Search Results for: Christen

Odin und das Christentum auf Sylt: Die Jagd auf die heidnischen Götter der Vorzeit (und was die Osterinsel mit Sylt verbindet) +++ YouTube-Video +++

Teilen:
Der nordische (germanische) Gott Odin und das Christentum auf Sylt (Bild: gemeinfrei / Bearbeitung: L. A. Fischinger)
Der nordische (germanische) Gott Odin und das Christentum auf Sylt (Bild: gemeinfrei / Bearbeitung: L. A. Fischinger)

Odin alias Wodan und sein Sohn Thor sind sicher die beiden bekanntesten Götter der germanischen bzw. nordischen Mythologie. Himmlische Wesen, die unsere Ahnen in Nord- und Mitteleuropa über Jahrtausende hinweg verehrten und von denen beispielsweise alte Texte wie die Edda erzählen. Doch im Zuge der Christianisierung Europas wurde auch allerorten der Glaube und die Verehrung dieser Götter vernichtet. So, wie es weltweit bei allen Kulturen in diesem Zusammenhang geschah. Mehr dazu (und was die Osterinsel im Pazifik  mit Sylt verbindet) erfahrt Ihr in diesem YouTube-Video, das ich am Standort eines ehemaligen Odin-Heiligtum auf der Insel Sylt gemacht habe.

+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Nicht anders war es auch auf der deutschen Nordsee-Insel Sylt. Auch auf Sylt waren die Götter der Germanen wie eben Odin Teil der Religion der frühen Bewohner der Insel. Bis auch hier das Christentum den alten Glauben und die alten heidnischen Kultstätten dieser urtümlichen Welt zerstörte.

Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Video, das ich am Standort eines ehemaligen Odin-Heiligtum auf Sylt gemacht habe.

Ein uralter heidnischer Kultplatz, auf dem nun eine christliche Kirche steht.

Bleibt neugierig …

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft [klick] hier.

+++ Postet mir Eure Fragen, Anregungen, Kommentare & Meinungen dazu bei YouTube. / Abo & Daumen hoch nicht vergessen … +++

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

(Geschäfts-E-Mail: FischingerOnline@gmail.com)

►► Eure Unterstützung: Paypal.me/Fischinger

Interessantes zum Thema:

Tagged , , , , , , , , , , , , <

Megalithgrab „Teufelssteine“: warum das Christentum alle heidnischen Kultstätten verteufelte! YouTubeVideo

Teilen:
Das Megalithgrab "Teufelssteine" im Kreis Borken: Eine "heidnische Kultstätte" im Münsterland (Bild: M. L. Sievers)
Das Megalithgrab „Teufelssteine“ im Kreis Borken: Eine „heidnische Kultstätte“ im Münsterland (Bild: M. L. Sievers)

„Da hatte der Teufel seine Finger im Spiel!“ Diese Redewendung galt vor allem während der Ausbreitung des Christentums in Deutschland und Europa. Eigentlich in der ganzen Welt. Denn überall dort, wo die frühen Christen auf sog. „heidnische Kultplätze“ anderer Religionen stießen, wurden diese verteufelt, zerstört oder für sich in Anspruch genommen. So auch bei dem uralten Megalithgrab aus der Steinzeit mit dem Namen „Teufelssteine“, das unweit meines Heimatdorfes LETTE steht. Spontan entstand dort ein neues Mystery-Video, das Ihr nun auf meinem YouTube-Kanal online findet.

 

+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Kultstätten oder Kultorte gibt es in ganz Deutschland. Eigentlich auf den ganzen Planten und selbst christliche Kirchen sind grundsätzlich nichts anders.

Ich war kürzlich da – an diesen „teuflischen Steinen“ der Vorzeit, die mitten im Wald im Münsterland im Kreis Borken liegen. Und so entstand spontan bei einem Spaziergang an diesem „Kultplatz“ dieses YouTube-Video zum Thema „Christianisierung und Heidentum“ mit dem Smartphone …

Bleibt neugierig und viel Spaß … Fischinger Online Mystery-Kanal bei YouTube abonnieren

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft [klick] hier.

+++ Postet mir Eure Fragen, Anregungen, Kommentare & Meinungen dazu bei YouTube. / Abo & Daumen hoch nicht vergessen … +++

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

(Geschäfts-E-Mail: FischingerOnline@gmail.com)

►► Eure Unterstützung: Paypal.me/Fischinger

Interessantes zum Thema:

Tagged , , , , , , , , , , <

Sintflut: Von Gott zur Vernichtung von Abtrünnigen und Riesen gesandt – warum aber gab es sie danach immer noch? (Artikel)

Teilen:
Die Sintflut: Von Gott zur Vernichtung der Riesen gesandt - warum aber gab es sie danach immer noch? (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Die Sintflut: Von Gott zur Vernichtung der Riesen gesandt – warum aber gab es sie danach immer noch? (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Laut Bibel und verwandten Schriften schickte Gott einst die Sintflut zur Vernichtung von Abtrünnigen, Menschen und Riesen. Ein faszinierender Mythos – aber warum gab es diese Giganten in der Bibel Jahrtausende nach der Flut noch immer? Wie konnten diese Titanen der Urzeit die Katastrophe und Gottes Plan der Vernichtung überleben? Dazu schweigt die Bibel. Lediglich Sagen und außerbiblisches Schriftgut zur Bibel geben hier mythologische und vor allem überaus erstaunliche Antworten. Welche das sind und was demnach alles geschehen sein soll, erfahrt Ihr in dieser Spursuche eines komplexen Themas.


Die Sintflut

Uralte Mythen in aller Welt überliefern eine verehrende, unfassbare Katastrophe, die heute meist pauschal als „Sintflut“ bezeichnet wird. Sie kam als vernichtende Strafe von Gott oder den Göttern, da sich Angehörige dieser Himmlischen unter das Menschengeschlecht mischten. Was zur Folge hatte, dass sich nicht nur die „Bosheit“ und „Gottlosigkeit“ unter den Menschen ausbreitete, sondern auch ein Mischgeschlecht von Himmlischen und Irdischen.

Eine gottlose Zeit in einer fernen Vergangenheit. Die heute meistens nur aus der Bibel bzw. aus entsprechenden religiösen Lehren bekannt ist.

Und das, obwohl dieser Mythos von der Katastrophe und Flut, den vom Himmel gekommenen, rebellierenden Götterwesen, der um sich greifenden Gottlosigkeit und vieles mehr, rund um die Welt bei nahezu allen Kulturen überliefert ist. Wie umfangreich bereits HIER dargelegt und betrachtet wurde. Deshalb sollen aufgrund des Umfanges der dortigen Darstellungen diese hier nur am Rande erwähnt werden.

Grund für die Sintflut war immer ein Abfall von Gott oder anderen Himmelswesen. Im Alten Testament und verwandten Schriftgut und Überlieferungen schickte Gott die Flut um unter anderem seine eigenen Leute zu töten. Es waren Gottessöhne seines eigenen Hofstaates, die sich gegen ihn auflehnten. Nach einem genau festgelegten Plan kamen diese rebellierenden Wächter des Himmels aus dem „Reich Gottes“ zur Erde und wandten sich den Menschen zu. Nicht nur, um diese zu lehren und ihnen Weisheit und Wissen zu bringen, sondern auch und vor allem, da sie mit den Menschenfrauen Kinder zeugen wollten.

„Übernatürliche Ehen“ nennt beispielsweise „Die Tora in jüdischer Auslegung“ (Band I, 2011) diese ungöttliche Verbindung.

Himmlische Rebellen und Riesen vor der Sintflut

Eine dunkle Epoche in historisch kaum greifbaren Zeiten vor der Sintflut der Bibel. Und genau in diesen Tage habe es Riesen auf der Erde gegeben. Jene Titanen oder Giganten, die in der vermeintlich „aufgeklärten westlichen Welt“ gerne ins Reich der Phantasie geschoben werden. Für unsere Ahnen waren sie hingegen real, weshalb sie auf Mystery Files in Beiträgen und YouTube-Videos vielfach bereits Thema waren (s. a. Videos unten).

Nach dem Buch Genesis (6,1ff.) missfiel dem Herrn im Himmel das, was aus der Menschheit durch seine göttlichen Rebellen geworden war. Nicht nur aufgrund des Umstandes, dass die Menschheit und ihre vorsintflutliche Kultur dadurch mehr und mehr verfiel. Vor allem auch, da es dadurch eben jene Riesen gab, die offenbar aus dieser Vermischung der beiden Spezies hervorgingen. Genau diese galt es durch die Sintflut zu vernichten. Inklusive der widerspenstigen Menschheit und seiner einstigen Getreuen seines „Himmelreichs“.

So brach mit unbändiger Macht und Gewalt die Sintflut über die Menschen und alles Leben herein. „Das Ende allen Fleisches“ habe Gott beschlossen (Gen. 6,13). Wehmütig bereute er es, dass er den Menschen erschaffen hatte (Gen. 6,7f.), da alle Gedanken „seines Herzen nur böse“ seien. Jeden Tag und jederzeit (Gen. 6,5).

Gott zog die Konsequenzen dahingehend, dass selbst alle Tiere sterben mussten. Und der Mensch fortan nur noch 120 Jahre alt werden durfte und wird. Als eine Art von Obergrenze der Lebenszeit der Menschheit, wie es das 1. Buch Moses in 6,3 erzählt. All das geschah, „als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und diese ihnen gebaren“, wie es der Folgevers behauptet.

Schon das klingt sehr seltsam. Wenn alle sterben sollen, warum sollen dann zukünftig Menschen nur noch 120 Jahre alt werden? Es gäbe ja keine mehr. Ebenso wenig wie Riesen, die in diesen Tagen auf Erden wandelten, als die Söhne Gottes mit den Menschenfrauen verkehrten. Hier kommt Noah ins Spiel. Als Gerechter hatte er Gnade gefunden und durfte in der legendären Arche mit seiner Familie und Tieren die kommende Vernichtung überleben. Als Grundstein für eine neue Zivilisation und Menschheit, die scheinbar nach der Hoffnung des Herrn dann eine bessere sein wird …

Ungöttliche Zeiten

Verschiedene außerbiblische Quellen belegen diesen Vernichtungsplan, die Riesen und die gottlose Zeit durch die Herabsteigenden. Keinesfalls haben die Autoren des Buchs Genesis diese selber erfunden. Sie schöpften aus einem bereits vorhandenen Pool an alten Schriften und Überlieferungen, die teilweise von anderen und älteren Völkern übernommen wurden. Einige davon schildern überaus detailliert diese Pläne der Vernichtung ebenso, wie die Pläne der Gottessöhne, Kinder mit Menschen zu zeugen. Gleichfalls auch die Riesen auf Erden, als all das geschehen sein soll.

Wie in „Rebellion der Astronautenwächter“ 2015 dargelegt und diskutiert, gibt es da aber offensichtlich ein großes Problem (eigentlich sogar viele Probleme).

Lars A. Fischinger: "REBELLION DER ASTRONAUTENWÄCHTER. Gefallene Göttersöhne, die Sintflut und versunkene Ur-Kulturen"
Lars A. Fischinger: „REBELLION DER ASTRONAUTENWÄCHTER. Gefallene Göttersöhne, die Sintflut und versunkene Ur-Kulturen“

Denn der Bibelleser weiß aus dem Alten Testament, dass es sehr wohl lange – sehr lange – nach der tödlichen Sintflut von Gott noch Riesen auf diesem Planeten gegeben haben soll. Was auch andere Sagen, Legenden, Mythologien und sogenannte „Märchen“ überliefern. In der Bibel besteht überhaupt kein Zweifel an diesen Umstand. Der eigentlich schon dadurch klar werden sollte, wenn man sich die sogenannte „Einleitung“ zur Flut ab Gen. 6,1 einmal genauer ansieht. Unter Hinzuziehung verschiedener Bibelausgaben- und Übersetzungen, da diese in entscheidenden Details variieren kann. Oder diese ganz fehlt, wie in einer meiner Bibelausgaben im Archiv.

So lesen wir dort in Vers 4 Aussagen wie diese zwei Beispiele:

Damals lebten die Riesen auf der Erde und auch danach noch, als die Gottessöhne Kinder mit den Menschentöchtern hatten. Das wurden die Helden der Vorzeit, berühmte Männer.“

Zu jener Zeit – und auch später noch -, als die Gottessöhne mit den Töchtern der Menschen verkehrten und diese ihnen Kinder gebaren, waren die Riesen auf Erden.“

Riesen nach der Sintflut

Dieser Vers ist bei vielen Mystery-Jägern und Prä-Astronautikern hinlänglich bekannt. Und wiederholt sich auch in apokryphen Schrifttum, wie etwa bei Henoch oder dem Buch der Jubiläen usw. Zu finden sind sie auch bei entsprechenden Überlieferungen in den Schriftrollen vom Toten Meer. Mehr dazu auch in diesem Mystery Files-Artikel HIER.

Auch wenn einige Bibelausgaben das Detail weglassen, erfahren wir dort, dass die Titanen auch danach noch auf der Erde lebten. Damit ging der göttliche Plan der Vernichtung der Riesen inkl. aller Menschen und Tiere offensichtlich nicht auf! Anhand dieser winzigen Feststellung wird auch verständlich, warum noch in den Tagen des Moses und des Exodus Riesen gesehen worden sein sollen. Jahrtausende nach der Sintflut und während des Exodus der Hebräer aus Ägypten.

Nachzulesen ist dieser Umstand etwa im 4. Buch Moses, in dem sich eine beim Thema Riesen oft zitierte Aussage findet. Dort erfahren wir, dass die die Kundschafter des Moses im Lande Kanaan leibhaftige Riesen sahen. Bei ihrer Rückkehr erstatteten sie Moses und dem Volk Bericht und stellte dabei verängstigt fest:

(…) auch die Riesen haben wir dort gesehen, die Enakssöhne vom Geschlecht der Riesen; wir kamen uns selbst gegen sie wie Heuschrecken vor, und ebenso erschienen wir ihnen.“ (Num. 13,33)

Dann war da auch noch der mächtige Riese Og, der von den Israeliten bei der Landnahme Kanaans niedermacht wurde. „Og von Baschan, der noch von den Riesen übrig geblieben war und in Aschtarot und Edrei wohnte“ (Jos. 12,4)“, findet sich mehrfach im Alten Testament erwähnt. Moses habe ihn und die letzten Riesen angeblich mit seinen Leuten ermordet, wie es Deut 3,1ff. schildert. Sein Bett oder, je nach Übersetzung, Sarg war angeblich fast vier Meter lang. „Neun gewöhnliche Ellen lang und vier breit“, heißt es in der Bibel (Deut. 3,11) dazu. Es wurde sprichwörtlich legendär (s. a. Ex. 21,32ff.).



4,09 Millionen tote Giganten

Nicht minder legendär wie später der Riese Goliath zur Zeit des späteren König David. Goliath aus Gat, fraglos der berühmteste aller biblischen Gewaltigen, schien ein wirklich unheimliche Gestalt gewesen zu sein. Unter anderem erfahren wir über ihn:

Und wieder kam es zum Kampfe bei Gat. Da war dort ein riesengroßer Mann, der an den Händen je sechs Finger und an den Füßen je sechs Zehen hatte, zusammen vierundzwanzig.“ (2. Sam. 21,20; s. a. 1. Chr. 20,5ff.)

Nach diesen Schilderungen ist es also absolut zutreffen, dass in der Flut-Einleitung festgestellt wird, dass auch „später noch“ oder „danach“ Riesen existierten. So total war das „Ende allen Fleisches“ offensichtlich nicht, dass nur die Familie Noah in einem Schiff inkl. Tierwelt überlebte. Jedoch war sie katastrophal, wenn man in die griechische Apokalypse des Baruch (auch 3. Baruch genannt) schaut. In dieser außerbiblischen Schrift zur Bibel wird tatsächlich die angebliche Anzahl der getöteten Riesen überliefert:

Es brachte Gott die Sintflut auf die Erde und tilgte alles Fleisch und auch die 4.090.000 Riesen.“ (4,10)

Nach Gottes Plan: Ein Niederländer baute die Arche Noah der Bibel originalgetreu nach - Aber hat er das tatsächlich? (Bild: gemeinfrei)
Arche Noah Nachbau anhand der der Bibel – mehr HIER (Bild: gemeinfrei)

Über vier Millionen „vertilgte“ Giganten behauptet dieses rund 2.000 Jahre alte Buch. Eine seltsam genaue Anzahl der angeblich auf Erden existierenden Riesen und ihrem Ende. Ist diese sehr hohe Zahl nur eine reine Phantasieangabe, fragte ich mich deshalb schon 1997 in einer Publikation hierbei? Und die Frage blieb.

Noah widersetzt sich Gott

Eine unbekannte Anzahl der Gewaltigen hat auf jeden Fall nach den alten Texten das Ende der vorsintflutlichen Zivilisation überlebt. Ein Widerspruch zum Plan Gottes, den diverse Mythen und Legenden zu erklären versuchen, die nicht in der Bibel zu finden sind. Obwohl sie alle durch die Flut ermordetet werden sollten, sei Noah mit seiner Arche selber an deren Überleben schuld, heißt es in diesen Legenden. Er als „Gerechter“ habe bei der Sintflut seinen Gott verraten. Eine jüdische Sage, aufgeschrieben unter anderem von Micha Josef bin Gorion in „Die Sagen der Juden“ (Ausgabe 1919), erzählt:

Auch der Riese Og, einer von dem Heere der gefallenen Engel, kam herbei und setzte sich auf eine Sprosse der Leiter, die zur Arche führte; er gelobte Noah und seinen Söhnen in Ewigkeit ein Knecht zu sein. Was tat Noah? Er machte ein Loch in der Arche und reichte ihm so seine Speise; so blieb Og am Leben.

Andere wiederum sagen: Og rettete sich allein von den Menschen, die in der Sintflut umgekommen waren; er setzte sich rittlings auf das Dach der Arche (…) Doch nicht um seiner Verdienste willen ist er gerettet worden, sondern um darzutun die Größe des Herrn vor den späteren Bewohnern der Erde. Die sollen sagen: Dies ist ein Überlebender von denen, die vor der Sintflut waren, die Aufruhr stifteten wider den Herrn und sie ertrunken sind.“

Ganz klar hat Noah mit dieser Rettung gegen Gottes Vernichtungsplan verstoßen. Oder vielleicht doch nicht?

Glauben wir dem Buch der Jubiläen, ließ sich Gott vor der Vernichtung der Riesen, Menschen und Gottessöhne auf einen Deal ein. Eine Abmachung mit dem Anführer der „Engel“-Rebellen, der heute gerne nur Satan oder Teufel genannt wird. Im Buch der Jubiläen erfährt „der Fürst, der Meister“, – dort Mastema genannt – von der kommenden Vernichtung. Also wand er sich mit einer erstaunliche Bitte an Gott selber:

O Herr, Schöpfer! Lass einige von ihnen vor mir übrig, dass sie auf meine Stimme hören und alles tun, was ich ihnen sage! Denn bleiben nicht für mich einige von ihnen übrig, dann kann ich nicht die Macht meines Willens an den Menschenkindern zeigen. Denn diese sind zum Verderben und Verführen vor meinem Gericht; groß ist die Bosheit der Menschenkinder.“ (10,8)

Gott und Teufel schließen einen Deal

Eigentlich eine ungeheure Forderung. Der Abtrünnige verlangt hier nicht weniger, als dass einige „Dämonen“, wie sie in diesem Buch auch genannt werden, verschont bleiben. Damit der angebliche Satan nach der Flut noch einige unter seiner Herrschaft übrig behält.

Wie zu erwarten, ließ Gott sich auf die Bitte seines Konkurrenten ein. „ Es soll vor ihm der zehnte Teil davon übrigbleiben; neun Teile aber soll man an den Ort der Verdammnis hinabbringen“ (10,9), entschied dieser. Umgehend wurde das Abkommen zwischen dem Herrn und dem Führer der Rebellen in die Tat umgesetzt. Dazu heißt es weiter:

„(…) wir fesselten alle bösen Übeltäter an den Ort der Verdammnis;
nur den zehnten Teil davon ließen wir übrig, damit sie dem Satan auf Erden dienten
.“ (10,11)

Inkonsequent und halbherzig war diesen Überlieferungen nach also Gottes Vorhaben. Diese Inkonsequenz geht soweit, dass Sagen behaupten, dass Og sich ich eine Menschenfrau verliebte. Und zwar in Sarah, die Frau des Stammvaters Abraham. Nach andere Rabbinersagen bekam Abraham Og sogar als Sklaven geschenkt. Von dem legendären Nimrod, der ebenso ein Riese war. Eine mythische Figur, die auch mit dem Turmbau zu Babel, den Gott Baal, den Anführer der rebellierenden Göttersöhne und der Flut in Verbindung gebracht werden kann. Worauf an dieser Stelle jedoch noch nicht genauer eingegangen werden soll.

Erst nach seinen Diensten bei Abraham habe sich Gott seiner angenommen. „Weil er fromm war“, so schreibt beispielsweise Hartwig Hundt-Radowsky 1830 in Band 1 von „Die Juden – wie sie waren, wie sie sind und wie sie seyn werden“, machte ihn Gott „zum Könige von Basan, damit er als ein Gottloser (als ein Nichtjude) seinen Theil an der zukünftigen Welt haben mächte.“

Artikel: Wie die Götter den Bootsbau auf die Fidschi-Inseln brachten – und dann im Zorn die Sintflut (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Die Sintflut auf den Fidschi-Inseln – mehr HIER (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Eine solche Sonderstellung des Riesen Og, angefangen bei der Rettung auf der Arche, mag sich durch andere Legenden und Traditionen der Rabbiner erklären. Nach diesen war Og kein geringerer als der Sohn von Schamchiel, einem der „Engel“, der „Gottessöhne“, die vor der Flut rebellierten, auf die Erde kamen und Chaos verursachten.

„Familienbande“ zwischen Himmel und Erde

Und wer war die Mutter? Das sei die Frau von Ham gewesen, der niemand geringeres als ein Sohn Noahs selber war.

Ein weiteres Kind von diesem Himmlischen und Hams Frau war übrigens Sichon (Sihon, Senir, Sirjon), der König der Amoriter, der mehrfach im Alten Testament zu finden ist. Es war ein feindliches Volk beim Exodus des Moses bzw. seines Nachfolgers Josua in das „gelobte Land“. Gelebt habe dieses in den östlichen Bergen, wie die Bibel vielfach betont. Letztlich wurde es besiegt, obwohl, sicher wenig verwunderlich, auch dieser Herrscher ein Riese gewesen sein soll. Zumindest ein Herrscher eines der Riesengeschlechter, zu dem die Schrift Amos in 2,9 bemerkt:

Und doch habe ich den Amoriter vor ihnen vertilgt, dessen Höhe wie die Höhe der Zedern war, und er war stark wie die Eichen (…)“

Somit scheint die Rettung der Riesen durch Noah auf seinem Schiff schon so was wie eine Familienangelegenheit gewesen zu sein. Wer aber war eigentlich dieser Schamchiel, der in diesem Kontext als Vater erwähnt wird? Er war kein geringerer als der Anführer der Rebellion der Wächter, Gottessöhne oder vermeintlichen „Engel“ im Himmel gegen Gott. Jene also, die den Plan ausheckten und auch ausführten, vor der Flut auf die Erde zu kommen, um mit den Menschentöchtern Kindern zu zeugen. Eine dieser Töchter der Menschen war folglich die Schwiegertochter Noahs.

Schamchiel heißt bei den Rabbinen ein aus dem Himmel verstoßener Engel, der sich mit den Weibern der Menschen vermischt haben (…) soll.“

Klärt hierzu schon das „Allgemeines Lexicon der Religions- u. christlichen Kirchengeschichte für alle Confessionen“ von Christian Gotthold Neudecker aus dem Jahr 1835 auf. Und in dem nicht minder alten Nachschlagewerk „Jüdisches Conversationslexikon für Christen aus allen Ständen“ von Rudolf Giehrl von 1829 lesen wir in Band 2 zu Og:

Sein Vater war der Teufel Schamchiel, seine Mutter lebte zu den verdorbenen Zeiten Nohas, ohne dass die Geschichte ihren Namenaufbewahrt hätte; nur so viel ist gewiss, dass Og noch mehrere Jahre vor der Sündfluth geboren wurde.“

Blut ist dicker als Wasser

„Og (..) war einer dieser Engelskinder, und ward vor der Sündfluth geboren“, notierte schon der oben erwähnte Hartwig Hundt-Radowsky. An dieser Deutung oder Tradition anhand von Sagen und Legenden hat sich bis heute nichts geändert.

Der Vater dieses Gewaltigen namens Og, der nach einigen Legenden hunderte, ja, tausende Kilometer groß war, war also der Teufel persönlich. Damit hatte Noah einen höchst angenehmen Zeitgenossen mehr oder weniger in seiner Familie. Der Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ trifft hier hervorragend zu. Sonst hätte er Og nicht vor den Fluten gerettet. Was ja, wie wir gesehen haben, auch Gott so plante, da er nicht alle Riesen bzw. Abtrünnigen ermorden wollte, sondern in der neuen Welt einige weiter leben sollten. Wobei hier natürlich überhaupt keine direkte Blutsverwandtschaft bestand.

Og war der gewaltigste der Riesen. Und unter den „Engeln“ war sein Vater der Gewaltigste, wie es eine jüdische Sage erzählt. Og wiederum war im wahrsten Sinne des Wortes der größte der Großen.

Stammvater Abraham habe angeblich aus seinen Zähnen sogar Schlafkammern gebaut. 60 Städte habe Og errichtet, wobei die kleinste von ihnen bescheidene „sechzig Meilen hoch“ gewesen sei. 1.000 Maß Wein habe er jeden Tag getrunken. Dazu verspeiste er je 1.000 Eber, Rehe und Ochsen täglich. „Ein Tropfen seines Speichels aber wog sechs und dreißig Pfund“, so die von Gabriel G. Bredow 1823 in „Rabbinische Mythen, Erzählungen und Lügen“ rezitierte Legende. Nur bis zur Hüfte habe das Wasser der Sintflut dem Titanen gereicht. Andere Versionen behaupten sogar nur bis zu den Knöcheln.

Gewaltiger geht es wohl kaum.

Noahs unehelicher Enkel: Ein Riese

„Mythen, Erzählungen und Lügen“? Zweifellos extrem ausgeschmückte Überlieferungen, deren mutmaßlich wahren Kern wohl niemand genau bestimmen kann.

Dass der Teufel selbst mit einer Frau der Menschen ein (Riesen-)Kind zeugte, mag erstaunen. Dieser Teufel wird heute unter anderem mit dem Engel Luzifer gleichgesetzt. Dem Obersten und Anführer der „gefallenen Engel“ der christlichen Tradition. Hierbei soll es sich um genau jene Söhne des Höchsten handeln, die in Gen. 6,1ff. und anderen Quellen vom Himmel kam, um Kinder zu zeugen.

Moderne Interpretation von Riesen in der Popkultur (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Moderne Interpretation von Riesen in der Popkultur (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

„Semjasa, ihr Oberster“, nennt ihn das äthiopische Buch Henoch (6,7) in einer Auflistung der Namen der Rebellenführer vom Himmel. „Wächter“ heißen sie dort. Wie auch im Buch der Jubiläen, das vermerkt, dass diese „mit den Menschentöchtern sündigten“. In dem sie „begannen, den Menschentöchtern beizuwohnen, so dass sie befleckt wurden“, so das Jubiläenbuch vorwurfsvoll (4,22). Demnach war der Vater von Og der Chef, Anführer, Oberste oder ganz einfach Hauptverantwortliche der himmlischen Rebellion. Und damit der heutige Satan oder Teufel.

Kein Wunder also, dass er, wie oben gesehen, mit Gott verhandelte, damit einige seiner Getreuen am Leben gelassen werden. Immerhin war sein Sohn Og als Mischwesen aus Mensch (Noahs Schwiegertochter) und Himmlischen unter ihnen. Und dieser wäre somit eine Art von Kuckucks-Enkel des Noah gewesen. Ungeheuerliche Behauptungen …

Obwohl die christliche Tradition sagt, dass es ein „Fall der Engel“ war und diese von Gott aus dem Himmel verbannt wurde, stimmt das so nicht. Diese Angehörigen der „himmlischen Ratsversammlung“, wie die Bibel es auch nennt, kamen freiwillig mit einer festen Abmachung. Sie konnten aber nicht mehr zurück und fanden keine Gnade mehr in Gottes Augen. Sie waren also schon hier, bevor sie Hausverbot auf Lebenszeit im Himmelreich bekamen.

Abraham und Riesen

Das Buch Artapanus, benannt nach einem jüdischen Historiker und Geschichtsschreiber, der im zweiten Jahrhundert vor Christus in Alexandria (Ägypten) lebte, ist dazu ebenso erstaunlich. Artapanus beruft sich in seinem Werk auf scheinbar verschollene Schriften, die er angeblich persönlich einsehen konnte. So erfahren wir bei Artapanus zu dem Sumerer Abraham aus Ur und dem Turmbau zu Babel gleich zu Beginn folgendes:

In namenlosen Schriften finden wir Abraham in Beziehung zu den Riesen gesetzt; diese wohnten in Babylonien, wurden aber wegen der Gottlosigkeit von den Göttern vernichtet.

Einer davon, Bel, sei dem Tod entflohen und habe sich in Babylon angesiedelt, dort einen Turm gebaut und darin gewohnt; dieser wurde dann von seinem Erbauer Bel Belon genannt.“ (1,4-5)

Diese zwei Verse beinhalten bei genauerem Hinsehen wesentlich mehr. Dass die Götter die Riesen (durch die Flut) vertilgen wollten, wissen wir. Nach Artapanus war auch ein gewisser Bel einer dieser Titanen. Aber wer ist oder war dieser Bel, der dem Tode entrinnen konnte?

Bēl ist nur eine Bezeichnung von einer Vielzahl an Namen unterschiedlicher Völker und Kulturen für ebenso unterschiedliche Götter. Bekannt ist er vor allem als Baal aus der Bibel.

Für uns ist interessant, dass der biblische Baal in seiner Funktion als Gottheit der Fruchtbarkeit und des Wetters und sein Kult quasi als Sinnbild der Vielgötterei gilt. Natürlich damit also eine Götze, die später im Christentum sogar zum Dämon wurde. Aus der antiken Stadt Sechem ist bekannt, dass Baal in dem rund 4.000 Jahre alten Handelszentrum „Baal-Zebub“ („Herr der Fliegen“) genannt wurde. Oder besser und genauer ausgedrückt, dass der christliche Aberglaube daraus den berühmten Beelzebub machte. Denn eigentlich war es „Baal-Zebul“, was so viel wie „Erhabener Fürst“ bedeutet.

Baal und Beelzebub

Heute kennt wohl jeder diesen Namen, den wir beispielsweise in 2. Buch der Könige 1,3 als „Beelzebul, den Gott von Ekron“ finden. Aber wieso „Herr der Fliegen“? Gibt es da irgendeinen Zusammenhang, eine Vermischung oder eine verspielte Verballhornung mit der Sintflut-Geschichte aus dem Gilgamesch-Epos?

Die Arche nach den Beschreibungen der XI. Tafel des des Gilgamesch-Epos (Bild: Fischinger-Online)
Die Arche nach den Beschreibungen der XI. Tafel des des Gilgamesch-Epos – mehr HIER (Bild: Fischinger-Online)




Bekanntlich ist diese Überlieferung wesentlich älter als das Alte Testament und diente nachweislich den Autoren der dortigen Flut-Legende als Vorlage. Wie Noah im Buch Genesis ein Dankopfer nach der Flut seinem Herrn dar brachte, tat es auch Utnapischtim im Gilgamesch-Epos. Er ist der Noah des Epos. Es war ein Brandopfer auf einem Altar, dessen Duft zu Gott angenehm zum Himmel emporstieg. Was Gott laut Genesis 8,20ff. derart milde stimmte, dass er versprach, nie mehr die Menschen zu vernichten oder wegen unserer Spezies die Erde zu verfluchen, wie er es vor der Flut tat.

Übrigens auch deshalb, da er feststellte, das alles, von aus den Herzen des Menschen von frühesten Kindertagen an kommt, ganz einfach böse wäre. Und da der Mensch „böse ist von seiner Jugend an“, wie es Genesis 8,21 ausdrückt, scheint für Gott nach der Flut dennoch alles verloren zu sein. Oder ganz einfach egal …

Im Epos des Gilgamesch liest sich diese Szene etwas anders. Vor allem deshalb, da in diesem mesopotamischen Werk von Weltrang von vielen Götter gesprochen wird. Nicht nur von einem, wie meistens in der Bibel. So lesen wir auf Tafel XI hierzu folgende Aussage:

„(…) Götter rochen den Duft,
Die Götter rochen den wohlgefälligen Duft,
Die Götter scharten wie Fliegen sich um den Opferer.“

In verschiedenen Ausgaben des Epos findet sich diese Stelle mit unterschiedlichen Versnummern versehen. Und leicht variierenden Übersetzungen, deren Kernaussage jedoch immer identisch ist: „Die Götter versammelten sich wie Fliegen über dem Opfernden.“

Der „Herr der Fliegen“

Und auch diese Wesen waren sich schnell einig, dass man nie mehr zustimmen werde, die Menschheit zu vertilgen. Der oberste der Götterwesen, hier der Gott Enlil, war in diesem Zusammenhang weniger erfreut, dass noch immer Menschen lebten. Und kam auch nicht zum Opfer des Utnapischtim wie eine „Fliege“ herbei. Vielmehr war es der Gott Ea, sein Bruder und oftmaliger Widersacher, der für die Rettung der Menschen in einer Arche (s. Abb. oben) verantwortlich war. Ea nahm das Opfer an.

Laut jüdischen Mythen war es ebenso ein Widersacher des Höchsten, wie wir gesehen haben, der mit diesem über die Rettung einiger seiner „Artgenossen“ verhandelte: Der „Herr der Fliegen“ – der angebliche Satan.

Ganz interessant ist, dass Gilgamesch nach dem Qumran-Text 4Q531, Fragment 1, oder auch 4Q530, Kolumne 2, als einer der Giganten zu finden ist, die vor der Sintflut versuchten über den Propheten Henoch Gnade bei dem Höchsten zu finden. Offensichtlich lebte der Namensgeber des bekannten Epos und Riese auch noch nach der Flut. Laut Tafel I des Epos war der Held zwei Drittel Gott und ein Drittel Mensch und eindeutig ein Riese (was in einigen Ausgaben des Epos nicht übersetzt ist!).

Um die Verwirrung dieser mythologischen Ereignisse, die sicher nicht erschöpfend in diesem Mystery Files-Artikel dargelegt werden können, zu komplettieren, kommen hier weitere Name und Reisen ins Spiel. So auch der bekannten Nimrod, den „ersten Machthaber auf Erden“ (Gen. 10,8). Er war laut Stammbaum im Buch Genesis der Enkel von Noahs Sohn Ham. Genau jener Spross, dessen Frau angeblich mit einem der vom Himmel gestiegenen Wächter verkehrte und einen Riesen gebar.

Vielleicht einer der Gründe, warum Noah seinen eigenen Sohn Ham nach der Sintflut verfluchte. Quasi als Strafe für die Missetaten seiner Frau.

Nimrod, der gewaltige Herrscher

Wie dem auch sei: Nimrod wird als Herrscher über Babel (Babylon), Akkad und Erech (Uruk) genannt. Alles Orte im Land Sumer (Schinear) im heutigen (Süd)Irak, wie es die Bibel in Gen 10,10f. richtig weiß. Hier wurde auch Abraham in der Stadt Ur geboren. Angeblich erbaute dieser Nimrod sogar die weltberühmte Stadt Ninive. Einige Forscher vergleichen diesen Herrscher mit König Sargon von Akkad (etwa 2334 – 2279 vor Christus), der als großer Krieger galt. Ob dem so war, ist ungewiss. Nimrod wird als Herrscher über Babylon natürlich auch mit dem legendären Turm zu Babel in Verbindung gebracht.

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Nimrod in seiner Eigenschaft als gewaltiger Jäger und Herrscher weist auch Parallelen zum Titan Orion aus der griechischen Mythologie auf. Dieser Orion, Sohn von Poseidon und Euryale, soll ebenfalls ein gewaltiger Jäger gewesen sein. Doch die Mythologie des alten Griechenland kennt auch eine Person mit dem Namen Nimrod, die wesentlich mehr Ähnlichkeit mit der Person in der Bibel aufweist. Der griechische Nimrod ist der Sage nach der Erbauer eines gewaltigen Turmes.

Mit diesem Turm wollten die Giganten oder auch Titanen den Olymp der Götter und des Göttervaters Zeus angreifen. So wie der Turm vom Babel bis zum Himmel (Gottes) reichen sollte, wie es die Bibel überliefert.

Wenn Nimrod als Riese den Turm zu Babel errichtete, wie die Riesen in der Mythologie der Griechen, ist die Deutung von Nimrod als Gigant eine weitere Verbindung. Diese wurde schon dem heiligen Augustinus (354 – 430 nach Christus) vertreten, der zu den vier ganz großen Kirchenvätern zählt.

Der sumerisch-akkadische-assyrische (Wasser- und Krieg-)Gottkönig Ninurta, ein göttlicher Krieger, bewaffnet mit einem Bogen, vergifteten Pfeilen und Keule, der etwa in der Stadt Nimrud am Ostufer des Tigris (Kalach heute) verehrt wurde, scheint ebenso an den biblischen Nachfahren Noahs zu erinnern.

Geschichte und Geschichten?

Ninurta ist in den Hymnen des Zweistromlandes zahlreich zu finden. Als Begründer vieler Städte, Erbauer von Bewässerungskanälen und im Zusammenhang mit der Urbarmachung der Region. Beispielsweise preist ihn der „Hymnus an Ninurta als dem Gott der Vegetation“. Und beide, der biblische Nimrod und der Gottkönig Ninurta traten nach der Sintflut in den Zeiten des Neuanfangs auf.

Man mag geneigt sein, in Ninurta als Ahnherrn der babylonischen und assyrischen Hochkulturen eine geschichtlich reale Person zu sehen. Identisch mit dem biblischen Urenkel des Noah, dem gewaltigen Nimrod. Doch erst später wurde er im mesopotamischen Kulturraum aufgrund seiner enormen und schier unmenschlichen Leistungen zu einem Gott erhoben. So zumindest eine Reihe von Studien über diesen mythischen Helden, die zum Beispiel im „Harvard Theological Review“ (83 / 1990) oder in „I Studied Inscriptions from Before the Flood: Ancient Near Eastern Literary and Linguistic Approaches to Genesis 1-11. (1994) zu finden sind.

All das ist schwere Kost. Ich gebe es gerne zu. Mögliche Wahrheiten, religiöse Propaganda und kulturübergreifende Zusammenhänge geben sich hier die Klinke der Arche Noah in die Hand. Geschichte gepaart mit Geschichten?

Doch allein der Umstand, dass der Herr in seiner Absicht, alles und jeden zu vernichten, mit sich verhandeln lässt, sollte jeden erstaunen. Führt man sich vor Augen, dass der Verhandlungspartner der heutige Satan war, der um das Leben seiner Leute oder deren Kinder fürchte, wird all das noch kurioser. Dass Noah indirekt über die Frau eines seiner Söhne und ihren beiden Riesenkindern mit diesem abtrünnigen Himmlischen zu tun hatte, klingt nicht minder unglaublich.

So aber erklärt sich zumindest aus mythologischer Sicht, warum Gottes Todesplan dermaßen schief ging.

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 18. Februar 2020 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER
Video vom 16. März 2021 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER
Video vom 3. November 2016 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

 

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Tagged , , , , , , , , , , , , , <

Gott*, Gott+ oder nur Gott? Junge Katholiken wollen Gott „gendern“ und der „Geschlechtervielfalt in Rede, Schrift und Bild“ anpassen

Teilen:
Gott*, Gott+ - Junge Katholiken wollen Gott "modern" gendern (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Gott*, Gott+ – Junge Katholiken wollen Gott „modern“ gendern (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

„Gott hat vielen Namen.“ So sagt man schnell mal daher. Aber ist die männliche Bezeichnung „Gott“ und seine Darstellung als bärtiger, alter Mann heute noch „politisch korrekt“? Ein großer katholischer Verband junger Gläubiger sagt klar nein und will das ändern. Auch „Gott“ muss ihrer Meinung nach „gegendert“ werden, da man offenbar sonst keine Probleme in der katholischen Kirche hat. Alles über dieses kuriose Vorhaben erfahrt Ihr hier.


Gott

Wohl jeder Mensch kann mit dem Begriff „Gott“ etwas anfangen. Zumindest irgendwas. Auch wenn man nicht gläubig ist, an keinen Gott der heiligen Schriften glaubt oder sogar an viele Götter glaubt. Und irgendwie hat jeder die eine oder andere Vorstellung davon, was Gott sein soll oder sein könnte. Selbst dann, wenn man sich selber als Atheist bezeichnet. Obwohl die Bibel nicht wirklich konkret aussagt, wie Gott aussehen soll.

In der Welt der Christen herrscht bei dieser Vorstellung klar das Bild vor, dass er ein alter Mann mir langem Bart ist. Ein weiser Senior, der über die Geschicke der Menschheit wacht und sie vor langer Zeit einstmals sogar nach „seinem Ebenbild“ erschaffen haben soll. Tatsächlich finden sich in einigen heiligen Texten, vor allem in Apokryphen, Aussagen, die Gott als klar „Mann“ bezeichnen oder definieren.

Dass es auch so ist, bezweifelt die „Katholische junge Gemeinde“ (KjG). Ein christlicher Jugendverband  der mit rund 80.000 Mitgliedern der zweitgrößte Jugendverband der katholischen Kirche in Deutschland ist. Ihnen passt der Name „Gott“ nicht mehr, wie es in mehren Mitteilungen auf deren durchgehend „gegenerten“ Internetseite zu lesen ist. Ihr Verband stehe für Gleichheit und Gleichberechtigung in einer modernen Welt und Kirche. Dem kann sich dann wohl nicht einmal Gott entziehen.

Gott steht nicht über der Geschlechtervielfalt

In einem 20-seitigen „Leitbild Geschlechtervielfalt in der KjG“ von 2018 wird die Geschlechtervielfalt hervorgehoben, die auch aus mehr als Mann und Frau bestehen kann. Schon 2014 wurde deshalb die „Geschlechtervielfalt in Rede, Schrift und Bild“ von der KjG festgelegt. Darum sei es „ein Meilenstein“, dass 2017 „das Bundesverfassungsgericht entschied, dass bis Ende 2018 eine Möglichkeit geschaffen werden muss, eine dritte Option (neben weiblich und männlich) beim Eintrag ins Personenstandsregister auszuwählen“.

Eine Gesetzesänderung, die heute Alltag ist und wohl kaum jemanden wirklich stören wird. Oder stören sollte.

In ihrem „Leitbild“ werden 11 Punkte festgelegt, dass zukünftig überall „gegendert“ werden soll und muss. Nicht nur die „Verwendung des Gender-Sternchens* in Satzung und allen geschriebenen Texten“ und die „Geschlechtervielfalt in gesprochener Sprache“. Auch möchte man das Thema weit verbreiten und quasi in die Welt hinaus tragen. Nicht nur in die Politik und die Bistümer. Eine Herzensangelegenheit der jungen Christen-Rebellen.

Das Ergebnis kann man in den Texten der Webseite des Vereins ebenso sehen, wie in deren Pressemitteilungen und Beschlüsse, die dort zum Download bereit stehen.

Nur deren 63 Seiten lange Satzung mit Stand Oktober 2021, die als PDF heruntergeladen werden kann, ist nicht durchgehend „gegendert“. Hier findet sich die *-Schreibweise nur halbherzig mal hier, mal dort. Aber wenn schon das Bundesverfassungsgericht zur Geschlechtergleichheit ein Urteil fällt, dann muss sich auch der Gott der Christen dem beugen. Immerhin ist dieser Gott in den christlichen Lehren eher so was wie eine spirituelle und metaphorische Macht, die nicht greifbar ist.

Nur sein Sohn Jesus war bekanntlich laut Dogma ein fleischgewordener Mann.

Gott* vs. Gott

Deshalb beschloss der Bundesrat des Verbandes bei einem Treffen vom 22. bis 24. Oktober 2021 unter anderem folgendes:

Diskutiert: ‚Gott*‘

Engagiert und mit Sorgfalt ist die KjG auf der Suche nach Gottesbezeichnungen, die mehr umfassen als die männlich weiße Vorstellung von Gott. Hierbei bezieht sie alle Ebenen des Verbandes ein. Die KjG vertritt den Standpunkt, dass die Möglichkeiten der Gottesbilder vielfältig sind. Wie wir von Gott sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Diese Erkenntnisse sind nicht neu.

Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen. Die männlich weiße Vorstellung von Gott greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. Andererseits ist für viele Katholik*innen mit der Verwendung des Gottesbegriffs im tradierten Sinne religiöse Heimat verbunden. Die Einführung von ‚Gott*‘ wird daher innerhalb des Verbandes sensibel vorbereitet.



Dieser „Bundesrat“ wiederum ist so was wie die Vorstandsitzung des katholischen Verbandes, die zweimal jährlich stattfindet. Mehre dutzend Vertreter aller Regionen kommen hier zu demokratischen Abstimmungen zusammen, die die Belange der KjG betreffen.

Der „Tagesspiegel“ zitiert zu diesem Vorhaben Rebekka Biesenbach, „die geistliche Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde“, mit den Worten:

Wir haben noch keine Beschlusslage dazu, aber wir wollen auf jeden Fall etwas ändern. Die Leitfrage ist: Was können wir tun, um das an vielen Stellen sehr männlich geprägte Gottesbild in die Vielfalt zurückzubringen, die es verdient?

Dazu sei auch die Schreibweise „Gott+“ in der Diskussion. Ob Stern oder Plus – beides spräche man dann einfach mit. Bei „Gott+“ kann das Pluszeichen aber zusätzlich auch als Kreuz gedeutet oder angesehen werden. Was natürlich dann ausschließlich auf den Gott der Christen anwendbar wäre. Wenigstens wird offenbar auf die Bezeichnung „div.“ verzichtet …

Hat die katholische Kirche sonst keine Probleme?

Erst beim Frühjahrs-Treffen des „Bundesrat“ der „Katholischen jungen Gemeinde“ 2022 werden man endgültig darüber abstimmen. Dieses fünftägige Treffen findet ab dem 30. März statt. „Gott*“ seit damit eine Aufgabe für dieses Jahr und der kommende „Beschluss 04“ nennt dazu als Auftrag:

Die KjG soll sich im kommenden Arbeitsjahr mit einer vielfältigen Schreibweise von Gott beschäftigen. Insbesondere die Diözesanverbände machen sich zu dem Thema sprechfähig. Hierzu finalisiert der Sachausschuss Glaube und Spiritualität bis Ende des Jahres 2021 die angekündigte Methodenmappe für die Entdeckung vielfältiger Gottesbilder.

Im Rahmen der Bundeskonferenz 2022 findet ein Studienteil mit dem Schwerpunkt auf der Schreibweise von Gott statt. Auf der Bundeskonferenz 2022 wird über die konkrete Schreibweise abgestimmt. Zwischen dem Studienteil und der Abstimmung des Antrags soll mindestens ein Tag Bedenk- und Austauschzeit liegen.“

Sofern die jungen „modernen“ Christen beschließen, dass Gott tot ist und fortan „Gott*“ heißen muss, bleibt die Wirkung fraglich. Ob der neue Gottes-Name über die Mitglieder des Verbandes hinaus geht, ist zu bezweifeln. Andere Gemeinden oder sogar andere Länder wird der deutsche KjG-Beschluss wohl wenig interessieren. Anders als wahrscheinlich die deutschen Medien. Für sie wäre es ein gefundenes Presse-Fressen.

So schrieb auch die katholisch-christliche Newsseite Kath.net bereits am 26. Oktober 2021 treffend dazu:

„(…) ob ernsthaft noch jemand glaubt, dass das Imageproblem der Kirche mit einem stärkeren Sich-Anschmiegen an aktuelle gesellschaftspolitische Debatten gelöst werden könne.

Denn, so das Portal weiter, Lucas Wiegelmann habe in einem Kommentar zu dem Vorhaben in der „Welt“ geschrieben:

Man kann um des Ansehens der katholischen Kirche in Deutschland willen nur hoffen, dass diese Argumentation nicht weiter um sich greift. Besonderer Optimismus ist allerdings nicht angesagt, zumal es nicht der erste Vorstoß dieser Art eines katholischen Verbandes ist.

Dem ist sicher nichts hinzuzufügen, liebe Mystery-Freund*innen …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Tagged , , , , , <

VIDEO: Der Schädel von Jesus Großmutter: Ein Stück von ihm soll in Düren unweit von Köln in einer Kirche liegen! (re-Upload/Neuschnitt)

Teilen:
VIDEO: Der Kopf von Jesus Großmutter: Ein Stück soll in Düren in einer Kirche liegen! (Bilder: Fischinger-Online & gemeinfrei)
VIDEO: Der Kopf von Jesus Großmutter: Ein Stück soll in Düren in einer Kirche liegen! (Bilder: Fischinger-Online & gemeinfrei)

In der katholischen Kirche spielen Reliquien aller Art (und Unart) seit jeher eine sehr wichtige Rolle des Glaubens. Überall finden sich fromme Andenken an Heilige oder sogar Jesus Christus selber, die vor allem im Mittelalter einen wahren Boom erlebten. Gruselig sind vor allem Körperteile und Knochen, die im Christentum verehrt werden und von diversen Vorreitern des Glaubens stammen sollen. So wie in ein einer Kirche in Düren unweit von Köln. Dort versteckt sich in einem Schrein ein Stück des Schädels der heiligen Anna, der Mutter von Maria und damit die Großmutter von Jesus Christus. Was hinter dieser Geschichte steckt und stecken soll, erfahrt Ihr in diesem Video vom Sommer 2018. Als neu geschnittenen re-Upload vom 30. Dezember 2021.


Ist das die Großmutter von Jesus?

Die katholische Kirche bzw. das Christentum hat eine Flut an heiligen Reliquien. Viele Gläubige verehren diese – wissen aber nicht, woher sie kommen. Oder ob sie überhaupt „echt“ sind. So wie der Kopf der heiligen Anna, der Großmutter von Jesus Christus. Von diesem soll in einer Kirche in Düren ein Stück verborgen liegen.

Denn das Thema „Reliquien“ spielt im Christentum eine ebenso wichtige Rolle, wie die Verehrung von Heiligen und Patronen. Vor allem seit dem frühen Christentum und später im Mittelalter wurde Europa geradezu überschwemmt von Reliquien aller Art. Von der Windel Jesus Christus über die Gebeine der Heiligen drei Könige bis hin zu diversen Körperteilen unterschiedlichster Heiliger hat die katholische Kirche ein großes Angebot an derartigen Objekten der Verehrung.

Eine dieser Reliquien stammt dabei angeblich von der Oma von Jesus persönlich. Es ist das sog. „Annahaupt“ in der Stadt Düren in Nordrhein-Westfalen unweit von Köln. Nach der frommen Tradition hantelt es sich dabei um ein Stück des Schädels bzw. der Schädelplatte der heiligen Anna, der Mutter von Maria. Damit also von der Großmutter von Jesus Christus höchst-selbst.

Interessant ist dabei vor allem, dass diese Anna als Mutter der Gottesmutter Maria mit keiner Silbe in der Bibel erwähnt wird. Ebenso, dass es sich bei diesem Stück Schädel von Jesus Großmutter um Raubgut handelt. Wie so viele Reliquien. Und grundsätzlich ist bei allen die Echtheit zumindest fragwürdig.

Verwahrt und verehrt wird die Großmutter Jesus Christus in der „Annakirche“ in Düren, in der ich dieses Mystery Files-Video für Euch im Juni 2018 gemacht habe. Für Euch neu geschnitten und hochgeladen am 30. Dezember 2021.

Bleibt neugierig …

Video vom 16. Juni 2018 auf Mystery Files -Neuschnitt und re-Upload 30. Dezember 2021

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema „Reliquien“ bei amazon.de:

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Tagged , , , , , , , , , , , <

Münze aus dem verlorenen Schatz des Tempel von Jerusalem gefunden: Geschichte(n) aus dem Dreck und die Verbindung nach Rom (+ Video)

Teilen:
Münze aus dem verlorenen Silberschatz des Tempel von Jerusalem gefunden (Bilder: gemeinfrei & Y. Sindel/Flash90 / Montage: Fischinger-Online)
Münze aus dem verlorenen Silberschatz des Tempel von Jerusalem gefunden (Bilder: gemeinfrei & Y. Sindel/Flash90 / Montage: Fischinger-Online)

In Jerusalem hat ein Mädchen eine kleine Silbermünze gefunden, die nach Ansicht von Experten aus der Zeit des 2. Jerusalemer Tempels stammt. Datiert wird der Fund in die Jahre des jüdischen Krieges gegen die Römer, bei dem im Jahr 70 der Tempel vollkommen vernichtet und seine seine Schätze geraubt wurden. So unscheinbar die Münze auch ist: Hinter ihr verbirgt sich eines der wichtigsten Ereignisse der jüdisch-römischen Geschichte. Die direkt mit dem Kolosseum, dem Wahrzeichen Roms, in Verbindung steht, wie Ihr hier erfahrt.


Das Ende des 2. Tempel von Jerusalem

Vor 1951 Jahren kam es in Jerusalem und dem ganzen Heiligen Land zu einem einschneidenden Ereignis: Nachdem 66 nach Christus der jüdische Aufstand gegen die Römer begann, eroberten und plünderten diese im Sommer 70 Jerusalem. Es ist jener Tempel, den auch Jesus Christus besuchte und dort gegen die „Geldwechsler“ wetterte, die den Tempel zu einer „Räuberhöhle“ gemacht hätten. Eine bekannte Episode aus dem Leben Jesu.

Trauriger Höhepunkt des Krieges war die Eroberung und vor allem Zerstörung dieses Jerusalemer Tempels auf dem Tempelberg. Ein Beispielloses Gemetzel, bei dem laut dem berühmten jüdischen Gesichtsschreiber und Zeitzeugen Flavius Josephus (ca. 38 – 100) mehr als 1 Millionen Menschen ums Leben kamen. Eine sicher sehr weit übertriebene Zahl. Doch die Kämpfe müssen furchtbar gewesen sein. So notierte der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio (ca. 163 – 235) in Band 65 seines Werkes „Römische Geschichte“ über die Ereignisse:

Da stürzten sich die einen freiwillig in die Schwerter der Römer, die andern erschlugen sich gegenseitig, andere brachten sich selbst um, wieder andere sprangen in die Flammen. Und es schien für alle nicht so sehr Verderben, sondern eher Sieg und Heil und Gnade zu bedeuten, mit dem Tempel zusammen unterzugehen.“

Bis auf Grundmauern und die Westmauer wurde der Tempel vollständig zerstört. Heute ist das die berühmte „Klagemauer“ in Jerusalem, an dem genau dieser Verlust beklagt wird. Daher der Name. Obwohl heute angenommen wird, dass die vollständige Zerstörung des Tempels ein Unfall war,  ist es bis heute ein Trauma der Juden. Vor fast 2.000 Jahren, unter der Eroberung von Kaiser Titus, erlitten Jerusalems Einwohner damit eine ihrer größten Katastrophen. Wer nicht ermordet wurde oder Selbstmord begann, wurde versklavt oder verbannt.

Sieg und Plünderung durch Kaiser Titus

Anfang September 70 war die gesamte Stadt besiegt und großflächig zerstört. Wenige Jahre später, nach der Eroberung der Festungsanlage Masada, fiel ganz Judäa. Ein großer Sieg für Kaiser Titus, zu dessen Ehren nahe dem Kolosseum in Rom im Jahr 71 ein Triumphbogen errichtet wurde. Er steht dort noch heute. Auf ihm wird der römische Herrscher angesichts seines Sieges über die widerspenstigen Juden gefeiert.

Relief auf dem Titus-Bogen in Rom: römische Soldaten plündern die Schätze des Jerusalemer Tempels (Bild: Fischinger-Online)
Relief auf dem Titus-Bogen in Rom: römische Soldaten plündern die Schätze des Jerusalemer Tempels (Bild: Fischinger-Online)

Prunkvoll zeigt der sogenannte „Titus-Bogen“, wie römische Soldaten die Schätze des Jerusalemer Tempels fort tragen. Unter anderem den berühmten Siebenarmigen Leuchter aus dem Tempel, den man als Menoar kennt. Heute ist das verschollene Heiligtum eines der wichtigstes Symbole des Judentums. Was der Siegesbogen des Titus übrigens nicht zeigt oder erwähnt, ist die legendären Bundeslade.

Dieses heiligste Objekt überhaupt verschwand schon mindestens 600 Jahre zuvor aus Jerusalem. Mehr dazu im Video unten auf dem Mystery Files-Video-Channel.

Der Bogen steht unübersehbar auf dem Forum Romanum. Am höchsten Punkt der Straße, die zum Kolosseum führt, das mit Kaiser Titus und Jerusalem eng verknüpft ist. Das Kolosseum ist das Wahrzeichen des modernen Rom und das größte Amphitheater, das die Römer jemals errichteten. Und zwar in den Jahren 72 bis 80 und Dank der geraubten Tempelschätze aus Jerusalem. Die Kriegsbeute aus dem gewonnen Krieg gegen die Juden machte die Finanzierung des gewaltigen Kolosseum erst möglich.

Der verlorene Tempelschatz

Ein wahrhaft lohnender Feldzug, „dessen Beute so immens gewesen sein muss wie kaum je nach einem siegreichen Krieg Roms“, schrieb beispielsweise Géza Alföldy in seiner Studie „Eine Bauinschrift aus dem Colosseum“ in der „Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik“ (Nr. 109, 1995). Die Beute wurde später „nach Rom gebracht, um dort beim Triumph ‚haufenweise‘ zur Schau gestellt zu werden“, so Alföldy. Und weiter:

So lesen wir beispielsweise nicht nur bei Josephus, sondern auch bei Zonaras, dass die Goldbeute aus dem Jüdischen Krieg so groß war, dass sich der Wert des Goldes in Syrien auf die Hälfte verringerte.

(…) ‚die Beute des Titus‘ aus dem Jüdischen Krieg dürfte angesichts ihres einzigartigen Reichtums ein gängiger Begriff, wohl ein geflügeltes Wort, gewesen sein.

Mit diesem immensen Vermögen wurden das Kolosseum und andere öffentliche Bauten errichtet. Ein Tempelschatz, eingeschmolzen und von den Feinden der Juden verhökert – wer kann es ihnen da verübeln, dass sich diese Niederlage im ersten Jahrhundert ins kollektive Gedächtnis des Volkes eingebrannt hat? Zumal der Tempel nie wieder aufgebaut wurde und der einstige Standort oben auf  Tempelberg heute muslimisch ist. Er ist das wohl umstrittenste kleine Stück Land der Welt, das es überhaupt gibt. Somit ein politisches Pulverfass.

So wird bis heute jeder noch so winzige Fund, der irgendwie mit dem Tempel von Jerusalem in Verbindung steht, als wahrer Schatz angesehen. Vor allem wenn er dem vorherigen 1. Jerusalemer Tempel zugeschrieben wird. Jenem Heiligtum, das laut Bibel König Salomon vor rund 3.000 Jahren für die Bundeslade errichte haben soll. Seine einstige Existenz wiederum ist umstritten. Gleiches gilt für archäologisch Funde, die direkt oder indirekt mit ihm oder seinem Tempel in Verbindung gebracht werden.

Sieben in der Erde von Jerusalem

Den Nachfolgebau hat es gegeben, wovon nicht nur die „Klagemauer“, schriftliche Quellen und andere archäologische Funde zeugen. Deshalb wird daran nicht gezweifelt. Jedoch kann kein Archäologe der Welt auf dem Tempelberg selber Ausgrabungen nach diesem (oder dem Salomonischen) Heiligtum durchführen. So bleibt nichts anders übrige, als Schutt aus der Umgebung des Tempelberges zu durchsieben. Immer in der Hoffnung, in diesem Aushub vom Berg und aus der Davidstadt Artefakt der Tempel zu entdecken.

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Und genau das wird intensiv getan und sogar gefördert. Hierzu wurde bereits 1999 von den Archäologen Gabriel Barkay und Zachi Dvira das „Tempelberg-Siebprojekt“ ins Leben gerufen. An diesem Projekt haben sich seitdem mehr als 212.000 Juden wie auch Christen beteiligt. Ganze Familien machen sich in ihrer Freizeit auf, um achtlos in der Vergangenheit abgeladenen Aushub nach verborgenen Relikten und Spuren zu durchsuchen. Das ist für die Kinder eine Art Schatzsuche, bei der bisher fast 500.000 Artefakte entdeckt wurden.

Dieses „Temple Mount Sifting Project“ wird von Privatleuten, Universitäten und Behörden gefördert. Unzählige Freiwillige sieben dabei stundenlang die historische Erde, um kostbare oder bedeutende Altertümer zu finden. Nicht zur eigenen Bereicherung, sondern um deren Erhalt zu sichern. Oder sie erst mal überhaupt zu finden. Auch wenn das Projekt seien Kritiker hat, die beispielsweise fehlenden wissenschaftlichen Wert beklagen und hier eine reine Freizeitbeschäftigung sehen. Vor allem sei der Bauschutt und Aushub mehrfach umgelagert worden, weshalb etwaige Funden keinen Kontext zugeordnet werden können.

Doch deshalb den Aushub vom Tempelberg und der historischen Davidstadt von Jerusalem einfach unbeachtet liegen lassen, ist sicher auch der falsche Weg.

Erinnerung an den verlorenen Tempelschatz

Auch das 11-jährige Mädchen Liel Krutokop reiste extra aus Petach Tikwa, einem Vorort von Tel Aviv, an, um mit ihrer Schwester und Eltern an diesem Projekt teilzunehmen. Das Mädchen fand dabei eine Münze aus 14 Gramm reinem Silber, die während der Epoche des 2. Tempels in Umlauf war.

Auf der Vorderseite dieser Münze sieht man (s. Titelbild) einen Becher und die Inschriften „Israelitischer Schekel“ und die Abkürzung für „Zweites Jahr“. Also das zweite Jahr des Aufstands gegen die Römer. Auf der Rückseite wiederum steht unter anderem „Heiliges Jerusalem“ und „eine Inschrift, die von Gelehrten als Sitz des Hohepriesters identifiziert wurde“, so „Israel heute“ am 1. Dezember 2021. Begeistert über den Fund zeigte sich Robert Kool, Leiter der Münzabteilung der israelischen Antikenbehörde:

Dies ist ein seltener Fund, da von vielen Tausend Münzen, die bisher bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden, nur etwa 30 Münzen aus Silber aus der Zeit des Großen Aufstands sind.“

Kool ist der Meinung, dass sie Münze aus dem verlorenen Tempelschatz stammt:

Wo sonst hätte man in jenen Tagen Silber in nennenswerter Menge und von so hoher Qualität finden können? Wenn das so ist, ist diese Münze eines der ganz wenigen Stücke aus dem Tempel selbst, die wir heute besitzen.

Die plündernden Römer haben die Münze wohl übersehen. Führt man sich die Geschichte und vor allem das Schicksal des Tempels und seiner Schätze vor Augen, so sieht man diesen bescheidenen Münz-Fund mit anderen Augen. Kein Vergleich mit den geraubten Unsummen und Kostbarkeiten (es sollen dutzende Tonnen gewesen sein). Dennoch ein seltenes Objekt mit einer faszinierenden Geschichte und eine Erinnerung an die einschneidendsten Jahre des heutigen Jerusalem überhaupt!

Video zum Thema

Video vom 16. März 2017 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Tagged , , , , , , , , , <

„Schlachten am Himmel“ und UFOs im Mittelalter – und zehntausende tote Soldaten durch „Pfeile und Blitze“ vom Himmel vor 2.200 Jahren

Teilen:
Schlachten am Himmel im Mittelalter - und zehntausende Tote durch "Pfeile und Blitze" vom Himmel (Bild: gemeinfrei / Bearbeitung: Fischinger-Online)
Schlachten am Himmel im Mittelalter – und zehntausende Tote durch „Pfeile und Blitze“ vom Himmel (Bild: gemeinfrei / Bearbeitung: Fischinger-Online)

Mittelalterliche Drucke wie Flugblätter zeigen immer wieder seltsame Zeichen am Himmel, Wunder und rätselhafte Erscheinungen. Selbst von ganzen „Schlachten am Himmel“ wurde berichtet. Einige solcher Ereignisse sind heute Klassiker der UFO-Forschung, wenn nach „Unbekannten Flugobjekten“ in der Vergangenheit gefahndet wird. Skeptiker sehen hier nur theologische Warnungen und religiöse Propaganda. Doch eine derartige Himmelsschlacht vor gut 2.200 Jahren ist dabei besonders erschreckend! Und obwohl sie über 20.000 Tote gefordert haben soll, ist sie heute so gut wie unbekannt.


Himmelsschlachten und UFOs der Antike

Klassische Beispiele von mutmaßlichen „UFOs in der Vergangenheit“ sind vor allem zwei Flugblätter aus dem Mittelalter. Die „Himmelschlacht von Nürnberg“ vom 14. April 1561 ist dabei fraglos das bekannteste Flugblatt dieser Art.

Doch Berichte über Schlachten am Himmel oder ähnliches sind sehr zahlreich. Schon die alten römischen Chronisten berichten von derartigen Phänomenen. Und auch im Koran findet man diese. Mit Aufkommen des Buchdruckes wurden solche Erscheinungen aber weithin in der Bevölkerung bekannt. Zumal diese Drucke nicht nur entspreche Zeichen am Himmel in Worten wiedergaben, sondern vor allem auch in Bildern. So erreichte man die Bevölkerung, da in jenen Tagen die wenigstens einfachen Menschen lesen konnten. Ein Bild sagte damals schon mehr als 1.000 Worte.

In zahlreichen Blog-Artikel und vielen Videos auf meinem Mystery-Files-Kanal bei YouTube wurden solche Himmelszeichen bereits thematisiert. Die zum Teil sehr unterschiedlich ausfallen und längst nicht immer Schlachten am Himmel waren. Solche waren meistens die Ausnahme.

Moralische Lehren

Kritiker sehen beispielsweise in der „Himmelschlacht von Nürnberg“ von 1561 keinen Hinweis auf UFOs im Mittelalter. Eher „düstere Vorhersagen“, die dabei „nicht tatsächliche Ereignisse“ wiedergaben. Sie dienten dem Urheber vielmehr „zur Verbreitung seiner moralischen Lehren“. So etwa schrieb es schon 2010 der Autor Ulrich Magin in seiner Analyse „Ein UFO im Jahr 1561?“ (in: „Journal für UFO-Forschung“ Nr. 187, 1/2010). Magin weiter:

Die Mutterschiffe waren Kanonen, die Telemeterscheiben Kanonenkugeln, und das Geschehen wurde nicht überliefert, weil es interessant war, sondern weil es vor einem Krieg warnte.“

In derselben Tradition solcher vielfach überlieferten Himmelsschlachten stünde demnach auch ein anderes bekanntes Flugblatt. Es stammt von Samuel Apiarius und Samuel Coccius aus Basel in der Schweiz und zeige seltsame „Kugeln“, die am 7. August 1566 über der Stadt erschienen sind. Unter anderem erfährt der mittelalterliche Leser über das „Baseler Himmelsspektakel“:

Weiter, am 7. August, bei Sonnenaufgang und ein wenig davor, sind viele große schwarze Kugeln in der Luft gesehen worden, welche vor der Sonne mit großer Schnelle und Geschwindigkeit umherflogen und gegeneinander prallten, als ob sie einen Streit führten, wobei sie rot und feurig wurden, und daraufhin zerfielen erloschen.“ (Zentralbibliothek Zürich, PAS II 6/5, wiedergegeben in moderneren Deutsch)

Auch hier sehen Kritiker lediglich Warnungen im Sinne von Vorzeichen kommenden Unheils. Ganz im Zeichen der biblischen „apokalyptischen Reiter“ als Ankündigung des Endes aller Tage nach christlichen Lehren und Symbolen. Eine Himmelsschlacht zwischen den „guten“ und „bösen“ Heeren.

C. G. Jung und die UFOs

Interessanterweise hat auch Carl Gustav Jung, der legendäre Schweitzer Psychiater, sich diesen UFO-Phänomen gewidmet. In seinem UFO-Buch „Ein moderner Mythus“ zeigte er schon vor über 60 Jahren unter anderem das Flugblatt aus Nürnberg. Jung unterlässt bei diesem Beispiel antiker UFOs eine gesonderte, genauere Interpretation der Illustration und der geschilderten Himmelsphänomene. Vielmehr schreibt er lediglich:

Die dunkle Farbe der UFOs dürfte wohl daher rühren, dass sie gegen das Licht der aufgehenden Sonne gesehen wurden. Andere sind dagegen hell (und sogar feurig). Charakteristisch für die Ufos ist die Schnelle und willkürliche Unregelmäßigkeit der Bewegung.

Damit spielt er der „UFO-Interpretation“ dieses Dokumentes durchaus in die Hände. Bedenken sollte man aber, dass reale Phänomene am Himmel durchaus als Grundlage für die eine oder andere Interpretationen der damaligen Menschen dienten. Hinlängliche Beispiele dafür sind aus der Geschichte bekannt. Von ganz natürlichen Phänomen bis zu Erscheinungen, die sich nicht natürlich erklären lassen …

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Bei der Deutung im Sinne „apokalyptischer Warnungen“ oder einer Tradition des Glaubens an eine Endschlacht zwischen Gut und Böse, gibt es durchaus zutreffende Fälle. Etwa Beschreibungen, dass am Himmel „Ritter“ und ähnliches erschienen, die mit Waffen gegeneinander kämpften. Was der reale Auslöser solcher rätselhaften Himmelszeichen war, steht wieder auf einem anderen (Flug-) Blatt.

Himmelsschlachten und zehntausende Tote

Etwas überaus erstaunliches über eine solche Schlacht am Himmel lesen wir in der biblischen Schrift des 2. Buches der Makkabäer. Ein Buch, das heute zu den Aapokryphen Büchern des Alten Testament zählt und nicht mehr darin zu finden ist.

Dort lesen wir von einem „Vorzeichen“, als König Antiochus IV. um 169 vor Christus einen Feldzug gegen die Ägypter begann:

Da erschienen fast vierzig Tage lang über der ganzen Stadt Reiter, die durch die Lüfte jagten, in golddurchwirkten Gewändern; Lanzenträger rückten in Abteilungen zum Kampf aus, Schwerter zuckten. Reiterscharen ordneten sich zur Schlacht, Angriffe wurden gemacht, von beiden Seiten rannte man gegeneinander an, Schilde bewegten sich, Speere gab es in Menge, Wurfgeschosse flogen, goldener Waffenschmuck blitzte auf und man sah Rüstungen aller Art. Alle beteten deshalb, die Erscheinung möge etwas Gutes bedeuten.“ (2. Makk. 5,2-4)

Und an späterer Stelle erfahren wir weiter:

Als nun der Streit gewaltig geworden war, erschienen den Feinden vom Himmel her auf goldbezäumten Rossen fünf glänzende Reiter, von denen zwei sich an die Spitze der Juden stellten und zwei den Makkabäer in die Mitte nahmen und ihn mit ihren Waffen deckten und vor jeder Verwundung schützten, während sie Pfeile und Blitze gegen die Feinde schleuderten, wodurch diese geblendet und verwirrt wurden und in Unordnung gerieten.

So wurden von ihnen 20.500 Mann nebst 600 Reitern niedergehauen.“ (2. Makk. 10,29-31)

„Gott straft sein Volk“

Da das 2. Makkabäerbuch um 50 vor Christus entstanden sein soll, also in eine Zeit fällt, in der an ein Christentum und damit an christlich-theologischen Deutungen von „Himmelsschlachten“ nicht zu denken war, gelten diese Bibelverse als Urquelle dieser Kämpfe am Firmament. Was aber meint das 2. Makkabäerbuch mit diesem Ereignis, in dessen Verlauf angeblich vom Himmel kommende Pfeile und Blitze 20.500 Menschen töteten? Eine unglaubliche Anzahl, deren historische Korrektheit fragwürdig erscheint. Ein derart großes Heer, das nach diesem ungleichen Kampf zusammengenommen 21.100 Gefallenen zu beklagen hatte, ist sicher weit übertrieben.

Ich denke nicht, dass diese Phänomen unter König Antiochus IV. die auslösende Erzählung für all die späteren Schilderungen von Schlachten am Himmel war. Auch wenn früh- und spät-mittelalterliche Autoren und Akademiker diese biblischen Aussagen durchaus gekannt haben dürften. Als warnende Worte vor einer Abkehr vom Glauben, in dem „Gott sein Volk für seinen Abfall straft und sich ihm nach seiner Rückkehr zur Religion der Väter wieder zuwendet“. So formulierte es Klaus Bringmann von der Universität Frankfurt in seiner kritischen Untersuchung „Zur Kritik historischer Darstellung im Zweiten Makkabäerbuch“ (in: „Klio“, Bd. 96, Heft 2, Dezember 2014).

Mögliche reale Beobachtungen von Himmelserscheinungen wurden missverstanden und theologisch gedeutet und interpretiert. Natürliche, naturwissenschaftliche heute erklärbare Phänomene ebenso, wie „UFOs der  Vergangenheit“. Belegen lassen sich solchen Spekulationen ebenso wenig, wie die skeptischen Deutungen.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Tagged , , , , , , , , <

„Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler“: Die wohl seltsamste Marienerscheinungen der Welt – und das aus einem erstaunlichen Grund! (+ Videos)

Teilen:
"Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler": Eine der wohl seltsamsten Marienerscheinungen der Welt (Bild: gemeinfrei)
„Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler“: Eine der wohl seltsamsten Marienerscheinungen der Welt (Bild: gemeinfrei)

Marienerscheinungen, also die wundersame Erscheinung der angeblichen Maria, der Mutter Jesu, gehören in der katholischen Kirche zum festen Glaubenskern. Zahlreich dieser Wunder der Gottesmutter werden heute in Wallfahrtsstätten rund um die Welt von den Gläubigen verehrt. Doch eine dieser Erscheinungen der „Jungfrau Maria“ unterscheidet sich von allen anderen, anerkannten Marienerscheinungen. Und diese war zugleich die erste ihrer Art überhaupt. Aus erstaunlichen Gründen in erstaunliche Zeiten, wie Ihr hier erfahrt.


Marienerscheinungen und „Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler“

Der 12. Oktober 1492 war ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit: Christoph Kolumbus betrat Amerika und entdeckte die „Neue Welt“ für Europa wieder. Eine große Ehre für die Krone Spaniens, zu dessen Besitz Kolumbus sogleich die neu entdeckten Gebiete erklärte. Und als gläubiger Christ wurde diese Entdeckung auch mit einer Heiligen Messe gefeiert.

Heute ist der 12. Oktober der spanische Nationalfeiertag. Doch mit diesem Datum hat es noch eine ganz andere Bewandtnis. Er ist zugleich der Gedenktag, der sogenannte Patronatag, einer Marienerscheinung, die sich in Saragossa ereignet haben soll. Diese Erscheinung der angeblichen Jungfrau Maria trägt in der katholischen Kirche den Namen „Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler“ („Nuestra Señora del Pilar“) und wurde vom Vatikan als „echt“ anerkannt. Dazu weiter unten mehr.

Diese Maria ist heute die Schutzheilige Spaniens und aller „Hispanidad„. Und wie bei vielen anderen Erscheinungen dieser Art auch, sieht die Kirche demnach hier einen Ort, an dem die „Gottesmutter Maria“ erschien. Zumindest eine Pilgerstätte für Gläubige, die hier die „Basílica del Pilar“ aufsuchen. Sie ist die Hauptkirche der Pilgerstätte und zugleich der größte Barockbau in ganz Spanien. 130 Meter lang, fast 70 Meter breit und ausgestattet mit 11 Kuppeln empfängt die Basilika einen nicht enden wollen Sturm von frommen Pilgern.

Ein glanzvolles Bauwerk mit dem üblichen Protz und Pomp solcher Wallfahrtorte.

Jakobus der Ältere in Spanien

Das war natürlich nicht immer so. Auch der 12. Oktober als Tag der „Lieben Frau auf dem Pfeiler“ wurde erst 1613 durch den Stadtrat von Saragossa eingeführt. Denn eigentlich lag da die wundersame Erscheinung der Mutter Gottes schon fast 1.600 Jahre zurück. Sagt zumindest die Legende der kirchlichen Tradition. Und genau die ist erstaunlich, wenn man vergleichend auf die unzähligen Marienerscheinungen und Erscheinungen von „Lichtwesen“ in aller Welt blick.

In der katholischen Kirche haben solcher Erscheinungen eine lange Tradition des Glaubens. Maria, die Mutter Jesus Christus, ist nach christlicher Theologie nach ihrem irdischen Leben in den Himmel „aufgefahren“. Hier lebt sie im Reich Gottes an der Seite all der anderen Himmelswesen und Heiligen, wie es das Dogma sagt. Und ab und zu, so müssen es die katholischen Christen glauben, erscheint sie auf Erden ausgewählten Menschen. Eben in Form der Marienerscheinungen.

In Saragossa war alles anders. Ganz anders. Hier sei nach der Lehre die Gottesmutter bereits am 2. Januar 40 erschienen. Also bereits zu ihren Lebzeiten, weshalb dieses Wunder als erste Marienerscheinung der Welt gilt. Sie erschien dabei auch nicht irgendwem, sondern einen Bekannten. Dieser war Jakobus der Ältere, der zu den Jüngern Jesus zählte. Er starb ca. zehn Jahre nach Jesus im Jahr 44 und ist heute wohl einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Welt überhaupt.

Zahllose Legenden ranken sich um diesen Jünger Jakobus, dem Bruder des Evangelisten Johannes. Vor allem jene, dass er als Anhänger Jesus nach der Kreuzigung als Missionar nach Spanien ging, um dort die Worte seines Meistern zu verkünden. Die Verehrung von Jakobus nahm so im Laufe der Jahrhunderte enorme Ausmaße in Spanien an. Und sicher kennen auch viele Nicht-Christen heute Santiago de Compostela als mutmaßliche Grabstätte des Jüngers und den Jakaobsweg.

Erscheinung einer noch lebenden Maria

Mit seiner Mission jedenfalls hatte der Jesus-Anhänger nur mäßigen Erfolg in Spanien, weshalb er eines Tages darüber nachdachte, seine Bemühungen in Spanien abzubrechen. Das war am Ufer des Flusses Ebro in Saragossa am 2. Januar 40. Und während der fromme Jakobus so über den Sinn und Zweck grübelte, erschien ihm die Gottesmutter auf einer Säule oder einem Pfeiler.

Eigentlich aber lebte Maria da noch auf Erden und war noch nicht „in den Himmel aufgestiegen“. Wie sie es dennoch schaffte, zu irdischen Lebzeiten im fernen Spanien zu erscheinen, sagt eine Legende. Demnach wurde sie von einem oder mehreren Engel von Jerusalem irgendwie nach Spanien gebracht oder geleitet. Eine bekannte katholische News-Seite im Netz drückt diesen Umstand sehr treffend mit folgenden Worten aus:

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Obwohl es sich technisch gesehen um eine Zweiteilung Unserer Lieben Frau handelte, da sie bei Johannes dem Apostel in Jerusalem lebte, wird es in der Tradition der Kirche immer noch als eine Erscheinung angesehen.

„Technisch gesehen“ war diese Erscheinung eine sogenannte Bilokation. Ein Phänomen aus dem Bereich der Paranormalen Phänomene, das nichts anders beschreibt, als das, dass Personen gleichzeitig an zwei Orten gesehen worden sein sollen. Eine Fähigkeit, die so machen frommen Menschen nachgesagt wird. Zum Beispiel Pater Pio aus Italien.

Das Neue Testament weiß leider nichts von diesem Wunder und der „Reise“ der Maria von Jerusalem nach Spanien zu Jakobus. Obwohl die Evangelien und weitere Schriften des Neuen Testamentes erst danach entstanden. Allerdings wissen gleichzeitig auch keine Quellen außerhalb der Bibel etwas über den Jünger Jakobus. Schon gar nicht historisch belegt in Spanien.

Ein materielles Geschenk

Die Erscheinung wiederum präsentierte sich nicht nur dem Jakobus allein. Nach der Tradition waren acht seiner Anhänger bei ihm, als die Mutter Gottes mit dem Jesus-Kindlein auf dem Arm plötzlich auf einer Säule erschien. In guter alter Tradition solcher Himmelserscheinungen verlangte sie von Jakobus und seinen Mitstreitern, dass sie an diesem Ort eine Kirche errichten sollen. Genauso nahmen fast alle entsprechenden Marien-Wallfahrtsorte der katholischen Kirche ihren Anfang.

So entstand hier die erste Kirche zu Ehren der Gottesmutter in der Kirchengeschichte des Christentums. Inklusive der Säule, auf der sie erschienen sein soll. Ein weiterer Unterschied dieser Erscheinung ist der, dass die Maria dem Jakobus bei ihrem Besuch etwa materielles mitbrachte. Eine kleine Holzstatue, die später mit einer kostspieligen, goldenen Krone mit tausenden Edelsteinen gekörnt wurde. Sie ist noch immer in der „Basílica del Pilar“ zu bestaunen und sicher das Allerheiligste des Pilgerortes.

Diese Erscheinung soll nun schon rund 1980 Jahre her sein. Dass man hierzu eigentlich nicht einen Beleg hat, eingeschlossen der Anwesenheit Jakobus in Spanien, ist im Glauben Nebensache. Die erste schriftlich Erwähnung auf eine verehrte Säule stammt sogar erst aus dem Jahr 1299. Also ganze 1259 Jahre nach wundersamen Ereignis am Fluss Ebro. Und damit eine gefühlte Ewigkeit. Es dauerte daraufhin nochmal bis in das Jahr 1471, als erstmals von der Erscheinung der Maria an sich konkret berichtet wurde. Unter anderem, dass Engel sie hierher brachten.

Keine Beweise, aber anerkannt

Traditionell gehören an einem solchen kirchlich anerkannten Wallfahrtsort Wunder dazu. Ohne solche Wunder udn angebliche Wunder schafft es keine Pilgerstätte im Vatikan das Siegel „echt“ zu bekommen. Im Fall der „Jungfrau auf der Säule“ wurde die Marienerscheinung bzw. die Tradition dieser im Jahr 1723 anerkannt. Die Richtigkeit der Muttergottes-Erscheinungen an sich hat der Vatikan dabei nie ausdrücklich bestätigt. Aufgrund des Mangels an historischen Belegen nach fast 2.000 Jahren. Anerkannt ist „nur“ die gläubige Verehrung und Tradition.

Dem Glauben der Gläubigen schadet das nicht. Und so kommt es auch in diesem Zusammenhang immer wieder zu Wundern, wie behauptet wird.

Eines der ersten Wunder dieser Art soll hier im Jahr 1640 geschehen sein. Einem Miguel Pellicers wurde sein verstümmeltes Bein auf unerklärliche Weise geheilt. Aber auch andere Arten von Wundern sollen von diesem Ort ausgehen, nicht nur Heilungen. Beispielsweise erschien am 17. Mai 1808 während der Invasion der Franzosen eine „Wolke“ in Palmenform über der Kathedrale. Einen Monat sei die Heilige Maria sogar erschienen, als die französischen Truppen Saragossa belagerten.

Das mit Abstand am meisten zitierte, vermeintliche Wunder im Kontext dieser Marienerscheinungen, ereignete sich am 3. August 1936. Damals herrschte ein schrecklicher Bürgerkrieg in Spanien und auf die Kathedrale wurden drei Bomben abgeworfen. Keine davon detonierte …

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 26. Juni 2018 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Video vom 28. April 2015 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Tagged , , , , , , , , <

Rethra, das Atlantis der Heiden nahe der Ostsee – und die Jahrhundertfälschung in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns (+ Videos)

Teilen:
Rethra, das Atlantis der Heiden nahe der Ostsee - und die Jahrhundertfälschung in der Geschichte Mecklenburgs (Bilder: gemeinfrei & WikiCommons CCO/RonnyKrüger / Montage: Fischinger-Online)
Rethra, das Atlantis der Heiden nahe der Ostsee – und die Jahrhundertfälschung in der Geschichte Mecklenburgs (Bilder: gemeinfrei & WikiCommons CCO/RonnyKrüger / Montage: Fischinger-Online)

Das versunkene Atlantis ist in der Form, wie sie Platon vor mehr als 2.400 Jahren überliefert hat, einmalig auf der Welt. Doch vielerorts finden sich versunkene Orte oder Städte, die man gerne mit dem Attribut „Atlantis“ belegt. Auch in Deutschland. ein eher weniger bekanntes „Deutsches Atlantis“ ist das untergegangene Rethra in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Zentrum der „Heiden“, das bereits an über 30 Orten angeblich lokalisiert oder zumindest gesucht wurde. Und das mangels Beweisen für seine einstige Lage einst zum größten Betrug in der Archäologie Mecklenburg-Vorpommerns führte. Hier erfahrt Ihr die Geschichte und den Mythos hinter dem versunkenen Rethra, dem Betrug aus dem 18. Jahrhundert dazu und was – vielleicht – Platons Atlantis damit zu doch tun hat.


Atlantis und Atlantisse

Atlantis gab es nur ein einziges Mal und es soll vor tausenden Jahren versunken sein. Zumindest hat das der Grieche Platon vor über 2.400 Jahren in seinen Schriften behauptet. Doch so wie Atlantis einst unterging, so gibt es zahlreiche Orte, die im Laufe der Geschichte verschwanden. Oder verschwunden sein sollen, da ihre wirkliche Existenz vielfach unbelegt ist. Einige davon haben die Gemeinsamkeit, dass man sie heute in Anlehnung an Platon „Atlantis von XY“ nennt. Schnell kann so selbst der Laie mit diesem Begriff etwas anfangen.

Auch Deutschland hat solche „Atlantisse“ in der Geschichte vorzuweisen. Bekannt sind hier vor allem Vineta in der Ostsee und Rungholt im Wattenmeer der Nordsee, über die zum Beispiel in den ersten beiden Mystery Files-Videos unten bereits berichtetet wurde (derzeit noch für Fans und Kanalmitlieder!) Diese Ortschaften gingen nicht wie das klassische Atlantis vor vielen tausend Jahren unter, sondern teilweise erst im Mittelalter. Doch auch hier blieben nur Legenden.

Wobei es bei Rungholt als „Atlantis der Nordsee“ etwas anders aussieht. Hier existieren eine ganze Reihe archäologischer Funde und Spuren im seichten Wattenmeer südöstlich der heutigen Insel Pellworm. Und erst kürzlich kamen neue hinzu, wie im 1. Video unten berichtet. Grundsätzlich aber gab es dutzende „Atlantisse“, die hier in Nordfriesland versunken sind. Doch nur Rungholt wurde legendär und bekam die Spitznamen „Atlantis der Nordsee“.

Viele Legenden über solche untergegangenen Orte und Stätten ähneln sich in nicht wenigen Details. Oft sprechen sie vom unermesslichen Reichtum der Bürger, einem daraus resultierenden Sittenverfall und einer um sich greifenden Gottlosigkeit. Das brachte das Ende und damit den Untergang als eine Strafaktion des Herrn. Elemente, die schon bei Platon in der Legende seines Atlantis zu finden sind.

Rethra, die versunkene Stadt der Heiden

Der Laie wird bei (im Meer) versunkenen Städten in Deutschland wohl nicht mehr als Rungholt und vielleicht noch Vineta kennen. Zwei christliche Orte, die damit in historischer Zeit anzusiedeln sind. Aber bekanntlich wird die Geschichtsschreibung immer dunkler, je weiter man in die Vergangenheit geht. Und so ist es auch bei einer anderen Siedlung, die im vorchristlichen Zeitalter in der Ostsee bzw. nahe dem Meer untergegangen ist.

Diese Stadt oder besiedelte Befestigung wird meist Rethra genannt. Von ihr blieben nichts als Legenden, die von ihrer Lage, ihrem Aussehen, ihrem Verschwinden und den einstigen Bewohnern künden. Und sich dabei fast immer widersprechen und unterscheiden. Denn gefunden hat dieses sagenhafte Rethra bisher niemand. Obwohl inzwischen über 30 Orte bekannt sind, an dem dieser gesucht oder vermutet wurde.

Diese Lokalisierungsversuche überziehen fast das gesamte heutige Mecklenburg-Vorpommern und reichen bis in den Norden Brandenburgs sowie bis nach West-Polen (Stargard/Szczecinski). Lediglich zwei Orte, an denen Rethra gelegen haben soll, die Städte Wolgast und Lassan, liegen dabei direkt an der Ostsee. Alle anderen angeblichen Lokalisierungen liegen zum Teil sehr weit im Landesinneren und fernab von jedem Wasser. Die Mehrzahl aber an diversen Seen, an denen es auf der berühmten Mecklenburgischen Seenplatte bzw. in Mecklenburg-Vorpommern an sich nicht gerade mangelt.

Dennoch gibt es seit Jahrhunderten einen Favoriten, wo das heidnische Rethra gelegen haben soll. Es ist der etwa 10 Kilometer lange und bis zu knapp über 30 Meter tiefe Tollensesee mit der darin gelegenen Fischerinsel und dem südlich davon gelegenen See Lieps. Beide Gewässer liegen unmittelbar nebeneinander und sind durch Kanäle miteinander verbunden. Ganz im Norden liegt der Ort Neubrandenburg am Ufer des Tollensesee. Eine heute beliebte Urlaubsregion.

Ein heidnisches „Atlantis“ im Tollensesee und in der Lieps?

Der See Lieps unterscheidet sich mit durchschnittlich knapp über 2 Metern Tiefe und einer Größe von nur 3 x 2,5 Kilometern deutlich vom Tollensesee. Dennoch kann man dieses Gebiet als eine „Einheit“ ansehen, die sicher auch schon in „heidnischer Zeit“ Menschen anzog. Waren unter ihnen auch die Gründer des Ortes Rethra? Lokal ist man davon überzeugt, da 2003 der Name „Rethra“ als Marketingmittel für die Region markenrechtlich geschützt wurde.

Tatsächlich gibt es dort archäologische Funde aus der heidnischen Zeit der Slawen. Unter anderem ein Idol oder eine „Götze“ aus Holz, das auf der Fischerinsel im Tollensesee entdeckt wurde. Ebenso finden sich an und in den Seen Reste von Ringwallanlagen und andere Siedlungsspuren. Seit mindestens dem 7. Jahrhunderten siedelten diesen Funden nach Menschen im südlichen Bereich des Tollensesee inklusive der dortigen Fischerinsel und dem Gebiet Lieps. Aus diesem Grund vermuten viele, dass Rethra einst genau dort gelegen haben muss. An der Spitze der Halbinsel Nonnenhof in der Lieps sind sogar noch heute die Reste einer entsprechenden Burgwallanlage zu sehen. „Bacherswall“ wird diese genannt.

Eine versunkene Insel

Versunken ist dort aber nachweislich tatsächlich eine etwa 3.000 Quadratmeter kleine Insel namens Binsenwerder in dem See Lieps. Das war allerdings erst im 13. Jahrhunderte, als der See aus wirtschaftlichen Gründen absichtlich um 1,5 Meter aufgestaut wurde. Viele archäologische Funde und Spuren ging so verloren oder können heute nur durch Unterwassergrabungen gesichert werden. Unter anderem die Funde von der Fischerinsel beweisen jedoch, dass hier ein bedeutendes Siedlungsgebiet der „Heiden“ lag. Inklusive Kultstätten und archaische Tempel.

Funde von Silber, Keramik, Waffen, Münzen, Äxte, Bauten und nicht zu Letzt Ringwallanlagen deuten sogar darauf hin, dass hier ein wichtiges Zentrum unserer Vorfahren lag. Im Lokalmuseum von Neubrandenburg sind einige diese Objekte heute zu bestaunen.

So verlockend es auch sein mag, Rethra im Bereich südlicher Tollensesee, Fischerinsel und Lieps zu lokalisieren, Belege dafür gibt es nicht. Dafür sind die überliefern Informationen über die Lage des Ortes schlicht zu ungenau und widersprüchlich.

Nichtmal der eigentlich Name der Stadt oder Festung war späteren christlichen Autoren mehr bekannt. Ebenso wenig wie die der dort verehrten Götter, für die eigens Tempel erbaut wurden. Einige sprachen sogar ein zentralen Heiligtümern, was die Bedeutung des Ortes unterstreicht. Einig war man sich nur dahingehend, dass der Ort ein Zentrum von Macht, Politik. Wirtschaft und Glaube der Lutizen war. Ein Verbund vier verschiedener Slawen-Stämme, zu denen auch die Redarier gehörten.

Fantasievolle Beschreibungen

Die Chronik des Geschichtsschreibers und Kirchenmannes Thietmar von Merseburg gilt als ältestes Zeugnis von Rethra. Er lebte von ca. 975 bis 1018 nach Christus und nennt die Ortschaft Riedegost, in der die Gottheit Zuarasici verehrt wurde. Adam von Bremen nennt in seiner zwischen 1070 und 1076 verfassten „Geschichte des Erzbistums Hamburg“ die Gottheit selber Riedegost. Verheert in einem Heiligtum in dem Ort Rethra, der das Zentrum „ihres Teufelsglaubens“ sei. Fantasievoll überliefert der Chronist vor rund 1050 Jahren weiter:

Sein Bild ist aus Gold gefertigt, sein Lager von Purpur. Die Burg selbst hat neun Tore und ist ringsum von einem tiefen See umgeben. Ein Knüppeldamm gewährt Zugang, aber er darf nur von Leuten betreten werden, die opfern oder Orakelsprüche einholen wollen.“

Nach dieser Beschreibung lag der versunkene Ort mitten in einem See auf einer Insel. Und mit angeblich neun Toren war er sicherlich auch keine kleine Ansiedlung. Thietmar von Merseburg sah das in Band VI seiner „Chronik“ ganz anders:

Im Redariergau liegt die dreieckige und dreitorige Burg Riedegost, rings umgeben von einem großen, für die Einwohner unverletzlich heiligen Walde. Zwei ihrer Tore sind dem Zutritt aller geöffnet. Das dritte und kleinste Osttor mündet in einen Pfad, der zu einem nahe gelegenen, sehr düsteren See führt.

In der Burg befindet sich nur ein kunstfertig errichtetes, hölzernes Heiligtum, das auf einem Fundament aus Hörnern verschiedenartiger Tiere steht. Außen schmücken seine Wände, soviel man sehen kann, verschiedene, prächtig geschnitzte Bilder von Göttern und Göttinnen. Innen aber stehen von Menschenhänden gemachte Götter, jeder mit eingeschnitztem Namen.

Das Ende von Rethra

Bis hoch nach Rügen in der Ostsee und weiter nach Osten zum Fluss Oder gibt es gut zwei Dutzend heute bekannter Plätze, die einstmals heidnische Tempel in dieser Art waren. Und sicher waren es vor über 1.000 Jahren noch weit mehr. Auch sie müssen in dieser Form als etwas Besonders im Herrschaftsgebiet der Liutizen gelten. Alle mussten bedeutende und vor allem große Glaubes-Zentren gewesen sein, da um sie herum eine entsprechende Infrastruktur für deren Betrieb funktioniert haben muss. Angefangen bei einer angesiedelten Landwirtschaft und Platz für Pilger, Priester, Wächter/Krieger und Händler bis zu Straßen.

Rethra als machtpolitisches und religiöses Zentrum diente den „Heiden“ auch als Versammlungsort und Aufmarschgebiet bei ihren Kämpfen. Zum Leidwesen der Christen und feindlicher Stämme, wurden von dort Feldzüge und Aufstände begonnen. Ab 1056 kam es erneut zu Kämpfen der Liutizen und der Ort büßte mehr und mehr seiner Bedeutung ein.

Letztlich war es mutmaßlich der christliche Bischof Burchard II. von Halberstadt (1028 – 1088), der Rethra 1068 den Todesstoß versetzte. Der Ort wurde vernichtet, der Tempel zerstört, die Heiligtümer verschleppt. Und letztlich blieb nur eine mythische Erinnerung an das versunkene Rethra. So dokumentierte es es Rainer Szczesiak in seiner Arbeit „Auf der Suche nach Rethra! Ein interessantes Kapitel deutscher Forschungsgeschichte“ schon 2007.

Schon anhand dieser Jahresdaten wir klar, dass der eigentliche Untergang nicht sicher datiert werden kann.

Das man von einem so bedeutenden Ort, der vor gerade mal rund 1.000 Jahren verschwand, nicht mehr weiß, wo er ungefähr lag, ist ebenso ungewöhnlich. Die über 30 Orte, an denen Rethra vermutet wurde, umfassen immerhin über 20.000 Quadratkilometer. Ein deutlicher Beleg, dass man hier die Nadel im Heuhaufen sucht.

Nichts als Legenden blieben

Bekanntlich wandeln sich Legenden, Mythen und Überlieferungen. Sie werden aufgebauscht, verändert oder Namen von handelnden Personen und Göttern sowie Orte und Ortsnamen werden dabei auch mal ausgetauscht. Jeder Mystery-Jäger und Prä-Astronautik-Forscher wie ich kennt das aus der Geschichte zu Genüge. Und am Beispiel Rethra sieht man, dass es dazu nicht mal tausende von Jahren wie beim klassischen Atlantis bedarf. Auch nicht eine mündliche Ausbreitung durch verschiedene Kulturen und in in vollkommen andere Regionen der Erde.

So hat beispielsweise Jodocus Deodatus Hubertus Temme 1840 in seinem Werk „Die Volkssagen von Pommern und Rügen“ folgende Sage über den Ort wiedergegeben:

In den uralten heidnischen Zeiten war in Pommern eine berühmte Stadt, Rethra heißen. Dieselbe war der Hauptsitz des Pommerschen Götter, besonders des Götzen Radigast oder Redigast.

Die Stadt Rethra war groß, von vielen Einwohnern und voller Reichtümer. Man ging durch neun Thore in dieselbe hinein, und sie war rund umher mit Wasser beflossen. Sie hatte viele Tempel, in welche man über köstliche Brücken ging. Der vornehmste Tempel gehörte dem Götzen Redigast, welcher ganz von Gold war, und auf einem Lager von Purpur ruhte.

Diese Stadt ist zuletzt wegen ihres Uebermuthes und Heidenthums gänzlich zerstört. Das ist geschehenen noch lange bevor das Christentum nach Pommern kam. Auf welche Weise aber, das weiß man nicht. Sie ist so ganz zu Grunde gegangen, daß man nicht einmal die Gegend mehr angeben kann, wo sie gestanden hat. Doch glauben die Meisten, sie habe da herum gestanden, wo jetzt die Stadt Treptow am Tollensee liegt.

Offensichtlich diente bei dieser Volkssage die Chronik von Adam von Bremen als Vorlage. Oder vielleicht doch eher umgekehrt? Die Übereinstimmungen sind zumindest offenkundig. Die Zerstörung selber, so schreibt es Ernst Heinrich Wackenroder in seinem Geschichtswerk „Altes und Neues Rügen (…)“ aus dem Jahr 1730, geschah angeblich schon im Jahr 960. Nach langen und blutigen Kriegen in den Jahrzehnten zuvor, in denen zum Teil 200.000 Kämpfer auf Seite der „Ungläubigen“ angetreten sein sollen. Eine sicher weit übertriebene Zahl.

Diente Platons Atlantis als Vorlage?

Mit Wohlwollen könnte man die oben zierte Sage oder Überlieferung mit dem Atlantis des Platon in Verbindung bringen. Möglich, dass hier die Legende aus Griechenland vom atlantischen Kernheiligtum zumindest teilweise Inspiration für die Beschreibung von Rethra war.

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

In Seinem Werk „Kritias“ beschreibt Platon das Aussehen von Atlantis. Die Tempel, Wasserwege, Ringe von Land und Wasser um das Zentrum, sein Kernheiligtum im Inneren usw. „Und errichteten bei den Brücken nach beiden Seiten hin Türme und Tore“, heiß es etwa in „Kritias“ 116a. Und im Zentrum „befand sich ein der Kleito und dem Poseidon geweihter Tempel, welcher nur von den Priestern betreten werden durfte und mit einer goldenen Mauer umgeben war“ (116c).

Das war das Allerheiligste der Atlanter für ihren Hauptgott Poseidon. Da ist die Lage mitten im Zentrum der Gesamtanlage gerade angemessen. Wie für die Bewohner Rethras ihr Hauptheilgtum im Zentrum der Stadt.

Ob das versunkene Rethra „nur“ eine Insel war, oder irgendwie Ähnlichkeit in Form eines Ringsystems wie Atlantis hatte, bleibt natürlich Spekulation. Eine heidnische (runde) Ringwallanlage mag zu solchen Ideen sicher gern verleiten. Auch hat Atlantis keine neun Tore gehabt, sondern nur zwei sowie zwei Brücken, wie Platon behauptet. Ringwallanlagen haben indes üblicherweise auch nur zwei Tore. Nicht neun, wie Rethra sie angeblich besaß.

Zwei Tore sind auch bei Weitem leichter zu verteidigen, als gleich neun.

Seltsame Bronzefiguren: Die „Prillwitzer Idole“

Der Mangel an Beweisen für die Lage von Rethra war und ist für die Suchenden ein Dorn im Auge. Da nützt es auch nicht, wenn man sich den Namen schützen lässt und damit quasi dessen Lage am Tollensesee „zementiert“. Ohne belegen zu können, dass die dort vorhanden Funde und Spuren wirklich von Rethra stammen.

Hier sollte man etwas mit „Beweisen“ nachhelfen, dachten sich im 18. Jahrhundert einige gewiefte Neubrandenburger vom Tollensesee. So erschienen 1768 bei der Familie Sponholz in Neubrandenburg, eine eingesessene Familie von Goldschmieden, „plötzlich“ Personen, die ausgesprochene seltsame Funde präsentierten. Es waren Figuren und zahlreiche andere Objekte aus Bronze, die überwiegend menschliche Gestalten zeigen. Augenscheinlich heidnische Götteridole in einer bis dato nie gesehenen Art.

Einige der Idole waren Menschen mit den Köpf eines Löwen. Andere erinnern an Meerungfrauen mit Flossen oder hatte mehre Köpfe. Wieder andere zeigten scheinbar Krieger mit Schwertern, ganz normale Personen, Tiere und bärtige „Priester“ mit „Strahlenkränzen“ um den Kopf oder sogar Körper. Nicht wenige hatte eine Ente auf dem Kopf sitzen. Über 60 dieser Bronzefiguren und Objekte kamen so nach und nach an die Öffentlichkeit. Einige messen rund 20 Zentimeter in der Höhe.

Im Titelbild ist eine Zeichnung eines der Objekte eingefügt.

Ihre Eigentümer gaben an, dass es Zufallsfunde waren, die ein Vorfahre der Familie Spongholz beim Baumpflanzungen machte. Fundort sei der Garten der Pfarrei Prillwitz gewesen. Ein Dorf direkt am Südufer der Lieps und heute Teil der Gemeinde Hohenzieritz. Unverkennbar ähneln die Figuren, bronzenen Scheiben oder „Münzen“ und mutmaßliche Schmuckstücke keiner Kultur in Norddeutschland. Oder überhaupt irgendwo auf der Welt. Sie sind, wenn überhaupt, ein Stilmix.

Ansturm auf die Fundstücke

Die Funde wurden zu einer Sensation und als „Prillwitzer Idole“ bekannt. Denn sehr viele der Objekte waren mit Runen beschriftet und immer wieder war dort „Rethra“ zu lesen. Die Gelehrten waren (teilweise) begeistert, da diese Funde beweisen, dass der gesuchte Ort genau da lag, wo er auch damals schon vermutet wurden. Im Gebiet Lieps und Tollensesee. So erschien bereits drei Jahre später über diese Funde das umfangreiche Werk „Die gottesdienstlichen Alterthümer der Obotriten, aus dem Tempel zu Rhetra am Tollenzer-See“ von Andreas Gottlieb Maschs.

Das Werk illustriere 1771 viele der Artefakte mit detailreichen Zeichnungen und Kupferstichen. Kein geringer als Prinz Carl von Mecklenburg Streliz hatte „befohlen, in übereinstimmiger Größe eine genaue Zeichnung davon zu verfertigen“, wie es der Herausgeber Daniel Woge einleitend schreibt. Immerhin wären die Funde in Zeitungen und anderen Magazinen den Altertumsinteressieren bereits bekannt gemacht worden. Mal am Rande, mal detaillierter. Zeit für ein Buch mit exakten Abbildungen, die „in aller nur möglichen Sorgfalt und Treue“ angefertigt wurden.

Was sicher niemand in Abrede stellen wird.

Weiter schreibt der Herausgeber Woge, dass, nachdem bekannt wurde, dass er solche Zeichnungen anfertige, die Interessierten ihm geradezu die Bude einrannten. Sie wollten Kopien seiner Zeichnungen – entweder gleich alle „oder nur einzelner Stücke“. Schnell merke er, dass er bei der Flut von Anfragen seine anderen Arbeiten „kein Genüge geschehen konte“. Er war ganz einfach überfordert. Heute ein Beleg, welches Echo diese Funde nach sich zogen.

Der Tempelberg von Rehtar

Ebenso schnell wurden aber Zweifel an den Artefakten laut. So schreibt der Herausgeber Woge weiter:

Und als vollends die Authenticität und ächte Beschaffenheit dieser sämtlichen Alterthumsstücke bezweifelt werden wolte, so entschlo0ß ich mich endlich, die für mich genommenen Copenen der gelehrten Welt in genauen Kupferstichen vor Augen zu legen (…).“

Die Kenner und Experten sollten so selber zu einen Urteil kommen. „Ohne sonderliche Kosten“ für die Anfertigung unzähliger Kopien für Einzelanfragen. Von einem Profi in Berlin seien die Kupferstiche deshalb „auf das genaueste gestochen“ worden. Die enormen Kosten für das Buch, den Verlag und Druck sowie den Vertrieb trägt er teilweise selber, unterstreicht er. Es könne folglich nicht seine Absicht sein, „große Reichthümer damit zu gewinnen“, da er nicht mal den vollen Preis für das Buch verlangen würde.

Er wolle keineswegs „an dem gelehrten Publikum (…) wuchern“, unterstreicht der Herausgeber, und er habe die „ungewisse Hoffnung“, dass der künftige Verkauf wenigstens etwas die Kosten deckt. Von den gedruckten Exemplaren wird deshalb „künftig keines unter 3 Thaler 12 Gr. in Golde“ verschickt werden.

Diese einleitenden Aussagen des Herausgebers Daniel Woge sind überaus interessant.

Er sah sich im Mai 1771, als er diese „Vorrede“ des Buches schrieb, bereits dazu veranlasst, darauf zu verweisen, dass das Werk enorme Kosten im Vorfeld verursachte. Er und der eigentliche Autor Masch haben keinesfalls im Sinn, irgendwen „abzuzocken.“ Interessanterweise „müssen“ sich bis heute Sachbuchautoren genauso rechtfertigen, da sie zum Teil enorme (Recherche-)Kosten für ihre Arbeit im Vorfeld haben …

Auch der Autor Masch selber betont: „Meine Absicht ist hiebey ohne Eigennutz“. Auf „dem Tempelberge der Stadt Rhetra“ stünde demnach heute das Wohnhaus von Landrat Asmus Wilhelm von Bredow. Da war er sich nach seinen Recherchen sicher, die zu dem immerhin rund 200 Seiten umfassenden Buch führten.

„Made in Rethra“

Die „Prillwitzer Idole“ tauchten zu dutzenden auf. Allein der Sammler August Friedrich Christian Hempel aus Neubrandenburg erwarb für seine Privatsammlung gleich 35 Exemplare. Die Herzöge von Mecklenburg Strelitz, von denen auch die Illustrationen bzw. Kupferstiche in Auftrag gegeben wurden, erwarben über 20 Objekte.

Gideon Sponholz aus der Neubrandenburger Goldschmiedefamilie nahm die Funde zum Anlass in seinem Ort ein Privatmuseum zu eröffnen. Er wurde so zu einem vermeintlichen „Experten“ für Altertümer und bekam vom Adel sogar die Genehmigung selber nach Schätzen zu graben. Im 18. Jahrhundert ein Privileg der Herzöge und eine beachtliche Ausnahme gegenüber Sponholz. Das einfache Volk durfte nicht mal im Wald jagen.

Auch damals staunten die Experten sehr schnell über die scheinbar willkürlichen Zusammensetzung von verschiedenen Stilelementen an den „Idolen“. Vergleichbares kannte man aus der Archäologie nicht. Der Vorwurf des Betruges stand damit schnell im Raum. Auch sollte man direkt stutzig werden, wenn Funde in so großer Stückzahl auftreten, von denen viele in Runen die Aufschrift „Rethra“ tragen. So, als wollten die Schöpfer klarstellen, woher die Objekte stammen: „Made in Rethra“. Missverständnis? Ausgeschlossen!

Jahrzehnte später war klar, dass die Idole von den Goldschmieden der Sponholz-Familie selber angefertigt wurden. Zumindest der Großteil der Objekte, womit diese Beweise wertlos sind. Auch wenn sie nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden und als Kriegsbeute als gestohlen galten. Erst Ende der 1980er Jahre fand man sie wieder und sie sind seitdem unter anderem im Volkskundemuseum Schwerin-Mueß verwahrt.

Eine Großherzogliche Untersuchungskommission brachte 1827 endlich Klarheit über die „Idole“. Verschiedene ehemalige Mitarbeiter der Familie Sponholz wurden verhört und ein früherer Goldschmied mit Namen Neumann gestand den Betrug. Gideon Sponholz selber war der Urheber des Schwindels und Jakob Sponholz war für Details der Ausarbeitung zuständig. Als unschuldig oder zumindest nicht direkt beteiligt erwies sich nur Jonathan Sponholz, da er damals auf Gesellenwanderung (Walz) war. Neumann selber wiederum fertige die Objekte nach Tonmodellen für die Brüder an.

Die Suche geht weiter

All jene, die gerne an die sensationelle Herkunft der Bronzen glauben wollten, waren enttäuscht. Den Autoren des Werkes „Die gottesdienstlichen Alterthümer der Obotriten (…)“ von 1771 kann man hier weniger einen Vorwurf machen. Sie fielen genauso auf den Betrug der Familie Sponholz herein, sofern sie nicht mit ihnen kooperierten. Was aber weniger wahrscheinlich ist.

Wahrscheinlicher ist es, dass sich die Sponholz-Familie ganz einfach selber an diesem Fake bereichern wollte. Und sie wollten ihre Heimat, ihren lokalen See, berühmt machen. Als Ort des mythischen Rethra und damit als einen wichtigen historischen Platz in der Geschichte Norddeutschlands.

Durchaus sehr menschlich, dass Personen genau ihre Heimat oder ihren Geburtsort historisch irgendwie „aufwerten“ wollen. Wo archäologische Fakten fehlen, hilft man mit fragwürdigen Funden nach. Und so ist plötzlich ein unscheinbarer Ort kulturell und geschichtlich wertvoll. Hier waren es archäologische Fälschungen, woanders erklärt man dafür natürliche Berge zu riesigen, uralten Pyramiden.

Der Suche nach dem wahren Rethra brachte das kein Stück weiter. Und sofern nicht im Bereich südlicher Tollensesee und Lieps eindeutige Belege für dieses „Atlantis“ gefunden werden, die zeigen, dass exakt hier der sagenhafte Ort lag, bleibt auch das Spekulation. Aufgrund der dort bereits gemachten Entdeckungen, ist das in Zukunft tatsächlich nicht ausgeschlossen. Wir werden sehen.

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 12. September 2021 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Video vom 10. August 2021 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Video vom 21. August 2021 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Video vom 14. April 2021 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Tagged , , , , , , , , , <

Indianische Mythologie: Eine Sintflut in Kalifornien, seltsame Legenden und unheimliche Monster im Tahoe-See (+ Videos)

Teilen:
Indianische Mythologie: Eine Sintflut in Kalifornien und das Monster im Tahoe-See (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage/Bearbeitung: Fischinger-Online)
Indianische Mythologie: Eine Sintflut in Kalifornien und das Monster im Tahoe-See (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage/Bearbeitung: Fischinger-Online)

Wer als Jäger des Phantastischen die Sagen, Mythen und Legenden verschiedenster Kulturen der Welt durchstöbert, findet immer wieder erstaunliche Ähnlichkeiten und sogar Übereinstimmungen. Egal wo auf der Welt und bei welchen Völkern. Das gilt auch für den Mythos von einer Sintflut, der weltweit in Überlieferungen oft verblüffende Parallelen zeigt. Auch was das Geschehen rund um diese Urkatastrophe der Menschheit betrifft. Eine solche Sintflut-Legende aus Kalifornien soll hier einmal vorgestellt werden, da sie eher weniger bekannt sein dürfte. Dann aber doch wieder einiges darin bekannt erscheint. Und sie der Einstieg in einen Stoff ist, aus dem im wahrsten Sinne des Wortes Legenden sind.


Die Sintflut

Jeder kennt aus der Bibel die phantastische Geschichte von der Sintflut. Einer großen Flut als Katastrophe der Menschheit, die Gott laut dem Buch Genesis als Strafe schickte. Diese Überlieferung ist eine der großen Mythen der Menschheit und fasziniert seit jeher die Menschen. Entweder aus religiösen und theologischen Motiven heraus, oder aber, da sie nach greifbaren Spuren einer solchen Sintflut suchen.

Lange ist bekannt, dass der Mythos von der großen Flut im Alten Testament zum Teil sehr viel älteren Schriften aus dem Mesopotamien entlehnt wurde. Vor allem ist hier das Gilgamesch-Epos zu nennen, das eine recht ähnliche Flut-Geschichte erzählt. Einige Passagen in diesem Epos ähneln oder gleichen der biblischen Geschichte so sehr, dass kein Zweifel bestehen kann, das unter anderem dieses Epos den Autoren des Buch Genesis als Vorlage gedient haben muss.

Als der englische Assyrologe George Smith 1872 den Sintflut-Bericht des Gilgamesch-Epos übersetzte, ging ein Aufschrei durch die bibeltreue Gesellschaft. Schlagzeilen im Sinne von „Ist die Bibel abgeschrieben?“ beherrschten die Zeitungen. Ein Unding für bibelfeste Christen. Ein Beweis für die Wahrheit der Bibel-Erzählung für andere Gläubige. Für Archäologen ganz nüchtern nur ein Beleg, dass die Redakteure und Autoren der Bibel sich bei ihrer Arbeit an älteren Mythen und religiösen Texten benachbarter Völker orientierten. Weltanschauungen von Kulturen aus Mesopotamien wurden von diesen adaptiert. Angepasst an ihre Theologie.

Sintflut und Sintfluten rund um den Erdball

Eigentlich sollte das niemanden wirklich verwundern. Die Kulturen und Zivilisationen im Nahen Osten und damit auch Mesopotamien beeinflussten sich alle untereinander. Direkt oder indirekt durch die Jahrtausende hinweg. Geographisch waren es letztlich auch Nachbarn. Und bekanntlich hielten sich auch Teile der hebräischen Bevölkerung in Babylon auf. Während des sogenannten „Babylonisches Exils“, als auch weite Episoden des Alten Testamentes verfasst worden sein sollen. Inklusive Sintflut-Mythos mit Arche Noah, Rettung auf einem Berg usw. im Buch Genesis.

Solche geschichtlichen Werdegänge von Mythologien und theologischen Weltbildern sind für viele Zweige der Wissenschaft spannend. Ein umfangreiches Betätigungsfeld auf den Spuren der Rätsel der Vergangenheit. Das natürlich auch „alternative Historiker“, Mystery-Jäger und Grenzwissenschaftler in ihren Bann zieht. Hier besteht ein kleiner aber feiner Unterschied darin, dass diese derartige Mythologien global betrachten. Weltweit suchen sie nach Verbindungen in Mythen und alten Überlieferungen. Nicht nur bei der Story der Sintflut. Und immer wieder wird man dabei tatsächlich fündig.

Dass es weltweit Sintflut-Mythen gibt, ist seit Jahrhunderten bekannt. Rund um den Erdball erzählen die Völker solche Geschichten von einer großen Flut und/oder einem Weltenbrand. Erst im 19. Jahrhundert haben einige wenige Forscher ihren Blick genauer auf diese Überlieferungen gerichtet. Es erschienen eine handvoll Bücher, die diese globalen Sintflut-Sagen dokumentierten und diskutierten.

Belegen diese Mythologien aus einer Urzeit der Menschheit rund um den Planeten, dass es ein solche Sintflut gab? Wie sonst sollten man erklären, dass beispielsweise Bewohner des Pazifik (s. a. Artikel HIER) derartigen Stoff überlieferten? Die Autoren der Bibel waren tausende Kilometer entfernt. Gelangte das Wissen erst durch christliche Seefahrer in ihre Mythen? Oder kam es sogar vor tausenden von Jahren durch eine heute vergessene, vorzeitliche Seefahrt in andere Regionen der Erde? Oder sind all diese Überlieferungen auf zahllose unterschiedliche Sintfluten zurückzuführen, die nur lokal zu einem „Weltuntergang“ führten?

Sind es letztlich vielleicht doch Beweise für eine globale Flutkatastrophe vor Jahrtausenden?

Die Washoe-Indianer und die Flut vom „großen Geist“

Diese Fragen sind bis heute unbeantwortet. Doch sie verleiten zu spannenden Spekulationen, Ideen, Thesen und Überlegungen. Nicht nur was die (theologische) Ursache der angeblichen Vernichtung betrifft, die sich in vielen Teilen der Erde erstaunlich ähnelt. Etwa eine Rebellion von Himmelswesen gegen ihren obersten Gott oder Führer, worauf ihre Niederkunft auf die Erde und eine sündige Menschheit folgte. Biblische Motive, die überall zu finden sind!

Eine spannende Legende ist von dem Volk der Washoe (Washo) bekannt. Amerikanische Ureinwohner aus Kalifornien, die im Gebiet des Tahoe-See siedeln. Wiedergegeben hat diese Überlieferung  Prof. Dr. Johannes Riem in seinem beachtenswerten Werk „Die Sintflut in Sage und Wissenschaft“. Ein Buch, das als Band IV der theologischen Reihe „Natur und Bibel in der Harmonie ihrer Offenbarungen“ schon 1925 erschien. Insgesamt 268 Flut- und Katastrophen-Berichte dokumentierte und diskutierte Riem darin. Deren Parallelen ebenso, wie deren Unterschiede.

Über den Flut-Mythos der Washoe schreibt er:

Die dortigen Einwohner wurden von einem fremden Stamme unterjocht und zu Sklaven gemacht. Da kam, vom großen Geist gesandt, eine ungeheure Woge vom Meere über das Land und ertränkte die meisten Menschen, so dass nur wenige übrigblieben.

Schon ist auch hier klar, dass die Flut als Strafe Gottes, des „großen Geist“, gesandt worden sein soll. Interessant ist hier aber, dass die Katastrophe als riesige Welle vom Meer über das Land herein brach. Das klingt sehr nach einem Tsunami. Kalifornien als eine der aktivsten Erdbebengebiete der Welt könnte diese Spekulationen untermauern.

Ein schneller Blick auf die Karte zeigt jedoch, dass das Meer (Pazifik) heute rund 310 Kilometer Richtung Westen vom Tahoe-See entfernt liegt. Zwischen dem Pazifischen Ozean und dem See erstreckt sich noch dazu das Hochgebirge der Sierra Nevada bzw. das Kalifornische Küstengebirge. Über 4.000 Meter reichen hier heute die höchsten Gipfel in den Himmel. Für einen angenommenen Tsunami eine gewaltige Barriere auf dem Weg zum Volk der Washoe. Dazu gleich mehr.

Wobei natürlich nicht zu sagen ist, dass sich diese mythische Flut auch tatsächlich im Gebiet des heutigen Sees ereignete, an dem später die Washoe siedelten.

Ein „amerikanisches Zikkurat“?

Nach dem Mythos der Washoe rafften sich die Überlebenden wieder auf. Eine Verbesserung für ihr Volk gab es aber nicht, sie blieben in der Sklaverei. Riem weiter:

Die Sklaven mussten nun einen großen Tempel bauen, in dem ihre Herren bei Einbruch einer neuen Flut Zuflucht finden konnten. Auf der Spitze des Tempels verehrten sie ein ewiges Feuer.“

So unscheinbar diese Aussage auch klingt, um so interessanter wird sie, wenn man einmal nach Mesopotamien schaut. Jene Region zwischen Euphrat und Tigris, in der die Sintflut-Berichte niedergeschrieben wurden, die den biblischen Autoren als Vorlage dienten. Denn hier, dem heutigen Irak aber auch Iran, bauten die Menschen vor tausenden von Jahren ebenfalls solche Tempel. Sie werden Zikkurat genannt und sind eigentlich nichts weiter als Stufenpyramiden mit einem Tempel an der Spitze. Sehr ähnlich wie jene in Mittelamerika. Der „Turm zu Babel“ ist hierbei sicher jedem ein Begriff.

Archäologen haben für diese in ganz Mesopotamien verstreuten Tempel-Pyramiden eine interessante Deutung ins Spiel gebracht. Diese Bauten könnten einigen Vermutungen nach aus Plattformen entstanden sein, die Menschen zum Schutz vor Fluten errichteten. Vor den immer wiederkehrenden Überschwemmungen der Flüsse Euphrat und Tigris, die teilweise katastrophale Ausmaße annahmen. Zugleich als Sinnbild des „Urhügels“ oder „Himmelshügel“, aus dem die Welt einst entstanden sein soll. Auch so ein weltweit wiederkehrenden Motiv, übrigens …

Dort haben schon vor 100 Jahren Ausgrabungen gezeigt, dass ganze Landstriche von Fluten vernichtetet wurde. Danach bauten die Menschen ihre Siedlungen wieder auf. Ganze Stadtstaaten entstanden und mit ihnen die Zikkurate. Ursprünglich seien dies eher Terrassen mit einem Tempel darauf gewesen, aus denen nach und nach schon ab dem 5. Jahrtausend vor Christus die ersten Stufenpyramiden wuchsen. Die erhöhte Lage bot gleichzeitig Schutz vor Fluten.

Durchaus erkenne ich in dem Washoe-Mythos hier eine Parallele.

Der versunkene Tempel

Die Legende der Washoe geht natürlich noch weiter. Denn während die „Herren“ mit ihrem Tempel fortan einen Schutz vor Wassermassen hatten, waren sie vor einer Katastrophe damit nicht geschützt: Vor Erdbeben. Und die sind in dieser Region nicht gerade selten und können verehrend sein.

So kam es laut Washoe dann auch so, wie es kommen musste. Ein Beben traf die Menschen und ängstlich „flüchteten die Herren in den Tempel“. Die „Erdrevolutuion“, wie sie das Erdbeben nannten, war dabei eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Mit nichts zu vergleichen, was wir heute kennen. Es war so stark, „dass die Flammen zum Himmel schlugen und dort die Sterne schmolzen“. Mehr noch, denn im Washoe-Mythos heißt es, „die Sierra erhob sich aus der Ebene“ während dieses Erdbebens.

Geologen werden den Kopf schütteln. Gebirge wachsen in Millionen von Jahren empor. Sie entstehen nicht plötzlich in dieser Größe bei einem Erdbeben, so stark es auch immer sein mag. Zumindest aber haben wir hier eine Art „mythologischer Erklärung“, wie die Sintflut der Washoe als gigantische Welle vom Meer im Westen gekommen sein kann. Die Sierra Nevada des kalifornischen Küstengebirges als Barriere gab es ganz einfach noch nicht.

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Selbstverständlich hatte diese Vernichtung auch Folgen für den Tempel der „Herren“. „Der Tempel versank bis auf seinen Dom im Tahoe-See“, heißt es dazu bei Riem. Auf diesem Dom, die Spitze des von Sklaven erbauten Bauwerkes, kauerten die letzten Überlebenden der „Herren“ zusammen. Ganz zum Missfallen des obersten Gottes, wie es weiter heißt:

„(…) indessen der große Geist war ergrimmt über sie, ergriff sie und warf sie wie Kieselsteine in die Schluchten einer großen Höhle, dort hört man sie noch heulen.“

Damit endet dieser Mythos in der Form, wie ihn Johannes Riem 1925 wiedergegeben hat. Durchaus könnte man ihn mit anderen Indianer-Legenden der Region verglichen, ergänzen und weiter ausbauen. Doch das würde an dieser Stelle zu weit führen. Auch wenn unter anderem Riem selber solche Berichte wiedergibt.

Uralte Spuren

Liegt also im Tahoe-See ein Beweis für diese Erzählung in Form eines versunkenen Bauwerkes? Immerhin soll es in den ganzen USA bzw. Nordamerika in diversen Seen versunkene Ruinen geben, über die auf diesem Blog und auf dem Mystery Files-YouTube-Kanal immer wieder berichtet wurde.

Besiedelt ist dieses Gebiet schon sehr lange. Nur etwas weiter östlich finden sich Felszeichnungen mit einem Alter von bis zu fast 15.000 Jahren. Nahe der Ortschaft Fallon wurde hier auch die älteste bekannte Mumie Amerikas entdeckt. Sie ist als „Spirit-Cave-Mann“ bekannt und wird auf bis zu 10.600 Jahre datiert, so eine am 7. Dezember 2018 in „Science“ (vol. 362, issue 6419) veröffentlichte Untersuchung. Es ist uraltes Land der amerikanischen Ureinwohner in Kalifornien und Nevada, in dem seit Jahrzehnten Archäologen forschen.

Und dieses Land war einst tatsächlich von einer „Flut“ überschwemmt.

Der „Pyramiden-See“

Vor rund 15.000 Jahren bedeckte ein gewaltiger Gletschersee das gesamte Gebiet bis Fallon, der heute Lake Lahontan genannt wird. Nichts als ein paar Seen und erstaunlichen Landschaften blieben von diesem Eiszeit-See übrig. Für heutige Touristen und Indianer-Fans ist das „Große Becken“, wie diese Gegend heißt, ein Highlight jeder USA-Reise. Einer dieser Seen liegt nur rund 80 Kilometer nördlich vom Tahoe-See und heißt heute Pyramiden-See.

Das lässt mit Blick auf die Washoe-Legende aufhorchen. Auch wenn diese klar sagt, dass der Tempel der „Herren“ im Tahoe-See versank. Der „Pyramid Lake“ wiederum hat seinen Namen nicht von archäologischen Spuren, die an seinen Ufern oder sogar auf seinem Grund entdeckt wurden. Namensgeber ist eine sehr auffallende pyramidenförmige Insel im See, die ca. 175 Meter vom Ostufer liegt. Über 100 Meter ragt diese „Pyramide“ aus dem See heraus und misst an der breiteste Stelle mehr als 200 Meter.

Eine mehr als auffällige Formation. Könnte diese Inspiration für den Mythos der Wahsoe von dem versunkenen Tempel gewesen sein, den sie im Tahoe-See lokalisieren?

USOs und ein Seeungeheuer

Der Lake Tahoe lässt sich nicht so einfach nach Beweisen für diesen Flut-Mythos durchsuchen. Er ist bis zu 500 Meter tief (der zweittiefste der USA), rund 500 Quadratkilometer groß und im Durchschnitt geht es dort 300 Meter hinab. Auch nimmt durch eingeschleppte Algen und andere Pflanzen die Sichtweite im See seit vielen Jahren kontinuierlich ab, wie erst im Sommer 2020 Forscher der nahen Universität von Nevada in Reno dokumentierten.

Wo soll man da – wenn man mit einem solchen Gedanken spielt – anfangen nach Belegen für eine indianische Legende suchen?

Ein Problem, dass nicht nur Mythen- und Mystery-Jäger betrifft, sondern auch Kryptozoologen. Denn wie in so vielen Seen der Welt, allen voran Loch Ness in Schottland, soll auch im Tahoe-See ein Monster leben. Dieses Seeungeheuer wird „Tessie“ genannt. Schon Legenden der Wahsoe und der benachbarten Paiute kennen dieses Biest in den Tiefen des Sees. Ähnlich wie Nessie im Loch Ness soll diese Kreatur aussehen und sich in Höhlen verbergen.

Um die Geheimnisse des Sees abzurunden, kursieren hier auch Geschichten über Unbekannten Unterwasserobjekte. Die bekannten USOs als maritimes Gegenstück zu den UFOs am Himmel. Im Januar 2004 wurde deshalb am „Squaw Valley Institute“ unter der Leitung von Dr. Charles Goldman von der „Tahoe Research Group“ eigens eine Konferenz dazu abgehalten. Angeblich hatten sich zu der der Zeit die ungewöhnlichen Sichtungen enorm gehäuft.

Der „Ong“ und der unheimliche Strudel

Die Wahsoe kennen in ihren Mythenschatz aber noch ein weiteres, seltsames Lebewesen, dass in ihrem See hausen soll. Sie nennen es „Ong“. Nach einer Aufzeichnung dieser Legende, die Nonette V. McGlashan am 3. November 1905 im „Sunset Magazine“ veröffentlichte, ist diese Kreatur „ein riesiger Vogel, größer als die Häuser der Weißen“. Er habe den Körper eines Adlers, Flügel länger als Kiefern und das Gesicht eines Indianers. Sein Körper sei „mit harten Schuppen bedeckt, und seine Füße waren mit Schwimmhäuten versehen“.

Sein Nest befindet sich nach dieser Legende „tief unten im Grund des Sees in der Mitte“. Dort stamme auch alles Wasser des Sees her. Alles Leben, dass dem Nest zu nahe kommt, wird hereingezogen und diene dem „Ong“ als Nahrung. Am Liebsten verspeist er dabei Menschen. Legenden berichten davon, wie mutige Krieger den Kampf mit dem Ungeheuer aufgenommen haben sollen:

Hoch am Himmel kreisend wie eine riesige, formlose Donnerwolke, schwarz wie die Nacht, die das Ungeheuer mal hier, mal dort auf der Suche nach Beute fegte.

So sahen die tapferen Indianer laut Sage dieses Fabelwesen aus dem See.

Das „Whirlpool-Loch“ im See

Auch all jene armen Menschen, die im See ertrinken, holt sich der „Ong“ zu sich in die großen, dunklen Tiefen. Wobei sich durchaus die Frage stellt, ob und woher die Wahsoe von der außergewöhnlich großen Tiefe des Sees von bis zu 500 Metern wussten. Maßen sie diesen mit Seilen, an denen Gewichte hingen, einfach aus Neugier aus?

Die Legende, dass ein unheimlicher Strudel Menschen, Tiere und Pflanzen in das Nest des „Ong“ zieht, bekam Mitte des 19. Jahrhunderts neue Nahrung. Ab 1858 brach im nahen Virgina City ein Silberrausch aus und der Bergbau boomte. Lester Williams aus San Francisco fiel dabei eines Tages beim Angeln auf dem mythischen See auf, dass sein Boot sich wie in einem Wirbel zu drehen begann. Ein hineingeworfenes Brett wurde tatsächlich von diesem Wirbel wie durch einen Abfluss in die Tiefe gezogen.

Zusammen mit Williams Speed wollte er diesem „Whirlpool-Loch“ im wahrsten Sinne auf dem Grund gehen. Sie entdeckten, dass der Wirbel mit den nahen „Comstock-Minen“ in Verbindung stand. Diese wurden immer wieder überschwemmt und waren damit eine Gefahr für die Bergleute. Würde es ihnen gelingen, diesen Wassereinbruch zu unterbinden, wären sie reiche Männer geworden. Was sie für einige Zeit auch wurden. Doch sie fanden bei weiteren Versuchen 1869 auf dem See den Tod.

Eine neue Heimat nach der Flut

Kehren wir nochmal zum Sintflut-Mythos der Washoe zurück. Denn die Legende erzählt uns auch, was mit ihnen geschah, als ihre „Herren“ starben und der Rest vom „großen Geist“ vernichtet wurde. Sie hatten damit ihr Dasein als Sklaven überwunden und konnten neu beginnen. Als das Erdbeben kam, flüchteten „die armen Sklaven nach dem Humboldt River“, vermerkt hierzu die Legende.

Dieser gerade mal 483 Kilometer lange Fluss entspringt nahe Wells, rund 500 Kilometer Luftlinie östlich vom Tahoe-See. Er fließt nach Westen in Richtung der „Großen Becken“ und mündest in der „Humboldt Senke“. Einem trockenen Seengebiet, dass einst zum verschwundenen Lahontan-See gehörte. Eine trostlose und öde Gegend heute. Vor 15.000 Jahren jedoch ein Siedlungsgebiet der amerikanischen Ureinwohner, die hier optimale Bedienungen vorfanden.

Die „Humboldt Senke“ liegt nur wenige Kilometer nordöstlich von Fallon mit den dortigen Spuren vorzeitlicher Siedlungen. Und damit keine 130 Kilometer vom Tahoe-See entfernt. Wenn nun aber der Mythos der Washoe sagt, dass ihre Vorfahren nach der Flut und Zerstörung an den Humboldt Fluss wanderten, kann das eine Urerinnerung aus er Eiszeit sein? So wie der gesamte Mythos ans sich? Vor über 10.000 Jahren hätten die Ahnen der Washoe dort ideale und fruchtbare Lebensbedienungen vorgefunden. Mit reichlich Wild, Wasser und Wäldern. Erst der Klimawandel am Ende der letzten Eiszeit zwang sie zur Abwanderung von dort. Ins Gebiet des Tahoe-See, wo sie in alten Legenden ihr Wissen aus der Vorzeit bewahrten.

Der Stoff, aus dem Legenden sind!

Viele Überlegungen, Deutungen und Ideen zu einem einzigen Mythos nur eines Stammes und zu nur einem einzigen See in den USA. Sicher. Würde das Szenario zutreffen, lebte dieses Volk einst in der Sklaverei, wurde von einer Flut heimgesucht, die ihre Peiniger vernichtete (die zuvor einen Tempelturm errichten ließen), und floh dann Richtung Osten. Dort, wo heute Ödnis vorherrscht. Wobei die Legende nicht explizit vom Humboldt Becken als neue Heimat spricht, sondern nur von dem entsprechenden Fluss.

Da der Fluss auch heute weiterhin gemächlich durch Nevada fließt, hätte es aber keinen Grund für die Washoe gegeben, dort wieder zum Tahoe-See zurückzukehren. Wo sie schließlich bei der Ankunft der Europäer bereits (wieder?) lebten. Außer vielleicht aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Völkern. Auch die genannten Nachbarn der Paiute lagen immer wieder mit ihnen im Konflikt.

Dennoch sehe ich hier ein schönes Beispiel für die Faszination bei der Jagd nach dem Unfassbaren. Uralte Mythen, die in Teilen an biblische Erzählungen und weltweite Legenden erinnern, gepaart mit phantastischen Details. Etwa dem plötzlichen Entstehen der Berge. Hinzu kommen Informationen, die man durchaus in wahre Welt und die Realität der Umgebung übertragen kann. Ob es so oder so ähnlich stimmt, ist natürlich unklar.

Und zu guter Letzt ist dieser „Stoff“ im weiteren Sinn noch mit USOs, einem Seemonster und einem mythologischen Vogelwesen innerhalb dieses mysteriösen Sees gewürzt. Genau der Stoff, aus dem Legenden sind.

Video-Auswahl zum Thema

Video vom 3. April 2020 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Video vom 15. Mai 2018 auf Mystery Files

Bitte auf das „Play-Symbol“ klicken.
Mehr Videos zur Grenzwissenschaft HIER

Lasst gerne ein Abo & Daumen hoch da …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

Interessantes zum Thema bei amazon.de:

Werde auch DU Fan von Mystery Files!

Grenzwissenschaft und Mystery Files auf YouTube

Werde Fan von Grenzwissenschaft und Mystery Files auf Facebook+++ Blog-Newsletter HIER abonnieren +++

Tagged , , , , , , , , , , <