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Die Abtei von Glastonbury: Halfen Phänomene aus dem Jenseits einem Archäologen bei seinen erfolgreichen Ausgrabungen? (Artikel)

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Die angeblichen Geister der toten Mönche von Glastonbury - helfen einem Archäologen (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Die angeblichen Geister der toten Mönche von Glastonbury – helfen einem Archäologen (Bilder: gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Glastonbury Abby in Großbritannien gilt als einer der mystischen Orte des Landes. Wenn nicht der ganzen Welt. Hier sei angeblich Jesus als Kind gewesen, der Heilige Gral liege dort und auch der legendäre König Artus sei dort bestattet. Ein angeblicher Kraftort voller Sagen und Geschichten. Dabei ist ein erstaunliches Ereignis eher in Vergessenheit geraten: Die erfolgreichen Ausgrabungen eines Archäologen vor knapp 110 Jahren, der angab, dass er aus dem “Jenseits” Informationen bekomme. Aus einer anderen Welt oder sogar von verstorbenen Mönchen der Glastonbury Abtei, die ihm “sagten”, wo er graben soll. Was damals geschehen ist, was die Kirche als Auftraggeber der Grabungen letztlich dazu sagte und welche Kritiken es schon früh gab, lest Ihr in diesem Blog-Artikel.


Glastonbury: Ort der Sagen und Legenden

Einer der der mystischsten und legendären Orte in Großbritannien überhaupt, sind sicher die Ruinen der Abteil von Glastonbury und das berühmte Glastonbury-Tor in Somerset in England. Ein alter Ort, um den sich zahllose uralte und moderne Sagen und Legenden ranken.

So heißt es etwa, dass der berühmte Josef von Arimathäa mit samt dem Jesuskind vor 2.000 Jahren in Glastonbury gewesen sei. Dabei habe dieser sogar nach dem Tod von Jesus in Jerusalem den Heiligen Gral per Schiff nach Glastonbury gebracht haben. Bis heute sucht man dort nach dem Heiligen Gral oder Beweisen, dass tatsächlich Jesus als junger Knabe hier war. Glastonbury Abby selber wiederum soll durch Jünger von Jesus Christus gegründet worden sein.

Als Josef von Arimathäa, so die Legenden über ihn weiter, dort angekommen sei, habe er einen Stab in den Boden gerammt, der in nur einer Nacht zu einem Baum heranwuchs. Der legendäre „Heiligen Dornbusch von Glastonbury“, der im Mittelalter viele fromme Pilger anzog. Glastonbury sei ein wundersamer Kraftort, heißt es bis heute.

Nicht viel anders als die Legenden um König Artus. Diese identifizieren (unter anderem) Glastonbury als Avalon aus der berühmten Sage um König Artus, dem wundersamen Zauberer Merlin und den Rittern der Tafelrunde. Tatsächlich behaupteten im 12. Jahrhundert fromme Mönche der Abtei von Glastonbury, dass man das Grab des nebulösen wie weltberühmten Königs Artus dort gefunden habe. Das damals entdeckte Grab wird bis heute als Grab von Artus ausgegeben und von zahllosen Touristen besucht.

Glastonbury, Avalon und König Artus

Glastonbury, der Heilige Gral, Avalon und die Artus-Saga  wird heute immer wieder von modernen Grals-Autoren ins Blickfeld gerückt. Vor Ort selber werden die Legenden für die Touristen durchaus gepflegt. Etwa, dass auf dem rund 160 Meter hohen, pyramidenartigen Hügel, wo heute das Glastonbury-Tor aus dem 14. Jahrhundert steht, einst Avalon lag. Damals sei dies eine Insel gewesen. Tatsächlich wurde der Hügel schon in der Steinzeit genutzt und vor fast 2.500 Jahren siedeln an seiner Spitze bereits Kelten. Ob dies später Avalon von König Artus war – niemand weiß es. Zumindest will man in Glastonbury selber der wahre Ort von Artus sein.

Auch sollen unterirdische Kraftlinien, die bekannten Ley-Lines, sich an diesem Platz treffen, kreuzen und schneiden. Ein magischer Ort mit einer bewegten Geschichte durch das Mittelalter hinweg. Archäologen wollen von solchen Sagen nichts wissen. Sie datieren die Anfänge der Ruinen der Abtei auf frühestens das 6. Jahrhundert nach Christus. Wer sich mit mythischen Orten in Großbritannien beschäftigt, kommt dennoch nicht um Glastonbury Abby herum. Auch wenn die dortigen Ruinen und sagenhaften Ereignisse viele tausend Jahre jünger sind, als die zahlreichen Megalithanlagen und vorzeitlichen Stätten der britischen Inseln.

Legenden sind nicht selten dazu da, um an ihnen weiter zu stricken. Aus einer Sage wird so schnell ein ganzer Sagenschatz, dem immer neue Details hinzugefügt werden. Oder aus dem weitere seltsame Geschichten und Erzählungen hervorgehen. Bei Glastonbury war es ganz genauso. Und selbst mit der versunkenen Welt von Atlantis wurde dieser Ort schon in Verbindung gebracht., Wie so viele andere Plätze und Regionen der Erde.

In Vergessenheit geriet bei all den Sagen und Geschichten um die Abtei von Glastonbury nicht minder unheimlicher Bericht. Es geht um die archäologischen Arbeiten des englischen Architekten, Archäologen und „Mystery-Forscher“ Frederick Bligh Bond. Einem verwandten Nachfahren des berühmten Kapitän William Bligh, auf dessen Schiff „Bounty“ es 1789 wohl zur berühmtesten Meuterei zur See der Weltgeschichte kam.

Ausgrabungen in Glastonbury-Abby

Bond sprach bereits 1899 dafür aus, dass Glastonbury nach einer heiligen und verborgenen Geometrie erbaut wurde. Auch andere Bauwerke, so Bond in einer Veröffentlichung 1917, beruhen auf dieser geheimen Architektur, die heute weithin als „heilige Geometrieb“ bekannt ist. Für die englische Kirche war er damit scheinbar der richtige Mann für Ausgrabungen in Glastonbury. So wurde er 1908 zu Grabungsleiter der Glastonbury-Abtei ernannt. Ein lohnendes Forschungsprojekt, das die Kirche bereits 1539 unter Herrschaft von König Henry VIII. völlig zerstört und nie wieder aufgebaut.

Als die englische Kirche im Jahr 1907 für 36.000 Pfund das Gelände erwarb, kannte man die Lage der einzelnen Bauelementente schon lange nicht mehr. Die gesamte Abtei war in einem erschreckenden Zustand und Vandalismus hatte ihr gleichsam schwer zugesetzt.

Nun aber wurde Bond mit der Ausgrabung der Abtei beauftragt. Bond war aber nicht nur ein begnadeter Architekt, sondern befasste sich nebenher auch intensiv mit der Parapsychologie. Doch dies hielt er damals noch mehr oder weniger geheim. Immerhin war sein Auftraggeber die britische Kirche, und die würde seine Aktivitäten im Bereich okkulter Praktiken sicher nicht befürworten.

Seine Befürchtungen stellten sich später als wohlbegründet heraus …

Da Bond praktisch ohne große Geldsummen seine Arbeit beginnen musste, war er auf schnelle Erfolge angewiesen. Und so beschloss er, mit dem Schreibmedium John Allan Bartlett zusammenzuarbeiten. Einem pensionierten Kapitän der Marine mit angeblich übersinnlichen Fähigkeiten. Solche angeblich medial begabten Menschen gab es damals durchaus sehr zahlreich. Es sind Personen, die angeblich medial Kontakt mit dem Jenseits oder „anderen Dimensionen“ haben. In „Trance“ schreiben diese dann die empfangenen Informationen nieder. Unter der Bezeichnung „automatisches Schreiben“ kennt man dies bis heute in der Parapsychologie. Was übrigens auch nicht nur auf Schreiben begrenzt ist. Auch Malen und Komponieren gehört dazu, wie HIER ausführlich dargelegt.

Hilfe aus dem Jenseits

Am 7. November 1907 trafen sich die Bond und Bartlett in Bristol zu einer ersten Séance, die gleichzeitig den Anfang einer unglaublichen Geschichte darstellte. Die Sitzung selber verlief im Grunde genommen sehr einfach. Bond legte leicht seinen Finger auf die Hand des Mediums Bartlett und dieser begann sich zu konzentrieren. Dabei hielt er einen Stift in der Hand, der locker auf einem leeren Blatt ruhte. So wollte man einfach versuchen mit dem angeblichen Jenseits in Kontakt zu treten, um etwas über die Abtei von Glastonbury zu erfahren. Auf die Frage „Könnt ihr (die Geister, Anm. LAF) uns irgendetwas über Glastonbury sagen?“ begann das Schreibmedium langsam eine Grundrisskarte zu zeichnen. Es stellte sich schnell heraus, dass dieser die besagte Abtei darstellte.

Am östlichen Ende jedoch zeichnete das Medium ein längliches Rechteck, das Bond nicht einordnen konnte. Er forderte nun seine paranormalen Quellen auf, ihm mehr zu diesem Teil der Karte zu sagen. So zeichnete Bartlett nun einen zweiten Grundriss, diesmal von dem östlichen Teil, und schnell erkannte Bond, dass es sich hierbei um eine Kapelle handeln müsse. Auch die Frage nach dem Erbauer dieser unbekannten Kapelle bekam Bond eine Antwort, denn es soll der Abt Bere gewesen sein.

Nachdem Bond und sein Medium Bartlett am 11. November eine zweite Séance hielten, die von ebenso erfolgreichen Informationen begleitet wurde, beschloss er fortan regelmäßig mit diesem Medium zu arbeiten.

1908 gab es endlich die für die Ausgrabungen erforderlichen Gelder von der Kirche, so dass 1909 damit begonnen werden konnte. Bond wollte als erstes versuchen, die Informationen seines Schreibmediums zu überprüfen. Dabei stellte sich heraus, dass diese tatsächlich zutrafen. Die Kapelle existierte wirklich. Der „Informant“ aus dem „Jenseits“, der sich als Ego Johannes Bryant vorstellte, gab aber auch mittels Medium an, dass sich in der Nähe der Kapelle zwei Türme befanden. Als Bond im Mai 1909 mit den konkreten Ausgrabungen begann, fand er auch diese zwei Türme. Niemand hatte erwartet, an dieser Stelle die Überreste solcher Bauten zu finden. Seine Geldgeber waren mehr als zufrieden.

Paranormale Aktivitäten: Ein Schock für die Kirche

Bond arbeitete heimlich auch weiter mit dem Medium Bartlett zusammen und führte eine Reihe spiritistischer Sitzungen durch. Sämtliche Informationen des Schreibmediums erwiesen sich bei den nachfolgenden Grabungen als zutreffend. So erfuhr Bond zum Beispiel, dass die Decke der Edgar-Kapelle einstmals golden bemalt und verziert war und die Scheiben in einem untypischen azurblau gefasst waren. Die Grabungen legten Reste goldener Bemalung ebenso frei, wie Splitter azurblauer Fenster.

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Frederick Bond startete eine beispiellose, aber sehr kurze, Karriere. Seine Arbeitgeber waren mit den Ergebnissen seiner Arbeit mehr als zufrieden und staunten immer wieder über seinen Spürsinn, an Orten fündig zu werden, an denen andere nie gesucht hätten.

Nachdem auch andere Informationen der angeblich paranormalen Art sich als korrekt erwiesen, entschloss sich Bond, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. So veröffentlichte er 1918 das Buch „The Gate of Remembrance“, in dem er die Quelle seiner sensationellen Erfolge bei den Grabungen preisgab. Es seit die „Geschichte eines parapsychologischen Experimentes“ mit samt den Ergebnissen und Entdeckungen, die daraus resultierten, wie er schrieb. Das Vorwort schrieb Bartlett.

Mit diesem Schritt waren die beispiellose Karriere und der gute Ruf Bonds zerstört. Vor allem mit seinem Arbeit- und Auftraggebern der katholischen Kirche, die mit solchen okkulten Praktiken nichts zu tun haben wollen. Kontakt mit dem Jenseits und Botschaften von “Drüben”? Das war zu viel für die Kirche. Bond, dessen Grabungen in Glastonbury Abby in der Archäologie durchaus geschätzt werden, wurden die Gelder gestrichen und er durch alle erdenklichen Hürden bei seiner Arbeit behindert. Man setzte ihn nun dafür ein, Funde zu reinigen und zu katalogisieren, bis man ihn 1922 endgültig von den Grabungen in Glastonbury ausschließen ließ und entließ.

Natürlich wurden auch seine Bücher, darunter Arbeiten, die nichts mit seinem paranormalen Jenseitsaktivitäten zu tun hatten, aus den Regalen genommen. Der Versuch, durch andere Geldgeber seine Ausgrabungen wieder zu beleben, wurde durch die Kirche vereitelt.

Kontakt mit anderen Welten oder historische Aufzeichnungen?

Bond selber war immer der Auffassung, er würde nicht mit Wesen im Jenseits kommunizieren, sondern sich einer Art „kollektivem Gedächtnis der Menschheit“ bedienen. Auch immer wieder verstorbene Mönche der Abtei genannt werden, die aus dem „Drüben“ ihr Wissen übermittelten. In diesem „Kollektivgedächtnis“ jedenfalls sollen alle Ereignisse aus allen Zeiten gespeichert sein. Eine übersinnliche Bibliothek des Wissens aus Vergangenheit, Gegenwart und sogar Zukunft. Vergleichbar mit der „Akasha-Chronik“ aus esoterischen und okkulten Kreisen, die man als übersinnliches Gedächtnis des Universums bezeichnen könnte. „Weise Meister“ oder „spirituelle Menschen“ sollen in der Lage sein, diese anzuzapfen.

War das auch vor über 100 Jahren in Glastonbury durch Bartlett so?

Das sah natürlich nicht nur die Kirche in Großbritannien anders, sondern auch die Kritiker. Schon 1922 veröffentlichte der Geistliche H. J. Wilkins eine erste Kritik zu den Behauptungen von Bond und Bartlett („The Spectator“, 9. Juni 1922). Die beiden haben ganz einfach „falsche parapsychologische Behauptungen“ aufgestellt, wie Wilkins Veröffentlichung überschrieben war. Denn, so war sich der Skeptiker sicher, alle Informationen konnten auf vollkommen irdischem Wege erlangt werden. Bond habe demnach die Situation vor Ort ausgezeichnet eingeschätzt und in einer emsigen Fleißarbeit sämtliche vorhandenen alten Aufzeichnungen studiert:

Alles, was in der Schrift (gemeint ist das Buch von Bond, Anm. LAF) wahr ist, konnte aus historischen Daten gewonnen oder durch intelligente Beobachtung bestehender Fakten und Bedingungen vernünftigerweise vermutet werden. Die historischen Daten für die Edgar-Kapelle und die Loretto-Kapelle waren für erfolgreiche Ausgrabungen ausreichend (…)“

“Alles Mist”

Heute teilt auch der Archäologe Kenneth L. Feder diese Ansichten. Historische Dokumente und Zeichnungen der Abtei, die „Bond mit ziemlicher Sicherheit bereits gesehen hat“, hätten ihn den Weg gezeigt, wo er graben soll. Bei dem übersinnlichen Aufzeichnungen selber der beiden habe es damals auch „keinerlei wissenschaftliche Kontrollen“ gegeben. Wer weiß da schon, wie und ob diese Kontakte mit dem Jenseits stattfand, so Feder in einem Beitrag in dem Werk „The Encyclopedia of the Paranormal.“ (1996).

Feder als Professor für Archäologie ist zumindest im englischen Sprachraum sehr bekannt. Nicht nur als Autor von Büchern, die sich gegen die Ideen der Prä-Astronautik, entsprechende „Betrügereien“, „Pseudarchäologie“ und Erich von Dänikens Bücher richten. Und, dies am Rande, selbst als Lehrbuch für einige Studiengänge verwendet werden.

Auch in zahlreichen TV-Dokumentationen trat er bereits auf, um gegen diese Spekulationen und wilden Ideen zu argumentieren.  Es sei „Mist“ und machte ihn „richtig sauer“, wie er in seinem Buch „Frauds, Myths, and Mysteries: Science and Pseudoscience in Archaeology“ schon 1990 schrieb. Seit dem erschien sein persönliches Standartwerk in mehreren, immer erweiterten Auflagen. Ebenso ist er Mitglied in einer Reihe Skeptiker-Organisationen.

In diesem Video HIER auf Mystery Files habe ich über Feder und eine seiner „Kritiken“ zu einer Prä-Astronautik-Idee bereits vor Jahren berichtet. Sie stammt aus einer britischen TV-Dokumentation, sie seit vielen Jahren auch im deutschen Fernsehen immer mal wieder zu sehen ist. Ihr werdet staunen …

Dennoch haben die Kritiker der Arbeiten von Bond natürlich damit Recht, das er nicht belegen kann, dass er Hilfe aus einem Anderswo bekam. Niemand hat die spiritistischen Sitzungen mit dem „automatischen Schreiben“ wissenschaftlich dokumentiert oder sie beobachtet. Stammen die Informationen also tatsächlich aus historischen Aufzeichnungen, die Bond in einer Fleißarbeit auszuwerten verstand? Verbunden mit purem Glück?

Ein Leben für das Paranormale

Bond selber scheint jedenfalls bis zu seinem Tode 1945 von der Welt des Paranormalen überzeugt gewesen zu sein. Schon vor seinen Ausgrabungen in Glastonbury war er Mitglied entsprechender Gruppen und Vereine, die sich mit  Okkultismus und grenzwissenschaftlichen Phänomenen beschäftigten. 1889 wurde er sogar bereits Freimaurer und 1895 Mitglied der bekannten „Theosophischen Gesellschaft“. Von 1921 bis 1926 war Blond auch Herausgeber einer entsprechenden Zeitschrift, die noch heute unter den Namen „Psychic Science“ existiert. Dann ging er in die USA, wo er bereits im Jahr 1930 das „Journal of the American Society for Psychical Research“ herausbrachte und auch in entsprechenden Vereinigungen Mitglied war. 1933 wurde er sogar zum Bischof der „Old Catholic Church of America“ geweiht (schon sein Vater war Geistlicher).

Ein Lebenslauf der darauf schließen lässt, dass Bond an die Macht und Welt des Übersinnlichen glaubte. Ob er in diesem Zusammenhang aber glaubte, dass das Jenseits ihn bei seinen Ausgrabungen unterstützte, wissen wir natürlich nicht. Hat er vielleicht tatsächlich jene Aufzeichnungen von Glastonbury gesehen, von denen die Skeptiker immer sprachen, und diese „Informationen“ dann (unbewusst) bei den Séancen seinem Scheibmedium buchstäblich an die Hand gegeben? Oder hat er ganz einfach betrogen, obwohl er sicher sein konnte, dass er seinen Job verliert?

Wir wissen es nicht. Fragen können wir da wohl nur das Jenseits …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Neue Ausgrabungen am Ringheiligtum von Pömmelte und dessen “Rituallandschaft”: Verweisen neue Funde auf einen Schädelkult im “deutschen Stonehenge”?

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Ringheiligtum von Pömmelte: Verweisen neue Funde auf einen Schädelkult im "deutschen Stonehenge"? (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)
Ringheiligtum von Pömmelte: Verweisen neue Funde auf einen Schädelkult im “deutschen Stonehenge”? (Bilder: PixaBay/gemeinfrei / Montage: Fischinger-Online)

Wie auf Mystery Files mehrfach berichtet, laufen derzeit neue Ausgrabungen und Forschungen rund um das Ringheiligtum von Pömmelte unweit von Magdeburg. Dem “deutschen Stonehenge”, wie es übertrieben auch gerne genannt wird. Jetzt gaben die Archäologen bekannt, dass in der nahen Siedlung der Steinzeit bis in die Bronzezeit, die dort seit längerem ausgraben wird, Hinweise auf einen “Schädelkult” entdeckt wurden.


Ringheiligtum von Pömmelte: Das “deutsche Stonehenge”

Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte liegt südlich von Magdeburg in Zackmünde und ist seit Jahren Gegenstand der archäologischen Forschung. Seit die Anlage aus dem 3. Jahrtausend vor Christus vor Jahren auf Luftbildern entdeckt wurde, graben dort Wissenschaftler. Heute ist die 2016 als Rekonstruktion wieder aufgebaute ein Ausflugsziel und wird unter anderem vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle in Sachsen-Anhalt intensiv erforscht.

Es gilt heute als sicher, dass die 115 Meter im Durchmesser messende Ringanlage über lange Zeiträume hinweg als Heiligtum und Kultort genutzt wurde. Verschiedene vorzeitliche Kulturen sind hier nachweisbar, die bereits vor rund 4.500 Jahren an diesem Ort lebten. Welche Art von Ritualen die unterschiedlichen Kulturen hier feierten oder abhielten, lässt sich mit Gewissheit nicht abschließend belegen. Da das hölzerne Bauwerk zeitlich in die Epoche des britischen Stonehenge passt und zumindest von seiner Ausdehnung her ähnliche Dimensionen aufweist, nennen es einige auch das “deutsche Stonehenge”.

Eine Übertreibung, die allerdings weltweit auf runde oder ringförmige Anlagen der Vorzeit angewendet wird. Ob sie dabei dem Alter oder der Größe von Stonehenge entsprechen, ist dabei ebenso nebensächlich wie die Frage, ob sie aus Holz oder Stein gebaut wurden.

Vergangene und aktuelle Ausgrabungen an und um die Kreisgrabenanlage von Pömmelte zeigten bereits, dass hier eine große Ansiedlung gestanden haben muss. Ein ganzes Zentrum der Bronzezeit, mit riesigen Häusern, die von den Archäologen als größte bisher bekannte Siedlung der frühen Bronzezeit angesehen wird. Verschiedene Brunnen, Gruben, Langhäuser von zum Teil bis zu 30 Metern Länge und Gräber konnten die Forscher um Grabungsleiter Matthias Zirm bereits freilegen oder nachweisen. Wie auf diesem Blog berichtet, sind 80 komplette Häusergrundrisse bereits ausgegraben worden. Sie liegen nur einen Steinwurf vom Ringheiligtum entfernt.

Zirm geht davon aus, dass es “bis zum Ende der Grabung im Herbst” 2021 “mit den weniger gut erhaltenen Exemplaren wohl insgesamt 130 Häuser sein” werden.

Eine Schädelkult?

Hinzu kommen zahllose Fundstücke des Alltages, wie Becher, Krüge, Tassen, Keramtiken, Beile und Tierknochen. Welche genau rein “kultischen Zwecken” dienten, ist unklar. Laut den Archäologen belegen aber gefundene Gräber und menschliche Überreste mit teilweise schweren Verletzungen auf blutige Ritualhandlungen hin. Möglicherweise ein Ahnenkult. Dies muss jahrhundertelang vor Ort geschehen sein, da auch die entdeckten Häuser aus unterschiedlichen Epochen stammen. Alle Funde zusammengenommen deuten auf eine “Rituallandschaft” um das Ringheiligtum hin, ist auch Landesarchäologe Harald Meller in einer Pressemitteilung vom 18. Mai sicher:

Bereits die Untersuchungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das vor etwa 4.350 Jahren errichtete Ringheiligtum von Pömmelte und das nur wenig jüngere benachbarte Ringheiligtum von Schönebeck Elemente einer ausgeprägten Rituallandschaft waren. So konnte im letzten Jahr südöstlich des Ringheiligtums von Pömmelte ein monumentaler Grabbau der Baalberger Kultur (4.000–3.400 v. Chr.) komplett freigelegt werden. Aus der Zeit der sogenannten Schnurkeramischen Kultur (ab ungefähr 2.800 v. Chr.) stammt ein astronomisch orientiertes Grabengeviert vor dem östlichen Eingang des Ringheiligtums. Ein vergleichbares, etwas kleineres Geviert wurde im letzten Jahr am Ringheiligtum von Schönebeck an gleicher Stelle aufgedeckt. Aufwendige Grabanlagen und Gräberfelder von der Jungsteinzeit bis in die Bronzezeit ergänzen das Bild.

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Heißt es dazu in der Mitteilung des “Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” weiter. Dies wiederum weist in der Tat deutliche Parallelen zum englischen Stonehenge auf. Auch hier findet sich um die steinzeitliche Megalithanlage ein Rituallandschaft, in der zahllose Bodendenkmäler aus unterschiedlichen Epochen nachweisbar sind. Meller vermutet laut einer dpa-Meldung auch, dass hier unsere Ahnen einen “Schädelkult” praktizieren:

In einer Bestattung lag ein Schädel neben dem Skelett. Auch im Kreisgraben des Ringheiligtums wurden Schädel deponiert. Das lässt einen Schädelkult der damaligen Menschen vermuten.

Wie udn wann genau dieser “Schädelkult” dort ausgeübt worden sein soll, verriet der Forscher nicht.

Eine bedeutende Sakrallandschaft

Die aktuellen Grabungen konzentrieren sich nicht direkt auf das Ringheiligtum:

Im Fokus der archäologischen Ausgrabungen des Jahres 2021 steht wieder die Siedlung vor den Toren des Ringheiligtums Pömmelte, die aufgrund ihrer enormen Ausdehnung bereits in den Vorjahren Aufsehen erregte. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht derzeit die Klärung des Verhältnisses dieser Siedlung zum Ringheiligtum.”

Von der Jungsteinzeit (ab etwa 2300 vor Christus) bis in “die Epoche unmittelbar nach der Niederlegung der Himmelsscheibe von Nebra” um 1550 vor Christus haben hier Menschen gesiedelt. Eine “Mega-Siedlung”, wie die Archäologen sie in ihrer Mitteilung nennen. Bis zum 1. Oktober soll deshalb eine Gesamtfläche von 24.000 Quadratmetern untersucht werden. “Weitere wichtige Erkenntnisse zur Kulturlandschaft an der Elbe” seien deshalb auch noch in Zukunft zu erwarten.

Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger blickt voller Optimismus auf die Zukunft der Kultstätte und der gesamten Region. Vor allem für den Tourismus durch das im Bau befindliche Besucherzentrum:

Die Fortsetzung der Erforschung der Rituallandschaft an der Elbe soll die Grundlage dafür bilden, die Region um Schönebeck langfristig als kulturtouristisches Ziel zu etablieren. Bereits das rekonstruierte Ringheiligtum Pömmelte, das ‘deutsche Stonehenge’ hat sich schnell zu einem touristischen Highlight und Anziehungspunkt für Besucher aus ganz Deutschland entwickelt. Dieses Potential soll in den kommenden Jahren weiter ausgeschöpft werden.

“Die weit über die Region hinausweisende kulturhistorische Bedeutung des vorgeschichtlichen Monuments”, so die Archäologen, “liegt insbesondere auch in dessen Analogie zum ‘echten’ Stonehenge”. Beide seien von “Vertretern derselben Glockenbecherkultur errichtet” worden und beide Anlagen waren einst “Bestandteil und Zentrum einer über Jahrtausende bedeutenden Sakrallandschaft” gewesen.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Ringheiligtum Pömmelte, das “deutsche Stonehenge”: Ausgrabungen gehen trotz Corona noch diesen Monat in Deutschlands “sakraler Landschaft” weiter (+ Videos)

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Ringheiligtum Pömmelte, das "deutsche Stonehenge": Ausgrabungen gehen trotz Corona noch in diesem Monat weiter (Bild: WikiCommos / T. Maue / CC BY-SA 2.0)
Ringheiligtum Pömmelte, das “deutsche Stonehenge”: Ausgrabungen gehen trotz Corona noch in diesem Monat weiter (Bild: WikiCommos / T. Maue / CC BY-SA 2.0)

Trotz der zahlreichen Einschränkungen, die das grassierende Corona-Virus COVID-19 auf das öffentliche Leben derzeit hat, scheint das “Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” in Halle davon nicht betroffen zu sein. Wie jetzt mitgeteilt wurde, startet noch im April die neue Ausgrabungssaison 2020 am bzw. um das Ringheiligtum Pömmelte nahe Magdeburg. Unweit der auch “deutsches Stonehenge” genannten Ringanlage haben die Archäologen bereits zuvor ein rund 4.000 Jahre Siedlung entdeckt, die nach Ansicht der Forscher mehr über den Gesamtkontext Anlage von Pömmelte und ähnlichen Bauten der Region verraten könnte. Auch über die “Himmelsscheibe von Nebra“. Was sich die Archäologen erhoffen, welche Entdeckungen bereits gemacht wurden und warum sie von einer mit Stonehenge vergleichbaren “sakralen Landschaft” sprechen, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.


Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte

Das “Kreisgrabenanlage von Pömmelte” genannte Ringheiligtum aus dem Ende des 3. Jahrtausend vor Christus wurde erst 2005/2006 durch Luftbildaufnahmen entdecken. Nachforschungen am Boden bestätigten, dass hier im Erdreich eine uraltes Heiligtum in Form einer Kreisanlage befindet, die daraufhin in den Folgejahren systematisch ausgegraben wurde. Wie auch die steinzeitliche Anlage von Goseck der Region (s. 1. Video unten) wurde auch die Ringanlage von Pömmelte 2016 als Rekonstruktion wieder aufgebaut.

Die Kreisanlage von Pömmelte geht bis in die Steinzeit zurück, hat 115 Meter Durchmesser und ist in sieben einzelne Ringanlagen unterteilt. Die bisherigen Ausgrabungen zeigten, dass dieser “Kultplatz” offensichtlich über sehr lange Zeiträume hinweg genutzt und auch umgebaut wurde. Knochen von Menschen, Tiere sowie Reste von Gefäßen und entdeckte Steinwerkzeuge lassen vermuten, dass hier nicht nur Bestattungen eines Totenkult vorgenommen wurden. Auch “rituell” sollen die Nutzer der Kreisgrabenanlage hier vor Jahrtausenden Gegenstände vergraben haben.

Als eine Art von Opfer an spirituelle, himmlische oder jenseitige Mächte und/oder Ahnen. Ein Brauch an sakralen Bauten und Plätzen, der weltweit nachweisbar ist. Von der Steinzeit bis heute. Der Kult an dem Heiligtum von Pömmelte sei allerdings mehr oder weniger einzigartig, da die entsprechenden vorgefunden Schachtlöcher erst am Ende der Bronzezeit und zum Beginn der Eisenzeit “in Mode” kamen.

Die Archäologen des “Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” in Halle sowie britische Kollegen sind überzeugt, dass ab 2800 vor Christus hier ein heiliger Platz existierte. Eine Ringanlage, die an verschiedene Kulturen weitergegeben wurde, da durch die Ausgrabungen dessen Nutzung von unterschiedlichen Kulturen nachweisbar ist. Besonders auffällig ist dabei, dass in der Zeit zwischen 2135 bis 1985 vor Christus das Heiligtum gezielt abgebaut wurde. Warum unsere Vorfahren das taten, bleibt offen.

Ein deutsches Stonehenge für den “Kult”

Geklärt ist aber, dass auch diese Ringanlage einst astronomischen Zwecke diente. Auch hier wurden in der Architektur der umgebenen Palisaden spezielle Auf- und Untergängen der Sonne berücksichtigt. Ein Brauch, der bei nahezu allen archaischen Bauten dieser Art nachweisbar ist. Inklusive Stonehenge in England, als bekanntestes Beispiel aus der Steinzeit.

Wirklich verstehen, warum unsere Vorfahren in Mitteldeutschland und zahllosen anderen Orten derartige Heiligtümer errichteten, kann bis heute niemand. Irgendwelche “Kulte” waren sicher der Grund. Hier reichen die Interpretationen von Kultstätten für Verstorbene, dem Mond, die Sonne, dem Himmel mit den Sternen, dem Kalender bis zu spirituellen Machtplätzen einer Herrscherkaste. Letztes in dem Sinne, dass diese Eingeweihten durch solche Anlagen Himmelszeichen deuten und vorhersehen konnten.

Wahrscheinlich war der Sinn in den meisten Fällen eine Kombination aus alle diesen “kultischen Nutzungen”. Zumal solche Anlagen über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende hinweg genutzt wurden. Auch von verschiedenen Kulturen, wie man es bei der “Kreisgrabenanlage von Pömmelte” belegen konnte. Weltanschauungen, Religionen und damit die Verwendung entsprechender Bauten ändern sich dadurch durchaus.

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Die gefundene Anlage von Pömmelte steht nach Ansicht der Archäologen auch nicht allein in der Gegend. Sie ist eingebettet in eine riesige “sakrale Landschaft”, wie es die Archäologen bezeichnen. Verschiedene Stätten seien Teil dieses fast schon religiösen Gebietes der Vorzeit, was damit die Forscher an das englische Stonehenge erinnert. Es sei einst “eine mit dem Umfeld von Stonehenge vergleichbare sakrale Landschaft” gewesen, die “hier irgendwo im heutigen Nirgendwo” vor tausenden von Jahren entstand, so Franziska Knoll von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Auch sei ein Vergleich von Pömmelte zu Stonehenge trotz der augenscheinlich vollkommen unterschiedlichen Bauweise durchaus gerechtfertigt. So schreibt “Deutsche Welle” unter Berufung auf die Archäologin Knoll:

Der Blick zum weltberühmten Monument in Südengland ist durchaus nachvollziehbar, denn beide Ringheiligtümer – Stonehenge wie Pömmelte – wurden von Vertretern der Glockenbecher-Kultur vor über 4.300 Jahren erbaut, also am Ende der Jungsteinzeit.

Beide Anlagen haben einen sehr ähnlichen Grundriss, in beiden wurden astronomische Bezüge entdeckt, in Stonehenge zur Winter- und Sommersonnenwende, in Pömmelte zu den Mittviertelfesten, Mitte Februar und Ende Oktober/Anfang November, wenn die Sonne in den zentralen Einlässen auf- bzw. unterging. Zwar fehlen in Pömmelte die tonnenschweren Steine, aber kulturhistorisch ist das Ringheiligtum Pömmelte südlich von Magdeburg durchaus mit Stonehenge vergleichbar.

Großflächige Ausgrabungen geplant

Da ein Vergleich mit Stonehenge und Umgebung nicht gescheut wird, arbeiten die deutschen Forscher auch mit Kollegen aus Großbritannien zusammen. Die Archäologen der der Universität Southampton arbeiten und graben seit Jahren im Gebiet von Stonehenge und so profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit. Ob sie allerdings in der jetzt beginnenden Saison 2020 so reibungslos funktioniert,  wie in den Jahren davor, ist noch unsicher. Durch die Corona-Pandemie sei es unklar, ob ab Juli auch Studenten der Universität Southampton in Deutschland bei den Ausgrabungen dabei sei können.

Dennoch startet dieser Tage die weitere Erforschung des Gebietes um die Ringanlage durch die deutschen Forscher. Hauptaugenmerk der Archäologen aus Halle liegt dabei auf eine Siedlung, die bereits vor einigen Jahren unmittelbar bei dem Heiligtum gefunden wurde. Das unterscheidet Pömmelte von Stonehenge, wie sie betonen. Denn in England liegen zwar zahllose Gräber, Grabhügel und weitere Anlagen um den Steinkreis verteilt, aber keine ganzen Dörfer wie hier.

Etwa 29.000 Quadratmeter sei nach Angaben der Archäologen diese Siedlung groß. Und 37 sogenannte “Langhäuser” Bewohner konnten bereit gefunden werden. Weiter werden sicher folgen, ist sich Knoll sicher. Für Mitteleuropa ist das bisher einzigartig. Wofür dieses Dorf aber errichtet wurde, sei weiterhin vollkommen unklar. Ebenso, was die Bewohner dort eigentlich machten. Vielleicht, so spekulieren die Ausgräber, “kümmerten sie sich um das Heiligtum oder versorgten Besucher des Ringheiligtums bei Ritualen”, so “Deutsche Welle”.

Offensichtlich wird es auch nicht die letzte große Grabung in diesem Gebiet sein, da auf Luftbildaufnahmen südlich der Ringanlage eine weitere Anlage dieser Art entdeckt wurde. Sie stamme von der Baalberger-Kultur und sei angeblich 6.000 Jahre alt. Unweit der rund 4.000 Jahre alten Kreisgrabenanlage bei Schönebeck, nur ca. 1,3 Kilometer von Pömmelte entfernt, wurden ebenfalls Umrisse von Gebäuden auf Luftbildern nachweisen. Auch die sollen jetzt genauer untersucht werden.

Auf den Spuren unserer eigenen Wurzeln in Pömmelte

Bereits 2019 schrieb Dr. Alfred Reichenberger vom “Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” in einer Pressemitteilung zu den damaligen Ausgrabungen:

Auf eben jene Glockenbecher Leute geht die Anlage des Ringheiligtums zurück. Auch zeitgleiche Bestattungen konnten dokumentiert werden. Die Verstorbenen wurden teils aufwändig in Holzkammern oder Baumsärgen bestattet. (…) Auch Stonehenge wurde durch die Glockenbecher Leute erbaut. Sie trugen die Kenntnis über die Metallverarbeitung über ganz Europa und legten so den Grundstein für die Kommunikationsnetzwerke der folgenden Bronzezeit. 

Das Areal in und um das Ringheiligtum in Pömmelte bietet damit einen einzigartigen Einblick in das kulturelle Gefüge des 3. Jt.s v. Chr. Diese Epoche prägten Migration und Innovation maßgeblich. Eben jene Glockenbecher Leute und Schnurkeramiker verliehen uns heutigen Europäern einen Großteil unseres Gensatzes.

Die Befunde und Funde aus Pömmelte ermöglichen aber auch, das soziale und religiöse Umfeld der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, für das die Himmelsscheibe von Nebra das eindrücklichste Beispiel bietet, besser zu verstehen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen in Pömmelte sind Teil des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projektes ‘Kontextualisiertes Erleben der Himmelsscheibe von Nebra’. (…)

Das Ringheiligtum ist neben der unweit gelegenen Kreisgrabenanlage von Schönebeck Teil einer Rituallandschaft an der Elbe und spielt für das Verständnis der kulturgeschichtlichen Grundlagen am Ende der Jungsteinzeit und für den Beginn der sozialen Komplexität in der frühen Bronzezeit eine zentrale Rolle.”

Eine deutsche “Rituallandschaft”

Eine “Rituallandschaft an der Elbe” mitten in Deutschland. Vor wenigen Jahren noch hätte daran kein hiesiger Archäologe geglaubt. Von daher ist es auch wenig verwunderlich, dass Archäologen diese “Rituallandschaft” mit der “Himmelscheibe von Nebra” in Verbindung bringen. Als “Jahrtausendfund” der Archäologie mitten in eben genau diesem Gebiet wurde sie unlängst selbst zu einem “Heiligtum” der deutschen Archäologen.

Betrachtet man diese heilige Region in Sachsen-Anhalt in ihrer bisherigen Gesamtheit, wirft sie unzählige Frage auf. Von denen werden Archäologen viele wohl niemals eindeutige beantworten können. Das fängt bereits bei dem eigentlichen Grund an, warum Menschen der Steinzeit überhaupt damit anfingen solche Ringanlagen, Kreisbauten und Steinkreise zu errichten. Weiter stellt sich die Frage, warum sich dieser Brauch über ganz Europa und darüber hinaus ausbreitete. Auch wenn es lokale Abweichungen in der Art und Weise dieser Kathedralen der Steinzeit gibt.

Offen ist auch, warum tausende von Jahren an dieser “Religion” festgehalten wurde. Beispielsweise ist das immer wieder in diesem Zusammenhang genannte Sonnenobservatorium von Goseck als Teil dieser “Rituallandschaft” rund 7.000 Jahre alt. Die viel zitierte und nach Meinung der Archäologen dazugehörige “Himmelsscheibe von Nebra” indes nur 3.700 bis 4.100 Jahre. Die “Kreisgrabenanlage von Pömmelte” bis zu 4.800 Jahre. Und jene bei Schönebeck sogar nur 4.000 Jahre.

Dass die Parallelen beispielsweise zwischen Goseck und Pömmelte trotz des Altersunterschied eindeutig sind, steht außer Frage. Warum das so ist, wird sich wohl niemals belegen lassen.

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Neue Ausgrabungen im Tal der Könige geplant: Mit Zahi Hawass als Chef-Ausgräber am TV auf der Suche nach neuen Gräbern

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Neue Ausgrabungen im Tal der Könige geplant (Bild: gemeinfrei)
Neue Ausgrabungen im Tal der Könige geplant (Bild: gemeinfrei)

Es wird auch in Zukunft nicht leise im und um das Tal der Könige in Ägypten. Während die Boden-Scans 2017 und 2018 am Grab des Pharao Tutanchamun keinen Beweis für versteckte Kammern oder sogar ein weiteres Grab lieferten, soll im Herbst dieses Jahres erneut nach verborgenen Gräbern gesucht werden. Unter Leitung des Archäologen Dr. Zahi Hawass und in Begleitung von einem Filmteam einer  TV-Produktionsfirma aus Kalifornien. Daraus soll eine Doku-Serie oder auch ein “Live-Bericht” für unterschiedliche TV-Plattformen entstehen. Was wir hierbei zu erwarten haben und was Dr. Hawass zu dem Projekt sagt, erfahrt Ihr hier.


Liebe Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Spurensuche im Tal der Könige

Nahe Luxor liegt das weltberühmte Tal der Könige, das in den letzten Jahren immer wieder für internationale Schlagzeilen sorgte. Vermutet wurden Geheimkammern im Grab des legendären König Tutanchamun, dessen Grab der Brite Howard Carter 1922 entdeckte. Verschiedene Radar-Scans und andere Untersuchen ergaben jedoch im Frühjahr 2018, dass es diesen versteckten Kammern im Grab aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gibt.

Im Video unten erfahrt Ihr dazu mehr Details. Ebenso zum Beispiel auch HIER, HIER, HIER & HIER auf diesem Blog.

Trotzdem bleiben die Forschungen im Tal der König für Archäologen spannend. Vielleicht, so die Vermutungen, gibt es hier noch weitere Gräber und Grabgruben, die bisher noch nicht entdeckte wurden. Insgesamt kennt die Ägyptologie heute 64 Grabanlagen dort, von denen (meistens) nur drei von Touristen besichtigt werden können.

Neue Forschungen …

Die Internetseite “Deadline.com”, ein News-Portal über die neuesten Hollywood- und TV-Produktionen, berichte am 23. Juli über neue Forschungen im Tal der Könige.

Es mag zwar ungewöhnlich klingen, dass eine Hollywood-Webseite über News der Ägyptologie berichtet, doch das hat einen einfachen Grund: Die “Storied Media Group” von Gründer Todd Hoffman wird die Arbeiten mit der Kamera begleiten. Einmal mehr wird der umstrittene Archäologe Zahi Hawass als Hauptdarsteller in Szene gesetzt. Auf “Deadline.com” heißt es dazu:

Vor dem 100-jährigen Jubiläum der Entdeckung des Grabes von König Tut hat die Storied Media Group die Produktions- und Sponsorenrechte an einer großen archäologischen Ausgrabung im ägyptischen Tal der Könige erworben, die im September unter der Leitung des renommierten Ägyptologen und Archäologen Dr. Zahi Hawass beginnt. Das Projekt wird in mehreren Netzwerken als Doku-Series und mögliche Live-Event-Special aufgestellt. Die Storied Media Group wurde vom ägyptischen Ministerium für Altertümer ausgewählt, um die Ereignisse zu dokumentieren.

Dass Kamerateams archäologiche Forschungen, Expeditionen und Arbeiten begleiten, und daraus einen TV-Event machen, ist längst nicht neu. Vor allem in den USA sind derartige TV-Shows und Doku-Serien durchaus sehr beliebt. Wie an anderer Stelle auf diesem Blog berichtet, sind solche US-Sendungen mehr Show als Wissenschaft, wie man es aus dem hiesigen TV her kennt.

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Zahi Hawass zurück ins Rampenlicht

Zahi Hawass ist der wohl umstrittenste Ägyptologe unserer Tage. Seine zahllosen TV-Sendungen wie eben solche Dokus haben ihn schon lange den Ruf eines Show-Archäologen eingebracht. Er ist, so nenne ich ihn ganz gerne, “Ägyptens letzter Pharao“. Das zeigt sich beispielsweise sehr gut an seiner Doku-Reihe “Der Mumien-Jäger”.

So schrieb schon die “Süddeutsche Zeitung” in einem kritischen Artikel am 17. Mai 2010 über Dr. Hawass:

Es heißt, der Herr über das Pharaonenreich sei ein Tyrann, rachsüchtig, launisch und eitel. Er beschimpfe seine Gegner als ‘Pyramidioten’, er sei eine ‘Ein-Mann-Konfliktzone’.

Es heißt, alle Tempel seien nur Kulissen für seine Auftritte, und bei denen trage er immer einen albernen Hut, um auszusehen wie Indiana Jones. Manchmal vergleiche er sich sogar mit Tutanchamun. Selbst Freunde sagen dann, dass er langsam seltsam werde.

Trotzdem wollten ein Dutzend Firmen die Produktion der neuen Hawass-Show im Tal der Könige gerne übernehmen. Den Zuschlag bekam letztlich die “Storied Media Group”, die damit sogar den bekannten “Discovery Channel” schlug. Für Todd Hoffman ein absoluter Gewinn, wie er sagt:

Wir fühlen uns geehrt, vom ägyptischen Ministerium für Altertümer ausgewählt worden zu sein, um dieses historische Ereignis zu dokumentieren. Dies ist eine einmalige Chance und wir sind dankbar, mit dem gefeierten Dr. Hawass und seinem Team zusammenzuarbeiten.

Das Besondere an diesen (TV-)Ausgrabungen ist nach Zahi Hawass, dass die Arbeiten nur wenig entfernt vom Grab des Tutanachamun stattfinden sollen. Scans der Umgebung seine “vielversprechend” und es ist zugleich dass erste Mal, dass dort Nachforschungen stattfinden sollen. Dr. Hawass geht sogar noch einen riesigen Schritt weiter:

Diese bevorstehende Ausgrabung verspricht, alles zu ändern, was wir über das Tal der Könige wissen.

Ob dieses Versprechen von Zahi Hawass nicht viel zu hoch gegriffen ist, bleibt abzuwarten. Es ist fraglich, ob die ab September 2018 startende Produktion mit ihm wirklich alles ändern wird, was wir über die Gräber dort bis heuute bereits wissen.

Video zum Thema “Geheimkammern des Tutanchamun”

Video vom 7. Mai 2018 auf Fischinger-Online bei YouTube

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Ringheiligtum von Pömmelte: Eine Stierkampfarena? Experten präsentieren eine phantasievolle “Rekonstruktion” (+ Video)

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Ist die Rekonstruktion des Ringheiligtum von Pömmelte nichts als reine Phantasie eines Künstlers des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle? (Bilder: M. Zirm & Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)
Ist die Rekonstruktion des Ringheiligtum von Pömmelte nichts als reine Phantasie eines Künstlers des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle? (Bilder: M. Zirm & Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)

Rekonstruktionen oder sogar Nachbauten von uralten Artefakten, Monumenten, Bodendenkmälern oder anderen Kultplätzen sind wahrlich nicht immer ganz einfach. Vor allem dann, wenn man kaum mehr als verwitterte Spuren im Erdreich hat, die mühsam ausgegraben werden müssen. So wie bei dem Ringheiligtum von Pömmelte in Sachsen-Anhalt, das wie sein “Bruder” in Goseck als Rekonstruktion wieder aufgebaut wurde. Jetzt jedoch legten die Verantwortlichen eine Bild-“Rekonstruktion” vor, die sicher nicht nur Laien erstaunen wird.


Das Ringheiligtum von Pömmelte und Rekonstruktionen der Archäologie

Wenn sich Archäologen daran machen, irgendwas aus unserer fernen Vergangenheit zu rekonstruieren, wird es immer heikel. Seien es nun Nachbauten wie das Ringheiligtum von Pömmelte oder Goseck in Sachsen-Anhalt, der vermeintliche Wiederaufbau von zerstörten Ruinen oder digitale bzw. virtuelle Rekonstruktionen antiker Stätten irgendwo auf der Welt.

Mit Sicherheit wird sich schon jeder Zuschauer bei entsprechen TV-Dokumentationen über historischen Stätten, Orte, Monumente oder ganzer Städte gefragt haben, woher weiß man, wie die aussahen? Denn unzählige derartiger History-Dokus präsentieren dem Publikum immer wieder digitale Rekonstruktionen solcher antiken Ruinen, wie sie einstmals in voller Blüte dagestanden haben sollen. In den wenigstens Fällen wird dabei klein eingeblendet, dass es eine “künstlerische Rekonstruktion” oder “Interpretation” ist.

Emsige Archäologen zeigen hierfür gerne ihre oft spärlichen Funde, aus denen mittels Computeranimation wunderschöne Gebäude und Plätze entstehen. Gute Beispiele sind irgendwelche ausgegrabenen Löcher in denen von tausenden von Jahren Holzpfosten standen, die längst verwittert sind. Wie von Zauberhand entstehen daraus am Computer und Zeichenbrett ganze Häuser mit Dach und Verzierungen oder sogar ganze Ortschaften.

Rekonstrukteure brauchen sehr viel Phantasie, das steht fest. Was die archäologische Faktenlage nicht hergibt, wird dazuerfunden. Seien wir aber mal ehrlich, niemand von uns möchte auf die archäologischen Grafik-Phantasien heute verzichten. So ähnlich mag es ausgesehen haben. Der Interessierte bekommt visuell einiges geboten und kann sich so sicherlich in diese längst versunkenen Welten hinein versetzten.

Nachbauten nach tausenden von Jahren

Bei den Nachbauten – oder mutmaßlichen Nachbauten – der in Deutschland berühmten Ringwallanlagen in Goseck und Pömmelte ist es nicht viel anders. Der archäologische Befund belegt, dass hier solche Holzbauten tatsächlich standen. Vor vielen Jahrtausenden, so dass heute von ihnen nahezu nichts mehr übrig blieb. Da kommt die Luftbildarchäologie ins Spiel, die auch diese Anlagen entdeckte. Verfärbungen und (zu) regelmäßige Strukturen im Erdreich zeigen aus der Luft, dass hier einst etwas stand.

So findet man Beispielsweise auch immer wieder Siedlungen oder Häuser aus den Tagen der Römer in unseren Breiten. Gleichfalls versunkene Ruinen im Sand der Wüste Ägyptens oder auch die Bauten versunkener und unbekannter Kulturen im Urwald von Brasilien (s. Video HIER).

Die Feldforschung und vor allem Grabungen vor Ort zeigen dann schnell, was hier einst gebaut wurde. Selbst 3.000, 5.000 oder 8.000 und mehr Jahre nach dem Bau einer Anlage, kann man diese Spuren in der Erde finden und nachweisen. So war es auch bei den Ringwallanlagen in Sachsen-Anhalt. Rasch wurden die einstigen Gräben und Wälle identifiziert und auch all jene Löcher, in denen unsere Vorfahren ihre Holzpfosten stellten. Grundsätzlich eine recht einfache Bauweise, die man ebenso einfach rekonstruieren kann. Auch wenn sie immer unsichere Variablen enthalten.

Das beginnt schon bei der Frage, wie hoch/lang die einzeln Holzpfähle waren, aus denen die runden Palisaden erbaut wurden. Oder ob einige von ihnen, etwa im Bereich der Eingänge, Querbalken trugen, wie sie in Pömmelte heute zu sehen sind. “So ungefähr” mag eine derartiger Nachbau der modernen Forscher sicherlich korrekt sein. Nur Erbsenzähler mögen an der einen oder anderen Unsicherheit Anstoß nehmen. Zum Beispiel bei der Frage nach etwaiger Bemalungen.

Und die Besucher dieser Stätten freut es ohnehin, dass sie hier etwas beeindruckendes aus de Steinzeit zu sehen bekommen. Zumal die Forschung vor Ort weiter geht und neue, erstaunliche Resultate ans Licht brachte. Unter anderem wurde auf Mystery Files HIER mehrfach darüber berichtet.

War Pömmelte eine Stierkampf-Arena?

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, das unter anderem für die Anlage von Pömmelte verantwortlich ist, legte nun aber eine weitere “Rekonstruktion” nach. Eine künstlerische Darstellung, in der auch die neuen Forschungsergebnisse der Ausgrabungen um das Heiligtum Berücksichtigung fanden. Wie berichtet lokalisierten die Forscher im Umfeld unter anderem zahllose Häuser eines ganzen Dorfes um die uralte Stätte. Die größte Siedlung jener Epoche vor grob 5.000 Jahren, die bisher entdeckt wurde.

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Am 20. Juli stellte das Landesmuseum mit Blick auf die neuen Funde bei Facebook ein Bild online, dass eine aktualisierte Rekonstruktion von Pömmelte zeigen soll. Inklusive der neu entdeckten Häuser. Schaut man aber genauer auf das etwas im Hintergrund befindliche Ringheiligtum an sich, sollte der Betrachter staunen. Ihr seht es als Titelbild dieses Beitrages. Mit der vor Ort errichteten Rekonstruktion (kleines Bild im Titelbild) hat diese künstlerische Rekonstruktion oder besser Interpretationen wahrlich nichts mehr zu tun.

Hier hat der Künstler des Landesmuseum für Vorgeschichte aus der Ringwallanlage offensichtlich eine Stierkampf-Arena gemacht. Inklusive einer überdachten Umrundung, einer umlaufenden Tribüne mit Zuschauern und mit Stier und Torero. Die Holz-Palisaden selber sind dich geschlossen und selbst die Eingänge in das Heiligtum sind auf dieser Interpretation verschwunden. Und gerade diese Eingänge oder Öffnungen sind es, die die Anlage von Pömmelte bekanntlich so spannend machen. Sie sind nach astronomischen Bezügen ausgerichtet, wie man es auch vom Sonnenobservatorium von Goseck oder natürlich Stonehenge kennt.

“Nur eine weitere Möglichkeit”

Offenbar hat der Grafiker eher an eine Arena aus dem alten Rom gedacht.

Nach der Veröffentlichung dieses fragwürdigen Bildes, fielen schnell auch anderen diese Unstimmigkeiten auf. Ein User namens Daniel M. merkte beispielsweise bei Facebook an, dass dieses Bild “komplett daneben und falsch” sei. Als Landesmuseum hätte er derartiges nicht veröffentlicht. Auch er vermisst die Tore als “einer der wohl wichtigsten Aspekte überhaupt” bei dieser Anlage. Ihm sei nicht eine Kreisgrabenanlage bekannt, die so gedeutet wird”, wie er ganz richtig kritisiert.

Für ihn ein “Fantasiegebilde“, das sich wohl kaum auf wissenschaftliche Fakten stützten kann. Daraufhin verteidigte das Landesmuseum in Halle die Darstellung unter anderem mit folgenden Worten:

Unser Künstler und Ausstellungsgestalter Karol Schauer hat sich intensiv mit den unterschiedlichen Konstruktionsmöglichkeiten anhand der Pfostenstellungen des Ringheiligtums von Pömmelte beschäftigt und ist so zu dieser neuen Interpretation gekommen. Nur weil es von der bislang geläufigen Rekonstruktion abweicht, heißt es nicht, dass es gleich ‘daneben’ ist. Es ist eben nur eine weitere Möglichkeit.

Wie das Ringheiligtum oberhalb des Erdbodens tatsächlich aussah, werden wir ohne Zeitmaschine vermutlich nie herausbekommen.

Festgelage oder Tierkämpfe?

Mit der letzten Aussage hat die Institution natürlich Recht. Dennoch würde die bildliche Rekonstruktion auf dem beruhen, “was der archäologische Befund hergibt”. Es sei ein “multifunktionalen Versammlungsort” gewesen, von dem man schlicht nicht weiß, was im Inneren vor sich ging. Aber Stierkämpfe? Auch dafür hat das Landesmuseum für Vorgeschichte eine “Erklärung” anzubieten:

Eine erhöhte Anzahl an Rinderknochen aus der sich eine besondere Bedeutung dieser Tiere ableiten ließe wurde auch entdeckt.

Mag sehr gut sein. Immerhin ist das auch von anderen archäologischen Fundstätten bekannt. Dort werden solche Befunde meist als Opfertiere gedeutet. Oder auch, dass hier zu bestimmten Anlässen geradezu Festgelage stattfanden. Selbst bei den über 10.000 Jahre alten megalitischen Steinkreisen von Göbekli Tepe in Anatolien interpretiert man entsprechende Knochenfunde in diese Richtung.

Dass das Ringheiligtum von Pömmelte aber deshalb eine Arena mit Zuschauertribünen für den Stierkampf war, ist doch mehr als zweifelhaft. Ebenso, dass das Landesmuseum eine solche Phantasie als mögliche Rekonstruktion durchgehen ließ. Zumindest aber ist es hübsch anzusehen.

Video zum Thema

Video vom 26. Feb. 2019 auf Fischinger-Online

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Neue Entdeckungen der rätselhaften Sanxingdui-Kultur in China: Stehen diese sogar in Verbindung mit der chinesischen Mythologie?

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Neue Entdeckungen der rätselhaften Sanxingdui-Kultur in China (Bild: german-xinhuanet.com
Neue Entdeckungen der rätselhaften Sanxingdui-Kultur in China (Bild: german-xinhuanet.com)

Bereits vor einigen Jahren wurde im Südwesten von China eine rätselhafte Kultur entdeckt, die als Sanxingdui-Kultur bekannt wurde. Seit dem graben Archäologen in den Ruinen und machen immer neuen Funde, über die auf diesem Blog bereits berichtet wurde. Überaus bizarr erscheinende “Götzen” und Opferbeigaben, die laut chinesischen Forschern zu einer der größten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts gehören. Jetzt gaben die Wissenschaftler ihre neuen Funde und Entdeckungen bekannt. Stehen diese sogar in Verbindung mit der chinesischen Mythologie?


Sanxingdui in China: Fremdartig und unbekannt

In der Provinz Sichuan im Südwesten von China fanden lokale Bauern vor fast 100 Jahren bei Arbeiten zufällig Relikte in der Erde. Vor allem Objekte aus Jade (s. a. Video HIER), die auf eine versunkene archäologische Stätte schließen ließen. Um ihre Funde in klingende Münze umzusetzen, verkauften die Finder ihre Kostbarkeiten. So wurden sie in alle Winde unter Privatsammlern verstreut. Ein Problem für die später in dieses Gebiet kommenden Archäologen. Sie suchten das Gebiet rund 50 Jahre ohne Erfolg ab.

Das änderte sich ab 1986 als erneut durch Zufall weitere Funde gemacht wurden. Objekte aus Gold, Ton und Bronze kamen zutage, die die Archäologen zuvor in dieser Fülle und Gestaltung noch nie gesehen hatten. Schnell wurde deutlich, dass hier eine versunkene Kultur des alten China verborgen lag. Nach und nach kamen tausende Artefakte von einer nie dagewesenen Kunstfertigkeit und einem vollkommen unbekannten Stil ans Licht des modernen China. Man hatte die Sanxingdui-Kultur gefunden.

Die Wurzeln dieser in ganz China einmaligen Kultur reichen weit zurück. Bis zu fast 5.000 Jahre in die Vergangenheit. Dank der bis heute anhaltenden Ausgrabungen ist man sich sicher, dass sogar das mythische Volk der Shu mit diesen Ruinen in Zusammenhang stehen könnte. Eine Art von Ur-Dynastie des alten China mit weitreichenden Einflüssen.

2019 habe ich in diesem Artikel HIER bereits über die Sanxingdui-Kultur berichtet. Denn vor allem die tausenden von fremdartigen Figuren, Masken und “Fratzen” mit ihren unbekannten Darstellungsform erinnern an Wesen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Astronautengötter, von denen es in China heißt, dass diese “Himmelswesen” oder “Ur-Kaiser” einst aus den Wolken kamen und die ersten Dynastien gegründeten. Vor allem fand man diese Artefakte in Opfergruben. HIER ein Beispielbild.

Sanxingdui und die Geburt Chinas

Verglichen mit westlichen Kulturen und Ruinenstätten ist Sanxingdui in unseren Breiten kaum bis gar nicht bekannt. Obwohl Ausstellungen mit Fundstücken dieser Kultur schon Anfang und Mitte der 1990er um die Welt gingen. Auch in verschiedenen Städten in Deutschland stießen damals die rätselhaften Objekte aus dem fernen China auf Interesse beim Publikum. In New York (1998) oder auch Singapur (2007) war es nicht anders.

Zeitgleich eröffnete 1997 in Guanghan nahe der Ruinen auch das “Sanxingdui-Museum”, in dem heute die meisten der Funde und Artefakte zu besichtigen sind. Genau dort, so meldete es die Nachrichtenagentur Xinhua aus China am 27. Mai, wurden gestern die neuesten Entdeckungen der Ausgrabungen der Öffentlichkeit präsentiert. Mehr als 1.000 neue Relikte konnten die Forscher der Öffentlichkeit präsentieren. Sie stammen vor allem aus sechs Opfergruben, die seit 2020 vor Ort ausgegraben werden. Laut Tang Fei, dem Direktor des “Forschungsinstituts für kulturelle Relikte und Archäologie” der Provinz Sichuan, komme man bei den aktuellen Grabungsarbeiten sehr gut voran.

Deshalb wolle man “die neuesten Errungenschaften einschließlich der archäologischen Arbeiten an der Ausgrabungsstätte vorstellen und bedeutende Projekte präsentieren, die die Bekanntheit der Sanxingdui-Kultur weltweit fördern sollen”, so Xinhu. Denn laut den Chinesen soll es sich bei den Ruinen um eine der “größten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts” handeln. Die Archäologen erhoffen sich, dass die Forschungen in Sanxingdui ” den gemeinsamen, vielfältigen Ursprung der chinesischen Zivilisation näher beleuchten können”.

Angesichts der Fremdartigkeit der dargestellten Gesichter und Figuren in ihrem Aussehen und ihrer kulturellen Umgebung, fragt man sich als Mystery-Jäger aber auch, ob die Chinesen dabei auch ihre eigene Mythologie mit in Betracht ziehen …

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Eine elektrische Spule aus der Urzeit entdeckt? Ein angeblich seltsamer Fund im Kosovo sorgt für Kontroversen +++ Video +++

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VIDEO: Eine elektrische Spule aus der Urzeit? Angeblich seltsamer Fund im Kosovo. (Bild: YouTube-Screenshot / UFOvni2012)
VIDEO: Eine elektrische Spule aus der Urzeit? Angeblich seltsamer Fund im Kosovo. (Bild: YouTube-Screenshot / UFOvni2012)

In der Grenzwissenschaft und der “Welt des Unerklärlichen” tauchen im wieder seltsame Funde und Artefakte auf. Angeblich seien diese vielfach nicht herkömmlich zu erklären oder würden sogar “die Geschichte neu schreiben”. So wie ein seltsames Objekt aus dem Kosovo, bei dem es sich angeblich um eine 20.000 Jahre alte Spule bzw. einen Transformator handeln soll. Die dazu kursierenden Aussagen von Kritikern wie Befürwortern werfen allerdings mehr Fragen auf, als sie beantworten.


Seltsames aus dem Kosovo?

Seltsame und rätselhafte Funde und Artefakte gibt es überaus zahlreich. Vor allem in der Prä-Astronautik und Grenzwissenschaft sorgen diese Objekte immer wieder für Diskussionen. So wie eine angeblich elektrische Spule, die zehntausende Jahre alt sein soll und im Kosovo gefunden wurde.

Zum Teil sorgen solche Funde oder Artefakte schon seit Jahrzehnten, ohne dass das eine oder andere seltsame Objekt eindeutig geklärt oder erklärt werden konnte. Oder sogar überhaupt identifiziert wurde. Sie gelten vielfach als Rätsel der Archäologie. Auch wenn sie fast immer nicht von Archäologen bei “regulären Ausgrabungen” gefunden wurden.

Solche Artefakte aus der Archäologie und vor allem durch (angeblichen) Zufall gefundene Objekte sind hin und wieder durchaus sehr interessant. Für Spekulationen innerhalb der Grenzwissenschaft sorgen hingegen alle. Und viele werden auch schnell wieder vergessen, sobald vor allem durch das Internet neue Funde die Runde machen. Sehr oft werden sie dann mit Außerirdischen der Antike in Zusammenhang gebracht.

Ein solches Artefakt stammt aus dem Kosovo. Wie viele andere auch, so soll auch dieser Zufallsfund die “Geschichte neu schreiben”. Es handelt sich um eine elektrische Spule, einen Transformator oder ein ähnliches Bauteil der Elektrotechnik, dass scheinbar von festem Gestein umschlossen ist. Alter: Angeblich 20.000 Jahre!

Das Fundstück sei allerdings, so Kritiker, als modern identifiziert worden. Doch stimmt das überhaupt? Viele Fragen bleiben bei diesem zweifellos fragwürdigen “Sensationsfund” offen, wie Ihr in diesem Video vom vom 16. Juli 2020 erfahren werdet. Denn auch die gelieferte “Erklärung” und “Identifizierung” der Skeptiker stimmt nicht.

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Sensation um die “Goldene Stadt” in Ägypten? Die verlorene Stadt des Dr. Zahi Hawass über 80 Jahre bekannt +++ Video +++

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VIDEO: Die versunkene "goldene Stadt" des Dr. Zahi Hawass: Die verlorene Stadt ist seit über 80 Jahren bekannt (Bilder: WikiCommons/gemeinfrei /Z. Hawass / Montage: Fischinger-Online)
VIDEO: Die versunkene “goldene Stadt” des Dr. Zahi Hawass: Die verlorene Stadt ist seit über 80 Jahren bekannt (Bilder: WikiCommons/gemeinfrei /Z. Hawass / Montage: Fischinger-Online)

Wie in diesem Video HIER kürzlich berichtet, wurde nahe Luxor in Ägypten eine verlorene oder versunkene Stadt im Wüstensand entdeckt. Unter anderem gab Dr. Zahi Hawass, bekannter Ägyptologe und eine Art Ägyptens letzter Pharao, diese großartige Entdeckung bekannt. Wie sich jedoch schnell herausstellte, ist “sein” Fund gar nicht so neu. Schon vor über 80 Jahren haben Archäologen in diesen Ruinen Ausgrabungen und Dokumentationen durchgeführt, wie Ihr es in diesem Video erfahrt.


Die verlorene Stadt des Zahi Hawass in Ägpten

Kürzlich wurde bekannt, dass in Ägypten nahe Luxor eine “verlorene Stadt” entdeckt wurde. Unter anderem laut dem Archäologen Dr. Zahi Hawass eine Sensation, bei der er sogar von einer “goldenen Stadt” der Pharaonen sprach. Hawass der große Entdecker, wie es scheint.

Dazu hatte ich am 10. April bereits ein Video für Euch online gestellt, das Ihr HIER findet.

Denn so spannend und sensationell die Entdeckung der verlorenen oder (im Sand) versunkenen Stadt in Ägypten bei Luxor für die Ägyptologie auch sein mag, so seltsam erschien deren Ausgrabung. Denn es hieß, dass diese untergegangene Metropole des Pharao Amenophis III. (Amenhotep), dem Vater des legendären Pharao Echnaton, erst im September 2020 gefunden wurde. Seit dem erfolgten dort Ausgrabungen und Forschung.

Das ging merkwürdig schnell, wie ich im besagten Video bereits anmerkte. Und tatsächlich: Die “goldene Stadt” des Dr. Hawass wurde bereits vor über 80 Jahren von Archäologen entdeckt. Schon Mitte der 1930er Jahre erfolgten dort Ausgrabungen. Was mich sehr an “seine” Entdeckung des Osiris-Grab von Gizeh erinnert, über die ich unter anderem HIER ausführlich berichtete.

Was mögen die Hintergründe sein? Mehr dazu in diesem ergänzenden YouTube-Video vom 20. April 2021.

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Video vom 20. April 2021 auf Mystery Files

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“Baalbek Reborn” veröffentlicht: Die Wiederauferstehung der Ruinenstätte im Libanon mittels moderner 3D-Rekonstruktionen

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"Baalbek Reborn": Die Wiederauferstehung von der Ruinenstätte mittels moderner 3D-Rekonstruktionen (Bild: Screenshot Baalbek Reborn)
“Baalbek Reborn”: Die Wiederauferstehung der Ruinenstätte im Libanon mittels moderner 3D-Rekonstruktionen (Bild: Screenshot Baalbek Reborn)

Die Stätte Baalbek im Libanon ist unter vielen Mystery-Interessieren seit über einem halben Jahrhundert ein Begriff. Ein riesiges Ruinenfeld mit ebensolche Tempelanlagen, die vor fast 2.000 Jahren von den Römern erbaut wurden. Jetzt wurde im Zusammenarbeit mit dem “Deutschen Archäologischen Institut” die Applikation “Baalbek Reborn” fertigt gestellt, die mittels beeindruckender 3D-Grafiken und entsprechenden Erklärungen die Anlage wieder zum Leben erweckt. Heute wurde die Software auf einer internationalen Pressekonferenz offiziell vorgestellt. Ich habe für Euch daran teilgenommen und auch “Baalbek Reborn” bereits getestet. Mit für uns interessanten Ergebnissen, wie Ihr hier lesen könnt.


Baalbek

Die Römer bauten nahezu in der damals bekannten Welt bis heute beeindruckende Monumente, Gebäude und Tempelanlagen. Doch die größte und eindrucksvollste Anlage dieser Art stand nicht etwa im alten Rom, sondern in Baalbek im heutigen Libanon. Hier entstand unter den Römern ab dem späten 1. Jahrhundert nach Christus vor allem das bekannte Heiligtum des Jupiter. Dessen noch stehende Säulen sind das Wappen des Libanon und unzählige Male fotografiert worden.

Dieses Jupiterheiligtum zu Ehren des höchsten aller römischen Götter ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Wie das gesamte Heiligtum von Baalbek. Der dortige Tempel zu Ehren des Gottes Bacchus, kleiner als der Jupitertempel und ein Stück davon entfernt, beeindruckt indes durch seinen sehr guten Erhaltungszustand. Eine mehr als wechselvolle Geschichte hat dieses einstige Heliopolis der Römer hinter sich. Nicht nur als Heiligtum des Gottes “Jupiter Optimus Maximus Heliopolitanus”, denn bereits vor 10.000 Jahren war dieses Gebiet besiedelt. Baalbek gilt als eine der ältesten, durchgehend besiedelten Orte der Welt.

Die Römer waren schon vor der Zeitenwende an diesem Ort. Wahrscheinlich 63 vor Christus wird diese Stätte erstmals erwähnt. Die emsigen Bauarbeiten begannen jedoch erst später und erreichten zwischen 200 und 300 nach Christus ihren Höhepunkt. Nach und nach folgte der Zerfall des Mega-Heiligtums, bis die ersten Entdecker, Forscher und Archäologen kamen. Mit ihnen rückte Baalbek auch in den Fokus der Grenzwissenschaft, der Prä-Astronautik.

Baalbek – der Flughafen der Ancient Aliens

Es war 1959, als der russische Prä-Astronautik-Pionier Modest Agrest in einem Artikel in “Literaturnaja Gazeta” spekulierte, dass die “Terrasse von Baalbek”, auf der der Jupitertempel der Römer steht, in Wahrheit eine vollkommen andere Herkunft habe. Dieser Unterbau, mit ihren 800 und mehr Tonnen schweren Steingiganten, war einst, so Agrest, ein Startplatz für Raketen der Astronautengötter! Diese Plattform diente den antiken Astronauten eines Tages nicht mehr, wurde verlassen und tausende Jahre später kamen die Römer und nutzte sie für ihre Zwecke.

Heute sind die Pionier-Ideen zu den modernen Ancient Aliens durch Agrest praktisch vergessen. Auch wenn zahlreiche seiner veröffentlichten Spekulationen nach über 60 Jahren noch immer diskutiert werden. Baalbek ist nur eine davon. Zehn Jahre später nahm auch Erich von Däniken in seinem ersten Buch “Erinnerungen an die Zukunft” das Thema auf. Er schrieb zu Baalbek:

Der russische Professor Agrest allerdings hält es für möglich, dass es sich bei den Resten der Terrasse um Überbleibsel einer riesigen Landefläche handeln kann.

“Eine Tanzfläche für Riesen” nannte von Däniken die Anlage schon 1968 und faszinierte Millionen Menschen damit. Wie konnten damals (wann auch immer…) Menschen Steine von 800 bis sogar über 1.000 Tonnen bewegen? Oder wie sollte jener Steinblick, der erst 2014 entdeckt wurde, und bei einer Größe von 19,60 x 6 x 5,5 Metern unglaublichen 1.650 Tonnen wiegt, jemals bewegt werden (mehr dazu HIER)? Dieser liegt neben dem legendären Riesenmonolithen, der zum Beispiel als “Stein des Südens” bekannt ist und ca. 1.000 Tonnen wiegt.

Jahre später übernahm auch der US-Prä-Astronautik-Autor und Nibiru-Erfinder Zecharia Sitchin die Idee eines Startplatzes von Außerirdischen. In zahlreichen seiner Bücher sah er in Baalbek sogar einen ganzen “Raumflughafen” von den außerirdischen Anunnaki. Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten hätten hierbei sogar als eine Art Orientierungspunkt für eine Einflugschneise nach Baalbek gedient, so Sitchin in seinen Werken. Wilde Spekulationen, die durchaus noch ihre Fans und Anhänger haben.

Geblieben ist von diesen phantastischen Behauptungen eigentlich nur die “Terrasse” von Baalbek. Also jene riesigen Bausteine, auf denen der Jupitertempel thront. Jeder kann sie sehen. Besuche oder Bilder der weit verteilten Ruinen vermitteln jedoch nur einen Eindruck der einstigen Pracht und Größe der Gesamtanlage in ihrer Blütezeit. Das hat jetzt ein internationales Team von Archäologen und “Technologen” geändert.

“Baalbek Reborn: Temples”: Begeisterte Experten

Heute (31. März) wurde auf einer digitalen Pressekonferenz des “Deutschen Archäologischen Institutes” (DAI) die Applikation bzw. Software “Baalbek Reborn: Temples” vorgestellt.

Experten des Deutschen Archäologischen Instituts stellen die römischen Tempel in Baalbek, Libanon, vor und zeigen Ihnen die Ruinen und eine digitale Rekonstruktion.

So die Kurzbeschreibung der Software, die Ihr HIER findet. Entwickelt wurde sie von der Libanesischen Antikenbehörde, dem DAI und der Sorftwarefirma “Flyover Zone” aus den USA gleich in mehreren Sprachen. “Flyover Zone” hat sich “auf virtuelle Zeitreisen in die Antike spezialisiert”, so das DAI, und die Forscher des DAI, “die seit 1998 an der Stätte arbeiten, stellten die wissenschaftliche Grundlage für die 3D-Rekonstruktionen zur Verfügung”. Geleitet werden diese Ausgrabungen und Forschungen in Baalbek von Margarete van Ess. Die Archäologin ist die Direktorin der Orient-Abteilung des “Deutschen Archäologischen Instituts” und von der Stätte begeistert:

“Das faszinierende an Baalbek sind nicht nur die römischen Tempel, sondern auch die fast 10.000jährige Geschichte. Als Archäologin habe ich anhand von Funden und Forschungsergebnissen häufig ein Bild vom damaligen Zustand dieses besonderen Ortes im Kopf. Dass die Tempel nun auch in der App Gestalt annehmen und so von Menschen in der ganzen Welt betrachtet werden können, ist fantastisch!

Dr. Bernard Frischer, Direktor von “Flyover Zone”:

Für Flyover Zone ist mit diesem Projekt ein Traum wahr geworden. Sowohl die schiere Größe des Baalbek-Heiligtums als auch seine kulturelle Bedeutung sind unübertroffen. In der Antike konsultierten Menschen aus weit entfernten Regionen des Reichs das Orakel von Baalbek, und wir haben sogar Aufzeichnungen darüber, dass auch Kaiser dies taten. Jetzt können wir das, was wir gelernt haben, nutzen, um Baalbek in die Klassen- und Wohnzimmer von Studierenden und der allgemeinen Öffentlichkeit zu bringen. Wir hoffen, dass Tausende von Menschen auf der ganzen Welt die virtuelle Tour herunterladen und sie nutzen, und dass sie angeregt werden, die Stätte zu besuchen (…)”

Testbesuch in “Baalbek”

Ich hatte mich für die heutige Pressekonferenz ebenfalls angemeldet (dazu später mehr) und wollte diese abwarten, bevor ich “Baalbek Reborn: Temples” selber teste und darüber für Euch berichte. Denn immerhin kenne ich als alter Hase der Prä-Astronautik die Spekulationen um Baalbek seit meinen Anfängen 1989.

Mein Testbesuch war auch von Erfolg gekrönt. Jedoch musste ich vorerst eine mir vollkommen unbekannte Software herunterladen, installieren und dort einen Account anlegen. Diese nennt sich “Stream” und scheint so was wie eine Gamingplattform zu sein (Falls ich mich irre, seht es mir nach. Ich habe mich da nicht wirklich umgesehen, da mich nur Baalbek interessierte.). Hier wiederum musste ich die eigentliche Applikation des 3D-Baalbek herunterladen, die immerhin 1,4 GB groß ist.

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Warum diese Datenmenge nötig war, zeigte sich sehr schnell beim Start der Rekonstruktion. Die Bilder und Fotos sowie die in 3D rekonstruierte Stätte mit all ihren wundervollen Einzelheiten ist überaus detailreich und fein ausgearbeitet. Inklusive 360 Grad-Schwenkungen oder auch Sprachausgaben. Der kurzer Software-Trailer HIER der Firma “Flying Zone” vermittelt davon einen Eindruck. Nicht getestet habe ich es mit einem VR-Headset, da “Baalbek Reborn” auch auf eine Betrachtung mittels “virtueller Realität” entwickelt wurde. All das soll Baalbek im Jahr 215 nach Christus zeigen.

Eine beeindruckende Arbeit und Darstellung, bei der auch Phantasie mit ihm Spiel war. Schließlich ist anhand der vorhandenen Ruinen Baalbek nicht mehr bis in jede Einzelheit exakt wieder zu rekonstruieren. Entsprechende Vermerke in dem Programm weisen auch darauf hin, dass es hier auch eigene Vorstellungen mit einflossen. Kein unübliches Verfahren. Man denke hier beispielsweise an die Maya-Stätten oder die Azteken-Stadt Tenochtitlan, wie sie in modernen TV-Dokumentationen als Rekonstruktionen zu sehen sind. Auch hierbei finden sich “Freiheiten” in deren digitalen Neuschöpfungen.

Spannend waren natürlich die riesigen Megalithen, mit denen der Unterbau des Jupitertempels errichtet wurde. Immerhin erklären Texte und Sprachausgaben unzählige Details an insgesamt 38 Stationen der virtuellen Reise. Was man da gerade genau wo sieht und was dies einstmals für eine Bedeutung hatte und ähnliches. Bei den Riesensteinen: Fehlanzeige. Hier wird lediglich auf die Pracht des Jupitertempels und vor allem seiner einstigen Säulen oder auf die Höhe der Gesamtmauern usw. eingegangen. Von den gigantischen Steinen, die natürlich in der Rekonstruktion zu sehen sind, kein exaktes Wort.

Der oben genannte und im Kreise der Grenzwissenschaft überaus bekannte “Stein des Südens” kommt übrigens nicht vor. Wohl auch deshalb, da er weit außerhalb von Baalbek noch im Steinbruch liegt.

Pressevorstellung von “Baalbek Reborn: Temples”

Die heutige Online-Pressekonferenz mit Teilnehmern aus Deutschland, den USA und der Libanesischen Antikenbehörde war für den Laien im Vergleich zur Software selber natürlich langweilig.  Es wurde vor allem die Bedeutung der Stätte unterstrichen. Abbas Mortada, Minister für Kultur und Landwirtschaft der Republik Libanon sowie Sarkis Khoury, Generaldirektor der libanesischen Antikenbehörde betonten hierbei auch den Tourismus. Schließlich wird Baalbek in Hochzeiten von Besuchern geradezu überrannt. Bernard Frischer, der Direktor von “Flyover Zone”, zog dabei Vergleiche zu den Pyramiden von Gizeh, die verglichen mit Baalbek die ganze Welt kennt.

Margarete van Ess in ihrer Funktion als Leiterin des Forschungsprojektes Baalbek am DAI betonte, dass “Millionen Besucher” im 20. Jahrhundert nach Baalbek kamen. Sie würden dabei auch immer wieder über die riesigen Bausteine dort staunen. Mehr jedoch sagte auch sie nicht bei der Pressekonferenz zu diesen Steinriesen. “Kriminalistische Forschung” war laut van Ess für den digitalen Wiederaufbau notwendig. Deshalb könne man stolz über die entwickelte Software sein, wie alle offiziellen Teilnehmer betonen. Zu recht.

Van Ess veröffentlichte übrigens einige Bücher über Baalbek und die dortigen Forschungen, die ich Euch am Ende empfehlen möchte.

Der Koordinator des Baalbek-Projekt, Henning Burwitz vom DAI, präsentierte auch die Funktionen und Funktionsweisen von “Baalbek Reborn”. Sie ist für Mystery-Fans aufgrund der mangelnden Aussagen zu den Riesen-Bausteinen sicherlich eine Enttäuschung.

Nicht erwähnt wurde in der Pressekonferenz, dass die Sofortware oder Applikation auch Quellenangaben enthält. Was mit Sicherheit für den Laien auch vollkommen uninteressant ist, da diese sich an den beeindruckenden Bilder erfreuen und etwas über Baalbek lernen können. Für uns sind diese aber interessant

Baalbek und die Quellen

Als 1959 Professor Modest Agrest seine Idee, dass in Baalbek Raketen von Außerirdischen auf einer “Plattform” starteten, formulierte, fußten diese in Quellen von 1896. Da später sein Artikel auch ab 1962 in französisch (“Des cosmonautes dans I’antiquité”, in: “Plaète”, Nr. 7/1962) und anderen Sprachen erschien, fand sie immer mehr Verbreitung. Bis sie letztlich zum Teil der Geschichte der Prä-Astronautik wurde.

Tatsächlich war es Ende des 19. Jahrhunderts die Meinung, dass hier eine “Terrasse” oder “Plattform” den Unterbau des Haupttempels von Baalbek bildet. Ab 1898 jedoch erfolgten bereits Ausgrabungen in Baalbek und genauere Untersuchungen der Fundamente, die in verschiedenen Kampagnen durchgeführt wurden. Erste Veröffentlichungen dazu folgten 1901 und 1902. Vor allem die Ausgrabungen und Forschungen von Theodor Wiegand in den Jahren 1898 bis 1905 sind hier zu nennen, die in verschieden Bänden ab 1921 in Berlin erschienen.

Wiegand zeigte darin vor allem klar auf, dass es eine zusammenhänge Terrasse von Baalbek nicht gibt. Hier wurde ein Fundament errichtet, das vor allem aus groben Steinen, Bauschutt und natürlichen Steinen aufgebaut wurde. Darum kamen bearbeitete Steine von fast 10 Metern Länge und 4 Metern Höhe, auf denen letztlich die legendären Riesen-Blöcke gelegt wurden. Die Bauweise ist sogar auf Fotos der Anlage teilweise klar zu erkennen. Datiert wurde das gesamte Fundament wie Baalbek an sich von den Archäologen in Zeit der Römer, woran sich heute in der Archäologie nichts änderte.

Unter “alternativen Historikern” wird bis heute bezweifelt, dass Baalbek bzw. die dortigen Riesen-Steine von den Römern stammen. So etwa von dem bekannten Autoren Graham Hancock. Er widmend sich beispielsweise in seinem umfangreichen Buch “Die Magier der Götter” (2018) ausführlich dieser Stätte. Unter anderem in einem ganzen Kapitel.

Agrest kannte in der ehemaligen UdSSR diese Quellen entweder nicht oder hat sie ignoriert. Erstaunlich aber bei der Rekonstruktion der Anlage in “Baalbek Reborn: Temples” ist hier wiederum die Art des Literaturverzeichnisses. Es enthält nur 13 Quellen von 1901 bis 2008, die wohl den wissenschaftlichen Anspruch der Rekonstruktion unterstreichen sollen. Denn alles sind wissenschaftliche Veröffentlichungen. Keine populärwissenschaftliche Arbeit zum Thema Archäologie, in denen Baalbek Thema ist, findet sich darunter. Obwohl schon bei der Pressekonferenz betont wurde, dass diese 3D-Modellierung mit modernen Mitteln Besucher für die Anlage begeistern soll.

Aus diesem Grund vermisse ich persönlich eine moderne Art der “weiterführenden Informationen”. Etwa zu YouTube-Videos, “Google Earth” oder Online-Bildergalerien dazu. Das sind keine Quellen in dem Sinne – aber würden “Baalbek Reborn: Temples” für die jungen Mediennutzer, und an die soll sich die Software richten, vielleicht noch weiter begeistern.

Zumindest ich war von der Arbeit beeindruckt.

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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Das “Logbuch des Merer” auf dem Papyrus Jarf: Wirklich ein Beweis für den Bau der Cheops-Pyramide unter Pharao Cheops?

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Das "Logbuch des Merer" auf dem Papyrus Jarf: Wirklich ein Beweis für den Bau der Großen Pyramide unter Pharao Cheops? (Bilder: gemeinfrei & P. Tallet)
Das “Logbuch des Merer” auf dem Papyrus Jarf: Wirklich ein Beweis für den Bau der Großen Pyramide unter Pharao Cheops? (Bilder: gemeinfrei & P. Tallet)

Wie genau die Cheops-Pyramide gebaut wurde, ist bis heute ein Rätsel. So verwundert es auch nicht, dass gerade in “alternativen Geschichtskreisen” bezweifelt wird, dass es wirklich Pharao Cheops vor rund 4.600 Jahren war, der das Monument errichtete. Es gäbe nämlich, argumentierende diese, keine entsprechenden Aufzeichnen und Berichte aus der Zeit Cheops, die das belegen. Falsch sagen Kritiker und Ägyptologen. Sie verweisen auf einen erst 2013 gefundenen Papyrus aus den Tagen von Cheops, der dies belegen soll.  Ein “Logbuch” eines Arbeitertrupps, der Steine nach Gizeh zur Cheops-Pyramide lieferte. Außerhalb von Fachkreisen ist dieser Fund kaum bekannt – aber ist der Text darauf wirklich ein Beweis, wie Skeptiker der “alternativen Historiker” immer sagen? Grund genug, sich diesen Papyrus und dessen Hintergründe in diesem Blog-Artikel einmal genau anzusehen.


Cheops-Pyramide

Über keine Pyramide der Welt wird soviel geschrieben, geforscht und vor allem spekuliert wie über die Cheops-Pyramide von Gizeh. Die Große Pyramide, die auch immer wieder Thema in Beiträgen und Artikeln auf diesem Bog und in zahlreichen Videos auf meinem YouTube-Kanal ist, regt seit Jahrtausenden die Phantasie an. Ihre Größte und offensichtliche “Schlichtheit” scheinen wohl der Grund dafür zu sein.

Aber auch der Umstand, dass nach der “ersten Öffnung” der Pyramide durch die Araber im 9. Jahrhundert keine weiteren Funde in Form von Artefakten in ihr gemacht wurden. Mit Ausnahme der “Dixon-Relikte”, über die Ihr HIER mehr erfahrt, und die zum Teil älter als die Pyramide selber sind, wie in diesem Video HIER dargelegt. Denn während die Araber noch Gold, Statuen und sogar Mumien und viele andere Dinge laut arabischen Chronisten im Inneren der Cheops-Pyramide fanden, wartet man seit dem auf vergleichbare Funde vergeblich. In meiner Artikel-Reihe “Mythos Cheops-Pyramide” auf diesem Blog sind übrigens unter andrem alle diese Funde aufgelistet. Teil 1 findet Ihr HIER.

Obwohl die benachbarte Chephen-Pyramide vor Ort in Gizeh aufgrund ihres Standortes eigentlich mindestens ebenso groß wie die des Cheops erscheint, konzentrieren sich nahezu alle Spekulationen und auch Phantasien auf die Große Pyramide. Sie ist nur wenige Meter größer, aber im Inneren ungleich ausgefeilter und rätselhafter gebaut. So verwundert es nicht, dass die klassischen Erklärungen der Archäologie rund um die Pyramide des Cheops von “alternativen Historikern” meist abgelehnt werden. Diese vermuten weit mehr hinter dem Monument. Zum Beispiele, dass in dieser in noch verborgenen Geheimkammern spektakuläre Funden auf ihre Entdeckung warten.

Etwa jene mutmaßlichen Kammern oder Hohlräume, die erst vor wenigen Jahren oberhalb der “Großen Galerie” und nahe des Einganges gefunden wurden. Mehrfach wurde darüber HIER in Videos und Artikeln berichtet – nur ist es bisher still um diese geworden.

Atlanter bauten die Pyramide – oder Aliens

Eine Verschwörung? Denn genau das vermuten nicht wenige, die der anerkannten Deutung der Großen Pyramide mehr als skeptisch gegenüber stehen. Sie bezweifeln, dass die Cheops-Pyramide in der IV. Dynastie vor rund 4.600 Jahren von genau eben diesem Pharao erbaut wurde. Auch wenn die meisten Chronisten und Historiker mit Abstand ihn am Häufigsten als Baumeister nennen. Etwa das Werk “Hitat” oder der Grieche Herodot.

Vielmehr wird mehr hinter der Cheops-Pyramide vermutet, als es uns die Ägyptologen sagen. Viel mehr. Wenige behaupten sogar, dass antike Astronauten aus dem All, also Außerirdische, die Pyramiden bauten. Selbst mit frei erfundenen “alten Schriften” wird versucht, dies zu belegen. Andere sehen eher so was wie eine versunkene Ur-Kultur als Bauherren der Pyramide oder Pyramiden inklusive Sphinx. Während früher hier gerne das Stichwort “Atlantis” in diesem Kontext fiel, spricht man heute lieber von einer “Mutterkultur” oder ähnlichem. Gleichfalls sei die Pyramide damit auch sehr viel älter. Vielleicht sogar über 10.000 Jahre.

Fraglos spannende und faszinierende Spekulationen und Überlegungen. Wenig verwunderlich ist es da, dass die etablierte Archäologie von solchen Deutungen nichts wissen will. Es wären nicht mehr als wilde Phantastereien. So ist man sich einig.

Das gilt auch für die unzähligen “Erklärungen”, was genau die Cheops-Pyramide einst war oder wozu sie diente. Ein Grabmal des Pharao sagen bekanntlich die Archäologen. Archäologische Laien wollen davon nichts wissen! Sie haben immer wieder neue “Erklärungen”, die sich meistens alle widersprechen. Von eine Art “Signalstationen für Alien-Raumschiffe” bis zu “Wettermaschinen” oder “Wissensbunker” zum Schutz vor der Sintflut reichen diese Interpretationen. Denn, so wird auch argumentiert, die Alten Ägypter hätten ein solch gigantisches Monument nie bauen können. Angebliche gäbe es keine Beweise dafür, alles wäre zu perfekt (“millimetergenau”) und außerdem sei hier alles viel zu exakt, als das man dies mit einfachen Werkzeugen hätte schaffen können. Eher waren es Ancient Aliens als Pharaonen …

In diesem Video HIER gehe ich darauf ein. (Das Video ist nur für Kanalmitglieder und treue Fans auf Mystery Files!)

Die Baupläne des Pharao

Archäologen scheren sich nicht um solchen Spekulationen. Und wenn, dann nur beiläufig und vor allem – ablehnend. Sie verweisen unter anderem auf eine gigantische Flut an Funden und Erkenntnissen zur Großen Pyramide, die in den letzten – sagen wir – 200 Jahren durch die Forschung erbracht wurde. Beispielsweise die Entdeckung der Steinbrüche in Gizeh inklusive der offensichtlich primitiven Technik des Steinabbau. Dazu auch die Funde von zahllosen Werkzeugen in diesen und natürlich die Ausgrabungen der Wohnstätten der einstigen Arbeiter. Einem ganzen Dorf unweit der Pyramiden. Vor Ort kann man dies alles mit eigenen Augen sehen.

Kritiker der etablieren Archäologie fragen oft, wo sind denn die Aufzeichnungen von damals? Die Papyri oder eben alten Schriften, die uns überliefern, wie die Pyramiden gebaut wurden? Schließlich, so heißt es weiter, haben die alten Ägypter nahezu alles aufgezeichnet und dokumentiert. Dass solche Dokumente oder sogar Baupläne nicht existieren, ist auch für die Ägyptologie mehr als bedauerlich. Ausnahmslos jeder Ägyptologe würde die Korken knallen lassen, sobald dem Sand Ägyptens solche Funde entrissen werden könnten. Darauf warten sie bis heute vergeblich.

Für die meisten Ägyptologen steht aber außer Frage, dass es Baupläne und zahlreiche weiteren Unterlagen für die Architekten gegeben haben muss. Eine ganze Bibliothek mit Plänen und Aufzeichnungen, die auch entsprechende Dokumente der III. und IV. Dynastie enthalten haben müssen. In einem späteren Blog-Artikel wird dieses Thema noch genauer ausgeführt.

Als Argument für das Fehlen solcher Beweise führen die Forscher gerne an, dass diese zwar existieren, aber eben noch nicht gefunden wurden. Oder, nicht unwahrscheinlich, diese im Laufe der Jahrtausende längst zerstört sind. Optimisten (oder Pessimisten, wie man es sehen mag) bemerken etwa, dass nur 1 Prozent der Schätze und Hinterlassenschaften Ägyptens bis heute erst entdeckt, erforscht und dokumentiert wurden. Wobei man sich hier nicht um ein paar wenige Prozent streiten sollte. Wo also sind die Baupläne des Pharao oder die Bücher der Pyramidenbauer, die es laut Legenden einst ebenso gegeben hat, wie in diesem Artikel HIER ausgeführt?

Sie könnten tatsächliches noch eines Tages gefunden werden. Zumindest teilweise. Ägyptologen oder Kritiker irgendwelcher alternativen Hypothesen haben hierzu aber ein Ass im Ärmel, wie sie glauben. Ein Papyrus aus der IV. Dynastie aus der Zeit des Pharao Cheops, der als eine Art Logbuch des Pyramidenbaus verstanden wird. Zumindest soll dieses einzigartige Dokument beweisen, wie die Pyramiden gebaut wurden. Vor allem aber, dass es Cheops war, der die Große Pyramide schuf.

Wadi al-Garf und “Papyrus Jarf A und B”

Das Dokument nennt sich “Papyrus Jarf A und B” und ist zweifellos ein unschätzbarer Fund aus der Zeit der großen Pyramiden. Die Fragmente dieser Papyri waren eine Sensation, als diese erst im Jahr 2013 entdeckt wurden, da sie die bisher ältesten beschriebenen Papyri überhaupt sind. Sie stammen aus der Zeit von Cheops und sind damit vor etwa 4.600 Jahren beschrieben worden. Ein unglaublicher Fund, der in einer künstlichen Höhle, einer Art “Galerie”, im Wadi al-Garf entdeckt wurde, und sich als Aufzeichnung eines Arbeitstrupps von Cheops herausstellte.

Wadi al-Garf wiederum wurde schon 1832 von Forschern entdeckt bzw. erstmals dokumentiert und beschrieben. Es liegt am Westufer des Roten Meer (Golf von Suez) im nördlichen Ägypten und ist eine uralte Hafenanlage. Intensive Forschungen und Ausgrabungen fanden hier damals nicht statt. So geriet die Stätte immer wieder aus dem Fokus, bis erst ab 2011 intensive Grabungen von französischen Archäologen begannen. Maßgeblich unter Leitung des Archäologen Pierre Tallet vom “Französischen Institut für Orientalische Archäologie”.

Die gesamte archäologische Stätte erwies sich als wahre Fundgrube. Nicht nur die Hafenanlage wurde dokumentiert, sondern auch zahlreiche große Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser sowie zahllose Einzelfunde. Vermutet wird unter anderem, dass die ca. fünf Kilometer riesige Anlage für den Schiffsverkehr zur Sinai-Halbinsel diente, die an dieser Stelle nur knapp 50 Kilometer über den Golf von Suez entfernt ist.

Unter anderem fanden die Forscher eben diese “Galerien”, die aus langen Räumen in rechteckiger Form bestehen und bis zu 34 Meter in die Felsen geschlagen wurden. Knapp 30 dieser Räume sind bisher bekannt, die rund drei Meter hoch und 2,5 Meter breit angelegt wurden. Es waren scheinbar mühsam angelegte Lagerräume, die mit Steinplatten verschlossen wurden und eine Vielzahl an Funden für die Archäologen enthielten. Auch wenn längst nicht alle der Kammern oder “Galerien” bisher geöffnet und ausgegraben wurden. Das entdeckte Inventar an sich könnte man als typisch für Lagerhäuser in Häfen bezeichnen.

Viele Funde datieren den Hafen an den Anfang der IV. Dynastie. Selbst die Namen Cheops und die des Herrschers Snofru wurden auf Siegeln entdeckt. Snofru war der Vater und Vorregent des Cheops und ist laut Ägyptologie der Baumeister von gleich drei Pyramiden. Genau dort, in einer solchen “Galerie”, fand Pierre Tallet den sensationellen “Papyrus Jarf A und B” als bisher einziges Dokument, dass vom Bau der Cheops-Pyramide spricht. Wie behauptet wird.

Was sagt “Papyrus Jarf A und B” wirklich?

Ägyptologen feiern den Fund, und viele “Mystery-Kritiker” schließen sich dem Fest an. Aber ob das zurecht geschieht, steht eigentlich auf einem anderen Blatt oder Papyrus!

Das Dokument ist ein Teil des Schiffslogbuch einer Gruppe von Arbeitern unter ihrem “Inspektor” namens Merer. Ihre Aufgabe war es, Bausteine aus den Tura-Steinbrüchen südlich von Gizeh über den Nil zur Baustelle auf dem Gizeh-Plateau zu liefern. Dazu segelten sie immer hin und her und kamen so auf zwei bis drei Fahrten in einem Zeitraum von 10 Tagen. Eine mehr oder weniger eintönige und sich immer wiederholende Fahrt, wenn man es so sehen will. Unzählige solche Arbeitstrupps mit ihren Booten muss es einst gegeben haben, die Material von Tula herbeischafften. Nur den Trupp um Merer kennen wir dank dieses Fundes heute.

Der Papyrus bzw. das dort verzeichnete Logbuch ist streng gegliedert und schon fast monoton und langweilig. Es verzeichnet die Monate und Tage und notiert dabei, was genau an diesem oder jenem Tag geschah. Wo übernachtet wurde, wann in Tura geladen wurde oder was der Truppführer Merer machte. Eben ein Logbuch zur Dokumentation, das aus dem 26. Regierungsjahr von König Cheops stammt. Im “Jahr nach der 13. Volkszählung von Cheops”, wie es der Entdecker Pierre Tallet konkret benennt.

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In Gizeh selber wird auch eine Person genannt, die eine Art Hafenmeister von Cheops am Gizeh-Plateau selber war. Ein Mann mit Namen Anchhaf, der als hoher Beamter selber später in Gizeh bestattet wurde, und dessen Grab in Form einer Mastaba das größte private Grab auf dem Ostfriedhof dort ist. Weiter finden sich dort neben dem Gizeh-Hafen auch die Cheops-Pyramide (= “Achet-Chufu”, “Horizont des Cheops”) selber erwähnt, sowie eine “Kapelle” des Cheops, in der die Arbeiter bei ihren Fahrten einmal übernachteten.

Das klingt alles überaus plausibel: Eine Arbeitertruppe unter Leitung des Vorarbeiters Merer, die zwischen Gizeh und den Steinbrüchen mit ihrem Boot pendelte, um einen Stein nach den anderen zu liefern. Vor Ort wurde natürlich das Schiff beladen und die Arbeiter übernachteten bei ihren Reisen, um am anderen Morgen ihr Tagewerk weiter zu verrichten. Doch dann beginnen auch bei den Archäologen die ersten Spekulationen!

Im 26. Regierungsjahr des Cheops

Der Kalkstein aus Tura, der in diesem Logbuch erwähnt wird, diente wahrscheinlich für die Außenverkleidung der Cheops-Pyramide, vermutet die Archäologie. Wie man an der Spitze der Chephren-Pyramide noch heute sieht, waren die Pyramiden einst mit diesem Kaltstein verkleidet. Heute sind die Monumente durch Steinraub und den Zahn der Zeit kahl. In dem Papyrus steht die genaue Verwendung des gelieferten Steines allerdings an einer einzigen Stelle genannt.

Die Vermutung, die dienten der Verkleidung, liegt aber durchaus nahe. Der Papyrus stammt aus dem 26. Regierungsjahr des Cheops und damit wäre seine Pyramide zu dieser Zeit schon so gut wie fertig. Also lieferten seine Arbeit für den letzten Schliff zu dieser Zeit schon die Steine für die Außenverkleidung des Bauwerkes, die natürlich erst gegen Bauende angebracht wurde. Das wäre im Jahr 2594 vor Christus gewesen, wenn Cheops 2620 vor Christus den Thron bestieg. 14 Jahre vor seinem Tod, wobei so wirklich auf ein Jahr genau will sich kein Ägyptologe auf die Lebensdaten des Cheops festlegen. Mit den sicherlich notwendigen Jahren der Vorplanung des Bauwerkes wäre der Papyrus zeitlich sicher sehr gut in die von den Archäologen immer angeführten Daten und Bauzeiten in Einklang zu bringen.

Pierre Tallet als Entdecker dieser Dokumente veröffentlichte eine Übersetzung und Analyse des Textes in seiner Untersuchung “Les papyrus de la mer Rouge I. Le ‘journal de Merer’ (Papyrus Jarf A et B)” 2017 beim “Französischen Institut für Orientalische Archäologie”. “Sie liefern ein einzigartiges, wenn auch indirektes Zeugnis für die Konstruktion eines Außergewöhnlichen Denkmal”, so Tallet in seiner Publikation. Doch “leider werden die derzeit angewandten Bautechniken nicht erwähnt”, bedauert er weiter. Was aufgrund der Art dieses Fundes, eben ein Logbuch eines Arbeitertrupp unter ihrem Führer, auch nicht zu erwarten wäre, wie Tallet selber schreibt.

Bestimmt waren die abgebauten Steine, so Tallet weiter, für die “Baustelle der Pyramide, wo sie höchstwahrscheinlich, aber nicht ausschließlich, in der Außenverkleidung verwendet” wurden.

Bau oder Umbau?

Sehr weite Teile der Untersuchung des Textes nehmen bei Tallet verschiedene Berechnungen und Analysen des Kontextes ein. Also wie viel Mann dieser Trupp hatte (ca. 40), wie die Strecke genau aussah, welche Verbindungen die Hafenalgen hatten, wie große die Boote waren, was diese an Last tragen konnten oder auch wo sich weitere Steinbrüche finden. Hierbei stützt er sich auf vorangegangene Untersuchungen und Forschungen, wie etwa von den bekannten Ägyptologen Mark Lehner. Schließlich ist längst bekannt, dass am Rande des Gizeh-Plateaus eine Hafenanlage und Kanäle lagen.

Tallet ist sich sicher, dass Kalkstein aus Tura nur eine Quelle für die Steine war. Schon bei den Pyramiden des Snofu wären weitere Gesteinsarten anderer geologischer bzw. mineralischer Zusammensetzung nachweisbar. Für den Bau der Cheops-Pyramide ist grundsätzlich die immer wiederkehrende Aussage “segelt am Morgen in Richtung Achet-Chufu” spannend. Auch wenn heute viele Spuren der Hafenanlagen in Gizeh und der anderen im Text genannten Gebäude nicht oder kaum mehr vorhanden sind, belegt das “Logbuch” einen Steintransport per Schiff zur Cheops-Pyramide. Mutmaßlich für deren Außenverkleidung und auch andere Bauwerke auf dem Plateau, wie es der Archäologe Tallet selber ausführt.

Dennoch muss man auch als Archäologe zugeben, dass diese Dokument kein Beweis für den Bau der Großen Pyramide unter Cheops ist. Zumindest aus Sicht der Ägyptologie-Skeptiker ist das ganz sicher so. Es wird nicht gesagt, wofür die Steine eigentlich gedacht sind. Und vor allem, so werden mit Sicherheit viele einwenden, heißt das nicht, das dieser Papyrus nicht nur eine Renovierung oder Instandsetzung der ihm zugeschrieben Pyramide durch Cheops dokumentiert. Schon seit Jahrzehnten wird nämlich genau das behauptet: Cheops habe die Große Pyramide nur unter seiner Regierung wieder erneuert und restauriert. In Wahrheit stand sie schon tausende Jahre dort, bis er Pharao wurde.

Grundsätzlich widerlegt der “Papyrus Jarf A und B” diese Spekulation nicht. Es wäre zwar eine mehr als umständliche Art der Renovierung, dass hierzu extra Hafenanlagen und Kanäle gebaut (oder wieder herrichtet?) wurden, aber theoretisch ginge dieses Unternehmen. Böse Zungen könnten sogar in den Raum werfen, der Textfund ist eine Fälschung der Altertumsforscher … Dazu aber gleich mehr.

Nur eine Fälschung?

Ägyptologen werden solchen Spekulationen niemals folgen wollen. “Papyrus Jarf A und B” passt dafür fraglos zu gut in den Gesamtkontext des Pyramidenbaus der IV. Dynastie. Sie oder Kritiker der “alternativen Hypothesen” können aber auch nicht behaupten, dass der erhaltene Text den Bau der Cheops-Pyramide unter Cheops belegt.

Angenommen, der Herrscher habe tatsächlich sich die Mühe gemacht die Große Pyramide wieder neu zu verkleiden – dann würden wir auch exakt ein derartiges “Logbuch” seiner Arbeiter finden können, wie es beim fraglichen Papyrus der Fall ist. Der Inhalt – allein für sich betrachtet! – träfe in beiden Fällen zu. Dieser würde aber auch zeigen, dass Cheops als König damals schon der Großen Pyramide seinen Namen verlieh. Sie ist auf dem Papyrus natürlich nicht als “Cheops-Pyramide” oder “Pyramide des Khufu” bezeichnet, sondern mit dem alten ägyptischen Namen “Achet-Chufu”. Damit als “Horizont des Cheops”, womit der Text eindeutig zeigt, dass Cheops im 26. Jahre seiner Herrschaft die Große Gizeh-Pyramide quasi für sich beanspruchte. Wenn man im Hinterkopf an die Spekulation der Pyramiden-Restaurierung durch Cheops der Pyramide denkt.

Was wäre aber, wenn die Ägyptologen diesen Papyrus tatsächlich gefälscht haben? Eine Archäologie-Verschwörung wird ja schon seit Jahrzehnten überall vermutet, nicht nur bei den Pyramiden. Dass Artefakte oder archäologische Funde gefälscht wurden, ist aus der Vergangenheit hinlänglich belegt. Auch in diesem Fall?

Pierre Tallet als Archäologe, der diese Schriften fand und erforschte, entdeckte in den Lagern von Wadi al-Garf zahlreiche Objekte aus der Zeit des Cheops und seines Vaters. Zum Beispiel Vorratskrüge, Seile, Keramiken, Stoffe oder auch Hölzer und Ruder für die Boote. Daneben eine unermessliche Anzahl von Scherben, von denen einige Inschriften trugen. Nicht selten sogar die Namen der einzelnen Mannschaften und der Schiffe. Der Fundzusammenhang ist damit klar und der Hafen sehr gut zeitlich einzuordnen. Alles ergibt ein rundes Ganzes, wie man so schön sagt.

Jetzt wiederum wäre es einem Ägyptologen sicher ein leichtes ein Dokument wie “Papyrus Jarf A und B” zu faken, geschickt zu platzieren und dann rein “zufällig” bei den Grabungen zu entdecken. “Seht her, was ich da habe, hier steht die Cheops-Pyramide genannt”, gäbe es dann zu verkünden. Schnell wäre nach einer genaueren Analyse und Übersetzung der Fragmente klar, womit man es hier zu tun hat. Ein Jahrtausendfund für die Ägyptologie. Im Speziellen für die Erforschung der Cheops-Pyramide.

Ein unspektakuläres “Logbuch”

Tallet hat im Anhang seiner Untersuchung des “Papyrus Jarf A und B” diesen auch in Übersetzungen wiedergegeben. Jeder kann sie damit nachlesen, wird aber schnell feststellen, dass das “Logbuch” für den Laien sehr langweilig ist. Es sind eben lediglich bürokratische Aufzeichnungen, die wohl der Dokumentation der geleisteten Arbeiten dienten. Heute würde man dazu  Tätigkeitsnachweis oder “Stempelkarte” sagen.

Nicht nur, dass Angaben darüber fehlen, wo die Steine genau verbaut worden sind, sondern nicht mal ihre Größe wird erwähnt. Zumindest nicht in den erhalten Teilen des Papyrus. Sollte man, wenn man ernsthaft einen Betrug unterstellen möchte, nicht annehmen, dass ein solches Dokument etwas detaillierter gefälscht würde? Etwa im Sinne einer Erwähnung wie: “Wir schleppten die Steine für die Verkleidung der Pyramide unseres Königs Cheops am Morgen auf das Schiff und fuhren los.”? Oder irgendeine andere Art der konkreten Erwähnung des Pyramidenbaus des Pharao Cheops, die sich direkt auf die Arbeit der Bootsmannschaft bezog?

Hier muss sicher ein mutmaßlicher Faker abwägen, um nicht bei seinem Betrug zu übertreiben. In Fachkreisen wurde der Fund so oder so in Windeseile bekannt. Für Laien ist er zu unspektakulär, als das man damit Weltruhm erlangen könnte. Sicher denken die meisten auch nach 100 Jahren hier noch an das Grab des Tutanchamun, wenn es um Schätze und Entdeckungen der Pharaonen geht. In der archäologischen Community wiederum ist Tallet damit berühmt geworden. Auch ohne öffentlichkeitswirksame Sensationen. Zweifel an der Echtheit hat niemand.

Auch ich persönlich bezweifle nicht, dass “Papyrus Jarf A und B” authentisch ist und von “Achet-Chufu”, also der Cheops-Pyramide, spricht. Nur lässt er genug Spielraum ihn in dem Sinne umzudeuten, dass hier lediglich die Renovierung der Pyramide durch Cheops beschrieben wurde. Oder sogar andere Bauarbeiten auf dem Gizeh-Plateau unweit der Pyramide, da die Nutzung der gelieferten Steine nicht überliefert ist. Ebenso hätte ihre Bestimmung irgendein Bauwerk dort sein können, nachdem Cheops die Große Pyramide für sich vereinnahmte und umbaute. Reine Spekulationen, die sich aber aus dem Dokument herleiten lassen, wenn man ihn als angeblichen “Beweis” für sich betrachtet …

Euer Jäger des Phantastischen

Lars A. Fischinger

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