Neue Runde im Streitfall um die Große Pyramide und Dr. Dominique Görlitz & Stefan Erdmann: Gab es Eisen in der Cheops-Pyramide? - Grenzwissenschaft & Mystery Files

Neue Runde im Streitfall um die Große Pyramide und Dr. Dominique Görlitz & Stefan Erdmann: Gab es Eisen in der Cheops-Pyramide?

Neue Runde im Streitfall um die Große Pyramide und Dr. D. Görlitz & St. Erdmann: Eisen in der Cheops-Pyramide? (Bild: L.A. Fischinger)
Neue Runde im Streitfall um die Große Pyramide und Dr. D. Görlitz & St. Erdmann: Eisen in der Cheops-Pyramide? (Bild: L.A. Fischinger)

Vor rund 4.500 Jahren ließen die Pharaonen in Ägypten die weltbekannte Pyramiden in Gizeh nahe dem heutigen Kairo errichten. Die größte von ihnen ist die Cheops-Pyramide, die in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte, da die beiden deutschen Hobbyforscher Stefan Erdmann und Dr. Dominique Görlitz durch die Entnahme von Proben den sog. „Cheops-Skandal“ auslösten. Nun berichten die beiden Deutschen, dass sie in diesen Pyramiden-Proben Spuren von Eisen gefunden haben – obwohl beim Bau der Monumente kein Eisen benutzt worden sein soll. Eine hitzige und scheinbar zu frühe Diskussion ist nun entbrannt …

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Hallo, Ihr Lieben und Freundinnen & Freunde des Phantastischen!

Als vor Jahrtausenden die Pharaonen auf dem Plateau von Gizeh ihre gewaltigen Pyramiden errichten ließen, nutzen die Heere von Arbeitern dabei als härtestes Metall das Kupfer. Etwa in Form von Meißen, mit denen die emsigen Steinhauer auf dem Plateau die Bausteine für die Pyramiden brachen.

Neben Kupfer war natürlich auch Holz ein wichtiges Material beim Bau der Pyramiden. Doch Eisen haben die Arbeiter vor 4.500 nach den gängigen Erkenntnissen der Archäologie dabei nie benutzt. Auch wenn vereinzelt Objekte aus Eisen aus dem Alten Ägypten bekannt sind, sind diese sehr selten und wertvoll und dienten nicht als Werkzeuge. Auch und vor allem nicht auf den Baustellen in Gizeh in der 4. Dynastie Ägyptens.

Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann, die in der Vergangenheit durch die Entnahme von Materialproben in der Cheops-Pyramide in den Medien für einen „Pyramiden-Skandal“ sorgten, berichten nun verhalten-vorsichtig von neuen Ergebnissen. Diese haben jedoch nicht mit der angeblichen „Beschädigung der Cheops-Pyramide“ zu tun, sondern mit dem angeblichen Nachweis von Eisen innerhalb der Pyramide des Cheops.

Nachdem die „BILD“ am 11. März 2015 in üblich „sensationeller Aufmachung“ titelte „Chemnitzer Archäologe Dominique Görlitz sicher: Ich habe das Cheops-Rätsel gelöst“ verbreitet sich nun diese neuerliche Entdeckung durch das Internet. Obwohl allein beide Überschriften in der „BILD“ falsch sind:

1.: Dr. Dominique Görlitz ist kein Archäologe und hat das auch nie von sich behauptet!

2.: Görlitz hat nicht behauptet, dass er das „Cheops-Rätsel gelöst“ hat!

Nun ja …

Die „BILD“ schreibt weiter und bringt es durchaus auf den Punkt:

Wenn Görlitz recht hat, waren die Ägypter technisch viel weiter fortgeschritten als bisher gedacht. ,Auch der Bau der Pyramiden ist dann leichter zu erklären‘, sagt Görlitz. Wie, will er aber noch nicht verraten.

„Will er aber noch nicht verraten“? Das klingt mysteriös und rief unlängst die Kritiker auf den Plan.

Dominique Görlitz – der Grenzwissenschaftler, der Quatsch erzählt?

Görlitz könnte man seit seinen Seefahrt-Experimenten „Abora“ im Fahrwasser von Thor Heyerdahl als einen „Experimentalarchäologen“ bezeichnen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Ein Archäologe war und ist er nicht. Auch habe ich persönlich ein leichtes Unbehagen, ihn als „Grenzwissenschaftler“ zu bezeichnen. Zumindest ich denke da eher an Mystery-Jäger aus den Bereichen Prä-Astronautik, Aliens in UFOs oder auch Autoren des Paranormalen. Dennoch ist Görlitz auch und vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Autor Stefan Erdmann, der fraglos auch die Ancient Aliens zum Thema hat oder hatte, unlängst in den Augen der Skeptiker zu einem „Grenzwissenschaftler“ geworden. Persönlich kenne ich aber keine Veröffentlichung von Görlitz, die sich mit Astronauten der Antike oder ähnlichen Themen befasst.

Pressemitteilungen zum "Pyramiden-Skandal" von Stefan Erdmann und Dominique Görlitz (Bild: L. A. Fischinger)
Der „Pyramiden-Skandal“ um Stefan Erdmann und Dominique Görlitz – die Hintergründe (Bild: L.A. Fischinger)

Doch die Titelvergabe „Grenzwissenschaft“ hat er unlängst inne. Natürlich auch aufgrund der Tatsache, dass er eben nicht mit wissenschaftlicher „Rückendeckung“ einer Universität usw. arbeitet. Und genau das ist der Knackpunkt! Nur und ausschließlich wissenschaftlich abgedeckte und einwandfreie Arbeiten, Veröffentlichungen oder Analysen sind in der „Skeptiker-Szene“ auch akzeptiert. Alles andere ist Grenzwissenschaft, Parawissenschaft oder sogar Pseudowissenschaft.

Das ist genau betrachtet auch 100 Prozent richtig, da sie sich eben „hinter der Grenze der Wissenschaft“ bewegen. Ebenso bei der Probeentnahme in den Entlastungskammern in der Cheops-Pyramide, die, wie hier umfassend berichtet, den „Pyramiden-Skandal“ auslösten. Inzwischen jedoch gab es eine „Außergerichtliche Einigung um Cheops-Projekt“, wie er Erdmann und Görlitz am 4. März 2015 in einer Presseerklärung veröffentlichten. (Übrigens: Die Behauptung, dass man nicht ohne Genehmigung und auch nicht einfach mit einem „Trinkgeld“ an die Wächter der Cheops-Pyramide in die Entlastungskammern kommen kann, stimmt nicht! Es geht bzw. ging auch ohne offizielle Erlaubnis und mit etwas Kleingeld an die Aufpasser …)

Am 8. März 2015 veröffentlichten die beiden Hobbyforscher die Meldung „Neue Erkenntnisse zum Bau der Pyramiden“ zu der Erkundung von Eisenspuren in der Patina in der Cheops-Pyramide. In dieser heißt unter anderem:

Es dürfte gänzlich außer Zweifel stehen, dass diese Eisenrückstände nicht später nach dem Einbau der Granitbalken dorthin gekommen sind oder das Resultat natürlicher chemischer Prozesse darstellen.

Gemeint sind hier die Granitsteine in der Gönigskammer der Pyramide des Cheops, die nach Erdmann und Görlitz Spuren des Baus sein könnten:

„Die von Görlitz und Erdmann beprobte und untersuchte schwarze Patina auf der Unterseite der riesigen Granitbalken an der Decke der Königskammer, die unter dem Balken über dem gemauerten Decken-Auflager weiter verläuft, deutet darauf hin, dass es sich bei diesen Anhaftungen vermutlich um Spuren technischer Gerätschaften aus Eisen handelt, die bei der Errichtung der Cheops-Pyramide Verwendung fanden.“

Genau diese Aussage rief die Kritiker auf den Plan, die glauben, die Analysen seien laienhaft und/oder falsch genommen und ausgewertet worden. So etwa in einem Internetforum, in dem es heißt, dass alles vollkommen natürlich sei und die beiden Hobbyforscher Quatsch erzählen. Selbst Dominique Görlitz mischte sich in dem Forum „Allmystery“ in die Diskussion ein und postete am 6. März eine wichtige Aussage in diesem Zusammenhang (Fettschrift von mir):

Cheops-Pyramide: Aufregung in Ägypten um die illegale Entnahme von Proben in der Pyramide durch “alternative Geschichtsforscher”n (Bild: L. A. Fischinger)
Cheops-Pyramide (Bild: L.A. Fischinger)

Es ist mir klar, dass nicht alle Ägypteninteressierten unsere Magnetit-Entdeckung mit Begeisterung aufnehmen. Da die Ägyptologen jedoch nur einwandfreie Beweise gelten lassen und unbeweisbare Hypothesen ablehnen, war es genau das Ziel unserer Studie, diesen Nachweis durch eine archäometrische Untersuchung zu führen. An der genauen Dokumentation einschließlich der historischen Quellen arbeiten wir jetzt. Die Ergebnisse werden in Kürze umfassend vorgestellt und veröffentlicht (also keine Geheimnistuerei!).

Den hier diskutierenden Kritikern möchte ich folgende Informationen im Vorab mitteilen:

1. Wir haben nicht den Granit an der Oberfläche der Deckenbalken beprobt.
2. Es stimmt, dass Granit eisenhaltige Mineralien besitzt. Dazu zähln in erster Linie aber nicht Magnetit, sondern Biotit und Hämatit sowie andere für die Härte des Granits zuständige „mafische“ Mineralien.
3. Unser Untersuchungsobjekt war eine etwa 0,1 Mikrometer dünne schwarze Schicht, die sich gegenüberliegend auf allen Granitbalken an der Decke der Königspyramide befindet. Dabei handelt es sich…
4. …nicht um einen, sondern 18 unabhängige Befunde an der Decke der Königskammer
5. Diese grauschwarze Patina ist im originalen Fundzusammenhang vorhanden, was für die Authentizität unserer Materialentdeckung von entscheidender Bedeutung ist!
6. Bereits der optische Befund an der Decke sprach für das Vorhandensein von Magnetit (Schwarzglanz) [-> Bitte schön: Es ist eine bewährte Methode der Freilandgeologie ein Material vor Ort mittels seiner optischen Eigenschaften zu begutachten!!!]

Interview & Pressemitteilung: Der Cheops-Skandal um Stefan Erdmann und Dr. Dominique Görlitz: juristisch überaus fragwürdig! +++Plus YouTube-Video+++
Interview & Pressemitteilung: Der Cheops-Skandal um Stefan Erdmann und Dr. Dominique Görlitz: juristisch überaus fragwürdig! +++Plus YouTube-Video+++ (Bild: L. A. Fischinger / D. Görlitz)

7. Versuche an einzelnen Proben mit einem Magneten ergaben, dass sich einige der
schwarzen Partikel in einem relativ schwachen Magnetfeld bewegten, was andere Eisenoxide nicht tun!!!
8. Die Laborversuche lieferten mittels der Element-Spektroskopie starke Eisen-detektionen, die den optischen Befund erstmals bestätigten.
9. Den wichtigsten Nachweis lieferte die Röntgen-Photoelektronen-Spektroskopie (XPS), die Magnetit als wichtigsten Bestandteil in der schwarzen Schicht dokumentierte.

Erst mittels der XPS-Tiefenprofilanalyse konnte sicher bestimmt werden, ob die Eisen-Signale aus der Elementanalyse von natürlichem Hämatit aus dem Granit oder tatsächlich von anthropogen (von Menschen) hergestelltem und an die Oberfläche verbrachtem Eisen stammen. Die Messungen in der schwarzen Kruste ergaben ein dominantes Magnetitsignal. Kein Hämatit oder auch Biotit. Das sind die Fakten und keine Spekulationen oder Interpretation…

Man kann uns für die Entdeckung nun kritisieren oder loben. Es geht es hier und in der Wissenschaft aber nicht um emotionale Bewertungen! Es geht um die Klärung wichtiger bautechnischen Fragstellungen bei der Errichtung der Cheops-Pyramide.

Auch auf seiner Facebook-Seite stellte Dr. Görlitz diesen Text ein. Es sollte demnach nicht verwundern, dass nach der Veröffentlichung der kurzen News-Meldung „Neue Erkenntnisse zum Bau der Pyramiden“ auf der Seite von Görlitz Kritik kommen wird. Immerhin enthielt diese News keinerlei Details und Fakten und war das, was sie ist: eine Meldung. Das hätten aber auch die Skeptiker sehen müssen. Aber ebenso sollte klar sein, dass nach einer derartigen Neuigkeit viele Fragen aufkommen werden

Wo sind die Fakten des eisernen „Cheops-Rätsel“?

Görlitz schrieb später in der genannte Internet-Diskussion:

Wie, was und warum… alles später, wenn die Zeit für die Veröffentlichung reif ist.

Um darauf noch zu ergänzen (Fettschrift von mir):

Ich werde die Fragen beantworten, aber nicht bevor ich alle Details und die notwendigen empirischen Befunde beisammen habe. Ich bitte Sie jedoch um Fairness. Es geht nicht um Recht oder Unrecht, sondern darum, mit den eigenen Leistungen und denen der anderen fair umzugehen. Und meine Kritik vorhin richtete sich auf eine Paradigmen lastige Forschung, die vielfach einen praktischen und empirischen Bezug vermissen lässt.

Video: Geheimkammern in Gizeh: Gibt es eine Verschwörung um die Cheops-Pyramide und unbekannte Kammern? (Bild: gemeinfrei / L.A. Fischinger)
YouTube-Video: Geheimkammern in Gizeh: Gibt es eine Verschwörung um die Cheops-Pyramide und unbekannte Kammern? (Bild: gemeinfrei / L.A. Fischinger)

Damit läuft die Eisen-Diskussion folgerichtig ins Leere, da eine Veröffentlichung noch aussteht. Erst diese könnte als Grundlage dienen, auch wenn Dominique Görlitz ein paar „Häppchen“ der Ergebnisse nannte.

Auch auf der Facebook-Seite des Experimental-Forschers sagt dieser, dass eine Publikation der Analysen der Patina noch aussteht. Ebenso schrieb er am 7. März:

Der Kongress (22. August 2015 im „Galileo-Park Lennestadt, Anm. L.A.F.) wird sicherlich sehr spannend werden, denn – ohne den Mund zu voll zu nehmen – glaube ich schwerwiegende Hinweise gefunden zu haben, wie die Alten die Riesenblöcke in +68 m Höhe transportiert zu haben…

Aber dafür braucht es den empirische Praxis-Versuch: Nur er kann den Nachweis führen, ob meine Interpretation richtig oder falsch ist!

So ist es! Und so sollten meiner Meinung nach die Gesamt-Veröffentlichung abgewartet werden, bevor sich die Pro- und Kontra-Seite darüber streiten kann. Doch das kommt dabei raus, wenn versucht wird, aus einer inhaltlich eher leeren Meldung eine „Diskussions-Analyse“ zu schaffen. Was vollkommen legitim ist, aber dabei sollte der Autor dieser Meldung nicht sogleich angriffen werden.

Görlitz selber hätte aber in der News vom 8. März besser darauf hinweisen sollen, dass eine Veröffentlichung der gesamten Analyseergebnisse folgen wird. Immerhin erfolgten unlängst die Aussage, dass eine Publikation der Ergebnisse irgendwie von Ägyptologen „unterdrückt“ oder „zurückgehalten“ wird.  Zurückgehalten – ja: Von Görlitz selber bis die Daten vollständig ausgewertet wurden und „ich alle Details und die notwendigen empirischen Befunde beisammen habe“ …

Ich danke Euch, Euer Jäger des Phantastischen

Fischinger-Online

(Geschäfts-eMail: FischingerOnline@gmail.com)

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