514 nach Amerika auswanderte und schon bei den ersten Entdeckungsfahrten nach Mexiko dabei war und der 119 Schlachten und Gefechte überlebte, schrieb ein halbes Jahrhundert nach der Eroberung des Aztekenreiches seine unzähligen Erinnerungen nieder. Er verglich den Grundriss der aztekischen Hauptstadt mit einem Schachbrett und war sprachlos über ihre Schönheit. Er notierte tief beeindruckt in seinen Erinnerungen über die Stadt:

Als wir diesen wunderbaren Anblick gewahrten, standen wir völlig sprachlos da und wussten nicht, ob das, was wir schauten, Wirklichkeit war. Auf der einen Seiten waren auf dem Lande große Paläste und noch mehr draußen aus dem See zu sehen, und es war da ein breiter Damm, unterbrochen von vielen Brücken, und vor uns lag die prächtige Stadt Tenochitlán, gleich der verzauberten Stadt, von der die Sage von Amadis erzählt, die aufsteige aus dem Wasser mit mächtigen Türmen und Steinpalästen.

Große Boote konnten vom See in die Gärten fahren. Alles war aus Stein und prachtvoll geschmückt mit Wandbildern; viele Monumente waren da, und ich dachte, dass nirgends auf der Welt ein schöneres Land wie dieses entdeckt werden würde. Von all diesen Wundern, die ich damals schaute, ist heute nichts mehr geblieben; alles ist vernichtet und verschwunden.

Die Spanier waren beeindruckt und sprachlos angesichts der Pracht der Stadt. Vernichteten und zerstörten letztlich aber doch alles.

Kampf gegen das Heidentum

Natürlich warfen sie im gleichen Atemzug den Azteken vor, sie beten dämonische Kreaturen der Unterwelt an und wissen nichts von dem wahren Gott und Jesus Christus. Deshalb ließ Cortés auf der Hauptpyramide einen steinernen Schrein mit einem Kreuz als Symbol des Christentums und einem Abbild der Madonna errichten.

Doch zur Verwunderung der Spanier war den Azteken das Symbol des Kreuzes als Zeichen göttlicher Herkunft nicht unbekannt. Abbildungen aztekischer Götter zeigen zum Beispiel den Gott Quetzalcoatl mit einem Kreuzsymbol. Auch kannten die Azteken einen allmächtigen Schöpfergott, dem alle anderen Götter unterstanden. Ein Glaube, der in vielen Völkern der Erde nachzuweisen ist.

Eine Parallele mag es auch zur legendären Bundeslade aus dem Alten Testament geben. Jenem tragbaren Heiligtum der Hebräer beim Auszug aus Ägypten, die laut Buch Exodus auf Befehl Gottes von Moses angefertigt wurde. Denn auch die Azteken trugen laut ihren Überlieferungen bei ihrer Wanderung vor der Gründung ihrer Hauptstadt eine solche „Bundeslade“ ihres Hauptgottes bei sich, wie in diesem Video HIER und Artikel HIER berichtet.

Erstaunlich auch, dass die Azteken eine Sintflut als Endpunkt einer vergangenen Zeit und gleichzeitig einem Neuanfang der Welt kannten. Solche Parallelen wurden zum Teil schon im 16. Jahrhundert als Hinweis auf Kontakte zwischen Europa und Amerika von der Vergangenheit gedeutet.

Der Dominikaner-Pater Diego Duran, der bereits 1542 nach Mexiko kam, war überzeugt, dass die Azteken mehr mit der Alten Welt zu tun haben, als angenommen. In seinem Buch „Historia de las Indias de Nueva España“ widmet er sich den scheinbaren Parallelen zwischen der Alten Welt und dem Glauben der Neuen Welt. Er vertrat sogar die Überzeugung, dass die Bewohner Mexikos hebräischer (biblischer) Abstammung sein könnten. Duran schrieb:

Diese Eingeborenen sind Nachkommen der zehn Stämme Israels, die der assyrische König Salmanassar I. gefangen genommen und nach Assyrien verschleppt hat.“

Das es Kontakte zwischen Europa und Amerika gab, ist Thema ungezählter Bücher. Dennoch bleibt die Tatsache, dass Cortés und seine Mannen in Mexiko auf ein hohes Kulturvolk und eine beeindruckende Hauptstadt stieß.

Im „Venedig Mexikos“ blühte Wissenschaft, Religion, Kultur und Handel. Geld jedoch war unbekannt. Die unterworfenen Stämme leisteten ihren Tribut an die Azteken in Waren und Gütern und trugen so maßgeblich zum Wachstum der Hauptstadt bei. Auch eine Art Schrift kannten die Azteken und ihr heiliges Zentrum zierten zahlreiche Symbole. Jedoch handelte es sich nicht um eine Schrift, die die spanischen Eroberer kannten. Es war vielmehr eine Art Comic ohne Sprechblasen. Symbole mit mehrfacher Bedeutung und bis heute befremdlichen Aussehen.

Die Gier nach Gold

Für die Spanier waren nicht nur der Glaube der Azteken und ihre sonderbaren Riten in der Hauptstadt dämonisches Treiben, sondern auch ihre Handschriften. Als „Teufelszeug“ verbrannt man die Dokumente und nahm so einem ganzen Volk ihre Identität.

Die Spanier kamen nicht als friedliche Überbringer des Christentums oder als Freunde nach Mexiko. Der Untergang des riesigen Reiches der Azteken war praktisch beschlossene Sache. Die Gier nach Gold trieb die Spanier immer weiter voran. Auch die Schönheit und Pracht der aztekischen Hauptstadt war dem Untergang geweiht und ein ganzes Volk verschwand von der Bildfläche der Geschichte. Cortés kam als kriegerischer Eroberer.

Das Bild der Spanier in den Augen der Indios war klar. Sie waren eiserne Männer, die nur und ausschließlich auf das Gold der Azteken aus waren. Sahagún, der rund 50 Jahre später die Berichte der Azteken aufschreiben ließ, berichtet dies in klaren Worten:

In Hafen kommen sie, wie ein Strom kommen sie, den Staub wirbeln sie auf (…) Ihr Eisenstab, ihr Fledermausstab gleichsam ein Meer von Glanz; und ihr Eisenschwert wie Wasserwellen und her gebogen (…) und einige bestehen ganz und gar aus Eisen, sind Eisenmänner geworden, glänzen. Darum wurden sie mit großer Scheu angesehen, daher wurden sie sehr gefürchtet, daher erregten sie starkes Entsetzten, (…) und Moctezuma entsendete ihnen (…) das Goldbanner, das Quetzalfederbanner und die goldenen Perlhalskette.

Und als sie es ihnen gegeben hatten, lachten sie Spaniern über das ganze Gesicht, freuten sich sehr; wie Affen griffen sie nach dem Golde, ihr ganzes Herz richtete sich gleichsam darauf, ihr Herz war gleichsam blank, ihr Herz war gleichsam kalt, denn danach dürsteten sie sehr, sie verlangten danach, sie hungern danach, suchen das Gold wie die Schweine.“

Auf der Jagd nach Gold zogen die Invasoren durch das Land. Doch die Zerschlagung des ganzes Reiches begann eigentlich schon mit der Anlandung der Spanier am der mexikanischen Ostküste.

Die erhaltenen Chroniken über die Vernichtung der Azteken und ihrer Stadt Tenochtitlán lassen keinen Zweifel über die Absichten der Spanier. An anderer Stelle wurde darüber bereits umfangreich berichtet.

Tenochtitlán wurde sehr schnell zu einem Mythos. Die Pracht und Größe war zwar vernichtet, doch in den Erinnerungen lebte diese mächtige Stadt weiter. Und immer wieder finden sich im gesamten Stadtgebiet des heutigen Mexiko-City archäologischen Spuren der Azteken. Wann und wie genau die Stadt gegründet wurde, ist allerdings schwer nachzuweisen. Außer in den Mythen der Azteken, die von ihren Wanderungen aus Norden kommend mit ihrer „Bundeslade“ des Gottes Huitzilopochtli erzählen.

Archäologen auf den Spuren eines Mythos

Nach vielen Jahren des Nomadendaseins soll es dann 1325 soweit gewesen sein. Inmitten des Texcoco-See erfüllte sich die Prophezeiung ihres Gottes, als sie dort den Adler mit der Schlange auf dem Kaktus sahen. Ein Gründungsmythos, dem auch auf dem zentralen Platz von Mexiko-City ein Denkmal errichtet wurde.

Ob diese Überlieferung den Tatsachen entspricht, kann natürlich niemand mit Bestimmtheit sagen. Es ist allerdings bezeichnet, dass es weitaus bessere Siedlungsgebiete gegen hätte, als kleine Inseln im See mit sumpfiger Umgebung. Deshalb spekulieren Forscher dahingehend, dass die Einwanderer sich diesen Ort im See nur deshalb aussuchten, da er sich gut verteidigen ließ. An Fisch und Wasser herrschte dabei natürlich auch kein Mangel.

Archäologen sind auch nicht sicher, wo genau die Grundsteinlegung von Tenochtitlan erfolgt sein könnte. Irgendwo unterhalb der Metropole Mexiko-City schlummern dafür die Beweise. Diese Spuren jedoch könnte ein Forscherteam des „Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte“ in Mexiko jetzt gefunden haben.

Im heutigen Stadtteil La Meced im Südosten des einstigen Zentrums von Tenochtitlan entdeckten sie Ruinen, die sie auf das 14. Jahrhundert datierten. Hier lag einst der Bezirk Temazcaltitlan der Azteken-Hauptstadt, der sich in unmittelbarer Nähe des einstigen Allerheiligsten befand. Der berühmte „Templo Mayor“ liegt praktisch nebenan und die Archäologen um Víctor Esperón Calleja sind sicher, dass dies der älteste Teil der versunkenen Metropole ist.

Die Forscher sind sicher, dass sie hier unter anderem die Reste von rituellen Bädern gefunden haben. Von genau diesen berichten auch Legenden der Azteken. Nach diesen wurde in Temazcaltitlan ein sogenanntes „Temazcal“ errichtet, um dort das heilige Mädchen Quetzalmoyahuatzin zu waschen und zu baden. Nach dem „Aubin Codex“ von 1576 wurde der Ort in der Folge zu einer Pilgerstätte. Auch und vor allem für schwangere Frauen, die hier ihre Kinder bekommen wollten.

Hernando de Alvarado Tezozomoc, ein Enkel des Aztekenkönigs Moctezuma II., schrieb 1598 in seiner „Crónica Mexicana“ dazu unter anderem:

Deshalb ließen sie sich dort nieder, wo der Tempel von San Pablo Itepotzco steht, wo sie das ‚Temazcal‘ errichteten, in dem sie die Mädchentochter der Mexikaner namens Quetzalmoyahuatzin badeten, die Mutter von Contzallan, weshalb Temazcaltitlan genannt wird. Sie badeten dort und ließen sich dort nieder und blieben dort.“

Dieser bisher als mythisch angesehene Ort der Gründung scheinen die Archäologen nun gefunden haben. Zumindest nach den Interpretationen und Forschungen von Calleja. Denn unter den Straßen von Mexiko-City warten noch unzählige Entdeckungen der sagenhaften Metropolen der Azteken …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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INRI, die Kreuzinschrift Jesus: Ist die in Rom verehrte “Jesus-Tafel” vom Kreuz Jesus authentisch? (Artikel)

INRI - Die Kreuzinschrift Jesu: Ist die Tafel vom Kreuz Jesus in Rom authentisch? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)
INRI – Die Kreuzinschrift Jesu: Ist die Tafel vom Kreuz Jesus in Rom authentisch? (Bilder: gemeinfrei & Fischinger-Online)

Reliquien gibt es in der katholischen Kirche unzählige. Seit den ersten Jahrhunderten des Christentums verehren die Gläubigen solche Objekte, die von Heiligen bis Jesus Christus selber stammen sollen. Bekannt sind vor allem auch Splitter oder Nägel vom Kreuz Jesus, die sich in der ganzen Antiken Welt finden. Doch in Rom liegt in einer Kirche neben eben solchen Reliquien auch ein ganz besonders Objekt. Es ist eine Holztafel, die im Jahr 325 mit dem Kreuz von Jesus in Jerusalem gefunden worden sein soll. Angeblich ist es genau jene Tafel, die die Römer bei der Kreuzigung am Kreuz befestigt haben, und heute jeder unter dem Kürzel “INRI” von unzähligen Kunstwerken her kennt. Aber ist diese “Jesus-Tafel” wirklich authentisch, wofür es tatsächlich zahlreiche Hinweise gibt? In diesem Blog-Artikel soll dieser Reliquie aus Rom und ihrer spannenden Geschichte einmal genau auf den Grund gegangen werden.


Jesus am Kreuz

Das Leben Jesu ist eine Geschichte voller Wunder und Rätsel. Seine Taten und seine Mission sind weltberühmt und Milliarden Menschen kennen heute Jesus Christus. Die Sekte der Christen entwickelte sich zur führenden Weltreligion der Erde und über kaum eine Person der Geschichte wurde so viel geschrieben und debattiert.

Betreten wir Kunstmuseen und Kirchen finden wir zahllose Darstellungen von Jesus Christus am Kreuz in Jerusalem. Denn mehr oder weniger umfassend schildern die vier anerkannten Evangelien des Neuen Testamentes das Leben, Leiden, Sterben und die Auferstehung von Jesus vor rund 2.000 Jahren.

Entstanden ist daraus das heutige Ostern als höchstes religiöses Fest der christlichen Welt. Auch wenn viele Menschen denken, dass dies Weihnachten sei; also die Geburt von Jesus.

Blicken wir auf die ungezählten Darstellungen des Jesus am Kreuz, fällt bei genauerer Betrachtung ein unscheinbares Detail auf: Über dem Kopf des leidenden und sterbenden Jesus findet sich auf vielen Darstellungen und Bildern eine Tafel mit einer Einschrift. „INRI“ ist auf dieser sehr knapp zu lesen. Doch was hat es damit genau auf sich?

INRI

Diese beschriebene Tafel ist keine „künstlerische Freiheit“, sondern eine überaus spannende Story.

Die Evangelisten Markus, Lukas, Johannes und Matthäus schildern alle, wie Jesus gekreuzigt wurde. Er wurde von den Römern gegeißelt, gequält und mit der berühmten Dornenkrone als „König der Juden“ verspottet. Geschunden und verletzt schleppte Jesus daraufhin sein Kreuz – oder ein Teil davon – zum Ort seiner Hinrichtung. Auch dort wurde Jesus von den Römern weiter verhöhnt. Und dabei, das berichten alle vier Evangelien übereinstimmend, haben die Römer sein Verbrechen auch schriftlich festgehalten und über seinem Kopf am Kreuz befestigt. Jeder Zuschauer und Schaulustige des makabren Martyriums sollte lesen können, was dem Verurteilten zur Last gelegt wurde.

So lesen wir bei Lukas zum Beispiel über Jesus Christus:

Es stand auch eine Aufschrift über ihm in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: ,Dieser ist der König der Juden’.“ (Lk. 23,38)

„Und über seinem Haupte hefteten sie eine Inschrift an mit der Angabe seiner Schuld“, weiß Matthäus (27,37) zu berichten. Der Evangelist Johannes berichtet denn auch (Joh. 19,19f.), dass Pontius Pilatus, 26 bis 36 nach Christus Stadthalter des Kaisers Tiberius in Judäa, die Anbringung dieser Inschrift in drei Sprachen selber befohlen hatte.

“König der Juden”

„Viele von den Juden“ konnten es lesen, heißt es, und waren damit informiert, warum dieser Mann namens Jesus sterben musste. Er habe nämlich behauptet, dass er der „König der Juden“ sei. Für den Kaiser in Rom ein Verbrechen.

Seit einem Erlass von Kaiser Augustus (63 vor – 14 nach Christus) galt es als Aufrührerei und persönlichen Angriff auf den Herrscher in Rom, sich „König der Juden“ zu nennen. Es war schlicht Hochverrat am Kaiser.

Publius Quinctilius Varus (etwa 46 vor – 9 nach Christus), durch die Varusschalacht im Teutoburger Wald bekannter Senator und Kriegsherr, ließ eine Vielzahl selbsternannter „Judenkönige“ kreuzigen. Jesus wurde also als Aufrührer hingerichtet, wie es die Tafel dem Volk mitteilen sollte. Als einer von vielen und nach römischem Recht. Da sich Jesus bei Pilatus nicht einmal verteidigte, war die Hinrichtung rechtmäßig.

Es war vor 2.000 Jahren nicht ungewöhnlich, dass verurteilte Verbrecher am Kreuz eine Inschrift angebracht bekamen, die den Schaulustigen den Grund für die Strafe mitteilte. So also auch bei Jesus. Zum Beispiel hängte man diese dem Verbrecher um den Hals. Nicht nur bei so drastischen Strafen wie die Todesstrafe durch Kreuzigung.

Der römische Senator und Geschichtsschreiber Lucius Cassius Dio Cocceianus (etwa 163 – 230) erwähnt diesen Brauch in seiner „Römischen Geschichte“ (Buch LIV, 3,7) aber auch bei einer Kreuzigung. Historisch wären also die Abbildungen von Jesus am Kreuz mit der Tafel in diesem Zusammenhang korrekt. Gleiches gilt demnach auch für die entsprechenden Überlieferungen in den Evangelien.

Was aber bedeutet dieses „INRI“ überhaupt?

325 in Jerusalem

Das heutige „INRI“ ist nur ein Kürzel, das so nicht in der Bibel vorkommt, und auch so nicht auf dem Kreuz gestanden hat. Es steht für „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“ = „Jesus von Nazareth, König der Juden“ und stammt aus dem Evangelium des Johannes (19,19). Seit etwa dem 4. Jahrhundert setzte sich diese Inschrift durch und wurde Teil der Jesusdarstellungen am Kreuz. Darum verlängerten die Künstler auch den senkrechten Kreuzbalken über den Kopf Jesus hinaus, um Platz für diese Jesus-Tafel zu haben.

Vermuten zumindest einige Kunsthistoriker. Üblich waren bei den Römern nämlich (meistens) Kreuze in einer einfachen „T-Form“.

Doch jetzt wird es spannend: Diese 2.000 Jahre alte Inschrift vom echten Kreuz des echten Jesus soll es heute noch geben. Sie liegt sicher verwahrt in einer Kirche in Rom, kann dort von jedem gesehen werden und soll authentisch sein. Nicht wie zahllose andere Reliquien der Christenheit, die kaum authentisch sind oder überhaupt sein können.

Woher diese (heutige) Tafel in Rom stammen soll, ist sehr gut überliefert. Demnach fand sie die berühmte Flavia Iulia Helena (etwa 250 – 330) bei einer Pilgerreise im Jahre 325 in Jerusalem wieder. Sie war die Mutter des nicht minder berühmten Kaiser Konstantin dem Großen (272 – 285), dem ersten christlichen Kaiser. Zusammen mit Nägeln der Kreuzigung und Resten des echten Kreuz von Jesus Christus habe Helena diese Kreuzigungstafel am Ort der Hinrichtung von Jesus entdeckt.

Eine Reihe Historiker und Autoren erwähnt die Auffindung der Reliquien durch Helena am Ort Golgatha in Jerusalem.

Gelasis von Caesara schrieb in seiner „Kirchengeschichte“ im Jahr 388 sogar davon, dass Helena dort unter anderem gleich drei Kreuze fand. „Eines war das Kreuz Christi und die anderen jene der Diebe, die mit ihm gekreuzigt wurden“, so Gelasius. Er ergänzt, dass „eine wunderbare Kirche über der Stelle, an der das Kreuz gefunden wurde“ erbaut wurde. Heute kennt man diese als die berühmte Grabeskirche in Jerusalem. In der übrigens bis heute die exakte Stelle besichtigt werden kann, wo genau Helena ihre Funde gemacht haben soll …

Ausgegraben in der Grabeskirche

Der berühmte Geschichtsschreiber Eusebius von Caesarea (ca. 260 – 340) wiederum zitiert Kaiser Konstantin 325 selber:

„(Dass) das Zeugnis seiner allerheiligsten Passion, das so lange unter der Erde begraben lag, jetzt befreit wurde.

Damit kann natürlich nicht der Fels oder Hügel Golgatha selber gemeint gewesen sein. Dieser war immer über der Erde zu sehen, und musste nicht erst ausgegraben werden. Und nur 23 Jahre nach den Funden erwähnt Bischoff Kyrill von Jerusalem im Jahr 348, dass in der Grabeskirche „heiliges Holz vom Kreuz“ von den Gläubigen verehrt wurde. Pilger bekamen bei ihren Besuchen dort sogar von den Geistlichen Fragmette oder kleine Splitter des Kreuzes mit.

Die heiligen Funde aus Jerusalem wurden schließlich zum Teil in den Palast bzw. der Kapelle der Helena nach Rom gebracht. Zum Teil deshalb, da unter anderem Kreuzteile in Jerusalem geblieben sein sollen und vor allem auch die Jesus-Tafel geteilt wurde. Wobei man sich fragen muss, warum ein so bedeutender Fund wie die Inschrift-Tafel des Jesus von den Christen um Helena damals einfach zersägt wurde.

Von jenem Stück, das in Jerusalem verblieben war, verliert sich die Spur im Jahr 614. Da eroberten die Perser Jerusalem und plünderten die Stadt und ihre Heiligtümer und raubten kostbare Reliquien. Bei der der Rückgabe diverser und nicht eingeschmolzener oder zerstörter Reliquien 628 durch die Perser war die Jesus-Tafel nicht mehr dabei. Diese Hälfte wird wohl für immer verloren sein und auch Jerusalem-Pilger erwähnten nach dem Einfall der Perser die Inschrifttafel nicht mehr.

1492 in Rom

Letztlich jedoch ging auch die Tafel des Kreuzes in Rom im Laufe der Jahrhunderte verloren. Doch nur bis zum Jahre 1492.

In diesem Jahr wurde bei Bauarbeiten ein Ziegel gefunden, der die Inschrift „Titulus Crucis“ („Kreuz-Inschrift“) trug und im Jahre 1143 dort versteckt worden ist. Mit bzw. hinter diesem Stein tauchte auch der zweite Teil der Jesus-Tafel wieder auf. Um der Bedeutung des Fundes mehr Authentizität zu verleihen trug das Versteck auch das offizielle Siegel von Papst Lucius II., der allerdings erst ab März 1144 Papst war. 1143 war er noch Kardinal bzw. Bischof von Bologna in Italien.

Die Christenheit jedenfalls hatte eine neue alte Reliquie mehr.

Die römische „Basilika Santa Croce in Gerusalemme“, so ihr Name heute, die sich aus der Kapelle der Helena entwickelte, verwahrt diese Tafel bis heute in einem Seitenschiff. Und es dauerte nach der Wiederentdeckung des Artefaktes auch nicht lange, bis die Kirche die Reliquie offiziell anerkannte. Dies geschah durch Papst Alexander VI. (1431 – 1503) am 29. Juli 1496.

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Viel Aufsehens für eine im Neuen Testament nur kurz erwähnte Tafel. Doch sollte die Reliquie tatsächlich echt bzw. 2.000 Jahre alt sein? Als ich im Zuge diverser Recherchen in Rom und Jerusalem (dem angeblichen Auffindungsort der Reliquie) war, interessierte mich unter anderem auch genau diese Frage. Und zwar, was die Meinungen der zahllosen “normalen” Besucher und Pilger dazu war. Zweifel hatten dabei die wenigstens Menschen. Zurecht?

Denn es war auffallen, das fast niemand der Befragten auch nur die groben oder wichtigsten Details zu der Reliquie kannte. Macht Glaube also ganz einfach blind? Auch in der „Santa Croce in Gerusalemme“ in Rom, wo sich einige Kreuzreliquien befinden? Und die gesuchte Jesus-Tafel ist noch heute darunter. Sie ist sehr verwittert, von Holzwürmern und Pilzen zerfressen und in einem prachtvollen Rahmen gebettet. Beschriftet ist sie mit drei Zeilen in drei Sprachen – Hebräisch, Griechisch und Latein.

Ein Stück vom “echten Kreuz”?

Bereits 1870 legte der Franzose Ch. Rohault de Fleury seine bebilderte Untersuchung „Memoire sur des Instruments de la Passion de N.-S. J.-C“ der dreisprachigen Tafel in Rom vor. Er konnte belegen, dass bereits im 3. Jahrhundert die Charakteristika zumindest der griechischen Zeile der Tafel nachzuweisen sind.

Am 25. April 1995 wurde die verehrte Reliquie schließlich genauer untersucht. Maria-Luisa Rigato von der Päpstlichen Universität Gregoriana (Rom) bekam dafür die Erlaubnis und den Auftrag, die Reliquie zu dokumentieren. Mit sehr ähnlichen Ergebnissen wie de Fleury.

Das Objekt selber ist recht klein, nur 25 Zentimeter lang, 14 Zentimeter hoch und 2,6 Zentimeter dick. Das beschädigte und dunkle Stück besteht aus rund 700 Gramm Nussholz und die Inschriften sind mehr oder weniger deutlich zu sehen. Der Botaniker Professor Elio Corona aus Italien ist sicher, dass das Holz von der „Juglans regia“ aus dem Nahen Osten und östlichen Mittelmeer stammt. Das würde zumindest zu einer Herkunft der Inschrift aus Jerusalem passen.

Hierzu passt die Aussage des Pilger Antonius von Piacenza, der etwa 570 im Jerusalem war. Antonius habe dort selber die Tafel vom Kreuz Jesus gesehen, in den in Händen gehalten und sogar geküsst haben. „Dieses Kreuzesholz ist von Nussbaum“, so berichtete er über seine Pilgereise. Die Pilgerin Egeria beschrieb schon im Jahr 383 eine Verehrung einer Kreuz-Tafel in Jerusalem. Eben das heute fehlende Pendant zur Tafel in Rom.

Der deutsche Historiker Michael Hesemann machte vor rund 20 Jahren Schlagzeilen um diese Tafel in Rom. Ihm wurde 1998 gestattet die Kreuztafel genauer zu untersuchen. „Der deutsche Historiker Michael Hesemann sieht in ihr den einzigen schriftlichen Beweis für den Kreuzestod von Jesus“, schrieb beispielsweise der „FOCUS“ (Nr. 1/2000) damals zu seinen Forschungen. Die „BILD“ titelte am 1. Oktober 1999 denn auch: „Deutscher Wissenschaftler ist sich sicher: Dies ist ein Stück vom Kreuz Jesu.“

Was war geschehen?

Die Jesus-Tafel

Hesemann wurde 1997 auf die Tafel aufmerksam und reiste nach Israel um dort Experten für Paläograhie zu konsultieren. Zahlreiche Kenner der alten Schriften des Nahen Ostens bestätigten dem Historiker, dass die Inschriften auf der Kreuz-Tafel durchaus aus dem 1. Jahrhundert stammen können. Auch wies Professor Dr. Israel Roll darauf hin, dass die lateinische Zeile des „Titulus Crucis“ Parallelen zu einer römischen Weihe-Inschrift aus dem ersten Jahrhundert hat, die 1961 gefunden wurde. Und diese Inschrift stammt von Pontius Pilatus, der laut Neuem Testament auch die Tafel am Kreuz Jesus anfertigen ließ.

Hat also Helena neben dem Kreuz Jesus 325 auch die heute in Rom verehrte Tafel gefunden? Die Tafel ist den Berichten nach geteilt worden und dabei ging im Laufe der Zeit ein Teil in Jerusalem verloren. Auch die Tafel in Rom zeigt, dass sie offenbar nur ein Teil einer größeren Inschrift ist. Links hat sie eine saubere Schnittkante, während die anderen drei Seiten stark verwittert sind.

Der Historiker und Papyrologe Professor Carsten Peter Thiede, den Hesemann ebenso zu der Inschrift befragte, war ebenfalls sicher, dass die Tafel aus dem 1. Jahrhundert stammen kann. Er legte ein Jahr nach Hesemann seinem Buch “Die Jesus-Tafel” selber eine Arbeit zum „Jesus-Fragment“ vor, in der auch er sich für die Echtheit des Stückes aussprach.

Alles Schwindel?

Hesemann wiederum, der mit Erlaubnis der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften die Reliquie untersuchte, stellte seine Ergebnisse 1999 auf einem Kongress der Päpstlichen Lateran Universität (Rom) vor. So wurde die Tafel wurde berühmt.

Zwei Jahre nach Thiedes Arbeit „Das Jesus-Fragment“ jedoch wurde der graphologische und historische Befund der „I.N.R.I.-Tafel“ aus Rom erschüttert. Radiokarbondatierungen der Tafel durch die Universität „Roma Tre“ ergaben 2002, dass sie nur etwa 1.000 Jahre alt ist. Zwischen den Jahren 950 und 1010 oder sogar auf 1146 wurde das Holz datiert. Das sind mindestens 920 Jahre nach dem Tod Jesus in Jerusalem.

Die Forscher Francesco Bella und Carlo Azzi schreiben in ihrer entsprechenden Veröffentlichung „14C Dating the ‚Titulus Crucis‘“ in dem Fachmagazin „Radiocarbon“ (vol. 44, Nr. 3/2002) unter anderem:

Ein Vergleich zwischen den 14C-Daten und den historischen Daten der Kontrollproben zeigt die gute Funktionsweise des Analysesystems an und validiert das berechnete Alter des ‚Titulus Crucis‘.“

Alles nur ein Schwindel gläubiger Jesus-Anhänger also?

Wusste das ein Fälscher?

Hesemann verteidigte am 2. Mai 2009 in seinem Vortrag „Titulus Crucis“ bei einem Kongress an der „Universidad CEU San Pablo“ (Madrid) seine Forschungsergebnisse. Er spekulierte, dass die Radiokarbondatierung falsch ist oder die Proben kontaminiert gewesen sein könnten. Immerhin, so die Befürworter der Echtheit, ist eine Kreuz-Inschrift-Verehrung bis ins 4. Jahrhundert nachweisbar und die Schriftanalyse zahlreicher Experten lege eine Entstehung in das 1. Jahrhundert nahe. Und damit in die Zeit Jesus.

Konnte ein Fälscher im Mittelalter eine Inschrift in drei verschiedenen Sprachen aus dem 1. Jahrhundert tatsächlich fehlerlos fälschen?

Schaut man sich vor Ort in Rom das Holzstück genauer an, fällt etwas auf den ersten Blick nicht sehr bemerkenswertes auf. Vor allem mittig der Tafel finden sich gräulich-weiße Farbspuren (Kalk) und in einigen Buchstaben sind schwarze Farbreste zu erkennen. War das Objekt also früher einmal bemalt? Gut möglich, wie die Archäologin Maria Grazia Siliato in ihrem viel beachteten Buch „Und das Grabtuch ist doch echt“ (1998) schreibt:

Wie bei jeder anderen Schrift auf Runde oder auf Holz üblich, wurde aus der Tafel zunächst ein rauer, weißer ‚Untergrund‘ aus Kreise oder Leim aufgetragen, auf den der Exactor des Verfahrens, der die Ausführung des Urteils überwachte, in schwarzen oder roten Buchstaben den Urteilsgrund schrieb.“

Auch geben die Befürworter folgendes zu bedenken: Bei Johannes heißt es, dass die Tafel am Kreuz Jesus in Hebräisch, Lateinisch und Griechisch verfasst wurde. Das Objekt im Rom ist aber in Hebräisch, Griechisch und Lateinisch beschrieben. In einer anderen Reihenfolge also.

Falsche Datierungen?

Würde ein mittelalterlicher Schwindler mit der Bibel als Vorlage sich aber nicht exakt an den biblischen Wortlaut halten? Ist folglich das Ergebnis der Radiokarbondatierung falsch, da die Inschrift an sich eine Entstehung vor 2.000 Jahre nahelegt? Kann es sein, so fragt auch Michael Hesemann in seine Buch „Jesus von Nazareth“ (2009), dass die Datierung „darauf zurückgeht, dass die Tafel rund 1.100 Jahre in einer Bleikassette steckte“? Eben bis zu ihrer Auffindung 1492.

Weiter schreibt er dazu:

Blei ist der effektivste Strahlenschutz. Die Radiokarbonmethode misst aber den radioaktiven Zerfall von C14, wenn es der natürlichen kosmischen Strahlung ausgesetzt ist. Eine konstante Abschirmung müsste diesen Prozess eigentlich aufhalten und das Material scheinbar ‚verjungen‘.“

Das Blei könnte demnach den natürlichen radioaktiven Zerfall aufgehalten, und damit auch die Radiokarbondatierung verfälscht haben. Die Tafel in Rom wäre demnach eine der größten Sensationen der Welt. Sie würde nicht nur das Neue Testament bestätigen, sondern auch den Kreuztod eines Mannes namens Jesus von Nazareth. Einem „König der Juden“.

Insgesamt bestätigten sieben Schriftexperten von drei Universitäten in Israel, die Expertin Maria-Luisa Rigato und der Historiker Carsten Peter Thiede die Datierung des Schrifttyps in das 1. Jahrhundert. Viele Menschen, die an die Echtheit der Inschrift glauben wollen, verweisen immer wieder darauf.

Kopie, Fälschung oder echt?

Hierbei geht aber ein interessantes Detail oft unter.

Die sechs nicht ganz erhaltenen hebräischen Buchstaben der ersten Zeile identifizierte die Historikerin Rigato als Aramäisch. „Jesus Nazara euer König“, so ihre Übersetzung. In ihrer Arbeit „Il titolo della croce di Gesù“ (2005) schreibt sie aber auch, dass sie die Jesus-Tafel von Rom für eine exakte Kopie hält. Angefertigt von einer echten Inschrift vom Kreuz Jesus, die Helena mit den anderen Reliquien in Jerusalem fand. Demnach wäre es auch nicht verwunderlich, dass die kopierten Texte in das 1. Jahrhundert passen.

Ebenso übersehen wird der Umstand, wie genau die Zeilen in Latein und Griechisch auf der Jesus-Tafel angebracht wurden. Sie wurden von rechts nach links geschrieben, wie die oberste Zeile in hebräischen Buchstaben. Aramäisch bzw. Hebräisch sind bekanntlich tatsächlich linksläufige Schriften; Latein und Griechisch aber nicht.

Spott oder Lohnschreiber?

Warum ist das so? Ob die Tafel nun von der Kreuzigung Jesus stammt, ein Fake mittelalterlicher Christen ist, oder von Gläubigen vom Original 1 zu 1 kopiert wurde: in allen drei Fällen ist das mehr als ungewöhnlich! Eine wirkliche Erklärung dafür gibt es nicht.

In diesem Zusammenhang wird vermutet, dass Pilatus die Inschriften von einem jüdischen Schreiber verfassen ließ. Einem sogenannten „Lohnschreiber“, der es schlicht nicht besser wusste, da seine Muttersprache Hebräisch/Aramäisch eben von rechts nach links geschrieben wurde. So schrieb er auch die anderen zwei Zeilen in diese Richtung. Zwar lesbar und sinnvoll, aber doch verkehrt herum. Ebenso wird die falsche Schreibweise dahingehend interpretiert, dass der Schreiber nach Diktat schrieb. So zumindest Professor Thiede in seinen Untersuchungen.

Andere vermuten hier einen ganz profanen Grund. Die Schreibweise des Griechischen und Lateinischen von rechts nach links wie das Hebräische der Juden diente lediglich dazu den Verurteilten weiter zu verspotten. So, wie es am Deutlichsten ja bekanntlich laut Bibel mit der Dornenkrone getan wurde.

Ob das stimmt?

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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